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Full text of "Hufeland's Journal der practischen Heilkunde"

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J 4> u r n a I 

d«r 



practifcheiu 



Arzneykunde 



und 



Wundarzneykunft 

b«r«atgegcboii 



von 



C. W. H u f e 1 a n d, 

Königl. Preub. Geheimen Rath, wirkl. Leibant, Director 

de« Colleg. med« diirarg., erfcem A»t der Cliarit^. 

n. £ w. 



Neunzehnter Band, Erstes Stuck. 
Mit einem Kupier. 

Berlin 1804. 

In TTngert'JournalhandluTvg. 



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Journal 

d«r 



practifcheiu 



Arzneykunde 

und 

W undarzneykunft 

horautgegcboii 
von 

C. W. H u f e 1 « n d, 

Königl. Preul«. Geheimen Ratb, wirkl. Leibant, Director 

des CoUeg. mod. diirurg., erCcem A»t der Cberit^. 

n. £ w. 



Neunzehnter Band, Erstes Stuck. 
Mit einem Kupier. 

Berlin 1804. 

In üngert'Journalhandlung. 



An xlas Publicum 

vom 

Herausgeber. 



B 



ald scbliefst nun dies Journal seine 
zweite Decade uncj das zehente Jahr 
seiner Existenz. — ^ Es sey uns Jebt er- 
laubt, mit unsern Lesefn ein Paar Worte 
darüber zu sprechen, auf das zu blik- 
ken, M^as geschehen ist, so wie auf das, 
was geschehen soll, und den Zweck und 
Geist dieser Zeitschrift wieder lebendig 
vor Augen zu stellen. Jedem Wan- 
derer thut es wohl und frommt es, 
zuweilen Halt zu machen ^ imd auf 
den Weg, den ei: zurück gelegt hat) 

a 



so wie auf das Ziel, nach dem er tradi- 
tet, hinzuschauen. 

Zuvörderst meinen besten Dank 
dem PubKkum, das diese Zeitschrift von 
Anfang an bis diesen Tag so gütig auf- 
nahm, und trotz aller Stürme^ Revolu- 
tiönen und Oppositionen ihm seinen 
Beyfall und Unterstützung nicht entzog, 
ja vielmehr in inimer zunehmendem Gra- ' 
dfe schenkte! Dank den geehrten Mit- 
arbeitern, die durch zahlreiche und dem 
Zwecke des Journals angemessene Bey- 
träge "äen Werth und die ununterbrochen 
ne Fortdauer desselben sicherten! 

JMlit inniger Zufriedenheit kann ich 
auf das Vergangene zurücksehen j und 
Isagen: ^ Da^ Jou'-iial . ist dem Geiste, 
Zwecke utid Tone treu geblieben , den 
es sich von Anfang an vorsezte ; anstän- 
dig in seinen Aeufserungen gegen Apiders- 
denkende, aber fest und unerschütterlich 
in Vertheidigung der Wahrheit, und sie 
frei und furchtlos aussprechend trotz 
aller Bannstralen und literäris,cher Inqui- 



— XI — 

sitionsgerichte ; keinem Systeme, als dem 
einzig wahren und infallibleni ausschliefs- 
lieh huldigend, aber eben deswegen in 
keinem das Wahre und Nützliche ver- 
kennend, und frei von Animosität und 
Partheisucht alles Gute auffassend, es 
komme woher es wolle; immer aber 
Erfarung als die einzige Quelle wah- 
rer Medicin anerkennend ^ ihr allein als 
Richtschnur und Gesetz huldigend, und 
ihre Kultur, Mittheilüng luid ■ Vervoll- 
kommnung als höchsten Zweck seiner 
Arbeiten betrachtend. 

Auf diese Weisö ist dasselbe (ich 
darf zu seinem Lobe sprechen, da es 
gröfstentheils nicht mein Werk ist) ein 
nützliches Archiv ' von Thatsachen und 
reellen Bereicherungen der gesammten 
Heilkunde geworden, und hat zu ihrer 
Vervollkommnung und zum Wohl der 
Menschheit (was von wahrer Vervoll- 
kommnung der Heilkunst immer unzer- 
trennlich ist) wesentlieh utitgewürkt. 
Kne Menge neuer und bewährt befun^ 
dener Heilmittel und Methoden ist da-' 



~ xn — 

dureh zi^er&t bekannt und in Umlauf 
gebracht; worden ; fast keine Krankheit 
^ist, die nicht darin sowohl für ihre Er- 
kenntnifs als Behandlung Aufschlüsse er- 
halten hätte; viele Jrrthümer und Mis- 
brauche sind gerügt, und ihre Abstellung- 
dadurcli befördert worden; selbst dieje- 
nigen, die sich am meisten dagegen er- 
hoben, haben in der Stille ihre Meinun- 
gen danach gelindert, und, indem aus 
den mitgeth eilten Erfarungen neue und 
fruchtbai-e Ideen hervergingen, so i^t 
dadurch auch für die Vervollkommnung 
und Kultur der Theorie der praktischen 
Höilkunstviel geschehen, die sich doch nie 
auf etwas anders als auf Erfarung grün- 
den kann. — Was ehdlich kein gerin- 
ger Vortheil dieses Instituts war, es wurde 
ein^Sammlungs - und yereinigungspunkt 
^für ticht praktische Aerzte zur Aufrecht- 
, erhaltung reiner Naturbeobachtung und 
auf ^ Natur gegründeter Heilkunst, wäh- 
rend einer, Revolution, die alles zu zer- 
stören drohetey was tausendjährige Er- 
fahrung gebaut hatte, und während der 
Angriffe sogenannter philosophiscl^er 



Aerate, die den sonderbaren Einfall hat- 
ten^ -eine empirische Kunst a priori zu 
deduciren, und zugleich die Anmafsung, 
alles zu verwerfen , was nicht in Äir 
selbstbeliebiges System palste. — Ich 
sage nicht zu viel , wenn ich behaupte, 
dafs dies Journal eines der kräftigsten 
Oppositionsmittel gewesen ist; denn Facta 
vsTÜrken doch am Ende mehr als Raison- 
nements, und ruhige besonnene Prüfung 
^ehr als das- Toben der Leidenschaft, 
die sich eben dadurch selbst ihr Urtheil 
«pricht, 

. Dadurcb aber, dals dieses- Journal 
nicht auf Speculatio^ien und herrschende 
Meinungen, sondern auf Erfarung sich 
stützt, bleibt es füf alle künftige Zeiten 
nützlich imd brauchbar,, da hingegen 
das blos Speculative nur so- lange Werth 
behält, als diese Ansicht der Dinge 
Mode bleibt, und wie schnell diese 
wechselt, lehrt die Geschichte des Tags 
zur 'Genüge. ■ ^ 

Die Zeiten jenes literarischen Ter^ 



XIV — a» 

rörismus sind nun vorüber, • wo man je- 
den,^ der sich unterstand anders zu den- 
ken, literarisch und auch wohl moralisch 
todtschlug, und wo viele wackere, aber 
diese Behandlung fürchtende Männer 
sich scheueten, im Publicum zu erschei- 
nen. -— Der Herausgeber vyird sichs mit 
' seinen Mitarbeitern ewig zur Ehre schäz- 
zen, dafs sie sich dadurch nicht i ir- 
re mkchen liefsen , ihren Weg stand- 
haft und , ununterbrochen fortzusetzen, 
Und ihre Meinung frei heraus zu 
sagen, — . Jetzt haben sich die Sachen 
geändert. Kühleres Nachdenken und 
reifere Erfarung haben den . gröfsei*n 
-^Theil der Parthei von dem Ungrunde 
ihrer anfänglichen Behauptungen über- 
zeugt, und man kehrt allmählich zu den 
alten fest gegründeten Wahrheiten, sey 
es auch unter anderen Nanien, zurück. 
Der Brownianismus , den man Anfangs 
so wüthend vertheidigte, ist schon 
aufgegeben; die Erregungstheorie , die 
man aii seine Stelle sezte, hat sich auch 
schön in die ächte und unächte getheilt, 
man scheint eigentlich selbst nicht recht 



— XY -— 

zii -wissen, vras man damit meint, und 
sie wfrd jetzt offenbar . durch die Nf^tur- 
Philosophie verdrängt, in welcher der. 
bessere Theil unserer speculativen Köpfe 
mit Recht ein weit erhabeneres und 
umfassenderes Feld für seine Forschungen 
findet, als in dem bisherigen dürftigen 
und beschränkten Spiel mit der Erreg- 
barkeitsskale. Die Schrieier endlich, 

scheinen in eine unheilbare Heiserkeit, 
( die giBwÖhnliche Folge des zu starken 
Schreiens) verfalleh zu seyn, und sich 
des Vergangenen zu schämen. Die In- 
fallibilität ihrer Aussprüche ist durch ihre 
eigenen Widersprüche und Uneinigkeiten 
sattsam widerlegt worden. — Genug, die 
Meinung ist wieder frei^ und die Des^ 
potie der medicinischen Scholastik ist 
vorüber. 

Mit diesem frohen Gefühl setzen \vir 
unsern Weg weiter fort. Immer soll 
uns der nämliche Geist beseelen; immer 
sollen uns folgende Grundsätze leiten: 



Äj-J»*i— ."-fi:^?^" • Änwiffrr Zriuitxnche^ . sind 
«s:- . w^r^"^ Ar Jfmrmciif JSmhzunde 

r««, si #»r'^:-aü?«t. ii/»Ä" /ziac^ zÄrr Sjmdo- 

tur den Jli^ *«• <tx"x? ^umd '•rickügUe. 
Darin mufs rr sich za: iu^cn und su 
r^rvoUkommne^ iürriftiju S'ur dadurck 
und durch reinen unhe/an^enen Sinn 
sind riciuige Erfahrungen ^ und durch 
die$e reelle En%^i£arun^ und T^en>oU- 
komntnung der Heilhunst möglich. 

y*heorie und Sp^culalion finden in 
der praktisclien Medicin nur in so weil 
Statt, als sie "von Erfarung ausgehen^ 
und sich nie über ihre Grunzen hinaus 
In das Gebiet der schwärmenden Phan* 
taste verirren. Nie dürfen sie sifih 
anvwfsen^ die Heilkunst a priori zu 
construiren^ oder der Erfarung Hohn 
zu sprechen. Ihre Bestimmung sey^ die 

fac- 



^. XVtt — 

faclisc\ei^ Wahrheit der Erfarimgen 
zu heür^heilerij, d(e Eifarungen unter 
ßllgemedne Gedcjuspunkte zu bringen^ 
zu orddfinyzu 'vergleichen und Schlüsse 
daraus zu ziehen^ die auf die Erkennt^ 
niJjS neuer JVahrheiten und auf neue 
Vfirsuchß' 9fi planmößiger Befragung 
der Natur leiten können. 
* 
• JSs ist dahec selu:- noths\'endig, einen 
W^sentlickeii. Unte^rscJäed unter prakli^ 
sj^her^ und speculaUvcr^ (oder trariscen-^ 
denXelier) Medicin zu, machen^ da sie 
^VfollJL ihreixb JÜfv^sprwige als ihrer. Ten^ 
dcnz Jiach ^wesentlich ^verschieden sind» 

■ • ■ ik . 

^ Der SipQC^tlatiayen Medicin^ die 
r^oji eigenf^eh Poesie, der Medicin 
nennen sollte^ ist alles erlaubt ^ was'' in 
eines Menschen Kopf kommen kann^ 
idehn 'es nur-i^nseifuent in sich selbst 
gedacht' ist} ei mag- übrigens mit der 
Erfarung zusammen simfnen oder 
flicht; denn in jenen Regionen ist der 
menschliche Geist allerdings Herr und 
Äfeister. r* . Es können unstreitig auf 

b 



^— xvni — - 

diesem JVege neue Ansichten ' und 
Blicke erhalten werden ^ die auf neue 
Erfarungen führen ^ undy durch Er^ 
farung bestätigt ^ der praktischen Me^ 
dicin sehr nützlich werden können. Aber 
nur dann^ wenn das lätzte zutriff t^ gehen- 
sie in das Göbiet der praktischen Heil-^ 
künde üben ' j '' 

Practische Heilkunde hingegen isi 
die, welche blos das Heilgeschäft {wöf^ 
unter Erkenhtnifs und Behandlung 
zugleich zu 'verstehen istj^ zum Zvfecke 
hatj aber nichts als vfhhr und brauch^ 
bar anerkennt^ als was durch Er^ 
farung bestätigt ist ^J. Ihr Character 
kann und darf (für jezt) nichts an^ 
ders, als rationaler EmpiHsmiis seyri. 



*) Von jeher war dieae pfMCif^fl^-Mediciii 
meine Wejt und das .Stt'fbpn meiner 
Würksa^pDi^eit^ und. icli bitte, ^us diesem 
Gesichtspunkte alles, was ich g^chriebeii 
habe % und besonders meine JPäthogenie 
und mein System der praaischen Heil* 
• künde f zu betrachten« Ich überlasse es 
•ehr gern AAdem, Systeme der Medi- 



'' Diaie practische ^Medicin allein ist 
der Zweck dieses Journals^ Wir wer- 
den niemand im Speculiren stören, aber 
eben diese Freiheit bitten wir uns auch 
in der practischen Bearbeitung der Me- 
dicin auis« Wir respectiren die Specula- 
tion, als eine freie und höhere Kraft- 
äuJserung des menschlit)hen Geistes, aber 
wir verbitten uns, dals sie sich nicht 
in's Practisjphe einmische, oder gar an-* 
mafse, dler practischen Medicin Geserza 
Torzusdireiben , da sie vielmehr selbst 
erst jdurcdi den Prüfstein der Erfahrung, 
mithin durch practisChe fiearbeitungi 
Realität und Brauchbarkeit erhalten muüs. 

oin aus höheren npecnlatiFen Prlncipien 
2.U bilden , und die höchste philosophi«« 
sehe Einheit hioeinsubringeli« Ich Vei<* 
^ länge nichts weiter und werde nie' auf 

etwas anders Anspruch machen, als die 
Theorie und Ausübung dieser practi- 
schen Medicin;. denn auch sie hat ihre 
Theorie^ -ihr System, so gut wie die 
speculatiTe; eine Theorie nämlich 9 die 
ans der Erfahrung, entstanden i&t, nie mit 
ihr im '.Widerspruche steht, und uns 
am Krankenbette sicher leiitt« 



XX 



— BloB di^e unüberlegte Vermenguhg 
speculaüver und practi3cher Medicih ist 
es^ die in den letzten Jahren so vieles 
Unheil in der Heilkunst gestiftet hat. 

Endlich erklären wir, dafs« dieses 
Journal durchaus nicht einem Systeme, 
oder ein)ßr Ansicht def Dinge huldigt^, 
sondern dafs es sich die vollkommenste 
BVöiheit der Meinung zum Gesetze ge^ 
Macht hat,' und- ihm, jeder Beitrag will* 
kommen ist, er komme aus welcher 
Schule er wolle , wenn er rrar obigen 
zwei Haupterfordemissen seiner practi« 
/ sehen Bestinunung entspricht, d. K das 
Heilgeschäft zum Zwecke, imd die Erfah- 
rung zurFührerihhaL — I3a es jedocfrnicht 
jedermanns, besonders älterer Aerztfe, Sa- 
che ist, neue Spra^chen zu lernen, auch 
dies Journal häufig aulser Teutschland 
gelegen wird, wo .man noch weniger 
Kenntnis derselben voraussetzen kann, 
/ so bitten wir, wO' es irgen4':inöglich ist, 
sich der einmal angenommen^ und 
allgemein verständlichen Worte äu be- 
dienen, und versichert zu seyn^ dals der 



XXI — 

Gebt-audi neuer Worte, wenn sie nicht 
durch würklich neue Sachen ganz un* 
entbehrlich gemacht wetden, immet der 

, Wissenschaft nachtiieilig ist, und statt 
sie zu erleichtern oder bestimmter zu 
amachen, sie . ersehwert und verwirrt j 
auch dals er bey vernünftigen Aerzten 
leichter den Verdacht der Affeetation 
uiid Modesucht, al(\ des gründlichen 
Penkens erregt. — Wir verbinden hier- 
mit die schon mehrmals gethane Bitte, 
alle technische Ausdrücke (anatomische, 

; botanische y überhaupt naturfaistorische, 
pathologisdie etc) mit ihten lateinischen 
Kunstwörtern, imd nicht mit t^utschen 
Uebersetzungen au bezeichnen, weil 
sonst wegen der vielen Provinzialismen 
der teüts6hen Sprache die gröfsten Mifs- 
verstäüdniööe enjrsteh^n können.. Wir 
erinnern nur an die Benennungen Gich- 
ter, Gefraisch, Schierkeu, statt des all- 
gemein verständlichen Wortes Convul- 
sionen,. die fa4t in jeder Provinz ver- 
schiedeüen Namen von Taraxacum etc. 
I » . "'♦'.,< ■ * . . • 

Jcb : wiedcsrhol« Jhier nun nolch die 



XXIV 

rungsmittel ansteckender Kr^kheits- 
gifte, so auch aller Gifte, überhaupt, 

• 10. Neue Erfahningen über den Sitz, 
' die nächsten und entfernten Ursa- 
chen, und den Character der Krank- 
heiten, in so fern die Kur davon 
abhängt, 

^'ix. Neue und bewährte Benutzung che- 
mischer, physischer, anatomischer, 
physiologischer u. s. w, Entdeckun- 
gen zur Eikenntnifs und Heilung 
der Krankheiten. Hierzu gehören 
auch psychologische Wahrheiten, die 
, noch zu wellig für die Keniitnifs 
und Behandlung der Gemüthtskrank« 
)i^iten benutzt \rordmi sind. 

t Id. 'Anstalten sur Verbesserung des Ge^ 
sundheitszustandes ganzer Gegenden, 
Ortachaften und Massen von Men^ 
sehen. 

15; Hospital 1 und Kliitist^he Nathrich- 
■ ten, d. h. Listen' mVd Betnerkungen 



— XXY — 

über den Krankenbestand solcher 
An£(talten, die Art ihrer Krankheiten, 
die herrschende Constitution (die 
in solchen Anstalten am besten be- 
merkt werden kann), Todesfälle, 
Leichenöffnungen und Operationen, 
gebräuchliche Mittel und Methoden, 
allgemeine Einrichtung u. s. w. — 
Es würde von unläugbarem Nutzen 
seyn, -wenn dieses Journal von den 
Vorstehern solcher Anstalten bemizt 
würde, dem Publikum von Zeit zu 
Zeit, z. B. alle Jahre, eine Ueb er- 
sieht ihrer Arbeiten und Auszüge 
aus ihren Registern mitasutheilen. 

t4 Bemerkungen über die Würkung 
mineralischer Wassern — Es scheint 
mir, als habe • man bisher diese 
höchst wichtig^' Klas6^ der Mittel 
immer noch zu sehr blps physisch 
und chemisch und zu wenig prac-» 
tisch behandelt, und es würde ge- 
wife ein ,Vbrtheil für die Wissen- 
• Schaft seyn, wenn sowohl Brünnen- 
ärzte,' als audi ändere, die ihre 



— xxyr — 

Kranken davon Gebrauch machen 
lassen, ihre Beobachtungen über das 

. '' Verhalten dieser Mittel zum mensch- 
lichen Körper^ sowohl im gesunden, 
als kraidien Zustande, über die 
Kräfte und beste Anwendungsart 
derselben in bestimmten Krankhei- 
ten, ferner jährliche Listen von der 
Zahl der Brunnengäste,. und die häu- 
figsten Krankheiten (zugleich ein 
wichtiger 'Beitrag für den pathölogi- 

/^ sehen Genius &eculi) durch diesen 
Weg mijtthisilen wollten. Es wird 
dies auch - die beste Gelegenheit 
se)rn, neu^ntdeckte Quellen mit ih- 
ren Heilkräften bald allgemein be- 
kannt zu madhen, 

, x5* Kurze I^cu^hricbten und practisch- 
^. , nützliche. .Jßftmerkungen aus neuern 
Schriften. ' . 

16. Practische Aijthologie aus altem 
Aerzten. Wenö wir ^Ues neu nen- 
nen können,,, was una. noch nicht 

V bekannt War, so kann ich versichern, 



— XXVII — 

däls gär häufig alte Schriften mehr 
neues enthalten^ als manche neue, 
und dabey den Vorzug haben, dals 
bey ihnen so manche* Ursachen, z. 
B, Erwerbs- und Ruhmspeculationen, 
wegfallen, die oft bey den neuen, 
besonders Englischen Produkten Vor- 
sicht nöthig machen^ Facta bleiben 
immer wahr und immer brauchbar, 
die Theorieri mögen wechseln, wie 
siö wollen, und es existirt eine 
präctische Medicin, die nicht an 
den Wechsel der Jahrhunderte , Mo- 
den und Seqren gebunden ist, son* 
dem immer dieselbe und immer 

wahr bleibt, weil sie blos auf reine 
Beobad&tung der Natur und der 

Würkung der Mittel gebaut ist. Es 
liegen in den alten Aerzten eine 
Menge Goldkörner solcher reiner 
Etfahrung zerstreut, aber wer4^est 
sie noch, und wo findet auch im- 
mer" der präctische Arzt Zeit, sie 
aus.ksinar Menge weniger nützlicher 
Ideen herauszusuchen? Ich glaube 
daher , /es' »ttt für ein präctische^ 



Journal ein scjhr würdiges Geschäft, 
solche noch immer \yahre und prac- 
tische Bemerkungen älterer Aerzte 
von Zeit zy Zeit wieder in Umlauf 
:pu bringen, un4 dadurch ^e 'Masse 
nützlicher Ideen - Circulation nicht 
allein durch die neue, sondern auch 
durch die Vorwelt zu vermehren. 
Ich werde daher unter dieser Ru- 
brik nach und nach eine . Gallerie 
älterer Aerzte aufstellen, und mich 
sehr freuen, wenn ich dadurch auch 
den Todten etwas mehr Stimme 
und Einflufs auf die, neuere Praxis 
verschaffen, und manchen herrlichen 
Gedanken; tnaache würksame Me- 
thode eines längst' vergessenen prac- 
tischen Genies wieder ijis Andenken 
bringen kann» 

*7^- Lücken und Mängel der practischen 
' ' Medicin; 

i8* Politische Verhältnisse des Arztes 
im bürgerlichen Leben, zu seinem 
Kränken^ zum Publikum, zu Col- 
legen. 



XXIX 



ig* Vorschläge, Anfr/igeil, Warnungeii| 
auch neue' Quaksalbereien, Ai*Qan#n 
und Gharlatanerien 



Die practische Bibliothek 'wird fer- 
ner das Journal begleiten, da auch sie 
mit B^yfall aufgenommen \rorden ist^ 
tmtl manchen Nutzeh geiitiftet hat, Auohi 
sie^ M'ird ^ ihrem ursprünglichen Geista 
und Zwecke treti bleiben, nämlich, nur 
^Iche^ohi^ften aufzunehmen, die präcÄ 
tischen Werth oder Einflufs haben, f»i 
ner vollständige und gründliche AusKÜgo 
wichtiger Werke bu liefern, so, dafs der 
weniger Bemittelte, oder entfernt von 
der Literatur Lebende, für den Nicht- 
' besitz deg Buchs im Wesentlichen ent- . 
schädigt wird, und endlich die Kritik 
nur dann anzuwenden,. rWenn aus fal- 
schen' Theorien oder unrichtigen Erfah- 
rungen nachtheilige Folgen für das Heil- 
verfahren zu fürchten,. sind* Diese .Kritijc 
wird aber immer folgenden Character 
behalten: Unpartheiisch, d. h. weder für 
noch wider ein System eingenommen^ 



T— XXX . — 

nie die Person imd iminer nur die Sache 
ansehend^ keine Menschensateuiigy son- 
dern nur die Aussprüche der Natur und 
Erfahrung ^ur Richtschiiur dfes Urtheils 
annehmend; im Ausdrucke frei und be- 
$tkänitf aber bescheiden. 

Da es auf diese Weise unmöglich 
ist, alle neu herauskommende Schriften 
anzuzeigen/ so werde ich :alle Jahre eine 
gedrängte Uebersicht der medi)cinischen 
Literatur, des yergangenen Jahrfi^ und der 
liage unseiJer KuflSt, mit Anzeige ihrer 
Fottschtittö öder Rückschritte piittheilen, 
und ihit dem l^tztTißijFlos^enefi Jahre den 
Anfang machen. 

Eö ist bey der trächsenden Zahl der 
Bände em grofseö' Bedürfnils,: allgemeine 
Register tm haben ^ um das Nachschla- 
gen zu erleichtertu ISie wenden näch- 
stens über die 20 Bande des Journals 
mid der Bibliothek 1 erscheinen« 



I. 



Bemerkun gen 

. über, die 

$^t den letzten vier lahren zu Noidhatisen 
herrschende 

ScharFachfieberepidemie, 

^ von 

Dr. .Franz Ernst Filter 

Stadtphyticvs %n Nordbauseo« 



Da 



'as Scharladhfieber, das^ öffentlichen Nach- 
richten zufolge^ nun seit einigen Jahren in 
einem grofsen Theil Deutsclilands herrschend 
gewesen ist^ und die Freude und Hoffnung so 
vieler Eltern zerstört und vernichtet hat, 
suchte bei seiner Ausbreitung unsre Stadt' 
ziemlich bald heim, indem sich bereits im 
lietbst 1799 die ersten Spuren davon zeigten. 
Seit langer Zeit; hatte Nordhausen keine 
ficharkchiepidemie gehabt. Acht Ja^hx^ Aebt^ 
XJX B. J, St. A ' 



ich hier als practischer Ant, ohne dies« 
Kranheit gesellen zu haben, und mein ver- 
ewigter Freund und College , der iiir die M"is> 
senschaft viel m früh verstorbene O. GeäetutUf 
der sieben Jahre die Praxis hier ausübte, hatte 
ebenA>Us noch keine Epidemie erlebt, und das 
SohariachIie'*er faöchstrns sporadi^tch gesehen. 
Dea deshalb angestellrea Nachforschiingen 
uud Erkundigungen zufolge, kann tnan an* 
nehmen, dafs diese Kraukheit seit ungefähr 
dreil^ig Jahren sich hier nicht epidemiscli ge- 
zeigt hatte; mit Gewifsheit lifst sich jedoch 
darüber nichts sagen, da kein Arzt aus jenen 
Zeiten mehr lebte, und die Todtenlisten keina 
Auskunft geben. Doch war damals aller 
Wahrscheinlichkeit nach, der Name Schar- 
lachfieber dem gröfseren Publico unbekannt 
geblieben; dena niemand kannte die Knnfc- 
heit unter diesem Namen. Rothes Fiiesel 
«cheint damals die , allgemeine Benennung g^ 
nvesen zu seyn; denn die Beschreibung dieses 
Tiiesels, so weit sie von Layen aus dem Gdi- 
dächrrüfs gegeben werden konnte, palata fast 
in allen Stücken auf das Scharlachfieber. Diese 
Unbekanntschaft mit dem Namen war wahr- 
scheinlich Ursach, dafs man anfänglich die 
Krankheit im Publico nicht achtete, bis in 
kurzer Zeit das schnelle Ausbreiten derselbeOi 
verbunden mit einigen schnellen TodesfiUlea» 



— 5 — 

aHgemeines Aufsehen erregte. Allein nun 
wqrde auch der Schrecken so grofs, dals man 
daH ScharlachCeber fast für so gefährlich, «\^ie 
die Pest hielt, . und ein von diesem Fieber 
Befallener allgemein für einen Todescandida« 
ten gfihalten wurde, obgleich die Anzahl der 
Gestorbenen diese übertriebene Furcht kci- 
nesweges rechtfertigte. 

Es war im November 1799» als ich in 
einer Familie zwei Kinder an einer Aus- 
schlagskrankheit ^ mit geringem catarrhali- 
schem Fieber verbunden, zu behandeln be- 
kam. Das Exanthem ähnelte den Masern, 
war aber fehr unbeständig, und nahm nicht 
den ganzeil Körper auf einmal ein, sondern 
wendete sich oft schnell von' einem Tfaeile zum 
andern 9 doch $0, daüs es vorzuglich Gesicht 
und Arme einnahm, bis es sich nach vier* 
ödet fönf Tagen verlohr, und eine unbedeu- 
tende Abschuppung machte. Die Aehnlich- 
keit mit den Masern liels mich eine anfan- 
gende Epidemie dieser Krankheit vermuthen« 
Auf gethane Nachfrage bei meinem Herrn 
CoUegen erfuhr ich äber^ dals kein Kranker 
dieser Art in der «Stadt sey. Nach wenigen 
Tagen zeigte sich die^ Krankheit schon an 
verschiedenen Kindern, und das Scharlachfie« 
ber war nun nicht mehr zu verkennen. Seit 
- Aa 



- 4 -r 

dieser Zeit sind wir auch nicht gänzlich wie- 
der davon befreit gewesen, und wenn auch 
Ton Zeit zu Zeit Pausen in der Epidemie, 
zuweilen einige Monate lang ^gewesen sind, 
so fanden sich doch immer einzelne Kranke, 
die daran litten. Die Krankheit schlich so 
eine Zeit lang im Stillen fort^ bis sie dann 
wieder mit neuer Stärke ausbrach. Doch ist 
sie in diftsem Jahre keinmal sjd allgemein ge- 
wesen , wie vorher. 

Dalsuns diese Epidemie von andern Orten 
durch Austipckung zugeführt worden, läfst sich 
wohl nicht bezweifeln; doch ist mir nicht be- 
kannt, dafs sie zu der Zeit in unserer Nachbar- 
schaft herrschend gewesep wäre. Ich erinnere 
mich nur, kurz vorher einige Kinder aiifdem 
Lande an den. Aötheln in der Cur gehabt 
zu haben. 

Im Anfange war derCharacter derfCrtok- 
*heit catarrhalisch — entzündlich, und bei ein- 
tretendem Winter häufiger rein entzündlich. 
So lange dies dauerte, war auch die Epidemie 
eben nicht tödlich. Allein im Friffijahr wurde 
der allgemeine Character der Fieber nervös, 
und nun wurde auch das Scharlachfieber ge* 
Ehrlicher. Dieser nervöse Character hat 
seitdem, nur mit verschiedenen Modificatio? 
uen und Complicationen fortgedauert, bis seit 



— 5 — 

letzten verflossenen Stimmer, wo sich detselbf 
mehr zu verliehren scheint. *) 

DiB ansteckende Natur des Scharkchgif* 
tes Zeigte sich allenthalben deutlich, und dio 
Aasteckungsperiode dauerte fast'^ oder wohl 
ganz so lange, als die Abschnppung. Wi^ 
Irüh die Fähigkeit anzustecken, anfange, lälst 
sich wohl nicht genau bestimm'eii^ doch schien 
es mir^ als wenn sich das Gift gleich nach 
dem Ausbruch der Böthe mittheUe^ indem 
das Erkranken des Angesteckten oft sehr bald, 
schon in den ersten Tagen nach dem Aus- 
bruch des Ausschlags bei dem ersten Kran- 
ken erfolgte. Doch, lälst sich hierauf nicht 
bauen, da während der Epidemie sich das 
Gift siuf mancherlei Art verbreiten konnte, 
und der Erkrankende vielleicht anfeinem an- 
dern Wege angesteckt war, als man glaubte« 

^ AU ich Tor «wolF Jahren meine Laufbahn ila prac« 
tisdier Arzt anfing; waren alle Krankheiten jastruch« 
gailieht. Ich will r^ero zugettehen, dala die damali 

^ ' herrschende gastrische Methode oft Unreinigkeiten er* 
blicken liefs« wo in der That keihe waren; allein 
wahr ist ea doch, dafs man zu der Zeit durch eva-^ 
ciumUa immer viel ausrichtete, :md die Kranken ab« 
filhrende Mittel weit eher, in gröfserer Dosia und 
weit anhaltender vertiugen» als jetzt. Dies Währt« 
«in {>aar Jahre« wo dann dieiheuWiatische Constitution 
Ä» die Reihe kam , welche nach und nach .in die 
nerröfe {jbergieng^ Seit diesen 5 oromer weiden die . 



We^nn in einer Familie, vo mehrere 
Kinder waren , eins derselben vom Scharlach- 
fieber befallen wurde ^ so folgten die anJexn, 
in der Regel, bald nach. Die Fälle, wo un- 
ter solchen Umständen ein oder da# andere 
bei aller Blosstellung der Gefahr, frei blieb, 
gehören unter die seltenen. Durch Separa- 
tion der Gesunden von dem Kranken, konnte 
man jedoch die Ansteckung verhüten. Ich 
selbst bewurkte dies bei zweien meiner 

Zeichen von UoreiDigkeiten der eraten Wege, uM 
vorsüglich gallicbter TJnreinigkeiten wieder häufiger« 
und wenu auch die Kranken ausleerende Miuel nicht 
anbaUend oder in grörsern Gaben vertragen, so habe 
ich docd seit dieser Zeit wieder öfterer Gebrauch 
davon machen müssen, iind mir gutem Erfolge gemacht« 
Sollte nicht der so lange herrschend gewesene ner- 
vöse Cbaracter viel dazu beigetragen haben , der £r. 
reguogstheorie und der darauf sich gründenden Cur- 
methode leichter Eingang su verschaffen, da dus 
Fieber in diesem Zeiträume grölstcntheils eine stheni* 
sehe Behandlung erforderten? Und sollte nicht, und 
vielleicht bald, eine Zeit kommen, wo die herr- 
echende Constitution allgemein das entgegengesetxte 
Verfahren heischt? Die Zeit mufs und wird uns 
darüber belehren. Nach meiner Ueberseugung kann 
nur genaue Beobachtung der Krankheiten, und die 
strengste Aufmerksamkeit auf die Winke der Natur, 
die wir mit eignen gesunden Augen, und nicht 
durch Gläser , nach Systemen geschliffen , betrachten 
müssen, uns sicher am Krankenbette leiteü. 



Kinder dadurch , dats ich sie vierzehn Tage 
kng vom Ausbruche der Krankheit an, von 
dem kranken Bruder, obgleich in demselben 
Hause 9 entfernt hielt, und alle nur mögliche 
Commnnication gänzlich abschnitt 

Wie lange das Gift im Körper verweilte^ 
ehe es sieh assimiliite und Fieber erregte^ 
wage ich nicht bestimmt anzugeben. Doch 
glaube ich, dals hiezu nur ein kurzer Zeit- 
raum erforderlich war^ oft nur wenige Tage, 
indem die Kinder oft schon den zweiten, drit* 
ten Tag erkrankten, nachdem sie der An* 
steckung ausgesetzt gewesen waren. Es kam 
hier aber auch wohl viel auf £mpfänglichkeit 
und Reitzbarkeh des Körpers an; da ich 
Fälle gesehen habe, wo die Aogesteckten 
längere Zeit kränkelten, ja wohl sechs bis sier 
ben Tage fieberten, ehe sich das Scharlach- 
fieber entschieden zeigte. ^ 

DaFs das Scharlachgif): unter die fiüchti- 
gen Miasmaia gehört, bewiefs die Erfahrung 
deutlich. Man konnte schon Ansteckuog ver- 
anlassen, wenn man mit einerlei Kleidung 
von einem Scharlachiieberpatienten in ein ge« 
Sundes Haus gieng , wie ich mehrere Beispiele 
gesehen habe. — - Sonderbar und bemerkens- 
wprth scheint es mir, dals eine Vorstadt, das 
Altendorf genannt, welche unter dem nord- 
westlichen Abhänge des Berges liegt, worauf 



- 8 ^. 

iinsre Stadt grüf:»teai;heils gebauet ist, verhält* 
nif mäfsig weit mehr vo^ der Epidemie ver- 
I Ächont bht'b, als diö übrigen Gegenden der 
Stadtt Eine Ursach hiervon weils ich nicht 
anzugeben; ^ sie müf te denn darin lie- 
gen 9 dafs diese Vorstadt fast nur eine 
Stra'fse ausmacht y und mit der übrigen Stadt 
nur an einer schmalen Stelle zusammenhängt, 
und deshalb wenigstens von drei Seiten frei 
liegt. Gegen den Nordwind ist sie durch 
einen mit Bäumen bepflanzten Berg geschützt, 
dagt-gen aber dem Westwinde, und vorzüglich 
dem Nordwestwinde ausgesetzt. Man^könnte 
vielleicht den vielen Brandweinsbrennereien, 
Velche sich in diesem .Theile der Stadt befin- 
den, etwas zuschreiben, allein in einer an- 
dern Vorstadt, wo^ich noch mehr Brennereien 
befinden^ hat das Scharlachfieber sehr ge- 
haus€t. *) 

Die Krankheit befiel vorzüglich Kjnder 
nnd junge LeuCQ vom 2i weiten bis zum acht- 

•) Dä(« die Hrand\vcinsbrenuereien nicht' ohne Ein- 
fluf» auf di« Atmosphäre und die darin ihren Gruqd 
habende Verbreitung der Krankheiten sind, aahe 
man deutlich bei der\ von Gesevüis beschriebenen 
gällichten Faulfiebercpidemie, weiche im Jahr 1785 

• hier herrschte; iudc'in damaU die Theile der Stadt» 
Virelche Brennereien embielten, vor den andern auf» 
lallend versd^ont blieben. 



— 9 — 

zehnten y zwanzigsten Jahre« Kinder unter 
einem Jahre wurden seltener angesteckt, eben 
so. PerfiOnen über zwanzig Jähr. Dals Perso« 
nen über dreifsig Jahr das Scharlachfieher be- 
iLamen, war so selten^ daf» hier fast allgemein 
der Glaube war, wer dieses Alter erreicht 
hätte, sey vor der Ansteckukig sicher. Es> 
war dies vielleicht Täuschung, und mogUcher 
Weise kg der Grund darin, dais, wie ich oben 
erwähnt habe, die Krankheit seit dreilsig 
f Jahren hier nicht epidemisch gewesen war, 
und also Personen über dreilsig Jahr die 
Krankheit vielleicht schon in ihrer Kindheit 
überstanden hatten, ohne es zu wissen. 
Möglich ist es aber auch, dals die Empfänglicn- 
keit mit sunehni enden Jahren würklich verloh- 
ren gehet; Ich selbst weifs bestimmt, dals ich 
das Schariachfieber nie gehabt habe; dem«* 
ungeachtet bin ich in gegenwärtiger Epide- 
mie frei gebhebeh. Doch habe ich auch 
eine Kranke von etlichen iunfzig Jahren ver* 
lohren, die an der Gicht krank lag, wozu 
sich das. Schariachfieber gesellte und' am drit- 
ten Tage tödtete, — . Hauptsächlich wurden 
aber Kinder vom dritten bis «um zehnten 
Jahre von dem Srharlachfieber befallen, üeber 
zehn Jahre befn^l die Krankheit mehr weibliche^ 
als männliehe Subjectö, und war dann den 
erst^ren auch gefährlicher als deH letzteren. 



lO . 

Der Am&nx: der Kninkli^t w^ verschie-^ 
^«iK £iM^ krftnkelteQ einige Tage^ bekä<» 
mea id«nii^ übir^chse indes Frösteln, Hitzey 
Aefigi^kchkftt» Unruhe, schnellen PuIc, häufi« 
gen Dnr&t, Schmeraen im Halse, mehr oder 
ittiinder beschwerliches Schlingen, auch wohl 
Stechen in einer Seite der Brust; liiezu kam 
liäu% eine nnreine Zunge ^ £i brechen, Man- 
gel an ETJust« Silimerzen im Unterleibe, 
Eicacarbat4ön des Fiebers gegen Abend , und 
nnclere Zeichen gastrischer Fieber. Die$ 
%ihYte einige Ti^, bis eni^kch^ suweilen erst 
%«(i «e<li:sten Tage^ derScharlachausfchlag sich 
feeigre. <»^ Andere verfielen plötzlich in starke 
Kit«e^ bekamen Erbrechen, welches sich yor« 
tngtick anei^t in der Naclit einfiind, groise 
Unruhe, Schlaflosigkeit, oder auch Betäubung, 
gelindes Phantasiren, und der Ausschlag zeigte 
sich fWiher, oft: schon den aweiten Tag. Ja 
Kteanchmal trut Fieber nnd Ausschlag fiut an 
gleicher Zeit ein. Bei den letztem war der 
Ausschlag gemeiniglich häufiger, und die 
Krankheit im ganzen heftiger » als bei den 
erstaren. 

Im Anfinge der Epidemie waren gleich 
beim erstell Erkranken £ast immer Zeichen 
einer ^j^gwMi^ welche achnell zunahm, und 
durch den Ausschlag nicht vermindert wurde, 
sondern, sich gemeiaifUck eist beim Anfiuig 



XI 



der Abscbuppung gänzlich zertheilte. Sie 
giehg selten^ fast nie in Eiterung. Dies dau- 
erte so lange, als der Cbaracter der .Krank- 
he\t ci(tarrlialtsch entzündlich war. Als in 
der Folge der Epidemie die Krankheit mehr 
nerirös wurde, war die Angina immer 
schwächer und feltener, und viele Kranke 
überstanden das Seharlachfieber, ohne eine 
Spur vom bösen Halse gehabt zu' haben. 
Das Ausbleiben dieses Symptoms machte aber 
die Krankheit keinesweges minder gefahrlich ; 
im Gegentheil sind die F^lle selten , wo der 
böse Hals Gefahr brachte , oder gar zum Tode 
beitrug« Seit Ostern dieses Jahres zeigte sich 
die Angina wieder häufiger als Begleiter des 
Scharlachfiebers, und seitdem war die Sterb- 
lichkeit yerhältnifsmälsig nicht- mehr so grols. 

Erbrechen hatten die mehrsten Kranken 
im Anfange der Krankheit, und es war oft 
das erste Zeichen von Uebelbefinden^ worauf 
erst die übrigen Zufälle eintraten. Gemei- 
niglich wurde blos wässrige Feuchtigkeit aus- 
gebrochen , zuweilen Galle, und die zuletzt 
genossenen Speisen. Das Erbrechen machte 
keine Erleichterung, sondern die Kranken* 
waren dennoch mehrentheils ganz ermattet. 

Manchmal war der Anfang der Krank- 
heit ganz wie ein katarrhalisches Fieber ^ mit 



Km^n, tbränendaa Augep, gelinden Hu&ten 

. Di« Httut vrar gleich anfänglich brennend 
baif« und trocken; man hatte beim Anfiiblea 
oft die Kunohmend «techend brennende £m- 
plindungi wie beim aogenanclten Faulfieber. 
Dar Pult war aohnell uud hart; und verldhr 
auoh die Ilttrto nicht ganz bei eintretendem 
SobwaKso* 

Der Leib war mehrentheils rerstopft. 
Pia Veratopfung «ohlen aber keinen Einfluft 
auf Vermelirung daa Fiebers zu haben. 

Der Auuchlag leigte sich in der Regel 
luem anf der Brual; uad im Gesichte, dann 
an deüNArmen und H&aden^ am Leibe uiwl 
an den Beineu« Mit seinem Erscheinen 
aehwoU das Qesieht mehr oder minder an, 
und «iadiiiiaU ancth die Haade, seltener die 
Ful^ak^ Dies Anschwellen der Hände nnd 
4«« Geaielila war in Anlange der Epidemie 
(^ MiKambla«l4i«)i mir deaa AnsscUa^e Ter- 
|jes#tbc)iaifket% so Ui]^ nemiLeh derCkiracter 
MMnWUfttdh « entiündhcii wv^; wikhrend der 
Mcv^sei CtMonicter henscLM^ ww es weniger 

UeiBmDugUc& iet]gee sjcb JerAossclkLigx»- 
e«^ «ur itt eüaaeineu rochen ^cetleai^ «lie sidh 



— i3 — 

zuweilen erschien er aber auch als eine tusge« 
breitetete su^ammenhüngeade Scharlachrdthe^ 
Diese Köthe war nicht, oder unmerklich über 
der Haut erhaben» zeigte keine Pusteln^ und der 
Druck des Fingers hinterliefs eine weiise 
Stelle» lyi^ bei der RosCi die bald wieder ver- 
schwand • 

Das Erscheinen des Ausschlages vermin- 
derte das Fieber nicht» sondern dies dauerte 
so lange ^ als das Exanthem in voller Blüthe 
stand. Gewöhnlich wäherte dies bis zunt 
vierten, fünften Tage pach Ausbruch des 
Ausschlages, wo dieser nach und nach anfing 
blässer zu werden, und sich unmerklich ver* 
lobr, wobei in der Regel das Fieber aufhörte 
und die Geschwulst des Gesichts und der 
Hände xmchlieü. 

Häufig fanden sich auch kleine» weifsei 
hirsenähnliche Bläschen auf den scharlachro-' 
then Steilen» welchen von Layen gemeini«> 
glich mit dem Namen weifses Friesel be* 
legt wurden, mit dem sie aber in ihrer JVa» 
tur keine Aehnlichkeit hatten, indem sie 
keinesweges den Zustand verschlimmerten. 
Sie kamen den dritten » vierten Tag nach Er« 
scheinung der Scliärlachröthe zum Vorschein, 
und waren gewöhnlich, ein Zeichen der bald 
anfangenden Abschuppung. Erschien on sie* 
früher» nemlich am zweiten Tago d«& Auv 



- i4 - 

schl«.^ s, so wafen sie ein Zeichen der Stetige 
keit des Exanthems, und man hatte daqn 
. nicht leicht das Zuri;cktreten desselben zu 
befürchten. 

Manchmal wurde die Röthe nicht allge« 
mein , sondern der Ausschlag zeigte ^ich blos 
so, dafs die Haut wolkig und röthlichmarmorirt 
erschien. Dies zeigte sich vorzüglich auf der 
Brust. Es war nie ein gutes Zeichen , und 
man mufste stets wegen des gänzlichen Zu- 
rücktretens auf seiner Huth seyn. | 

Während des Ausschlages war die Haut 
immer feucht, und die Kränken lagen in be* 
stäiidigiger Ausdünstung, wobei aber die 
Haut sich immer brennend heifs anfühlte. 
Blieb die Ausdünstung einmal zurück, so war 
die Böthe gleich geringer, und der Kranke 
ängstlicher. Zu starker Schweifs , der sich 
gleich im Anfange der Krankheit einstellte, 
lieis aber im Gegentheil immer Gefahr (urch* 
ten, zumal wenn die Kranken dabei sehr un- 
ruhig waren. 

Zweimal beobachtete ich das Scharlach- 
fieber ohne Ausschlag. Einmal bei einem 
Knaben, der mit seinen Geschwistern^ bei 
welchen das Exanthem vollkommen war, zu 
gleicher Zeit krank lag. Er hatte sehr hef- 
tiges Fieber, und war dem Tode sehr nahe. 
Ohne dafs sich die geringste Spur vom Aiis- 



— i5 ~ 

schlage zeigte, schuppte sich doch die Haut, 
vrie 'bei seinen Geschwistern ab. •— Bei ei- 
nem andern Kpaben erschien ebenfalls kein 
Ausschlag; allein nach einer mäfsigen Erkäl- 
tung , stellte sich wäfsrige Geschwulst des 
ganzen Körpers ein , ganz so , wie sie nach 
dem Scharlachfieber vorzukommen pflegt — - 
Einmal beobachtete ich auch die sonderbare 
Erscheinung, dals bei einem Kinde, welches 
vom Scharlachausschla^e über den ganzen 
Körper so bedeckt war, dafs auch keine 
weifse Stelle zu. sehen war, an den Füssen^ 
welche die ganze Krankheit hipdurch mit 
wollenen Strümpfen bekleidet gewesen, nicht 
die geringste Röthe zum Vorschein kam; und 
die Strümpfe hier eine ordentliche Grinse 
maphten. 

. . t)ie Abschuppung fing gewöhnlich mit 
dem fünften Tage des Ausschlages an; häufig 
auch am sechsten Tage , selten später. Sie 
zeigt« sich mehrentheils zuerst am Halse. 
Hier, im Gesicht und am Leibe war sie 
kleyenartig, wahrscheinlich weil die Epidermis 
an diesen Stellen feiner ist, nnd zum Theil 
von den Kleidungsstücken mehr gerieben 
wurde. An 'den Extremitäten hingegen, 
vorzüglich an den bänden, lösete sich das 
Oberhautdbien in greisen Stücken ab, so dafs 



— i6 — 

I , 

man es zuweilen von einem Finger anf ein- 
mal, wie eine» Däumling, abziehen konnte« 
Die neue Epidermis war anfänglich sehr' 

fein», und gegen die Kälte äulserst empfind« 
lieh, weshalb die Kranken, auch unter den 
bebten Uibständen, das Bette hüten, und die 
Ausdünstungen unterhalten mufsten. 

Unter solchen Umständen genasen dia 
Kranken^ bald früher, bald später; bekam« 
men aber gemeiniglich ihre i vorige Munter- 
fceitf £fslust und Kräfte bald wieder, und 
mufstijen nur, zur Vermeidung übler Folgen, 
einige Wochen im Zimmer bleiben, bis sich 
die Empfindlichkeit der Haut verlohren, un4 
sie sich nach^ und nach wieder an die freie 
Luft gewöhnt hatten* 

Allein nicht immer War tler Aufgang so 
glücklich, und leider! endigte der Tod die 

, Krankheitf unerwartet^ und unter scheinbar 
guten Aussichten. Der Arzt gerieth in der 
That oft in Verlegenheit, wenn er den Kran- 
ken ohne Zeichen des bevorstehenden ToHesr, 
und den Ausschlag in yoUkotnmener Röthe, 
verlassen hatte, und vielleicht Qach wenig 
Stunden gerufen wurde, am Sterbebette zu 
erscheinen,' oder die Nachricht von dem be- 
reits erfolgten Tode erhielt. Diß Verlegen- 
heit mufste um so gröfser werden, da es 
wirklich an ganz bestimmten Zeichen fehlte, 

die 



:^ 17 - 

Jiie unter solchen Ümfitänden die Nähe ck^ 
Todes ahnden liefsed. tch will hier kürzlich 
die Zeichen au zugehen versuchen» welche bei 
anscheinend guten übrigen Umständen > Ga- 
/ihr fürchten ließen, deren Erscheinen den 
Arzt aufmerksam machen mufste, und ^ein^ 
Prognose in Hinsicht des bevorstehenden To* 
'des oft: sicher leiten konnte* 

Reitzbare Subjecte, mit lebhaftem Tem« 
peramente und munterem Geiste » waren ioi. 
allgemeinen gröfserer Gefahr ausgesetzt> 
als phlegnnatische« Letztere überstanden die 
Krankheit gröfstontheils und ohne .besondere 
2ufäile. Auch vollblütige robuste Kinder 
hatten nicht so viel zu fürchten, da die Krank« 
heit Vvähf end der ganzeil Epidemie nur selten 
rein entzündlich wurde ^ und die fitnginösea 
Zufalle nur in verhältnifsmafsig wenigen Fäl- 
len Sorge erregen konnten« 

Fiel die Krankheit in die Zeit der Pü-^ 
heriäe, . so war die3 » bey Knaben und Mäd- 
chen > immer bedenklich. Der jugendliche 
Körper ist während dieser Periode in eiiiem 
Zustande von Spannung und erhöhter Reits- 
bärkeit ; und dafs letztere die Krankheit gefkhr- 
voller machte^ habe ich eben erwähnt. Vor- 
züglich war beim Weiblichen Gesohlecht ixl 
dieMr Periode die Sterbliclikeit gröfs^r; iqan« 
^VL t. :t. Sr. B 



- ^ »8 ^ 

ches tofbluhezidQ Mädchen wurdö so eine 
Beule des Todeir. 

Furoht vor dem Scharlachfieber beim ^r« 
ftten An&nge der Krankheit ^ ^o sich' noch 
kein Ausschlag zeigte, und Todesfurcht nach 
dem At^äbruche des Exan^ems, mufsten den 
Arzt ebenfalls ängstlich machen. Die Allge- 
meinheit der Krankheit und die eintretenden 
plötzlichen Todesfälle , welche der Ruf noch 
vermehrte ^ verursachten diese Furcht leider 
nur zu ofh Die Kranken waren dabei in ei- 
ner beständigen Aengstlicbkeit^ wodurch die 
fßierhaften Bewegungen vermehrt wurden; 
und da Furcht bekanntermafsen einen Haut- 
krampf erregt^ der die Ausdunstung verhin« 
dert, so hatte* man hier immer Zurücktreten 
des Ausschlages zu befürchten. Bios an den 
Folgen einer solchen nicht zu besiegenden 
Furcht> verlohr ich eine Kranke« ^ie, ohne 
solche, nach meiner Ueberzeugung leicht und 
ohne sonderliche Mühe zu retten gewesen 
wäre. Diese Kranke war ein verheiiathetes 
Frauenzimmer von 3a lahren, von einem ge- 
sunden Körperbau; nur war aus dem letzten 
Kindbette einige Schwäche zurückgeblieben« 
Da sie einige Wochen zuvor ein Mädchen an 
dem ScharUchfieber plötzlich sterben gese« 
hen hatte 9 so l^ar ihre Furcht vor dieser 



^ 10 - 

Krankheit unbeschreiblich grofs« Sie erkrankt« 
d^u 2Q. Junlu$^ bekam ein gelindes Fieberi 
und unbedeutende HalsentsUndungy die sich 
kaum durch erschwertes Schlingen äufserte» 
Obngeachtet ich nun diese Umstände für Yor- 
-boten des ScharLachfieberis hielt, so äufserte 
ich doch gegen die Kranke nichts, und ver- 
bot allen Hausgenossen, den Namen Schar- 
laohfieber zu nennen» Bis zum 25, ging alles 
gut; Patientin war ziemlich munter und hätte 
eufser dem Bette seyn können. Allein die* 
sen Abend bemerkte eine sie besuchende 
Freundin einige Röthe im Gesichte der Kran- 
ken, und äufserte gegen diese, dafs ihre 
Krankheit wohl das Scharlachfieber seyn wür* 
; de« Die .Kranke wurde sogleich Von Furcht 
und Aengstlichkeit befallen, welche die Nacht 
, hindurch immer zunahmen» Mit ihnen stieg 
i Bekleminung der Brust und Fieber. Als ich 
' die Kranke am 24* Morgens besuchte, stand 
der Ausschlag vortreflich, allein an der Aöthe 
der Armeit erkannte nun auch die Kranke 
ihre Krankheit n^it Gewifsheit Sie erschracfc 
darüber heftig. Nach Verlauf einer Stunde 
lag sie schon in Conyulsionen. £s gelang 
mir, diese durch Opium zu stillen, was mir 
in ämlichen Fällen nia gelungen ist. Allein 
mit dam Nachlassen derselben kehrte auch 



Bewnfilic^ nd Fvdit zmnkkr Ang^ and 

nij £eGonTaI- 
wied«r, und 
VMkmntMp Jtm a Clv erfolgte der Tod «po- 
]dectisc3L 

Eibrecben wir, wie oben bemerkt war> 
den, WfAr oft der Anfang der KrenUidt» 
Wer diet Eri>recheii befttg, und waren die 
Patienten dameck adir ermattet, so konnte 
man darauf recknen, da/s sie sdiwerer er«, 
kranken würden. 

Dasselbe war gemeiniglicb der Fall, wenn 
der Ausschlag zu fruk, den aweiten , i'a w<ÄI 
gar schon den ersten Tag erschien« 

Zu große, brennende steckende Hitze der 
Haut war immer verdächtig, wenn auch das 
Exanthem das beste Aussehen hatte* 

Gesellten sich dazu Unruhe^ Herum« 
werfen im Bette > Aengstüchkeit, bekiomme- 
neSf ungleiches, zuweüen seufzendes Athem*- 
holen/ Schlaflosigkeit^ sehr geschwinder Puh^ 
so wuchs die Gefahr^ der Ausschlag moehü 
auch noch so gut stehen» 

"VVar der Ausschlag zu häu£g, so wtf 
gewohnlich das Fieber heftiger, und der Aas- 
gang zweifelhaft. Wenn die Röthe des 
Schlages bald blässe bald wieder höher 
de> so war Zurücktreten zu befiircht^Q. G«: 



■— iM — . 

meinigUch war damit ein schneller Puls rer- 
bundeiL 

Za häufiger Schweifs war eben&lb kein 
pxtes Zeichen. Der Körper schien dadurch 
an Kräften zu y^]Uehren, wogegen die Reitas- 
barfceit stieg. Er war nicht selten ein Vor- 
gänger eines schnellen Todes. 

Diarrhöe, von selbst entstanden, oder 
durch ein im Anfange der Krankheit unbe^ 
dadxtsam genommenes Abfuhrux^gsmittel er« 
regt, brachte allemal tje&hr. Die Ausdün- 
stung wurde dadurch yerhindert^ der Aus- 
bruch des Ausschlags ersehwert > und oft ein 
gänzliches ZurUcktreten desselben anwege' ge- 
bracht» 

Redseligkeit des Kranken war aßemal be- 
denklich; nur zu oft ging, es in ein unter- 
.broohenes Delirium ttber^ das häufig i^t 
Vorläufer der nahen Apoplexie^ war« Zuwei- 
len wulrde ein solches Delirium durch glän- 
zende Augen angekündigt y welche deshalb 
auch unter die üblea Zeichen zu rechnen 
waren. 

Betäubung und UnempfindHchkeit gehör- 
tea unter die schlimmsten ZußUe«, Es war 
dies wohl Unterdrückung der Lebenskräfte^ 
«nd gewlGsermassen sGhon Lähmung. Die 
kräftigsten Ileitzinittel leisteten hiei: selten 
milie. 



2d 



IVlilchweifse Farbe der Haut am Kino, 
um den Mund herum und neben' der Nase, 
4)ei übrigens voller Röthe des Gesichu^ Hefa 
nach meinen Beobachtungen ^ fast immer £re- 
fahr ahnden- — <• Mangel der GescfawuUt des 
Gesichts und der Hände, verrieth Mangel aa 
Lebensthätigkeit« 

Einer der allerbedenklicfasten Zufälle war 
aber häufiges Üriniren. Je blässer und wll»- 
riger der Urin hierbey war, desto grö(ser 
war die Gefahr, Alle Augenblicke verlang- 
ten die Kranken zu üriniren^ und die Qsi^ 
lität des abgehenden Urins war befrächtliclii 
Es war dies nicht «twa Folge eines Mangels 
an Ausdunstung; die Kranken lagen vielmehr 
oft dabei in einem zerfliefsenden SchweifsÄ 
Damit waren gemeiniglich Unruhe und Aengst- 
lichkeit verbunden, und Convulsionen und 
Apoplexie waren dann nicht fern, * 

Allgemeine Schwäche , Abgeschlagenbeit 
der Glieder, kleiner schwacher PuU und än- 
dere bekannte Zeichen veniethen die Gegen« 
wart des sogenannten Nervenfiebers. Hier- 
mit war häufig das oben erv^ähntQ marmo- 
rirte, wolkige Ansehen der Haut verbunden. 
Selten kamen hiebey plätzliche gefahrvolle 
Zufälle«. Die Krankheit hielt ganz den Gang 
des lyphusn 

Einen gut^ii Aufgang der Krankheit konnte 



, - s3 -• 

man sich versprechen, wenn das Fieber nicht 
heftig 9 und ohne merkliche Ezaoerbationeis 
war, wenn die Eislust sich nicht gänzlich 
verlohri '^er Schlaf in der Nacht ruhig, die 
Hitze der Haut nicht*^ zu starke nnd deft 
Schweifs nicht zu häufig war» Ein gutes 
Zeichen war auch in ^6n meisten FUlen das 
Erscheinen dür weiüi^i frieselahnlicheil Blas- 
sen auf dem rothen Ausschlage^ Man 
kennte hieraus auf die Beständigkeit des 
^Ausschlages schliefsen« 

Nasenbluten« welches sich zttweilen ein« 
fand» kann ich weder unter die guten ^ noch 
unter die bösen Zeichen rechnen* Es gab 
Falle 9 wo es« z* B. bei Angina, nützlich zu 
«eyn schien^ und andere, wo es dieSehwiohe 
vermehrte. Die Bestimmung dependirte von 
dem Character des Fiebers in Jedem indivi« , 
duellen Falle. Dies gilt auch rpn der mo« 
natlichen Reinigung, 

Wenn aber nun auch ' der Arzt durch 
das Erscheineu eines öder mehrerer der cj>en 
angefahrten üblen Yotbedeutungen bei sei- 
nen Scharlach£eberpatienten auf die Gefahr 
aufmerksam gemacht wurde > so konnte er 
doch gemeiniglich durch die Kunst nur we- 
nig ausrichten, indem der Tod in den mei- 
sten Fällen so plötzlich eintrat, dals an keine 
Hiilfe zu denken war. Gewöhnlieh wurde der 



^ j4 - 

KrmkA nach rjrfxef ^uugtaig^ Uflni&c, kia- 
fUetSk S-ibw^&y bescaufigen UrinireB etc. mit 
tißmschs CaaraHdooeoL be£iBeti, wäiread wel« 
dkea die Rodie ditr Hcnt TerscborsocL Ues« 
JCO andk ^icse CoEnrnisioiiea einige Hievten 
iiacb, so lag der Kranke betinbt nnd bemifo;. 
Uh^ der kort rcrher noch ToHa Pols inur gesim* 
keo^ klein intennitrireod; die Zocknndjta kehr- 
ten bald ZOT unk, tmd gewohrilich währeud der« 
relbea starb der Kranke apoptectiscb. Diese 
traurige CatastiTphe erfolgte, oh schon amU 
dritten Tage d«r Krankheit. Fast pestähnlich 
Wüikte m diesen i^illen da- Scharlacbgift zer- 
störend nnd er*di6f>Pend auF die Lebenskräfte» 
Rrider, die in voller Munterkeit llürhten, 
lägen nach wenig Tagen «chon auf der Bahre; 
und auf den schnellen Tcrd folgte eben so 
iohnoU Fäulnifs des Leichnams, die häufig 
schon am zweiten Tage i^ach dem Tode ein- 
getreten war. 

Was war die Ursach eines so schnellen 
Todes ? -t- Diese Frage drangt :»ich gewifs ei- 
nem jeden auf. — ^ Schwache erschöpfte Le* 
bMskrnf^ konnte es nicht seyn, da die 
Dauer tlor Krankheit so kurz, und die Kran- 
kt» oft nach wenig Stunden » ja noch küiv 
itre ZiCir vor dem Tode munter waren, nnd 
k%ine Spur von wahrer Sdiwäche verriethen. 
Auch «ttiben die ScharlachfiebeikrankM, 



eiche ein^n waliren iyphus hatten, nicht auf 
le^obexi beschriebene Art. Viele Ton dia^ 
^Q mirdea gerettet , und die, welche daran 
arben, starben nicht durch Apoplexie , son- 
sm mit den Zeichen der Entkräftung und 
>r Erschöpfung der Lebensluäfte; ihr Tod 
BT langsamer, 

Dem Zurücktreten des Ausschlages kannr 
ebenfalls nicht zugeschrieben werden, we« 
igstens nicht immer. Dann manchmal ver- 
hwand das Exanthem nach Erkältung, ohne 
e$e Folge zu haben, und liefs sich durch 
aphoretica und andere' Reitzmittel wieder 
»nrorbringen. Und dann stand der Schar« 
chau89chlag gemeiniglich in voller Blüte und 
Sthe wenn die Convulsionen eintraten, und 
»rschwand erst während derselben. 

Ohne Zweifel lag die Ursache des Todes 
i Gehirne, imd nach meiner Meinung war, 
e Veranlassung zu grofse Thätigkeit des 
ervensystems» Dafs reitzbare Personen der 
efahr am meisten ausgesetzt waren, habe 
h schon oben gesagt. Das Soharlafctgifc 
urkte als heftiger Reitz, und bei der Thät 
jkeit und Mobilität der Nerven, wurden 
ich die absondernden Organe, vorzüglich 
IT Haut und der Urinwege in gröfsere Thä- 
jkeit gesetzt. Der Schweifs war über die 
ebühr heftig, der Urin Hofs häufig und 



— a6 — 

wäfsrig* So wurd auch wahrscheinlich dia 
^ecr6tion im Gehirne' vermehrt, und dürcji 
Anhäufung w&fsriger Feuchtigkeiten in den 
Qehirnhölen Convulsionen und Apoplexie her- 
\ beigefuhrt. Leichenöffnungea haben mich 
freilich hierüber nicht belehrt/ da diese hier 
so schwer ton den Verwandten der Vertsorbe- 
nen zu erlangen sind ; allein mir scheint diese 
Erklärung wenigstens nicht unwahrscheinlieh. 
Vielleicht sind Aerzte an andern Ortto 
glücklicher gewesen, und belehren uns durch 
das Resultat ihrer Leichenöffnungen, 

In einzelnen Fällen trat bei Kranken, diei 
so sehr mit dem Ausschlage bedeckt waren, 
dafs keine freie Stelle am ganzen Körper zu 
£nden war, diese Todesart ein, olme dafs ver- 
mehrte Secretiön des Schweifses und des 
Urins yorausgegaiigen wäre. Unrufie und 
. Angst waren dann die Vorlauf er der Apoplexie^ 
Hier scheint inir U'eberreitzung, und daher 
entspringende schnelle Erschöpfung der Le- 
benskraft diö Ursache gewesen zu seyn- 

Ich komme nun zur Behandlung des Schar- 
lachfiebers. 

Warmes Verhalten , beständiger Aufent- 
halt des Kranken im Bette während der Kran-r 
heit, und auch noch zur Zeit der Abschup- 
pung, lauwarme, die Ausdünstung befördernde 
Getränke, FUederthee u% dgl. > waren die all- 



. ~ ^7 — 

gemeinen Vorschriften^ welche bei jed^m 
Kräukheitszastande gültig waren* Der Zutritt 
kalter Luft miifste iuTsert rennieden werden^ ' 
Bei der brennenden Hitze der Haut War dies 
meisteos quaalvqll für die Kranken, die sich^ 
so $ehr nach Abkühlung sehnten. Allein 
Üebertretnng dieser Vorschrilten war selten 
oline üble Folgen^ Einen Kranken, der sich 
so wohl beiand, dafs er nur aus Vorsicht dos 
Bett hüten mufste, und der während der 
Abscbuppung dasselbe in einem verschlösse« 
nen warmen Zimmer nur auf ein paar Au- 
genblicke verlassen hatte, fand ich am andern 
Tage schon über den ganzen Körper geschwoi« 
len. Bei einem andern geschah dasselbe 
nach unvorsichtigem OefFnen eines Fensters. 
Unter die Merkwürdigkeiten gehört es daher, 
dais ich verschiedene Kinder armer Eltern 
sah, die sich bei voUar Blüte des Ausschla- 
ges der freien Luft, Ja sogar bei kaltem 
regnichten Wetter, aussetzten, ohne dafs mir 
eine, üble Folge davon bekannt worden wäre. 
In Fällen, wo die Krankheit gelindö, und 
das Fieber gering war, hatte man, aoTser die« 
sem warmen Verhalten, nichts nöthig. War 
jedoch, wie gewöhnlich, das Fieber stärker, 
so waren noch andre Mittel indicirt. Niirum, 
joAer Sal ammoniacum mit Spiritus Minde* 
reri waren dann an der Tagesordnung. Ich 



— a8 — 

KiiCy wnl diaer isater aUea MitteLaben am 
vw^sten auf dfii StrisLas«: iruri^f , was das 
Kiinam, anmal in stiilLereii Gaben, dock zu- 
wcileo thot. Und die Wiirknng auf den 
Stnhl^ng mnXstenianiauner remieiden; wes- 
kalb man sich aach bütcn mo^te, andern 
lilittelsalae an ^fben, oder im Anfange der 
Krankheit soigenannto temperireDde ruolmen^ 
iia an f c ror dn an» so lai^ge man nicht über- 
sengt war, dats das Schailachileber nicht im 
Hinterhak lie^e. 

Die imaier Geüdir briogcnde Vermeh« 
rang de» Stnhigangs machte mioh auch in 
Anwendung der Brechmittel foiditsam, da es 
nicht immer in nnsrer Macht stehet, die 
Wirkung derselben nach unten za verbütttk 
So sehr die Brechmittel audi sonst zu An- 
fimg des Scfaariach£ebers gerühmt werden, 
so machte ich doch nur selten ^G^rauch da- 
von , nnd befand mich wohl da&eL Nur 
wenn evidente Zeichen gastrisder, voraiiglich 
fälliger Unreinigkeiten im Magen da waren, 
griff ich dazu, und gab dann jedesmal rad. 
jpeeac.; doch, idi gestdie es, noch immer 
mit Furcht Es ist wahr, das freiwillige Er- 
brechen zu Anfang der Krankheit, welches in 
den meisten Tailen zugegen war, und wo- 
durch oft Speisea und Galle ausgeleert wur* 



_ 30 ~ 

den, scheint ein Wink, der Natur zu seyn, 
diesen Weg mit Klugheit zu verfolgen. Allein 
kh konnte mich nicht überzeugen, dafs ein 
solches Brechen Erleichterung mache. Mir 
schien es vielmehr Folge erhöhter Reitzbar* 
keit, consensuelle Nervenwirkung zu seyn. 
Belegte Zunge war /ceinesweges ein sicheres 
Merkmal von Unreinigkeiten. Ich sähe häufig 

•'dickbelegte, gelbgefärbte Zungen im Verlaufe 
der Krankheit rein werden^ ohne dafs ich ein 
Bredunittel gegeben hätte. So sehr hoch 
ich übrigens Brechmittel, zur rechten Zeit an* 

. gewandt» schätze, so bleibt das Brechen doch 
immer eine nicht naturgemäfse Action des 
Mtigens, wozu Anstrengung und Aufwand von 
Kräften gehört. Man sehe nur, wie erschöpft 
Kinder Stunden lang ^ach Würkung eines 
Brechmittels sind ! Und eine solohe Erschöpf 
fung schien mir bei unserm Scharlachfieber' 
immer bedenklich. 

Die Halsentzönd'uig, welche im Anfange 
der Epidemie häufiger vorkam, war meistens 
«o geringe, dafs sie keiner besondem Behend* 
lung bedurfte^ Gurgelwasser von Ghamillen, 
Fliederblumen, mit Ninvm^ Salmiac, Honigs 
Eisig tu dgL schafften gemeim'glich hinläng* 
liehe l£rleichterung. War die Entzüadung 
stärker, so diente Lintifienttim volaäle in den 
Hals eingerieben; oder ein P^esieatorium in 



— 3a -* 

t 

vermelirte deshalb nicht selten die Unmhd 
und Aen^stlichkeit des Patienten. Der Atzt 
befand sich überhaupt bei Anwendung der 
Reitemittel in grofser Verlegenheit. Der ner*. 
yö$e Character war oft nicht zu verkennen; 
allein es war nicht crhöhete Reitzbarkeit ,mi€ 
verminderter Thätigkeit^ die uns hätte leiten 
können/ nur zu oft war die Thatigkeit der 
meisten Organe vermehrt. Dies hätte zum an- 
tiphlogistischen Verfahren, zu Mitteln gegen 
Sthenie verfeiteii können. Aber die Erfah<^ 
rung lehrte die Schädlichkeit dieses Verfah- 
rens in solchen Fallen. Dabei veränderte 
der Ausschlag zuweilen stUndUch seine Farbe^ 
drohte alle Augenblicke zu verschwinden; 
der Kranke zerflofs in Schweifs , und die 
Röthe verminderte sich^ der Puls war bei sei- 
ner SdmeUigkeit sehr oft voll, aber seine 
Vollheit war trügerisch , es war keine Krafc 
, dahinter, er war weich, und lieis sich so zu 
^gen, mit dem Finger wegdrücken. Kurz al* 
les zeigte vermehrte Thatigkeit^ aber ohne 
Energie. Flüchtige Reitzmittel vermehrten 
daher oft nur den Sturm. 'Warlich! nur ein 
Arzt kann die Verlegenheit des Arztes beur« 
theilen, der unter solchen Umständen am 
Krankenbette stehet, wo alles auf seine Hiilfa 
wartet. — Ein Mittel entsprach aber doch 
zuweilen der Hof&iimg, die man sich davon 

machte, 



— 33 — 

machte^ nemlich die Valeriana. Onrch sie 
gelang es bisweilen, die gro£ie Beweglichkeit 
und Reitzbarkeit der Nenren zu rerringerenJ 
Und hiermit war ein groGies gewonnen, weil 
hierin die Gefahr und ein plötzlicher Tod 
oft allein iEren Grund hatten. . Ueberhaupt 
beiitsen wir in der Valerimna ein Mittel^* 
das wir nicht genug schätzen können, zumal 
in unseren Zeiten, wo Hang zum Luxus, zu 
«chneller Lebensg^iuls und schwächende L»* 
lensart aller Art, Krankheiten und Krankp- 
faaitsucsachea herbeyführen, die ohne jene 
wohlthätige Wurzel gewüs noch unzShlbar 
iÜLuSign scandala medicorum seyn würden, 
ab sie es ohnedem sind. — - Ich wendete die 
J^tderiana vorzüglich zur Zeit des nervöseA 
Charakters der Epidemie an, und verband 
den Au%a& häufig mit Salmiak und SpiriiuM 
Minderen. Opium schien auweilen ifaro 
.Wiirkung sehr gut zu unterstützen. > 

Häufiger Drang zum Uriniren, und da**» 
mit verbundener häufiger Abgang eines wäs- 
serigen Urins, war, wie ich bereits bemerkt 
kabe, ein bedenklicher Zufall, und Zuriick- 
troten des Exanthems, Convulsionen und 
Tod folgten oft schneller darauf, alk der 
Arzt an Abwendung- der Gefahr, denken 
konnte. ld|. Ganzen konnte man auch nichts 
^Ifi^ea anwenden, als was der aUf^emtis^ 
Tax, s, 1, St* G 



- 34 - 

Krankhcitszüstand fedes ihdindaellen Krtnf» 
ken erforderte. Doch habe ich ein Paai mal 
yom freien Gebrauche des Opiums auffallend 
gute . Würkung gesehen. -^ Zuweilen ent- 
.atänd das häufige Uriniren yom Spirüas 
Minderen^ der dann dinretisch würkte* Dlei 
iliels sich erkennen, wenn die Ausdünstung 
'geringer, und die so bedenkliche Unruhe 
und Aengstlichlceit des Kranken niolit 
-mgegen war* Die Mixtura simplex tuHltM 
dann gewöhidich die Ausdunstung gehörig 
wieder her, und das häufige Uriniren hörte ^ 
-»if. i ] 

Vor* der Verstopfung 4|Hi.^^StuhIjgau^ 
hatte man, nicht Ursache sich i|i,iiifrehteay 
indem nur in den seltensten V&Hen Beschwer^ 
-dem daron entst^ndent^'" Ich habe gesehen, 
jdals Kranke 4 bis 5 Tage, ohne den gering- 
'Sien Nachtheil, yerstopft waren. Stellte sich 
.aber drückende Schwere im Unterleibe und 
-Aeng^tlichkeit dabey ein,, so schafften erwei- 
chende Klystiere, vorsichtig und in.kleints 
^Portionen angewandt, bald die gewiinschta 
Erleichterung. Abführende Mittel dagegns 
•ankuwenden , > durfte man sich nie einfallen 
lassen. Gegen den zwölften, dreizehnten 
Tag der Krankheit , wenn der Verlauf der- 
selben der bessere gewesen, und die Ab* 
f diuppung schon gröfstentheiis vorüber war, 



— 35 — 

gab ich gern ein gelindes Laxirmittel, beüm«- 
deffft. wenn im Anfange der Krankheit Zei- 
chisn von Cniditaten, und djnn Neigung 
ur Verstopfung zugegen gewesen wallen* Sie 
bekamen dann sehr gut, und die Efslost 
fand sich darauf Wieder ein* 

Dies \wtr kiiralich meine Handlungsweise 
tr&iirend ' unserer Soharlaehfieber - Epidemie, 
und idi befand mich gut dabey* Ich yerlör 
rerhiltnüsmäfsig hur wem'ge durch den Tod, 
und swei ausgenommen , bej welchen die 
Zeidien des Typhus vom ersten Tage der 
Krankheit an unverkennbar waren, ur« 
plötalieh, unter Gonvulsionen und^apoplek• 
tuolien Zufällen» 

Nachkrankheiten nach dem Scharlachfieber 
waren nicht sehr häufig. Sie bestanden, wie 
gewdhnücb, in Anschwellung und Yereite* 
rang der Parotiden und der Submaidllardrü^ 
aen, nnd in Wassersucht. Sie Waren stets 
Folge des £u ktthlen Verhaltens oder würk* 
lieber Erikiltung« 

. Die angeschwollenen Drüsen lieisen sich 
sieht selten wieder tertheilen, d^rch gelinde 
abfiihrimde Mittel und warme Umschläge von 
(Seuta^ Flor, Chamomülae^ Sambuc* und . 
Jlfyoscyamus^ ohne dals Nachtheil davon lu 
sptiten gewesen wäre. Lieis sich aber die 
Zertheflung nicht in den ersten TiLg^eik ^%> 

G a 



— 56 — 

würken. so mulste man durch ervreidieiide 
Umschläge die Eiterung bald eu befördern 
suchen, weil sonst nach der v6rzögerten Ei« 
terung leicht Verhärtungen in den Drüsen 
zuriickblieben. 

Die Wassersucht wich zuweilen schon 
einem warmen Verkalten und Beförderung 
der AusdiinstuDg durdi Spiritus Minderen 
und warme Getränke. Richtete man hier- 
durch nichts aus, so schafften urintreibende 
Mittel, yorziiglich Cremor Tartari solubiliSj 
wit S^uiüa, bald Hülfe« Doch verzog sich 
die Hersteiluog von dieser Nachkrankheit 
manchmal bis in die dritte, vierte Woche. 
Merkwürdig ist noch, dals sowohl die Ge» 
schwulst der Halsdrüsen, als die Wassersucht 
sich weit häufiger eis Nechkrankheit zeigten, 
so lange deir catarrhalische entzündliche Cha« 
rakter der Epidemie dauerte, während des 
nervösen Charakters aber weit seltener waren. 

Zweier sonderbarer Zufälle nach dem 
Scharlachfieber glaube ich hier noch erwäh«« 
neu zu müssen, -* Ein achtjähriges Mädchen, 
welches das Sdiarjachfieber glücklich und 
ohne ärztliche Hülfe überstanden hatte, wur^ 
de, nachdem die Abschuppuug fast vorüber 
war^ wahrscheinlich nach einer Erkältung, 
von Schmerzen in allen Gliedern, besonders 
m den Gelenken, be&Uen. Durch warmes 



- 57 - 

Veibilteii und diapkoretitch« Mittel gelang 
es -mir, die gänzlieh unterdrückte Autdün- 
•tkbg wieder herzustellen, allein die Schmer» 
xea nahmen nur wenig ab, und audi Fesi^ 
caiofia, schafften nur geringe Erleichteiung. 
Nachdem das Kind sieben Tage an diesen 
Schmerzen .gelitten hatte, erfolgte der Tod 
plötslich apoplek tisch, unter Convulsionen ; 
YoUkommen so, wie hefm Scharlachfieber. 

D^ andere Fall betrifft einen sweij&hri- 
gen Knaben, der wahrend des Scharlachfie- 
bers sehr um bösen Hake litt, wodurch er 
würklich ia Lebensgefahr kam. Er wurde 
jedoch gerettet, und so heftig auch die Hals- 
entziindung gewesen war, so zertheilte sie 
sich doch vollkommen, ohne die geringst^ 
Siterung. Als eben die Abschqppung yorüber 
-war» trat ein besonderer Umstand ein; die 
Speisen und Getränke, die das Kind, wel- 
ches bey gutem Appetite war, schluckte, ka* 
men gröfstentheils wieder zur Nase fieraus. 
Es waren dabej keine Schmerzen bey'm 
■Schlixigen, keine Anschwellung im Hdsel, 
auch nicht die geringste Eiterung zu yer- 
spuir<^> ^^ genau ich und andere aucli den 
Hals untersuchten. Der hintere Theil der 
Mimdhöhle hatte mehr ein schlaffes, blasses 
'Ansehen. Die durch die Nase wieder zum 
. VoDMphfiüie kofffunenden Speiseoi Yna^eti «SLcb. 



wellt im gtriagsten mit Einer öd«r Schleim 
Ibenogen. Die Spradie. des Kindes wurde 
•ehr nndeutlidi , wehre Neaenspradie. I^^ 
nur wenige Speisen in den Biegen kernen^ 
eo Wurde des Kind susehends schwieher« 
bnerlicher Gebreach der Chine , so gut m 
eich bejbringen liels, nnd flüssiges Einspiii» 
sen eines Qiinedecocts in den Heb, nebst 
Einreibung«!! eines fluditigen Liniments be« 
wfirkte eher doch «edlich die HerstellangC 
Schlingen und Spredie wurden nech und 
nech J>esser« Es kern immer weniger Speise 
durch die Nese horyor, und es blieb nicht 
der geringste Fehler bey*m- Schlucken oder 
Sprechen zurück, so, deis des Kind gegen« 
wenig I nech Verleuf von drittehelb lehren, 
ToUkommen gesund ist. HdchstwehfscheinU<:h 
wer durch die vorhergpgengene ^itsündung 
Schwäche oder pertielle Lähmung im Schlünde 
heryorgebrecht wenkn* 



Vorsteheode Bemerkungen über des 
Soharlechfieber gründen sich eilein euf die 
Erfahrung, welche ich wehrend der vier Jehr^ 
die desselbe oft so eusgebreitet hier herrschte, 
lü machen hetifig genug Gelegenheit hatte. 
Ich hebe in der gegt^benen B^chreibuHg der 
Xrenkheit und Uu€t Zufiille ebsichdicfa kcSAea 



SchriEttttller sn Rathe gezogen, um dadnreh 
nicht Tcrieitet lu ^nrerden, fremde Ideen lad 
Beschrcibiuigen mit den* meinigen lu yerwe-» 
ben». Wenn man aber den Gang der Krank«» 
lieit in der eben beschriebenen Epidemie 
mit der Beschreibung vergleicht, welche nna 
altere Aerzte yom Scharlachfieber geben , so 
zeigen sich manche Verschiedenheiten, wel-* 
che die gegenwärtige Epidemie auszeichnen« 
So geben alle Schriftsteller die Halsentzün- 
dung als einen fast unausbleiblichen Gesell- 
schafter des Scharlachfiebers an, so, dafs sie 
gewissermaüsen als ein charakteristisches Kenn» 
zeichen ' der Krankheit anerkannt wurde« 
Diese Halsentzündung war oft der gefahri* * 
Tollste Umstand der Krankheit, der den 
Aerzten am meisten zu scbafi^en machte» 
Nicht selten gieng die Entzündung in Brand 
über, und der Kranke wurde . dadurch ein 
Opfer des Todes* Allein in unserer Epidemie 
gehörte die Halsentzündung nur selten unter 
die bedenklicheren Zu£l^e% Zuweilen war 
sie freihch beträchtlich, und erforderte alle 
Aufmerksamkeit des Arztes; aber doch ist 
mir nur ein Fall Torgekommen, wo sie den 
Kranken in Lebensgefahr brifohte; tödtlidi 
sah ich sie nie werden« Eben so wenig habe 
ich sie in Brand übergehen gesehen« Und 
während der nejLföse Charakter dec^hetr- 



^ 4^ - 

ichende war, fehlte nidit selten die Hakent* 
ziindang gänzlich, oder war doch sdhr ge- 
ring, so, dafs man auf sie gar keine RiicL- 
sieht iBu nehmen brauchte. 

Wodurch sich aber die gegenwärtige 
Epidemie yorzüglich auszeichnet, ist die 
Tödtlichkeit derselben, der oft so plötzUch 
eintretende Tod, woyon wir fast in keiner 
anderen Krankheit beyspiele haben. Dais 
dbiese Bösartigkeit von unmittelbarer Einwür« 
kung des Miasma auf das Nervensystem 
herrührte, ist wohl keiaem Zweifel unter* 
worfen, eben so wenig, als dals der nervöse 
Charakter, der sich während dieser Zeit bey 
den meisten Krankheiten zeigte, .die yorzüg« 
liebste Veranlassung dazu gab. Allein dadurch 
Ist wohl noch immer nicht hinlänglich er- 
klärt, warum es häufig so schnell tödtete. 

Ich hatte diese Bemerkungen schon zum 
.Tbeil i^iedergeschrieben, als mir die Auffor^ 
derung des verehrten Herrn Herausgebers 
dieses Journals,, (freilichv, durch Localum- 
stände veranlalst, etwas spät) in die Hände 
kam. Auffallend stimmen die Zufälle in der 
Epidemie zu Beiiin, mit denen der unserigen 
Mberein, und wahrscheinlich werden die an 
ttideren Orten Teutschlands gemachten Be- 
obachtungen -die Uebereinstinunung der E{m- 
dfmie nocl^ mehr bestätigen. Zrfun Theil 



- 41 - 

^kube ich die aufgestellten Fragen des Hm. 
Geheimen Raths Hufeland im Vorstehenden 
beantwortet zu haben; ob zweckmiisig und 
hinreichend, möge der Hr. Herausgeber ent- 
scheiden. 

Was die Präservatiymittel betrifft, so 
mnls ich noch anmerken, dals ich keinen 
Gebrauch davon gemacht habe; gröfstentheils 
aus dem Grunde, weil mir ihre Wiirksamkeit 
doch immer problematisch ist. Doch habe 
ich mehrmals beobachtet, dals bey'm Wa« 
sehen des Gesichts und der Hände mit Was- 
ser und Weinessig, welches ich aus dieser 
Absicht empfahl, Personen, die der Anstek* 
kung ausgesetzt waren » frei davon blieben. 

Dais das Scharlachfieber in dem verflos- 
senen JTahre nicht so ausgebreitet und nicht 
ao tÖdtlich gewesen sey, wie vorher, wird ; 
durch die Mortälitätstabellen .unserer Stadt, 
die mir eben zu Gesichte kommen, bestätigt. 
Denn diesen zu Folge sind in diesem Jahre 
nur 5 am Scharlachfieber gestorben. Sollten 
niäi auch noch einige der am Friesel und 
Fleckfieb/sr' Verstorbenen hieher zu rechnen 
aeyn, so ist diese Anzahl doch immer noch 
going. gegen die im vorigen Jahre ,1 wo sie 
genits- vier bis fünfmal grölser war. 

Seit dem Herbste kommt die Krankheit, 
wie idi aph|» bemerkt habe, nocii aeVi^U!«: 



— 4^ «. N 

. vor. Dagegen beobachtete ich im Noyeihbtty 
und auch . noch einzeln im December, ein * 
Fieber, daii sich ganz wie das Scharladhfiebcr 
anfing. Es trat mit mehrmaligem freiwilligem 
Erbrechen ' ein, war von geringerer oder 
stärkerer allhaltender Hitze begleitet, und 
mir anginösen Zufällen veibunden« Dabej 
war beständige Noigung zum Schweilsey und 

, zuw>ilen eine unbedeutende Röthe der Haut« 
Anfangs erwartejte ich Immer die Scharlach« 
röthe, aber sie erschien nicht« Die Kranken 
genasen den vierten, fünften Tag, unter 
vermehrter Ausdünstung, wo dainn di» g^g^n 
das Ende eintretenden Zeichen von IJnrei« 
nigkeiten gemeiniglich noch ein abführendes' 
Mittel erfordertön. Ob diese Krankheit mit 
dem Miasma des Scharlachfiebers in einiger 

X Verbindung steh^, Wage ich nicht zu ent- 
scheiden. Indem- ich dies schreibe, (am 
Schlüsse des Monats Januar i8o4) habe ich 
seit mehreren Wochen keinen ^cbarlachfie- ^ 
ber - Patienten zu behandeln gehabt, und 
wenn sich in unserer Stadt noch welche be- 
finden, so sind sie gewi& sehr einzeln, weÜ 
sonst ohne Zweifel 4^e noch nicht abgenom^ 
mene Furcht des Publikums ihr Bekanntwer- 
den bewürkt haben würde. — Die herrsöbeqik- 
dei| Fieber sind jetzt rheumatisch - catarrha- 
JUch, unter allen GesUlteil; öbftstr^tig^olgb 



-^ 45 r- 

dc^ afc^Wiich%1fideti stCrmisdren; Bt^tdn WIt« 
tening. Der nervöse Charakter wird seit 
^imgtm Wochea wieder bemerkbarer; in ei» 
. Bigen umliegenden Dörfern herrscht ein 
Nerrenfieber mit Friesel, das oft tödtlich 
wird^ nnd sich auch schon einzehi bey uns 
zu xeigen «nfilngt. 



- 44 -r 



n. 



Schutzpockenimpfung. 



Nachricht von den zu Berlin mii dem Stöjiki 
der Mauke oder Grease angestellten In 
pfungsversuchen. 

JL/en ao. December ' i8o3 erhielt ich dui 
den Hrn. Prqfessor Zenker von dem köniij 
Regiments - Chirurgus Hrn. Völker j welc 
auf Reisen ist und sich jetzt in Wien aufha 
einen Brief, worin er meldete , dals der 
de Sacco in Mailand mit der Lymphe 
der Mauke (Giardoni) der Pferde, Vers 
l^emacht, und vermittelst der Jmpfung 
derselben bej Kindern achte Schutzbliitnil| 
reproducirt habe. Der Dr. de Carro in ^H^f 
habe yon demselben theils yon dieser 
dacinenf theils von der Lymphe ira« 



- 45 - 

luke in zwei Terscliiedenen Gläf^m erhiU 
a, und letztere gelatinöser und klebriger 
» erstere befunden. Mit bejden Lymphen 
ibe der Dr. de Carro in Wien durch die 
ipfung bey Kindern ächte Schutzblattem 
»idifalls hervorgebracht. 

ISit dieser in Wien reproducirten Mauk« 
irmphe^ welche den 19. Ded. auf 4 reifen« 
inemen Impfnadeln angenommen, und mir 
tt oben gedachtem Schreiben uberschickt 
urde^ impfte ich am i. Jan. d. J. 3 Kinder 
ML verschied enem Alter, an isolirten Orten, 
id bemerkte an denselben am yten Tage 
!r Impfung wahre und ächte Schuublattem; 

Von diesen impfte ich am 8* Jan. wie- 
»r A andere Kinder, bejr denen am 7ten 
age der Impfung die Schutzblattern gleich* 
Us idit reproducirt waren. . 

Den xSten d. geschah hej einem Kinde 
n gleiches, welches denselben Erfolg hatte; 
. Den 32. yerpflanzte ich dieselbe Lymphe 
la dem letzten Kinde auf noch ein anderes, 
ij. dem derselbe Erfolg wahrgenommen 
■rde» ' Dies waren also 4 Generationen, 
dehe 'ich mit der aus Wien erhaltenen 
jfxnphe hervorgebracht hatte, und da ich 
iüiAiirGh hinreichende Beweise zu haben 
■nbte> so lieJtii ich diese Lymphe eingehen. 
. i>i^ dies wiirUich ächte Schutzblattem 



waren, können : der Hr. Pto(, Zenker t dU ' 
Stadt-Chirurgen Tode und Mimer^ in der 
Folge der Medicinalrath Hr* Dn Mogalla^ 
Dr. AronssoHy so wie auch einige Chirurgen 
«18 der königl. Päpiniöre beseugen. 

Von dieser reproduoirten Mauk- Lymphe 
schickte ich von der .2ten Generation den 
t3. Jan. an den Hrn. Dn R^hfild zu Pranz* 
lau eine Portion auf Fäden, mit dem Bemer* 
ken, bey dfsr Anwendung derselben sorgfältig \ 
SU seyn^ damit diese Lymphe mit keiner an* > 
deren vermischt würde u. s* w. 

Desgleichen schickte ich von derselben 
Lymphe der 3ten Generation, den 17» Jan. ; 
an den Hm» Dr» Lucas zu Wettin ^ mit dem J 
Bedeuten ) die Impfung mit derselben isolirc { 
anzustellen u. a. w« t 

^ Den 4* Mar» d. J. meldete mir Hr. Dri 
Hekßldf er habe bereits bey verschiedenen 
Kiüdem durch die Mauk « Lymphe ächte ' 
Schutzblattem reproducirt; er wolle die Ver* 
suche fortsetzen, halte darüber mjt Hm« Dft 
X Nens ein sorgfältiges ProtoeoU, und werds 
sbr Zeit alles vollständig darüber einschicken^ 
bis dahin möchte ich alle desfallsige Bekannt- 
machung zurückhalten. 

Den 3. April schrieb mir der Hr. Doüt 
Lucas ^ er habe bereits mit der Uberschicktw 
iUiaiik-^Lymphe g Generationen veprodacir^ 



— 47 - 

J0Cit tej sie ihm ausgegangfin, weil er nicht 
Gelegenheit hatte, sie fortzupflanienr 

.Noch hatte ich an zwei Orte Lymphe 
geduckt, wo sie aber nicht gehaftet hat; 

Den i8« Jan, erhielt ich yon dem königl» 
Leibärzte, Um« Geh. Rath linfdand ^ drei 
achildkrötene Impfnadeln, mit Lymphe aimirt, 
welche in Breslau durch den Hrn. Dr. Friese^ 
Tcnnittelat der vom Dr« de Carro ans Wien 
erhaltenen Mauk • Lymphe reproducii^f war. 
Mit diesen Mädeln habe ich den aa« Jannar 
% Kinder geimpft, wovon ich nach 7 Tagen, 
alt den 29. Jan«, yon 4 Impfstellen nur eine 
Pustel bemerkte, welche aber eine ichte 
Sohntzpocke war. 
\ Den flSsten Januar erhielt ich yoti dem 

; kUnifjL Ober - CoUegio «- Medico , zwei mit 
Lymphe armirte Lanzetten, welche au« dei^ 
Greasei (^Giardoni)y urspriinf.lich in Mailand 
Tom Dr. de Sacco genommen, an den Dr. 
de Carro nach Wien geschickt, daselbst bey 
Kiadem wieder reproducirt, und nach Bres- 
li(n an den Hm. Dr. Friese geschickt, von 
dLeaem wieder b^y Kindern reproducirt und 
an des Königs Maj^tät gesandt worden war. 
Hierbey war der Befehl, duls ich an Ausge- 
Wlhlten und pockenfähigen Subjekten mit 
'der gröfsten Vorsicht, Aecuratesse und Ver^ 
•ekwiegeiiheit Impfrersnche maohtn mVLx.«^ 



-^ 48 - 

mit der ausdrticklichen Anweisung 9 yon der 
aus dem Stoff» der Orease reproduoirten 
Lymphe an keiaen Arzt etwas verabfolgen 
zu lassen^ auch die Sache nicht in's Pnbli« 
kjam zu bringen. Diesen .Befehl koante ich 
'bej' meinen früheren Versuchen nicht biefol^ 
gen» Weiler mir damals noch nicht zuge« 
theilt war; für das Publikum blieb die Sache 
4u%- wohlbedächtigen Ursachen yerborgem 
Den Sisten Januar d. J, , um halb ein Uiiry 
habe ich in Gegenwart der Herren Geheime^ 
Räthe Und Leibärzte Hufetand und Pormey^ 
nachdem die Siegel» worin die Lanzetten ver« 
schlössen.. waren» untersucht und richtig be«. 
fanden worden waren» « sehr gesunde Kin» 
der mit deni Orease ^StoS^ mit aller Genau- 
igkeit goiftipft* Zum Gegenversuche habe icU 
noch ein drittes Kind mit unserem gewöhn-^ 
Heben Inppfstoffe» den ich einige Tage yor« 
her auf Lanzetten aufbewahrt hatte» geimpft»' 
^. Ohngeaehtet ich diese Kinder täglich be« 
obaohtete» so habe ich dennoch keine Zei4 
chen entdeckt» dafs diese Impfung gefalst 
hatte. Zwar zeigte sich in den ersten dt& 
Tagen eine geringe Röthe um die Impfstein 
len» welche aber in der Folge yerschwandeö|. 
nur eine blieb bis zum 5ten Tage. . 

Den 6ten Februar wurden die 3 Impfi* 
L'iige von den Herren Geh. Räthen HufiimmJL 

>aaid 



- 49 - 

und Porme^ inspicirt; es zeigte sich abet) 
dals die tmpijing gar nicht gefabt hatte» 

'ütn tu wiesen, ob diese Kinder etwa 
iiieh ttnempfäDgiich für den Impfstoff war eni 
habe ich das eine Kind mit frischer Schutz« 
blattern-Lymphe vom i2ten Februar g^-impft^ 
welches am ig* die vollkommensten üchutZ'« 
blättern, und sogar auf einem Arme auf 3 
Impfstellen £ Bhittern producirt hatte» 

So merkwürdig iodessen obige JEt fahrun** 
gen Manchem auch scheinen möchten ^ so 
beweisen sie debnoch nichts mehr und nichts 
minder^ als das, was der vortreHiche Doctoif 
Jenner zuerst behauptete, nämlich t daU die 
Schutzpocken bey den Kühen durch die . 
iAauke der Pferde entstehen« indem die 
Pferdeloiechte ) welche diese Krankheit band«* 
haben 9 diese Materie von den Pferden auf 
die Kühe übertragen (weil diese Knechte zui> 
gleich die Kühe melken Russen )4' Folglich 
. hatten der Dr. de Sacco in Mail^tidf der £)r« 
ie Carro in Wien, der Dr. Pries*i jn ßres- 
Uii und ich in Berlin nur {ene firfahrungeii 
bestätigt) und das doch nur vermittelst jenei* 
Lymphe aps Wien« Diese &i'ahrungen wür^ 
den aber die Sache noch mtbx bestätigen^ 
Wenn eitt jeder von uns die V^ersuche unmit- 
telbar mit der von seinem Orte genommenen 
Lymph^i aus würkUcfaer Mauke der Pfe\4« 
XIX. Ä M. $(^ D 



- 50 r- 

gemacht hätte; obgleich die Vom Hrn« Pro£ 
Sick^ Hrn. Dn Meyer und yon mir bereits 
yor 2 Jahren hier angestellten Versuche, die 
Mauke auf Kiihe und Kinder überzutragen, 
mißlungen sind. 

Pie Versuche des Hm. Tanner in der 
Thierarzneischule , welcher die Materie aiia 
der Mauke der Pferde den Kühen in die 
Euter, in Wunden einrieb, wo vorher 
Schorfe gesessen hatten, beweisen nur^ dais 
Geschwüre, aber nicht Schutzpocken entstan- 
den sind. 

Des Hm» Lupeons Beobachtungen, wo 
Pferdeknechte von der Behandlung der Mau- 
ke an den Händen theils Steifigkeit der Ge- 
lenke, theils nur den Schutzpocken ähnliche 
Pusteln bekommeii hätten^ beweisen nichts. 

Bey allen diesen Beobabhiungen und 
Versuchen ist besonders noch zu bemerken^ 
dals die Kk'ankheit des Pulses der Pferde» 
weiche diese ^Ansteckung verursachte, von 
den Pächtern in England noch nicht genau 
bestimmt ist* 

Alle deshalb gemachten Erfährungen sind 
negativ ausgefallen. Zu Chestershire, wo die 
Mauke unter den Pferden $o häufig gefunden 
wird, und die Pferdeknechte auch zum Mel- 
ken der Kühe gebraucht werden, hat man 



f- 5i — 

demofangeachtet die Schutzpocken nie beob^ 
achtet. 

fyoodville machte sehr viele Vetfuche 
init der Grease '- Materie an den Eutern Aer 
Kühe ^ mit fruchtlosem Erfolge« 

Des Prof. Colemanns Versuche mit der 
Mauke • Materie und anderen von Pferden 
genommenen Feuchtigkeiten^ brachten bey 
Menschen keine A^ürkung hervor , oder 
höchstens nur solche WUrkungen, welche zu 
erfolgen pflegen^ wenn eine Operation mit 
einem unreinen Instrumente gemacht ist — ^ 
Es waren keine ächte Sok)itzpocken. 

Peanon beobachtete ! a) dais auf vielen 
Meierhäfen die Schut2pocken ausbrachen^ 
dbschon kein neues Vieh tat Heerde kaoi, 
die Melker kein Pferd bertihrten^ keine mi|u<« 
kigen Pferde da waren^ ja sogaT keine P/erde 
auf d^r Meierei gehalten Wurdto. b) Dafs 
die Schutzpocken auch unter den'begtinstigsten 
Umständen für ihre Erzeugung nicht ämbre-> 
chen^ Wenn schon die Mauke Gelegenheit 
giebt^ wie dies der Fall zu Cottenham und 
Willingbam ist, wo 3ooo Ktihe und eine 
Menge Karrenpferde, die sehr häufig die 
Mauke haben ^ gebalten Werden « und Wo die 
Pferdeknechte auch die Ktihe melken müssen. 

Dr«^ Part bat beobaöhtet« dafs alles was 
'von Uebertragun||f von Matdtia det 1^%.\xVa 

Da 



— 5a — 



auf andere Körper zur Zelt entstehti mir 
topi che Geschwüre und keine Schutzpocken 
sind« 

Auch Simmons impfte Kinder und Kühe 
mit Mauke^Lymphe ohne Erfolg , und ^enn 
bey ersteren zuweilen auch» kleine Erhohun-, 
gen, mit Entzündungen auf der Imp&^elle^ 
sich, zeigten, so waren sie doch nach fünf 
Tagen wieder verschwunden. Wurden diese 
Kinder mit Menschenpocken geimpft,, so b^ 
kamen sie diese voIistän4ig und mit dem re- 
gelmäfsigsten Verlaufe. 

Der Hauptmann Pilger, . Thierarzt *im 
Oberfürstenthum Hessen^ hat seit einem 
Jahte viele Versuche mit der frischen Mauke 
angestellt, .welche entweder ohne Erfolg W4« 
reuv oder es entstanden gauchigte Geschwüre^ 
aber keine Schutzpocken. 

Die Versuche der Franzosischen Bürger 
Touretj Tessier und Housard sind gleichfalls 
fruchtlos gewesen. 

' Der Prof. fViborg brachte die Materii 
der Mauke und sogar die der MaukbfuIeDi 
welche noch schärfer ist, in die Hoden der 
Pferde, theils diird^i Wundea, theils durch^ 
Einreibungen und Auflegen, ohne daia die 
geringste Ansteckung erfolgte. Diese Yer» 
suclie beweisen also,« dals jdie Mauke und die 
Maukbeulen der Pferde lUr^ diese Tiiiere 



— 55 — 

nicht ansteckend sind. Da wir nun bisher 
noch keine Ansteckungsmateriie kennen , die 
Tbiere anderer Art ansteckt, und ßir Thiere 
derselben Art, in deren Korper sie erzeugt 
wird» keine ansteckende Kraft besitzt, so 
lilst sich m priori schllefsen, dafs.sie noch 
weniger fSr Menschen ansteckend sey. 

Man hat auf verschiedenen Veterinair- 
Schulen mit Eiter aus Geschwüren , die viel 
bösartiger waren, als die der Mauke, Ver* 
snehe*^QgestelIt, und keine Ansteckung be* 
würken können. 

Den Zungenkrebs, welcher so hauflg auf 
einmal unsere Hausthiere befällt, hat man 
weder fiir Thiere derselben noch anderer 
Art ansteckend gefunden. Man konnte diese 
Krankheit weder voa einem Pferde auf das 
andere, noch weniger aber vom Pferde auf 
wiederkäuende Thiere und Hunde yerpRanzen. 

Die Mauke ist überhaupt in allen ihren 
Aeniäerungen von den Schutzpocken ganz 
verschieden. 

Die Mauke, Franz. Eaux aux famhesy 
Engl« ihe Greasey ItaL Giardoniy Spanisch 
Arisünj ist eine Hautkrankheit, welche ge- 
wohnlich chronisch, nicht entzundlidi , nicht 
ansteckend und niemals acut ist, uad welche 
in d«r Haut der Fülse bey Pferden , Eseh, 
Maniesein und nur hScKst selten bej Ochsen 



-» v-j ^ 

entsteht, SUi iofsert sich anßoglicb durdh 
eine leichte Geschwulst oder Beulen über 
dem Hufe de« Pferdefufses, mit einem mehr 
oder minder heftigen Schmerze ^ so, dafs das 
Thier den Fufs öfters an sich ^ieht, und 
isuweilen bey der Berührung yeranlafst wird|_ 
sich auf die Seite zu werfen. Die Geschwulst 
bricht alsdann auf | es entsteht ein Ausfiuls 
eines wässerigen , grauen » griinlichen, stin? 
kenden Eiters^, welcher durch seine Schärfe 
die benachbarten Theile anfrifst, und, so zu*» 
letzt den ganzen. Fuls' bis an das Knie ein« 
pimmt, Mit der Zeit wird das Eiter dick 
und klebrig, das Hörn des Hufes wird weich, 
schwammig, und nicht selten löst sich der 
ganze Huf vom Fufse ab« Der gan^ie Fuls 
erreicht zuweilen eine ganz ausnehmende 
Dicke u, s. Wt Die Krankheit dauert 3, 6, 
bis g Monate, und bey einigen yersehiedeno 
Jahre labg« 

Dr^ Bremer, 



Bej der Jetzigen Lage der Sache ist es 
allerdings sehr xu wünschen, dais man die 
'aufserste Vorsicht bey den Versuchen anwen«; 
den, und dafs selbst die weitere Propagation 
^nd Reproductiou des Maukenstoffs unter 



F. 



'— ^^ — 

obrigkeitliche Aufsicht . gesetzt werden möge, 
^amit nicht das ächte Schutzppckeogift de^ 
durch unrermerkt verfälscht, oder dadurclf 
VervfechsdluDgeu yeranlal&t werden, die erst 
in der Folge ziun grof^^en Nacfatheile der 
Geimpften sich entdecken. - 

d. H. 



Naclfirag zu der Geschichte der Schuupoh" 

kenimpfung in Berlin. 

(S. XVII. B. 4, St.) 

In der Mitte des Decembers 1799 erhielt 
ich von Ihro Königlichen Hoheit^ der Prin^ 
zessin Louise ^ vermählten Fürstin Radziwil^ 
die sich eben so sehr durch Geist und man* 
nichfaltige Kenntnisse, als durch die edelsten 
Tugenden und die huldreichste Menschen- 
freundlichkeit auszeichnet, den ersten ihit 
Schtttzpocken-Lymphe getränkten Faden, den 
die Prau Herzogin von York von dem Dr. 
Pearson erhalten und Höch^tdenselben zuge- 
schickt hatte. 

Den 1. Febr. iBoo imphe ich mit diesem 
Faden die drei Kinder des Stahlfabrikanten 



— 56 — 

Hrn. yoiß;t^ wohnhaft in der Mittelstraße 
No, 36, nämlich ^ugusie 6 Jahre, WüheliH 
8 Jahre und AmalU 10 Jahre alt; dpch be«» 
,K9in blas Auguste die Schutzpockea« 

D^n 18. Februar impfte iqh die beiden 
altern Kinder, fVilhelm und Amalie noch 
einmal, und %war mit. Schut^pocken-^Lymphe, 
Vftiche thra K-vm gliche HoheUy die Prinzes* 
sin Louise^ von dem Dr. Jänner selbst erhal- 
ten hätte. Auialie bekam die ^chutzpocken; 
fyUhfil/n aber nicht. 

' Den iSten Mära 1800 impfte ich diesem 
Knabtn und Augusten mit Mpnschenpodien« 
Miterie. Ersterer bekam die Men:>chenpok« 
ken; bey let2(terer a^igte siqh keine Spur; 
davon» Auguste mufstte, während der Zeit, 
da ihr Bruder 'die Menschenpocken zahlreich 
genug hatte, fast Tag und Nacht piit ihm 
in einem und degiselben Bette liegen, doch 
dessen ohnge^chtet bekam sie \die Menschen- 
pocken mcht« Auch seine Schwester Amc-lie 
war meistens bey und neben ihm 9 fafste ihn 
oft an, und'wi^tde gleichfalls nicht von ihm 
angesteckt. Als seine Porken recht gut 
standen, nämlich den 3o. Mär«, impfte ich 
mit Pocken .P Materie von ihm Auguste nQch 
einmstU und zugleich ein Jiind des Herrn 
Qbristen vqn Block aus Bre^Uu« Dieses be- 



- 57 -, 

kam die Menschcnpocken sehr stark, Auguste 
'Wieder nichts 

So ,ini£»trauiscli ich Anfangs gegen die 
Schutipocken gewesen war, ^o mtifste ich 
doch nun überzeugt seyn, daCi sie gegen die 
Ansteckung von Menschenpocken sicheren. 
Diese Ueberzeugung war bey mir so fest, 
da/s sie weder durch poKtische noeh durch 
wissenschaftliche Gründe geschwächt werden 
konnte. Etwas trug hiezu auch die Erinne« 
fuog an meinen verstorbenen Vater bey^ 
einen Landprediger t\x Solz im Sachsen-Mei« 
niogenschen, der sich durch viele Kenntnisse 
und grofse Wahrheitstiebe auszeichnete. Er 
sagte mir pamlich im Jahre 1763, als eine 
seiner Kühe, nach seiner Meinung, die Pok«« 
ken hatte: Mägde, weiche solche Kühe melk- 
ten, w(irdeQ davon angesteckt, und man 
glaube, dafs, wer eine solche von Kühen 
mitgetheilte Krankheit gehabt hahe^ nie die 
Mensckenpocken bekomme« 

Zu Anfange des Octobera iBocx impfte 
ich wieder 22 Kinder, mit Schutzpocken-« 
Lymphe von Kindern aus dem hiesigen Wai- 
•enhause. Hr. Hofrath Bremer ^ der sich seit"» 
dem um die Ausbreitung dieser Impfungen 
•o verdient gemacht hat» hatte diese Kinder 
mit Lymphe vaccinirt, " die ihm von dem 
Herm Dr« Sybel in Brandenburg mitgetheilt 



~ 58 ~ r 

worden war. Bejr allen 22 Kindern entstand 
aber kerne ordentliche Pustel, sondern häls- 
liche» mehrere Wochenlang staik um sich 
fressende Geschwüre, und überhaupt war der 
Gang der Krankheit ganzlich von dem ver- 
schieden, df;n icK bey den f^oigeschcn Kin- 
dern beobachtet hatte. 

in der Mitte des Novembers 1800 erhielt 
ich durch den hiesigen Geheimen Rath, Hn. 
Dr. Brown^ Fäden mit Schutzpocken-Lymphei 
die er aus London für sich und mich hattf 
kommen lassen* £r sowohl, als ich, impften 
damit. Nun erfolgte die wahre Schufzpok- 
ken- Krankheit, und seitdem sind mit dieser 
Lymphe von Kind zu Kind sehr viele hiesige 
und auswärtige Kinder und Erwachsene, 
mehrere Tausend an der Zahl, glücklich ge» 
impft worden, und die Impfungen werdeQ 
noch immer mit deni besten l^rfolge fort- 
gesetzt. 

Heim* 



- 59 - 



erschlaff einer Polizeimaafsregel zur Ver^ 
hreit^iHg der SchuupocheHimpßing-, 

Die Versuche, die seit fünf Jahren in 
m; dvilisinen Ländern yon Europa mit 
r Schutspockenimpfung angestellt und zahl- 

yerrielfältigt worden sind, haben ein so 
scheidendes Resultat hervorgebracht, dalk 
r nun glauben dürfen, uns vermittelst der- 
ben auf dem Wege zur nahen Ausrottung 
r Menschenpocken zu befinden. Wer dar- 
»rnoch Zweifel haben konnte, dem miirs- 
I sie durch den kürzlich erschienenen Be- 
bt des Vaf^cine-Comitö's in Paris volfends 
aommen - werden ; denn niemals ist eine ^ 
^didnische Erfahrung mit einer ^solchen 
ibefangenheit und Vorsicht gemacht, noch 
n Publikum auf eine so untrügliche Weise 
rgelegt worden, wie die&e mehr als drei- 
irige ImpfuDgsversuche ' des Pariser Aus- 
lusses, der hier neben seinen eigenen 
ahmehmungen auch die von i8 Proviozial- 
mit^s, 8 medicinischen Gesellschaften und 
3 Aerzten, welche aus allen Gegenden 
mkreioh's mit ihm in Verbindung getreten 
ilTbiii bekannt macht. Das einzige, was 
gen die Vorbauungskraft, der Schuizpok« 



~ 6o — 

ken vielleicht noch dürfte einge^vcndet wer- 
de^f ist die Ungewisse Dauer ihrer Wür- 
kung; allein ungerechnet, dafs sich die in 
England angestellten Beobachtungen auf 56 
Jahre zurückerstr^cken, so ist das schlimm« 
ste, was erfolgen könnte , wenn sie nur auf 
eine gewisse Zeit beschränkt se^n sollte, dals 
man sich das Schutzpockengift mehr als ein- 
mal im Leben muLie einimpfen lassen, und 
6$ hcirf e darum nicht auf, ein sicheres Aus* 
rottungsmittei ge^^eo die Menschenpockea 
2U sevn« 

Die Regierungen haben sich boy dieser 
Entdeckung, die in der Geschichte der Me- 
dicin eine ihrer merkwUrdigstea Epochen 
beiseichnen wird, gerade so benommen, wi« 
es die Gruiidsäue ^iner guten Foljizei von 
ihnen forderten« So lange die Unschiidliel^ 
keit der neuen Impfung und ihre Eigen« 
acjhaft^ gegen die Pockenansteckung zu schiis« 
sen, noch nicht völlig erwiesen waren, haben 
•ia die voreilige £inführung derselben ge- 
hemmt, und sich damit begnügt, eine griind'» 
liehe Untersuchung des Gegenstandes zu be* 
lordern; so wie aber der Erfolge immer un« 
^zweifelhafter wurde , sind auch zweckmäfsigq 
Anstalten zur Verbreitung getroffen worden^ 
Indessen haben sich diese bi$ dahin auf eine 
indirecte Einwürkung beschränkt^ und habes 



— 6i — 

lediglich in allgemeinen Aufmuntenings • nnd 
Efleichtenings - Mitteln bestanden. Jetst 
scheint der Zeitpunkt gekommen zu sejo^ 
wo die Polizei &ich auf eine noch unmittel- 
barere Weise mit der Sache befassen, und 
Maa&regeln ergreifen sollte, die schneller 
und sicherer zum Ziele führen. Meine Ab« 
sieht i»t gegenwärtig, eine diesef Maalsregeln 
der Prüfung des medicinischen Publikums zu 
unterwerfen, und wenn sie nicht unausfiihr* 
bar sollte gefunden werden^ den Polizei-Be* 
bürden zur fieherzigung zu empfehlen. 

Jede Begierung hat unstreitig das Rechtt 
Individuen, die mit ansteckenden Krankhei«» 
ten befallen sind^ abzusondern und aulscr 
Gemeinschaft mit den Gesunden zu bringeuj 
auch wenn die^e Absonderung mit einiger 
Beschwerde für den Angesteckten verbunden 
aeyn sollte; denn im gesellschaftlichen Zu- 
stande findet die natürliche Freiheit jedesmal 
da ihre Gränzen, wo der Gebrauch derselben 
tut andere schädlich wird. Durch dieses 
Mittel ist es unseren Voreltern /»elungeni das 
Auasatzgift zu yeitilgen *), und duich seine 

*} So tehr tuch eine tolclie firscbeinung in eiAem 
rohen und mit PoÜKei - Anitalten wenig bekannten 
Zettalter bey'm ersten Anblicke aufTallen mnis^ to 
erklärt sie sich doch gans naturlich, wenn wir den 
£inflii]j dei religiösen VorurtheiU bedenktn» ^i% 



:_ 6a — 

Anwendung I selbst auf den blosen Fall des 
Verdachtes; wird noch täglich das Pestgift 
Ton dem civilisirten Theile von Europa ent» 
fernt gehalten« Wenn dasselbe gegen anders 
eben so verderbliche Miasmen nicht auf glei* 
che Weise benutzt worden ist, so geschieh 
dies wohl darum, weil einige derselben si^ 
auch ohne Ansteckung entwickeln > und der 
Saame von den übrigen gegenwärtig so ver- 
vielfältigt ist) dals ihre Vertilgung in einem 
Zeitalter I wo auch die entferntesten Gegen- 
den in mannichfaltiger Berührung, steheui 
eine ZusammenwUrkung der Europäischen 
'Regierungen erforderen wurden die sich für 
Gegenstände ihrer inneren Administration 
nie erwarten läfst. Auch haben die daher , 
genommenen Vorschläge 2ur Pockenausrot» 
tung, die von einigen verdienstvollen Man« 
hern mit so vieler Wärme gemacht worden , 
sind 9 mehr Gemeinnützigkeitstrieb als Meü« 
schenkenntnifs und Welterfahrung verrathen« , 
Allein wenn auch isolirte Maalsregeln^ die 

bey der Autrouimg det Aotsatset mit iia SfUk 
war; ohne das Motaischa Intcrdict: „und io hmga 
,,das MM an ihm Ux, toll er unrein aeja« alltim 
Mwohnan, Und teine Wohnang soU «ttTaar dM 
^Lager aeyn,«* haue Europa im i3te« JalulMiadcf 
kaou igooo Leproaen <> SpiUlar «oti 
nidtUch dotiren geadiaa. 



— 65 — 

sur Absonderung der Pockenkranken getrof- 
fen werden, die Au&rottung dit-spr Krankheit 
nicht unmittelbar bezwecken können, so 
dlirften sie hingegen ein sehr wiirksames 
Mittel sur immer weirert*n Verbreitung der 
Schutzpockenimptung abgeben, und ohne 
ihren directen Nutzen dabey in Anschlag zu 
bringen, mittelbar zu jenem Ziele fuhren. 

Mein Vorschlag geht dem zu Folge da* 
liin) über jede Gemeinde ^ in der die Pocken'» 
Krankheii ausbricht^ die Sperre zu verhän» 
gen^ und ihr allen F'erkehr mit den umlie^ 
genden Oruchafcen abzuschneidtn^ so länge 
bis die ansiechungsjähigen Subjecte derselben 
mit "dem Schutzpockengifte geimpf: , und der 
Ausbreitung der Seuche hierdurch bestimmte 
Grunzen gesetzt sind. Die Art der Ausfuh* 
rung denke ich mir ohngeFähr wie t*. -get: 
Ein jeder Hausvater wir.l unter Androhung 
einer Geld- oder selbst Gerangnifs - Strafe 
y«rpflichtet, sobald wie sich die Pockenkrähk- 
faeit bey eikiem seiner Hausgenoiisen äulkert) 
den Fall der Behörde ansBuzt*igen. Nachriem 
sich die Polizei durch die vorsunehmende 
Untersuchung des Wiirkiichen Daseyhs der 
Krankheit versichert hat, wird die Gemeinde 
sogleich in Bann gelegt , so , dafi blos allein 
die allfäUig nothWendige Zufuhr von Lebens- 
mitteln> jedoch mit den gehörigen VoiucVas* 



- 64 - 

Maafsregeln gestaltet wird. Zugleich werden 
die Einwohner aufgefordert, alle Individuen^ ' 
welche die Pockenkrankheit noch nicht über* 
stanJea haben, der Schutzpockenimpfung zu 
unterwerfen, nur mit Ausnahme derjenigeUf 
bey denen der bestellte Impfarat die Opera* 
tion diesmal nicht für zuträglich erklären 
würde; eine Ausnahme, die aufser bey neu* 
gebornen, der Ansteckiing ohnehin weniger 
ausgesetzten Säuglingen ^ nur selten Statt ha- 
ben dürfte. Wird der Aufforderung allge« 
mein Folge geleistet, so sind dem iPocken* 
Stoffe in kurzem alle Fortpflanzuogswege ab* 
geschnitten und die Seuche wird im Entste* 
hen selbst tinterdrückt« Finden sich hinge* 
gen, da die Impfung immer freiwillig 
bleiben soll, mehr oder weniger Widetspenr 
stige, die sich derselben nicht unterzieho]^> 
wollen, so sind diese, ^ so lange bis alle An* 
steqkungsgefahr yo;rüher ist, in ihre Wohf 
nungen zu consigniren, lind der Gemeinde« 
Bann wird in, einen Haus •>- Bann verwandelt; 
indem.es unbillig seyn würde, die mit einer 
Sperre verbundenen Beschwerden wegen dem 
Eigensinne einiger Wenigen länger auf ein 
ganzes Publikum auszudehnen» Was die ttb*> 
rigö Executionsweise betrifft, so kann AiesS 
Ixiar nicht auseinander gesetzt, sondern m&Is 
i7.?c/i • den Local Verhältnissen bestimmt | und 

%uch 



. — 65 — 

auch wohl je nach den Umständen ibge&n- 
4eit werden. Vorzüglich ist dies der Fall 
hej. grolsen Städten, aitf welche diese Maala- 
legel nicht ohne beträchtliche Modifikationen 
Mch anwenden läfst, obgleich sie, als die 
eigentlichen Unterhahungsquellcfn der Mias* 
men, derselben vor allen anderen bedürften; 
bejr der Unmöglichkeit, ihren ausgebreiteten 
Verkehr auch nur momentan zu unterbre- 
chen, ist hier nicht wohl an eine allgemeine 
Sperre zu denken; hingegen fragt es sich, 
ob diese nicht gegen eini^elne Stac^tquartiere 
verhängt werdeh könnte, und im Falle m^n 
andi hiebey zu grofse Schwierigkeiten fände, 
so bliebe noch das Mittel übrig, die Woh- 
nungen der Pockenkranken zu sperren, da 
denn die Furcht vor einem solchen Zwange 
iiir das Publikum ein mächtiger Beweggrund 
Sisyn würde, um sich der Schutzimpfung zu 
nntersiehen. Wenn man sich die letztere 
Art von Sperre mitten in einer Seuche 
denkt) die durch alle Theile einer volkrei- 
chen Suidt verbreitet ist, so wird sie aller- 
dings unausführbar; allein gleich bej^m er«* 
aten Ausbruche, -und während dem die An- 
steckung nur noch auf wenigen Individuen 
Isaftet/ muls der Vorschlag ohne Schwierig- 
keit sich in's Werk setzen lassen. 

Ich fühle zwar selbst ^ dafs man bey dl^t 
xnr. b: /. St. * E 



^ — 66 - 

Attsfährung einer soldien Maarsregel auf 
Hindernisse stofsen muls, die bey der Ent« 
werfung des Plans nur gar su leicht überse- 
hen werden, uod iß dem Verhältnisse suniJi- 
men, wie sich derselbe auf' eine gröisere 
Masse von Menschen erstreckt; so halt ea 
Sulserst sGhv,rer, aHgememe Sperrailstalten ge- 
hörig zu handhaben y oder sie sind wegen 
der starken Gordons, die dazu erfordert 
werd^i', mit beträchtlichen Kosten verknüpft 
Eine andere Schwierigkeit bietet die Unteri* 
Scheidung der ansteckungsfahigen Subjecta 
von denen, welche die Pocken bereits uber^ 
standen haben, dar, indem man siob meb- 
rentheils an die Aussage der Verwandten, ' ' 
die sowohl aui Unwissenheit , als durch ab* 
•iichtliche Entstellung nicht immer zuverläfsig 
aeyn dürfte , wird halten müssen, und über- 
haupt eine strenge Untersuchung bey det 
Menge von Individuen nicht Statt haben 
kann. Allein man vergesse nicht, dafs diese 
AbsonderuDgs - Anstalten nicht zunächst die 
Vertilgung jles Pocketogifts, > sondern die 
Verbreitung der Schutzpockenimpfung, und 
die* erstere nur vermittelst der letzteren aur 
Absicht haben, und dais diese Absicht aucli 
ohne strenge Execution erreicht werden 
kann; denn gerade hier zeigt sich ein'we* 
aentUcher Unterschied zwischen meinem 



- 67 - 

V6rsohlag0 und denen, die bü dahin snir 
unmittelbaren Pocken - Ausrottiufj; gemadit 
worden sind; ein Untencbied, der sich dar» 
auf gründet , dais die Vertilgiing der Kranke 
heit in dem einen Falle von der Entziehung 
dea Krankheitftstojffes , in dem anderen TOft 
der Entaiehmig der krankheitsfähigen Sab» 
jecte «rwartet wird^ da dann der erstere aus 
Mangel. Ton Nahrung sich ron seibat rerlie- 
renmuli* Wenn dort das Zurückbleiben und die > 
Venrielfaltigung des Miasma nicht durchaus 
rerhütet wird, so ist die ganze Maaisregel 
verfehlt f während dem hier hingegen das 
Zurückbleiben einiger ansteckungsfahigen In* 
di?iduen höchstens zur Folge haben kann, 
dafs spiter noch hie und da isolirte Pocken 
etsdieinen. 

Wenn anch diese Maa&regel keine an- 
dere Würkung hätte, als dals die Pocken«- 
Seuche, sobald sie irgendwo ausbricht, so- 
gleich erstickt, hiermit die Anzahl ihrer 
Opfer um so viel vermindert wird.., und dafj 
aie an dem nämlichen Orte nie wieder er- 
acheinen kann, wenigstens unter der gegen* 
wirtigen Generation und als Seuche nicht 
wieder erscheinen kann, so würde ihr Nut- 
2en schon grols genug sejuk^ allein es ist zu 
Termiithen^ dafs sich ihre Würksamkeit nicht 
Mos auf dan jedesmaligen Fall ihrer AiLffwor^ 

E B 



~ 68 — 

dung betchrüakeni sonilem daß sie auch im 
AUgemeinen ein kräftiges Verbreitungsmittel 
für die Schutzpockenimpfuiilg abgeben werde. 
Sobald es einmal bekannt ist, dafs jeder 
Pockenausbnich eine Sperre zur Folge hk% 
to wird man sich diesem Zwange nicht geta 
aussetzen wollen, und noch ehe der Fall ein* 
tritt I zur Schutzimpfung schreiten. Wenig« 
stens haben die Gemeinde • Vorsteher eine 
Aufforderung mehr, um ihren Einfluia zu 
dem Ende bey ihren Augehörlgen zu ver^ 
WMiden, und man weifs, dafs dieser Einfin£i| 
sobald es um blofse Insinuation und Ueber- 
redung zu thun ist, ungleich mehr w&rkt| 
als selbst der von höheren und eben darum 
dem Gemeinde-Interesse fremd erscheinienäen 
Behörden« 

Wenn man bedenkt, wie strenge oft die 
SperryerfUgungen sind, die durch Viehaen- 
chen yeranlafst werden» und ihren Zweck 
mit dem der vorgeschlagenen Maalsregel m 
^Vergleichung setet, so wird man hoffentUdli 
Ton der damit verbundenen Beschwerde kd- 
nen Einwendungsgrund gegei^ die letztere 
hernehmen, und zwar um so viel weniger, 
da es . im Vermögen des Publikuins steht, 
derselben zuvorzukommen, so wi^ sidi in 
kurzem davon zu befreien, indem der Fall 
schfrerlich mehr als einmal an dem nämlieken 



- 69 - 

Orte eintreten wird. Gihi anders Terhalt es 
sich mit der Pocken-Isolirung ohne Impfung^ 
wo die einintlige Unterdrückung der Kranke 
heit ihre Wiederarscheinung nicht yerhUteii, 
fielmehr durch die gräfsere Menge empfang« 
hcher Subjekte, die sie übrig Mst, dieselbe 
fiir <Ke Zukunft noch befördern kann, und 
wo abo die Sperre, so oft das Ansteckungs» 
Gift an einen Ort gebracht wird, auch von 
neuem, muia vorgekehrt werden. " 

Die vorgeschlagene Maafsregel ist als ein 
moralisches Zwangsmittel zur Schutspocken* 
Impfong ; anzusehen , und hält die MitteU 
strjdae stwisehen einer blos indirecten und 
daher allzu langsamen EinwUrkung, und .dem 
e^entliohen Gebote derselben, zu dem kaum ' 
eine Regierung sich getrauen würde, au 
schreiten, und noch wjsniger es durcbznsez^ 
xen, obgleich man sich täglich weit fiihlbai^ 
lere^ Beschränkungen der persönlichen Frei« l 
heit erlaubt^ die lange nicht so durch ihren 
Zweck gerechtfertigt werden« 

Uebligens ' darf ich nicht erst erinnern, 
dals die Ausführung dieses Vorschlags einige 
«Dgemeine Vorkehrungen voraussetzt, die 
auch unabhängig von demselben die Ver- 
breitung der Schutzimpfung erleichteren kön- 
nen^ . nnd hin und wieder schon zum Xheil 
getroffen worden sind. Dahin rechne ich 



•*-.^ yo» — t 

•ine odst mehrere Impfazutalten, wo besttin^ 
dig frisches Sc^utzpockengift unterhalten 
wird, um die Impfärzte des Landes damit 
JBU versehen« Diese Anstalten konnten dann 
aiich dazu benutzt werden, um über die 
Impfmethode selbst Unterricht zu ertheüen, 
besonders aber um den yerschiedenen Gang 
vqH die Merkmale der ächten und unächtes 
Scbutzpocken, als 'vilprauf es hauptsächlich 
ankömmt, genau kennen zu lehren. Zugleich 
mufste die Regierung dafiür sorgen, dals in 
jedei^ Bezirke ein Impfarzt bestellt würde, 
der zu allen Zeiten die Armen unentgeldlich 
lu impfen, und über die durch Pocken «Epi* 
demien yeranlafsten Impfungen die Aufiiicht 
zu fuhren hntte; eine Einrichtung, die auch 
in Gegenden, wo eher Mangd als Ueberfluls 
an Medicihalpersonen ist, eben keine Schwie- 
rigkeit finden sollte, da bey Einimpfung dei 
Schutzpocken die Gegenwart des Impfarztea 
nur Torübergehend erfordert wird* 

Dn Mengger^ 
Arst SU LtuuDHf» 



— 7» — 



Jfachricht vcH der Amiierdunur Gesdischafi 
MUT Beförderung der Schut^fockenimpfung 
für ünbemiuelu. 

Da es die Pflidit eines jeden gefühlvol- 
len Menschenfreundes ist, seinem Nebenmen- 
schen so yiel in seinem Vermögen ist beyni- 
itehen, und denselben vor dem ihm drohen- 
den Unh^ und Unglück xu bewahren, so ist 
es nm so mehr die Pflicht der wohlhabenden 
Bürger, ihren unbemittelten Stadt - und 
Landgenossen hierin hülfreiche Hand m lei- 
ste,D; doch yorzüglich ist es Pflicht edelmü- 
thiger Aerate, ansteckende und zerstörende 
Seuchen yon Unbemittelten durch ihren Ei- 
fer und Fleila abafuwenden, nnd wenn es 
inögUdi ist 9 kostenlose Verhiitungsnittei an 
die Hand an geben f um dadurch diese Un- 
glücklidien, eben sowohl wie' die Reichen 
und Wohlhabenden, vor einem frühzeitigen 
Tode, oder einem kränklichen und unglück^ 
licheii Leben zu bewahren. 

Unter allen Krankheiten, welche Europa 
•eit Jahrhunderten entvölkert und verheert 
haben, und wegen des Zusammentreffens wi- 
driger Umstände , Unvermögende viel mehr 
als Wohlhabende, als Schlaehtopfer hinweg- 



-TT 7Ä i-5W • 

raflFen, itt gewifs keine so allgemein Ter- 
breitet) so rerheerend und so schreckUcfay ^ 
wie die Kinderpoeken; eine Krankheit, die 
länger denn i^wölf Jahrhunderte so grälslich. 
gewüthet hat, dals selbst, Anzeigen zu Folge!, 
in England der zwölfte Theil von allen Ge«- 
atorbenen, in einem ansehnlichen Zeiträume 
des vergangenen Jahrhtinderts, durch diese 
Seuche V eio Opfer des Todes geworden ist| 
während dessen tausend andere dadurch ihre 
Gesundheit, ihre Sinne nnd angeboitie' 
Schönheit fUr beständig verloren haben« 
^Daher haben sich achon seit beinahe hundert . 
Jahren in verschierlenen Ländern sowohl 
gutgesinnte Gesetzgeber, als menschenüe« 
bende Aerzte bemühet , diese Geilsel der 
Menschheit durch die Einimpfung der Pok« 
ken BU beschränken. Allein wenn durch diese 
Vorsorge auch einzelne Personen^ die sieb 
dieaer Einimpfung unterwarfen, gröiatentheils 
davon; befreiet blieben, so hat man doc^ 
niemals diese heilsame Kunstausiibung so all- 
gemein machen können ^ dafs dadurch diese 
schreckliche Kinderseuche ausgerottet werden 
konnte; und weil sich dieses so verhält, so 
wird, ohngeachtel des besten Vorhabens^ 
diese ansteckende Krankheit immer mehr 
und mehr verbreitet; indem die Sterbelisten 
deatbdi daithnn, dals, seitdem die Eimmpfong 



- 73 - 

4er KiDdiftrbktterD in Gang gekommea ist, 
dts allgemeine Sterben an denselben bis 17 
¥oni Tausend vermehrt ist« Dieses hat in- 

, dessen verursacht, dals man in hiesiger Stadt 
aieduits zur Errichtung von Hospitälern oder 
hutitnten füj die Einimpfung der Kii^derpok- 
k&k liat gelangen können, weil die umlie« 
gM&den Gegenden einer solchen Stiftung der 
Anttedkung durch dieselbe blos gestellt, und 
die Ausbreitung der Krankheit dadurch ver« 
melut werden würde. Doch fetzt hat man 
gegen . diese . serstörende Kibderpest ein 

' Sefantzmittel gefunden, ein Schutzmittel, das 
weder mit Lebensgefahr, noch mit Gefahr, 
krank oder verunstaltet zu werden, verbun- 
den ist/ das ohne Gefahr und aufs sicherste 
diese verheerende Seuche verhütet, und was 
noch mehr ist/ ein Schutzmittel, welches auf 
keine andere Art ansteckt 9 wie durch eine 
muchmerzhafte, zur Ansteckung hinreichen« 
de Operation; so, dafs selbst Kinder ohne 
Gefahr beysammen schlafen , ja die Mütter 
ihre Kinder stillen können, ohne diesen An* 
stecknsgsstoff einander mitzutheilen. Da die- 
ses dnrdi' eine reife Erfahrung bev^iesen ist, 
so kann man ohne Gefahr, dadurch in der 
Nafthbarschaft einigen Nachtheil anzurichten, 
noch irgend eine Ansteckung zu verursachen, 
m diesem Zwecke StifltuDgen für diese 



KunstftUAiibiing errichten. — Da aber wegen 
der damit verbundenen Unkosten bis jeM; 
nur' die Wohlhabenden im Stande sind, 'ihre 
Kinder auf di^se Weise vor der verschHn* 
genden Seuche au sicheren, die UnTerfnögen^ 
den aber^ denen die Erhaltung, das Wohl- 
seyn und die Schönheit ihrer Kinder eben 
so sehr am Herzen liegt , wie jenen, davon 
ausgeschlossen waren, und diese niitaliehen 
Glieder /der menschlichen Gesellschaft also 
bis fetzt bey dem besten Willen keinen Ge«; 
brauch davon machen konnten, und zn tai»- 
sende ein Raub des Todes oder ein Gegen- 
stand des Abscheues und Mitleidens ihrer 
Mitgenossen unvermeidlich werden mufsten; 
so hat der Arzt Ph. H^ Themmen dafür ge- 
sorgt, denselben einen Weg zu bahnen, und 
ihnen Gelegenheit gegeben, von jenem Uebel 
sowohl als die Wohlhabenden befreiet la 
werden. Er hat zu dem Ende einen Phua 
entworfen, nnd da er mit einem schicklichen 
Platze, ihn auszuführen, versehen ist, mit 
einigen Aerzten und anderen Vorstehen 
seiner heilsamen Kunst, in Amsterdam ein 
Institut errichtet, und dadurch den Bemit- 
telten Gelegenheit gegeben, für das Wohl- 
sein nnd die Erhaltung ihrer bedürftigen 
Stadtgenossen mit zu sorgen« 

Die Vorsteher dieses Injititnts, welches 



^ /75 -^ 

h die^ Amueriamer G^HUtchaft zur Beför^ 
mng der Schatzpochmimpfung für Unbe^ 
ilfidkie nennt y sind: / 

Im dem. meJtcinischen Fachte 
Jldolph Ypty^ M. D. n. yormak Prof. 
Oerhard Vrolik^ 31 D. und' Professor. 
- Cornelius Heinrich ä Rcyy M. D. 
Pkaebus Hitzerus Themmen^ M* D* 
JSemaafm Haakman^ M« D. 
Bernhard Hussem^ Chirurgus. 
i Ans Zeichen - und Kupferstecher* Fache. 
B0inier yinhdes^ 

In dem Finanz - Fache. 
'AmAot^ Backer. 

Sbr.JFsier Alexander van Bleizelaer. 
^ David Cornelius van Lennep. 
•*- Johann Jacob FereuL 
Zur BesorgoDg der Oekonomie dieses 
stitnts^ die Vorsteher des Eaglischen Wai- 
niuMtiieSy sind jetzt: 

Abraham Johann Severin. 
■ Ludwig Heinrich Faule. 
Hn, Qiiirin de Flines* 

^^^jjsve Paulus Cornelius Thierens* 
Und hieraus sind ernannt: 
Zum Präsidenien: 
'^ Pho^us Hiizerus Themmen, 31 D» 
Zum Schatzmeister : 
JBr. Ds^i4 Cornelius van Lennep. ^ 



- 7« - 

Zürn Secreiairi- 
jidplph Ypey^ M. D. \u vorirtalt Prot 
Zu ai gilbenden Mitgliedern dieser Qm^- 
' Seilschaft sind durch die Vorsteher angestellt: 
Johann Nicolaus Seigneite^ M, Dr*- 
jtnion Johann Swaving , M. Dr. • 
Johann fVilhelm Kirchner ^ Bl. Dri 
fFdkelm Blank, M. Dr. 
JVilhelm Heinrich Smies^ Chirui^s« 
Georg David Brandy Cbiiurgus. 
Johann Finkelegyita Zeichen«- Fache» «.( 
Johann Jacob Haussart y- Chinirgus> ^tar 

Secretair,-^ ' ' 

Diese Gesellschaft besteht aus einer an- 
sehnlichen Anzahl von Mitgliedern,^, welche 
mit LoQSen versehen sind, um dieselben an 
Unbemittelte auszuthf'ilen , welche sich mit 
denselben an jedem Mittwoche und . Sonn* 
'|ibende,'um 12 Uhr, nach dem Institute hA 
geben können, welches in dem Engliscbatt 
Waisenhause gehalten wird, an der O. Z. 
Achterburgwal bey dem Stoofiteegy nm sidi 
daselbst die Schutzpooken einimpfen* tu las- 
sen 1 wöbey- besonders darauf zu aditen ist, 
dafs, Wenn z. B. solches am Mittwoche ge- 
schehen ist, dieselben den folgenden Sonn- 
abend, Mittwoch und Sonnabend, und wenn 
es ferner nöthig seyn sollte 9 und dieses 
durch Aen Director aufgegeben wird,* wieder 



~ 77 — 

kommen nibieo) damit der ganze Verlan! 
der Krankheit sich Töllig endige, und m^n 
also aicher tey, dafs derjenige, der sieh die« 
ser KunstauMbnng unterwirft, die ächten 
Schurspocken,. welche allein vor den Kinder» 
Pocken sicheren, regelmalkig überstanden 
hat, so soll dies Loos, nach Verlaur* der 
Krankheit, durch den zweiten Secretair un* 
terzeichnet ^werden, und «^in feder vi=;rbiin« 
den seyn, dasselbe an denjenigen, von w^ 
chem er es empfangen hat, wieder abiu- 
geben. 

Ein medicinischer oder chirurgischer Di* 
rector, zwei Aerzte und ein Wundarzt, sol- 
len feden Mittwoch und Sonnabem) im Insti« 
tnte aeyn, um die Kunstausiibung zu verr ch^ 
ten, und alle Eingeimpfte genau untersuchen. 
Wahrend dem der 2te Secretair dafür sorgen 
aoU, dals alles was hierauf Beziehung hat, 
kl a Buch eingetragen wei de, und der Dicector 
der Zeichenkunde soll, wenn sich^erwas Un« 
gewohnliches vorfindet, soigen, dals es gleich 
gezeichq^t werde, damit wir also im Stände 
sind, bey einer Bekanntmachung dieser un- 
terer Verrichtungen, alles aufs g^^aueste der 
Wahrheit gemafs dem Publikum mitzutheilen. 
'Wir hoffen hierdurch jene schreckliche Kin- 
derpest zu beschrSInken , und das unserige 
dazu beystttragen; da es nicht unmöglich ist, 



- '78 - 

dieselbe endlich rieUeicht auf diese Weis# 
gäiuUcli auszurotten. Wir schmeicheln uns» 
hierdurch Tausende unserer Stadtgenossesp 
die sonst das Schlachtopfer derselben gewor- 
den wären, auf eine gleichmäfsige und ko» 
st^ose Weise, ohne einige Gefaiir erhakm 
au haben. 

Da dieses unser einziger Elndzweck istf 
so hoffen wir, dals alle menschenliebends 
Mitbürger diese unsere anspruchslosen Bemü- 
hungen für das Beste unserer unbemittelten 
Stadtgenossen ^ mit ihrem B(eifalle beebren 
mögen. 

Amaterdtm den 13. Nov. i8o3. 



5. 

Miscellen die Schulzblattern - und Blattwr^^ 
Impfung betreff end. 

"^ '• Dais Eduard Jenner die Einimpfung der 
CoW'pox, fetzt Schutzblattem genannt, prak* 
tisch gangbar und für uns und unsere Nach» 
kommen nützlich gemacht hat, wird wohl 
nii^mand in Abrede sejn, und ihm den dts* 



— 79 -! .' 

fSr gebiihrenden Dank renreigerM. Indetttn 
kt jloch wohl Jenner selbst erst durch eine 
firOhere fremde Notiz, die yon Tausenden 
ühersehen, yon ihm aber mit Aufmerksamkeit 
anfge&Ist wurde, zu seinen Versuchen aufg»- 
nnuitert worden. Soll ich aus der Analogie 
TOii uns deutschen Aerzten auF die Engli* 
aohen Aerzte schlielsen, so ist der Fall nicht 
«nwahrscht^inlich. 

Schon im lyten Bande der Sammlungen 
ausisrlesener Abhandlungen tum Oebräuchs 
pmkiischer sAerzu^ in dessen atem Stücke, 
welches im Jahre 1797 herausgegeben woiv 
den ist, findet sich eine Uebersetaung von 
Thomas Beddoes Qiieries respeoting a utfef 
n$ethod of performing inoculaüon eiCm Lon» 
don 1795, unter der Aufschrift: Fragen übar 
die Einpropfung der Blauem. In diesem 
Aufsätze ist S. 194 folgende Stelle befindlich: 

«£s hatte dieser Mann einige Jahre vor« 
«lier eine Krankheit gehabt, die man die 
«Kuhblattern {Cotv-^pox) zu nennen pflegt^ 
«und die mehr unangenehm, als geßhrli^h 
«ist. Es werden die Menschen yon diestf 
«Krankheit der Kühe gemeiniglich durch das 
«Vdken angesteckt, und es ist dieselbe bej 
Mimi Men.schen mehrentheils blos örtliclu 
«Atiein bisweilen wird die Materie würklich 
^leinfasogeny und die lymphatischeii Dribeui 



— So — 

•la welchen sie liehet, werden sodann .htit 
«nnd schmerzhaft. — In diesem letzteren 
•Falle werden # wie Ralph selbst bemerkt 
«hat) und wie es ihm auch ron einigen älteo 
«Aersten versichert worden ist, die Patienten 
«durch diese Krankheit gegen die Ansteckniif 
«der wa(hren Kinderblattern auf die Zukunft 
«so gesichert, dals sie, wenn sie auch der 
«Ansteckung sich aussetzten, doch solche nie 
«bekommen* Diese Thatsache kann yielleicbt 
•in der Zukunft Nutzen schaffen,» 

Ich habe diese SteUe gewila schon im 
Jahre 1797, und mit mir viele hundert deiil^ 
sehe Aerzte, gelesen, aber nicht geahndet» 
dafs schon hier der erste Keim zur Bkttem* 
Ausrottung verborgen lag. Von ohngefab^ 
da idi eben etwas gaoz anders suche nnd, 
nachschlage, fallt mir diese merkwürdigi 
Stelle in die Hände, und ich erstaune fibav 
die Merkwürdigkeit, die schon sechs Jahre In 
meiner kleinen Büchersammlung unbeoieriEl 
geblieb^i ist 

Beddoes Schrift, ist laut der TitelanM^ ; 
schon 1795 in London herausgegeben , anl 
Jenners erste Anzeige von den Schutzpocba 
ist erst 1798 in London auf 75 Seiten in 4^ 
gedruckt erschienen. pie Erfahrung 
also: dals die Schutzpocken gegen die 
achenpocken schüuen, war schon damab ia 

England 



— 8i — 

England nicht mehr neu, sondern es hatten 
schon mehrere alie Aerzte diese Beobachtung 
gräiacht. Diese Bemerkung kann wenigstens 
für iliejenigen Gegner der Schutzblattenif* 
Impfung benutzt werden, welche noch immer 
glauben y dafs eine künftige Epidemie^ wo 
nicht gar ein Menschenalter, den Werth der 
sdiUtzenden Impfung erst erproben müsse. 

Eine zweite Folgerung, die sich mir aus 

^er angeführten Stelle zu ergeben scheint, 

ist die: dafs man bej der Schutzblattern* 

Impfung überzeugt seyn müsse , die Materie 

sey w^^klich eingesogen worden, und habe 

daii lymphatische System angegriffen. Bisher 

hat man noch immer die peripherische Rötfae 

der Schutzblattern für ein hinreicheudes 

. Kennzeichen ihrer Aechtheit gehalten; allein, 

anderer Fälle nicht zu gedenken, so zeigt die 

im i5. B. 11. St. dieses Journals-, von Hrn. 

Döc^t« Spohr erzählte Impfungsgeschichte des 

jungen Hrn. von Campen ganz klärlich, dafs 

die' 'Peripherische Rothe so wenig als die 

\ blaujichte Farbe der Blattern , fernerhin als 

* nathognomonische Kennzeichen ächter und 

^ iditttcender^ Schutzpocken gelten küonen. 

' . Die Schmerzen in den lymphatischen 

^ Achididrüsen scheinen mehr dazu geeignet 

'' SU seyn , ein achtes Merkmal der. würklich , 

geschehenen Einsaugung abzugeben , utid 



^ — 8a -^ 

Sicherheit gegen alle künftige Ansteckung zu 
yersprecheo. Oertliche Hautausschläge haben 
ohnehin, bej aller inneren characteristisehen 
Verschiedenheit, viel scheinbare Aehnlichkeit 
mit einander j und nur richtige und deutlich 
illuminirte Kupferstiche können hier eine 
«nschauliche Idee hervorbringen, wo alle 
noeh so logisch - strenge Definitionen' dar 
^Hautausschläge' dies zu bewiirken nicht im 
',Stande sind. Wie oft mag nicht 'der chrottr 
sehe Pemphigus mit der Blasenflechte mer* 
-wechselt werden? Die Beschreibungen beider 
unterscheiden solche wenig von einander; 
illuminirte Kupfer, wie wir solche von den 
Schutzblattern haben, geben hier eine rich- 
tigere Diagnose, als die weitläuftigste Er- 
klärung. 

Niehi sohütBßnde Schutzpocken können 
also ganz das äufsere Ansehen der ächten 
haben, ganz den in verschiedenen Schriftan 
uns abgebildeten ähnlich eehen; es hiille uns 
also die richtigste anschauliche Erkenntnift 
nichts. Wir bedürften immer noch ein^ 
pathognomonischen Kennzeichens der aohiit* 
zenden Sohutzpocken, und fänden es dundi 
wiederholte Beobachtungen in dem Schmerze 
der lymphatischen Drüsen; wäre dies nicht 
einer näheren Untersuchung wertlj? 

Die Menschenpocken sind vielleicht mnm 



— 83 — 

diche Kraiädieit des lymphatischen Sjsteiiht^ 
migstens lieisen sich yiele Zufalle uöd 
Bkhen aus dem Verlaufe dieser KrantLheijt 
ifihren , die darauf hindeuteten. Mich 
iirde es zu weit von dem Zwecke dieses 
einen Aufsatzes entfernen, wenn ich sobhe 
er weidäuftiger zergliedern wollte. Aber 
Ja die Schutzpockenkrankheit in sichtbarer 
drbindung mit dem lymphatischen Drusen* 
«teme stehe , davon zeigt nicht nur das 
igefiihrte Symptom des Schmerzes der Ach- 
Idrfisen, sondern ich habe unter den hiesi* 
m, eben nicht so zahlreichen Impfgesch ich- 
in, eine bemerkt, welche dieser Hypothese 
nen höheren Grad von Wahrscheinlichkeit 
lebt. 

Ein Mädchen von ohngefUur drei Jahren 
itt^ anhaltend an scrophiilöser Cönstitutira 
borurt> die sich vorziiglicli durch eine im« 
erwihrende Augenentziindung äulserte. AI« 
*§ was Vernunft und Erfahrung zur Abhel- 
mg ^eses Uebels riethen, war seit mehre* 
m Monaten gebraucht und angewendet wor- 
an", ohne den geringsten Nutzen davon zu 
SEspiiren. Gerade damals wurden die ersten 
dmtzpockenimpfungen bey uns angestellt 
im May 1801), und dies Mädchen war lih« 
w der Zahl der ersten Impflinge. Der Ver* 
uf der Schutzpocken war d^er gQYröbiJax^V^ 



- 84 - 

gelinde ; allein nach Endigung desselben war ' 
di<^s Kind von seiner scrophulösen Augenent* 
zUndung befreiet, und ist es bis diese Stunde 
geblieben. 



Ueber die Blatternimpfung selbst hat du 
oben angeführte Pamphlet bey mir verschie* 
jdene Ideen^ aufgeregt , welche ich bey dieser 
Gelegenheit zur Prüfung und Beurtheilüng 
bescheiden yortrage. Nach Fordyces Behaup* 
tung soll die Gelindigkeit und Gutartigkeit 
der Menschenblattern dadurch bewürkt wer- 
den- können: dafs man den möglichst klein* 
sten Impfstich, und zwar so oberAäehlidi 
mache, dafs gar kein Blut herausfliesset. 

Gerade dies ist die beste bisher bekannte 
Methode, die Schutzpoeken einzuimpfSefi« 
Hat nicht also auch wohl die Irapfungsme» 
thode selbst Einflufs auf die nachfolgende 
Krankheir? Die Frage ist nicht ganz unwi^ 
tig, da schon mehrere Beyspiele vorhanden 
sind, wo man das anomalische der Krankheit 
leicht der Art und W^ise zu impfen schuld 
geben könnte. 

Fordyce behauptet ferner: dafs, /e jre» 

niger Materie, oder Ansteckungsstoff befffjb» 

bracht werde, desto gelinder verlaufe die 

Krankheit f und die von ßeddoes etzählfea 



~ 85 — 

Wahrneliinuiigen scheinen dies zu bestätigen* 
Mit vielem Walser yerduDDtes Pockeneiter 
brachte* bey achthundert Personen gutartige 
Blattern, ohne alle gefährliche Zufalle, heryon 

Bekanntlich ist bey den Schutzpocken 
die gans wässerige Materie , in den Tagen^ 
.wo die pheripherische Entzündung noch nicht 
au. heftig ist , und kein würkliches Eiter ge- 
.bildet hat^ das rorziiglichste Fortpflanzungs« 
mittel dieser wohlthatigen Krankheit. Liegt 
hierin vielleicht ein Grund, warum die 
Schntablattem so milde sind, und doch der 
Gefahr eines sonst so tödlichen Uebels vor» 
beqgen? 

Oie Gegner der Schutpockenimpfudg 
baben die Verschiedenheit der beiden Aus» 
schlüge immer noch zum Verwände gebraucht, 
Wiirüm sie die Sicherheit gegen eine kiinftige 
Ansteckung bezweifelten. Wenn aber sehr 
verdünntes Pockeneiter , welches eine gutar- 
t^e Krankheit hervorbringt, sichert und 
schiitaet, warum soll der von Natur diinnere 
und . flüssigere Inhalt der Schutzpocke dies 
nicbt eben bewUrken können? Wissen wir 
doch langst) dafs die, welche ein halbes 
Dutsend natih*liche Pocken gehabt haben, 
enen ao sicher gegen eine künftige Anstek« 
.i^uig sind, als diejenigen, deren Gesicht 
.von ausammenflie£ienden Blattern, nach un- 



x' 



-. 86 — 

iiglichen ausgestandenen Leiden, jämmer^ch 
serfetzt ist. 

Das Mehr oder Weniger scheint es alsO) 
aller Erfahrung nach, nicht auszuinacheai 
»eondern vielmehr darauf scheint alle künftige 
Sichevheit zu beruhen , dafs nicht eine blos 
Ertliche Hautkrankheit voihanden gewesen, 
sondern ein allgemeines Leiden und duroh 
dasselbe rieileicht eine UnempfängUchkelt 
des lymphatischen System^ ^egen alle kliiif» 
tige Ansteckung y hervorgebrächt wordeil. 

Hierdurch Mrerde ich nun auf einm an* 
deren Gedanken geleitet, der für die Gegen- 
wart fUr's erste allerdings keine praktische 
Brauchbarkeit haben möchte ; aber fiir spätere 
Generationen doch beherzigenswerth sejü 
könnte. 

Wenn durch Aeifsige, allgemein verbrei- 
tete Impfung der Schutzpocken nun würlip 
lieh alle Empfänglichkeit für das Menschen- 
blatterngift vertilgt wäre -^ wenn also die 
Blatternpest ausgerottet -r- keine Gdegen- 
heit mehr vorhanden wäre^ die Schutzblattem 
einzuimpfen; so bliebe doch der Fall einer 
neuen Selbsterzeugung noch möglich. Ein- 
mal müssen schlechterdings die Blattern von 
selbst JMstanden s^yn, wir mögen ihren Ür- 
spkning und ihr Alter noch so weit zuriick-* 
ftcfeieben. Alle ansteckende Krankheiten haben 



^ — 87 •^ 

irgend einmal einen Anfang gehabt, und wer 
wollte es zu läugnen wagen, dafs sie nicht 
einmal wieder durch Selbsteneugung entste- 
hen konnten? 

In diesem Falle Terdienen obige Hemer« 
kongen: dafs TerdUnntes Pockeneiter durch 
leichte oberflächliche Stiche beygebracht, eine 
leicht Torübei^ehende Krankheit bewuike, 
von uns einer näberon Untersuchung» damit 
wir unserer Nachkommenschaft in den Ar» 
chiven de» Arznei Wissenschaft ein sicheres 
Mittel überliefern könnten, die schon wieder» 
kommende Blatteropest zu mildern^ lind 
bald mißlichst zu vertilgen. 

Ick gebe diese Kleinigkeiten für weiter 
nichts y als was sie sindf fiir zufällige Ge» 
danken und Einfälle , die .aber als Saanten» ' 
kömer ausgestreuet , yielleicht eine gute 
Frucht tragen können. 

Dr. Kecfc. 



N. S. Da dieser Aufsatz längst beendigt 
war, 'finde ich in der Bibl. d. prakt. Heilk. 
8. B. 1. St. S. 85, dafs Hr. H. Schaf f^r aus 
dem Achseldrüsenschmerze ebeufalls die Ana- 
logie der Menschen - und Schutzpocken mit 
bewiesen habe. 



_ 88 — 
6. 

Bemerhungen über Schutzpocken, deren V^^. 
lauf mit den natürlichen Pocken und Mar, 
sern^ vom Stadt ^ und Amtsphysicuä Perre* 
aon zu P/uUingen im fVinembergißch^* 

Im Monate Juny 180^ impfte, idi soecsl: 
d gesunden . Kindern di^ . Schutzpocken- ein» 
Die Impflymphe hatte ich aus der nahe .gelar 
genen Reichsstadt Reutlingen , no seit eini« 
gen Wochen mehrere Kinder geimpft. WDifden 
waren, erhalten. Ich brachte diese iwei Kill-* 
der dahin, und impfte von Arm zu ikxm, ^^U 
immer doch der sichersten Art. Di^ Impf- 
pustel schien mir, obnerachtet das Kind er»!* 
7 Tage vorher geimpft worden war, f&stisa- 
reif; allein da a andere Kinder > von diias'w 
nämlichen Pustel schon geimpft i^aresi .80, 
war die Materie jetzt ganz flüssig und wasser- 
hell. .Den Umstand j dafs die Impfpustel mit 
SU reif schien ^ führe ich aus dem Grundo 
an, weil ich bemerkt zu ha}>en glaube, daA 
bey Kindern, die aus einer und der nämli*^ 
chen Pustel, wenn solche im Anfange oder 
zuletzt mit einer schon etwas zu fetten oder 
eiterartigen Materie gefüllt war, geimpft wor- 
den waren, entweder gar keine Pok- 
ken entstehen I odef einen solchen schnelle» 



-- .119 - 

uf machefl, wie bejr den gani frlsdien 
litttzpocken geschieht, wohingegen bey an* 
ren, die von der nimliohen Pustel geimpft 
iden, woraus aber schon einige Tropfen 
gelaufen sind j gani gute Schutzpocken 
tstehen. Ich öfPne auch deswegen in einem 
oben Falle die Imp%ustel nie am Rande, 
idem immer in der Mitte , weil hier die 
vphe immer flüssiger ist, öder lasse vor- 
r wenigstens einige Tropfen herauslaufen, 
init ich von dem Gerathep der Impfung 
mder überzeugt werde; denn wenn man zu 
te Lymphe auf der Lancette hat« so bringt 
u solche wieder hinweg; der Stoff bleibt 
der Lancette hängen, und in der Wunde 
ebts. Ich habe verschiedenemale die Be- 
ftrknng gemacht , dafs von einer und der 
mlich;en Impfpustel die ächten und die 
sehen Schutzpocken, und «war an einem 
bjecte, hervorkommen können. Ich impfte 
imal Abends spät, schon bey Licht. Bey 
ei- geimpften Kindern waren am 5ten Tage 
> Impfpiisteln gleichsam schon am Abdor- 
1, bey 3 anderen Kindern hingegen, die 
p der nämlichen Pustel, aber nur etwas 
iter geimpft waren, und wo die ersten d 
pder das Dicke der Materie bekommen hat- 
I,- waren die Impfstellen erst so, dafs sie 
an Knötchen bekamen«. Da mir die Impf« 



— 9» — 

ist 9 so liefs ich mich durch das «morbo non 
addaiur novus morffus» nicht abschrecken, 
und impfte beide KJnd^*r. Der Erfolg hi^ 
aus dem vom Hrn. Advokat fVcifs selbit 
geführten. Tagebuche. 

Erster Tag. Blasse Gesichtsfarbe — öf- 
teres Dehnen und Strtxken der Glieder •— 
üble Laune. Zweiter Tag. Wie der vorjgaii 
Dritter T^g* Der Verband wurde abgenom- 
men» Auf den 6 Stell<f>n der Stiche bejr deip 
Knaben sind rothe Pünktlein (etwas gro(ser 
als bey dttm Mädchen) — anhaltende blasse 
Gesichtsfarbe •— Trägheit — öfteres Stiekp 
ken^ Keine Hitze. Bey. dem Mädchen (aiH 
derihalb Jahre alt) brach heute ein Zahn 
hervor. Vierter Tag. Morgens früh nach 
einem unruhigen Schlafe Erbrechen mit GaUk 
Die rothen Pünktchen auf den Armen sind 
zwar gröfser als gestern, doch haben sj^ 
nicht so zugenommen, wie bey deip Mädf 
chr.n. Auf einem der 6 Pünktchen zeigte 
sich ein kleines Knötchen* Bey dem Mid* 
chen waren auf jedem Pünktchen ein Knöt» 
oben. Nachmittags starkes Fieber und grofse 
Mattigkeit. Abermaliges ^ Erbrechen <^lie 
Galle — rothe Gesichtsfarbe — Eugbrüstig- 
Keit -— des Naehts unruhiger Schlaf — gros* 
ser Durst. Fünfter Tag. Gegen ii Ulir 
l^tugs wieder^ starkes Fieber •«• aberm^lJi^aa 



- 9» - 

Eibrechen --^ grofiie Mattigkeit -— die riothen 
Pünktchen auf den Armen sind gröfser, nur 
auf zweien zeigen »ich kleine Knötchr-n (bey 
dem Mädchen sind die ImpFstiche in der 
Gföfse eiaer Linse, auf jedem zeigt sich ein 
Knötchen, das in der Miite eingedruckt ist). 
Nachmittags. Im Gesichte und am ganzen 
Kärper zeigen sich rothe Pünktchen. Die 
nati&rllchen Pocken scheinen anrücken zu 
"Wollen. Nachts starke Hitze -^ ^rofter Durst 
Sechster Tag. Von 2 bis 6 Uhr ruhiger 
ScMfif — die rorhen Pünktchen im Gesichte 
und am ganzen Korper sind grölser und 
häufiger, und lassen das Kommen natürlicher 
Pocken nicht bezweiflen. Die impf .tirhe sind 
nun grofser und auf jedem ist ein sichtbares 
Kndtofaen« Um die geimpften Pustdn am 
jirwBB ül eine äu/sersi auffallende Sammlung 
Jlfon natürlichen Pocken. Es scheint sich alles 
dahin dieheri zu wollen. Die natürlichen 
Poeken 'sind hier an beiden Armen um die 
Impfstiellen grofser ur.d röther^ als am gan-* 
sen übrigen Körper^ auch bereits schon eti^as 
erkabtn» Siebenter Tag. Schwächeres Fie» 
ber. Die natürlichen Pocken kommen jetzt 
haufenweise, besonders auch im Gesichte und 
an beiden Armen, zum Vorscheine. Die 
Schutzpocken gehen ihren Gang, sie sind 
glälaatr als gestern, und sehen scbön heLlxoth^ 



— 94 — 

aus. Achter Tag. Die natürlichen Podcen wer- 
den immer gröfser, ,hie und da.füllt sich eiae. 
Die Schutzpocken füllen sich. Neuntel Tag» 
Die natiirlichen Pocken fangen an sich mehr 
•SU füllen. Die Schutzpocken sind ganz ge« 
fiillt* Zehnter Tag. Die natürlichen PockeAv 
füllen sich immer mehr. Im Gesichte schA 
neh sich von den vielen natürlichen PofAm 
die wenigsten ganz zu füllen. Die Schfiti* 
pocken schicken sich bereits zum Atuloireft 
an. Das Kind ist wohl, und hat einigen 
Appetit (das Mädchen fieberte an diesem 
Tage stark. Zwei Vorderzähne sind im An- 
rücken). Eilfter Tag. Die natürlichen Pak^ 
keny besonders die wenigen im Gesichte^ wer» 
den gelblicht; sie haben nur kleine Knötchen 
von Materie. Die Schutzpocken dorren *ahi 
Zwölfter Tag« Im Gesichte dorren die weAit 
gen sich gefällten natürlichen Pocken Aewk 
aK Die Schutzpocken sind völlig abgedorrt; 
Das Kind ist woh| und hat guten Appetit. 
{Bey dem Mädchen sind 2 Vorderzähne hes» 
Torgebrochen. Dreizehnter bi» fün&ehnter 
Tag. Die natürlichen Pocken dorren auch 
am übrigen Körper mehr ab. Die Schnta^ 
pocken sind abgedorrt und die Kruste abge- 
fallen. Mehr Appetit -— das Kind ist auch 
heute wohl. (Bey dem Mädchen zeigten sich 
am i4^ i6. Tage hie und da einzelne sei^ 



^ a5 -- 

strante Blattern ; einige gehen , andere konib» 
men. Secbszehnter Tag» Beide Kinder aind. 
gans wohl. 

Aus dem bisher Angeführten em« ht man 
den Gang. der Schutzpocken , in Verbind unf 
mit den natürlichen Pocken, ganz deutlich, 
und es wi^d besonders dadurch fVoodwilVs 
Meinung, dals Menschen- und Schutspocken, 
wenn sie zugleich im Körper wiirken, einen 
Tefsohiedenen Verlauf behalten , bestätiget 
'Vorzüglich merkwürdig aber, dünkt mich, ist 
di6 schnelle Veränderung der natürlichen 
Pock^i im Gesichte y und das Uebergehen 
anf die geimpften Stellen an beiden Armen, 
am 6ten Tage, und eben so merkiwürdig der 
lo«, II. und 12. Tag, da sich von den vielen 
naturhchen Pocken im Gesichte nur wenige 
ganz gefüllt, und ihr Gift gleichsam auf beide 
Arme abgelagert hatten. Dieser Um$tand machte 
mich glauben, dals es yielleicht nicht 
to gefahrlich sey, auch dann die Schutzpok^ 
ken SU impfen , wenn schon jdie natürlichen 
Menschenpocken in einem Orte herrschen. 
Im Junius dieses Jahrs hatte ich Gdegenheit, 
nodi folgende Erfahrung in dieser Hinsicht 
zu machen« In Erpfingen in dem Oberamte 
Urach, sollte ich einigem Kindern die Schutz« 
pock^n impfen. Beieits herrschten schon 
seit i4 Tagen die natürlichen Pocken ^lasialbsu 



- 96 -' 

Ich hatte ton zwei Freunden. Scfhutxpödcen- 
Lymphe 9 und zwar auf Glasscfaeibch'en aufge- 
tragen, bey mir. Ith. impfte nun 4 Kindat 
damit y allein ^ey keinem einzigen haftete 
die Impfung« Da ich yersicheit war^ dafi 
die Impflympbe noch ziemlich Hisch sey, »0 
konnte ich es nicht der Lymphe zuschreiben, 
sondern hielt die Ursache des MiislingeioB 
der Impfung für eine bereits geschehene Al)^ 
Stockung und einen baldigen Ausbruch in 
natürlichen Pocken. Zwei von diesen Kiii- 
dem waren am 4^en Tag nach der Impfung 
bereits krankli<lih, und am 5ten Tag zeigten 
sich schon die natürlichen Pocken. Die be^ 
den, andern Rinder waren ^och frei. Nui 
impfte ich die zwei schon geimpften «Uli 
ateumale, nebst 3 anderen zum erstenmalsi 
ebenfalls mit Schutzpockenlymphe, aber auch 
diesmal wiederum alle 5 vergeblich. Es bra»* 
eben vielmehr bey den drei letzteren, zum 
«rstenmale geimpften, schon am 3ten Ta^ 
'die natürlichen Pocken hervor, ^un erfuhr 
ich, dai^ ich in der Nähe des Orb Impflyni^ 
phe, bey einem von einem anderen Arzte 
Geimpfton, bekommen könnte« Ich nahm 
also die :a zum 2tenmale geimpften Kindelr 
dahin, und impfte solche zum Sten male von 
Arm zu Arm. Jetzt zeigten sich schon am 
Stau Tage bey eiu^m f ünftehalb Jahr alten 

Mädchen 



— 97 — 

lohen die Schutzpocken, bey dem Sjühik» 
-Brüderchen aber erst am 4ten Tage* Ab 
am 6ten Tage beide Kinder wieder be- 
lle^ so fand ich bey dem Mädöhen kaum 
hy wo die ImpjEfttellen gemacht worden 
in, beide Arme, aber heftig geschwollen, 
sehr viele natürliche Menschenpocken 
die Stelle der geimpftea Schutzpocken. 
Gesichte und an dem übrigen Körper 
teiL sich nur einige Pocken* Bey dem 
derchen zeigten sich ; schöne Schutzpok- 
, Am Uten Tage fand ich das Mädchen 
r fieberhaft, mit heftigem Durste, beide 
lie^eehr geschwollen und entzündet, audi 
bisden. Armen über loo ganz natürliche, 
in.'gefilllte Henschenpocken. Am übrigen 
pcfe zeigten sich nur wenige gefüllte na- 
idie Pocken, mehrere kleinere fielen be- 
I in dünnen Schorfen ab. Das Brüder« 
n Jbatte fünf schöne Impfpusteln mit der 
tasten peripherischen Röthe um dieselben. 
Knabe lag in dem nämlichen Bette bey 
em Schwesterchen. Das Mädchen wurde 
fenigen Tagen, ohne den geringsten Ge- 
ich Ton Arzneimitteln, besser, und am 
m Tage liefen beide Kinder wieder auf 
Stra&e herum. Während dieser Zeit lag 
h dn Kind an den natürlichen Pocken, 
lern oämlicheja fiause krankt anrNfÄ^^n. 
z, jh t. St O , 



— 98 - 

m auch starb. Auch mit diesem war der 8 
jälirige Knabe in steter Yerbindiml;, ohne 
aDgesteckt zu werden. 

Bey. diesem Mädchen ^ so wie bey dem 
auerst angefiüirten fVeifsischen Kinde iü 
NeuffeA) hat sich gewils ein greiser Theil 
des natürUchen Pockengiflies sichtbarlich wi 
beide geimpften Arme abgelagert. Bey die- 
sen beiden Kindern haben sich die natiirii» 
chen Pocken nicht rerschlimmert ; keines 
dieser Kinder ist kränker geworden, als an» 
dere, die an den natürlichen Pocken gelegea 
haben; ich glaube also, man würde bey Kinp 
dem, die schon angesteckt sind, nichts dmdi 
die Impfung Verschlimmern, wenn andoB 
die Ansteckung so ist, dafs das Mimsma dar 
natürlichen Pocken die Impfung der Schnti» 
pocken noch zulälst, welches- freilich nibht 
bestimmt werden kann. Der letztere Fal 
bestätiget besonders , was Ballhom , nnd 
Sirohmazer sagen : «Man sieht nämlich», hei&t 
es, «bey solchen Subjekten, wenn die Schutz 
Pockenimpfung kurz nach der Blattemanstek- 
kung gemacht worden ist, eine allerdings im 
Werden begriffene, und für die ersten Taga 
hinreichend charakteristische SchutzpodLen- 
Impfstelle, die aber, je mehr sie sich der 
Epoche nähert, wo die peripherische Röthe 
0ntsteben mülste, immer mehr die Gestalt 



— 99 — 

•iAer warktichen Blatternpttstel annimmt^ und 
sidi mletEt in eine würkÜche ächte Blatter 
Ternrandelt» 



Versdiiedentlich wollte man von der Im» . 
pfung der Schiittpocken einen guten Einflufs 
auf die Masern bemerkt haben« Ich fiihre 
hier nur folgenden äufserst merkwürdigen 
Fall ao* Im Mirz dieses Jahrs zeigten sich 
in dem Orte der oben bemerkten JVeifsüchm 
Kinder audi die Masern« Beide fFeifsische 
%SiAe» bekamen auch dieselben , und schon 
glaubten die Eltern , der Ausschlag werde 
bey ^ete' anderthalb Jahr alten MiädcHen her* 
vorkommen — auch zeigten sich würklich 
schon deutliche Merkmale -— als plötzlich die 
10 Monate vorher gemachten, und ganz ge* 
heilt gewesenen Impfstellen, aufbrachen und 
Ton selbst zu flielsen anfingen. . Alle Symp- 
tome von Masern verschwanden, und es 
zeigte sich nicht die geringste Spur von ei* 
nem Ausschlage. Aus den Impfstellen Hofs 
einige Tage ein weifs lichter tchor, die geöff- 
net gewesenen Impfstiebe heilten aber nach 
wenigen Tagen von selbst wieder zu, und 
das Mädchen war von Stund an wieder voll- 
kommen gesund. Das drittehalb laVit i\t^ 
KnSbcbaif bekam zwär die Masern, ab« M^sa 

G a 



— lOO — 

leidlich.. Nur diese zwei Fälle sind mir bis 
jetzt yorgekommen, wo die Schuta^ocken ei- 
nen guten Einflufs auf die^ Masern' gebäht 
zu haben scheinen. In einem meiner Phjrsi- 
cats« Amts -Orte herrschten im Frühjahre die 
Masern ebenfalls; allein die mit Schutspok- 
ken Geimpften wurden so krank, aU die 
Nicbf;geimpfteny und es starb sogar ^ina VOA 
den Geimpften, da von den Nichtgeimpften , 
keines starb* Den Umstand l>ey den) fjf^eis» 
iischen Mädchen habe ich nicjbt selbst gese« 
hen, und er würde mir unglaubiich achein<|ii, 
wenn mich nicht die rechtschafPenieii uad 
glaubwürdigen Eltern dessen sowohl «dhiifr' 
lieh als mündlich ganz gewifs y^nichirt 
hätten. 



Eiwas über die Schutzpocken. Vom Dr. J. 
H. C. Vogler zu Hessen im Braunsohwei' 
gischen. 

Demjenigen, welcher nur einigennafsME 

Menschenbeobachter ist, ist es eine sehr all« 

tägliche Bemerkung, dafs Beyfali und Tadel 

gewöhnlich übertrieben Trerdeu. I^^ einet 



- "I — 

wie Üai andere setzt bey den meisten eine 
lebhafte GemUtbsstioinrang yora^js; diese er- 
wirmt die Phantasie, und was kann diese 
nicht rerstecken, oder herr orzaubem f Ist 
man einmal fiir etwas eingenommen^ »a stellt 
man mit der grÖlsten Geschäftigkeit die Bei- 
iallawürdigen Seiten an^is Licht, ftie sich 
entweder wiirklich daran zeigen, oder die 
man mit nur irgend einigem Scheine daran 
anfEnden kann, das übrige wird bedeckt. 
Umgekehrt, dem man einmal abhold ist, 
daran wird das Nachtheiifge hervorgesucht, 
das Gute hingegen wird verkleinert, herun- 
tergesetzt, und, ist es -möglich, ganz und 
gar verheimlicht und vor den Augen anderer 
versteckt. 

Gesetzt, diese Un Vollkommenheit des 
Menschengeschlechts hätte keinen naehthei- 
ligen EinBuIs auf Gluck und Ruhe, so würde 
sie^ als Un Vollkommenheit, schon feden, der 
d^xvL fähig wäre, auffordern, an ihrer Heilung 
zu arbeiten. Wie viel mehr mufs dies der 
Fall aeyn, wenn das Wohl und die Zufirie- 
denheit auch nur eines Menschen darunter 
leidet? Leider mufs der Menschenfreund ofiC 
mit Bedauren sehen, dafs seine Muhe auch 
dicht die kleinste Frucht bringt, und dafs 
dier Irrende in seinem Wahne unheilbar 
bleibt* Wenn dann wenigstens nur niemand. 



tk er selbst darunter leidet« $teht; aber da» 
!WohI vieler! einer ganzen GeaeUschaft^ ja 
des Menschengeschlechts überhaupt auf d^o) 
Spiele, wer, der nur noch einige Kräfte hat^ 
bedarf da noch eines Sporns, sie zur Hiilfe 
in Thätigkeit zu setzen? Und wenn es ^w 
nicht einmal auf die yerdriefsliche Arbeit an* 
kommt, einen f^ersiocluen xu belehren^ gleich* 
sam mit der. Fackel durch unerschütterlichie 
Mauern in ein nie beleuchtetes Gemach des 
Aberglaubens einzudringen, sondern ein Liebt 
immer leuchtender zu machen in einer Ge^ 
Seilschaft, in welcher, wie man hoffen kann, 
immer mehrere ihre Augen zu Öffnen geneigt 
seyn werden, sobald man nur diejenige Seite 
trift, woher dem Lichte zu ihnen die wenige 
aten Hindemisse im Wege stehen, und gerade 
diejenigen Bedenklichkeiten wegzuräumen 
das Glück hat, die ihre Augen hielten; 
wenn uns also die frohe Hoffnung bleibtt 
keinen Versuch durchaus umsonst zu wagen, 
dann giebt es für den thätigen Beförderer 
des Menschenwohls gar keinen Ruhepunkt, 
und jedes Scherßein, kommt es ftir manche 
auch viel zu spät, ist e|n guter Beitrag. So 
Tiel zur Entschuldigung auch meines kleinen 
Beyttags zur Beförderung einer höchst wich-* 
|igen Sache, nämlich der Schutzpocken« 
Impfung. 



^— iö5 — 

Nichts ht leicht ia den netietteii Zeitm 

Gegenstand einer so allgemeinen Beuithei* 

hing geworden, als diese Schutzblattemim-r 

pfong. Ein jeder muls nothwendig dabey 

, interessirt seyn, wie es um die Sache steht, 

' da doch an eines jeden, Jffaus, oder an nahe 

' Verwandte und Freunde über Kurz oder lang 

die Reihe kommt» dafür oder dawider einen 

Entsddnls zu fassen, und Ubeidies ein jeder, 

der es irgend niu* zu können glaubt, auch 

gern ein Urtheilchen über etwas zu Tage 

fZwdert. 

Man ist indefs bey wenigen Dingen so 
berechtigt, sich zu wundem, dais der Bej* 
fall nicht allgemeiner ist, als bey dieser Im- 
pfung. Aber in der That sind auch die Ge* 
•iditspunkte, aus welchen viele die Sache 
adiief ansehen, und die Gegengriinde, die 
ihr Gehirn gebiert, gröfstentheiU von der 
Art, dafs sie kaum noch einer ernsten Wi« 
deriegnng würdig sind, wenigstens nidit in 
fineta öffentlichen Blatte gerügt zu werden 
Tttdienen, dessen ganzes Publikum hoffent« 
Kch schon weit darüber hinaus ist *— 

Einer der Hauptgründe aber, womit die 
Gegner den Beförderer dieser heilsamen 
Sache niederzudrücken Tersuchen^ ist nicht 
▼on so geringßigiger Art, dals er nicht alle 
Sorgfalt und Aufinerksamkeit verdienen sollte, 



-^ 104 — 

ich meine die Erfkhrniigi. bals Erfisilirahgf 
Yrie in der ganzen Heilkunde, sO/ auch m 
'diesem einzelnen Falle von grofsem Ge]pvichte 
aejr, fiihlt ein jeder, und daher suchen die 
Unterdrücker unserer guten Sache durch sie 
zu zeigen, dals Kinder, wenn an ihnen auch 
die Impfung der Schutzblattem geschehen 
wäre, die natürlichen Blattern doch nocb 
auszustehen hätten. Dazu wird denn jedes 
leise Gerücht, das sich erhebt, genutzt, und 
bald auf diesen^ bald auf jenen uahen und 
entfernten Ort, als Bestätigung, hingewiesen. 
Wer sollte nicht denken, dafs an einem so 
lauten Ausrufe etwas Wahres sey! Aber oft, 
wendet man sich an den Impfarzt, an den 
Prediger, oder andere Verständige des Ofts, 
weils man dort auch nicht das allergeiin^te 
davon. Oft ist die blolse Ahndung eines 
ängstlichen Gemüths die erste Veranlassung 
eines nachher so ausgebreiteten betäubenden 
Schalles, oft aber sind Namenyerwechsdnn- 
gen, Mifsveratäodnisse, nicht selten andi 
ungeschickte oder nicht angeschlagene Schutz- 
blattemimpfungen die Quelle solcher Ge- 
rüchte. '— - 

Das jüngste Beyspiel eines solchen £sl- 
-ichen Gerüchts waren die Nachrichten von 
einem mir benachbarten Preussischen Städt- 
chen (Dardesheim), wo natürliche Pocken 



— xo5 — 

Aof die Impfang der Schaublatt^m erfolgt 
Myn jBoIiten; Allein der Hr. M^^R. Niemann 
in Halber^tadt hat diese Sage in ihrer Blölsei 
in den Hatbent. Gem. Umerkakungen y 36. 
S^ck, dargestellt t und mit authentischen 
Belegen der Eltern gezeigt, dafs nach den 
überstandenen ächten Schutzblattem die na- 
•tftüchen Pocken nicht erschienen sind. 

Die Ehre des Arztes und sein Bemühen 
'£ir Menschenwohl erfordert es., solche Ge- 
«fkhte jedesmal bis zu ihrem Uranfange zu 
rerfolgen, uod das, was er findet, so laut 
als möglich bekannt zu machen. Ist gleich 
dadurch nur jedesmal das einzelne gegen- 
wartige Gerücht widerlegt, so werden doch 
durch eine gröfsere Reihe solcher Erfahrun- 
gen Von falsch ausgebreiteten Nachrichten, 
.'die Gemüther endlich dahin gestimmt, schon 
im Voraus neue Erzählungen yon der Art 
als falsch anzusehen, indem sie an vielen 
einzelnen Beyspielen lernen » wie auch hier 
änf tausendfache Art Irrthümer entstehen 
können. 

Freilich ist das alleinige Würken des 
Arztes zu wenig hinlänglich, besonders weil 
man gemeiniglich glaubt, dals hier eigenes 
Iijteresse mit im Spiele wäre; es mü&ten 
daher noch andere, denen man im Publikum 
.gleichfalls eiaige nähere Bekanntschaft mit 



— io6 — 

dem GageHstande imtrauet, das Ihnge ink 
da%u beytragea ; aber leider ! findet man aiudi 
da noch manchen > der die heilsame Erfii»- 
düng diiroh die Brille ansieht, und an sieb 
Hindenburg's Ausspruch, dafs aweiflen leich* 
ter ist, als beweisen, bewährt. 

Jetzt hat sich nun wieder in der hietfe 
gen Gegend das Gerücht rerbreitet^t dais Kiv* 
der, denen ich die Schutzpocken geimpft 
habe, in der jetast hier hausenden Epidemia 
nicht allein die natürliichen Blattern bekomm 
men hätten, sondern auch sogar mehrere 
daran gestorben wären; dafs folglich die 
Schutzblattem nicht gegen die natiirlidien 
Blattern sicherten« 

Ich forschte sogleich über den Gmnd 
dieses Gerüchtes nach, uqd fand folgende 
beide Fälle , aus denen es entstanden seyn 
kann. 

Erstlich; In voriger Woche (den 6teB 
September) ist das 4jährige Kind eines hiesi- 
gen Halbspäaners, PFilhelm Gunfherj (das 
einzige bis jetzt) an den natürlichen Pocken 
ein Raub des Todes geworden; allein bey 
diesem ist keine Schutzpockenimpfung ge- 
schehen > indem dessen Eltern nichts daron 
wissen wollten, um nicht, wie sie meinten, 
dem lieben Gott in seine Fügungen einzu- 
greifen. Hier ist also die falsche Sage aus 



— 107 — ? 

äoernngegrBndaten Nachricht von gesobe- 
limer Schutcblattermmpßmg enutanden« 

Zwelteüs: Ich impfte vor 8 Jahren dem 
Sohne des hiesigen Schoeidermeisters Rosen^ 
berg die Menschenblattem mit Silasenpflastem 
auf beiden Armen ein, weil damals noch 
' niemand ia Deutschland an Jenners heilsame 
Entdeckung dachte« Die Impfung gelang, 
und deir damak ^jahtige Knabe bekam meh- 
rere Pqcken an den Armen, Fülsen, beson- 
der« aber im Gesichte, die ihre regelmäfsigen 
Perioden hielten. Ein Beweis, dals es ächte 
Pocken waren , ist noch dieser, dafs andere 
Kinder ron dem Zeuge, welches damals bey 
dem Schneider Ro^enberg in Arbeit war, an- 
gesteckt wurden , und die natürlichen Pok- 
fcen bekamen, diese auch bej den nachheri- 
gen zweimaligen Pocken «* Epidemien ganz 
verschont geblieben sind, ob sie gleich mit 
ü^en Pocken- kranken Gesch^^istern in einem 
Bette gelegen haben« Auch sind andere Kin- 
der, die mit dem Rosen bergiscken Kinde zu- 
gleich ans einer Pustel geimpft wurden, bis 
heute unangesteckt geblieben« Sogar bey'm 
zweimaligen Versuche mit Schutzblattem- 
Lymphe ist keine andere, als gelinde Local- 
ansteckung erfolgt, weshalb man wohl an den 
wahren, ächten, naturlichen Blattern des Rosen- 
hergUchenKindes nicht zweiflen darf und kann« 



— io8 — 

Vor ohngafabr 6 Wochen bekSmint nun, 
dieses Hosenbergische Kind aberrnals die Blat- 
tern, und zwar so stark, dafs der gröfsta 
Tfaeil seinem Körpern nur mit einer Pustd 
bedeckt zu seyn schii^n. Es hat sie jedoch 
recht gut überstanden. — 

Was folgt nun abr^r ans diesem Fane? 
Nichts, als was ohnehin die Erfahrung schoB 
zuweil«»n gelehrt hat, dafs Impfung der Men* 
schenblattem nicht hinlänglich sichert. Der 
Schmähsüchtige macht dann hieraus den SatSf 
dals Überhaupt keijie Impfung sichere, und 
die Nachricht: «dem Kinde sind die Pocken 
eingeimpft, und es hat andere wieder be« 
kommen», hat sich auch hier in die verwan- 
delt: «dem Kinde' sind ohne Nutzen die 
Schutepocken eingeimpft.» 

Wären diesem Kinde die wahren Schoti» 
blättern eingeimpft worden , so bin ich voll* 
kommen überzeugt, es würden nicht aber- 
mals natürliche Blattern haben' erfolgen kpn» 
nen, da hinlängliche anderweitige Erfahrung 
fast aus allen Ländern darüber keinen Zwei^ 
fei mehr übrig lär:>t. 

Möchte man doch erst allgemein seine 
Aufmerksamkeit auf den Satz richten: man 
Terwechsele nicht die natürlichen Blattern 
init den heilsamen Schutzpocken, indem bey 
den ersteren noch zuweilen, obgleich unter 



— log — 

melu^en. tausend' Fällen nur einmal, die 
natiiflicben Blattern nach der Impfung er- 
tolgt sind. 

Hi^r i«t aUo ein neues Bejspiet von ei* 
nem'^gani tischen Gerüchte, dessen Wider- 
kgnng^ von neuem zeigt, dnb bis jetzt die 
Behauptung aller Vernunftigen nicht hat er^ 
schuttert werden können, dala die Schutz* 
Pockenimpfung ein sicheres Mittel ist, rielem 
Elende des Menschengeschlechts zuvorzukom- 
men, und es bleibt ohne Zweifel strenge 
Pflidit der Eltern, dafii sie ihren Kindern die 
Schatzblattern einimpfen lassen, und so geg«in 
ein Uebel> drückend an sich, und oft schreck« 
lieh in seinen Folgen, ein Mittel anwenden, 
d0$ uater tausend und abermal tausend Fällen 
nodi kein einziges mal fehlgeschlagen hat. 

In minder kultivirten Landein, in Pop* 
togaÜy Spanien u. s. w. entschlielst man sich 
so leicht zur Impfung, (in Spanien impfte 
man in Zeit von 3, Monaten über 7000 Kin- 
der)^ und in unserer Gegend ist man in 
manchem Orte «noch so weit zurück, und 
kJebt mit Leib und Seele noch an so abge- 
schmackten Vorurtheilen; in was fiir ein 
Licht soll uns das bey der Nachwelt stellen! «— 

Mochte man doch aber bey der Bwreit- 
Willigkeit, jenes Mittel zu gebrauchen , nur 
jedarzeir noch darauf aufmerksam zefyu ^ dk^S^^ 



— HO — 

bey der Iidpfun^ der Sc&üteblattdriiy -so leicht 
diese Operation auch ist, dennoch grois« 
Votsicht angewendet werden mufs. DenA 
leicht ist es, dafs man &ich durch, lalaohe 
Schutzblattern täuschen lälst, welöhe nicht 
sicheren können* 0^halb kann ich eft nSdit 
dringend genug empfelilen, die Impfung Uol 
:iron hinlänglich unterrichteten Persotten Vbf^ 
nehmen ta lassen. > Wie leicht kann ein niv» 
wissender und ungeschickter Operateur etWal 
iTfrsehen, kann untaugliche Lytnphe nelunell^ 
oder nicht gehörig angeschlagene Impfhng 
fUr hinlänglich halten, und was dergleichen mehr 
ist;, welches die traurigen Folgen hat, dafs £!•» 
tern durch nachher erfolgte Ansteckung schreck» 
lieh in ihrer frohen Erwartung getäuscht werden^ 
und dals dem unbesonnenen Schreier, den man 
ohnehin nur schwer zur Ruhe bringen' kann, 
neue Veranlassung zur Herabsetzung der gu- 
ten Sache gegeben wird. 

In einem Hildesheimischen Orte hat eines 
Schulmeisters Frau in diesem Sommer eioige 
Sechzig Kinder geimpft. Sollte sich hier 
nicht leicht ein Fehler haben einschleiehen 
können? SoUte man wohl dieser Frau, wenn 
auch ihr Eifer zur Beförderung des "Wohls 
in ihrem Orte rühmlich ist, zutrauen kön- 
nen, dafs sie im Stande gewesen sey, die 
ckäTäkterhtUctLen Symptome d«c ^«Avnn 



SdnutAIsttem > die för den UngeübteA nicht 
so gßnt laicht zu erkennen tind^ richtig zu 
bemtheilen ? -^ Könnte auch jeder Laye in 
der Heilkunde die Operation . selbst leicht 
fassen 9 auch leicht in den Stand kommen, 
die Aechtheit der Lymphe mit Sicherheit zu 
benrtheilen^ so verlangen doch der ganzb 
Verlauf, das Fieber , die Armgeschwulst ^ die 
Beschaffenheit der Impfstellen, der Neben» 
aussehlag u. s« w. genaue Aufmerksamkeit^ 
die ihm nicht zuzutrauen sind, und x^i^t von 
Aerzten oder auch geschickten Wuncwzten 
behandelt werden können. 



— IIa — i» 



m. 

Geschichte 

e i n e • 

sehr merkwürdigen Asthmo» 

' Mit einer gänzKchen Dislocation des * 
Herzens *). 

Nebst der Leichenöffnung und Abbildung. 



Xch könnte bey der Erzihlung dieses sda* 
derbaren Falles bey den Ungläubigeri unserer 
Kunst leicht in den Verdacht gerathen , ein 

Mährchc»! 

*) Ich theile di«8en merkwürdigen Fall, der leider 
einen unterer treflichsten Aerete, Hrn. Geh. Rtlli 
May XU Heidelberg, so nahe betrtff, nach deeeen* 
eigener Beschreibung übersetzt mit, da daa Origi- 
nal wahrscheinlich nur wenigen Aercten xu Ge- 
sichte kommen möchte. Der Titel ist: Paradoxon 
Asthma cum coräe e süu nattirali deturbmo. Diu. 
inaug, Praeside et At^aort May. Heidflhtrg. i8o5. 



— ii3 — 

MKhrchen erfunden zu haben,- und dem ge* 
leliiten Publico aufhängen zu wollen , um 
gelehrte Discussioneo. zu veranlasten, und 
den Ruhm der Neuheit zu ämdten. 

Doch verzeihe ich einem jeden diesen 
Verdacht. Depn wenn mir jemand erzählte^ 
er habe einen Kranken gesehen, bey dem. 
das Hers sich aus der loikeu Hrusthöhle in 
die rechte verirrt hatte, so würde^ auch ich 
ihn auf den ersten Blick einer lächerlichen 
Unwahrheit sohuldig^ zeihen. 

So unglaublich die Krankheit, - welche 
ich SU beschreiben gedenke, auch scheinen 
mag) so können doch die erfahrensten und 
gUobwurdigsten Aerzte unsrer Academie und 
die Mitglieder unsrer preiswürdigen medici* 
aiaohen Facultät, durch deren einsichts volles 
Urtheil ich meine Diagnosis und Prognosis^ 
bejr dieser traurigen, ungewöhnlichen Krank« 
heit SU sichern suchte, beseugen, dafs die» 
sei sonderbare Asthma mit einer widernatür* 
liehen Lage des Herzens (weshalb man diese 
Kraidüieit Hernia mediasnnalis nennen könnte) 
wuiklic^ in Heidelberg beobachtet worden sey« 
Unsäglic;h traurig aber ist es mir, dals mein 
eigener braver Sch.wiegersohn, der Doct JP*^ 
Sie^gmehr^ der im letzten Kriege die kaiser-« 
Itdben Truppen in Italien als Ober^Chirurgus 
begleitete^ und uns eine Beschreibuiif^ dw 
XU. jS. X« A; ' H 



-^ i'i4 - 

JCrankheiten geliefert hat,- die bejr der Be- 
lagerung von ^ Mantua unter den Oesterei- 
ehern wütheten, an. dieser unheilbaren örtli* 
dien Krankheit litt*. 

Er war ein Mann' von 3o Jahren, ehe- 
mals vollkommen gesund , weil er die Bis- 
sigkeit, die er anderen empfahl, auch mit 
Strenge 4ibte, hatte in den Kriegen gegen 
die > Türken und Franifcosen alle ^Gefahren 
und Mängel des Krieges, den verpestenden 
Dunst der Hospitäler und andere Mühselig- 
keiten und Drangsale, die sein Beruf ihm 
auferlegte, seiner Gesundheit ohnbeschadet^ 
so wie mit männlichem Muthe ertragen, kehrte 
zu Ende eines glühenden Sommers , in wek 
chem das Thermometer fast nie unter s8 Gr« 
Reaumur stand, nach Posonium in Ungarn 
zurück, besuchte unermjidet und in Schweils 
gebadet seine Kranken, wusch sich dabey, 
wie er gewohnt war, eiskalt über den gan- 
zen Körper, lebte sehr mäitsig, meistens i(on 
animalischer Kost, trank Wasser, verschmi- 
hete den üpgarwein, und genofs bis in die 
Mitte Augusts einer vollkommenen Gesund- 
heit, ohne die geringste Besch>$^erde der 
Respiration, weder bey'm Reden, Laufen 
und Reiten, noch bey'm Treppen f- und 
Berge - Steigen, Er war übrigens stark und 
jDiiskulösi nicht durch Wein und Liebe |[e- 



— ii5 — 

tchwächtj mehr cholerischen ak «angoini« 
sehen Temperaments, und diente mit gleU 
diem Eifer dem Aermsten wie dem Reichsten. 

Wer hatte glauben sollen» daC» ein Kör- 
per, der an so mannichfaltige widrige Ein- 
Aasse gewöhnt war, das Opfer einer verhör« 
gencn EntzUnduug und des merkwürdigen 
chronischen Uebels hätte werden sollen, wel- 
ches dieselbe jBur Folge hatte? Und dennoch 
brach die Krankheit mit folgenden Sympto- 
men aus: Gegen den Neumond des Augusti 
beklagte sich der Patient nach Verrichtung 
seiner täglichen Geschäfte über eine unge- 
wöhnliche Müdigkeit und Mangel an Appetit» 
Bald darauf zeigte sich am linken Brustmns^ 
kel ein rheumatischer Schmerz, der aber 
nach a4 Stunden von selbst, ohne deutliche 
Spur eines Fiebers, wieder verschwunden 
wai^« Ohne daraus Besorgnils an schöpfetty 
schlief der Patient die Nacht sehr ruhig, 
find da er eben so streng gegen sich als 
nachsichtig, gegen andere war, da er Untha- 
txgkeit verabscheute, so fuhr er fort', seine 
Kranken zu besuchen, wenngleich die Sonnd 
bey der grolsen Hitze die Kräuter verdörreta 
und das Mastvieh abzehrte; weshalb denn 
auch von der Fleisch - Diät , die er führte» 
nicht viel Kraft und Saft zu erwarten war* 

BAit dieser verborgenen KranUteitsaolage 
Ha 



— ii6 — 

hatte der Patient sich einige Tage herumge- 
schleppt 9 sich nach seiner Gewohnheit rot 
Schlafengehen eiskalt über den Körper gewa- 
•cheti, als er in einer Nacht mit einer unge- 
wöhnlichen und zwar trockenen Hitze auf- 
wachte. Deniohngeachtet verrichtete er am' 
anderen Morgen seine Geschäfte , nachdem 
er sein gewöhnliches Frühstück , in Caffee 
bestehend , zu sich genommen hatte. 

Am sgsten August kehrte er Abends in 
Schweifs gebadet nach Mause zurück,- als er 
yon neuem, nodi ehe er die Wäsche wech- 
seln konnte, zu einem Kranken gerufen und 
auf dem Wege yon einem kalten Regen 
durchnäist wurde. In der folgenden Naefat 
wur4e er yon einem Fieber befallen, mit ^- 
nem harten, gespannten Puls und ^mnem 
rheumatischen Schmerze am linken Auge. 
Wenngleich nun die übrigen Symptome des 
Fiebers nach einigen Tagen verschwanden, 
SO' blieb doch der Puls yon diesem Tage an 
schneller wie gewöhnlich und gespannt. Doch 
zeigte sich gegen Abend noch eine kichte^ 
Fieber - Exacerbation und eine periodische . 
Rückkehr des erwähnten Schmerzes der Or- 
bita. Der Patient I der es müde war, einzu- 
sitzen . und den verborgenen Feind durch 
Medicamente und ein diätetisches Regimen 
ta bekänipfeni kehrte an seine Gesdü^te 



— 117 — 

nrtick> uad bemerkte nun zum enteamala 
bey'm Gehen', und Treppenateigen asthmati* 
6che Besdiwerden, und eine ungewähnlioh^ 
PuUation in der Mageugegend. 

Bestürzt^ über dieses bedenkliche und 
lastige Symptom» fragte der Kranke mehrere 
seiner arztlichen Freunde um Rath, von de^ 
nen ihm der eine das Aderlals und ein anti- 
phlogistisches Regimen, der andere hingegen, 
der auf indirecte Schwäche urtheilte, unbe- 
sonnen den Gebrauch des Aether vurioU 
und des Cort. peruviani empfahk Der Pa* 
tient befolgte den letzten Ratb einige Tage 
mit auffallender Verschlimmerung. Das Fie- 
ber t di^ lastige Pidsation in der Magenge- 
gend^ Durst und die nächtlichen Sehweübe 
kellten mit erneuertei* Heftigkeit zurück, 
und bewogen den jetzt würklich über seinen 
2justand besorgten Patienten, den I\ath meh» 
rerev Aerzte zu suchen, um die Natur d^ 
Krankheit und die anzuwendende Heilmetho- 
de %\i bestimmen. Die fiinf zu Rathe gezo- 
genen Aerzte kamen dahin überein, dals, 
wenn^eich der rechte 2jeitpunkt schon yer- 
säumt sey, doch noch ein Aderlafs angest^t^ 
der Stuhlgang durch ein antiphlogistisches 
Purgans befördert werden, und die Diät ve- 
getabilisch seyn müsse. Es wurde daher ein 
Aderlals Ton 9 Unzen angestellt, das £2ece« 



— n8 '-*- 

Unidvum genommen , iind fihrigens alles 
Verordnete beobuchtel. In der That aber 
gesellte sich statt der versprochenen und 
auch gehoiFten Erleichterung zu den yörhan- 
denen Symptoxtiea eine fieberhafte Schwäche, 
mit beträchtlicheren colliquativen Schweilaen 
und einer Golliquation der Tunica odipo$a. 
Die in diesem Stadio der Krankheit beobatb* 
tete Pnlsation neben der Cartilaga ensiformü 
Wurde der Aneria coeliaca zugeschfiebfBi 
rührte aber , wie in der Folge erhellen wirdi 
Ton der Systole dek Hertens selbst her« 

In dieser critischen Lage, in der kranke 
Aerzte leider häufiger hinweggerafft werdeui 
als Layen, liels der Patient einen seiner 
Freunde yon Wien kommen^ um ihn bey 
aeinem täglich lästigeren Asthma und der 
bedenklichen Pulsation , die bey der gering« 

* aten Bewegung immer schneller wurdet za 
Rathe zu. ziehen. Nach dem Rathe desselben 
wurde nun das Extractuin fumariae i>ey ei- 
ner restaurirenden Diät und täglicher Mas« 
kular-Bewegung gebraucht > die Ursache die« 
aes sonderbaren Asthma aber doch nicht aus« 

• gemittelt. 

Da der Patient aber auch ▼on diesen 
BAitteln keine Besserung rerspiirte, und einen 
traurigen y chronischen Ausgang seiner ^e- 
denklichien Krankhdt fürchtete, $6 unter« 



nahm er, Ton Sehnsucht nach seiner Familie 
getrieben^ die Beise nach Heidelberg un^ 
überstand sie vortrefflich, da er sich ohhehia 
in freier Loft immei; hetier fühlte als im . 
Bette. 

Ich war nicht wenig^ hestOr^, ab ich am 
12. Novemb. den Patienten aus dem Wagela 
steigen sab, den Mann, der sonst yo'n Kraft 
des Körpers und des Geistes strotite, jetst 
hinßllig, keichendy abgemagert, schleicheiDdy 
mit Tbränen im Auge und krächzend fon 

. einem trockenen Husten wieder erblickte. Ali 
ich nun am zweiten Tage nach der Ankunft 
des Pafienten den^ Characteir seiner Krank« 
heit| die Stelle der 'so beschwerlichen Pulsa— 
tion und die Ursache des Uebels sorgfitfdgte 
nntemchte» frnd ich Folgendes; n)^ Den 
Pnls fieberhaft schnell, gespannt, aber gleich; 
b) die Respiration bey der geringsten Mus« 
knlarbewegung stöhnend, ängstlich > bey*m 
Treppensteigen fast sufFocütöriscb ; c) eben 
diese Zunahme der Engbrüstigkeit erfolgte 
bey der. geringsten Erwärmung des Zimmers, 
oder wenn der Patient nur irgend etwas as, 
so, dals'er nach dem Essen immer ängstlidi 
an das offene Fenster Aoh. d) Am linken 
Thorax bemerkte man nicht die geringste 

> Bewegung des Herzens, obgleich der Kranke 
isst versicherte, dais er in gesunden Tagen 



— -^ IAO -• 

die Systole und Diastole des Herzens immer 
und deutlich auf der linken Seite »* an ^ der 
gehörigen Stelle beobachtet habe/ ui|d dafs 
daher, was die Lage des. Herzens betreffet 
kein Lüsus naturae vorhanden seyn könne, 
e) Auf der rechten Seite des Thqraxi zwischen 
4er sechsten und siebenten wahren Aippe, 
ohngefahr 4 Zoll von der Carülago ensifor-- 
mis entfernt, bemerkte man durch das Ge- 
richt und Getiihl so deutlich die Systole und 
Diastole des Hbrzens, dals an ein Äneurisma 
der Aneriae iniercosialis gar nicht zu denken 
ist. /) Der Patient konnte nur auf der linken 
Seite Hegen und schlafen. g) Wenn man 
mit der Hand auf die linke Seite des Thorax 
kldpf:, so ist der Ton dabey, wie bey'm 
' Hydroihoraxy dumpf, nicht hellt önend. A) 
Pas Knochengebäude des linken Thorax ragt 
etwas nach aufsen hervor^ die Venae mami^ 
mariae scheinen raricös und die Inugumentä 
ifommumu auf dieser Seite besser nutrirt zu 
seyn. z) Patient beklagt sich über ein leb- 
haftes Gefühl von Vollseyn im linken Tho- 
rax, ajls wenn jemand das Stemum mit den 
daran befestigten Rippen mit der Faust nach 
aulsen drängte. A) Nirgends bemerkte man 
oedematöse Geschwulst*, l) Ausgenommen 
,die Dyspnoe nach der unbedeutendsten 
Speise ) gehen die abdonunellen Functionen 



gat Ton stalten« m) Aber ein lentescirendes 
Fieber, das Abends exaeerbirt, zehrt den 
Körper ab. n) Der Geist des Patienten ist 
dnrch die Idee von einer beginnende^ 
Krankheit und durch die Furcht vor dem 
Ausgange derselben unaufhörlich, beunruhigt, 
S0| dals die moralische Aengstlicbkeit die 
physische noch erhöht. — Das ist in der 
.That ein hartes Schicksal fUr kranke Aerzte, 
wenn ihr Geist bey chronischer Krankheit 
▼$Uig gesund ist. Denn da sie die Wichtig- 
keit und Unentbehrlichkeit der leidenden 
Lebensorgane kennen, so ist ihnen jeder . 
Trost und jede Täuschung abgeschniiten, und 
dreifach unglücklich sind sie, wenn es ihnen 
dann gar am Tröste der Religion und des 
inneren Bewuistseyns gebricht. 

Nachdem ich diese Symptome einef 
nicht so häufigen Krankheit reiflich erwogen 
hatte, hielt ich es doch, aus Mistrauen ge- 
gen mein persönliches Urtheil, für rathsam, 
meine hochgeschätzten Collegen Nebel j Zuo 
^eariiuj Moser und den Dr. Posselt zu Rathe 
xu ziehen, um mit mir gemeinschaftlich den 
Gharacter der Krankheit aus^umitteln , und, 
wenn irgend Hülfe möglich sey, die beste 
Heihnethode zu bestimmen, yorzuglich jetzt, 
« da der unglücikliche Kranke zwischen der 
seduten und siebenten , Rippe des Unkeu 



Thorax t da wo tonst da$ Herz pulsiit Hatte^ 
eine bejr der Berührung, elastische und ge- 
spannte Geschwulst bemerkte^ und deshalb 
darauf bestand» diesea Empyem, 'wenn auch 
nicht zur gänzlichen Heilung^ doch -zur Ei> 
leichterung seiner Krankheit» zu ojteriren» 

Nachdem dethalh die oben erw Bhnten 
Symptome» der Anfang und die Fortschritte 
der Krankheit» die örtliche Aifection und 
die entstandene Geschwulst nochmals reiflieh 
geprüft und erwogen waren» so wiurdeai:^ 
lo. Decemb.» dem is^hoKchen Verlangen dc^ 
Patienten . gemäls^ yon einem" erfahrenen 
Ghirurgen die Operation unternommen« J^U 
lein unsre Hoffnung ward getäuscht* denn 
es zeigte sich wedet Abflufs einer Matme^ 
noch Erleichterung des Asthma; und- die 
durch die Wunde noch vermehrten Schmer- 
zen martern mit neuer Qual den Körper imd 
die Seele des UDglücklichen ^ Termehren das 
lentescirende Fieber 'und die nächtlidie^ 
Sohweilse» magern sichtlich unter den schreck- 
lichsten suffocatorisiphen Anfällen seinen Kör^ 
per ab, und pressen ihm hnndertQial ^n 
jedem Tage den Wunsch i^ach dem Tode 
und den Umstehenden faeifse Thränen.aus» 
Auffallend scheint es aber doch» dafs sich 
bis jetzt an den Extremitäten kein Oedem 
ein^funden hat, wenngleich der Urin nur 



— saS — 

ipanam flielst *-• Nachdem ich mm di# 
Symptome liufgezihk habe, welche das EnN 
stehen und die msaufhaltsamen Fortschritte 
dieses sondetbaren Asthma begleiteten, will 
ich Tersuchen, ein Unheil über diese Krank- 
heit zu fallen, und das was sich naqh dem 
Tode in der Höhle des Thorax wahrschein« 
lieh finden wird, vorsichtig zu prognosticiren. 
Berücksichtigt man das Alter, das Tem- 
perament, die Nahrung und Lebensweise des 
Patienten,- seinen Eifer in seinen Berufsge* 
sdiäftoen, die ungewöhnliche Hitze und Trok« 
^kenheit des letzten Sommers und, als eine 
Folge dieser, die Gorruption aller animali- 
sdhen und yegetabilischen Nahrungsmittel; 
tiedenkt man, dals der Patient, uneingedenk 
des: Pnncipiis obstal die erste Spur seiner 
Krankheit, die ungewöhnliche Müdigkeit, 
£e il^n einst nach des Tages Last und Hitze 
'*ber£el, vernachläfsigte, dais er darauf yon * 
einem rheumatischen Fieber befallen wurde, 
-dals die Krankheit allmählich zunahm und 
' durch die Anwei^dung incitirender Mittel 
hoch' verschlimmert wurde; so scheint es mir 
wahrscheinlich ii dafs zu Anfange der Krank- 
lieit im Gefäfssysteme eine chronische, ver- 
borgene, entzündliche Diathesis geherrscht, 
'in den Contentis des linken Thorax heim- 
lich eine Phlegmone erzeugt und duxdv eixi^ 



- ««4 - 

erfolgte Ergie&ung des entzündlichen Bluts 
Stockungen und Verwachsungen in den letz* 
ten Mündungen der Gefafse zur Folge gehabt 
habe; woraus denn sehr leicht ein scirrhöser 
Tumor in den Lungen , widernatürliche Ver- 
dickung der Membranen, Balggeschwulstf 
Sackwassersacht y als mögliche Folgen der 
chronischen Entzündung , entstanden aeyn 
können. 

.Welche yon diesen Ursachen aber, in 
dem Torliegenden Falle, der Wahrscheinlich- 
keit nach, das Herz aus der linken Brust^ 
höhle in die rechte yefrdrahgt> und dasi Mit* 
telfell gleichsam in einen Bruchsack atisge-» 
dehnt habe? Diese kitzliche Frage ist aieht 
so leicht zu beantworten; weil, wenn wir 
diese Hypothese annehmen, die grolsen Ger 
fäfse des Herzens gewaltsam hätten geient» 
verlängert, der rechte Lungenflügel gedruckt, 
und die Circulation des Bluts bedenklieb 
gestört werden müssen. Doch rerrathen die 
Symptome zur Genüge diese sonderbare Dis^ 
lacation des Herzens, den Bruch des Mittel« 
feUs und die wahrscheinliche Ursache dieser 
Würku^g. 

Die Möglichkeit einer solchen Verirroog 
des Herzens beweist jede Hernia^ jeder Pro* 
lapsus. Werden nicht bey beträchtlichen 
&70tAl-J3rüchen und bey ähnUchen Vorfall« 



des Uterus ebenfalls sowohl Geftße , als LU 
gamente und Membrauen beträchtlich gezem 
und verlängert ? Kannte nicht in dem yorlie* 
genden Falle der Bögen der Aorta durch 
einen gelinden und allmählich verstärkten 
Druck auf denselben eine gradlinigte Richi^ 
tnng bekommen haben ? fiegUtistigt nicht 
auck der Hersbeutel , als ein membranöser 
und mit einer lymphatischen Flüssigkeit 
achliipfrig erhaltenisr Sack^ eine solche Ver* 
tdiiebung, yotzUglich wenn er nicht mit. ei* 
nein male, sondern allmählich ausgedehnt 
und Terlängert wird ? — Offenbar aber mußte 
daraus ein HioderniTs für die kleine Circule* 
tion entstehen. Demn qüaal volle EngbrÜ^g» 
kek und su£Focatorische , den Tag über häiK 
fig tiickkehrende Anfälle plagen den iüran* 
Jbeii.9 nnd ein lentescirendes, ursprUnglicIi 
fOA der Störung des Respirätionsgeschöftet 
heitttkrendes Fieber zehrt seinen Körper «tb» 
. Was . diq wahrscheinliche Ursache der 
• Disloeation des Herzens von seiner ihm la^ 
gewiesenen Stelle betrifFt> so gebe ich Fok 
gendes %vl bedenken : 

a) Hydrothorax scheint nicht die Ursftohe' 
dieses sonderbaren Phänomens zu iseyn; denn 
da FUissigkeiten von all.m Seiten gleich drük* 
ken/ so kann die Disloeation des Hersens 
VOft dieser Ursache abgeleitet >ivetdMu 



b) Einen Hydrops pericardii kann man 
aus eben dem Grunde nicht als Ursache an«* 
nehmen* 

c) Auch kani^^ man die Ursache der Ver- 
schiebung des Herzens nicht in Tuberkeln 

' der linken Lunge suchen, weil diese bey 
der täglichen Zunahme des Fiebers früher 
oder später, an einer oder der anderen Stelle 
in Eitenmg g^egangen seyn und Eiterauswurf 
verursacht haben würden» 

d) Auch kann keine Vomica vorhanden 
'ieyn^ da weder eine Pleuritis noch eii^e 

acute Peripn^umonie diesem chrdnisoh^ 
Asthma vprausgieng. . , 

Aus allem diesem wird es wahrscheinlichi 
daTs^^ 2u Folge der vorangegangenen, mit 
rheumatischen Schmerzen begleiteten nn^ 
das Ansehen einer Ephemera annehmenden!* 
chronischen Phlogosis, vermöge einer eigen* 
thümlichen Prädisposition in der linken 
Brusthöhle vielleicht ein Tumor cysMus oder 
ein Hydrops saccaius entstanden sey, und 
allmählich zunehmend nach und nach das 
Herz in die rechte Brusthöhle verdrängt habe, 
ao wie der schwangere: Uterus bey allmähli- 
cher Zunahtde des Foetus und des Liquor 
amnii den Widerstand der Integumente über- 
windet» die Intestina, die sonst auf dem 
Grunde des nicht schwangeren Uterua lageni 



— 127 -r 

suriickdräiigt, um Hüft der t>berta ßeckeiw 
Öffnung in die Nabelgegend empor asu stei* 
gen. Ob aber das Parenchyma der Lungen 
aelbstf oder die Pleura > oder selbst das Fe* 
ricardium der Sitz dieses Tumor sey, ob 
derselbe . eine steatomatd»e > albuminöse oder 
lymphatische Materie enthaltet das wage ich 
n:y:ht 2u bestimmen » und kann «rst die Seo 
tion nach dem Tode lehren. 

Woher aber jenes lentesctrende Fieber 
entstanden sey? >-*^ Diese Frage möchte sich, 
anch wenn wii^ einen allmählich entstandenen 
J'umor cysiicus als die Ursache dieses aon« 
derbaren Asthma und der pislocation des 
Hersens annehmen , nur darauf beantworten 
listeil> dals, dem Anfange und den Fort« 
schritten der Krankheit nach 2u tirtheilen, 
auch der linke Lungenflügel Wohl nicht un* 
tenehrt geblieben » wenigstens gro&en Theils 
Yon der ajcigenommenen Balggeschwulst ge- 
druckt Worden seyn mag. Denn wenn eine . 
chronische Entzündung Tnberkebi oder scir- 
AÖse Verhärtui\gen in diesem Eingeweide er- 
>^S^». ^o ^^^^ ^^^^ zugleich die erste Be- 
dingbng des Lebens und der Gesundheit 
gestört. Wenn sich dies aber so rerhät, 
da£i der linke Lungenflügel compinmirt ist, 
müssen dann nicht durch den Mangel der 
ariSordeificfaen Menge ron inspirirter Lebens* 



luft und dttrch' di(B gestörte oder yerhindett« 
Exhalation der Kohlensäure di^ ersten che- 
mifich - animalischen > Operationen > die Ch jli-v 
ficatioB^ Sanguification und Restauration ge- 
stört und An angelhaft werden? «r* 

Es wird nicht schwer sejn, aus dem bis-^ 
lier Erzählten und den gegenwärtigen Um- 
ständen der Krankheit die Prognosis zu be- 
stimmen. Denn die UnmÖgliohkeit der Re- 
stauration, die nächtlichen Schweifse, der 
seit einigen Tagen vorhandene profuse, seröse 
ttnd nicht erleichternde Ausflafs aus der fetit 
in eis fistulöses Geschwür verwandelten 
"Wunde des Empyems am linken Thorax» 
werden bey dem Ekel des Patienten gegen: 
alle Nahrung seinen Körper bald inV G^b 
uud seine Seele in ihre Heimath versetzeiii 
und den Aerzten Gelegenheit geben, die 
wahre Ursache der Krankheit und des Todiei 
durch die anatomische Untersuchung zu €i^ 
forscheiL 

Es ist uns noch Übrig, kürzlich zu im« 
tersudhen,^ durch welche prophylaktische Kur 
und Heilmethode der verderbliche Ausgang 
dieser verborgenen Entzündung hätte verhii'* 
tet und abgewendet werdeti können. -— 

Erinnert man sich an die Opportiinität^ 
Welche dieser Krankheit vorausgieng, an den ^ 
Anfall dds eintägigen Fiebers und den ersten 
/ . . . . Suz 



. — I2JB — 

Sitz des rheutnatischen Schiüen«! iii dMb 
Brust ^ an den Kampf des Lebeüs gegen di» 
KranJ&heit, bedenkt tnan dabey das lebhufte 
Temperament des Patienten uod- dio durch 
den Gebrauch incitirender Mittel bewUrkte 
fVerschlimmerung des Fiebers; so ergiebt siah 
in der That ^ dafs yor allen Dingen eind 
Torsichtige antisthenische Behandlung zu 
Anfange der Krankheit 9 und ein angemessen 
nes diätetisches Regimen indicirt waren^ und 
'.▼ieHeicht die Krankheit in ihrem Keime hat* 
ten ersticken können. Da aber sehr selten 
ßsLBf waji man beym £Dt^t«hen der Krankheit 
versiumt ^at, wieder einzuholen ist, so 
schlielse ich die Geschichte dieser merkwür« 
'di|[<|i Kraokheity die mir bald meinen geUeb*> 
ten Schwiegersohn in der BlUte seiner Jahr# 
alitreilsen. und tief mein väterliches Herz 
isarwnnden wird, mit dem alten Axiome 2 
Prinoipiis obsiaJ *^ 



Leicheno ff n u n §4 

Kaum war diese tner würdige Krankenge* 
adiichte gedruckt, so nahete schon die letzta 
Entscheidung der -Krankheit ^ nachdem der 
Patient die letzten acht Tage Und Nacht» 
9ft- mit dem Tode gerungen hatte ^ bis er 
unter i^rchterlicher Beängstigung starb« Dia 



Wund« de» Empyems war in ein fistulöses 
^Gesohwiir degenerift und hatte in den letz- 
ten acht Tagen eine -Menge stinkenden ' Ex- 
travasats aus der linken Brusthöhle aus*ge- 
leert. Dysphagie verhinderte den Patienten 
in den letzten Lebenstagen sogar schleimigt« 
Suppen und Getränke zu versehlueken. Bey 
vollem Bewufstseyn^ unter f ürchterlicher Be- 
SngstigUDg, Herumw^rfeh und Unruhe, mit 
einem kaum fühlbaren y zitternden ^ interäait^ 
tirenden, kleinen Pulse, von kaltem Schweiisd 
und dem serösen Ausflusse der Wunde ge* 
badety fühlte der Patient selbst die Nähe des 
Todes und verkündete ihn. Vierzig Stunden 
(Ulf diese Art schrecklich agonisirend , ver-» 
j^chied er endlich, die Umstehenden aufriebe 
tend mit religiöser Ergebung» 

Ich läugne nicht« dafs wir Aerzte sSmfr- 
lieh) beseelt vom Interesse für unsere Kniut; 
vor Begierde brannten , zu erfahren ^ ob die 
Section unsere la|^ge vor dem Tode geiulserte 
Vermuthung über die wahre Ui^sache der 
Dislocation des Herzens bestätigen würde. 
Zwar protestirte d^r Kranke sterbend^ . zu 
meiner gröfsten Verwunderung^ gegen die 
anatomische Untersuchung seines Thonut 
nach dem Tode« Aber als SchwiegeiratiNf 
des Verstorbenen hielt ich die Uebertretung 
seines letzten yfiSleD» für erlaubt» Denn 



— 15* — 

Aeme mOijeii auch als Philosophen «handeln'; 
und da wir lebend oft ohne unseren Willen 
irren und Fehlen, so ist es wohl hiHig^ dals 
wir bey einer so seltsamen Krankheit nach 
dem Tode dem Meoschengeschlechte noch 
nützen. 

Die sorgfaltige Section des Ldchnams 
aeigte Folgendes: 

i) Der ganze Körper war abgezehrt von 
F)»tt und Fleisch , uad bis auf die Knooheh 
d>gemag«rt. 

* \ ä) Der Unke Theil des Brustbeins war mit 
den daran befestigten wahren Rippen etwas 
mehr erhübt y als der rechte Theil. ' 
■ 3) Der Umfang der Wunde von der Opa* - 
ration des Empyems war gangränös. 

4) ^1® ^^^ ^^^ linken Seite zwischen der 
6Cen nnd 7tea wahren Rippe beobachtete 
gespannte y elastische Geschwulst war ver« 
•diwanden. 

Nachdem das Brustbein mit Vorsicht in 
die Höhe gehoben war, entdeckten wir £oh 
gende merkwürdige, jedoch uns nicht Uner* 
«warteten Veränderungen: 

a) Das Herz lag mit dem verlängerten 
Herzbeutel und Mittelfelle in der rechten 
Brusthöhle versteckt und auf dem rechten 
XtüngenTittgel. Der Bogen der Aoria asc^^ 
ims hat eine ^ädlinigte Richtung bekom« 



men. Der techte Lungenflügel war, einigt 
Tuberkeln abgerechnet, yoUkommeii gesund^ 
jedoch etwafs rom Herzen gedrückt. Die 
Structor der Arterien im Thorax schien im 
Allgemeinen nicht fester zu seyn, als die der 
Venei|. Die Substanz des Herzens war weich 
und Welk. >^^ 

b) Die linke Brusthöhle war gilnzlich mit 
einer unförmlichen ,. nach dem Mittelfelle zu 
harten, steatomatösen Masse ausgefüllt, ind^oi 
die Pleura den Sack des Steatoms bildc^ . 
und nur noch mit lockerem Zellgewebe an 
die Rippen befestigt war. Der untere, delr . 
concavkn Fläche der Rippen correspondiren« 
de, und der Wunde des Empyemi^ zunächst 
liegende Theil dieser Masse bestand aus «i-p 
ner dem Platzen sehr nahen Vomica, die ge- 
öffnet ohngefähr ein Pfufid einer graute 
stinkenden Jauche von sich gab. . Der Sadc, 
dieser Vomica war sonderbar zerfressen, zer- 
rissen, wie ein Krebsgeschwur , unförmlich 
und ungestalt ; mehrere male mit Wasset alK 
gewaschen, aeigte er eine graulich - gtSnt 
Farbe. Nach oben und hinten hingen an 
dieser Masse noch , einige Ueberreste Von 
dem Parenohyma des linken Lungenfliigela» 
Die^ ganze Oberfläche dieser Masse war* mit 
einer schmierigen Fettigkeit überzogen » die 
dem zerflossenen Gehlrnniarke nicht nnähnllcfc 



— i33 — 

yntty und . schon b#y der Operation des Em« 
pyems den zur Untersuchung eingebrachten 
Finger yerunseinigt hatte. Dies monströs« 
Steatom wog nun aehn Pfund und sechs Un« 
Ben. Eine sonderbare Veränderung aber 
leigto sich an dem linken Aste der Arieriae 
pulmonalis. Sie drang nämlidi zwei Zoll tief . 
in jene steatomatöse Masse , bildete daselbst 
, einen Sinus , yon ohngefahr zwei ZoU im 
Darchmesser, in welchem sie sich in einen 
venösen Canai umbog, der zum linken Sinus 
des Herzens lief. Der ganze linke Lungen« 
fiUgel mit seinen Lufrgefalsen) Arterien und 
Venen mufste demnach entweder durch das 
zunehmende Steatom yerdrin^'» versohwun« 
dl^n.oder nach und nach selbst in diese scir* 
rhöse unFörmliche Masse degenerirt seyn^ die 
ftiiekniend das Herz von seiner gehörigen 
Stelle verdrängt und so offenbar den kleinen 
Blatttmlauf und die ganze tbierisdie Oeeono« 
Aie gestört hatte. (M. sehe die Kuptertafel). 
' Aus diesen wunderbaren, durch die Sec- 
tion entdeckten Ursachen des Todes, wird 
es leicht seyn zn erklären, warum der un- 
glBeklic^e Kranke sich bey .der geringsten 
Bewegung und nach jedem noch so mälsigen 
Genüsse ron Speisen über die lästige Puieation 
wd unertrigliche Beängstigung beklagte, die 
/itefangs-in- der Gegend *der Cäriilago ensi- 



— i34 — 

fortnis^ bald darnach aber in der rechten 
Brusthöhle beobachtet wurde; warum das 
Asthma siccum war, woher die gespannta 
Geschwulst swischen dea Rippen entstand^; 
warum die Rippen und das Biustbein auf 
der linken Seite hervorstanden , warum Par 
tient sich .beständig über ein Gefühl beklagte^ 
als wenn jemand das Brustbein und die Rip/- 
pen der linken Seite gewaltsam mit der Faust 
nach auCsen drängte.» warum die Operatiom 
des Empyems fruchtlos war, warum d«c 
Ausflufs aus der Wun^Je desselben so stUi? 
kend war« was den Kranken allmählich ab« 
sehrte und was, nachdem er tausendmal VsAt 
dem Tode gerungen » diesen endlich untOf 
den fürchterliohsten Beängstigungen herbejr 
führte. 

Es %ej mir erlaubt, hier noch kiijnUdi 
darüber meine Yermuthung aufzustellen, war^ 
um denn der Wahrscheinlichkeit nach iÜf 
anfcmglicthe. Phlegmone, deren Prodromua jef 
ner rheumatische Schmerz des Bmstmiiskels 
war, bey diesem Subjecte gerade ehendar 
in einen ateatoniatösen Tumor übergegtngw 
•ey, als einen anderen Ausgang genoiowm 
habe. * = -.t 

I91 Allgemeinen scheint es a^ar mcbi 
leicht begreiflich, daCi in der Substaoä der 
4em JSßswa lo ilab» Uegendea und dbil^ib 



— i35 — ^ 

io schnell Yom Blute durdtttrömten Loffgeii 
steAtomatöse Stagnationen , lofiltrationea in 
die Celiulosaj Metastasen | Metaptosen, scirr» 
böse Tuberkeln ^^ Steatome, aach Hydatiden, 
Steine u. s. w. entstehen konnten. Bedenkt man 
aber die schwammigteStructur diesem Eingewei« 
des, die nachtheiligen Einflüsse der athmo« 
sphärischen Luft auf dasselbe, die gewaltsamen 
Anstrengungen, die es bey'm Laufen, Reiteni 
bey'm schnellen Ersteigen der Hügel und 
Berge, and bey'm Reden 90 liäufig erleidet; 
bedenkt man die Folgen der entzündUcben 
Beacbaffenheit des Bluts, die Durobschwit« 
lung und Destillation in die CeUulos0^ und 
seine bey m Zutritte der Lufl so leichte Ge» 
rinnbarkeit, während sugleicb in dem GeBü^ 
Systeme und den Säften eine stheniscba 
Piathesis vorhanden ist ^ erwägt man die au« 
mähüchen Fortschritte der chronischen Ent^ 
98ndung, so wird man sich leicht das Entste* 
hen eines Steatoms in der Substanz der Lun- 
gen und der Pleura erklären können, 
i{ Warum aber unser Verewigte dieses 
Qf^iiGksal hatte I davon scheinen die wahr- 
sqhej^lichen Ursachen folgende zu aej:n: a) 
Er lebte in gesunden Tagen meistens von 
enimalischer Kost, von Eiern in grpfser 
Quantität;, trank nur Wasser oder Bier, wo* 
dorcb.^jeint Blntmaste reicb an Gluien iuii* 



^ iS6 — 

mal$ i^tit ftn Gelatina werden mnfste. ft) 
Er trag sieh leicht bekleidet, und im härte- 
ften Winter zu Fufs und zn Pferde mit blos- 
ser Brust* c) Fast täglich erstieg er in den 
Standen der Verdsuang Hügel und Berge, 
mehr laufend als^j[ehendy wodurch das Blut 
heftiger zu den fiingen getrieben wurde/ 
und die Gefälse .stt sehr ausgedehnt werden 
mufften, d) Im -Sommer badete er sich, und 
zwar mit erhitztem Körper, Abends im Flusse,' 
oder wusch sich eiskalt über den ganzen 
Körper. Er begieng diese Excessen im Regi« 
men in der lobens würdigen Absicht, um wA» 
nen Körper Clir seine Berufsgeschäfte in 
Kriegszeiten abzuhärten, e) Im letzten heis* 
•en, trockenen Sommer ertrug mein Schwie» 
gersohn viel Ungemach, arbeitete im Schweife 
•eines Angesichts und erkältete sich dazu« 
Denn als er einst über und über schwitzend 
noch Abends spät zu einem Kranken g«nt£m 
wurde, da er schon mit der Krankheitsanlage 
kämpfte, so wurde er noch Tön einem kalfea 
Regen durchnäfst , Nachts darauf aber auch 
schon vom Fieber befallen, /) Da er apkoii 
eine Weile kränkelte, achtete er doch die 
Vorboten seiner Krankheit zu geringe niul 
setzte sein alter' diätetisches Regimen nnd 
seine Geschäfte fort, wenngleich er Abends 
ttber nngewöhnU<she Müdigkeit klagte. - ^ 



— i5^ — 

Sp8t wurd«BOch durch das Aderlafs und eio an« 
tiphlogistisches Regimen die inflammatorische. 
GoDgestion des Bluts, die sonst Eiterung 
oder Brand zur Folge gehabt haben würde, 
gehoben. Allein vielleicht warde eben durch 
diese Heilmethode das Entstehen eines scir- 
rhosen Tumors oder yieldiehr die Infiltration 
and Destillation des entEÜn^lichen Bluts in 
die Zellen des Parenchjma der Lungen be* 
I^Bstigt. Denn das er^t Spät gelassene Blut 
hatte doch uoch ein gelbliches ^ speckiges, 
phlogistisches Ansehen« h) Der Patient 
sdiwit2te viel ohne Erleichterung, wodurch 
den« die. iibiige Masse des Bluts täglich 
mehr yerdickt und jene sonderbare Goncre» 
tion yeranlafst wurde. Diese Gonjecturen 
aeheinen mir hinreichend aur Beantwortung 
der Frage, warum die chronische Etitzitndung 
bey diesem Subjecte ehender in ein Steatom 
ti>ergegangen sej, als einen anderen Ausgang 
genommen haben. 

•' , Es sej mir erlaubt , aus^ dieser Kranken« 
^etchichte noch folgende practische B^meiw 
Jumgen zu ziehen: 

l) Eine animalische Diit und yorziiglich 
Eier, tSgliqh, in Menge, im männlichen Alter, 
im auch im Sommer genossen^ bringen ^ein 
Keb^rmaafs t<m Gelatina in der Blntmasse 
niid athenische Diathesia herror« 



— i4p — 

h. Der rechte Ast der Aneria fhilmonmUs. 

/• Die T^ena pulmonalis derselben Seite. 

A. Der Ort der Anastomose der Arieria puU 

monalis sinisiraf init'der fenä pulmonalis 

derselben Seite. 
/. Die yena cava superior. 
m. Der rechte Lungenfliigel, einige Toket- 

keln abgerechnet voU'g gesund. 

Fig. IL 
«• a. a. Das Steatom von der entgegen gb^ 

setsten Seite. 
a X. a X. Stellen^, des Sackes der Pleura, 

nebst Ueberrestr^ des linken Lungenflügds« 
h Die Luftrohre. 

c. c. Einige Bronchien des h'nken Lungen* 
£ügels, die sich in d^e Membrana des Stee* 
toids und die Ueberreste des Parenchjna 
der Lungen verbreiten. 

d. d. Die Bitmchien des rechten Lvngifci 
flOgels. 

«. Das Herz, aofserordentHch welk« 

yi Die Aona doscendeM. 

g. Die Fen^ cava in/trior, ungewuhnlidi 

ausgedehnt. 
A. Der Oesophagus. 

i. Der rechte LnagenfifigeL - p ' 

h km Der Nervus vagus. 



- i4i 



TV. 
Beschreibung 

des mett amgel«gt«a 

Zucht- und Zwangsarbeitshauses 

zu Zerbst, 

lA nedicinisch - politeilic^ber Hinsichu 



w 




Sie sich nicht, wenn ich IhnA 
dst jsizt iiber einen GegaisrsSd schreibe^ 
4er es swmr schon Terdient hatte, dsls ich 
▼or swei Jshren, als der Zeit seiner 
l^ desjeoige darüber geschrieben 
was den Ant interessiren molk Attein 
im Uisache, warum ich bisdaher sdiwie^^ 
liegt blos darin, dafs ich, ab eine bey der 
Seche interessirte Person, erst einen nicht 
Zeitrauin abwarten wollte, am mit 
besserem Erfolge davon spredien sa 
4k der Gegensmnd in RScfc- 



^ *4Ä — 

sieht der Staatsarzheikunde einlgeh Weith 
hat. Sie wissen, dafs unser yortreflicher und 
von^ jedem ^ Unterthanen Wahrhaft geliebter 
Fürst Franz^ sich*s stets angelegen seyn läfst, 
alles 9 ^as er nur Gutes stiften kann, mit 
edlem Eifer in Erfüllung zu bringen ^ und 
dafs dieser rastlose edle deutsche Fürst nichts 
verabsäumt y was seinem Lande uiid seinem 
Unterthanen nützlich uüd gut ist. Neben 
iJem^ was verschönert i bewiirkt Er i^uäi 
Nützliches^ und unter seinen Äugen gedeihet 
so manches^ wofür Ihn-j den erhaben^i 
Menschenfreund, noch spSt die Nachwelt 
seegnen und ihm danken wird. 

Vor zwei Jahren^ nämlich , als Er sah, 
dafs die Bettler und eine Menge herum- 
schwarmender und an keii;ie Arbeit gewöbi|^ 
ter Menschen, mit aller Unsicherheit ^mid 
Frechheit seiii Land durchschwärmtefi, dfo 
Einwohner belästigten, und zu mancher g^ 
setzwidrigen ^ der allgemeinen Sicherheit und 
der Gesundheit der Unterthanen nachthefln- 
gen Handlung Gelegenheit gaben^ legte ;£S^ 
hier ein öffentliches Zwaiigsarbeit&haus Hf^ 
das er mit einem Zuchthause, y^lches ehe- 
dem in eben demselben Gebäude sehen be^ 
Manden hatte ^ verband* Indessen ward bey 
diesem Institute die Menschlichkeit zur 
drundhge genommen. Seinen erhabenen Wfitf^ 



- i4i - 

idien zur Aolegung dieses fUr Ordnung und 
Gesundheit tu. errichtenden Instituts, ent» 
sprach die thätige und in jeder Hinsicht se- 
gensroUe Einrichtung und Leitung de selben, 
die einem Grafen von ff^aldersee^ dem Kam- 
merdirector von Raimer und Regierungsrath 
T» Wolfmmsdorf übertragen ward, gerad« 
BfSnnern, deren wackerer, biederer Gharacrer 
jedem hiesigen Landesbewohner bekannt ist. 
Ehe ich aber zu dem übergehe , was für 
den Arzt allein gehört » will ich nur kurz^ die 
Einrichtung des ganzen schildern, ohne mich 
doch in eine ausführliche Geschichte desseU 
beD einzulassen, 

^ Das neu errichtete Arbeits • und Zuchtr 
Hfibs Hegt auf einem ziemlidi freien Platze 
am £nde der Stadt ^ gegen die Ostseite der* 
aelben, und wird von einer Seite seiner 
Fronte ganz von der Morgensonne und Mor* 
genlnft begrüfsty die Abendseite, wo dai 
Haus zwei Eingänge hat, sieht nach der 
Stadt her, von der Mittagsseite ist es eben* 
hSU ganz frei^ und hat, so wie die Morgen« 
Seite, die Aussicht ins freie Feld; die Mit^ 
temachtseite hingegen ist verbauet^ und wird 
von dem daran stoCsenden grolsen Getraide* 
Magaeine gleichsam vor den Nordwinden ge4 
dedit. Eh^als war dieses Gebäude, in den 
eberen Geschossen für die Waisenkinder , in 



- i44 - 

dem unteivten aber für die zur Zuchthaus- 
Arbeit VerurtheilteUy bestimmt geweseü. Jetfet 
«ind beide Anstalten ungleich angemessener 
getrennte und die Waisenkinder sämmtli);h 
an besondere Pflegeltern ausgethan» Dias 
Haus selbst ist geräumig, hell^ und die' darin 
angelegten und zum jeteigen Behufe eioge^ 
richteten Zimmer grofs^ hoch und gesund* 
Es bestehet aus einem Erdgeschosse oder 
Souterrain^ in welchem die Hauptwach8tube> 
die Küche ). die Vorrathskammern , der Spei- 
sesaal ^ 2wei Schlafsäle und Bade-^ Wasche 
und Leichenkammer 9 ingleichen dieiKaspel» 
kammer und einige feste Gefangnisse für 
grobe Verbrecher ) wie auch eine Kranken* 
Stube iiir diese Klasse , angeordnet sind* AU# 
Behältnisse sind hell> luftigt trocken | und 
die Gefängnisse mit eichenen Bohlen ausgo* 
bohlt. Im ersten Stocke wohnt der Hausm» • 
tet mit seiner Familie ^ und nebst. diWBl^ 
Wohnung sind drei grofse Arbeitssale und 
ein Schlafsaal aogelegt In jedem Saale sind 
Lufttrichter t unter Welche die Lampen ge- 
stellt werden^ so Wie in jedem Fenstef hin- 
längliche yentilatoren angebracht» überdem 
werden noch alle Tage die Fenster einigemal 
§eoffnet* . Im oberen Stocke ist die Kirche^ 
die Wohnung des die Wache untctr sich bä* 
b#ndea Untero£BcitrS| welche jedoch nun^ 



.. / — i45 -^ 

um noch mehreren Raum zu gewinnen, dw- 
aus weg, und in die neu angpbauete Wob« 
miDg des Inspeotors verlegt werden soll, di« 
Wohnung der Krankenwärterin, ein schöner, 
geräumiger, hoher Krankensaal, ein Arbeits- 
saal und ein Schlafsaal befindlich« Im Dach- 
geschüls sind die Vorrathskammem der zu 
bearbeitenden Materialien, die Garderobe 
und eine Krankenstube. Die Krankentäle 
liegen alle gegen die Morgenseite, so wie 
die Arbeitssäle« Die Coriidors werden alle 
zur Nachueit durch grofse Hängelaternen 
eileuchtet, damit alles gehörig erhellt ist, und 
dier Wachen stets im Stande sind, alles ge-^ 
Bau zu beobachten. Gegen die Mittagsseite 
hat der Fürst noch einen Flügel angebauet, 
in welchem die Wohnung des Inspectors und 
die Hausexp^dition , die Gerichtsstube und 
ciinige Kaoimernt auch die schon erwähnte 
Wohnung des der Wache vorgesetzten Un«* 
teroffiders befindlich .sind. Dals alles fest, 
und durch eiserne Vergitterungen hin und 
wieder sicher gemacht ist, brauche ich nicht 
za erwähnen # so wie das Ganze von der 
einen Seite, nach dem inneren geräumigen 
Hofe zu, mit einer hohen Barriere umge- 
ben ist. • ' 

Die . zu diesem Institute angeordneten 
OfBdianten,* welche alle von der Direptioü 
XDU B. X. $t. K 



^ 146 » 

BbhSrkglg sind, und unter dem hier wohnen«» 
den Specialdirector *) stehen, sind der In«> 
spector, der die innere Polizei und das Rech« 
nungswesen unter sich hat; der HausTater, 
der die Arbeiten austheilt, an den Insgector 
berechnet I und die Speisung uach Vorschrift * 
besorgt; der Unterofficier der Wache, der auf 
innere Ordnung und Aufmerksamkeit der Wa«* 
chenzns^enfaat; dieKn^nkenwarterinundder 
Zuchtmeister. Au&er diesen ist der Hausarzt, 
der Hausprediger, der Justiziarius, der 
Wundarzt, und eine bestimmte Anzahl Inya« 
liden, welche die Wache ausmachen, noch 
hinzu zu rechnen. — 

Die hierher |;ebrachten und in das Haua 
abgelieferten Personen, sind entweder Arme, 
Bettlet, oder Verbrecher; alle sind in einer 
vorgeschriebenen Hauskleidung i?ingekl^det; 
nur haben die Verbrecher ein Unterschei« 
dungszeichen vor den übrigen, bleiben «ndi 
Ton ihnen bey der Arbeit getrennt. Öie Ar- 
beiten besteheü in Wollspinnerei, Raspeln 
und anderen Handarbeiten, z. B^ Holzhauen^ 
Graben u. s. w. So viel nur yon der den ' 
Arat nicht interessirenden Sache. «^ 

Da die. menschenfreundliche Absicht; dea 

*) JeUt der vom Fürsten selbst geSchtete und yon ]•• 
4tm f eschüuts Hr. Hof- and Amtsrath /toer. 



— i47 — 

erhabenen Fürsten nicht nur dahin gi^lieti 
Armen Unterhalt zu geben , sondern auch 
den MUlsigganger zu beschäftigen , und dem 
Strafbaren sein Vergehen fühlen zu lassen^ 
so hat dieser groCie Fürst auch auf die Ge* 
anndheit Rücksicht genommen« Reinlichkeit^ 
ab die erste Gesundbeitserfordemifs, ist nicht 
nur dringend- anempfohlen, sondern auch ge^ 
wüs im höchsten Grade angebracht, Morgens 
friih werden snmmtliche Bewohner ia Gegen* 
wart der Wachen in die Waschkammer ge« 
fluUirt (rersteht sich, jedes Geschlecht beson* 
Aen)i wo sich ein jeder gehörig waschen, 
kimmen und reinigen muls; im Sommer 
wird wöobentlich einigemal gebadet. Alsdann 
ist nach der Betstunde ifcum Frühstücke, das 
w wier Suppe besteht, eine kurze Zeit be- 
stimmt, worauf die Arbeit anfängt* Alle 
Woche erhSlt jeder weisse Wäsche, und die 
schmutzige uimmt die Hausmutter und der 
^ Zachtmeister in EmpPang. Diese, so wie die 
Krankenwärterin y haben genau nachzusehen, 
daia kein Ungeziefer in irgend einem Stücke 
Wische oder der Kleidung bemerkt werde. 
Um id Uhr wird gegessen , jedes Geschlecht 
besonders. Alle Tage erhält eine Mannsper* 
.aon a Pfund gutes Ausgebackenes Brod» und 
eine; Weibsperson if Pf., d Maafs Kofent, 
'iMid;Mittags hinreichend ZugemUse, als Kohl, 

K a ^ 



RiibeDy Kartoffeln, Erbsen, Graupen, Grütze, 
Sauerkohl u« a. m. Abends, wo um 6 Uhr 
gegessen wird, hinreichend Salz als Zubrod. 
Die Armen erhalten alle Sonntage ein halbes 
Pfund Fleisch, die Verbrecher hingegen alle 
4 Wochen* Das Essen ist gehörig mic 
Schmalz oder Butter gesotten, und mufs 
reinlich und schmackhaft seyn; welches der 
Arzt und der Inspeetor nach Gefallen untere 
suchen können. 

Sobald jemand abgeliefert wird, so wird 
er erst vom Hausarzte oder Wundarzte < ge- 
nau untersucht, ob er 'ganz gesund ist und 
keine schmutzige oder ansteckende Krankheit 
bey sich trägt* Auch mufs der Arzt bey 'den 
vorher bestimmten Züchtigungen, z. B; dem 
Willkommen, seine Meinung äufsem, ob der 
zu Bestrafende jetzt, oder erst in einiget 
Zeit, seiner Gesundheit halber, die ihm dic- 
tirte Züchtigung erhalten soll. Hierauf wird 
der Neuangekommene gebadet, und damit 
nicht etwa Ungeziefer Platz findet. So wer- 
den einem jeden die Haare abgeschoren; 
hierauf erhält er reine weisse Wäsche ^ und 
die bestimmte Häuskleidung, welche von 
grauem Tuche verfertigt ist. Sodann wird er 
zur Arbeit geführt, und im Falle der Un- 
künde vom Hausvater angeführt und untei^ 
liditet. Im Sommer wird um ^ Uhr nnd im 



— x49 -^ 

Winter um 8 Uhr yÖlUg sur Rtihe gegangani 
und Torher eine Betstunde gehalten. lat zuf 
Winterszeit die Kälte gar xu strenge, so wer- 
den die Schlafsäle ganz, gelinde, erwärmt. In 

' jedem Schlafsaale ist eine bestimmte und 
Terhältnifsmäfsige Anzahl Bettstellen yertheilt, 
und jeder hat seine besondere Bettspunde, 
in welcher eine Matratze t mit Stroh gestopft, 
ein Kopfkissen, Laken und eine dicke ge- ' 
walkte Friesdecke befindlich ist. Ehe zu Bette 
gelegt wird, mula sich jeder reinigen und 
waschen, und nach dem Erwachen mu£i ein 
jeder seine Schlafstelle sogleich in Ordnung 
bringen, worauf die Schlafsäle gelüftet, ge^ 

' reinigt und ausgefegt werden, welches alle» 
mal ein Paar Gefangene besorgen müssen« 
Bejr jedem Schlafsaale ist ein sicherer Abtritt 
angebracht, damit, wenn ja Jemanden sufal- 
lig^ zur Nachtzeit ein Bedürfnila begegnen 
möchte , keine Unsauberkeiten rorfall^n sol« 
len. Diese letztere Einrichtung ist zyreckmSs« 
sig und angemessen durch einen besonderen 
Kanal, durch welchen alle Unsauberkeiten 
ans dem Gebäude abgeleitet werden, angelegt« 
Wird jemand krank, so mxxik der Haus- 
yater davon sogleich entweder dem Arzte, 
oder Wundarzte, und dem lospector Nach- 
richt ertheilen, worauf der Kranke sogleich 
besucht, und nach Beschaffenheit des Um- 



mm iSo -— 

Aiiirdes mit tiinlanglicher Verordoung und 
Arsnei reriorgt wird , auch wohl , wenn es 
die Krankheit erheiseht, sogleich in den 
Krankensaal gebracht t und auf die Kranken- 
liste geschrieben ' wird *). Hier ynrd sein 
Name auf eine rov dsm Krankenzimmer auf- 
gehängte Ta£cl geschrieben, so wie auch die 
Araneimittel, die die Krankenwärterin ans 
der Hofapotbeke au holen hat, und nicht 
anders yerabfolgt werden^ als wenn sie auf 
einem gesteimpelten Recepte verschrieben sind» 
Der Kranke wird täglich eiamal in der Re^ 
gel 9 und weon es'nöthig ist mehrere male» 
besucht. Der An^t oder Wundarzt schreibt 
die Diät vor, und alles was in diesem 3tucke 
verordnet wird, mufs der Hausvater, laut er» 
baltenem Befehle, pünktlich befolgen. Der 
Kranke bleibt so lange im Krankensaale» faii 
er völlig hergestellt ist, uod darf nicht eher 
wieder zur Arbeit angehalten werden, ab bis 
der Arzt denselben fiir gesund erklärt hat« 

*) Im enteren oder groCieB Krankensaale stehen |^ 
inröhnlich 4 gut eingerichtete Betten, welche aber 
im Nothfalle mit einigeti vermehrt werden j^önben. 
Im «weiten find 3 beg^dlich* und in der Krtii- 
kenstube für Verbrecher, oder unsaubere ICrSpkhei« 
ten» hängt es vom Arcte ab, bu bestimmien, ob 
die gewöhnliche Lagerstelle hinreichend*, oder mit 
einem Bette vertauscht werden soH« ;- . . >' 



I>i6)^mgeii KramkeDy die anstedMiide jod 
«cfamutxige Auaschlagskrankheiten , oder u^ 
dere ekelhaftei z. B. yenerische, ZiifaHe haben) 
wmrdeB sorgfältig abgeaondert^ und kommen 
aichl: dier wieder mit den übrigen in Ge» 
meinscliaft ^ als bis sie yöllig gesund und als 
li^rgestellt gemeldet sind. 
. ^ Im Hause sdbst wird eine kleine Apo» 
llieke, so wie auch die nothwendigsten chi- 
mrgischen Instrumente und Bandagen rorrä* 
tUg unterhalten, damit im NothfaUe und.be/ 
schleunigen Vorfällen sogleich Hülfe geleistet 
•werden kaiin. Ueber alle Kranke fuhrt der 
Arzt und Wundarzt ein Journal , worin der 
Name des Kranken, die Krankheit, die 2^ 
der Dauer und die Heilmiitd bemerkt weiw 
den. Alle Monat erhält der Inspector sni 
Berichtserstattung einen Krankeneztract^ mit 
den BÖthigen Bemerkungen« — Der edlen 
DenkUugsart des Fürst^i gemäfe, ist, laut der 
Instruction, die dem Arzte gegeben worden 
ist, aogar demselben frei gest^t und über- 
lassen worden y die nöthigen £rqu|ckungsmit« 
tel zu verordnen 9 damit überall, die Mensch« 
lichkeit beobachtet werden soll, und dfo 
Heilung dadurch beschletmigt werde. Auch 
ist dem Arzte frei gelassen, bey einigen Per« 
aonen^ die an Rauch- und Schnupftabak ge- 
wöhnt ttnd, sobald die Gesundheit es yer- 



— i5a — 

langt) den Gebravch desselben zu gestatten^ 
-da in der Regel dies« Angewobnlieiten unter« 
aagt sind. 

Da bekamntermafsen in dergleichen An«» 
stalten Züchtigungen oft theils notfawendigy 
thefla aber auch als fühlbare Strafe bestimmt 
werden, so hat die MenschenfreundUchkeit 
des erhabenen Stifters durchaus dabey ge« 
wollt, dafs keine Züchtigung Ubettriebenj und 
nicht, wie wohl sonst, mit tyranmsoher Hirte 
vollzogen werden soll, damit durdiaus die 
Gesundheit aufrecht erbalten werde. An der> 
Stelle empfindlicher körperlicher Zuchtigu» 
gen ist hm und wieder Entziehung der ge^ 
Wohnlichen Beköstigung eingeführt, oder d^ 
StraSallige wird in einem besonderen BehUt« 
Bisse eiogesthlössen, in welchem er die be^ 
stimmte Aibeit verfertigen muis; andh sind 
für diejenigen, die fleifsig sind und sich 
durch ein^ bessere Aufführung auszeichnen» 
kleine Belohnungen ausgesetzt, die aber mit 
dem Gesundheitswohl im Verhältnisse stehieDi 
z* B. Fleisch, Bier u. s. f. 

Da endlich die Wollarbeiten, die hier 
die Hauptbeschäftigungen ausmacheli^ oft 
Gelegenheit zu gewissen Krankheiten ganz 
bc(sonders geben, so wird, nach Einrichtung 
des Arztes, in jedem Arbeitssaale emstlich 
dürauf gesdien, dals sich die Arbeitenden 



— i55 — 

Eiters Haade und Ge^jdit mit finschem Was« 
^r waschen müssen« So hat aber auch der 
nt hierbey auf alles, was zur Erhaltung der 
esundheit nothwendig und zweckmälsig ist, 
I sehen, Einrichtungen, Vorschläge« auch 
ohl AbänderuDgen anzurathen, die zur all« 
nneinen Verbesserung und Vervollkomm* 
Btag des Ganzen abzwecken. 

Da bey einer solchen Menschenzahl, in 
iasicht ihrer Speisung, die Zubereitung der 
peisen in gröfseren Geschirren geschehen 
n&y wozu man sich gewöhnlich grober 
esael bedient, so werden diese gehörig rein 
»halten, und sehr gut verzinnt. Auch das 
brige Geschirr, als Näpfe, Teller, Tisch- 
icher, Lö/Fel, Salzfässer, müssen stets sauber 
ad rein gehalten werden« Aulser dem Spe- 
aldtrector und dem Inspector hat der Arzt 
ie Obliegenheit, zum öfteren die Küche zu 
Biuehen, sich die Speisen vorzeigen zu las« 
n, aolche zu untersuchen und zu kosten, 
idi «einen Hath in Rücksicht der Znberei« 
mgen zu ertheilen; so kann er auch das 
•tränke 'untersuchen, ob allea der Gesund« 
nt angemessen geliefert wird. Vorzüglich 
it er aber auf die Beköatigung der Kranken 
1 sehen, damit alles nach seiner Verord« 
uiK^ erfüllt werde. 

ABe Zimmer werden im Sommer wöch^t« 



^ i54 — 

licli ein Paar mal rein gelüftet und durch« 
räuchert, so wie im Winter gehörig geheitzt. 
Einige der Gefangenen haben die Incumbenz, 
das Reinigen , Scheuren und Abfegen lu 
Terrichten, und alles was den Anstrich von 
Unreihlichkeit äuf^^ert, zu säubern* Die weih- 
lieben Gefangenen mlissen wöchenfli'ch, oder 
wie es die Umstände erforderen, unter Auf- 
sicht der Hausmutter und der KrankenwiD- 
terin das Trocluten, Rollen u. $• f. der sämt- 
lichen Hauswäsche besorgen , und alles auf 
das reinUchste und sorgfältigste wieder ans- 
bessern. Bey denen, die krank sind, wird, 
nach Vorschrift des Arztes, überall aorgßdtig 
auf reine Wäsche gesehen , so wie auch dM 
Bettzeug stets frisch und reinlich gereicht 
wird. Die Krankenzimmer werden, sobäM 
Kranke darin sind, rein , sauber und ordenli» 
lieh gehalten, gelüftet nnd durchräuchert, di^ 
Machtstühle zum öfteren ausgeleert nnd mit 
Wasser gereinigt; diese Verrichtungen ans- 
äen die Gefangenen unter sich theilen. 

Damit auch die Gefangenen die frische 
Luft genielsen können, ist ihnen tägUch, 
wenn es die Witterung erlaubt, zugestanden, 
auf dem grolsen geräumigen Hofraume in 
der Mittagsstunde, nach dem Essen, rine 
halbe Stunde zu verweilen, wo sie in G^gen« 
wart der Wachen sich bescheiden und stilit 



— i55 — 

unteilialteii können ^ und todanii wieder am 
ihre Arbeiten ^ehen. Derjenige, der Aeilsig 
ist, kann, wenn er aeiae bestimmte Arbei^ 
geKetert hat, hernach fUr sieh arbeiten, wo» 
für ihm der Ertrag baar ausgesahk wird, 
oder er kann sich dafür so manche Erieich« 
temng TerschafiFen; doch müssen iie Prifat« 
arbeiten auch von der Art seyn, dais sie 
weder Nachtheil der Gesundheit , noch des 
gemeinen Bestens erasugen« 

. Sobald ein Kranker mity Tode abgeht, 
der Verstorbene cfine merkwürdige Krankheit 
gehabt hat, und dem Arzte daraa gelegen 
isty werschiedener Ursachen halber die Lei- 
rfHmCfinpng su machen, so.muls däxu erst 
ErlaubnÜs von der Direction eingeholt werw 
.den, um auch hierin jeden widrigen Eindruck 
au beschränken. 

Jeder, der entlassen wird, und sehr arm 
ist, erhält, sobald er fortgehet, einen Zehr- 
Pfenning, damit er nicht sogleich in die Lage 
versetzt wird zu betteln u« s. f. -*« 

Ich fiige nun noch aus dem gehaltenen 
Jonmale die seit 2 Jahren , nämlich von 
i8oa bis i8o4» gehalteiie Krankenliste als Ue- 
bersicht bey, um yon den dabey gehabten 
Geschäften öffentlich Rechenschaft abzulegen. 
. in altem, wurden eingebracht io5 Perso-« 
nen. Hierunter waren a6 ZUchtlinge, nämlich 



— x56 ^ 

17 mSnnficfae und g weibliehe. An Arme] 
und Vagabpnden 8g 9 nämlich 65 männlich 
und 26 weibliche« Hiervon waren in diesen 
Zeiträume 67 Personen krank (manche hier 
Ton* wurden öfters kranke so dafs ich» wem 
ich jedeur^ noch einmal als einzelne krank< 
Person Aufführen will, 6^ Kranke zShlei 
kann).' 

Unter den^ Kranken befanden sich a< 
Ztichtlinge und 4? Vagabonden« 
Jln inneren Krankh. Aeufsere Kranke* 
\ Hectische. a Prolapsus uteri. 

a Epileptische« a Hemiosi. 

a Wassersüchtige« x Ophthalmia humida 

9 Blödsinnige. _ l Phymosis congeniia 

6 liysterische.^ a Panariuum^ 

\ Pemphigus« ^ I Vulneraäo Vulvae 

X Schleimschwindsucht ^ Frostbeulen. 



X Allg. Convulsionen« ' 

X faules NerFenfieber« 
xo Venerische. 
10 Krätzige. 
5 Gichibrüchige. 

x6 an intermittirenden/ catarrhalisdien und 
rheumatischeQ Fiebern krank« 



56. 

Gesund und gänzlich ^ geheilt entlassen 
von bedenklichen Zu/äUen: i Epileptiachen a 



— > «57 — 

WassersBohUge. x an der Schleimschwind* 
sucht. I Blödsinniger. 7 Venerische» 1 faules 
NerFenfieber. 

Unter allen starb nur eine Person, näoi- 
Hch die am hectischen Fieber litt, und schon 
als Kranke eingebracht ward *). 

Dr, Henning f 
* Hofrath und Hofmcdicat. 

^*) Hiersu werden aber weder die Officiantea» noch 
die Invaliden getrecbnet« die aämmdich fireie Arsaei 
bekommen, den Inipector am genommen. 



— i5Ö — 



V. 



E i n,e V e rgiftun|| 

durch den 

Saamen des Stechapfeli 
(Datura Strammonium L«) 



Xm October des Jahrs 1801 ivurde ich eilig 
nach ehiem benachbartea Orte 9 mit Namen 
Älbrechtsdorf, zn den Eheleuten Schmied^ 
chen berufen ) die plötslich krank geworden 
waren* Nachmittags um 2& Uhr kam ich da» 
' selbst an. Der Mann lag im Bette und die 
Frau auf ein wenig Stroh und Lumpen auf 
dem Stübenpflaster. An dem Manne bemerkte 
ich folgende Erscheinungen: Unaufhörliche 
Bewegungen mit den Händen und Armen, 
als wenn er bald die Spindel führte, bald 
seine Profession als Leineweber betriebe; 
pfteres Aufheben des Kopfes , Röthe im Oe* 
sichte, stiere Augen , mit grofser unbewegU« 



dii&t Pupille^ beständiges Murmeln und öfteres 
Seofiten, gSnzliche Sinnenbetäubung, sehr 
gespannten Leib^ bejr Betührung oder Drük* 
ktn ohne alles Seh mersgef tibi , Wärme über 
den ganzen Körper und sehr starke Muskel- 
kraft, sO| dais der stärkste Mann Mühe 
hatte 9 seinen Arm zu halten. Der Puls war 
stark und voll, und schlug in einer Minute 
auf achtzig mal. — Bey der Frau sah man 
die nämlichen Erscheinungen » wie bey'm 
Manne, nur nicht in dem hohen Grade. Ihra 
Bewegungen waren bey weitem nicht so he£* 
tig und stark, und ihre Sinne schienen nicht 
so sehr betäubt^ weil sie die Augen schlols, 
und bey'm , starken Anreden öffnete, ein 
Meikmal, dafs'sie einigermalsen hörte, Sie 
gab keine Antwort, sondern murmelte nur 
mandimal für sich. Der Leib, vorzüglich 
die Präcordien, waren gespannt. Der Puls 
sdihig ziemlich stark und voll, und an neun« 
zigmal in einer Minute. «^ Nun erzählte mir 
die Tochter, dafs sie, um ihre Aeltern ein«* 
mal zu besuchen, früh gegen g Uhr in's 
Haus getreten sey. . Bey ihrem Eintritte wäre 
ihr erster Bück auf die in der Hausflur lie* 
gende Mutter gefallen, die ganz kalt und 
bewttiätlos gewesen wäre, und sehr schwach 
Aäiem geschöpft hätte. Um zu sehen, ob 
der Yater SU fiCausa [wäre^ imd il|n zu Hülfe 



w (6* — 

KU Tüten ^ hatte sie die Stubenthfire geöffnet 
imd den Vater hinter dem Weberstuhb $it« 
zend erblickt. Da dieser auf ihr Ankommen 
und Anreden nicht merkte ^ nahte sie sich 
ihm, und fand ihn ebenfalls bewufstlos, nur 
. mit dem Unterschiede, dafs er nicht so kak 
war, wie die Mutter, und die Arme unauf- 
hörlich, wie bey*m Weben, bewegte, yoll 
Schrecken ruft sie die Nachbaren, die darauf 
d^n Vater in's Bette legen, und die Mütter 
in die Stube tragen. Mit Beben warten sie 
nun, ohne irgend etwas zu ihrer Rettung lu 
unternehmen, auf ihren baldigen Tod. Da 
dieser jedoch nicht sogleich erfo^e, .lief 
einer aus ihrer Mitte im Vorbeigehen xum 
Prediger des Orts , um demselben das Voc^ 
gefallene zu sagen* Ohne Verzug eilte dieser 
gegen ti Uhr in*s Krankenhaus, und schiehrtf 
dann sogleich einen Boten nach mir. Weil 
er eixie sehr grolse Hitze in der Stube Tor- 
fand, so liels er sogleich die Fenster öffinen. 
iBey näherer Besichtigung fand er, /dals die 
Kleider der Patienten aoa Leibe , an der 
Brust, und, yorzüglich bey^m Manne, am 
Halse sehr fest anlägen. Diese liels er fo^ 
gleich lüften. Da er vermuthete, daß diese 
Leute etwas Giftiges, und xwar giftige . 
Schwämme oder Pilze, genossen hätten, wen» 
dete er, nach dem Vorschlage, der Volks^ 

Schriften, 



- |6i - 

Schriften, den Essig aulserlich und innerlich 
an, und lieft Klystire aus lauem Wasser, Sali 
und Leinöl appliciren« Durch diese Behand« 

. lung wurden sie nach und nach wärmer, und 
Aeufserungen grölserer Thätigkeit fingen sich 
an zu zeigen, so, dafs ich brj meiner An« 
kunft obige Erscheinungen gewahrte. . Aus 
diesen , so wie auch au'i der Erzählung der 

•Tochter, schlols ich, da(s die beiden Eheleute 
ein reitzendes^ betäubendes Gift genossen 
hatten. Dies mn/sfe im Frühstücke gesche- 
hen seyn, weil ihr Söhn, ehe er aus deik 
Hause-auf Arbeit gieng, sie des Morgens ge» 
snnd verlassen hatte. Ich suthte daher über- 
all in den Schusseln und Töpfen nach, wor^ 
ans sie etwa gegessen haben konnten, und 

\&ind endlich einen Topf mit Mehlbrei, wo- 
ton sie etwa anderthalb Berliner Quart cum 
Frfih&tUcke genössen hatten. Auf der Ober« 
fliehe des noch übrigen Breies schwammen 
einige schwarze Kömer. Um diese zu be- 
aicbtigea, liels ich den Brei in eine Schüssd 
sdiüttien, wobei ich eine grolse Menge soU 
Aer Körner auf dem Boden des Topfes ent- 
deckte, 4i^ ich nun sogleich fiir den Saamen 
des Stechapfels erkannte. Die eigentliche 
Quantität konnte ich aus Mangel an Zeit nicht 
^ genau bestimmen; denn die Kranken brauch- 



— i6a -r 

ten meine Hülfe. Ihr Gewicht betrug etwa 
luiderthalb Unzen. 

Vermöge der durch Erfahrung bekann- 
ten incitirenden Eigenschaft dieses Saamenf^ 
hatte ich nun bey der Kur gegen eine Sthe- 
nie zu verfahren. Dals dieselbe noch nicht 
izi Schwäche aus Ueberreitzung übergegangen 
war, liefsen mich obige Symptome, vorzüg- 
lich aber die glücklich angefangene anti&the- 
Hische Kurart schlielsen. Dah^r fuhr ich 
bierin, nur in gröfserem Umfange, fort. Afit 
Erzählung der Kur mache ich bey dem Man^ 
' ne den Anfang. Vor allen Dingen gab ich 
ihm vier Gran in Wasser aufgelösten Brech- 
weinstein, um die noch reitzenden Stoffe aus 
dem Körper zu schaffen. Ich mufste den 
Brechweinstein wählen, weil ich den weissen 
Vitriol nicht zur Hand hatte , den /• Frank 
fa^onders bey diesen Vergiftungen empfieUjC, 
und jenen als zu langsam würkend verwirfu 
Wo Verzug statt findet, und wo die ausfiih- 
rQude Würkung des Brechweinsteins von 
oben und unten dem Arzte wünschensweith 
ist, wie dies der Fall bey meinem Kranken 
war, ist der Brechweinst^ gewils auch an» 
wendban — - Da nach drei viertel' Stun^efl 
noch keine Anzeigen, dals sich Vomiren eiü« 
stellen werde, «u bemerken waren, so gab 
ich ihm wieder iswei Gran, und wiederholte 



^ 163 — 

^ einmal diese Gabe aadr einer Kalben 
Jidei wobejr ich Öfters kUblea Wasaet 
litiinkeh lie£i. Bey'm Einnehmen dieser 
tel schlois er allemal den Mund fest su, 
l bils die Zähne zusammen ^ so, dafs ich 
Nase zuhalten mulste, um ihn zu nöthi« 
^ den Mund, des Athem*Schopfens wegeui 
öffaen. Nachdem; er auf diese Art acht 
in Brechweinstein genommen h^tte, so 
»Igte eine starke Ausleerung von oben^ 

Dinge, welche er den Tag zu sich ge* 
amen hatte. — Nach der ersten Gabe 
' ärechmittels liels' ich ihm eine Ader auf 
1 linken Arme, der mir am bequemsten 
» öffnen, und etwa la Unzen Blutvweg» 
hmu Bey'm Halten des Arms bewieis er 
e s^che Stärke, dals. gerade zweiiMea* 
Bki! üuee Kräfte anstrengen mulsten , ' ^um 

fielst tu halten. Nach .d^m Aderlässen 
I ich Klystire aus Bieressig nnd. Wasser«, 
^ zu gleichen Theilen, appliciren, die 
r. jetzt noch keine Würkung durch Aus« 
liing thaten, sondern ^el«t einige. Zeit 
b erfolgtem Erbrechen» Nun wuijden seine 
rc^^ODJgoa lebhafter, und die AeuIserungeB 
ler Kräfte noch stärket , so, da£i er sich 
es' im Bette ausrichtete, und nach etwas 
itt suchte. Seine «Sinne bUeben abei 
h;.betittbt. Idi verordnete nun innerlich ^ 

La 



— i64 — 

blo« den. Gebrauch des Essigs aus Bier und 
der Buttermilch, Mittel, die der Arzt auf 
dem Lande am besten bekommen, und bej 
sthenischen Krankheiten sehr pa&lich anwen- 
den kann* Aeulserlich liefs ich in Essig ge» 
tauchte Stücke Leinwand tiber den JKopf 
schlagen. Durch diese Behandlung,' nach- 
dem er sehr häufige Leibesöffnungen gehabt 
hatte, wurde er bald so weit hergestellt, dafr 
er schon den anderen Tag freie Zwischen- 
riiume hatte, wo seine Sinne wiederkehrten. 
Nur bisweilen fiel er in Phantasiren und ei* 
nige Betäubung zuriick. Den dritten ^Tag 
d>er war er bey'm ferneren Gebraudie d« 
Buttermilch und des Essigs so weit heige* 
stellt,, dafs er in seinem Garten-leidite Ar- 
beiten wieder zu verrichten im Stande waiw 
Nun brauchte er nichu mehr. Er klagte 
jetzt blos noch über einigen Schwindel, der 
sich aber in acht Tagen wieder ron selbst 
verlor. 

Mit der Frau verfuhr ich fast auf dto 
nämliche Art ; nur lieft ich ihr, ihrer schwtch« 
liehen Constitution und der nicht so hod& 
gestiegenen Erregung wegen, keine Ader öff» 
nen, sondern fuhr so lange mit dem Ge« 
brauche des Brecbweinsteins und der Klyitirt 
fort, bis sie häufige Ausleerungen yon dben 
«nd unten bekanf* Vom Breohweinsceine = 



— i65 — 

•rhielc sie sechs Gnn , worauf nach s Stun^ 
den die WUrkHng; erfolgte* Kaum war diei 
geschehe^, so kam sie schon wieder' zu ihrem 
Bewulstseyn. Sie erlangte gleich dadurch die 
Kräfte 9 vermöge einiger Leitung aus der 
Stube in den Hof gehen zu können > wenn 
m eine LeibesÖffnun^ drängte ; denn sie war 
durchaus nicht dazu zu bewegen, ihres Un« 
radis sich in der Stube zu entledigen. Durch 
den Gebrauch des Essigs und der Buttermilch 
war sie den anderen Tag bis auf einigen 
Schwindel und einige Mattigkeit gänzlich 
Wieder hergestellt. "^ 

Beide leben heute noch gesund und 
wohl« Nur ist in ihrem ferneren Leben dies 
noch bemerkenswerth, dafs beide nach eini- 
ger Zeit böse Geschwüre am linken Beine, 
Ticin den Knödeln an bis zum Knie^ beka- 
fien« Dies habe ich nicht selbst geseheni 
Mudfitn bey einem ohogefahren Zusammoi- 
qreff^n erzählte mir . der Mann Folgendes : 
Bey beiden wäre, einSge Wodien nach ge- 
schehener Vergiftung, auf dem linken Beine, 
gegen die Wade zu, eine kleine Blatter ent* 
senden, die viel Röthe, Hitze und Schmerz 
yerarsacht hätte, und bald wäre ein heifses 
im4 scharfes Wasser daraus geflossen. Hitze, 
Geschwulst ujid Schmerz vermehrten sich 
irnni^ mehr, und- neue Blattern oder Ge- 



— i66 — 

schwüre schössen am Beine auf, so , dals 
nach und nach das ganze linke Unterbein 
dayon eingenonimen "wurde* Beide heilten 
sich die Geschwüre mit einer Schmiere, die 
sie aus Kalbspfoten auskochten, und anderen 
Dingen mehr. — AU Folge einer specifischen 
oder materiellen Würküng des heftig indti- 
renden Stechapfelsaamens ist diese Nach- 
krankheit wohl nicht anzusehen. Leichter 
laFst sich dies Uebel aus der dynamischen 
Würkung ableiten. «Denn durch VerSnde- 
«rung des Dynamischen», sdigt Hufeland *)y 
«läfst {'ich der materielle Zustand nmändem. 
« — Jede Beitzung an sich führt, /a schon 
»eine materielle TJmänderung der StoflFe mit 
«'Sich; und nun kann ja diese Beitzung in 
i<allen, auCh entfernten^ Theileh eine Uman- 
«deruDg der Lebensthätigkeit herrorbringen> 
«wodurch die Einwürkung der Organe auf 
4(die Materien und Säfte so yerändert wird, 
«•dafs auch eihe Veränderung dieser Materien 
«erfolgen mufs> — Dafs also nach der Y^ 
giftung GesohwUre an den Beinen- folgten^ 
itt nicht der specißschen Würkung des Sted»* 
apfelsaamens beyzumessen. Eine solche ma^ 
terielle Veränderung kann jede auf die Er« 
tegbarkeit stark würkende Potenz herrörbriiH 

*} S. System' der prah. Neilk. i B« $. 08 n. 48 ffft 



- i67 - 

gen. Warum aber diese materieUe Umänderuag 
bef beiden bips am linken Beine zum yor* 
scheine gekommen, und ob dieselbe etwa von 
obngefahr daselbst entstanden, oder im Or- 
ganismus selbst gegründet, sey? wage ich 
nicht zu exitscheiden« 

Nach der Wiederherstellung erkundigte 
ich mich sogleich, warum sie den Saamen 
des Stechapfels zu ihrem Essen gethali hät^ 
teü? Hierüber erzählte mir der Mann^ der 
67 Jahre alt ist, Folgendes : Er habä den 
ABend vorher diesen Saamen aus seinen 
Kapseln herausgemacht, und in einen Topf 
gethan; die Frau habe des Morgens diesen 
Topf genommen, ohne vorher hineinzusehen, 
und den Brei darin gekocht. Bej'm Essen 
wären sie zwar die schwarzen Körner gewahr 
geworden, hätten aber doch davon gegesseni 
und wurden wahrscheinlich noch mehr davon 
genossea haben, wenn er -ihnen, seines wi- 
derlichen und fremden Geschmacks wegen, 
nicht .zun Ekel gewesen wäre. (Doch hat. 
der Mana ohnstreitig mehr davon zu siph 
genommen, als die Frau, weil die Würkung 
b^y ihm veit heftiger, als bey ihr wan Dies 
wufste er aber nicht genau anzugeben.) Kurs' 
nach dem Sssen hätte die Frau (die 68 Jahre 
alt ist), ley*m Herausgeheii aus der Stube 
zu ihm gesagt, ^^afs ihr '^anz übel und 



_ i68 — 

wirblicli "würde. Dies hätte er noch geholt. 
Dana wäre er bey'm Wirken , ohne eine 
Uebelkeit oder tonst etwas zu spüren, nach 
und nach bewufstlos geworden, und er könnf 
sich in diesem Zustande auf gar nichts ent- 
sinnen, dals er etwas gedacht oder gefiihlt 
habe«. Das nämliche behauptete auch die 
Frau. Ans der Stube war sie noch in den 
Keller gegangen, bey. ihrer Zurückkunft aber 
bewulstlos ins Haus hiogefallen. *^ Auf 
meine Frage, wozu sie eigentlich den Stedi» 
apfelfaamen brauchten? erfuhr ich zu. meinem 
Ersuunen, dals sie ihn für ein sehr gutes 
Mittel bey den Kühen hielten, das die.BSildi 
i>aförderta und vermehrte, und denselben 
Schwarzkümmef nannten* Diese Verw echte* 
lung mit dem eigentlichen Schwarzkümmel 
{Nigella sativa und arvensU Xr.) aoU^an. 
mehreren Orten Statt findfän. Viele handert 
haben sich gewils schon dadurch aus Unwis- 
senheit ibr Vieh getödtet. So erftihriph zur 
Zeit obiger Vergiftungtgeschichte , wcbey, die 
I^ute auf die schädliche Wuikung des Steche 
apfelsa^mens aufmerksam wurden , dals ein 
Paar Einwohner, des Dorfes ihre Kühe da« 
durch ohustreitig getödtet hätten. Ich mache 
daher die Physici hierauf aufmerksam, nach- 
zuforschen, ob in ihren Gegenden sine solche 
schädliche Verwechselung obwalte; denn der 



— 169 — 

Satans de% Schwarzkümmels , roniiglich von 
der Nigella sativa^ "wird fast all|[emeiii von 
den Laodleuten für ein sehr gutes Mittel zur 
Beförderung der Milch gehalten^ und als sol- 
ches häufig angewendet* 

Nun noch eine kurze BemeriLung» /• 
Frank sagt, dals die Analyse alier Erschei- 
nungen nach dem Genüsse des Stechapfels, 
SD wie der Nutzen dessdben in yielen asthe- 
nischen Krankheiten^ lehre, dafs er ein inci- 
tirendes Gift besitze *Y. Nach meiner Mei* 
n^ng würkt er im Allgemein*en indtirend 
-auf -die Erregbarkeit des ganzen Organismus, 
spteifisch aber vorzüglich auf die Erregbarkeit 
der Nerven. Eine spedßsche Würkung n&m- 
heb, sagt Hufeland *^), schliefst eii|e damit 
verbundene allgemeine Würkung nicht aus. 
Alle Erscheinungen, die bekannt genug sind, 
und. die ich zum Theil schon oben angeführt 
habe, besonders die tiefe Sinnenbelangenheit^ 
beweisen dies. D^her nennt Hufeland m 
einigen Orten den Stechapfel, -vorzüglich den^ 
Siaamen^ mit Recht das grölste Obstupefacienz, 
das. er ^enne. •— In' Rücksicht der Kur be- 
merke idi noch folgendes. Gegen diese Ver- 
giftung hat man die PAanzensäuren als.diiB 

*) S. Handbuch der ToxieohgU etc. %, I33. 
♦•) a. ». O. S. 5o. 

I 



~ 170 — 

vorzüglichsten Gegenmittel empFohlen. Ob 
diese chemi ch dagegen würken, und das 
heftig reitzende Princip zersetzen,, ist noch 
durch keine Versuche dargethan. Ich glaube^ 
dals sie in solchen Krankheiten blos antisthe- 
nrsch wUrken , ' und bey hohem Grade ent- 
standener Stheuie, ohne Mithülfe stärkerer 
antisthenischer Mittel, nichts für sich aUein 
ausrichten werden, und besonders nicht ohne 
Brech- und Abführungsmittel , wenn ganzer 
Stechäpfelsdamen oder eine Menge damit 
vergifteter Speisen, genossen worden sind» 
In diesem Falle scheinen mir Brech - und 
Abfiihrung^mittel auch nöthig zu seyn, wenn 
gleich die Sthenie schon in Asthenie überge- 
gangen ist. Denn ohne Herausschaffung aus 
deai Korper des immer noch schädlich 
wurkenden Saämem, oder der vergifteten 
Spe^ise, möchten die von J. Frank empfoh- 
lenen Reitzmittel *) wohl kaum mit Nutzen 
apge^endet werden/' ' . 

Dr. Pfennige 

- ■ ' .prakt; Arst zu Sorau in der 

N. NiederlaKfiiu. 

♦) S. a. a. O. §. 124. 



— 171 — 

Nachtrag. 

Nachdem ich obige Abhancilung zum 
Abdrucke schon eingeschickt habe, ist mir , 
neulich noch eine Vergiftung mit dem Saa- 
men des Stechapfels , bey^ ein Paar Kindern 
eines Schäfers in Laubnitz , einem benach- 
barten Dorfe von Sorauy vorgekommen. Ich 
liefere eine kurze Befichreibnng dieser Veb-* 
giftung als Nachtrag, um sowohl den oben 
angegebenen Kurplan, ab auch meine Mei« 
nnifgen über die Wurkung des Stechapfel- 
tfaamens zu bestätigen. 

' '■-" Auf Anweisung und Anrathen eines 
grSfseren Dienstjungen essen jene Kinder 
vott äaamen des Strämmoniums , und halten 
ihn für Mohn, der in unserer Gegend von 
den Kindern sehr geliebt wird. Das filtere 
Kind, wel<ihes nur wenig davon genidfst, 
wird'blos taumlich und fallt in eiti mäfsiges 
-Delirium, wovon es bald' durch einige Kly^ 
stiere von Essig, Leinöl und lauem Wasser^ 
und durch den Genufs des Essigs mit Was- 
ser und der Buttermilch befreit wurde. Das 
jüngere hingegen, ein Knabe etwas über s 
Jahre alt , welches viel vom Saamen gegessen 
hatte, und bey dem auch schon vielleicht 
relativ derselbe stärker würkte, fiel bald in 
Bewulst - und Sinnlosigkeit, und strengte 



seine zarten Glieder mit der gröTsten Gewalt ^ 
an, so, dals es zwei Leute halten mufsteut 
um dasselbe im Bette zu erhalten. Bevor ge- 
hörige Hülfe angewendet werden konnte/ 
yerliefen mehrere Stunden. — Nachdem fünf 
Gran in Wasser aufgelösten Brechwein^teins, 
in zwei Gai>eny mit Mühe, weil es' den ^ 
Mund und die Zähne fest zusammen inisf 
eingebracht 9 und einige Klystire appliciirt 
waren y , so stellten sich einigemal Leibesöff- 
i^ungen ein^ welche vielen schwarzen Schleim 
und Körner vom Stechapfel abführten. So- 
gleich wurde das Kind ruhiger, und . erholte 
sich in kurzer Zeit bey dem Gebrauch« der 
säuerlichen Buttermilch, des Essigs und eines 
Säftcheos aus Mannasyrup und der wässjeri« 
gen RhabarbarrTinctur. 

Ich enthalte mich hier aller weiteren 

-Anmerkungen, indem das Gesagte im obigen 

AttfiMiUe mein^ Meinung vielleicht schon 

bitilänglich erklart und die Würkung des 

Stechapfelsaamens bestimmt. 



— lyS — 



VI. 

Kurze N a chrich^ieii 

und 

medizinifche Neuigkeiten, 



Antßigt eines bey Nervenkrankheüen sehr 
würksamen Mittels. 



Ei 



JS' bedarf nicht immer neuer Mittel ; Wfh 
eine neue Verbindung , eine . neue odei^ ge« 
naner bestimmte und bestätigte Anwendungs- 
iit ichon bekannter Mittel)^ kann ein neuev 
und sehr -willkommener Zuwachs für di« 
Beilkunst seyn. / — In dieser .Hiuicht glaub» 
ich allen practischeb Aerzten (denn nur jEUc 
diese ist dies Journal bestimmt) einen- Dienst 
XU thun, wenn ich ihnen eine Zusammen* 
••tnng bekannt 'nuiche>. deren ioh midi nmi 



. . -.,74 ,^ 

9eit 20 Jahren mit dem beständigsten glück- 
lichsten Erfolge bey Nervenkrankheiten be- 
dient habe, und noch bediene, 
.Es ist -folgendes: 

Ifi. PoL Aurant. virid., Rad» Caryophyllat,^ 
F'alenan. Sylv.y Summit. MiUefoL atia 
C. M. D: 

Von dieser Spe/feies werden nach Ver- 
schiedenheit der Umstände ly 2} pder 3 Eis« 
lÖffel voll, Abends mit i Pfund Regen-Was- 
s^ übergössen, die Nacht hindurch wohl zu- 
gedeckt stehen gelassen, und früh durch 
Leinwand gegossen. Dann trinkt man früh, 
Nachmittags und Abends (oder bey zu gro/ser 
Reitzbarkeit, öfters und in kleinen Dösen) 
jedesmal den dritten Theil kalt. 

Wenn dies Mittel in Verbindung einer- 
gehörigen Lebensart (besonders körperlicher 
Bewegung, freiem Luftgenusse^ und leicht- 
verdaulicher nahrhafter Diät), lange, ' d. h. 
viertel und halbe Jahre lang, regelmtJGsag 
fortgesetzt wird, so kann es grofse Kuren der 
iiartnäckigsten Nervenkrankheiten bewürkea. 
•Die Fälle aber, wo es ganz vorzüglich heilsani 
ist, sind: wenn die Nervenschwäche mit eine^ 
ganz besondem Heitzbarkeit des Nerven * oder 
^tttsy Sterns, oder- einzelner Organe, vorzüg- 
-Ikk der Lungen, verbunden ist, wo man ofic 
ähordiaus keins voa.d^ gewöhnlicheii ajlarkeni ' 



fluchtigen oder permanenteil Reitzmi^eln oh- 
ne Nachtheil anwenden kann; eben daher 
bey Njer^enkrankheiten in weiblichen und 
zarten Subjecten, wo sie bekanntlich oft zu 
einem unglaublichen Grade der Reitzbarkeit 
steigen kann ; und endlich auch bey schon 
bestimmten und formirten Krampfkrankhei- 
ten, Epilepsie, Chorea, Catalepsis etc. — 
Der Vorzug dieses Mittels scheint in der 
Verbindung flüchtiger, aber sanft und bele- 
bend auf die Nerven würkender. Bestand- 
theile mit anhaltend stärkenden (aber eben- 
falls nicht zu stark und schwer au£fallenden) 
zu seyn, wodurch die Wilrkung nicht allein 
momentan besänftigend und palliativ, sondern 
auch für die Dauer stärkend und indirect 
heilend wird. — Sehr nützlich kann man# 
nach Maafsgabe der' Umstände , andere pas- 
sende Mittel, z. B. die Mineralsäuren, die 
Metallkalche, das Exrr, ffjrosc. damit verbin- 
den, und ich ha1>e gefunden, dafs selbst die 
Wilrkung dieser Mittel , die oft noch zu 
reitzodd ist, durch diesen Beysau cprrigirt 
wird. 



— 176 — 

' Kür der venerischen Krankheil durch 
/ BraunsteinJ\ 

leh habe gegen die Krankheiten, ton 
soabioser und herpetischer Natur, besonders 
aber die venerischen, in dem 6raunsiein 
{Magnesium') ein trefliches Mittel gefunden« 
Ich habe davon aus den SthweiFel-, Sälx-, 
£ssig-, Weinstein-, Zucker- und flüssigen 
Phosphorsäure, Crystalfen erhalten^ und ihn 
in diesen Formen angewendet, in welch^i es 
innerlich in dieser Gestalt noch nie gesche* 
hen ist. Ein auswärtiger berühmter Arzt, 
dem ich Crystallen von 4®m salzsauren Qxj» 
de überschickte, fand, dafs die Bräunsteihn 
Oxjde Aufmerksamkeit verdienen, indem auf 
den Gebrauch des Salzsäuren Kalks venerische 
Bubonen sich zertheilten, Schankef glücklich 
widien u« s. w. VvA wenn es vollends .wahr 
ist, was Gren in seiner Pharmacolögie be* 
häuptet, dafs nur die Kenntnifs der votWat^ 
tisnden Grundtheile der Arzneimittel, die die 
Chemie kennen lehrt, die Würksamkeit- der 
Mittet bestimme, und eine sichere Grundlage 
abgebe, um eine wissenschaftliche Classifica* 
tion darauf zu errichten, so gehört das Ma« 
gnesium mit seinen Oxyden z\^ denjenigen 
Mitteln, welche die Aufmerksamkeit der Aerate 

bey 



— »77 — 

' bey HeiluQg der Krankheilen in Kohem Grade 
erregen mUssen. — 

Nächstens werde ich meine Erfahpungea 
in einem ausfuhrlichen Werke der Welt mit- 
theiien« (Von Hrn Dr« Kapp zu Bayreuth.) 



3- 

Glückliche Heilung der Angina polyposa hey 
einem, Kinde. 

Vor acht Tagen traf mich das Loos, diese 
gefahrroUe Krankheit an meinem eigenen 
Kinda zu erleben. — Ich kam um la Uhr 
des Nachts zu Hause, und erkannte sogleich/ 
durch das geräuschvolle Athmen und den 
characreiistisehen Ton desHnstens erschreckt, 
den furchtbaren Feind, mit welcheiü ich bey 
meineni anderthalbjährigen Mädchen zu kiim- 
pfen hatte. Ich vierordnete sogleich ein 
Bnchmitrel aus Tart. Emei.^ und einige Stniir 
den nachher 3 Blutigel , die aber einen fast 
Ztt'grölsen Blut^eilust verursachten, indem 
das Kind ohnmächtig jvirurde, und beinahe 
Zuckungen bekam, innerlich erhielt es Canf* 
-pher mit Kermes. Das Quecksilber innerlich 
taätaiwendea, wagte ich bey diesem Kinde 
3UX. B. I. St. M 



aicht, da es so sehr zu Diarrhöen genei|;t 
ist; statt dessen wu^de alle 3 Stunden 3/ 
Unguent* mercur. auf den Leib, Rücken und 
Lenden eingerieben. Die Stelte, wo am Mor- 
gen die Blutigel gesessen hatten, wurde atn 
Abende mit einem Blasenpflaster bedeckt 
Diirch diese Behandlung wurde dieses mir so 
theure Kind glücklich gerettet. , 



4- 

Auszug aus einem Schreiben des Um. D. 
H. Lichtenstein an den Hrn. Professor W* 
* Remer in Helmstädty vom Cap. 

Capsudt den 28. August i8o5. 

• • • Sie wünschen medicinisdie Neuig- 
keiten vom Gap \ Darunter gehört denn ent 
die, dafs hier ein sehr gut eingerichtetes 
Militäthospital ist, mit dessen Eiaricfatiing idi 
Sie nicht unterhalten will, weil sie mit dtaen 
der Französischen Hospitäler am Rheine sieoi- 
Jich übereinkommen würde. Denkeii Sie sich 
SU einem solchen die Holländische Reinlich« 
keit hinzu, vernehmen Sie, dala von 6 miter 
einem Directeur en Chef stehenden ChiruT' 
^giens' Majors^ drei deutsche Doctores Med. 



— 179 — 

sind, und düls Professor Brugmans in 
Leiden zu dem Ganzen die Idee und 
halbe Ausführung geg«ben, und Sie wer* 
den von dieser Anstalt eine richtige Vorstel- 
lung bekommen. Die hiesige Garnison be- 
steht zur Zeit nur noch aus ao.io Mann. 
Von diesen &ind eins in's andere gerech- 
net mit chronischen und syphilitischen Krank- 
heiten 80 bis 100 immer im Hospital. Bis 
jetzt starben monatlich 3 bis 4^ die äufserlich 
schwer Verletzten und nicht in's Hospital ge-* 
kommenen mit gerechnet; dies giebt 40— -44 
aufs Jahr, also eilie Mortalität von etwa a 
zu 100. Dasselbe Verhältnifs gilt von den 
weissen Bewohnern der Capstadt.. Unter den 
.Sciaven ist die Mortalität etwas grölser. Sie 
aind gefahihchen anginösen Zufällen 'ausge- 
setzt, und in der Mitte des Sommers herrscht 
unter ihoen ein Typhus , dem die mehrsten 
sogleich erliegen. Unmafsigkeit im Trinken 
nnd der ungjaublich häufige Genuis des Spa- 
nischen Pfeffers, den sie würklich ohne Ue- 
bertreibung mit Löffeln fressen, lassen diese 
Malignität leicht erklären« ^ Unter den Euro- 
pfäern stellt sich der Typhus nur sporadisch 
ein t und ist nicht sehr malign. Desto niehr 
}ei<len bie von cheumatischen und arthritischen 
Hebeln f- die die häutige und schnelle Abwech- 
teiung- 4es''hygrometrischen und tbermome- 
- M 2^' 



— i8o — 

trischeli Zustandes 'der Luft herbey fuhrt« 
Diese Krankheit ergreift oft die jüngsten Sub- 
j^cte, vorzüglich haben Personen weiblichen 
Geschlechts in einer. gewissen Periode dazu 
einegrofse Disposition (eine Bemerkung, die 
mir neu gewesen ist)y und dann hat die 
Gicht hier eine Heftigkeit un^l Hartnäckig 
keit'y die man in^ Europa selten finden . wird» 
Den gewöhnlichen Mitteln weicht sie hier 
selbst bey jungen Leuten so wenige als man 
* bey uns die ^Iten Sünder • oder Erbpodagri- 
sten damit heilt. Das warme Bad^ zwei Ta- 
gereisen von hier, zeigt sich noch am würk- 
samsten dagegen» Den Soldaten ist ni^phts 
furchtbarer, als eine Art von Diarrhoea mu^ 
cosa^ die zuweilen selbst in Dysenterie über* 
geht, und der besten Behandlung zum trotzet 
zwischen Tod und Besserung schwankend, 
oft Monate lang, anhält. Ich schlug eibmal 
radix Columbo vor, die so gute Diensta 
that, dafs sie bey dieser Art seröser Perftu« 
vien jetzt fast immer und mit gleichem Niur 
zen im Hospital gebraucht wird. -^ Als einä 
neue Krankheitsart nenne ich Ihnen den Mo- 
sembiquer- Schorf, ein herpes- ahnliches ckroM 
nisches Exanthem über den ganzen Körper, 
das die peuen Sclaven fast alle mitbringen, 
wenn sie nach ihrer unglücklichen Reise, aus 
dem schmutzigen Schiffsräume hier ans Land 



— i8i — 

steigen. EiaPaar neugekaufte Sclaven des 
Gouverneurs ' heilte ich glücklich mit der 
Salzsäure zu 5fi — j täglich, wobey ich äufser- 
Jich eine sehr verdünnte Auflösung von Su- 
blimat und Vitriol 9 abwechselnd mit warmen 
Bädern und Oel - Einreibungen gebrauchen 
ließ. . — " 



Unterscheidung der. ächten und unächten An-> 
gustura^ Rinde^ und die schädlichen tVür^ 
hangen der' letztern. 

Ich halte es für Pflicht, die von dem 
Magistrate zu . Hamburg bekannt gemachte 
Anzeige auch meinem Journal einzuverleiben, 
tun sie desto allgemeiner unter den Aerzten 
bekannt zu macheu, was sie so sehr verdient 
Von der Gewifshelt dieses Unterschiedes hat 
mich die Erfahrung ein Paarmal selbst überzeugt, 
da meine Kranken nach dem Gebrauche der 
Angustura «in Gefühl von Erstarrung, Angst, 
Ermattung und Beweglösigk^it (ganz so wie 
in d^r Nachricht angegeben ist) bekameni^ 
was ich sonst nie nach diesem Mittel bemerkt 
hatte, und was ich mir daher nicht erklären 
konnte. 



— i8a — 

Da in Erfalining gebracht worden, dais ein ADg;u- 
•tmra-Decoct, eine Medicin, welche bekanntlich als ein 
Starkendes Mittel angewandt zu werden pflegt, krampf- 
hafte Zuckungen, Schwindel, Angst . Ermattung und ein 
unangenehmes Gefühl von Beweglosigkeit bey einet* tu 
Krämpfen nicht geneigten, gesunden und starken Con> 
stitution verursacht, und aho wurklich giftige. ^narkotische 
Eigenschaftf-n gezeigt hat, die nur durch ein zeitig be> 
wurktes Brechmittel gehoben werden' konnten; so ist' 
sogleich von Obrigkeits wegen eine Untersuchung der 
angeblicben Angustura - Rinde, aus welcher das Decoct 
bereitet worden, verfugt, und sind die Resultate dieser 
Untersuchung von der Wichtigkeit, dafs Ein Hochedler 
Rath es für nöthig trachtet hat, zur Warnung und Be- 
lehrung des Publikums, und besonders derer, die diese 
Sache näher angeht, sie öffentlich bekannt zu machen, 
und durch ein unterm ii. May d J- pnblicirtes Mandat 
den Verkauf der unächten sogenannten Angustura- Rinde 
allen Apothekern und allen denen, so aul'serdem Madi* 
ein ansgeben, bey Strafe zu verbieten. 

Zum Behuf der verfugten Untersuchung, die dem 
Herrn Doctor Johann Jacob Rambach übertragen wor- 
den , wurden demselben drei Päckchen mit einer Rind^ 
welche hieselbst für Cortex angusrnrae verkauft worden» 
überliefert. Eins enthielt die Rinde, aus welcher dai 
Deeö^ bereitet worden, und wird in dem Gutachten 
mit No. I. bezeichnet, ^o. s, und 3. enthielten Proben, 
die von einigen hiesigen Material - Händlern eingeliefert 
waren. 

* Das vom Hm. Dr. Rambach abgegebene Gutachten 
ist folgendes:' 

Die ächte v^rahre Angustura -Rinde, welche erst seit 
dem Jahre 1788 bekannt geworden ist, kömmt von einem 
noch nicht • botanisch bestimmten Strauch, den einigt 



— 183, — 

für die Bntcea forrug^inea , andere für eine Art der Mag' 
nolia halten. \ 

Dieser Strauch ist in Sud -America einheiniiach , fin- 
det sich aber nach einigen Seht iffsi eilern auch auf der 
Insel St. Trinidad. Ihre unterscheidenden Kennzeichen 
werden- folgendermafsen angegeben: Sie soll äufserlich 
blaCigelb und mit kleinen queerlaufenden Furchen verse- 
hen, inwendig hellbraun; beynahe gelb» leicht, nicht 
zosamnieh gerollt, zerbrechlich^ und auf dem Biuche 
haizig und etwas dunkelbrauner seyn, eiiien gewurshaf* 
ten und etwas widrigen Geruch, und einen ziemlich, je- 
doch nicht unangenehmen, bittern und dabey betondera 
•cbarlen Geschmack haben, und beym Käuen dunkel- 
braungelb werden. Mit diesen Kennzeichen stimmte eine ' 
Qiiantität vollkommen überein, welche ich mir aua'i;iner 
guCen hiesigen Oflicin verschafft hatte, so wie eine an- 
dere, welche ich am 3ten d. M. von der Prätur erhielt. 
Daa Pulver dieser Rinde fiel maUig dunkelbraun aua. 

In der Rinde No. i. fand ich eine auifallende Ver- 
•ckiedenheit in den darin enthaltenen Stücken. Einige 
waren dünner und zerbrechlicher, ala die übrigen, auf 
«der äufsern Seite von darauf gewachsenen Moosen und 
FlechtCT, grau, weifs, gelb und rostfarben gefleckt» auf 
dcir innern Seite aber schwarz. Diese Gattung schmeckte 
ziemlich |)itter, aber nicht merklich scharf. £in anderer, 
und bey weitem gröfserer Theil, hatte auf der äufseren 
Seite zwar das nämliche Ansehen , war aber auf der in- 
nern Seite gelblich , auch wohl hellbraun , wie die ächte 
'Angustura, und besafs eine ungemein starke, die Quas- 
sia sogar übertreffende, widrige^ Bitterkeit , welche, un- 
geachtet ich kaum einen Gran davon gekäuet hatte, sich 
erst nach einigen Stunden völlig verlor. Diese Art er- 
. Hielt durch das Käuen ein bleicheres Ansehen. Endlich 
Csnden sich darin noch einzelne Stücke» welche anf der 



, — i84 — ' 

innem Seite gans dunkelbraun war*»«, und ftst eben so 
bitter schmeckten , als die von der zweiten A^t; Einen 
schärfen Gescbmack konnte ich bey beiden nieWt bemer« 
ken. Die erste An lieferte ein hell bräunliches, die tweite 
ein beUgelbes und die dritte ein Schmutzig graubraunes 
Pulver. Der Geruch dieser Arten zusammen hatte Aeh'n» 
lichkeit mit dem der achten Angustura^ yrkr aber viel ^ 
stärker« 

Die- Rinde in ydem Päckchen No. 2. verhielt sich 
eben so ^ wie die zweite Art von No. t. Sie war aus« 
serlich fleckigt und inwendig gelb oder auch hellbränn« 
lieh., wurde beym Käuen bleicher, lieferte ein hellgelbes 
Pulver , und hatte ganz die oben beschriebene Bitterkeit 
ohne Schärfe, - 

Die sub No. 3* eingeschickte -hatte durchaus' die 
nämliche Beschaffenheit. Der giofste Theil dieser Rio» 
den war schwer zu zerbrechen und zu schneiden, und 
war auf. dem Bruch nicht dunkler. Die Streifen aiif dsr 
auTseni Seite fehlten fast überall. 

Ich versuchte nun die Verschiedenheiten dieser Rin- 
den und ihrer Bestandtheile durch Infundiren, Abkochea 
und Digeriren mit Weingeist noch nÜher zu erforschen, 

I. Zu dem £nde übergofs ich von jeder Quantität 
ein halbes Quentchen, gröblich zerstofsen, mit drei Un- 
zen siedenden Wassers und liefs dieses 24 Stunden dai«^ 
über stehen. 

Die ächte Angustura gab einen klaren, schon helU 
braunen Aufgufs. der durch eine Auflösung von schwefei- . 
saurem Eisen gar nicht getrübt wurde, und dnen nicht 
unangenehmen biitern Geschmack halte. Durch kohlen- 
saures^ Kali ward er getrübt, und eirt citronengelber Nie- 
derschlag erzeugt. 

Die sub No. i. lieferte einen trüben, hellbräunent 
dem dünnen Bier ähnlichen Aufgufs, worauf ein färben-' 



— ia5 ~ 

«pSelendes Häntcben schwainin, mit einem sehr stark 
.bittern Geschmack. Durch schwefelsaures Elsen wurde 
er schwarsgrün gefärbt^ und durch kohlensaures Kali 
getrübt, und ein grüngelblichei' Stoff daraui niederge« 
schlagen. 

Die sub No. 3. und 3. gaben einen klarem un4 
bellern AuFgufs^ der ebenfalls iehr unangenehm bitter 
schmeckte, d\irch schwcfelsauies Eisen schwarzgrfin und 
durch koblensaures Kali grüngelb gefärbt ward. 

II. Ich kochte ferner von jeder Quantität ein Quent- 
chen mit zwei Unzen Wasser, eine halbe viertel Stande 
4aiig* und seihte die Abkochung durch Leinen. 

Die ächte Angustura gab ein schönes, Iicbtbraunes, 
helles Decoct, das beym Erkalten trübe ward und einen 
gtfohgelben Bodensatz fallen liefii, angenehm^ bitter 
ichmeckte, durch schwefelsaures Eisen gar nicht verän- 
dert wurde, und nach dem Zusatz von kohlensaurem 
Kali emen gelbbräunlichen' Niederschlag fallen liefs« 
^ey^m Durchseihen Hürbte sie das Leinen schön gelb. 

Die von No. i. färbte das Leinen gar nicht, hatte ein» 
hellbraune schmutzige Farbe, wie dünnes Bier, liefs 
nach ^4 Stunden einen graubraunen Bodensatz in jiem« 
• lieber Quantität fallen^ hatte einen abscheulichen bittern 
ekelhaften Geschmack, kam aber im Geruch ziemlich 
mit der ächten überein. Durch Schwefels ajires .Elfen 
ward sie schwarz, und durch kohlensaures Kali ^rüa 
gefärbt« Nachdem das mit Kali vermischte Decoct eine 
Yseit lang gestanden« fand sich ein hellgrüner Bodensatz, 
und die darüber stehende Flüssigkeit war dunkelbraun. 

Eine Abkochung von der in dem Päckchen No. j. 

befindlichen dünneren, auf der innem Seite schwarzen 

Kinde, gab ein hellbraunes Decoct, mit einer widrigen, 

•bgleich geringern Bitterkeit, welches sich gegen schwe- 

j felsanrel Eisen und kohlenstofisaures Kali eben so verfielt. 



— i86 — 

Die AbkochuDgen der Rinde von No. 2. und 3. ▼er- 
hielten «ich in allen Stücken eben so , nur hatten sie 
weni|;er Geruch. 

m. Ich digeriite von jeder drr Rinden ein Quent- 
chen mit einer Unze höchst rcct'üciiten Weingeist 24 
Stunden Ung, 

Die auf diese Weite gewonnene Tinctur der Iditen 
Rinde war schön hellbraun^ schueckte ungemein ange- 
nehm bitter und etwas gewünEhaft, und ward durch den 
Zusau von Eisen nicht verändert, aber durch Kali dun- 
kelbraun gefärbt. Durch Wasser wurde sie sehr ttiEk 
getrübt. 

Die Tinctur von No. i. war blafsgelb . sehr bitter, 
ward durch schwefeUaures Eisen blalsgrun, durch Rali 
etwas dunkler gefärbt, und durch Wasser wenig getrübt. 

Die Tinctur \on No. 2. war goldgelb, «ehr bitIM« 
und erhielt sich gegen Reagentien eben so. 

Die Rinde Ne. 3. gab eine Tmciur, die etwaa 11^»^ 
ser war, den an.lem beiden aber in allen übrigen Sluk- 
ken gleich kam. 

Die Resultate dieser Untersuchung sind: 

l) Die unter No. i. , 2. und 3. eingelieferte toge- 
nannte Aogustura - Rinde hat «war einige Aehnlichkeit 
mit der ächten , ist aber wesentlich davoa verschieden. 
Zui orderst fehlen bey ihr mehrere der obbenannten 
Kennxeichen; ferner ist der Geschmark der ächten «nge- 
nehm biuer und scharf, während der der falschen gans 
unerträglich bitter ist> und gar keine Spur von Schärfe 
seigt. AuCierdem enthält die unächte mehr durch das 
Wasser ausziehbare Bestandtheile^ und weniger harsig^ 
als die ächte. Endlich enthält^die ächte vom ausamroen- 
nf.'henden Stofife gar nichts , während die falsche damit 
ungemein surk angeschwängert ist, wie die Versuche 
mit dem Eisen «eigen, 



- i87 - 

s) Wenn ich dieser unäcbten Rinde auch -keine 
giftige oder .nachtheilige Eigenschaften unbedingt xu- 
acbreibcn kann, indem die Pflauxengirte sich nicht che- 
misch darstelleh^ sondern nur durch Versuche an leben- ^ 
den Kurpem 8i<h ausmitteln lassen, so 1-alie ich sie 
doch ihrer grofäen ßitterkeit wegen für verdachtig. Der 
bittere Pflansenito£F hat allerdings etwas betäubendes, 
daher kann diese höchst bittere Rinde, wenn sie der 
Angnstura untergeschoben und in der Quantität gegeben 
wird, worin man diese gewöhnlich zu geben pflegt, al- 
lerdings gewifs nachtheilige Folgen hervorbringen. 
Dieses alles bezeuge ich auf mein Gewissen. 

Dr, Johann Jacob Rambach, 
Von Obrigkeits vr^gen wurde noch femer des Hrn. 
Frofersors /. ^. Reimanis Dr, Meinung hierüber, tmd 
Aer die etwa anzuwendenden Vorsichtsroaafsregeln ge- 
]p» den Gebrauch der falschen Angustura- Rinde- vemom* 
Ben, welche dahin ausfiel: 

Daüi das Decoct aus der falschen Angustura- Rinde 
imklicbe giftige narkotische Eigenschaften gezeigt habe, 
vddie, wie bey andern vegetabilischen Giften, durch 
iflitig bewürktes Erbrecheti gehoben worden. 

Dafs die unterscheidenden Merkmale der achten von 
ia falschen Rinde von dem ^rn. Dr, Ramhach sehr 
Wohl angegeben worden, und da(s darunter d(^ Auffal- 
lendste sey: Dals die ächte Rinde nicht, wie andere 
Uttere \'egetabilien, einen zusammenziehenden Stoff ent- 
kak, dadurch Eisenauflösungen schwarz gefärbt werden. 
Dafs es endlich sehr zu wünschen wäre> wenn eine 
Warnung von dieser giftigen Rinde mit Bezeichnung 
derselben öffentlich bekannt gemacht, und den Apothe- 
( I.Wrn verboten Wurde: keine Angustura -Rinde anszuge- 
# I Wn , deren Eigenschaften sie nicht zuvor, nach den be- 
idüriebenen Merkmalen , besonders nach dem Verhalten 



/ . ^ — i88 — 

gegen eine Cisenauflösung vnd na.cb dem Farben des 
Lein n, gepiüft hätten. 
"* Welches alle« zur Warnung und Belehrung des Pvl* 

blikums hiermit von Obrfgkeit» wegen öffentlich bekannt 
gemacht wird. 

Hamburg, den iiten Mäy i8o4* ' 

Mandat 
Vlidgr dtn Verhauf der AnguscKura - Rinde als jirzneimit* 
■.tel^ wenn nicht vorher die Beschaffenheit derselben 
untersuclu worden. 

Da £ia . Hochedler Rath in Erfahrung gebracht hai, 
da/s statt der in Süd -America einheimischen u^ngustura- 
Rinde, die als ein stärkendes MiUel von den Aertten 
nterschrieben ztt werden pflegt^ eine falsche sogenannt^ 
jiftgustura- Binde ^ die giftige^ narkotische Eigenschaften 
gezeigt hat, in bitfsiger Stadt ißorriUhig und als MeJieiM 
ausgegeben worden seyn soll ; so fffiä Derselbe hiermit aUß' , 
^Bürger, und Einwohner dieser gutein Stadt von der jin^ 
%>ttesen,heit dieser unächten Und gißigen Rinde benachridh 
tigt, und vor deren Gebrauch gewarnt ^ auch den Apo- 
thekern und allen- denen, die Medicin ausgeben^, bey 5q • 
Reichsthaltrß Strafe im Falle einer erwiesenen Nachlas* > 
sigkeit, anbefohlen haben i 

„Keine Angustura - Rinde auszugeben, deren Eigen- ' 
Schäften sie nicht zuvor nach den, von Qbrigkeit^* 
wegen in den Zeitungen bekannt gemachten Merknta^ 1 
ien, .besonders nach der eigenthumlichen Scharfe im \ 
Geschmückt nach dem Verhaltetf, gegen eine Eisenauf ! 
lusung, und nach dem Gelbfärben des Leinens^ bejr'm\ 
Durchseihen, geprüft liälten," a 

Gegeben in Unserer Rathsversammlung^ Hamburgs ; 
den nun May 1804« . 1 1 

(L. S.) , -| 

^ >' ■■ 'i 



\ 



— iSg 



Inhalt. 



Seite 
An clas Publikum, vom Herausgeber . ^ . . ix 

I. Bemerkungen über die seit den letjsten vier - * 
Jahren' <u Nordbausen herrschende Scharlach* 
fieberepidemie. von l")r. Franz Ernst Filter, 
Stadtpnysicus zu Nordhausen . . . ' . I . 

II. Schutzpockenimpfung. 

I. Nachricht von> den zu Berlin mit dem Stoffe 
der Mauke «der Grease angestellten Im- 
pFu ngs versuchen , von Urn. Hoiiath Bi^rner 
in Berlin . . .... 44 

S. Nachtrag zu der Geschichte der Schutz- 
pockenimpEung in Berlin, von Um* Geh. 
Rath //«m-dasell^st . . . . .55 

3. Vorschlag einer Polizeimaarsregel zur Ver- 
breitung der dchu'zpockenimpfung, von Ha. 

Dr. Benegpr zv Lausanne , . • ... 59 

4. Nachricht von der Amsterdamer Gesellschaft 
zur Beförderung- der Schutzpockenimpfung 

für Unbemittelte . . , . , .71 

5. Mise llen die SchutabUttern- und Blattern- « 
Impfling betreifend, \on Hrn. Dr. Keck , 78 

6. Bemerkungen über Schutzpocken, deren 
Verlauf mit den natürlichen Pocken un(| 
Masern, vom Hm, Stadt- und Amtsphysi- 

cus Vcrrepont ZU PfuWingen ' . • . .88 

7. Etwas über die Schutzpoeken, vom- Dr. J, 

H, C. Voller zu Hessen im Brtunschw. . XOO 

III. Geschichte eines sehr merkwürdigen Asthma. 
Mit einer gänzlichen Dislocation de« Herzens, 
^ebst der Leichenöffnung und Abbildung. 
Vom Hrn. Geh. Räth May zu Heidelberg . xia 



— • igo — 

Sa 

IV. Beschreibung des neu angelegten Zucht - 
und Zwangtfarbeitshauses zu Zerbst, in medl- ,i 
cinisch - polizeilicher Hinsicht, von Hrn. Hof- 
rath Hciitting zu Zerbst 'i^| 

V. Eine Vergifmng durch den Saamen des Stech. ^ 
apFels (Datura Stvammonium Lj, von Hrn. 
Dr. Pfennig zu Sorau in der Niederlausitz 

VI. Kurze Nachrichten und medicinische Neuig- 
keiten« 

1. Anzeige eines bey Nervenkrankheiten sehr 
würksamen Mittels^ vom Herausgeber 

2. Kur der venerischen Krankheit ;durch Braun-> 
stein, von Dr. Kapp zu Bayreuth 

3. Glückliche Heilung der Angina potyposa 
bey einem Kindes . . .' . . |; 

4. Auszug aus einem Schreiben des Hrn. Dr. 
H, Limtenstein an ^^n Hn. Prof. lf\ Hemer 
zu Helmstädt, vom Gap . . 

5. Unterscheidung der ächten und unächten 
Angusturarinde,, und die schädlichen Wiir- 
kungen der leucen • • • . ^:. 



MU die/em Stacke des Journals wird ausgegebesa 

Bibliothek der praknfchen Heilkunde. Zmotß 
Band.. Erstes Stübk. ^ 

'Inhalt, 

Ernst Hörn etc. Ueber di& Erkenntnifs und ^ 
lung der Pneumonie. 'l 

Jacob von der Haar etc, auserlesene medick 
sehe und chirurgische Abhandlungen und BeobachtungÜ 
Aus dem Holland, mit jinmerk, und Zusätzen von J 
hann Aug, Schmidt, %ter u. letzter Band eU, 
^ Dr, Hes sert und Fr, Pilger, Archiv Jür jtd 
oder Sohutzpochenimpfung. B, i. i — 3. St, iSoi. 



>7r 










i'^^H 




1 




1^1 


i 








M 


^■H 



^ 



I nmrum 



I. 



Von weichen Ursachen 
hängt der grofsö Nutzen ^ 

der Brühiieh- und ßadecüren 

ieigehtlich ab? ^ ' 

t hebst eibigen Worten über dä^ Miüetalwasser 
bei Verde>ti> 
Vöri 

C. C. Mätthäi. 



u. 



lebersieht maii die Zahl der Minerdlquel^ 
len> die seit öo Jahren besonders in Deutsch' 
land theiis lieu aufgefujadeb , theils zu öfiTent« 
h'chen Anstalten uingeschaffeh ^ Und ^so der 
•Vergessenheit ebtri^sen worden sind, so mufs • 
tn^rn wenigstens glänijen, dafs die .Unternehmer . 
bisher feinen beträchtlichen Vortheil aus ihren 
Anlagen gebogen habem Darf man nuin auch 

XOL B. a^ St.' A 



-^ G — 

Hieraus schliefsen^ dafs der bezweckte, oder 
wenigstens dem Publikum vorgespiegelte 
Nuteen mit dieser täglichen VernlehruDg sol- 
, eher Anstalten im yerhältni& steht? Theils 
der eben erwähnte Umstand, und hauptsäch* 
lieh eine tägliche Beobachtung der glückli* 
chen^ schnellen und heilsamen Würkungen 
solcher Brunnen- und Badecuren, die aut^h 
dem Unaufmerksamsten nicht entg^en kann, 
heben unstreitig diesen Sats zu eiaem ächten 
Erfahrungssatze empor. Es ist wahrlich nicht 
selten, dafs ein Kranker der Jahre lang* von 
den geschicktesten Aerzten vergeblich behan- 
delt wurde, durch eine Brunnencur an der 
Quelle in 6 Wochen geheilt wird. Und es 
ist sicher nicht der kleinste Cur-Ort, der nicht 
mehrere solcher auffallenden Fälle aufzuwei* 
sed hätte. Dies vorausgesetzt fragt es sich ; 
wovon ist es abhängig? liegt es allein in der 
grülsern, auf andern Wegen nicht zu errei- 
chenden Wüiksamkeit der Bestandtheiie sol- 
cher Wasser? oder liegt es mit, und haupt« 
sächlich in Nebenumständen, die in Verbin- 
dung einer solchen Cur vorkommen, und von 
dem Wasser als Heilmittel unabhängig sind? 
Diesen nicht genug entwickelten, und bean^ 
weiteten Fragen wollen wir hier einige Blät» 
ter widmen. 

Diese Untersuchung wird dem mineralfr 



-- 7 ■— • , 

sehen Wasser, als Heilmittel betrachteti seine 
richtige Stelle anweisen. Freilich wird so eia 
grofser Theil dessen, was die Gharlatannerie 
der Brunnenärate von ihpen rühmte , abge- 
sondert werden müssen. Aber es war mit 
der Impertinenz und Dreistigkeit vieler Brun« 
nenärzte, selbst der allerneuesten Zeit, doch ^ 
auch zu arg. Man nehme, einige wenige aus^ 
genommen y die erste beste Brunnenbeschrei- 
bung zur Hand^ man wird erstaunen übet die' 
Behauptungen^ die die Verfasser zu Gunsten 
ihrer Brunnen vorbringen,. Die wenigen 
aufgelölsten Salztheile , die Kohlensäure, 
das bischen Eisen, miissen Wiirkungen 
hervorbringen, von denen man sonst nichts 
weifs. Und will ein unbefangiener sich dage* 
gen auflehnen, so setzt man ihm die einfälti« 
ge Behauptung entgegen: wie kann die Kunst 
die innige Mischung dieser Bestandtbeile her« 
vorbringen? Freylich kann dies die Kunst 
nie, aber so bald sie diese so hoch gei*Uhmten 
Körper unter den gehörigen Bedingungen mit 
deilfi Wasser in Verbindung bringt, so vereini- 
gen sie sich mit demselben nach ewigen , so- 
wohl auf als unter der Erde geltenden Gesetzen. 
iWir sehen es doch aber bei andern Arzney* 
körpern, deren Bestandtheile wir durch die 
Chemie kennen, dafs die JCunst sie nie su* 
sanunen zu setzen vermag,^ z. B. das Opium.% 
• A a 



Abel' pafst diese Analogie hierwöhl? ist dies 
nic};t ein organisches Prpduct? Wer wird 
es aber leugnen, dafs man da$ sogenannte 
Bittersal? eben so vollkommen aiis seinen 
s^vvey Bestandtheilen zusammen setzen kann^ 
als man es im Seydschützer Wasser findet. 
Ich glaube aicht zu weit zu gehen, wenn ich 
|]^fthjuipte, dafs ein Mineralwasser, bey dem 
die Bedingungen zu seiner ^Zudammens^fsoog 
absichtlich herbey^efiihrt sind, yoUkommea 
dieselben Eigensphaftep und Würkungeil hat, 
die d^s ahnliche aus der Quelle geschöpfte 
Jidtte. Es ist daher sicher völlig gleichgültig 
für den, der das Pyrmopter Wasser unter 
Fortsetzung seiner bisherigen Lebensart trinkt, ' 
ob er es aus der Fabrick des Bürger Paul 
\a Paris kommen läfst, oder aus Pyrmont 
selbst. JVlan kann ausserdem sicher glauben, 
i'dCs ein grofser Theil Beobachtunged die 
jiber die Wtirkungsart der mineralischen 
VVasse.r entfernt von der Quelle gemacht 
$ind, eigentlich von solchen künstlich berei-* 
teten Brunnen gelten; ich habe selbst öjnen 
Brunnenhändler gekannt, der den Selterbfuii- 
nen 9tO geschickt naehzumachen wiifste, daCi 
er weit un^ breit 4^^ Ruf hatte, er habd 
den besten und frisch^staa Brunfien, und dar 
sicher sechsmal mehr, verkaufte^ als er roh 
ßelters kommen liefs* 



Freylich lehrt die Chemie; dafs wir die- 
selben Be&tandtheile y die in allen minerali- 
schen Wassern sich finden, beständig in unsenl 
Apotheken TOiräthig haben , oder sie doch 
mit wenig Mühe ans andern Körpern^ trennen 
können, dal's wi^ sie auJf dieselbe, oder auf . 
andere unsern Zwecken noch besser entspre». • 
ch^i^^le^ Arten, mix einapder verbinden , ,und 
au/lösen Jcönnen, Wir thuA dies auch 
täglich 9 gebrauchen ausserdem noch andere, 
würksame j^aturleörperj und doch ^rlebe:(pL wir 
so oft, dafs wenn wir einen KrankeA au£ 
das sorgfältigste ein halbes Jahr jang^ pnd oft 
weit länger behandelt haben ^^ er ungeheilt 
eine Mineralquelle besudht^ und nun 6 Wo- 
chen nachher gesund zurückkömmt. Hier 
ist es doch w6hl deutlich , dafs der Grund 
dieser Erfahrung, die man so oft Grelegenheit 
hHGit zu fpachenc nicht in <kr A^t der genom- 
menen Arzneymittel; ^n4 ihrer grölsemr 
Würk.samkeit,> spadero. iA Nebenun^ständen . 
ül^gt^ die kein A^^t 19 sekie|*v Qewait bat auf 
eine andere Art i^eybey zu führen, und «ur Her- 
stellung d.^s Kranl^en zu leiten, ^s fl'ägt sich 
nun : in welchen Umständen soll map die 
Erklärnng diiese^ Erfahrung suchen ? und hier 
hatten wir. aUa genauer genommen den Ge-^ 
genstand dieser Abhandlung^ 

Allgemein' fngesdifntv l^ängt diese so ,ofj|; 



— lO — 

auf^H^ncIe Wilrksainkeit der Brunnen - und 
B^.decuren von folgenden Bedingungen, und 
deren zweckmäfsiget Benutzung ab. 

i) Von den natinerulischen Bestandtheilen 
vnd deren Verbindung unter einander« 

• a) Vom innem Gebrauch des einfachen 
Wassers, 

3) Von den Bädern nach ihrer verachie? 
denen Temperatur. 

4) Von der Reise, 

5/ Von der Entfernung von den ge« 
tr6h..l'ohi^n Gefchtiften. 

6 Von der Veränderung in dem Zirkel 
det* psychologischen, und physiologischen 
Thätif»keiten. 

7) Von der Zerstreuung, Unterhaltung^ 
Leidenschaften^ Gemiithsbewegungen man« 
cherley Art. 

8) Von der Eiligen Veränderung der 
bisherigen Lebensart. 

g) Von der Veirtauschung des Ar^et. 

lo) Von der Veränderung der Atmos- 
phäre. 

Diese Ursachen sollen nun einer nahem 
Untersuchung, in so v.*eit sie zu unserm Zvreck 
hinreichend ist, unterzogen werden. Ich 
xwf^iile nicht, dafs die aus einer solchen "ÜDr 
tersuchung hervorgehenden ResultatOi von dem 
irichtigsten £inAttS86 seyn werden. Deimun- 



IZ 



gerechnet^ dafs hierdurch die obi^e Erfah- 
rung ans richtigen Grundsätzen abgeleitet 
wird, dafs eine Menge Vorurtheiley die der 
Prahlerey unserer Brunnenarzte ihren XJb^ 
Sprung, und ihre Fortdauer verdanken hesei« 
tigt werden, so wird es nun dem Arzte bey 
genauer 'Erwägung dieser zu entwickelnden 
Bedingungen, leichter seyn zu beurtheilen^ 
welcher Gur-Qrt der Indvidualität eines KxaU'^ 
ken am angemessensten i$u 



Von den Destandtheilen der mineralisthen 
Wasser. 

Man giebt sich viele Mühe, wendet ,^ 
meiniglich Viele Kosten auf, um ein minera^ 
lisches Wasser durch den geschicktesten, be« 
rühmtesten Chemiker, untersuche zu lassen« 
Im aligemeinen kann man dies Verfahren 
ttiöht tadeln,' da es in mancberley Hinsicht 
seinen Nutzen hat. Aber aus dem Gesichts* 
punkte' betrachtet, aus dem man bisher eine 
solche Untersnchung anstellte, um nemlich 
darnach die nothwendigen WQrkungen Aes 
Wassers, oder die Krankheitsformen, in de« 
nen man Nutzen von seiner Anwendung er^* 
warten könne zu bestimmen, ist sie ohnstrei* 
tig völlig unniicz» 'Die so allgemein ahge« 
nonunene Nützlichkeit und Notiiwendigkeit 



einer chemischen Untersuchung stützt sich 
auf den bisherigen Glauben , dafs die Bestand- 
tfaeile und die Art der Mischung die erste 
niid hauptlachlichste y wenn nicht einzige Ur- 
sache der grofsen so oft beobachteren gut^n 
Würkungen der mineralischen Wasser ent* 
hielten. Wenn aber diese Voraussetzung 
wahr wäre, so wären folgende Dinge unbe* 
greiflich, die indessen doch der Erfahrung 
gemäfs sind. ^ • 

i) Warum man mit den durch die Che- 
mie entdeckten Bestandtheilen in einer hin- 
länfi-Iichen Menge Wasser aufgelöfst, nicht 
dasselbe ausrichten kann« Diesem wider- 
spricht eine tägliche Beobachtung. Die Kuüst 
soll diese innige Verbindung nicht hervdv* 
bringen können. Diesen^ allen Prii^cipien dar 
€hemie widersprechenden > . Giaubezi haben- 
Chemiker und BrunnenÄrste uiiterhaltent meb* 
rere Vielleicht nicht aus den laute|*sten. Ab- 
sichten verbreitet. Mit dem Qlaubea des 
Publikums an diese Voraussetzung hing.:eina 
sehr einträgliche Erwerbsquelle der ersteren 
Zusammen., und die letztern stützten auf die» 
ses Vorurtheil einen grolien Theil ihres Lo^. 
bes des Brunnens > dessen gröfserer Ruf ini 
graden Verhältnifs mit ihrer Einnahme stand» 
Dies gilt indessen nur von einigen; andere < 
uod ohnstreitig die inei&teli^ waren innig roa 



der Wahrheit dieses Tnigsattes Uber^ieugtt 
Es kann und soll indessen hier nicht behaupt 
tet werden, dafs die BestcindtheUe eines minet 
rauschen Wasser^ nicht« 2u seiner Würktami» 
keit bey trügen; ich leugne nur aus guten 
Gründen^ . vorzüglich ab^r aus Mptngel am Be- 
weis für dus Gegentheil,. d^fs <lies ^lehr, wjie 
bey jedem künstlich bereiteten Minetalwas« 
9er der Fall ist. Die Erfahrung spricht auch 
täglich für meine Meynung. Wie oft heben 
wir nicht Krankheiten durch den Gebrauch 
des. Eisens in Verbindung mit ^^Izen. Man 
findet dies bekannt und in der Ordnung; 
es fälU daher auch niemanden auf. Aber 
Jieiit das Pyrmonter, oder Driburger Was$er 
zu Haus getrunken einen Krankerif der die 
Bestandth^ile dieser Wasser selbst in andei;«; 
Form noch nicht genomipen hatte , $o prei- 
set mat^ die Würksamkeit des Brunnens i die 
Krafnkheitsgeschichtei breitet sich aus, und 
um desto mely*, da man von einem Arzney- 
mitteV rede^^ das )edermanx^* zu kenneA gljmbt 
Wird liingegen ein Kfknker durch im Grniidt 
dieselben Mittel hergestellt,^ die die Bestand* 
theile des Brunnens ausmachen, io spricht 
wenigstens das Publikum mcht daron, weil 
es die angewandten Mittel nicht einmal dem 
'Namen nach kennt. Man begnügt sich au sagen; 
deiiArzt'bat ihn hergestellt, und der. Ruf desi- 



. — i4 -- 

selbeoy Jüiicht der gebrauchten Mittel, wird ver* 
mehrte t— Ausserdem waun wird wohl ein 
und dasselbe Arzneymittel unausgesetzt eimga 
Wochen IsjH^ gebraucht, theiis die Unfolg- 
aamkeit des Kranken , hauptsächlich aber 
die Unwisse«iheit,' und der Mangel an Festig- 
keit des Arztes sind Ursache, dafs gemeini- 
glich täglich ein Arzeneymittel mit einem an*«: 
dem vertauscht wird, man also nur äufserst 
selten ein reines Resultat beköAimt, ob nicht 
würklich der vernünftige Gebrauch anderer 
Mittel die Krankheit würde gehoben ha^en. 
Mit dem Gebrauch* eines Brunnens ist dies 
eine ganz andere Sache. £s ist einmal her- 
gebracht, dalk man ihn wenigstens 3 Wochen 
unausgesetzt trinken mufs. Man leitet dabey 
die Lebensordnung einigermässen zum Vor- 
theil der Cur, und der Kranke läfst sich 
manche Entbehrung willig gifallen« Jede 
Besserung die in dieser Zeit zufälUge Umstän- 
de herbeyführen, wird auf ^echnuog des 
Brunnens geschrieben. -— Ich denk« man 
sieht hieraiis, dafs der Satz: es werden .eine 
]M[enge Krankheiten durch Brunnen- und 
Badecuren geheilt, die jeder Behandlung wi- 
derstanden, sehr beschränkt werden mufs, {n- 
defs ist er in vielen Fällen nicht zu leugnen^ 
Und ich kenne selbst Fälle, wo Pyrmonter 
Brunnen und eine seihr zweckmälsige Behand* 



lung, Krankheiten bicht hob, bey denen der 
Gebrauch des Brunnens an der Quelle ge« 
trunken Vom schnellsten und hesten Erfolg 
war. . ' V 

2) Warum manche Bäder lind Brunnen, die 
so wenig mineralischen Gehalt haben , so 
grofse Curen hervorbringen, und ein so gros- 
ses Veitrauen, und so grofsen Ruf sich ha- 
ben erwerben können. Ich will hier nur an 
tiinige erinnern, die mir grade einfallen. Das 
' Laütbstädter Mineralwasser im Stifte Merse«- 
burg in Sachsen, hat nach Kochs Untersu- 
chung ' in einem Pfunde nicht mehr, wie 
I7V Gran Bittersalz, 2^ kohlensaure- Kalk- 
erde und etwa 6 KubikzoU kohlensaures Gas 
ohngerechuet in Brüchen berechnete Theild 
Eisen, Kieselerde u. s. w. Hiermit vergleiche 
man einmal die Bestandtheile des Drieburger 
Wassers in Westphalen ; % \ Gran Glaubersalz^ 
10 Gran Sehnet, 6 Gran kohlensauri» Kalk- 
erde, über einen Gran kohlensaures Eisen und 
s8 KubikzoU kohlensaures - Gas. Und nun 
frage man einmal nach , welche Anstalt wird 
am meisten besucht, bei welcher werden die 
meisten und schwersten Krankheiten geheilt? 
keine wird der ändern weichen wollen, und 
man mu^ alsa zugeben, dafs beide ^isehr em<r 
pfehlungs würdige Cur-Oerter sind und wenig 
lYorzüge einer vor dem andern haben» Man 



— i6 -^ 

taehme C. An Hoffmanns Taschenbucli Äit 
.A#rzte 11; s. w. zur Hand^ und schlagt fol- 
gende Brunnen nach. Deh Aarzihlör ini 
Bernsctieil', Alacher bhnvveit Erfurt, Baadener 
bey Wien, feellbereer bey Halle> Blumisteiner 
am Bei^uschien, Charlottenbrun in Schlesiei», 
Gästeiaer bey Salzburgs .Gurnigel im ßeta- 
is^hähy Pfefferbad und viele andere. Maü 
■wird Wahrlich bey allen diesen nicht yiel mi- 
Üeralischeri .Gehalt antrefferi* Aber malt 
würde sich isebi' trrisn > wenn inaii hieraus 
auF feihe geringe Würksamkeit schliefsen woll- 
te. Verhäitnifsmäfsig werden hier 0ben so 
Viele Kranke wieder hergestellt > wie iii deü 
berühmten Gurörtern, Pyrmont, Achen u. s; wi 
• Doch ich will stehen bleiben bey detoi 
lifö^ hiit^ Selbst nahe liegt. Ich bin selbst 
Alrztöinef solchen Badeanstalt. Wenil scboä 
^er mineralische Gehalt der hiesigen Quelle 
sehr gering ist> so kann ich doch Versichern^ 
und das hiesige* Publikum i^t mein Zeuge> 
dafs hiet* Cureh im Stillen geschehon sind^ die 
toah bey andern Anstalten als ünel-bört zur 
Bestätigung der gröfsen Vorzüge des Was- 
srers, und zui' Änlockutig der Fremden würde 
.üiusposäunt haben. Ich habe hier Kränkheiteii 
Verschwinden sehen, die feinem mehrjährigen 
"Gebrauche des Pyrmonter Brunnens und Ba- 
des hartnäckig wiederstanden hatten^ Wollte 

man 



- i7 ~ 

man hierftns eiiie gröfsera Wül^sAmkelt der 
Besfatidtheile^ unserer Quelle im V;ergle^i| 
mit der. Pyrmonter folgern, so würde jeaec 
^es mit Kecht läoherlich £nden, da das 
Pyrmonter Wasser dieselben Bestandtheile in 
weit grö£&erer Menge enthält. Solche Erfah- 
rungen müssen aus andern Grundsätzen ab- 
geleitet werden. Ein anderes Bad unserea 
Landes, Rehburg, welches weit mehr besucht 
wird wie Verden^ weil die Königl. Kammer 
es durch nianigfaltige Anlagen^ von: einer 
äufserst schönen Lage begünstigt^ zu einem 
sehr angenehmen und liebenswürdigen Auf- 
enthalte umgeschaffen hat, kenne ich auch 
aus eigener ErfahruDg. Wenn 4er Exe/Gen 
halt. :dLe8es Wassers schon sehr unbedeutend 
ist,, so kenne ich doch mehrere Falle; dais 
Kranke unter den mifsljichsten Umständen, 
geplagt. ToH den hartnäckigsten ^trankheits*» 
syinptomen naeh. einem 6 wöchentlichen 'Ge- 
brauche sehr gebessert zurück gekehrt sind^' 



f^om innerlichen Gebrauche des eiftfachen 
fV assers. : , . 

• Die : WM^J^ßä^^J^olt des Wassers, alj eiftr 
faches Heilmittel betrachtet, scheint mir von 
s. Bedingungen abzuhängen. 

i^ Von der Temperatur. U^ eine von 
XiX. B. 2. St. B s 



4er cles Korpers a1>v7eiclien(l6 Temperaliiir 
nmnittelbar auf die innere Magenfläcbe an« 
zuwenden^ ist das Wasser das ein&chste^ 
zweckmäfsigste und einzig sichere Mittel , da 
man es ohne Nacbtheil in grofser Menge 
trinken kann, und da es gemeiniglich scfanelif 
besonders wenn es Sake, oder kphleBsanres 
Gas enthälti durch die gewöhnlichen Auslee?- 
rungswege wieder ausgeführt wird. Oluie 
mich hier atif die Frage ^ ob die Kälte stir* 
ke^ oder schwäche, einzulassen, die ich ander* 
weitig *) durch alle die Beobachtungen, Ver- 
suche und Gründe die sich darüber aufil»!« 
len lassen, glaube hinlänglich untersucht und 
beantwortet zu haben, kann ich mos einer 
yiel&chen Beobachtung folgendes als ei&ea 
Erfahrungssatz aufstellen. In mancherley 
von Schwäche herrührenden, und durdi sie 
unterhaltenen Beschwerden des JMhgens, he^ 
sonders in den bey uns fast endemischea/ 
Magenkrämpfen mit Geschwulst ^des Magens, 
Schmerzen und einer fehlerhaften Verdau- 
ung, ist ein regelmäfsiges und häufiges Trin- 
ken des kalten Wassers von dem herrlichsten 
und dauerhaftesten Nutzen. Dies verbunden 
mit den Erfahrungen und Gründen^ die 

*) Handbuch der £rreguiifiüi«orie. Göttinnen t8ö4« 
§. i86— Jöo. . \ 



— 19 — 

Currie^) aufgestellt hat^ beweiset überzetik' 
g.eiid^ dafs die Kalte in einem gewissen Gnir 
de, und plötzlich angewandt, reizend würke* 

s) Von der verdünnenden^ die reitzctnde^ 
Kraft der Säfte mindernden, sertheilenden, 
auflösenden, urintreibenden lEigenschaft des 
.Wassers« Diese Eigenschaften müssen upter 
gehörigen Bedingungen das Wasser zu einem 
sehr wiirksamen Heilmittel machen. Maa 
denke sich einen Menschen, der nach einer 
sebr nahrhaften, . reitzenden Lebensart, bey 
Mangel an hinlänglicher Bewegung sich iÄ 
einer Anlage zu sthenischen Krankheitsf^r* 
men befindet, und an Symptomen leidet, die 
diese Anlage characterisiren , Kopfschmerzen^ 
Andrang des. Blutes nach dem Kopfe^ Sausen' 
vor den Ohren, unordentlichen Appetit, Glie* 
tierschmerzen unter manc^erley Gestalt und- 
Form. Bey diesem freylich dem Begriffe nach 
die Anlage längst überschrittenen Krankheits* 
zustande^ kann da wohl etwas zweckmäfsige« 
res gerathen werden, als ein kurmälsigee 
4 wöchentliches Wassertrinken» Unter sol» 
chen und mancher ley andern Umständen is€ 
es sehr begreiflich ^ da£i der Gebrauch eines 
Mineralwassers ron dem herrlichsten Nutzen 

**; lieber die Wiltkatigen de» kslteti und yrtttatn 
Walters als eine« HeümitteU ia Fiebern und aa* 
, dem Krapkbfiutn, Aus dem JEngl. Xeipxig iSoi» 



ist| und die schon erböbete Erregung in ih« 
re gehörigen Schranken zurücktreibt. Man 
würde doch wahrlich sehr unrecht thun, 
wennr man diese {lerrlichen Würkungen den 
wenigen Bestandtbeilen zuschriebe , die ein 
solches Wasser genoieiniglich enthält. Die 
meisten Brunnenärzte werden eine solch» Be« 
baiiptung sehr grundlos finden , denn sie su- 
chen sich gegen nichts mehr zu verwahren,. 
als gegen ei^ solche Unschädlichkeit des Ge- 
brauchs y wie man gemeiniglich dem einfachen 
Wasser zuschreibt. Man findet nicht selten 
bey ihnen die Behauptung, wenn die* Brun- 
nen - und Badecur nicht den Hoffnungen des 
Kranken und ihren eignen Versprechungen 
entsprach; der Brunnen war für die Consti- 
tution zu stark. Ich getraue mir von allen 
knineralischen Wassern der Welt, die abfüh- 
renden ausgenommen, Jahre lang so viel su 
trinken, wie ich nur irgend von dem einfi^ 
chen Wässer ohne Schaden trinken kami, 
und ich bin überzeugt, dafs ich nicht den 
geringsten üblen Erfolg davon emp^nden 
werde« Man findet vielleicht diese . Behaup- 
tung etwas stark, indessen kann ich-miblinur 
auf das Driburger Wasser berufen, das ohn- 
streitig 9u den gehaltreichsten und würlisam- 
sten Mineralwassern der Welt gehört. Braf^ 
dis, dieser musterhafte Brunnenars t, sagt in 



— ai — 

seinem gehaltreichen Buche über, die Eisen« 
mittel : *) In Driburg wird das eisenhaltige 
Wasser yon Erwachsenen und Kindern oft zum 
gew/Ühnlichen Getränk getrunken« In Holland 
und Westlndieü trinkt man das Driburger 
Wasser, wie das Fachinger bey Tisch. Ein 
schon bejahrter Mann, der viel Ueber/lt^s ^ 
an Blut hatte j| und noch nie eisenhaltige 
Wasser getrunken hatte ^ trank täglich 6 Wo* 
eben lang die ungeheure Quantität von 48 Pi^* 
ohne allen Schaden. ^- Sind die Umstände 
bey einem Kranken yon der Art^ dafs nan^ 
von einer Wassercur Nutzen erwarten kann, 
so sieht man sich gemeiniglich genöthigt, ei« 
nen Brunnen zu verordneti; denn Kranke 
dieser Art, gemeiniglich aus den höhern Klas- 
sen, haben wenig Lust und Vertrauen zum 
Wassertrinken, besonders wenn sie eine dem- 
selben entsprechende Diät und Lebensord« 
nung führen sollen. Also im Grunde alle 
die Fälle, wo eine Wassercur allen Erforder- 
nissen Genüge leistet, kommen auf Rechnung 
irgend eines Brunnens; und man kann es 
daher als Grundsatz annehmen, dafs da wo 
eine /Wassercur nicht angezeigt ist, auch niie 

*) Erfahrungen übei <tie Würkungea da? Eisenmittcl: 
/im «llg«meinen« und des Driburger VVatsert inabß* 
Aoadere. Hannover i8o3. pag. aS. 



-p- ad 



0ine Brunnepcur von* Nutzen seyn kania, und 
Yfo jene sciiädlicht auch diese es seyn mufs* 



F^om Baden. 

Es kann hier liberäUfsig seyo, denBajem 
aus diätetischen und selbst therapeutisclien 
Gesichtspur kten noch eine Lobrede im hal- 
ten. Die Erfahrung aller Völker hat seit 
Jahrhunderten ihren Nutzen aus beiden Ge- 
sichtspuncten hinlänglich bestätigt. Es be- 
darf hier also nur die Behauptung vieler, 
Aerate, dafs die Mioeralbäder einen groisea 
Vorzug vor denen vom einfachen Wasser. hät- 
ten, einer nähere B leuchtung. Die Brunnen* 
arzte führen a Gründe dafür an. 

i) Die Bestandtheile des Mineralwassers 
dringen durch die einsaugenden Gefäfse der 
Haut in den ' Körper , und es gilt also von 
dem äussern Gebrauche des mineralisoheii 
Wassers dasselbe, was von dem inmern gilt 
Dieser Satz beruhet erstlich auf einer phjsio« 
logischen Hypothese , die freylich. fast allge* 
mein als wahr angenommen ist^ und anch 
würklich viele scheinbare Gründe f&r sich 
hat, indessen weit entfernt ist, völlig erwiesen 
zu sejn: Die Lymphatischen Gefäfse sollen 
nemlich alles einsaugen, was in Hüfsiger 6e- 
audt mit der Oberflache der Haut in Berühr 



— a5 — - . . 

rasg. kommt. < Dittter Satz, den meb icfc * 
eltaemals fiir vmbedingt wahf kiek, leidet aber 
gM&e^ Beschrinktmgeiib Es kt kiey der Ott 
ikiekt^ mich tief ia eine Uatersuehuitg über 
' dJeMB. Gegensiaad ejusulasseik Aber die Uii* 
rattflglicbkeit der haupttSehlicli reu Hallet e«f- 
gettelite» Grtfnde^ die iwei&ehrfErJdanii^t wel- 
che die (Hat entscheidend gehaltene» Versuche 
ronj4bemeAy zulassen, dieErEahmog^daft sdur 
^ der Körper naeh einem Stunden lange» 
Verwetten im Wasser nicht •» Gewidit an« 
niaünt, und wollte man dies auch einer ver^ 
snehrten Ausdünstung suschreiben, hauptsäch- 
iLcb die* Versuche von Segum^ veo denen itk 
Tiete aus eigner Erialnrung bestStigeu' kann^ . 
^fr Aneneybäder die deuArseneyen xukom«' 
meaden bestimmten Würkungen nicht habe»^, 
sind doch wohl hinUngUch^ 'den ebige» Satt 
für unerwiesen au erklären. Man muA aiöh 
4feher durchaus geneigt fühlen^ der Metnung 
Seguins beysutreten, daft Flüfsigkeken an di» 
OberAädie des Körpers glBbracht» nicht »»- 
^ers eingesogen werden, als wenn entwader 
die Oberhaut verletst ist^ oder wean aie 
duc^h Reiben mit Gewalt hiadurcb getrieke» 
und mit den darunter liegenden Qefnungm 
der lymphatische» GePafse in Berührtong ge« ^ 
bracht sind. • Man kann nun freylich diese» 
ßffipot ini B«^e ieioht.dujreh.Aeiben declftmft 



hervorbringen. 0a dies nun aber von keinem 
Arzt« meines Wissens je als nothwendig beym 
Gebrauche der mineralischen Bäder vorgesohiie« 
ben ist| so kann man sicher glauben >, dals 
diA guten Würkungen, die man nach solchen 
Bädern hat erfolgen sehen, nicht den nxip^ 
rauschen Best!indtheilen ^ die nicht in den 
Körper übergegangen sind, sondern den den 
Bädern allgemein zukommenden Eigenschaften 
iugeschrieben werden müssen. — Wenn dies 
«ber auch nicht der Fall wäre, und man zu- 
geben mü&te« dais der mineralische , Gehalt 
4iQ Würksarokeit der Bäder sÄr erhöhete, 
60 läfst sich doch aber auch nicht ein hal^ 
barnr Grund anführen, warum eine kutistliche 
Zuber<^itung nidit dieselben EigenscMl^te 
und Würkungen hf^en sollte. 

2) Die Erfahrung lehrt, dafs mineralische 
Bäder, sowohl die künstlichen als einfacheffi 
zehr an Wür^samkeit übertreffen. Um die^ 
ziin Satz zu beweisen, fuhrt man theils eine 
Reihe glücklidter Fälle an, wo die hartnäckig* 
sten, auffallendsten und schwersten Krank« 
Jb'eiten durch Mineralbäder gehoben sind, 
theils beruft man sich auf ^^ekizelne Beyspiele> 
wo andere Bäder vergeblich gebraucht waren* 
Aber ich berufe mich dreist auf jeden Ant; 
1^ ist sicher nicht einer, der nicht die wich« 
ti^sten Curen durch küttstliche odeir einfache 



Bäder glöcidioh yollendet hat. Zum Ueboiv 
Hufs will ich ilüch hier noch auf eiaeki F«ll 
aus meirter eigenen Beobao|ituiig berafea. Eia 
junges Frauenzimmer litt seit mebrerlBn Tttß' 
gen an der sogenannten reilsenden Gicht mit 
einer ^Heftigkeit/ die IVf itleiden und Schauder 
erregte. Schon s€)it einem Vierteljahre hatte 
sie abwechselnd Reifsen in den Gliedern em« 
pfuoden, die besonders einen, anhaltenden 
heimliohen Kummer und einem öfteren Spak* 
xievengehen in der Kuhle des frühen Mor* 
gens und des späten Abends ihren Ursprung- 
verdankten. Sie hatte schon mancherley Aiv 
senejrmittel yergeblich genommen. Ihr. Kör- 
|»er war so empfindlich» dals umgOL kein Glieds 
selbst nicht auf das vorsiditigstOy Mrührendurfi^ 
te ; und deswegen hatte manden Vorsdblag ihre» ' 
Arstes^ ein lauwarmes Bad aasuwenden, für 
nnthunlieh gehalten. Ich lieft sie durch ,v4 
Af eüsehen in dem Bettlaken worin sie lag, in 
ein go Grad nach Fahrenheit warmes Bad se^^ 
tBcn. Kaum war sie einige Minuten im Was- 
«er .gewesen, so. wurde sie ein wenig rnhiglBri 
liatheinier Viertelstunde fcooBte sie alleGlie^ 
der lifieder nach WüUkühr bewegen, * undf- 
joäch einer Stunde stand - sie von einer Fia« 
tiiiterstUtzt auf, imd ^tieg in ihr Bett. Di* 
86hMerzen und Steifigkeit ^ame^i .freylicii 
^rMdev-inirUokv >«ber*nieht im forigen Grade» 



*- a6 — 

Nach 5 Bädern waren die Beschwerden auf 
dem Puncte, wie vor diesem heftigen An&lle^ 
und auch hiervon wurde sie durch so Bäder 
von einfachem Wasser, ohne allen weiteren 
Arzeneygebrauchf befreiet, v Wäre eine solche 
Cur unter den Augen eines gröfseren Publi* 
kums '«an einer Öffentlichen Badeanstalt ge^ 
achehen, welches Aufsehen würde sie -nicht 
gemacht haben. Sicher wäre sie mit allen 
Umstanden, mit gerichtlichen Zeugnissen ver« 
sehen ; gedruckt ins Publikum gebracht. Der 
Brunnenarat wurde nicht ermangelt haben, 
aus dieser Heilung Folgerungen zu stehen^ 
die die wunderthätige Würkung der Quelle 
nun über allen Tadt-l, allen Meid erhöbe, sie 
wenigstens der des Teichs zu Betesta, wenn 
der Engel des Herrn ihn bewegte , gleich 
stellte, und was dergleichen marktschreieri* 
sehe Behauptungen, Folgerungen und Fehl- 
sdilüsse mehr sind, die man zum Lkel in so 
vielen Brunnenbeschreibungen' liefst. 

Die Fälle, wo andere Bäder vergeblich 
gebraucht waren, und nichts halfen, nttd wo 
nun ein Mineralbad half, können hier gar 
nichts beweisen. Denn dies beobachten wir 
von allen Arzenejmitteln täglich, und es 
liegt tbeüs m der Art und Dauer der An« 
frendung , theils in zufälligen^ oder absieht- 
Ml heorbey gefitfarten £infliisseo^ di^ maa 



^ — »7 ^ ', 

nicht beobachtete oder nicht in Anschlag 
b^chtew ' 

Uebersieht man aufserdem in den Bntn« 
nenbeschreibungen die Natur und Form der 
geheilten Krankheiten^ so findet man immer 
dieselben wieder. Die Mittel die aber hal- 
feOf waren ihrer inneren Mischung nach^ von 
der Terschiedensten Natur; denn unmögUch 
kann man die Bestand tjbeile des Driburger, 
d«s Nanndorfer, des Aachener und des Reh* 
burger Wassers üb8reiü''wiirken lassen. Es 
muls also allen diesen Badern etwas gemein» 
aames seyn, von dem dies^ Gleichförmigkeit 
der Kräfte abhängt; und dies setzen wir' mit 
vollem Recht in die allgemeinen Eigenschaften 
des .Wassers , des einfachen Bades, und der 
. solche firunnencuren begleitenden üebeü^ 
umstände. 

Von der Verschiedenheit der Würknng 
der Bader, nach dem Grade ihreip Tempera« 
tur, sage ich hier nichts , da ich keine Ab* 
handlung über Bäder schreibe. Zu tmserm 
Zwecke ist es himreich^nd zu. erinnern, dals 
pati den Nutzen , den man von einem kaltM 
Bade erwarten kann, wenn man auf sonst 
nichts retphnet» nicht braucht an einer kostv^ 
baren Badeanstalt zu suchen , sondern dafSi 
man ihn aller Orten finden kanui wo WAs^ 
ser ist. . . ^ 



— -aS — 

.. f^on der Heise, 

Bewegung in fr^yer Luft sollte eia Hanpt- 
beatandtheil' jeder Lebenaordnung seyo. Alles 
fordert den Menschen da7.u auf, Bau seines 
Kqfpers^, Grundsätze und Erfahrung« Und 
gegen keine diätetische Vorschrift wird so viel 
von einigen Menschenklassen gefehlt. Der 
grofse Stand ider schreibenden Staatsdiener 
läTst es in der Regel an, der notb wendigen 
Bewegung fehlen. Die Folgen dieser Unter- 
lassung brauche ich nicht hier aufzuzählen» 
•ie sind bekannt. Vl^enn nun aber Druck im 
Unterli^ibe, schwere ^usammenziehung dessel« 
ben, Magenschmerzen, E^jigbrüstigkeit, H&-' 
morrhoiden,' Schwindel, und wie das Heer 
defr Symptomen weiter heifsen mag, einen 
«blchen Stillsitzer quält, was kann ihm der 
Arzt würksameres rathen , als Bewegung in 
frey^r Luft? Aber zu Haus ist nicht ^daran 
zu denken. Gewohnheit, Geschäfte halten 

. ihn auf s«inem Zimmer fest, — also- eine 
Heise. Aber wohin? in die Schweitz, in die 
echönen Aheingegenden. Der Kranke taett 
die Achseln^ das erlanbeb meine Umstände 
nicht, so gerne iclii es auch mögte. Nun 
dann so ist kein ander Mittel fUr das Uebel« 
befinden^ wie des Pyrihonter Wasser an der 
Quelle sa trinken« Freylich ist Pyrmont 5o 

' Meilen entfernte Aber et ist von dem Gfh 



— »9 ^ 

brauche ^esArzeneymi^eU dleKed«, detieii 
'Würksaink^it .der Kranke an manGhenH' ^ei» 
ner Freunde achon bestätigt gefondan* iiat^' 
er imtschliefft sich. Nach 8 Wochen kommt 
«r heiter, fröhlich ^ Frey von steinen körperli- 
chen Beschwerden, zu neuer Arbeit ge%rkt ~ 
Eurück.' Weich ein herrliches kräfiiges Was* 
aer mu£i das nicht seyo! ruft das Publi(kum 
ausy trnd wenig unterrichtete Aerxte stimmen 
nicht selten ein. Wie bläfs, elend urd- huh . 
gei^ raisate der Herr nidit ab, und wie mun- 
ter und wohl aussehend ist eir nicht aipaHek .. 
gekehrt. Man macht es ihm nun zur P/Hdity' 
f ährUcb dies Bad zu besuchen , und ^ thut 
audi wahriich wohl daran. Deckt thak^ «Sek 
das>Pftmvenleben der Frauepzimmer tmseiw 
hohem Stände, inddm das Tanzen 'Ikst 'die 
einzige Bewegung ist, die den Nam^ der- 
aelben Terdient, die aber gemeiniglich durch . 
die sie begleitenden Nebenumstände tfeÜM^n 
woUthärigen Einflufs verliert, und berechnet 
man die nothwendigen Würkungen der fie* 
wegnng, so muls man 'auch gestehen, defsim 
Allgemeinen iluch bey dieser Menscheaklasse 
Bewegung in JEreyer Luft einen grofiexi-'Ao*' 
theil an dem guten Erfolge einer Brunnetfcfth' 
haben muls. -^ Freylich hat das Rcäsen ilöch 
opdere und sehr wichtige Vorthefle für 3ie 
Gttuadheit des Geistes ^^d des Körpmy 



r- 3o ^ 

rasser de^ Bawegung ; ich hnh6 ßher nur das 
hauptsächlichste Moment herausgehoben , da 
aie im Grunde alle bekannt sind« 



J^i9n der Entfernung von den gewohnten 
Geachüften. 

Wer kann sagen, dafs die Ausübung s^i« 
Kier Beru&pflichten eine Reihe angenehn^er 
GftnUfse ist? Gehören nicht Aerger, V«ir- 
drufs^ trübe Eindrücke» Zorn u. s. w. in das 
Gemähide des Berufs eines Geschäfstmannes? 
Jeder greife in seinen Busen — wer ist frey 
hiervon? Wie soll man aber diesen Krank- 
beitsux^chea entgehen ^ die unablaf&ig und 
oft mit ^ofser Kraft auf den moralischeii 
und physischen Menschen einwinken? Soll 
man etwa die\Würkun||^en9 als nunmehro 
blols in einer Veränderung des Organismua 
gegründet ansehen, und mit Hintansetzung 
dieser entfernten Ursachen zu heben suchen? 
Wenn dies auch angeht, mufs nicht bald 
dasselbe Krankheitssyrnptom , oder em ande« 
res vielleicht schlimmeres zurückkehren, da 
die Momente, die die Ursachen bildeten, un* 
lUiterbrochen fortdauren, und auf den Kran«' 
ken einfließen? Will man also die, Reihe 
von Zufällen, die man unter dem Namen 
Hypochondrie zusammen zu fassen, pflegt^ 



— 3i — 

durch Medicamente zn' heben suchen? Ich 
weiCi wohl, dafs man diesen Weg oft ein- 
schlagt; aber kömmt man wohl zum Ziele? 
Ein Symptom Verschwindet, ein anderes 
kommt wieder, und so wechselt die Reihe* 
der Zufalle täglich^ im allgemeinen bleibt 
es aber beym Alten. Nur ein Mittel kann 
hier helfen« Man reifse den Kranken völlig 
au£ eine Zeitlang aus seinen gewohnten 
Verhältnissen heraus, setze ihn in TÖllig rer» 
aohiedene. Und nun werden Arzeueymittel^ 
die Torhin das Uebel eher verschlimmer- 
ten , als befserten, eine aufTallende Würk« 
samkeit zeigen. Das einfachste Mittel ist 
auch hier eine Bninnencur an irgend einem 
Curörte* Man sieht hier den Grund, warum 
ein Brunnenarzt oft mit den einfachsteB| 
von dem Kranken schon 'oft ohne allen Nut- 
zen genommenen Medicamenten, den hen> 
liebsten Effect hervorbringt, wovon ich selbst 
sehr auffallende Fille gesehen habe* Ein ge- 
übter Brunnenarzt darf sich daher auch nia 
von dem Verordnen einer Arzeney, die ihm 
alle I Anzeigen zu erfüllen scheint, durch dt« 
Aenssemng des Kranken, ich habe dies Mit- 
tel sehon genommen , es hat mir aber nichts 
geholfen, vielmehr geschadet, abhalte» !•**.. 
sen. Er muls nie vergessen, dafs aÜa* Ein« ^ 
Russe, die bisher auf den Kränkelt würkt«4 1 



die Krankheit vielleidht hervorbrachtetr, oder 
doch unterhielten, nun völlig verändert sind, 
dafs also dieselben Arzeneyen, die ivicht wei- 
ter mit den schädlichen Einflüssen zu kam- 
pFen haben, im Gegentheil durch günstige 
unterstützt' werden, eine ganz andere Ein- 
würkung thun müssen« Wenn nun auch 
eine Reise' ins Bad nebst dem curmäfsigen 
Au£Fenthalte daselbst^ gemeiniglich, zu kurz i&^t, 
um die Krahkheitszufälle . sammt der An* 
* läge zu heben, so wird doch wehigMens alles 
besser werden. Nehmen auch sicher die 

r 

vorigen Beschwerden bei Erneuerung der al« 
^ten Ivrankheits - Einflüsse wieder nach und 
nach zuy so gelit doch erst einige Zeit dar«» 
auf hin. Und dann führt eine neue Brua- 
'nencur im folgenden Jahre die Sache wieder 
in ein gutes Gleiß», -i 



JP^orv der Veränderung in dem bisherigen 
^ Zirkel der organischen Thütigkeif. 

rr * Um mich hier -hiolMngHch ^deutlich zu 
machen, niul3 ich, .an. ^io von Hanley iixKV die 
Seele entwickelttes, y^^n Darwin auf die .kör>; 
perliche Thätigkeit «ngewandies Gesetz er«? 
inneren. 

VWenn ein Organ durch gleichzeitigeOL 
Reitz gez^ungen^ ^ich nach einejm ; andenoi 

un- 



— 33 — 

Hmnittelbar in Thätigkeit seut, und dies ott ^ 
wiederholt wird, so behalt das zwpyte Otgan 
eine Neigung zur Thätigkeit, wenn das Eiste 
in . Thätigkeit gesetzt wurde, und es bedarf 
keiner weitern Einwüikung irgend eines 
unmittelbaren Reitzes. So können sioh 
Tiele Organe unter einander verbinden, ao 
dafs, wenn eins durch einen zufälligen Reirs 
unmittelbar in Thätigkeit gesetzt wurde, die 
.ganze Reihe ohne weiteren Anstols mitwürkt^ 
Dies unter d^m Namen der Association be- 
kannte Gesetz, der thierischen Natur, ist 
attf eine musterhafte Art von dem grc^fsen 
Heil erläutert; wohin ich meine Leser ver« 
weise *)• 

Durch einen oft wieclerholten Fehler in 
der Lebenordnung schleicht sich in die Kette 
der organischen Thätigkeiten sehr oft ein, 
oder mehrere falsche Glieder ein* Die tag« 
liehe Wiederholung dieses Zirkels befestigt 
das fehlerhafte Glied immer mehr. £s ist 
gewils nicht selten , dafi» sich' an eine solche 
unregelmä&ige Thätigkeit eines Organs wieder 
eine fehlerhafte eines andern hangt. Dm 
erste Ursache, die in einem schädlichen Ein* 
Busse bestand, wird nicht selten vergessen» 
und es scheint nach einiger Zeit fast unmög- 

*} Archiv für di« Physiologie, t* Bd. pag. 141 fgg. 
XQL B. 9, St. C 



i 



- S4-. - , ■ 

Irch Aen Zusammenhang des fetzigen Uebel- 
befindens mit einem schädliohen Einflüsse 
aufzufiii'ieti. Ein Grund 9 warum bey chroni- 
schen Krankheiten die Untersuchung und 
Schätzung der EinflQsse, die aus Grundsätzen 
der Erfegungstheorie für so wichtig gehalten 
wird, so oft und fast immer zu nichts führt 
— Es kann so eine ganze Reihe krankhafter 
Thätigkeiten entstehen ^ wo immer ein Glied 
•clen Grund des andern enthält* Die so oft 
unerklärbar scheinende Reihe der unter dem 
Namen Hypochondrie so bekannten Zufälle, 
kann hier zum Beyspiel dienen. Der geringste 
Fehler in der Lebensordnung eines Hypo- 
chondristen , der sich einen Augenblick yoi^ 
her noch leidlich befand, erweckt nicht die 
unregelmäf ige Thätigkeit des Organs, auf 
das er unmittelbar ein würkte, allein, sondern 
die ganze Reihe der gewöhnlichen« £s kön« 
nen Umstände einti:eten, dafs das erste 
Glied einer solchen Reihe mehrere male hin- 
ter einander^ durch einen zufalligen Reitz er^ 
regt würde, wenn das Letzte eben gewürfct 
hatte. Hierdurch entsteht nun nach und 
nach ein Causalzusammenhang unter diesen 
beyden Gliedern. Die ganze Reihe wird sich 
so zu einer geschlossenen Kette verbinden, 
und die WUrkung ist ohne allen weitern An- 
stofs immerwährende da immer in dem einen 



— 55 — 

Zaralle die Wfirkung des andern He^. Die* 
ser fehlerhafte Zirkel der.tiYglichen BewegoH« 
gen, wird so lapge seinen Gang ung#^stört 
fortgehen, bis gewaltsamer Weise ein Glied 
herausgerissen, und seiner Thätigkeit eine 
andere Kichtung gegeben ist. 

Es können' abek* auch eben so gut solche 
fehlerhafte Associationen zwischen der orga^ 
nischen Thätigkeit des Gehirns, die durch die 
bekannten Seelenäusserungen sichtbar wird, 
und den übrigen Organen des Körpers, statt 
finden, so dafs entweder die Se^Ienthäfigkeit 
die' körperliche erregt, oder umgekehrt, oHer 
dafs mehrere einen Causakirkel unter sich 
bilden* Es verbinden sich daher oft, wie 
eine tBgliche Erfahrung lehrt, fehlerhafte 
Ideen mit den täglich wiederkehr^'nden kör- 
perlichen Thätigkeiten , und eine schiefe An« 
sieht der Dinge, selbst fixe Ideen, die nahe 
an Tollheit grenzen, Grillen mancherley Art, 
wohl selbst völliger Wahnsinn, ein falsches 
Gemeiugeftihl sind krankhafte Seelenäusserun- 
gen, die nicht selten aus dieser Quelle ent* 
sj>ringen« 

Welche Behandlung soll nun unter sol- 
chen Umständen helfen ? doch wohl nur die 
Befolgung der Idee, Aufhebung dieser fehler- 
haften Associationen. Dies ist leicht gesagt, 
aber nur mit Ueberwindung grof&er Schwi^"" 

Ca 



w S6 ,«» 

tigkeiträ ausanxf&hren. ^ Es ist sehr oft der 
Fall 9 dals das hauptsächlichste Glied einer 
solchen Reihe^ das den Grund des in die 
Sinne £illenden lästigfen Symptoms , wornach 
man gemeiniglich den Namens und Sf^lbst die 
Wichtigkeit der Krankheit bestimmt, ein in- 
neres durdh keine bemerkbare Erscheinung 
^ sich äusserndes ist,^ das, wenn es erkaiint ist^ 
doch nicht durch unsere bekannten H&lfs- 
mittel kann entfernt werden, dafs man also 
der Verkettung immer welter nachspüren 
muls, und so sie nicht selten völlig verliert ^ 
u. s. w. So giebt es freylich Fälle ^ wo man 
nHit aller Aufmerksamkeit einer solchen Asso- 
ciation nicht auf den Grund kommen kann^ 
und wo dann oft der Zufall oder ein küh- 
ner Quacksalber heilt, was dem besten Arzte 
unheilbar war« Dies darf uns indessen nicht 
yerhindem^ diesen wichtigen Gesichtspunctv 
besonders in chronischen Kradkheiten , mit 
allem Ernste zu verfolgen. Aber wie viel 
Aerzte giebt es wohl, die scharfsinnig, auf- 
merksam und unbefangen genug sind, um 
so tief, so genau die Lebensart des Kranken^ 
das tägliche Wiederkehren der körperlichen 
und geistigen, gesunden und krankhaften 
Thätigkeiten, und .ihre Verkettung unter ein^ 
ander aus diesem Gesichtspunote zu benr-> 
theilen. Und selbst diejenigen ^ deren Ta« 



~ 57 - 

lente, Geist und Lust xur Wissensdiafk sto 
Toilkommen fähig macht, diese nur in leidi- 
ten Umrissen hiogeworfenen Ideen xu be- 
nutzen , werden aufrichtig genug seyn'^ zu 
gestehen , dafs sie aus practischen 6e« 
sichtspuncten wenig darauf geachtet haben^ 
wenn sie schon gröfstentheils selbst gestehen 
werden 9 dafs sie in chronischen Krankheiten 
die wichtigsten Gründe zur Beurtheilung dar» 
bieten. Selbst Schriftsteller haben auf das 
unverzeihlichste yersäumt^ diese in der or|^ 
nischen Natur so tief gegründeten Gesetze zu 
practischen Zwecken zu benutzen. Was man 
bey Darwin darüber findet , ist wenig zu gel- 
brauchen, da zu viel willkürliche Hjrpothe» 
sen das Brauchbare verstecken. ' Und doch 
ist es fast das Finzige. Schon im Jahr 1797 
habe ich in meiner Schrift über die epidemi» 
sehe Rühr mehrmals diese Idee zur Erklä- 
rung der im Verlaufe dieser Krankheit vor« 
kommenden Erscheinungen benutzt. Aber 
nimmt man die Schriften des scharfsinnigen 
Reil aus, besonders seine Rhapsodien über 
den Wahnsinn , wo viele hierher gehörige Be- 
merkun^n sich finden^ so entsinne ich mich 
nicht , die physiologischen Untersuchungen 
ausgenommen^ mehreres hierher gehöriges ge- 
lesen zu haben. 

Ich. fordere 'also hiermit lille practisch(^ 



~ 38 .- 

Aerzte auf, diese Gesichtspuncte mehr zu 
benutzen, wie sie bisher tb^ten« Ich bin 
iiberzeugt j sie werden dann manche Krank- 
Jieitserscheinung erklärbar finden, die sie 
bisher aus hphern Grundsätzen nicht abzulei« 
tan wufwen, onanche Krankheit heilbar, an 
der hie bisher yergeblich Kenntnirs, Fleirs 
> und Zeit verwaadeten. Ich rede nicht von 
der großen Menge solcher Aerzte, die die 
Grund5ätze des Meisters gutmüthig anneh- 
men ^ und sie glauben erfüllt zu. haben, wen^ 
sich bfj belegter Zunge ein Brechmittel ver- 
schreiben, bey vollem harten Pulse zur Ader 
lassen, oder bey Zufällen, die. man der 
Asthenie zuschreibt, Opiüm verordnen. Diese 
gehören nicht zu uns, und müfsten als im- 
wurdige^ Mitglieder zu einem Handwerke zu- 
rück geführt werden , wo ihre beschränkten 
Ffihigkt' ten und Geistesträgheit einen änge- 
znessrnern und nützlichem Würkungskreis 
fänden, 

,Alle Schwierigkeiten auch überwunden, 
deren in dem obigen nur einige angegeben 
sind, die Erscheinungen aus allgemeinen 
Grundsätzen abgeleitet, ihr Causalzusa'mmen^ 
hang unter einiuider erkannt, selbst der BLeil- 
plan, Trennung der Verkettung, im Detail 
entworfen; so lehrt doch die Erfahrung, dafs 
sehr oft KrarlJte^ besonders 4us den höhern 



- 59 ^ 

Ständen, nicht Ueberwindung, Selbstverleug- 
nung und Anstrengung genug besitzen, vifti 
eine ernstliche Aenderung in ihrer Lebens« 
c^rt zu machen, die der Arzt als nothwendig 
einsieht und empfiehlt. Hier mufs der Arzt 
seinen Kranken täuschen, ihm etwas empfeh« 
len, von dem er ihm aus andern Ursachen 
die Nothwendigkeit vorstellen kann. Und 
eine Brunnencur ist hier ein Mittel, das sehr 
oft glücklich zum Zweck fuhrt. -^ Eine vor- 
nehme junge und reiche Dame, die seit ih« 
rer zarten Jugend eine sehr reitzbare Con« ^ 
stilution gehabt hatte, war seit mehreren 
Jahren gewohnt, nicht vor 2 Uhr des Nachts 
sich zu Bett zu legen^ und sich bis dahin die 
Zeit mit weinerlichen Romanen zu vertrei- 
ben. Sie blieb dann des Morgens bis gegen 
Mittag liegen. Wie dies mehrere Jahre so 
fortgesetzt war , fing sie an, an mäncherley B^r 
schwerden zu leiden , die Augenlieder ent- 
zündeten sich, das Gesicht schlug aus, die 
Regel kam in Unordnung, kam weit häufiger, 
und in kurzen Zwischenräumen. Dies wurdo 
inc^essen noch wenig beachtet, und einige 
kleine Mittel war alles, was man dagegen 
anwandte. Nun entstand aber ein sehr star- 
ker weisser Fluis mit Rückenschmerzen, Urin- 
brennen und örtlichen Entzündungen. Viele 
iväsere und innere Mittel wurden vergeblidi 



- 4o - 

angewandt, selbst Mercurialiä, da die Hart- 
liHckigkeit des Uebels den Verdacht eines 
Tenerischen Ursprungs erzeugt hatte. Man 
sog mich zu Rathe. Ich bestand hartnäckig 
auF eine totale Yeranderung ihrer Lehens- 
Qrdnung. Ich war aber nicht im Stande sie 
zur Unterlassung ihrer nächtlichen Beschäfti- 
gungen zu bewegen, sie setzte mir jedesmal 
die Hehauptung enfgf'gen, ihre Natur habe 
aich so an die^e Lebensordnung gewöhnt, 
dafs es ihr nicht schaden könne; sie^ habe 
ausserdem manches Jahr so gelebt, ehe sie 
diese iästigei^ Zufalle bekommen habe. Wie 
nun gar bey einpm Versuche,' wozu ich sie 
-. brr^dure, 'Unruhe, Schlaflosigkeit, ängstliche 
Träume, Verminderung des Appetits, Mattig- 
keit und eine Zunahme aller ihrer Beschwer- 
den entstand, so weigerte sie sich, gestützt 
auf diese fieobachriing, hartnäckig ihr^ I^e« 
bensart in diesem^Stücke zu ändern. Nun be- 
stimmte ich sie zu einer Reise ins Bad nach 
Verden. Freylich heilte weder das Bad, noch 
der Seltei brunnen, noch die Veränderung der 
Let)ensart, und Ablegung dieser üblen Ge- 
wohnheit das Hauptübel. Sie hatte. nun aber 
6 Wochen lang sich an eine andere Lebens- 
oWnnng gewöhnt, besuchte noch 4 Wochen 
eine Verwandtin auf dem Lande , ' und kam 
jfreylich mtmterer, a^er doch iü der Happt«^ 



. - 4» - 

fache 'ungeheilt' an ihr^i Wohnort zurück» 
Es wurde ihr aher nun nicht sauer, mehrere 
ihrer üblen Gewohnheiten auizugebea. Nach 
nnd nach verging der 50 sehr lästige weisse 
Flufs^ und nach einem halben Jahre war sie' 
TÖUig geheilt. 

Sind nun Brunnen- und Badecuren ^ be- 
sonders an etwa» entfernten Cur -Orten, die 
sichersten, bequemsten, und würksamsten 
Mittel, eine solche Kette täglicher fehlerfa^- 
ten Thätigkeiten des Körpers und der Seele 
zii zerreivsen, so folgt eine Regel bey d^r 
Auswahl eines Cur -Ortes, die ziemlich aUge- 
mein i»t. Der Kranke soll eihe solche An-: 
stalt wählen, wo er gezwungen ist, eine von 
seiner bisherigen am . meisten abweichende 
Lebensordnung zu beobachten. 

Dpr Grofsstädter, gewohnt feine, «• 
hitzetide Weine zu trinken, aitsgesucht zi» 
essen, hoch zu spielen, Concerte, Bälle, Co« 
mÖdien zu besuchen, beständig in einem 
Strudel rauschender Vergnügungen die Stunde 
seiner M £se hinzubringen, soll unter den 
vorausgesetzten^ Bedingungen nie nach einem 
grofsen Cur -Orte gehen. Er findet da sonst 
alles wieder, was ihm zu Haus schadetejr 
oder er kann es sich doch leicht versdhafPeiir 
Und die Macht d«r Giswohnheit auf die Ge 
müther der meisten Menschen ist so grofi 



- 4a - 

6^ alla Grande feines Arztes n'dt so Tiel 
fiber iha remnögen werden, seine Lebensart 
. nur la der Form zu wechseln. Der haupt- 
m^hUchste Vortheil einer solchen Bronnencor 
wird ihm fo^Iich entgehen — Veräiid«iuig 
des gewohnten Zirkels seiner Lebensart. Frej- 
lieh wird er noch die übrigen Vortheile einer 
Brunnencur geniefsen , und er wird vielieicht 
erleicbert nach Haas kommen; aber warum 
sie nicht alle l^nutzen, metiM^ sie ihm zu Ge- 
bote stehen? Er reise also in ein kleines 
Bad. Ich rede hier von dem währen Kran- 
ken, der Gesunde mag gehen wo er wüL 
f)ie einfache Lebensart, die er zu fiihrea 
gezwungen ist, wird einen nicht unangendi« 
mn Contrast mit seiner bisherigen madien. 
Die Gelegenheit ist ihm beschnitten, er kann 
nicht lüehr so in Süufs und Brauls fortleben^ 
mu& sich an die kleinen Gesellschaften an« 
•chlielsen, mit Unterhaltung , Spazirengehen, 
kleinen Landreisen seine Zeit der Gesundheit 
angemessen hinbringen« 

Hingegen, der w^ohlhabende Kleinstädter, 
der reiche Landbewohner, gehe nach einem 
grofsen stark besuchten Cur- Ort«. Die Le« 
bentart der grofsen Welt, durch die er bis- 
her nicht sündigte und sich sein Uebel nicht 
Bttzogy wird ihn nicht selten heilen, oder 
doch wenigste^ vieles zu seiner Heilux^ bejr« 



- 43 - 

tragen. Neue schädliche Gewohnluufen ao» 
zunehmen, braucht er nicht zu fürchten, die 
abgeschnittene Gelegenheit bey seiner Zu- 
rückkunft wird sie schon wieder heben. 



Von der Zerstreuung^ Unterhaltung des Gel' 
stes y 'Leidenschaften , und Gemüthsbewegun" 
gen mancherl^ Art. 

Wir haben hier nur zu untersuchen, wel- 
chen Ursachen die so oft auffallende Würk- 
samkeit der Brunnen «> und Badecuren zuge« 
schrieben werden mu/s, und nicht den nach- 
theiligen Einiluis, den der Mifsbrauch dieser 
Ursachen hervorbringen kann. £s i3t leider 
durch öftere Beobachtung erprobt, dals dio 
eben genannten nicht selten die guten Wür* 
kungen aller übrigen stohren^ und gänzUcli 
aufheben, aber es ist doch auch ni^ht zu 
leugnen; dafs sie, gehörig geleitet, yiel zur 
Heilung beitragen. Müssen sie nicht im ge-* 
ringen ilnd gehörigen Maafse angewandt, zu 
solchen Einflüssen gerechnet werden, die die 
Thätigkeit des gesammten Organismus bele- 
ben , befördern? Wen häusliche Sorgen 
umgeben ji wen' Kummer und Traurigkeit 
unmuthig und reitzbar machen, wer gebun^^i 
den durch Wohlstand, gekettet durch da* 
Gefühl der Pflicht, der Theilnahma^ 4l 



- 44 r- 

Liebe vielleicht an einen kränklichen , mürri- 
schen Mann, Frau, Mutter, Schwester^ seine 
l^age in trüber Einsamkeit Iiinbringen mufste, ' 
welchen belebenden ' erquickenden Einflufs 
mufs iMcht auf den die Zerstreuung in der 
er nun lebt^ der beständige ihm so neue 
Wechsel der Gegenstände und Auftritte^ die 
TJnterhaltimg ' der Sinne und des Geistes, 
Freude y Heiterkeit u. s. w. haben? müssen 
nicht Magenschmerzen 9 Mangel an Verdau- 
ung, übermälftige Beweglichkeit des Nerven- 
systems^ zu reitzbare Beschaffenheit des Ge- 
müths, Schwindel diesen wohlthätigen Ein* 
flÜ8se;i weichen ? Und welcher Arzt weiß 
nicht y wie äufserst wohlthatig diese Gemiiths* 
Stimmung beständig auf solche Kranke wiirkt, 
die am häufigsten in die Bäder ströfamen, und 
da den gröfsten Nutzen empfinden ^ die Gicht« 
tischen und BheuitiatischenP, 



f^on der Veränderung des bisherigen 
Arztes* 

Dieser Umstand ist wichtiger, wie er 
auf den ersten Blick scheint. Es können 
hier zwey Fällen statt finden. Entweder ist 
der Kranke in den Händen eines rohen 
geistlosen Empirikers , der seine Wissenschaft 
nur blos- wie ein Erwerbsmittel betr^chtef^ 



- 45 - 

und alles aus diesem Gesichtspuncte thut^ 
' oder er wird von einem Kennt nifsreichen^ 
geistvollen Arste behandelt, der seine Wis- 
senschaft aus Neigung cultivirt, nicht blo» 
zum Erwerbmittel benutzt und dessen scharf- 
sichtigem Auge nicht leicht etwas entgelit. 
Im ersteren Falle leuchtet es von selbst in 
die Augen y wie nützlich eine Veränderung 
des Arztes dem Kranken seyn kann und mufs. 
Aber -es finden sich hier oft Schwierigkeiten, . 
die für den Wohnort unübersteiglich sind: 
der Kranke darf seinen Arzt nicht vor den 
Kopf stolsen , und den schlechten mittel^äfsi* 
gen am wenigsten, indem er durch Vertäu« 
schung Mifstrauen in seine Kenntnisse äufsert« 
Es ist nicht selten ein naher Verwandteri 
wie meistens immer in Handelsstädten, oder 
er hat bedeutende Gönnär u. s. w.. Was 
bleibt dem Kranken übrig, als eine Reise 
%u machen,' und welche gebe wohl ei- 
nen befsern Vorwand als ins Bad. Er wird 
auch den Zweck seiner Reise nicht verfehlen, 
da er sich ein Bad wählen wiiti, dessen Arzt 
dem Publikum bekannt, von dem seine ent- 
fernten Collegen mit Achtung sprechen. Ist 
sein Uebel nun heilbar, so wird der erfahrne 
Brunnenarzt die gehörigen Gesichtspuncte zur 
Leitung dei: Cur, und Lebensordnung auf- 
stellen und benutzen, und der Kranke. wird v 



^ 48 - 

Eines Umstandes mufs ich Jiier noch er- 
wäbiidii , d^j: naöh meiner Meinung ein wich«« 
tiger Hinderriiügrund einer gLückiichen Hei- 
lung in den meisten Fällen ist, und der durch 
eine Brunnencur gemeiniglich gehoben wird* 
In grofsen Städten hat man den Gebrauch bey 
einigermaafsen ) sey es durch das Auffallende 
der Symptome^ oder dureh die Langwierig- 
|teit des Uebels wichtigen Krankheiten meh- 
rere Aerzte zugleich zu Rathe zu ziehen. Der 
Mangel an flinheit in den Principien der Be- 
handlung , das schwankende der Behandlung 
selbst y die Uneinigkeit der Aerzte, die in- 
dessen viele Gründe haben, sich gegen jein« 
ander nachgebend, gefällig zu beweisen, uü4 
viele andere Gründe, die hier aufzuz.ihfea* 
und zu entivickeln nicht der Ort ist, habeQ 
mich sc^on seit langer Zeit überzeugt^ dals so- 
genannte medicinische Consultationen am 
Krankenbette unter loo Fäll<"n vielleicht nicht 
einmal ohne Nachtheil des Kranken ablaufeii. 
Die Nachtheile, die hieraus entspiingen, d 
ich weifs aus Erfahrung, dafs sie nicht klein 
sind, hebt der Erfahrene Brunnenarzt., Keine 
andere Bücksipht bestimmt ihn seinen Ideen 
zu folgen, als die Ursachen die er der Krank- 
heit zum Grunde legt. Und vielleicht die- 
selbe Idee, die man bisher bey der Behand- 
lung des : kranken an meinem Wohnorte zu 



- -49 - 

befolgen vorgab, von dem Brunnenarzt mit 
Einheit, Energie und ungenirter Wahl der 
-Hufsmiltelangewandty heilt nun den Kranken. 

P^oA der yeränä^rung der Atmosphäre. 

Freylich hat die Chemie in neueren Zei- 
ten viel cur Kenntniis der luftartigen Stoffe 
gethan, die uns beständig umgeben , mit un* 
aerm Innersten in Berührung kommen; frey* 
Uch haben die AerztOi manche glückliche und 
liii^lückliche Hypothese vorgetragen , um swi« 
sehen den sinnlichen > oder mit Hülfe chemi« 
scher Orundsätze zu entwickelnden Abwei' 
chungen der Atmosphäre^ und den mit dea« 
selben gleichzeitig vorkommenden Ersehe!* 
nungen in der thierischen JNatur einen Cku'» 
sahiezus aufzufinden» Aber wenn wir gerecht 
und yorurtheilsfrey urtheilen wollen y so müs* 
sen wir gestehen ^ dafs wir aus diesem Ge« 
sichtspuncte betrachtet^ nicht mehr wissän^ 
iria Hippocpetes wufste« So viel hat die Sr« 
fahrung seit der Zeit bestätigt^ dafs man 
oft Krankheiten^ besonders die epidemischen 
und endemischen zu behandeln hat) die man 
mit der angestrengtesten Aufmerksamkeit von 
keiner andern IJrsache abldten k^nn^ als von 
einer von der gewöhnlichen Mischung ab- 
weichenden Atmosphäre) wenn schon Sinne 

aUX. B. a« SL . D 



^ So ^ 

und chemische Hül£smittel sie nicht ent- 
decken können. 

Dafs es aber auch chronische Kranklieiteii 
giebt, die einer^ wenigstens für dies Indivi- 
dtium krankmachenden Eigenschaft der At- 
mosph#'re zugeschrieben werden müssen, hat 
mu eine mehrmalige Beobachtung erwiesen^ 
von denen ich hier eine erzählen wilL Ein 
dreyjahriger liebenswürdiger übrigens gesunder 
Knabe des Herrn Amtschreiber Hanmann in 
Neustadt am Rübenberge, bekam ohne wei- 
tere Veranlas'^ung Zuckungen I wöbey er in 
die Knie schofs, und den Kopf heitig nach 
vorn beugte Ein solcher Anfall war die Sa- 
che eine» Augenblicks , kam aber sehr oft . 
und ohne alle Veranlassung zurück. Die be- 
sorgten Eltern thaten alles^ um den Knaben 
von diesem Zufalle , von dem man fiir die 
Zukunft Üble Folgen fürchtete , zu befreien. 
Ich verfolgte lange Zeit die Ideen, ^e mir 
als die gegründetsten schienen, aber rergeb' 
lieh. Keine Art der Behandlunjg, keibe Alv 
zenej wüfkte im geringsten auf diesen Zu- 
fall. Der Herr Leibmedicus Lendn wurde' 
nun zu Rathe gezogen; und der Name dieses 
geübten Practikers ist Bürge y dafs alles , gtm 
schah y was die Kunst rieth und auszürichtaa 
vermogte^ aber auch vergeblich« Der Vater 
wurde iiun nach Schulenburg befördert! und 



1 



^ Si ^ 

mit der VerSnderung dieses Wohnort waren- 
alle krampfiiaften Zufälle sogleich verschwun- 
den, und der Knabe völlig gesund. Einige^ 
Jahre nachher war er es noch. Wie es ihm 
jetst geht, weiTs ich nicht. Wäre dieser Knabe 
nach einem Bade geschickt, die VerSoderung, 
des Aufenthalts wurde ohnstreitig denselben 
Erfolg gehabt haben, und würde man dann 
nicht die Würkung dem minetalischen Was- 
ser augeschrieben haben? 



Dies als nothwendige Einleitung. Nun 
nodh einige Worte iiber eine kleine Badean > 
sult, der ich als Arzt vorgesetzt bin. Frey- 
lich ist sie zu kleiU) um sich unter 4hren vie* 
len Brüdern zu erheben; indessen hat sie 
alle das Gute der übrigen mit ihren Schlim« 
men gemein ^ und verdiene daher eben so 
wenig . in Vergessenheit zu versinken« Ich 
weift wohl, dals das Lob der Brunefiär^te 
dem Publikum mit Recht verdächtig ist^ ich 
werde mich auch wohl hüten, in den quaksaU 
berischen Ton vieler meiner Herrn Collegen 
einsostimmen* Ich werde vielmehr genug 
gethan m, haben glauben , wenn ich ^eige, 
daia die hiesige Anstalt die gewohnlichen Vor- 
ftiige i^id Fehler anderer Ansalten hat^ daft 
hier eben sowohl Kranke geheilt Weggehen, 

Da 



-. 5a ^ 

wie von andern selbst den berühmtesten. Ba* 
deanstaiten , dafs aber unser Bad das mit al« 
len übrigen gemein hatj^ dafs Kranke kbm- 
men^ Hülfe suchen und nicht finden. 

Die Quelle liegt In einem sehr kleinen 
angenehmen Thale^ durch ^as sich ein Bach 
schlangelt, der in einer Strecke von einer 
Stunde 5 Mühlen' treibt, wovon s so liegen, 
dafs sie das Brunnenthal begreneen, und. von. 
dem in der Mitte liegenden Geselisohafitissaale 
übersehen werden können« So wenig sich 
die Gegend auch vor vielen Badeanstalten 
Deutschlands auszeichnet» wo die Natur alles 
thaty um sie in Hinsicht der Gegend m eig- 
nem schönen Sommeraufenthalt su öiachen^ 
so mufs man es doch sehr angenehm nennen. 
Die Gegend durch die man passiren mufs, 
. um in das Thal zu treten , ist gröfstentheits 
sandig, dürr und unfruchtbar, und die Ueber» 
raschung ist sehr angenehm, wenn man nach 
einem beschwerlichen , unangenehmen 1/Vege 
durch das lebhafte Grün der Wiesen, und 
den dunkeln Schatten alter Eichen so ange- 
nehm entschädigt wird. 

Man sieht es schon dem rdthen Schlick^ 
der einen greisen Theil dieses Thals aberzieht,^ 
an, dafs hier eisenhaltige Quellen seyn m.fii* 
sen. Und wäre es erlaubt aus der M^nge 
dieses Ökers, ^n das Wasser alkr Orten lA- 



~ 55 -r 

setat^ EU urtheilen^ so miifste der EiseDgekah 
sehr grofs tfejm. Die Quelle war schon seit 
vielen Jahren bekannt, indessen erWahnt ih- 
rer Trumph in * seiner Historia naturalis un^ 
bis Ferdae 1744- zuerst als eines Heilmittels^ 
dessen sich die Landleute häufig bedienten^ 
besonders gegen Magenbeschwerden, uodAur 
Heniprankbeiten. Sie wurde weiter lange 
nicht beachtet, bis sich ein hiesiger Arst^ 
JSrflSve, deriQueUe ernstlioh annahm. Er em* 
pfohl-^sie durch- einige gedruckte Schriften^ 
J>ewog den Bergcommissair fVestrhmb in Ha* 
mein, sie. llhemi^ch zu untersuchen, liefs sich 
von der medicinischen Facultät in Göttingen. 
ei<i Gutachten geben, machte alle geheilten 
Fälle bekannt^ und schrieb nach Art der 
jn^isfim Bruhnenärzte die Heilung allein d^ 
^ürksamkeit des Wassers und. dessen- Bef- 
standtheüeA au; genug er schlug. alle die Wege 
ein^ die noch heut 2u Tage fast immer ein* 
geschlagen werden. Es gelang- ihm auch ^- 
nigermaafsien der Anstalt einigen Ruf zu ver!* 
scha£Fen. Es kamen Fremde, um hier ihr« 
<jesundheit wieder zu suchen , und viele fan- 
den sie auch wörklich. . Waa «er aber nicht 
erlangen konntej war^ dafs dier. Regierung ge- 
neigt wurde, einigen Aufwand. z6r Verschö- 
nerung und Verbesserung «u machen« Diie 
Efgenthüxoer des Bodens, auf dem die Qaellt 



-. 54 - 

entsprang ^ ' xnufaten alles ans ibren Mitteln 
bestreiten, Man kann so löicht denken, dafs 
es sehr langsam ging, ehe die hiesigen Anatal- 
ten nur emigermaalsen den nothwendigen 
Bedürfnisseü entsprachen« Es wurden indes- 
sen nach und nach mehrere Häuser zum Lo« 
giren , theila eingerichtet j theib neu erbaut« 
Ein grofser gemeinschaftlicher Saal wurde in 
der Wohnung des Speisewirths an der sehet* 
tigsten. Stelle des Thals eingerichtet. Und 
was die Hauptsache war, ein ganz neues Ba« 
dehaus mit 8 Bädern wurde aufgebauet^ das 
diervelbe Einrichtung wie bej andern Aastal- 
ten hatte, und man brauchte nun nidit wei- 
ter in Wannen zu baden , was bisher gesehen 
war* Nunmehro ist für den, der seiner Ge* 
siTndheit wegen ein Bad besucht» alles ge- 
than, was einzelne Privatpersonen vermögen, 
und ich kann die Versicherung hinzusetzen, 
dafs, sieht man nicht auf grolse Eleganz, 
die hiesigen Badeanstalten dieselben Yortheile 
besitzen» die man bey andern Cur ^ Orten 
findet. 

Da, 'wie wir gesehen haben^ ea bey 
Schäuung der Würksamkeit eii^er Brunnen- 
und Badecur nur sehr wenig auf die Bestand- 
theile des Wassers , desto mehr auf die oben 
entwickelten Bedingungen gerechnet werden 
muisj SQ kann e$ UberAü&ig seyn, die Beatand- 



' «- 55 -. 

tiieile unsere Minertiiwassers hier noch eia« 
mal flttfmsählen. Der bekatinte Chemiker 
fVesirumb hat es untersucht , und seine Un- 
tersuchohg in seinen physikalischen Schriften 
alyiraeken lassen« Wem damit gedient ist» 
kann sie daselbst nachlesen , oder auch die 
Resultate in Huffmanns Taschenbuche. Der 
-^«me dieies Scheidekünstlers bürgt fUr did 
Wahrheit und Genauigkeit der Versuche, 
nnd der daraus gezogenen Folgerungei|. Man 
aieht. hieraus, dafs das Wasser zu dem Salz« 
nnd Eisenhaltigen gehört. Die Erfahrung 
lehrt auch, dafs es dieselben Wi(ikung<^n 
hat. In grofser Quantitit getrunken, fuhrt 
es ab. Ich könnte hinzusetzen, es stärkt die 
Faffir, 'itellt den Ton derselben Mfieder hj^Fi 
vermindert " die zu grolse Sensibilität, wenn 
nicht -.Ülea diesen Ausdiücken unhaltbare 
Hypothesen zum Grunde Ugen. Ich verlasse 
diesen so oft betretenen VVeg, ein Walser zu 
preisen, das schon wegen seiner Qualität als Was« 
ser nicht noch Bestätigung bedarf, um gehörig 
angewandt, ein wiirksames Arzeney mittel zu 
sejn. Ich konnte auch theils aus meiner eig- 
nen Erfahrung, theils ans den Schriften mei- 
ner Vorganger, eine Menge der auffallend-, 
aten Fälle von den * guten -Würkungen unse-- 
rer Quelle in mancherley Haufen von Er« 
acbeinungen anführen, als z. B* in (;ro£B^ 



_ 56 — 

Beweglichkeit des Ner*3nsystem8, und de» 
daher rührendeü Krämpfe mancherley Art, ei* 
ner Krankheit vorzöglich der Damen utwerer 
hohem Klassen; nachgebliebene Schwäche 
nach angreifenden, erschöpfenden Krankheit 
ten, zu häufiger monäUicher Reinigung, der 
so allgemein herrschendea G.cht, einer Krank* 
heit , wo laue Bäder fast die einzigen B^ittel 
sind , \ju s. w. loh mag aber die Aerzta hier- 
mit nicht langweilen , ,da solche Krankheit^ 
geschiebten nur selten istwas' enthalten, wat 
nicht längst bekannt» wäre, und TieUeicht 
noch nie etwaig zur Vervollkommung. der 
Kunst beygetragen haben. Es mag hier die 
Versicherung hinreichen ^ dafs es nicht Jf idit 
einen Haufen von Erseheinungen giebt, bey Aem 
ich -nicht während des Gebrauchs unteres 
Bades Besserung und Hülfe hätte erfolgen 
sehen. 

Alle das Eigenthümliche, es sey im Güten 
oder Bösen, was Jeder kleinen Badeanstalt 
zugeschrieben werden mufs, findet sich anph 
hier. Keine Gomödien , kein» Feuerwerke, 
keine Concerte beriihmter Tonktinstler, keine 
Masqueraden, und -was weiß ich wie die Ver-. 
gnügungen der grofsen Welt alle heiasen. 
Wer die sucht, fjehe in eine grolse 'Stadt, 
oder bleibe da. Wem aber ein leiditer Von 
.jedem Zwange . entfernter Ton der Unterhai- 



Tt* 57 -^ 

tong-gefillti wer alle die kleinen Vergnilgim« 
gen liebty die ein ländlicher. Aufenthalt in Oe* 
Seilschaft eini^jer oft sehr geistreicher M^n« 
sehen Verspricht; wer ordentlich au leben gef 
denkte ^eich entfernt von Schwelgerey und 
zu groT&er Beschränktheit, und wer endlich 
seine Herstellung von einer bestimmten Krankr 
heity Befestigung einer schon etwas schwang 
kenden Gesundheit » Erholung von drücken- 
den Geschäften zum Hauptzwecke einer Ba« 
dereise macht, der komme zu uns; ich bin 
überzeugt, er wird nicht ohne Erfüllung sei» 
ner Wünsche, in so fem si^ erfüllbar sind,^ 
Ton uns gehen. 

Es wird manchem angenehm seyn, eine 
etwas genauere Beschreibung unserer hiesir 
gen- Lebentart y und^er zur Bestreitung dem- 
selben erforderlichen Kosten zu lesen. Hier 
ist ein Skeiet. Um 5 Uhr des Morgens wird 
angefangen zu baden , una um 6 Uhr ist je* 
der, den licht Uebelbefinden zurlick hält| 
im Freyen, oder im SaaL Spaaierengehend 
trinkt jeder seinen Brunneq , und hört der ' 
Morgenmusii unter den Bäumen zu. Um 
^ 8 Uhr ist algetneine Gaffeestunde. Wen set 
ne besdmmtd Zeit nicht 241m Baden ruft| 
läist seinen Kaffee unter die Bäume bringeSi 
und regnet es, in den Saal 9 oder ist ihm dies 
zu'weitlSufitij^ so kauft er sieh- eine Porkioä 



4^ SS w 

' V0II dem Traiteur für 3 ggr. Conventioris 
Afüiiie« Nachher geht jeder seinen Ge« 
töhiften oder seinen Phantasien nach. jEioige 
baden , andere madien einen gröfsern Spazier* 
gang^ andere setaen sieh und vertreiben sich 
die Zeit mit einem kleinen Kartenspiel Um 
if Uhr versammeln sich diejenigen , die ihr 
Ziiiitner verlassen köniien , in , den -grofsen 
S^al. Es werden 4 Schüsseln aufgetragen, 
wöftir man la ggr. bezahlt i und trinkt je* 
maad seinen eignen Wein , so erlegt er noch 
ai ggr. Korkgeld fiir die Bouteille« Nach 
Tisch kommen aus Verden^ was eine halbe 
Stunde entfernt ist, täglich mehreie theils zu 
Fufs, theils zu Wagen ^ um von der hiesigen 
Gesellschaft zu profitiren. Nun ihut ein jer 
der was ihm »eine Phantasie als ^angenehm 
vorspiegelt Man tanzt, man spiek, mancon- 
Versirt beym Thee, man geht spuiren, man 
fchaukelt sich,. und so läuft dieSieit bis zum 
Abendessen um 9 Uhr unvermerjft hin. Man 
ifst von d Schüsseln^ und bezahlt dafür 6 ggr. 

^ Nacli dem Abendessen pflegt äch die Ge- 
aelUchaft noch mit allorhand Ueiaen, aufmun- 
ternden Spielen zu unterhaltet f nnd um 
II Uhr spätesten^ . geht alles zu Auhe« Und 
ein erquickender Schlaf folgt gemeiniglich 
einem mit Uei|.erkeit des GemijtKs durchleb- 
ten. Tage, ->>> Nur der Sonntag nacht von die- 



- 59 - 

ser Lebensart eine Ausnahme. Es wird nicht 
gebadet. Um 9 Uhr ist Gottesdienst , gemei- ' 
niglich unter freyem Himmel. Gegen Mittag 
Tersammelt sich die feine Welt aus derNach** 
harschaft, nach Tisch kommen immer meh- 
rere hinzu, und dieser Tag wird in einer 
zahlreichen Gesellschaft , und unter manchen 
; unterhaltenden Scenen durchlebt.^) 

*) Der geehrta Harr Ver&Mer erltuba mir mir fol- 
gende Bemerkungen beyiiiGIgen : 

j. Ee ist nach meiner Ueberieugung -in der Thst nicht 
einerley, mineraliscbet oder gewöhnltdiea Weteer sa 
trinken. DeTb et der Heri Verfteeer kenn« beweiCit 
biet, daCi er eine gesunde Gonetitution het« die 
«llea TflVtragen kann. . Aber er .verauche ea mit m- 
vem vollblütigen oder au Entrundungen» su Con« 
getttonen nach Bniat und Kopf geneigten Meiuchen» 
und laaae ihm Pyrmonter Waaeer sum gewohnli- 
ehen Geuank trinken, und er wird daa Uateiacfaied 
•eben. 

3^ Ehen ao aehr bin ich übeneugt, dala Beatandthaile 
eufaerlich angewendeter Mittel eingesogen werden 
können. Um nur einen Beweis anjufuhren« diene dia 
Erfahrung, die ich mehrmals genuchc bebe, dait 
der Gebrauch von Schwefelbädern Rudui und /?«• 
ius heryorbringt^ die gann nadi Schwefel riechen. 

Zß £s kommt weniger auf die in einem Mineralwasser 
enthaltenen Stoffe und ihre Quantität ala auf die 
Art ihrer Bfiacbqng nnd Darstellung an, worüber 
ich meine jluffofderung an dU Brunmmßärtu in die» 
diesem Journal ;aachjinlesen bittet« d, M. 



6p 



Manie aus Eifersucht, 



Hiin Schriftsteller sägt tön der Eiferiucht: 
»Die Eifersucht ist unter den Leidenschaften, 
»was di^ Wuth unter den Krankheiten ist: 
i»die unbe^eiflichste in ihrem Grimde; die 
»unheilbarste, die schrecklichste in ihren 
»Würkungen, Nur die höchste Liebe erweckt 
irheftige Eifiersucht, Der Mt^nsch^ d^r so 
»liebt^ gi^bt dem Gegenstande seiner Anbe- 
»tung alle Fähigkeiten, alle Neigungen^ daa 
«»ganze Glück seines Lebens preis. Verdacht 
»und Gewilsheit sind für ihn einerley; indem 
»sie ihm diesen Gegenstand rauben ^ reifsen 
9>sie ihn durch die tiefste und empfmdUchste 
»aller Verwundungen von sich selbst. Die 
»R&cbe des Nessus und die Qualen des Pro^ 



. — 6i -- 

»meiheus gäben kaum ein 3ild von dieser 
»»Quaal.»*) 

Diese kurze Schilderung zeigt die Eifer^ 
sucht von ihrer moralischen Seite i sie kann 
aber auch , wenn sie , wie alle Leidenscbaüfen, 
die einen gewifsen Grad von Heftigkeit er- 
reichian, die körperliche Organisatioti angreift 
und alterirti zu einem physischen Uebel aus- 
arten , und eine wirkliche körperliche Krank- 
lieit erzeugen, wovon ich hier ein merkwür* 
diges Beyspiel mittheilen will. 

Ein Ehemann y der seit einem Jahre mit 
einer hübschen Frau verbeirathet war, arg- 
wöhnte ein Liebesverständnifs zwischen der- 
selben und einetn jungen Menschen, der 
bey ihm Buchhalter war, und in seinem Haus« 
wohnte» Des ti^nixes Verdacht gründete sich 
auf die Bemerkung , dafs einstmals die F&fsa 
des Buchhalters und seiner Ehehälfte unterm 
Tische etwas beschäftiget Waren. Von nun 
an hausete der Dämon der Eifersucht in sei- 
nem Inn rn. Er lieCs indefs nichts von sei- 
nem Argwohne aus , ^ sondern nährte seinen 
Gram in der Stille. Sein Verdacht gegen die 
eheliche Treue seiner Gattin erhielt endUcb 

♦) Meister, voö Aer natürlidieii Moral; auf dem Frao- 
2osucheii de» Herrn Af. von Herrn Sek» . übemttzl j 
heoraiugegcbeii von HlcUnd. Lei^zl^ 1789. 



,^ '6a - 

noch grölsera Zuwachs^ als er einstmals sei- 
nen , Buchhalter am Ofen stehend und seine 
]ttnge hübsche Frau sitzend Fand, und er sie 
sich, wie es ihm diihkte, durch Schmatzen 
mit: dem Münde wechselseitig Zeichen geben 
sah. Jetzt wurde die Treulosigkeit seiner 
Gattin ihm schreckliche Gewifsheitf die Ei- 
fersucht wüthQte heftiger in ihm; er vermochte 
nicht mehr zu schweigen und machte der ar« 

. men Fr^u bittre Vorwürfe ^ Sowohl fiber jdie 
Liebeleien mit den Fiifsen unterm " Tische^ 
als auch wegen des gegenseitigen Schmatzens 
mit dem Munde. Die Beklagte betheuerte 
ihre Unschuld und ihre Anhänglichkeit an 
ihn alleini und untetliefs nichts^ um den zur 
Flamme auflodernden Funken der Eifersucht 
in ihm zu ersticken: aber umsonst. Er blieb 
bey seinem Argwöhne^ warf einen tödlidien 

f Uafs auf den Buchhalter; wurde mit jedem 
Tage mürrischer gegen seine Frau; und 
wagte kaum bey dringenden Geschäften aus 
dem Hause zu gehen, aus Furcht ydäfs er in 
seiner Abwesenheit gekrönt werden mögte. 
Dabey verlohr er den Appetit , die Lmt zur 
Arbeit^, war immer müde und trage und fing 
an blafs auszusehen. . . 

Unter diesen Umständen wurde ich he^ 
beygerufen tind um Rath gefragt. Er 
nahm mich iti ein Zimmer allein, und ent« 



— . 65 — 

deckte mir mit einer Aliene, die Unruhe und 
^hiichternfa'eit anseigte^ sein Uebelbefindes^ 
c^iie /edoch etwas von seiner Eifersucht ge- 
gen seine Frau nnd den Buchhalter sn aus« 
sern, wovon ich auch nichts vermuthet^, da 
ich nicht anders als glauben konnte ^ dafs 
dieses Paar eine vergoägte Ehe führe. — Die 
Mugen rollten ihm lebhaft im Kopfe herum; 
er klagte über Beängstigungen, die Zunge 
war stark beifügt, der Puls achlug geschwind 
und war etwas gespannt. Am Ende schien 
es wöhi^ dafs er sein beklommenes Herz ge» 
gen mich ausschütten wollte, wenigstens füll» 
ten sich seine Augen einigemal mitTbränen; 
aber ea kam nicht dazu« Dafs eine Leiden* 
aichaft: ForheTii;egangen feyn müCitet konnte ich 
zwar vermuthen:* aber ich viel keineswege» 
auf diese närrische. 

Ich verordnete einen Tag lang eine tdit^ 
tur von Tartarus Tar/arüa^i/i^ Rhabarbertink- 
tnr VLtA Ozymel squUlincumy bat ihn^ iich, 
SU zerstreuen und gab ihm am folgenden 
' Tage ein Brechmittel Letzteres hatte zwar 
einigemal ein galligtes Erbrechen bewirktf 
wobey zugleich viel Schleim wegging; aber 
die GemÜthsunruhe blieb dieselbe; die Zunge 
war noch immer staik belegt , der Puls ge«^ 
schwind und krampfhaft. Ich verordnete die 
erste Mijctur nnd setzte noch a Gran Brech« 



- 64 -,_ 

Weinstein hiniu; alleir^ es erfolgte werlet 
//Stuhlgang noch Erbrechen darnach. Ich liefs 
ihm darauf ein erweichendes Klystier setzen, 
und gab auf die Nacht zwölf Tropfen thebai* 
sehe Tinktur, als ein beruhigepdes Mittel. 

Es war Freytags» als ich ihn wieder be- 
suchte. Ich fand den Zustand des Patienten 
noch wenig befser* Er schien heute mehr be~ 
ängstiget und unruhig zu seyn; weinte > und 
gab zu erkennen, dafs ihm etwas schwer 
auf dem Herzen liege» Als ich das bemerkte, 
bat ich ihn , mir als seinem Arzte, als seinem 
Freunde, das zu entdecken, was ihn beun« 
ruhige; und nun begann er eine von Schlüch- 
sen und Weinen unterbrochene Entäblung 
von dem, wafe zwischen seiner Frau und dem./ 
mefargedachten Buchhalter vorgefallen sey; 
und folgerte daraus, dafs er mehr als gerechte 
Ursach. habe > die eheliche Treue sein^ Frau 
in Zweifel zu ziehen» *— Ich suchte diese Im« 
prefsion in ihm so viel als möglich zu.ver> 
nichten; bemühete mich^ ihn aufzuheitern, 
und bat ihn^ mit seiner FraU auszufahren, 
welches letztere er versprach^ aber nicht thati 
Die Zunge war noch stark belegt > er klagte 
über Drücken in der Magengegend und die 
Beängstigungen hatten nicht nachgelassen* 
Ich liefs ihn wieder ein starkes Brechmittel 

noh- 



' — 65 — 

Ildamen y and gegen Abend eine Kampfer» 
Enmbu^. 

In der Nacht rom Freytage nun Sonna- 
baid) wnrde ich schleunig gerufen. Ich fand 
den Kranken im JBette sitzend, roth im Gei 
eichte mit starren Augen. £r schwatzte jetst 
in einem weg, von jener Geschichte mit dem 
Buchhalter und seiner Frau^ und behauptete 
nicht allein gegen mich, sondern auch ge- 
gen die andern Anwesenden ^ dals seine Frau 
ihm Gift bejgebracht habe, um durch seinen 
Tod fireye Hand zu bekommen, ihren Lieb- 
ling heirathen zu können. Er rerlängte sich 
snm Sterben vorzubereiten, iind spradi mit 
aeiner unschuldig gekränkten Gattin darüber, 
wie er es nach seinen^ Ableben gehalten ha- 
ben wolle, und brachte mehrere andere närri« 
eche Dinge vor. Ich mufiite jetzt suchen, 
ihm die Idee von erhaltenem Gifte zu benäh» 
men; aber ich verschwendete meine Berede 
aamkeit umsonst Endlich lies ich ihm ein 
erweichendes Klystier mit vielem Salz geben ; , 
und da dasselbe bald Stuhlgang bewürkter» 
aagte ich ihm, dafs das Gift von ihm gegan« 
gen und er nun aulser Gefahr sey. Dies 
schien er nun zu glauben; er umarmte und 
jLiilsta seine Frau und bat sie um Verzei** 
hung; aber eine Viertelstunde nachher, be«. 
gann die vorige Scene von neuem. Er zeigte 
XBLM.a.9t £ 



s- 66 -^ 

mir vnd sSnimtlichen Anwesenden seine wel« 
ken^ eben nicht starken männliclieli iZeu- 
gungstheile; sagte ^ dais er es seiner Frau 
nicht verdenken könne, dafs sie dem Bttch«- 
lialter, hey dem sie den Unterschied gese- 
hen, vor ihm den Vorzug gäbe, und schwatutte 
thnliche Thorheiten mehr«' 

Ich liels hierauf mit etweiehendeli Lare^ 
ments fortfahren, vetordttete Fufsbäder mit 
geriebenem Meerfettig und SaLt^ und lies 
hinter je^em Ohr drey filutigel appliciren« 
Innerlich zu gebrauchen gab ich eine Auflö^ 
sung von Tartarus Tartarisatia und Hdnig. 
Am andern Morgen schien sich deir Sturm 
•eiiles (remiiths^ustandes etvras gelegt tu hä<* 
-ben} die Atigen waren weniger starr, dis 6e« 
iicht nicht mehr aufgedunsen und roth^ der 
Pub ging zwai" noch geschwind , dock nicht 
krampfiiaft mehl'i ttnd'die Haut amgäntM 
Körper War feucht anzufühlen. Ich fand ihn 
» mit- seiner PraU beym Theetrinkeu. 

Schon glaubte ich gesiegt zu hal>en | al* 

lein am andern Morgen --^ es war Sonhtagi*« 

brach das Üebel Weit fürchterlicher als tntror 

äU34 £r Wurde wilthettd, wollte &ich nicht 

^ im Bette halten lassen und zum Fenster hin* 

ausspringett, «ö, daft drey hattdfeste K^rl 

. ihii nicht zurück zU halten vermogten. Da« 

f hef sprach er immef^ von seinem vertneinttA 



.»• ^6*7 Äii 

Nebfinbiuiilerj üücl wie^ei^tiölte die alte Ge- 
ickichle« Ich lii^s äh jeder W^de ein stark 
reizeiides Vesikatoriuni setzend und vei^ordnete , 
eine RainpFetmiitür. JDie Wüth hielt itidefs 
-in einetn tibi Ich lies k^lte Üitlschläge auf 
deki Von Haat^ii entblößten tCopF l^gen uüd 
fetiähgte^ dafs die Ur^ch der ganzen Ge- 
tiiüthsuiirühe des Patienteü> iiehmlkh der 
jbubhhalterj aus dem Häüse ebtfernt Werften 
tollte ) Welches äüdi |;eschaH* Als iiian ihm 
Volk dieser AnOtdnüng Nachficht gäb^ be- 
Inelrkte mciti Wenig Seasätiöh darubef und 
dil9 ICränklieit hielt in ihrer Heftigkeit ah. 

£s Würde hiei:äüF poeh ein Aritt hei4>ejr 
geftifeü und mit dexl VöHgeh Mitteln und 
jHüuOfftleisttmgen rortgefkfareh. v t^^ äbei* Alles 
bhnd Nutien blieb, so besthlosse^. Wii*, auf 
die Nacht starke Gaben von 1?hebäisdiel^ 
^xtiktui* ±ü teiöhen) und ath Tage eine Auf« 
iöstUtg Vbü Tartarus Taftärisatus und If^^ta^ 
^Feh Zwischendurch liefsen Wiip dem t^ätieii- 
teil erweichende und zugleich krätüpfstillende 
LaVements beybfingen& Da AU^s nichts fruch- 
tete , der Kränke itümet Wüthend blieb und 
^chtaflöse Nächte hatte ^ verordnetet! Wir ihm 
eine AuÜösung Voü eineiii halben Skliipel 
Öilsenktaüt-ExtraCt k 6 ÜriW JPfeflFertnün* 
ze^wasser^ lind liefsCti ihü alle a Stunden 
ü Efsluffel Voll^ und duf die Nacht a5 "tto^ 



•«rOi 6B «-*• 

pkn Tfaebahche Tinktur nehmen« •— Die Spa« 
nischefliegenpflaster eiterten stark; mit den 
Lavements und den kalten Umschlägen wur* 
de immerwährend fortgefahren. 

Nun wurde der Patient ruhiger; er £og 
an des Tages über einige Stunden 2u scbia« 
ten, und so aucli in der Nacht; auch sprach 
er fetzt mit mehrerem Zusannnenhange.v Wir 
vermehrten das Bilsenkraut Extract bis auf 
. leinen Skrupel auf 6 Uncen Pfeffermünzenwas- 
s\dry liefsen dieses fbrtbrauchen, und bey un- 
ausgesetzter Anwendung dieses Mittels kehrte 
die Gemüthsrube des Kranken wieder au* 
rSck. Er befserte sich nun zusehends roa 
Tage zu Tage, freute sich über die Entfeiv 
nnng des Buchhalters aus dem Hauf^ und' 
wurde roUkotnmen hergestelltv 

D. Meyer Abramson^ 
' Arzt £tt H«mbiir|(« 



- 69 - 



Eine merkwiirdige Augenkrankheit. 

Voa 

Ebendemselben« 



üiin Knabe Ton ohogefiUir 8 Monaten» weU 
eher gesund und ohne Fehler anf die Welt ge^ 
kommeii war;^ und den die *Mutter selbst ga- 
sängt hatte, ohne dals er je krank geweseii 
war 9 fing ganz pldtilich an^ mit dem re<^h- 
ten Auge zu schielen. Als ich das kranke 
Auge untersuchte^ fand ich die PupiUe sehr 
zusammengezogen > übrigens aber nichts Wi« 
dematorllches an den Sehorganen, Da daa 
Kind zugleich die Gewohnheit hatte, dem 
Kopf nach der rechten Seite hin herunter- 
hängen zu lassen^ so suchte ich anfänglich 
hierin die Ursache des Schielens» und Uels deni 
Kind« anf der rechte^ S^fte jief üaUes t^ 



•rsrs 7^ ?9« 

Kompresse appUcireni um ihm dadurch zu 
Hiilfa ?u koinmen, den Kopf gerade halten 
zu können; auc^ liefis ich das gesunde Auge 
inil: einer leichte^ Binde bedecken i und im 
ianern Augenwinkel des ?*(Bchteii Auges ein 
Stückchen engli$phes Heftpflaster ankleben, 
d^mit e^ das A"ge mehr dahinbriugen mpgte. 
Qb nujt^ wohl da^ K|nd anfing, den Kopf ge- 
l*ader zu tragen, sq hatte solches dennoch -^ 
auP ^I^s S hielen keinen Jlinflufs, und dieses 
ddvieit« nach wie vor for^. Nach Verlauf ei- 
nige^ Monate, yon^ Anfange des XJebeU au 
gerechnet, bemerkte ich auch, dafs das ob«re 
Augenlied stark herunter hipg, uud dafs der 
kleine Patieut nicht ii|i Sfand^ w^r, sein T«di- 
tes Auge yom äufsef p Augf nv^rinkel Mch d^m 
{nnern zu ziehen, Di| da$ oberQ Augenlied 
etwas oedematös war, Ue« iph am TagO Gow- 
}a^dsipfae3 Wasser mit Semmelkrumei^ gekocht, 
vÄmittelst eines Kat^plasm^i auf daa obere 
Augenlied l^gen, u^d hey ffacfat ein Sack- 
chen mit auflösenden Kräutern Y^fUfit^lsf ^^^ 
ner uip den Kopf gehenden Binde gann locket 
darauf befestigen. So verfuhr ich Q Tage 
lang , abe|^ ohne den geringsten Erfplg,^ So« 
^ohl das Herabhangen des obereu Augenliedes, 
f^U auch die öedematose Geschwulst b}iebea 
yvie zuypr, und das Schielen n^hm auch nicht 
f^l^t I9I1 fing 'ttun an^ wechselweise^ eine 



— 7« — 

Komprelse, mit Kampferspiritus und kaltem 
Wasser befeuchtet, auf das obere Augenlied 
zu l^en, und hinter das rechte Ohr ein klei- 
nes PBasterchen rom Janinschen Vesikator za 
applicnren. Letzteres hewiirkte zwar einen 
starken Abflufs seröser Feuchtigkeiten; da 
aber die Wunde unter dem Pflaster oft blutete 
und der immerw&brende Re?tz desselben des 
Kindes Schlaf zu stijren anfing, so sähe ick 
mich genöthigt, das Vesikator abzunehmen, 
und an dessen Stella ein heilendes Pflaster 
aufzulegen. Als ich sah » dafs AUes in seinem 
vorigen Zustande blieb; so sandte ick dift 
Ibankheitsgeschichte dieses Kindes an mwej 
berühmte auswärtige Aerzte, die auch ia 
Heilnng der Augeakrankheiten sehr erfahren 
waren, und erbat mir deren Gutachten; 
deion ich mufs gestehen^ ich konnte keine 
bedeutende Ursach jenes immer gleich hart- 
näckigen Uebols erforsdien« Der eine £md 
die Krankheit rheumatischer Art^ und rieth, 
dem Kinde einigemal des Tages einen Tro- 
pfen der Thebaischen Mixtur auf das kranko 
Auge fillen zu lassen. Dar andere hielt diese 
Augenkrankheit blos für Schwäche und rexw 
ordnete »äußerlich stärkende» gelind reitzendo 
Mittel anzuwenden« Auch dieser beyd^ 
würdigen Männer Aathschlage wurden d 
aller Gananigktit befolgt; aber es blidb da 



~ 7^ ~ . 

ohngeacbtet Alles bejrm Alten , nur mit dem 
Uuterschiede, 'dafs das Kind, welches wegen 
des HerunterlulngeBs des oberen Augenliedes 
und wegen der Geschwulst desselben ^as Au«' 
ge bisher nur wenig zum Vorschein bringen 
konnte , jetzt selbiges mehr zu zeigen anfing. 

loh war nun der Meinnng, dafs das 
Uebel eine Folge von Erkältung seyn könne, 
und vielleicht auch zugleich zum T^beil voil 
schwerem Durchbmohe der Zähne. Demliach 
rieth ich beym Eintsäufelii der Thebaischea 
Tinktur zu bleiben, und lies in das ge* 
achwollene obere Augenlied zu gleidier Zeit 
etwas unguentum nervinum mit Kampfer eini« 
gemal >des Tages einreiben. Hieraut ver« 
loj^ sich das Oedem des oberen Augealiedea 
ziemlich, und der Augenapfel kam wieder 
ganz naturlich zum Vorschein , allein das 
Schielen hielt immer noch an. Ich fa&te in<^ 
des dennoch einige Mofnung zur Genesung, 
allein sie war aur von kurzer Dauer, 

Nachdem das Kind einige Tage vorher 
achwache Fieberbewegungen gehabt hatte, 
stellten sich Zuckungen ein^ S^g^n welche ich 
wiederholt erweichende Lavements, und zum 
innerlichen Gebrauche , die ZinkUumen^ 
Hirschhomgeist, Thebaische Tinktur und 
kleine Gaben von Kacnpfer auch Biesam vefw 
ordnete* Dia ConvulsioMQ kielten an, bk 



- 73 -^ 

sie endlich tm dritten Tage gegen Abend et« 
was nacbzubssen ischienen, das Kind auch 
wieder zu saugen anfing, wodurch die Hof? 
tHing zur Genesung von neuem in mir auf« 
kbte. In der Nacht aber stellten sich die 
Zuckungen wiedor ein^ wurden heftiger , an* 
haltender. leb lies nun alle Stunden einen 
Gran Bisam, mit einem halben Skrupel Zuckec 
abgerieben, nehmen; von Zeit zu Zeit er- 
weichende Klystiere beybringen, auf die Wa- 
den Spanischiliegen-Pflaster legen, hinter je« 
des Ohr swey Blutigel setsen und das enge» 
schwollene Zahnfleisch mit Baumöl bestreik 
<^n* Allein das Uebel näherte sich immeir 
mehr einer traurigen Gntwicklung. Der 
kleine Patient konnte nichts mehr hinunteir 
aehhicken; die Brust begann zu röcheloL 
und er verschied unter den fiircbterlichsten 
Zuckungen. 

Merkwürdig war es, dals während der 
]ieftigsten Convulsionen, da der linke Augei»* 
cpfel schrecklich in seiner Höhle jierumge^ 
trieben wurde, der des rechten Auges starr 
und unbeweglich stand* loh untersuchte 
gleich nach dem Tode das Zahnfleisch ^ und 
fand selbiges an der linken Seite ziemlich 
"(entiEÜndet und angeschwollen; auch hätte ich 
die in ihrem Gange so hartnäckige Augen« 
krankheit, sowohl aU die späterbim ausgebro« 



clienen« tödlich gewoWnen Convulsionen, kei- 
ner andern Ursache, als dem schweren Zahn« 
ausbruche zugeschrieben, wenn ich nicht ei- 
nige Wochen nachher von ^ev Mutter er-* 
faWen faät^e, daß, als sie vor ohngefähr drej 
Monaten mit ihrem Säugling auf dem Sopha 
gesessen ilnd von ihrer ältesten Tochter den 
Schllissel zum Kleiderschranke gefordert , diese 
ihr denselben zugeworfen und damit des 
Kindes Hinterhaupt getroffen habe« Nun 
wurde es ibir wahrscheinlich, dafs jener 
Wurf mit dem SchlUssel die Ursache des 
Schielens 9 dea Heihnnterhängens des oberen 
Augenliedes vmi der Geschwulst desselben 
gewesen seyn gönnte. In wie weit diese Ver- 
tnuthutig Grund hat, und ob die blofse, durch 
das Anwerfen dfis Schlüssels verursachte Ge- 
Bimerschutterung, oder ei|i dadurch in den 
Hirhkammern entstandenes Extravasat , die 
'Teranlassung zu jener Augenkrankheit und 
den weiterhin erfolgten Zuckungen gewesen 
aey: dies wünc^ebte ich näher au^ einander 
gesetzt zi; sehen und darüber das Gutachten 
Andrer zu hcj^n« Ich« fiir meine Person^ bin 
der Meinung , dals swar "^ der schwere Zahnaüs« 
bruch des Kindes aiioh etwas zu den Convul« 
^ioneii bejgetragen habe; dafs aber, auch 
ohne denselben, ei denqoch an Zuckungen' 
^63%qfbe^ sejm yifüvde^ Uel>iigen« be^aiMTf 



^ f 5 - 

ich sehr/dtffi es mir nieht ifergfinnt wf^rden 
ist, den Kopf der Leiche ^ öfnen, weichet 
ich, ohngeachtet ich damals noch nichts von 
dem erwähnten "VV^urfe mit dem Schlüssel 
wufste, sehr wünschte thun zo dürfen/ weil 
ich durch eine solche Untersuchung in Stand 
gesetzt worden waire, ipeine Zweifel Ober 
diesen verwickelten FeU zfi b^chtigen. 



( 



» 






IV. 

Tödtliche Leibesverstopfting 

• b«y einer 

Schwangern im achten Monat 

Von 

febendeiQselben. 



X^ie Gattin des hiesigen Geldwechselers 
fF**j ohogefäbr 4? Jahr alt und bereits 
Mutter mehrerer Kinder , befand sich im 
8| Monat schwanger, klagte über harten' 
Stuhlgang und eine oft einige Tage anhal* 
tende Leibesverstopfung. Da /Zufalle dieser 
^t -— (wahrscheinlich yom Drucke der aus« 
gedehnten G^bährmutter auf die Gedärme^ 
verursachet) — • sehr oft bey Schwangeren/ 
beobachtet Werden , so verordnete ich b!o$ er - 
weichende Nahrungsmittel nnd dabej des 



-*: 77 — 

Tagds drey bis viermal einen TheelofiFal yoU 
Magneaia zu nehmen. Hierdurch wurde awar 
bald Oefnung bewürkt, aber am fblgendea 
Tage faud sich wiederum rerstopfter Leib 
ein, welches bisweilen 2 bis 3 Tage anhielt. 
Um dieser Unbequemlichkeit abzuhelfen, lief 
ich mit der Magnesia fort£üiren; aUein, 99 
gute Dienste dieses Mittel sonst bey man- 
cherley andern Beschwerden der Schwängern 
leistet, $0 that es doch hier seine Würkung 
nicht, und ich sah mich genöthiget, einen 
nu^ den andern Tag anderhalb Unzen Wie« 
aer Laxiertränkchen und ein Quent Tmrmnts 
soluUUs zu geben. AnfiLoglich verschaffte die- 
ses Mittel Oefnung^ allein die folgendoi 
Tage stellte sich die Verstopfung wieder ein, 
tmd das letztgedachte Mittel wollte nidit 
mehr anschlagen. Die Verstopfung hatt» 
wiedte Sk Tage lang gedauert) und die Patieo» 
tin fing an, über Schmerzen in der Nabeige* 
^end zu klagen, sö\ dafs sie deshalb nicht 
lOdur au&er dem Bette bleiben konnte» Der 
Puls war hart und gespannt und die^ Adern 
aofgetrieben. Ich verordnete dahw ein 
Aderlaß am Arme und lies 7 Unaen ßlut 
weg. Ausserdem versdirieb ich Inunctionen 
am Unterleibe von Kampferöl, flüchtigen Li- 
lUn^ent, Bilsenkriiutöl und Thebaiacher Tink- 
tur, liai enreich^de Klystiere appUcireui 



-. 78 - 

und inim innerlichen (Giebratiche alle i Stun- 
den eine Mischung Von Sal cathurücum^ oUiUm 
ticini^ iinptura thebaita und Kraüs^münzen- 
^Asser nehnien^ aber alle bisher angewandte 
Hülfsleisttingeü blieben fhxchtlos^ die Solimer» 
sen hielten an^ utid der Leib blieb Ver* 
iditofsen. 

Ich fin^ nUü ähj Starker Würkende Ab» 
führüiigsmittel, tnit krainpFstillendeh Ve^sfetilt, 
.%vi geben ^ lies da$ Aderlässen wiederholen 
Und ifuf den Unterleib ein Vesikator legeHi 

t)ie&ö Krankheit inächte tnich üin &d 
Verlegetter y da ich tiidht ohne Besorgüifs to)rü 
konhte^ dafa die bey der Kräüketi bisher in» 
gewandten Hiilfsltistung^n entweder der Frucht 
Schadeü* zufügen $ odet auch eine friihe Ge^ 
buit y^rftnksseii mögten» Ich Verlangte ttöek 
•ineü Ar2t, tind es Wurde Herr Dri timM 
4ar altere^ herbejrgerüfeh. t)ieser ^aüd dü^ 
Umstände «befafalU bedenklich^. und Wü: Wur» 
den ^nigy Klystiete aus ETaig und kalteni 
lM^tfs3er iü gleichen l'heilen bestehend > bojF^ 
bringen zu lassen^ und innerlich eine -Mk 
itfaungvon Kampfer, £12/ cathariitUm,oleoUMH» 
tmij und iinaura üiebaica zU rerordneo« 
t)aft Spanischfliegen "»Pflaster würde fortdain 
rc^nd im Zuge gehalten. Öer Kränkh^litsitu^ 
itand blieb dennoch derselbe« Es jvLürd^n^ 
nun «Ürkurt Und feitzendsr^Ab&ihtungsmit;» 



- 78 - 

te!, )ddoch mit krampfstillenden rersetzt, ver-» 
ordnet, una dabdy Tabakskly.stiere apptidrt. 
Auch diese fiehandlungs^art leistete nicht dae 
geruDgste* Da der Druck der ausgedehnten 
Gebährmulter für die Ursache der anhaltenden 
Leibesvertsopfulig zu halten war, so stand zu, 
vermuthen^ dals vielleicht eine künstliche l&nu 
bindung das Impediment heben würde* Herr 
Dt*« Gerson^ dieser erfahrene und für di« 
Entbindungskunst zu früh verstorbene Ge» 
liurtshelfer^ wurde mit hertu gerufen^ Die 
Patientin Wurde nun Von ihm unterstidit^ 
ttnd er erklärte > dals eine küifstlldhe EntbiiH 
€hmg möglich sey. £s wurden noch Klystie^i 
yfotkOMSü/oenda gegeben, aber auch diese bli^ 
\ben fruchtlos. Nun beschlossen ivir einstimmige 
di4» kütistlii:he Entbindung^ als das letiste Kcn*' 
fhguun ins Werk zu richten ^ Um i da die 
Leibesverstopfung schon ^ ^eig'^ ängebalt^ 
hatte) Mutter und Kind nicht zugleich Um- 
konimen zu lassen^ Die Kranke wtirde nun 
in die gehörige Lage gebracht, der Mutter^ 
mtind ward von Herrn Dr. Gerson allmählig 
geöfnety die Fruchtmässe gesprengt^ .undna<;h 
Hock einer gemachten künstlichen Wendung 
«in lebendiges gesundes Mädchen i^ut^Welt 
gebracht* Die Nachgeburt Wurde äuf gleich^ 
Weise kiinstliok Von der Patientin genoin« 
ttien« 



- ßo - 

So vrohl wihrend der Entbindut^gi als 
Auch beym Lösen des Mutterkuchens ging 
wenig Geblüt ab. Die Kranke beßtnd sich, 
bis auf die noch immer anhaltende Leibes* 
yet*stopfung^ so leidlich, als man es unter 
den vorliegenden Umständen nur wünschen 
konnte. Die ausgedehnte Gebährmutter wurde 
nun.befireyt, und man hättet nicht sweifeln 
sollen, dafs nun mehrere Stuhlgänge erfol- 
; gen würden. Aber, nein; die Därme wa» 
•ren wie zugeschnürt, und es wurden nun« 
mehr Klystiere Ton einem Kanasterdekokt 
beigebracht Und drastische Mittel verordnet. 
Dennoch blieb AUes beym Alten. Wir lie- 
ßen ferner die Patientin in ein lauwarmes 
Jlalbbad bringen; aber auch dieses versagte 
seine Würkung. Der Puls wurde klein 
. und gesdiwind, der Leib bekam einen Me* 
teorism, und die Prognose wurde. immer 
aehlimiper. 

Wir liefsen nun die anderen ' Mittel an 
die Seite setzen und reichten Bisam in ziem* 
lieh starken Gabön. Allein «s stellte sich 
ein Schluchzen ein, die Extremitäten wur- 
den kalt, die Stirn bedeckte ein kalter 
Schweifs, und die Kranke starb am achten 
T^ge nach der Entbindung, und am fünf» 
zehnten ihrer Leibesverstopfung. Gern hä^ 

tan 



ten Wit'clelivtatseelten Körper ge6fiiet^ Wenn 
ei uns verstattet worden wäre^ — Das Kind 
Wäi^ gesund; 4ebte ohngefähr ein Jahr, und 
folgte erst dann seiner Mutter an den Fol*» 
gen eines schweren Zahnausbruchs* 



XIX. B. a.^e. F 



^ - 84 - 

er warf sioh die Länge und Queete Im Bette 
herum; datey stiefo es ihm immerwährend 
Alls dem Magen auf. , Sein Puls war hart 
und langsam. Seine gewohnten Bauchauslee* 
tung^ waren ausgeblieben^ 

lEin hier anwesender städtischer Wund* 
arzt, Herr Louy^ war mit mir einverstanden; 
ivir hielten den Bpich für einen Netz-, und 
Darmbruch. Dies ist bekanntlich der häufig- 
ste Fall, ua4 eben dieser Grund war unter 
allen unsern Gründen der wichtigste für diese 
Meinung; denn unter diesen Umständen^ nach . 
so wenig in die Augen fallenden Symptomen . 
eine ganz feste Diagnose aufzustellen, ist, wie 
jeder erfahrne Mann einräumen wird^ in der 
Mehrheit der Falle durchaus unmöglich. (Ich 
beziehe mich hier durchaus auf Richters klas« 
sisches Werk von den Brüchen.) 

Meine Indicationen waren nothwendiorer- 

o 

weise: vor allen Dingen der Entzündung zu 
steuren; dem Krämpfe zu begegnen; Stühle za 
bewürken^ und die Taxis so schleunig 4I1 ^ 
möglich zu unternehmen» Alle Umstände 
welche^ hier zusammen liefen, gaben dem Fall; 
den höchstj^n Grad von Gefahr: dafs bey 
einem starken Manne, bey einemManne in der 
blüthe der Jahre, ein frischer eingeklemm- 
ter Hodensackbruch, bewürkt durch aufsre 
«n^ewandte Gewalt » comfilictit ..ineit Vplibltt» 



— 85 — > 

tJgkeit etc. in kürzer Zeit tödlich werddti' 
könne 9 beweisen die vielen Erfahrungen von 
P, Poti,*) welcher eingeklemmte Brüche io- 
nerhaib 8 bis 1 3 Stunden; ron jemand der 
dergleichen in 5 Stunden^ von Gikson^ der sie 
in' i5 Standen brandig und tödtlich werden 
'sah, und ton vielen andern glaubwürdigen 
Schriftstellern. 

In der Wahl der Mittel gab ich dem 
Aderlals den Vorzug vor allen übrigen; es^ 
'wurde dem Kranken ungewöhnlich viel Blut 
genommen. ^^) Dies schafte ihm merkliche 

*) SämmtlicTie cbirurgische Werke ir. B. S. 388. 

**) »Di« grofsen AderläfM wäbreÄd der Einklemmung 

aind die wetentliehsten Mittel, und veihfiten oder 

TenaÄBdern nicht nur vorsüglich die Entzündung 

-imil den Brand, londern euch alle üblen ZunUliB 

aac}i der Operation, n 

Muntnna, 

{(Neue med. cbirurg. Beobacbtuirgen 
S. 438.) 
In tall Cßsu , ubi ftb hertUa sujfocaia gan^raena 
metuiLur ^ audacissima 'venae ttctione iic debilüanr 
dusiaeger est, tu in/iatnmatio hie natu carpat ur» 
genta motu vitail; ett, 

G. ran Smetem. 
Commentar, in H, Boerkave. 9tc. < 
Tom. I. 744. 
Unter Aen aatipblogistiscben Mitteln i«t die 
Aderlalüi daa kraftigste. 

Z). O. Kichter «. a. O. 

5i. %4fi. 



- «-• $6 «r« 

ErlefchteTiiiig.. ' Auf den Bruch selbst, der so 
empfindlich war, dafs man ihn nicht berühr 
reil darfte'y wurden erweichende warme feuchte 
Aufschläge gelegt, welche bis über den Bauch« 
ring ^icb erstreckten; e^^ wurden dem Lieiden« 
den erweichende ölicbte Klystiere beygebraefat. 
Innerlich bekam er Oel mit Engl, Salz, Ippe^ 
kakuanha in gebrochenen Gaben in Leinsaa« 
Inen Ab«ud. Auf dem Bauche wnrde die 
flüchtige Salbe eingerieben. 

Gegen Abeqd wurde die Taxis yersucht^ 
die Empfiüdlichkeit des Kranken, so wie die 
Heftigkeit der Einklemmung und das Volu- 
men de? vorgefallenen Theile, machte ^ un^ 
fnogliQh sie 2u b^würken* Pafs die t^age 
dem Kranken angewiesen wurde, wobey die 
Bauchmuskeln alle am meisten erschlafft wur- 
den, glaube ich nicb( be$pnders anführen au 
piüssen- 

. Nachmittags war anhaltendes Erbrechen 
eingetreten , begleitet von heftigem Fieber und 
Exacerbation aller Zufalle. 

Nun erklärte ich, dafs, wenn bis des 
enderen Tages, also nach Verlauf von So 
Stunden, die Reposition noch nicht bewürkt 
ivorden wäre, die Operation das einzige imd 
aicherste Mittel sey den Kranken vx retten» 
lind dafs ich sie machen würde! 

Jkficb (leterminirte ?n diesem Entschlnfs 



-; 8; - 

nicht nur Erfahrung von su spät unternonH- 
sienen und« unglücklich abgelaufenen Bruch- 
operationen» sondern die hier allem Ansebn 
nach dringend gefährliche Lage, und Rieh-' 
fers Urtheil; »Wenn der Wundarzt ja auf 
einer Seite fehlen soll, so ist es besser , er 
fehlt auf der ersteren» nemlich er macht die 
Operation zu früh^ als zu' spät. ^) Die Ope«» 
-ration ist an sich weder gefährlich, noch 
sehr schmerzhaft, Die Tbeile, welche bejr 
derselbeh verwundet werden ^ sind die Baut 
des Hoden$acks, der Bruchsack und der 
Bauchring; Tbeile, deren Verwundung nach 
Vemnoft und Erfahrung ohne grofse Gefahr, 
ist. Die Gefahr bey dieser Operation kommt, 
nicht von der Verwundung dieser Theilei 
sondern gemeiniglich von dem zu langen 
Aufschuhe der Operation her* Her^r Morand- 
sagt: (Vermischte chirurg. Schri£ S. SaS.) Da« 
groise Glück womit ich unzählige Bruchope* 
Nationen verrichtet habe, schreibe ich der: 
strenjgen Beobachtung der Regel zu, die Ope* 
l^tion nicht lange au&uschieben,' sondi&im lo- 
gleich zu verrichten, wenn die gewöhnlichan 
gelinderen Mittel gegep die Einklemmung 

*) Si« «ocb vnterneliiiien , wenn es offenbsr xu tpat 
iat, (iDQcbte ich binvifugeii ,) «eigt daGi n/1^0- 
wfih^e Hände Vnginck stiften^ rrmn iie von ^inim 
kornirun Ko^ß difi^Ui yifmdmi 



9wey oder dreymal vergebeai gebraucht wor- 
den si&d.» 

Nach vielen beygebraehten erweicheodeft 
sowohl als reitzenden Klystieren (und unter 
letateren wehren mehrere von Rauchtabacksab« 
$ndy) einem gebrauchten Bade, einer versuch- 
en aber ganz fehlgeschlagenen ZurückbriB« 
gung, und einer zurückgelegten schlaflosen 
JSTacht, erschien nun der Z^itpunct aur Ope-« 
ration (d. lo.-M.). Lage^ Apparat und at> 
les, was dazu f;ehörte^ war bereit, selbst det^ 
Patient war beatimmti nicht aber 2ur Opera*<t 
tion — sondern uibs zu necken ; deun alt 
«chon die Theile^ so weit es nöthig war, ab« 
geschoren waren , als ich eben die Haut£üt» 
gelegt hatte ^ in dem Augenblick, widersetate 
or sich, erklärte nun für allemal, data tt? 
sich nicht wdrde operiren lassen. Ich sagt4 
ihm alles, was ich sagen zu miissen glaubta^ 
stellte ihm endtich die Sache. von. der >^iiiora*. 
lischen und religiösen .Seite als eine Pflicht 
vor Augen; allein das half alles nichu; er 
antwortete mir, wie mir ein ächter Moslem "^ 
geantwortet haben .würde ; »Ich sterbe^ .wenn 
meine Stunde gekommen, die mir als Stunde)^ 
des Todes von Gott festgesetzt ist; von die- 
ser, wäre sie feitzt schon eingetreten, ^yürd^ 
mich keia9 Operation zu rette« vermögen; 



-^ 89, - ■ 

und soll ' ich mein Leben noch einmal davon 
tragen» so wäre die Operation unnöthigli» 

Das Erbrechen leerte viele Galle aus;' 
aa wurde den ii. la. und i3ten mit Auf-* 
aohlägen^ Klystieren aller Art (auch vielefn 
Tabacksrauchklystieren mit einbegriffen) fort- 
gefahren^ und. noch einmal reichlich zur Ader 
gelassen. An jedem Tage versuchte man von 
netieni die Taxis ^ wenn man aber mit dem 
'Drucke auf das Scrotum fortfuhr , bis er 
ichmerzhaft wurde, so gestattete der Kranke 
ferneres Berühren nicht mehr ; es Wurde mit-« 
hin nichts ausgerichtet. An beyden letzten* 
Tagen war die Krankheit noch bis auf einen 
höheren Grad gestiegen« Der Patient brach 
Kotfa' aus 9 hatte noch gar nicht geschlafen^^ 
aus Furcht auch während der ganzen Zeit 
nsofatft gegessen^ sondern blos Wasser ge« 
trunken.N 

Den i4« Sechs Klystiere, worunter meh« 
fere von Gel waven. Die Schmerzen im 
Bruche^ im Bauchringe und dem sehr metepri« 
sirten Unterleibe heftig, aber zu diesen ge- 
sellte sich noch grofse Besdiwerlichkeit> den 
Urin zu lassen. Ich liefs 6 Blutigel in der 
Gegeifd des Bauchrings ansetzen, welche 
starke Blutung hewürkten, und sehr viel 
nützten. 

Den- 15«. Das Miserere dai^erte fort. D€»r 



Krank« wnrda wieder in ein warmes Bad ge- 
setzjt, allein eine drohende Ohnmacht ver- 
hinderte ^ ihn darin länger als eine Viertel 
Stunde zubringen zu lassen. Es wurden nun 
warme Aufschläge auf den Unterleib gemacht, 
über den' Bruch selbst aber wurde Eis und 
Schnee gelegt ; *) doch Üefs ich dieseii 
eiskalten Aufschlägen f^Uriol Naph^ha zu- 
setzen* Däbey wurden nun Stundenlang dioi, 
Aeilsigsten Versuche ge^macht, um die Repop 
aition zu bewürken,«aber alle» geschah verge*' 
bens. Auch in der Lage;, wovon ^JfiicA/er so 
viel verspricht, ncmlich^ derjenigen wo der 
Patient «»eine Beine über die Achseln dos 
Helfenden überlegt ^ wobey die voUkommonsto 
Erschlaffuhg der Bauchmuskeln bewürkt wird, 
fruchtete nichts, > 

Den i6. Der Bruch wie eine Trommel 
gespannti heifs, schmerzend^ so wie der ein* 
geklemmte Bruch. Zu dem Miserere , das 
.nun die ekelhaitesta Höhe erstiegen hatte, 
gesellte sich Schlucken i erwachte der Kranke 
mi9 einem augenblickÜcben matten Schhiäi- 
mer, SQ war er irre, 

*) Üeber ^en Nutjs^n der Kälte S. Richter iib^ di«-. 
Bruche S. 169. Er^ behauptet t, t. O. Aufackläg« 
von kaltem Wasser bewurkten oh mehr, alt dn 
Prack der Htnd^ 



^ gf — 

Er wollte in der Verzweiflutig nnn operiit 
seyn^ lies alle Anstalten dazu treffen , mich' 
mifen ^— um, wieder sich nicht operiren zu 
lassen! Sobald man zur Operation schreiten 
wollte 9 war er wieder vollkommener Präde-^ 
atinatist und protestirte gegen das Messer, und 
«lies vernünftige «Zureden war fruditlos. 

Nunmehr, da sein Eigensinn ihm, wie 
niir's schien, das Leben kosten konnte, liea 
ich ihm eine starke pabe Opium geben, um 
ihn nacbgiebiget ^u machen, und ihn, wenn er 
i^as betäubt würde, halten zu lassen, und 
endlich zu operiren. Allein das Opium that 
entgegen gesetzte Wufkung; er schlummerte 
nur kurze Zeit darauf, und fühlte sich nach«« 
här so erleichtert, ja erquickt, dafs er an 
Opeifution nicht mehr dachte, sondern von 
nun an einige Zeit an jedem Abend eine starka 
I>Qsis Laudan liq Sjrdj auch ohne meine be«» 
sondere Anordnung) nahm, so dar$ er nach 
und nach 3vj desselben verbrauchte. 

Den 17. Heftiges Fieber, Meteorismns, 
Se'bnenhüpfen , eilender Pull, Schlucken (der 
So Stunden mit gröfster Heftigkeit anhielt,) 
Miserere, starke Schmerzen, Schlaflosigkeit. 
Er afs noch nichts, wollte auch nicht' einmal 
zugeben, dafs man die Taxis versuchte. Er 
wünschte zu sterben, und es schien auch ah 



sich endlich und tog die Bidvjru^deruttg aller 
die ihn säh^n, aut sich. 

So lange die DarrntmUertimuttg dauerte^ 
laemlich 16 Tage ^ hatte der Kranke fast im* 
mer fi»rt dauerndes Miserere^ Fieber, Schmers 
und Schlucken^ als nichts ^ schlief nicht« 
Dann trat jene heftige Diarrhöe ein, welehe^ 
verbunden mit den Folgen der eingeklemmt 
ten Netzportion ihm jeden Augenblick Brand 
drohte, tmd doch hat er diese hundeltkppA 
fige Hydra überwunden! 



Die Einklemmung war hier offenbar hittig 
jndammatorisch : allein keine Einklemmung» 
sey sie auch inflammatorisch, ist ohne Krampf. 
Beyden t\x begegneq. war strenge Nothwert*. 
digkeit. Die glrofsen und wiederholten Adefr 
läf^e wendeten jedesmal den Brand ab* indem 
sie die Von neuem gewachsene Entzündung 
hoben, und die zufälligen grofsen Gaben Von 
Opium verminderten immer um etwas die 
Stricktur im Bauchringe' Mohnsaft ist ^n und * 
für sich in dieser Rücksicht bey allen Ein- 
klemmungen witrksam, und über seiften gro-* 
fsen Mutzen stimmen Trallesj Richter vaa,d 
'Vdn S bieten überein j in diesem Falle aber 
glaube ich ihm d^s meiste zuschreiben 2a 
müss€in« 



- 95 - 

Auch hier dauerte oiach gehobener Ein« 
klemmuiig und allen sonstigen Zufällen, das 
Fieber fort« Mir scheint es^ als wäre das 
ein achtes galliges gastrisches Fieber gewe- 
aati, so wie es die anhaltenden Durchfälle zu« 
verläfsig waren. Richter verdient über diese 
Art von Fieber Beherzigung. 

Insbesondere i&t dieser Fall noch merk* 
würdig, weil er zeigt, wie viel ein Mensch zu fei«' 
den vermöge I ohne zu erliegen; und dafs der 
Arzt 'auch bey der allergröfsten Gefahr, nie 
einen Kranken für absolut verlohren hellen 
müsse« indem die gütige Mutter Natiir 
da noch helfen kann, wo menschliche Kunst« 
Wissen und Geschicklichkeit aufgehört Laben I 



-. 96 - 



^t^ga^^ie^ 



VI. _ ■ ' '' > 

üebcr 

die Krankheit einer Frau, 

bey welcher durch die Leichenöffnung 

eine Zerplatzung der Aorta 

entdeckt wurde. 



M. 



M. H. ) von mafslg starkem Körperbaue 
und sanftem Temperamente, alt bejnahe 68 
Jahre I und seit fast 4<> Jahren verheirathet| 
hatte von den früheren Jahren ihres Lebens 
an, mehr öder weniger an NervenzuJulUn 
und an schwacher Verdauung gelitten. £>en 
Ursprung der Mervenzufälle leiteten die Aens* 
tOy deren Raths sie sich im vierzehnten Jahre^ 
bey zögerndem Ausbrubhe 'des Monatlichen^ 
bediente, von einem sehr reichlichen Blutlat* 

. , feto' 



., — 97 — 

her, Walohes ein Wundarzt um diese 2dit 
forgenommen fadtke« Sie gebar fünf Kinder^ 
wovon einige noch am LebeQ sind, und ihre 
: Entbindungeji waren leicht, wie denn der 
Bau des Beckens bey der OefFnung sehr re^ 
gelmäfsig befunden wurde« Nachdem das 
Monatliche aufgehört hatte 9 vertraten eine 
Zeitlang^/^fe/ic/e Hämorrhoiden dessen S^Ue^ 
n^d diese endigten sich mit Schleimhämorr^ 
hoiden; Zufälle, die, wie zu yermuthen ist| 
SU mancherlej Fehlern der Verdauung Gele- 
genheit gaben. Um diese 2jeit war es aucb^ 
Wo tichy am Kopfe besonders f eine Art von 
tkisb^hdem, auch wohl fressendem Flechißfi'^ 
aufschlage (Salzflufs neiint man ihn im gemeinea 
lieben) zeigte, gegen welchen sie seit vielen 
Jahren "an dem rectiten Beine ein Fontanell 
mit gutem Erfolge unterhielt. Im Sommer 
i8di WMr, als, ich zu ihr gerufefn wurde, eine 
jrosenartige Entzündungsgeschwulst an die^i^m 
Beine zu einem so hohen Grade gestiegen^ 
dais sie eitLeu nahen Brand befürchteB lie/s| 
•ie wurde aber glücklich gehoben« Zu deA 
-liörperliolien Leiden gesellten sii^ in den 
8 *-^ 10 letzten Jahren ihres Lebens^ Leideil 
des Gemüths und kummervolle Lagen^ wovon 
sich kein, vorthetlhafter Einßufs auf die Ge-« 
snndheit des Körpers erwarten liefs. Wiin«« 
dern mu£i man sich, daf^sie bejr dem Allen 
aux. B. a< St. 6 



- 98 - 

nocli elß Alter von 6& Jahren erreichte; und 
diese Verwunderung wird nicht wenig zu* 
nehmen^ wenn^ Vrir mit der merkwürdigsten 
E)rscheinung der LeichenöfFaung bekannt 
werden« 

Ich hatte ihr^ nachdem sie von der ge» 
dachten Krankheit im Jahr 1801 genesen war, 
eröffnende Pillen verordnet, um sich zu rech- 
ter Zeit OefFnung des Leibes zu verschafifen« 
Mit unter sollte sie ein Kly stier nehmen. 
Ihr Befinden war auch bisher erträgiidi g«h. 
Wesen, nur dafs sie über Flatulenz klagte, 
und dafs ihr, wegen einer gewissen Schwäche 
des Backens^ Geschäfte, die eine gebpckte 
Stellung erfoderten, sehr schwer wurden, und 
aie etwas gekrümmt gehen mufste* Das 
rechte Beiui mit seinem Fontanell, hielt sich 
gut. 

Am 10. Februar i8oa hefs sie michab^^ 
nals rufen. Ich fand sie aufser dem Bette» 
welches sie aber von dem folgenden Tage an 
nicht mehr yerliels. Sie klagte über leichte 
fieberhafte Bewegungen, über Mangel des Ap- 
petits, und über Verstopfung des LeibM» 
Der Puls war geschwinde und etwas unreal- 
mäCsig. Ich verordnete, nach der KenntnÜs, 
die ich von ihrem Körper zu haben glaubte, 
eine Mixtur aus dem Extract der Angustuni, 
Pfe£Fermunzwasser, wässeriger Rhabarbertink- 



— 99 — 

tur und LeiitiA*scher Bäldriantiiiktar« Auf 
dieses Mittel hatte sie einige Stuhlgänge her 
kjdmmeni nnd es hatte aof beyden Wegen 
Blutungen gut abgetrieben« Da sie aber den 
folgenden Tag des Abends flire^ schon des 
Blorgens geäufserte Klage » die gedachte Mix* 
tkir sey su scharf^ wiederholte, und mich er* 
^chte^ ihr die Tropfen ^ die ihr voriges Jahr 
die Krimpfe so gut gestillt und sie beruhigt 
hätten^ wieder zu rerordnen : u» liefs ich die- 
ses Mittel atif der Stelle bereiten. Es be- 
stand ans Tinci^ Casior. uad TincL FiUerian. 
JjßiUin^^ von jeder s Drachmen > nnd aus 3o 
Tropfen Tinct. Opii Eccard. Alle 2-^3 Stm> 
nen So Tropfen zu nehmen« Unter Kram* 
pfon Terstand sie gegenwärtig ein beldenim^ 
tes. Athemholen und oft wiederkommende 
eonvnlsivische Bewegungen der Gliedmaalsen* 
Die darauf folgende Nacht war etwas ruhigen 
Ausserdem klagte sie am ii* über Schmer- 
asn in den Schultern und im Nacken^ wekhe 
sie Nervenziehen nannte. 

Den 13. Febr* Die Unregelmafsig^it 
dies Pulses yermehrt; wovon die eigentliche 
Ursache sich nicht entdecken lieft. Bejr fort* 
dauernden Krämpfen, die sich unter andern 
durclk ein erschwertes Hinteisdiincken ta er« 
ktmiirn gaben , werden die gestrigen Tie^ 

Ga 



loa *^ 



wid Eydetter vnd wie bej kleinen Kindeni 
aussieht; sie schaffen auch Blähungen fort« 
Diese gehen nicht minder von selbst ab» Bej 
den Nerrenbi^wegangen, und dein^ durch 
'den aufgetriebenen Unterleib beklemmten 
Athemholen, findet sich oft ein klebri^r, je- 
doch warmer Schweifs ein. Das Hint^cw 
schlucken ist mit unter wieder so leicht^ da(s 
die Kranke wohl eine halbe Tasse Hafiar- 
achleim anf einmal zu sich nimmt« Mit dem 
Katheterisiren mochte sie gern verschont 
aeyn, wünscht sich aber für die Nacht ein 
Beruhigungsmittel, weshalb ihr i Gran Opium 
mit etwas Mohnsyrup und Wasser gegeben 
wird. 

Den 16. Diesen Morgen wird, weil der 
Unterleib, nachdem er sich gesenkt liattei 
wieder betriebt! ich angeschwollen war, nun 
letzten Male katheterisirt, wodurch man aber 
nuir sehr wenig klaren Harn erhalt Die 
Kranke bekommt den 17. eine Mixtur ans 
Salepwurzel , Pomeranzen bluthwasser, f«»- 
aüfstem Salpetergeiste und Fieberrindensjfrop. 

Den 18. Der zunehmenden Schwach« 
wegen, worüber sie klagte, ein Abko^jumg 
der Fieberrinde, verbunden mit' verzüfaTem 
fialpetergeiste, abwechselnd mit der gestrig« 
Mixtur zu nehmen. Neue Aufitreibiing dei 
Unterleibes, bey dertelbe» aber^ wegen dar 



~ loS — 

weit geringem Quantität ron Fliilsigkeity di« 
sie zu sich nahm, weniger Grund zu einer 
Abzapfung des Urins, dessen Abgang auch 
nicht ganz fehlte, wie er sich denn auch 
selbst^ nachdem er eine Weile im Glase ge» 
standen hatte, nicht trübte. Die Kranke ge- 
nols einer* scheinbaren Ruhe; hatte es, ynb 
seit mehreren Tagen, in der sitzenden Stel« 
lung am leichtesten; das Athemholen bey 
weitem nicht so beklemmt, als in den von* 
gen Tagen; die Klage aberSchwiche gröf^er; 
dabej aber ungestörtes fiewustsejm, welehee 
sich auch beynahe bis ans Ende behalten haL 
Und dieses erfolgte den andern Iforgen auf 
•ine sanfte Art« 

In den letzten Tagen Verschleimung des 
Mundes, bey feuchter, ziemlich reiner Zunge; 
an den bejden leuten der Puls zwar noch 
unregelmäüsig genug, jedoch minder, als vor» 
her. Unregelmälsiger, ab ich ihn in dieser 
Krankheit gefunden habe, lälst er sich nicht 
leicht denken. War gerade das Athemholen 
mehr beklemmt, so war er kaum bemerkbar; 
in den Zwischenräumen eines frejem Athem« 
holens aber hatte er gar nichts eigentlich 
AnstetaBmdes an sich, sondern irolltb man ei« 
nen Augenblick das Gehör an dite Stelle dea 
GeföUs setzen, so glich er einem Tone, den 
die* xatMasende; schnell ablaufende Kette 



einer Taschenuhr von sich geben .würde, und 
, ein\ dieser Bewegung ähnliches Gefühl hatte 

der untersuchende Finger, ^o oft die gedach-» 
* ten frej^fen Zwischenräume wiederkamen. 

Leichenöffnung. 

Diese wurde den ao. Februar des Mor- 
gens', 2.4 Stunde nach (erfolgtem Ablebeui 
Torgenommen, 

Aeufserlich 'fielen die Spuren einer zeitig 
eingetretenen Fäulnifs sehr in die Augen, 
Auf der Oberfläche der Hautbedeckungen des 
ausserordeiktlich aufgetriebenen Unterleibes 
geigten sich grüne Flecken, und an denSchen<» 
t^eln waren grofse blaurothe Flecke zu sehen. 

Wir «chatten^ in, der Uebar^eugung, wir 
Wurden in. d©r Brusthöte nichts Widernatür» 
liebes fincjen, sogleich z\\ der ^rpffnuag des 
Unterleibes, Sobald die Därme Von den* 
Hautbedeekungen und dem Bauchfelle waren 
entblöf«,t jyprden, entdeckten wir die Ursa«- 
ohe, wodurch die ausserordentliche Auftx«i< 
bung de^, üoterlöibes entstanden war. Diese; 
war ein jympanitischer Zustand der Därme«. 
Gana vofföiglicb war deip Grimmdarm wn 
liUft »ehu> ausgedehnt. Die Lage Att-G^rtof, 
natürlich. Die engen Därme und auch der 
glln^dvip, dpcb je^e au» uwtftm^eM^üiidat 



— loS — 

Dts gm/seNeu fast ganx yertehrt, da hingt«^ 
gen unter d#n Haatbedeckun^en des Unter« 
Jeibea noch viel Fett vorhanden war. 

Die Leber gtoü, übrigens gesund. 

Die rechtß Niere grofs, übrigens so wier 
der Harnleiter und die /(arnblase, gesund, 
pur letztere etwas entzündet« Was der 
Wundarzt beym Katheterisirei\ bemerkt zu 
haben glaubte , nemliche schwammige Ver« 
Dickungen der Harnblase, fanden wir nicht» 

^ Die Gebärmutier widernatürlich. Ihr 
iiamd so enge und knorpelartig , dafi nuik 
Bicbt einmal mit dem kleinen Finger hinein 
kommen konnte. Seine knorpelartige Sub» 
stans verbreitete sich bis zu dem Boden der 
Gehahrmutter, und bildete einen sehr engen 
KaoaL Die Substanz der Gebabrmatter wtTf 
ohne verhärtet zu seyn, $o verdickt^ - dals ihr 
Doidunesser if Zoll betragen mochte« IXm 
Fmlbpisehen hohreu £ist ganz vencbwnndeii, 
fedodb ihr Eingiang von der Gebäbmiitiur 

oflEeo« Anf dem UeberresCe der tmis» 

tdrAöter^ luwptJarliyr Kg$^pt^ 

gtcSse EriM«. Die Mjrersi^(kk§ 



fidertev md womm» mak.AmpdmM ktim^ Vei> 
rmmir^ wer tht^Ztn^^i^tfifß 
khumdkia »Kinmit Wmätm 



— io6 — ' 

konnten uns , da letzterer keinen Feblschnitt 
getban hatte^ nicht erklärcfn, woher das au»« 
getretene Blut komme, welche« wir in der 
Bauchhöie bemerkten ^ noch ehe wir den 
Mastdarm unterbunden, und den Rest des- 
selben ^ nebst der Harnblase und der Gebär- 
mutter, herausgenommen hatten. Dieses 
Blut wurde mehrmals mit dem Schwammt 
aufgetrocknet, aber itnmer kam es wiedei^. 
Erst, nachdem man die gedachten Theile her- 
ausgenommen hatte, entdeckte sich bey sorg- 
faltiger Untersuchung, die Quelle - diese» 
Blutes. Es drang aus swey transver^en 
Rissen der Aorta, wovon der gröfsere tmd 
untere sieh etwa einen Zoll über der Exer^ 
tion der bejden Darmbeinschlagadern (^He^ 
riae iliacae) befand, und ungefähr f Zoll 
lang, und etwa einen halben Zoll yon jenem 
entfernt seyn mochte. In der Gegend dieser 
Rrsse waren die Wände der Aorta, ohne wi- 
dernatürlich erii^eitert zu. »eyn , oder einen 
Sack «u bilden, so dünne, dals ihrDurcb- 
messer vielleicht aut einige Linien betrug« 
Die Umstände erlaubten nicht, über den Hisp 
sen , wo die Verdünnung der Wände sich 
noch weit zn'eiurrecken schien, den Lauf der 
grofsen Schlagader z« verfolgen. Es war aniV 
fallend, wie die natürliche Dickie der -Darm* 
t>einfefaUgadera iron der äolkerst mü^bta, 



\ I 

verdünnten, und daher zusammengefaHeneii 
Aorta abstach. 

Wie sehr bedauerten wir, dals wir nicht 
anch die Brusthöle geöflnet hatten! Denn hier 
hätten wir vielleicht den Grund von dem!MUr* 
beWerden und dem Bersten der Aorta gehin«» 
den; vielleicht Polypbn in ihrem Bogen, viel^ 
.leicht Verknöcherungen. 

Zweyerley Erscheintingen, welche di« 
letzte Krankheit dieser Frau darbot« lasseh 
sich vielleicht aus dem Bersten der Aorta er« 
klaien — « der oben beschriebne Pulsschlag — 
und der Vorzug, den die Kranke im Betta 
der sitzenden Stellung gab. Ist auch das 
oben erwähnte Gehen mitgekrümmtemRttcken 
aus diesem Umstände herzuleiten? Gehen 
konnte die Kranke, obgleich nicht ohne Un» 
terstUtznng, noch 21 bis 3 Tage vor .ihrem 
Ende , wenn etwa das Lager frisch bereitet 
werden sollte. Eine ändere Frage wäre diesac 
Wie lange mag sie wohl nach jenem Bersten 
noch gelebt haben? Nach diesem Falle zu 
nrtheilen, ist die Diagnose eines solchen Ber- 
atens, oder auch nur der voiiiandenen Ver« 
dUinnung der Aorta) äuiserst unsicher. 

Bey Morgagni {de Caus. e$ Sed. Morbar^f) 
bey Lieuiaud (^Hist» anai. *>» meä.^) tmd bej 
BaiUie (Anat. d. krankhaft, Baues des m. K.) 
%iba— ieh -mich . ver^bana nach . Beyipieleä 



V^n dieser anatomisch- pathologischen Selten- 
heit umgesehen. Sömmering jedoch ( Yom 
Bane des m. K. 4r. Th. Gefäfsl. g. 54. S. 64. 
der r. Aufl.) sagt: »Daher» (dafs die Haute 
der Aorta in iiijren Hauptstämmen^ veihält« 
nifsmäiaig, aln dünnsten sind) »erfolgen an 
i»der Aorta am" häufigsten die Arterienge* 
»schvvülste, die sich oft mit einer Berstung 
»endigen. Ja! man sah die Aorta selbst oh» 
pne vorhergegangene Erweiterung bersten.» 

Späterhin (im Septemb. i8o3.) las ich 
in Hartenkeil's med. chir. Zeit. 1804. N. 73.' 
S. 374 folgendes: »Bey*.der LeichenöfFnungi» 
(des Professors Adolph ' Murray zu Upsala) 
,»fand man eine Ruptura Aortae iliacae sinir* 
\Tmstrae^ welcher rin Uebelbefinden von 28 Stun- 
«den, hauptsächlich eine Harnverhaltung^ 
»yotausgegangen war, und zugleich ein Anev- 
»rfsma Aortae descendentis ^ welches er selbst 
.»schon Yor mehreren Jahren vorausgesagt 
«hat^e.» 

Wir sehen, dafs bey dem Prof. Murray 
ebenfalls Harnverhaltung vorhanden war, nur 
idafs sie nicht so langeanhielt, wie bey der Frau, 
von der wir reden. Hie Harnverhaltung sfitünt 
iJso eines der bestandigsten, eines der pathognen 
monischen Kennzeichen von Zerreissungen dmr 
A^rtß zu seyn. Pas Nichtabgehen einer 
grie^artigeni eii^er s(#ia4rtigen Substana^.knft 



— 109 — 

dem Hame wird ein unterscheidendes Mexk«* 
mal dieser Harnverhaltung. Wozu noch die 
Abwesenheit anderer > bekannter^ Ursachen 
, der Harnverhaltung käme. Der Puls der 
beyden fetzten Tage ist wohl auch sehr cha-* 
racteristisch. Inde&sen brächt/^ man es auch 
aa weit, dafs sich diese Krankheit deutlich 
erkennen liefse: was hätten wir für ihre Be» 
handlung gewonnen? Bliebe sie nicht eben 
so unheilbar? 



Joh. Aug. Sehmidi^ 

Med. Doct 
zu Neu - Wied. ' 



— jrio >— 



vn. 

Eine Beobachtung, 

welche beweisev 

dafs das Quecksilber nicht immer das 
♦ . Blut auflöse. 



E. 



iS ist bekanntlich lange eine Streitfrage un- 
ter den Aerzten gewesen i ob das Quecksilber 
clas Blut und die aus ihm abgeschiedenen 
Säfte auflöse; das heifst den bindenden 
Grundstoff in ihnen zerstöhre und sie in ihre 
«itfernteren Bestandtheile trenne oder nicht! 
Obschon die Erfahrupgen von Benevenud 
{Düsertatio episeolaris ad Beccariam)^ der da$ 
Quecksilber mit so glücklichem Erfolge in fau- 
lichten Würmfiebern anwandte; von Baiiay 
und Douglas (^Richters Bib. St* Bd. S. ySS)^ 
iSX<^ es so erspriefslioh in der fiaulichten Bräu« 



•— III -^ 

na fimden, ,v6tkd die Versucfae ron hfwm 
und Leuam das Quecksilber von dem Vor- 
wurfe, die SilFte aufzulösen» £rey lu sprechen 
•cheinen: so beweisen doch viele neueren 
Schriften 9 dals manche Aerzte uns vor Tage 
ihren Glauben an diese dem Quecksilber 
bejg^legte Kraft , auf die Säfte noch nidit 
abgel^t haben. Ein jeder Beytrag, der diese 
Bum Theil noch unentschiedene Sache näher 
beleuchtet 9 mufs daher jedem willkommen 
aeyn, und ist wichtig genug, um ihn öffent« 
lieh bekannt zu machen« Der Zufall gab mir 
Gelegenheit eine Beobachtung anzustellen^ 
die auch meinen ehemaligen Glauben an die 
Bint auflösenden Kraft des Quecksilbers sehr 
erschüttert hat: ich theile sie daher meinen 
Lesern mit. Indessen bin ich weit entfernt 
BU glauben und zu behaupten , dafs sie ent* 
•dheidend beweise, daCs das Quecksilber un- 
ter keinen Bedingungen und Umständen die 
Safte zersetze^ denn ich weifs zu gut, dȣi 
•ine einzige Beobachtung nicht zureiche, 
am eine richtige und zuverläfsige Induction 
über die Würkungskraft eines Mittels zu ma> 
chen; sondern, dalk sie sehr oft und nntnr 
den nemlichen Bedingungen und Umstandaa 
wiederholt werden mulste, um auf untrSg ^cI l t 
Resultate zu gerathen. Eben die VtfM 
läüsigung dieser so wichtigen logJsdMWtJ 



— II? — 

ist Urstcbe^ dafs wi^ mit einer 3o grölseii 
unbrauchbaren Fluth von nenen Mitteln imd 
Methoden überschwemmt iirorden , die anÜ 
dem Probiersteine der unbefangenen Kritik 
wie Wassertropfen verlaufen und nur gar n 
deutlich beweisen y dafs ' ihre Urheber das 
IHorazisehe »nonum prematur in • anßumn 
nicht beherzigten. 

Im JuDy 1793 ward ich zu einem 4<^ah^ 
rigen Wirth) der noch ledig war, gem*- 
' ieo. Schon seit n Jahren hatte er an dcok 
rechten Schienbeine Wunden und Geschwifra 
gehabt, die immer bö»er und schlimmer ge» 
Worden waren, und eiae Menge von Quacfe 
lialbern, die auch hier^ wo die mediciniscbe 
Polisey leider noch kaum dem Namen nacfa^ 
bekannt ist, tegionenweise ihr Wesen treiben» 
hatte nichts dagegen vermocht. Seit 14 Tagäl 
war am ganzen Körper im Gesichte, an den 
Armen und Beinen^ eine grofse Menge schwaff", 
Eer Warzen^ von der Gröfsö eines Grosohetf 
zum Vorscheine gekommen^ und seit 3 Wo« 
eben war am Rückgrat der eine Graten« 
fortsatz stark nach aussen hervorgewachaeof 
Und bildete eine Turmliche Exostosfs. Da» 
rechte Schienbein war ganz mit schwamm!]^ 
ten Fleischauswüchsen bedeckt^ die nach 
mehrmaligem. Wegätzen immer wieder ber** 
Vorgekeimt waren 7 eine Menge stixikendef 

Jan« 



— uS -^ 

Janöhe tttefte unablitlsig heraus. Uebrlgeni 
war er gesund» auf«er dafs er über Mangel 
aa Elslust klagte und ihn heftige Schiueraen 
in, dem kranken Schenkel , besondt^rs des 
Nachrsy peinigten. Ich erklärte diesem Uebei 
for die yöUig ausgebildete Lustseiiche; und 
obschon der Kranke ha!tnäckig leii^inete^ Je 
eine Schöne gekoset und umarmt zu haben» 
%o war doch das äufsete Ansehen der Krank« 
b0it| und die Versicherung seiner Freunde, 
ddj. et der Göttin xu Paphos heimlich seh^ 
inbrÜDStig und reichlich geopOrt hätte, für 
janich Grund genüge ihn mit Queciuilber zu 
behaiid(3ln; 

Ich gab ihzti daher das Ilahnemannschä 
äu&uslicfae Quecksilber mit Mohnsalt und ei* 
tie Tisane aus Guäjukholz, den Wurzeln vott 
Sarsaparille^ China und Bittersür$st6ngel; 

Die Besserung war sehr merklich; in 4 
Wochen waren die Finnen > Warzen und AV6 
Exostosis am Riickgrate gröfstentiie Is rer- 
achwundehi und die schwammigten Auswüchsei 
an dem einen Beine zusehends yerringett; 
Obgleich er anfangs täglich a^ und in der 
Folge 4 Gran Opitun bekam ^ so litt er doch 
nicht an Verstopfung des Stuhls^ sondern 
hätte oft Durchfall.. Da die Kräfte efiraa 
tanken, so liefs ich noch ein Absud der Fie* 
berriifcde dabej gebrauchen. Di^ AusvrUchsa 

XQL B. 3. 8b H 



- ii4 - 

«n dem recliton Schieiübeine wurden mit Spies- 
glänz Butter betupfet. Weil in der Folge das 
Laxiren oft zurückkehrte^ und dies seine 
Kräfte aufriisb^ so setzte ich der Chinarinde 
noch Cascarille und Campeschenholz hinzu. 
Wiewohl die alten Warzen verschwundeii wa- 
ren; so erzeugten sich doch wieder - viele 
nwe* 

Wie nach dem Gebrauche von 3 Mona« 
ten die Besserung still stand, und der Mercu» 
rius solubilis trotz des Zusatzes von Mohn- 
saft und anderen anhaltenden Mitteln ,[ den 
Durchfall immer wieder rege machte^ so 
wechselte ich mit dem Merkurial Prüparat 
und verschrieb nun den Calomel, der die 
angefangene Besserung so sehr belebte > da(s 
Dilles den besten Ausgang zu versprechen 
. schien; indessen machte er im December 
auch keine merkliche. Veränderung in dem 
Zustande mehr; ich wählte daher jetzt den 
Sublimat, und nun waren am Ende dieses 
Monats die Exostosis und all^ Warzen vei^ 
schwunden und der schwammigte Auswachs 
war um f vertilgt; der Patient war so gat 
bey Kräften 9 dafs er seine häuslichen GjB- 
schäfte verrichten konnte. Er hatte bereits . 
6a Gran Mercurius solubilis^ 56 Gran Calp« 
mel und 6 Gran Sublimat verzehrt, und ge- 
wifs noch eine grolse Menge Que^ksiibtf 



~ ii5 -. 

^urch Absorbtioti von aussen in aen Körpar 
bekommen ; denn der Ihn verbindende Wund- 
arzt hatte ohne mein "Wissen auf den 
Schwamm ekie 'solche Menge von einer Mer- 
kurialsaiba gestrichen, dafs ich eine grofse 
Menge Quecksilbprkügelchen darauf erken- 
nen konnte. Dieser nicht geringen Menge 
von gebrauchtem Quecksilber ohngeachtec 
offenbarten sich keine Spuren von Speichel- 
£u£i; er trank immer seine diaphoretische 
Tisane dabey, und dann gebot ich ein etwa* 
warmes Verhalten. , In der Mitte der Cur 
aulserten sich mehrere 'male Fieberbewegun- 
gen; da sich keine in die Augen fallende Ur- 
sachen davon angeben liefsen , so bin ich ge- 
neigt ^ sie für das Mierkurialfieber zu halten. 

Am 9. Januar 1797 ward er mit einem 
hitzigen Fieber, Stichen in beyden Brustsei- 
ten, Hm ten mit ungekochtem Auswurf, gelb- 
lich belegter Zunge, bitterem Geschmacke 
und Neigung zum Erbrechen befallen; dabey 
war der Durst stark, der Puls schnell, weich, 
nicht so voll, wie er bey dem inflammatori- 
schen Seitenstich 2u seyn pflegt» Die Seiten- 
schmerzen nahmen eine grofse Fläche ein, 
und vermehrten sich bey einem äufsern Drucke» 
Ich hielt daher die Krankheit für eine gal- 
licht- rheumatische Pleoresie, und varordnete 
ei^ BrechwitteL Dies hatte den lo. Januar 

Ha 



— ' ii6 — 

Ton oben und unten eine grofse Menge yoti 
gallichten und schleimichten Unfath ausge- 
leert ; die Uebelkeit und der bittere Ge* 
schmatk. waren verschwunden; die Zunge 
feucht «nd rein, die Seitenstiche merklich 
gelinder. Ich gab jetzt ein Decoct von Sa- 
lep mit Salpeter, Brechweinstein , Sauserho* 
-nig und Hollundermus; Üefs das fluchtige Li- 
niment mit Kampfer gemischt ^ auf die Brust 
einreiben, und warme erweichende Umschläge 
darüber machen» Den ii. Jan. Alle Zei- 
chen von gallichten Unreim'gkeiten waren ver- 
schwunden, die Krankheit zeigte nun einen 
rein inflammatorischen Character; die Zunge 
völlig rein , kein übler Geschmack weiter) 
grofser Durst; die Schmerzen in tier Seite 
und der Husten äufserst heftige der Auswurf 
mit Blut gefärbt, der Puls grols, voll, hart, 
gespannt, schnellend j {vihrans) schlag in ei- 
ner Minute ti2 mal. Da der Kranke seit 
7 Monaten eine so grolse Menge Quecksilber 
gebraucht hatte, dafs nach der Meinung vi^ 
1er Aerzte ganz den Crasis seines Blirts zet* 
stöhrt haben milfste^ und seine Warzen und 
Excrescenzen eine sehr verderbte Siifteii-. 
Masse ahnen lielsen; so konnte ich micb 
nur schwer zu einer Blutausleerung entBcUia* 
fsen; indessen das unverkennbar ^uttidiö 
entzündliche Gepräge der Kmakheit^ die Be- 



I 



-^ 117 — 

trachtUDg, dafs es seit i4 Tage Frostwetter 
ymr und das Barometer sehr hoch stand, 
überwanden bey mir alle ferneren Bedenklich«« 
keiten; ich verordnete daher ein Aderlals 
ypn IG Unzen Blut am Arme, und zu mei- 
nem nicht geringem Befremden , hatte das 
abgezogene Blut; das man, wenn die dem 
Quecksilber beygelegte Blutschmelzende Kraft 
in dar Erfahrung gegründet wäre, in einem 
völlig aufgelösten Zustande, wie bey ächten 
Fantfiebern, wo keine Gerinnung oder Tren- 
nung der Bestandtheile erfolgt, hätte vermu« 
theh sollen, nur sehr wenig Wasser^ einen 
grofsen festen Kuchen, und eine völlig 4 Li* 
nien dicke. und so zähe Speckhaut, dafs ich 
sie mit einem sehr scharfen Messer nicht 
durchschneiden konnte. 

00 nach dem Äderlafs die Bruststiche 
sehr gemindert waren, und der Puls kleiner 
und weicher .schlug , so liefs ich eiiv Blasen« 
pBaster auf die Brust legen und mit den letzt 
verordneten Arzeneyen fortfahren. 

Den i/\. Jan. Die Seitenstiche und der. 
Husten wieder heftiger; die Zunge rein, bis* 
weilen ein bitterer Geschmack j der Puls voH, 
hart, gespannt, der Durst grofs, gelinde 
Schweifse. Noch ein Äderlafs von 9 Un- 
2en. Das Blut hatte abermals eine so zälie 
dickd Speckhaut; einen so grofsen hauten Ku- 



♦ 

chen und so wenig Wasser, bU das vorig« 
mal* Der Puls ward jetzt weicher und kli V 
»er und die Schmerzen in der Brust waren 
$6 weit gehoben ,' dafs sie sich bK>s nur noch 
bey dem Husten äuisert^n« Der* Kranke 
laxifte gelinde. 

loh breche hier die weitere ausführlich« 
Erzäh)un|; der Gesobicbte dieser Krankheit, 
als gegen meinen Zweck streitend, ab, und bes 
merke nur nochj dafs der Kranke in Zeit 
von lo Tagen von allen pleuritischen und 
peripneumon lachen Zufällen völlig befreyet 
war, der Husten verschwand und Appetit 
und gute Verdauung zurück kehrten* Nach 
6 Wochen ward er aber von wiederholten 
Bluthusten befallen, und alle Waffen der 
Kunst waren nicht vermögend, die Lungen- 
sucht abzuhaken, an welcher er auch im 
May desselben Jahres' starb. Ein Ausgang 
der Krankheit, der einen nicht wundern 
darf^ wenn man erwägt, dafs der Kranke 
ein höchst unregelmäfsiger Mensch, den hitsi^ 
gen Getränken äufserst ergeben, sich sogar 
in der Krankheit oft berauschet , und an der 
eingewurzelten venelf'ischen Krankheit schon 
über 3 Jahre gelitten hatte. 

Es wäre der Mühe werth, dafs Aerzte, 
die mehr Gelegenheit haben, als ich, (denn 
vor diesem verwüstenden üevolutionskriegei 



— H9 — 

war die Lnstsenelie hier ichier «isa lUiW 
IcAoote Knnkkeit; abw jetit durch dies« 
GeiCiel der Menschheit und die mu&ige De- 
markationS'Anneef ist mit der leider tief 
einginlsenen Sittenraderbnils» euch dieeeekel* 
hafte und verheerende Krankheit hier uaM 
dem gemeinen Volke sehr gemein geworden,) 
venerische Krankheiten an behandeln^ audi 
genaue Beobachtungen anstellten^ wie das 
Quteksilber auf das Blut würke? ob es sol* 
cbei unter keinen Bedingungen und Umstän- 
den auflöse und den bindenden Bestandtheil 
in ihm zerstöhre, oder ihn nur so umwandele^ 
dals die anderen Bestandtheile sich nach dem 
Erkalten nicht trennen? 

Dafs das Quecksilber bejr Scorbutischen 
so schnell und leicht einen Speichelfluß er* 
regt, kann nadi meiner Meinung keinen Be- 
weis Abgeben, dafs das Quecksilber das Blut 
xersetJEe; denn wer will behaupten > dais der 
Speichelflufs ein Symptom von aufgelöstem 
Blut sey ! 

Es könnte einem bey dieser Geschichte 
der Gedanke aufsteigen, dafs das Quecksilber, 
da es nach einer so langen und strengen An« 
Wendung der Entstehung einer inflammatori- 
schen Krankheit nicht, gewehrt hätte, uhmög« 
lieh ein heilsames Mittel in Entaündungs- 
krankheiten seyn könn^! Dias ist aber nur. 



^in scheinbarer Widerspruch. Laut der Er^» 
^hrung von vielen Jahrhunderten ist derSaU 
peter eins der würksamsten Mittel in Entzün* 
4ungskrankheiten, und dennoch erregt er 
Entzündung im Magen, wenn er in iibermäisi- 
gen Gaben genommen wird. Das Quecksilber 
Würkt durch einen eigenthümlichen Reitz auf 
die £3sten Theile, vorzüglich auf das lym^ 
phatische System; das Merkurialfieber setzt 
<^iese» flufser Zweifel^ und durch diese Rein 
tzung wird es so erspriefslich in Entzündun-» 
gen, wenn diese in einer Lage sind, einer 
aoloben zu bedürfen, nemlich in dem Zeitr» 
raum^, wo die Arnika, der Kampfer und die 
Blasei/pfl^ster angezeigt sind, und nur in die» 
ser Epoclie wende ich, solches an. Durch 
die Lobpreisungen unsers voi trefflichen Fb^ 
gels fn seinem klafsischen Handbuche anfge« 
'iriunrert, habe ich seit mehreren Jahr^i die 
Methode des J^amillon (denn welcher ernste 
Dentschß} der nicht von der kindischen 
Anglomanie angesteckt ist, wagt es, die von 
neueren Britten, die gröfstentheils unbekannt 
mit einheimischer und continentaler Litera- 
tur nur nach Paradoxien haschen , empfohle- 
nen neuen Methoden und. Mittel« rasch 
yuxd blindlings nachzuahmen,) in Lungen - 
Darm- und andern Entzündungen in sehr vie- 
]ej|i Fällen mit dem glücklichsten Erfolge yer- 



mm 121 'Ttm - 

sucht, und habe dadurch vielen daß liehen 
gerettet, die ich 5onst für verlohren hielte 
ich heilte auf 'diese Art auch schneller, als 
sonst. Nach hinreichenden Blutlüftungen 
^nd den^ Gebrauche von Salpeter und aadern 
kiihlenden und'erweiohei^den Mitteln gab ich 
d^s Morgens und Abends, euch wohl des Mit« 
tags Calomel^ Kampfer und wäfsrigen Mohn^ 
saft-Extract, jedes zu einem Gran, und verhü-* 
t#te sowohl Speichelflufs s(ls Durchfall ji die mir 
beyde ^^wecl&widrig zu seyn scheinen. Die 
Verstopfung Verhütete ich mit Kljstieren; 
es versteht sich , dafs die Blasenpßaster qucH 
nicht vers?Lumt wurden. 

Pr. Scjimidpnifnnn 






vm. . 

Verlauf / 

eine« glücklich gehobenen verlarvtea 
chronischen Uebels, 

Von 

Dr. Carl Wolfart. 



Ge 



Tewifs wird dem nicht blos mecfaanisclieii 
praktischen Arzte nicht leicht etwas ange- 
nehmeres begegnen, als wenn er seine auf 
Gründe gestützten Ideen ^ welchen er als den 
Leitfaden aus dem Lal^yrinthe eines verwiokel« 
ten chronischen Uebels folgte ^ durch einen 
glücklichen Ausgang nicht allein gerechtfer- 
tigt sieht y sondern sich alsdann noch weit 
heller und deutlicher, als während der Cur, 
den Zusammenhang der Krankheitsphänomene 



mit der nSchstaü oder entfernten Ursache 
entvirickeln , und manches Schwankende und 
Zweifelhafte in setner Art zu schliefsen, wel- 
che hier erst durch den Erfolg VoUkomivine 
Richtigkeit erhielt, fest bestimmen und con- 
sölidiren kann. - Eine solche glückliche Be- ' 
c^bachtung ist ihm hernach gleichsam eine 
Norm zur Handlungsweise *bej ähnlichen 
Fällen, deren kleinere Verschiedenheiteü er 
kicht einsieht, und seine Maasregeln darnach 
Bimmt und ändert. Wie oft werden wir in- 
dessen auf eine andre Weise überrascht, wo 
wir einer sich uns darbietenden wahrscheihU- 
chen Ursache nach unsrer besten Ueberzeu- 
gung entgegen arbeiten, und während dieser 
auf Regeln einer gdäuterten generellen The- 
vftpie gegründeten Gurart, plötzlich sich die 
wahre Quelle der Krankheit zeigt , an di^ 
wir gemde vielleicht am wenigsten oder gÄt^ 
sieht dachten, und nun zugleich ein neues 
Licht auf die ganze Natur eines hartnäckigen 
Uebels wirft. Je verborgner diese Ursachidi 
desto wichtiger und interefsanter ist auch 
ihre Entdeckung, desto lehrreicher die Art 
und Weise , wodurch^ sie entdeckt und geho* 
ben wurde. Auch ist es ja längst anerkannte 
Pflicht eines jeden Bürgers im Gebiete der 
ausübende Heilkunde durch Mittfaeilung der 
Vortheile^ welche- ihm eine &ekne und auf« 



fallende Beobachtung gewährt/ sich niitzlich 
zu machen. Nun ist es aber noch die Frage, 
wer diesen' Zweck am besten erreicht, ob der, 
welcher einen ganz richtig durchst:hautei:i 
zweifelhaft- kritischen Fall bekannt machte^ 
welcher Aie geheime Apologie seines Scharf« 
sinns enthällt, oder der, welcher auch alsdann 
nicht und da am wenigsten schweigt, wenn 
ihm bey aller Aufmerksamkeit die Ursache, 
'Uild .folglich die ganze Natur der Krankheit 
abders erschien^ als er sie nachher würkiich 
fand, da durch ihre ohngefäbre Entfernung 
sich auch die Krankheit verlohr. In letztrer. 
Hinsicht bin ich vielleicht im Staude, dnrch 
folgende Krankheitsgeschichte diesem erhabe« 
nen Zwecke, mich einigerjnaalsen zu nähern* 
Frau Kleinboly ohngefähr '5j Jahr alt^ 
genofs seit vielen Jahren einer fast vollkomme- 
nen Gesundheit, und wiewohl ihr das Qlücl^ 
eben. nicht lächelte, lebte sie doch in ihrer 
armlichen Sphäre ganz vergnügt, und war 
Mutter vqn einigen gesunden Kindern. Ihre 
Körperkonstitution konnte nicht schwächlich 
und zärtlich genannt werden, auqh war sie, 
da die Sorge der Ernährung ihrer Fan:^i- 
lie^ bejnah allein auf ihr lag, an Feld- und 
andre starke Arbeit gewöhnt. Ohne die ge- 
ringste in die Aqgen fallende Ursache, be- 
}sjm die$^ F^.^U j^U Toa Zeit zu Z^eit heftige 



SchmeMftn im Unterieibe^ Welche sich bald in 
ein anhaltendes Reifsen und Stechen yerwan^ 
delten» Hierzu gesellte sich Hoch ein krampt'' 
haFtes Erbrechen von Galle und allen dem^- 
was sie. zu sich nahm* Auf das Lager ge<* 
Werfen, hatte die Krankheit schon einige* 
- Wochen gf»wüthet, als sie nach deai Ge- 
brauch einiger unbedeutender Mittel /(deren 
Ich mich nicht meltr entsinnen kann) endlich 
meme HülFe verlangte* 

Ich fand sie äufserst ehtkräftet^ und fast 
fcum Skelet verzehrt j Würgen und Erbre- 
chen dauerten beynahe ünaufhörlicii |fort, wo*- 
durch viele und schadhafte Galle ausgeleert 
Wurdet Ihre Brust war sehr eingenommen^ 
und eine auf den höchsten Grad gestiegene 
Heiserkeit^ machte ihr selbst das leiseste 
Sprechen^ ( laut sprechen konnte sie . gaj^ 
^ toicht) beschwerlich. Im Utiterleibev der nicht 
aufgetrieben und nur leicht gespannt war^ 
nahmen bejm äufsern Drucke die Schmerzeh 
zu. Die Untersuchung zeigte einen mattelTi 
gereitzten und nur wenig oder gar nicht fe- 
brilischf^ PuL ; die Zunge war zitternd^ fast 
trocken 9 und braunlich beschlagen» 

Diesen Syitiptomen zu Folge > leitete icK 
die Ursache des Uebels aus dem beständigen 
Heitze einer schadhaften Materie im Magen; 
yorziS^lich von verdorbener schadhafter GaUe> 



her; verbun^len ink fehlerhafter Würkunj 
und Verstopfung des Drüsensystetns im Un- 
terleibe; denn selbst ihre Farbe verrleth et^ 
was Cachektisqhes. Da^,Reif^e^ im Unter- 
leibe betrachtete ich meist, Mos als consensu« 
elle Würkung jenes Reitzes und des heftigen 
Würgens* Der drlngfi'nden Indikation^ da 
ich es bey dem schon mehrere Wochen an^* 
haltenden Erbrechen nicht wagen wollte^ ein 
Brechmittel zu geben ^ suchte ich durch fol* 
gendes zu begegjien: 1^. Sal. Absinth 3)* 
Succ. cur. rec, expressi q. s. ad Saturationem* 
V ChatnomilL %]]. Extn TrifoU Fibrin. 
5jj. Syr. .Diacad. 3f. M. D. S. Alle Stunden 
einen £fslö£Fel voll zu nehmen; wobey ich s^tar** 
ken Chamillenthee zu trinken rieth, 

Jm Anlange konnte die Kranke nie ofaiie 
sie sogleich wieder wegzubrechen ^ diese 
Arzeney zu sich zu nehmen, sq^ wie, es bey 
allem andern^ was sie genofs^ der Fall war» 
Demohngeachtet bi'achte sie es schon den 
zweyten Tag, durch fortgesetzten Gebrauch 
so weit, dafs die Medikamente bey ihr blie- 
ben. Auch liefsen Jiun die Schmerzen im 
Unterleibe etwas nach, da hingegen «die Eut* 
kräftung so asugenommen hatte ^ dafs sie bey- 
nahe kein* Glied zu rühren im Stande war« 
Jch lief» nun die Arzeney, wodurch ich den 
Riitz des Erbrechens zu vernichten, ujidfest- 



— 127 — 

sit;Ben(j[e Materien im Magen aufilulösen suchte^ 
aussetsen, weil diese Absicht ^röfstentheils 
.«rreicht war. 

Zuweilen, ohne* sich fedoch an eine be* 
stimmte Zeit zu binden, Hofs Blut aus den 
Genitalien tropfenweis ab, so, dafs oft wie- 
der 6 oder to Tage verflofsen, bis sich dies 
wieder ereignere. Die monatliche ' Heinigung 
war bisher ordnungsmäfsig eingetreten. Die- 
ser Zufall vermochte mich nicht in, meinem, 
«(ntworfeneo Plan und der bisherigen Curart 
irre zu machen,; ich betrachtete ihn als ein 
Zeichen der £ntktäftu;:g und des unrichtigen 
filutumlaufs. Es wurde folgendes verordnet: 
I) jj^. Extu TrifüK fihr. Extr. Centian. ana 
5jj. As. foetid. 5jß. § rd* rhei 3|l Süpon. ve^ 
nei» Tel. tau. insp. ana 5j)* M* F» pilL pond* 
grjj. Deargenu S. Morgens , Mittags und 
Abends i5 §tück au nehmen. — a) ^* Li* 
chen. Island* Jjj« Li§n* Guaiac. — Hß. Tus* 
silagin. una 5J. M, F. Spec. pro potu lignor. 
— Hiervon liefs ich alle Morgen eine klein« 
Theetasse voll mit ^ Maas Wasser aufkochen 
und des Tags über trinken. 

Diese Mittel, wobey sie sich im Ganzen 
etwas besser und erleichtert fühlte, nahm 
sie einige Monat,e lang« Nun schienen sich 
während diej>er Zeit auch ihre Kräfte etviras 
%tL heben, 4^.0: Brust ward freyer, ohne dafs 



sie viel auswarf eil muTste^ und Aet Appetit 
fing an/, sich wieder einiüstellen, welchen 
denn die Kranke bey ihren Giücksümständea 
nicht mit sehr kräftigen Nährung&mittehi be« 
tri^digen konnte» Da die Kranke bey dem 
langsamen Gange ihres Besserung denn 
doch immet an' Kraftlosigkeit 'litt> uild difts 
Mager werdeh eher zu als abnahm ^ ukid Patientin 
imijaer nodh das Bett hüten mufste^ sosikhjoh 
. nur einer langsamen und stets zweifelhaftexi 
Genesupg entgegen^ Es mochten 8 bis lo 
t'age verflolsen se^n^ dafs ich die Kranke 
nicht gesehen hatte^ wp^rend dem s^e ikochinUnet 
obige Mittel fortbtauchie> als ich eines Abends 
zu ihr gerufen wurde. Nun lölste. sich dei^ 
Knoten, dieses so hartnäckigen Uebels^ liiEid 
ich fand seine wahre Ursache, eine ütsach«ji 
iyoran ich eben so wenig dachte, als yiel-» 
leicht mancher^ der diesen Aufsatz biä hi^r-» 
her zu lesen würdigte* .* 

Ich traf die Leidende unter der heftige 
steil Geburtsweheh , welche sich ron wahrem 
durch nichts unterschieden» Die schon VoJr 
mir herzugerufene Hebamme^ zeigte mir nun 
eine abgegangne Mola von Hydatiden, welchd 
beynahe 4 Pfund wog^ und wovon noch be- 
ständig gröfsere und kleinere StUcke mit ep^ 
nem starken Blutrerluste abgingen* . Oabey 
stand die Kranke sehr yiei aus^ iind ihr gan- 



— 139 — 

ttBt Körper . Befand sich iti einem g^reitzteti 
Zustande ; aber von xlein Augenblicke an> wo 
«ie Von der Mola befreyt war^ wurde es ihr 
völlig frey iauf der Brust und itn Unterleibe. 
tJebri^ens konnte sie aus Entkräftung nur 
%ebr leise sprechen; der Puls war 'sehr lia^ 
bertiaft und kbiti* zusammengei^ogen. Sie 
pahm nebst einem^ Laveinent aus Chamillen 
folgende Emulsion i ^i Semin * papave^ ali% . 
3^/» Tere cum V thamomill ^rj. ut F^ L tf> 
JSmubio. ädd. ^, thehaie^ 3fi Pulp^ tama^ 
rindon ^jft. M, D. Sk Alle halbe Stunden 
ein ETslöffel voll zu nehmen^ 

Schon Atn andern Tage hatten l?ieber und 
^[Astische Bewegungen nachgelassen. Der 
Blutabgang^ irameifort mit Hydatiden yer»- 
iniseht> wir minder beträchtlich; die Paßen« 
tin fiihUe sich freyer und bel«bter^ und taach 
ihitena eigofen Ausdrucke: Wie neu gebohreä, 
»Nach 6 Tagen I wo sich immer ihre Kräfte 
mehr jsanunelcen^ hörte der Blutflufs gttni^ 
Hch nach und nach auf> imd da sie nud 
sehr an Leibes verstopliing litt, Welches, so langö 
aU sie obigeü Visoeralpilleh genommen wuiv* 
•den^ nie d^r Fall war, so liefs ich ihrdieselbeii. 
Wieder nehmen, dabey isländisches Moos mit 
Mildh trinken, und zugleich dann und waaö 
©iü Lavejüent setzen. Jedes brachte üusrer 
Kianke^h nun eineti Theil der verlohrnen 

JCIX. B. 2. Sti * 



— i3o — 

Gesundheit und Stärke 2urüek, und nach 
Verlauf von 3 Wochen^ war sie wieder so 
weit) dafs sie einige Stunden des Tages 
aiifser dem Bette zubringen^ und sich in der 
Stube gelinde Bewegung machen konnte. So 
weit es sich thun liefs, mufste sie nun eine 
nahrhafte perspirable Diät führen. Nach Ve^ 
lauf einiger Wochen hielt ich allen weitem 
^Arzeneygebrauch für unnöthig^ und empfahl 
nur Schonung ihrer Gesundheit und Kräfte^ 
io wie die Vermeidung aller schwer ver«» 
daulichen NahtungsmitteL 

Vor wenigen Tagen noch genofs ich das 
Vergnügen, sie zu sprechen; (es mag nun 
wohl übet ein viertel Jahr seyn, als ich sie 
^as letzte mal sah) so WohIgenährt> gesund 
und frisch, als ihr Aussehn ist^ konnte ich 
mich kaum überreden, es sey dieselbe Person, 
die so abgezehrt, krank und elend, mir kaum 
reiiiige schwache Hoffnung zu ihrer Wieder- 
herstellung gab. Wie sie mich versicherte, 
^ so erinnerte sie sich nie in ihrem Leben 
so gesund und stark gewesen zn Seyn , als 
jetzt; auch verrichte sie die härtesten Ar- 
beiten leicht, und könne sich oft ohne 
Nachtheil dem Einflufs einer 2Weydeutigen 
Witterung aussetzen. 

Ich kann ohnmöglich diese Krankheits- 
geschichte schliefsen, ohne zu wiederholen. 



— i3r — 

^fs mich auch nichr eine Ahnrlnng auF die 
wahre Ursache des Uebels, welche sich hei*- 
nach unwidefsprechlich als solche zeigte, i'üh- 
ten konnte. Da ich inzwisch#?n nach den 
yorhandnen Ibdikationea verfuhr, und meine 
Gurart anf sehr wahrs<;Ji6iQliche Gründe bau- 
te, Gründe, welche mir die ganze Lage der 
Sache und die allgemeinen Symptome an 
Hand gaben; so glaube ich doch dadurch 
Wohl eher zur Enthüllung imd Hebung der 
yerbörgnen Ursache mitgeWürkt, als vielmehr^, 
geschadet zu haben. -— Vielleicht kömmt 
dieser Fall Öfterer vor, und ich Werde dann 
jEufriedeti und glücklich seyn, wenn es mir 
geluiigjsn wäre, durch diesen kleinen Aufsatz 
auf die verborgnen Ursachen bey ganz ähnli- 
chen Fallen aufmerksam gemacht zu haben. 



I a 



i5z 



IX. 
lieber das Scharlachfieber. 



JDey Lesung des i6ten Stücks isten Hefts 
Ihres Journals für praktische Heilkunde, finde 
ich, dafs die Aerzte, welche Gel^enheit 
hatten, bey der Scharlachfleber-Epidemie Be- 
obachtungen anzustellen, aufgefodert werden, 
dieselben in gedrängter Kürze und rorzüglich 
nach benannten Fragen mitsutheilen. 

Ich verfehle also nicht, die beste Gele- 
genheit au benutzen um meine Beobachtun- 
gen so treu y wie möglich , und in Künce 2U 
überliefern. 

In dem mir als Physico anvertrauten 
Kreise^ exi$tirte das Scharlachfieber 3 und 
ein halbes Jahr, nemlich von 1800 den iS* 
Febr. bis i8o3 den 17. April, in welchem 
Monate ich die letzten Patienten zu besorgen 



— i35 ~ 

jbatte^ Nach meinem Tagebuche belauft sich 
die Zahl derselbe auf 365. Viere starben da- 
Voa und zwar 3 in der Krankheit selbst , ei- 
ner aber an den Folgen. 

Die erste war eine Frau, zu der ich, «o 
zu sagen 9 in den letzten Zügen gerufen wur- 
de. Ich hatte sie vorher schon öfters an 
dem Bandwurtne in der Cur, wo ich au ver- 
ai^hiedenen Zeiten wohl einige 4^ £lldn ab- 
getrieben habe. Sie hatte nebst dem Schaf- 
}acbi&eber auch das weifse Friesel. 
^. Der Sohn dieser Frau, ein Kind von un- 
gefähr 3 Jahren. Die Kammerjujigfer bej 
4em Herrn Reichsgrafeh von IV in C« Und 
endlich an den Folgen die einzige Tochter 
des I|6rra Prediger ü. in P., ein Mädchen 
Toa ^ Jahren. Die Krankheit selbst hatte ich 
überwanden, aber sie machte auf beyde Pa- 
TOtiden eine Metastase. Ich bat, man möchte 
aie so bald wie möglich, öffnen; allein die 
Eltern, wollten, aus zu grofser Zärtlichkeit, 
sich ucht dazt^ verstehen, ungeachtet ich ih^ 
nen di^ gröfse Gefahr, ja selbst den Tod 
vorhersagte. Das Kind bekam Zuckungen 
und starb apoplectisph. 

Nun zur Beantwortung der Fragen, 
l) Das Scharlachfieber grafsi'rte hier in 
der Stadt; und in meinem mir anvertrauten 



— 'i34 — 

Kreise in den l<?tzrea ^ Jahren ununterbro- 
chen. 

2) Es trat eia iSoaiin Febr. vn4 dauerte 
bis zum April i8ü3, wo ich noch die 3 letz- 
ten Patrenten, eine Mutter und deren ^ Töch- 
ter zu besorgen hatte. 

3) Die ConstitutiQA der Luft war 4 Jahrd 
hindurch sehr abvt^echsehad; bald einige Tage 
sehr trocken ; dann 8 — 9 Tage feucht; im 
Winter 5 — 6 Tage schreckliche Kalte; dann 
wieder sogleich gelinde Witterurg. Der herr- 
schende Kraükheits - Character war ein Jahr 
yor der Epidemie und durch die ganze Epi- 
demie, ja jetzt .poch rheumatisch nervös.1 Und 
ich habe nun im 5ten Jahre ßib rem stoftiona" 
riam^fßbrem rheuniatico'^ nervosam. .Alle/e* 
bres mcercurrencex nahmen unter diesen Um* 
ständen den rheumatisch- nervösen Charactet 
an» und dies erstreckte sich sogar auf Wödi* 
nerinnen* • Ich habe nur einige- WxJchnerin* 
nen gesehen, die nicht schwer krank, yniiv 
den, die übr>gen alle, welche ich zu besorgen 
Jiatie, mufsten mehr oder weniger eine Krank« 
heit aashalten. Selbst sind mir Beyspiele 
vorgekommen, dafs 3 derselben, sogleich bcy 
der Niederkunft, apoplectisch starben. 

Im Winter war die Krankheit hier auch 
weit bösartiger, als im Sommer. 

In den meisten Fällen war der Charak- 



— i35 ~ 

ter des hier gra^sirendeii Scharlachfiebers 
nerväs und bösartig, und es waren keine 3o 
Patienten, bey welchen blos entzündlicher Zu« 
stand gewesen, und die nach Yorschrift eines 
hochlöblichen Ober« Coüegii medici et sanü. 
taiis hätten können besorgt werden. Der^ 
Prediger 2U P. glaubte sein Kind selbst nach 
der Vorschrift eines hochlöbl. Ober <- Co//e^. 
medic. et sanitac% zu behandeln und ich wurde 
erbt, nachdem die Krankheit äufserst böse 
war, den 5ten Tag, bey einer Reise, die mich 
durch P. hindurch führte^ autgeforderti seine 
Tochter zu besorgen, ' 

Sectio^ ist von mir nicht gemacht wor* 
den^ weil selbst die ärmsten Leute, auf mei- 
nen Antrag dazu , antworten ; der Kranke ist 
einmal todt und was kann das helfen? Bey 
Yomehmern hält es noch weit schwerer, 

' Ich habe ^in praservativ Mittel versucht 
und zwar erst in dem letzten Jahre und in 
dem Dorfe Neuen - Klitsche , welches dem 
Herrn Landrath "von Kaue zugehört, ange- 
wendet und dies war das Extract, Belladonna^* 
Die Krankheit war kaum in. Neuen - Klitsche 
ausgebrochen, als es mir mein Freund, der 
dortige würdige Prediger Herr Gö^e meldete." 
Auch starb' vor meiner Ankunft^ gleich beym 
ersten Anfang j^ das Kind des Cantors. Ich 
wurde dahin requirirt und 'traf schon lo Kin- 



— i36 -- 

der mit dem Scharlachfieber behaftet. Ich 
besorgte sie alle naoh meinen Grundsätzen, 
vnd da ich hej meiner übrigen Praxis, nicht 
alle Tage selbst zugegen seyn konnte, gab 
ioh meinem Ohirurgus, Herrn Hausen ^av^y . 
alle Tage hinaus zu geben, die Patienten i» 
l)esuchen und daräul: zu sehen, damit dift 
vorgeschriebenen Mittel aocurat und pünktlidtt^ 
angewendet werden mö ruhten,. 

Von diei^en Kindern starb Eins an defli* 
Polgen, weil rHe Eltern das Kind den 8ten 
Tag auf don Kirchhoff hinaus gehen liefse% 
nud den Fehler wider die vorgeschrieben^' 
Diüt machten, dals dasselbe eim ganzes Stück 
frischer Blutwurst afs. Ich sagte, dais ich, 
als Präservativ das Exiriuii^ Selladvn^ gebrau« 
eben liefs. 

Ich liefs ^»* nachdem ich mit meinem 
speciellen Freunde und Gollegen, dem Herrn 
Jiohsith 'Jüngken zu Magdeburg gesprocheo^ 
und er mich versichprte, dals er das ßxiracf. 
Belladon. hey seinen Kindern mit dem be^ 
sten Nutzen angewendet hätte -^ ich Ueii 
1 -^ a gr. Rxtr.- Belladom in einer halben 
Unze debtill Wasser auflösen ; von dieser Auflo-i 
sung bekam jedes Kind täglich a bis 3 mal 
I Tropfen mit lo Tropfen Brunnernyassm*. 
Die übrigen unangesteckten Kinder in Neuen« 
KUt9che wurden auf diese Art besorgt , und 



.-^ i37 T- 

ich hatte das Vergniigeny dals kein einziges 
dieser Kinder angesteckt wurde un^ die Krank- 
heit aufhörte« Auch habe ich dieses Mittel 
einem Beamten , meinem guten Freunde, in 
dessen Gegend das Scbarlachfieber 'heftig 
Jiaiiste, für sein einziges Kind zu gebrauchen 
angeratheii und auch die$ ICind blieb- Ter« 
$chont. 

Die Curart) welche ich bey der ganzen' 
Epidemie, als die angemessenste und hülf« 
reichste beobachtet habe, war die. reitzend 
diaphoretische. Warum ich in meiner Gur^ 
gm bey dieser schrecklichen Ktankheit so 
.glockUch war, lag wohV darin, weil ich TOn 
Anfapge sogleich mein Augenmede . auf die 
Jeifis stationaria hatte, welche rh^matisch 
liervös war und nun schon bis in daa jite 
Jahr dauert. 

Meine Curart mutaUs circumstanüU^ 
war folgende: 

Wenn ich den isten Tag zumr Patienten 
bemfen wurde, gab ich aus der Ipecac. mit 
Zucker ein Brechmittel^ welches 3^bis 4'nial 
würken mufste; war die WUrkung nicht so 
oft, so gab ich den 3ten Tag abermals die 
nemliche Portion. Hierdurch erreichte ich 
einen dreyfachen Zweck , als: 

i) Wurden die Unreinigkeiten aus dem 
Magen g^eleert, 



~ |38 ^ 

a) Das Nervensystem erschüttert, und 
3) Das Haut- Organ dispopirt^ dafs d6r 
Ausschlag desto }>esser auf der Uai;t er&chei«* 
p^n konnte, 

Die^ JpecOfCuanha liefs ich darum neh men^ 
"weil ' sie' nicht so sehr auf den Stuhlgang 
würkt^' t^oraüf in dem ersten Zeitpuncte so 
vieles ankam, weil der Patient durch Lazi- 
ren sogleich äufberst geschwächt wurde. Nur 
bey 3 Kindern war es nörhig, BluCigel aiif 
die Brust zu legen , weil die Congestion des 
Bluts zu sehr nach der Brust war Bey den 
meisten mufste ic|i meine Zuflucht zu «änem 
lauwarmen Bade aus Senf nehipen. Die Pa* 
tienten wurden rein abgetrocknet, in Flanel, 
welcher mit Campher sehr durchrieben war, 
eingeschlagen und zu Bette gebracht* 

^ Waren Wüimer mit im Spiele, so wur« 
den Wurmmittel mit gebraucht, 

^h hatte die M^iittea mit anglnösen Zu* 
fällen sEu behandeln, kaum lo waren ohne 
dies Symptom. Ich liefs mit Meerzwiebel« 
Efsjg und Wasser niqht warm^ sondern kah 
gurgeln. Es wurden oft und an verschiedep« 
nen Stellen Senf- Umschläge gebraucht. Ntur 
bey 4 mufste ich um den ganzen Hals ein 
Spanisohiliegen - Püaster legen lassen. Aeuis» 
serlich wurde das Linimentum volatile 
eingeriebeA, welches mir ab^r nicht; so guf6 



— iSg — 

Dienste leistete, als eine Sdbe, die aus ungu^ 
eni. neapolü.^ pefrolea und sapon. vcnet. be« 
staiidi 

Diq Epidemie dauerte kaum 3 Wochen, 
als ich Abends einen heftigen Schmerz im 
Haisei spürte; ich bekam ein heftiges Fieber, 
und weil man mir öftere sagte, dafs ich alle 
KiiiderkrankheiteD überstanden hätte, so war 
ich auqh wegen dieser Krankheit ganz unbe- 
sorgt,- Jqh blieb zu Hause 9 liefs mir Fulsbä-» 
der maphen und gurgelte den Hals mit Meer« 
zwiebel-iEfsig und Wasser, Aeufserlich lieöf 
ich das Liniment* volaiile einreiben und 11 
Sinapi&mi «uf die Aerme und a auf die Wa-» 
den legen. Innerlich liefs ich mir eine Mix^ 
tur itus einem concentrirten Flieder Decoct 
mit 9pirit* minderer, vin. sdb. und Oxymetf 
simpL .bereiten, von welcher ich alle 3 Stun- 
den '$me h^lbe Caffeetasse voll einnahm. Da 
der offene Leib nicht gehörig folgen wollte, ~ 
wurden täglich 2 erweichende, gelinde Klj'-r 
stiere applicirt. Ich glaubte gewifs den Aus? 
schlag zu sehen; aliein nach 9 Tagen war ich 
ganz hergestellt. Da meine Gegenwart äußerst 
nothwendig war und ich yicle auswärtige Pa«i 
tienten zu besorgen hatte, er^chrack ich an ei- 
nem Tage bey einet Reise, indem sich meine 
Oberhaut anfing abzulösen, und ich dieselbe 
sowohl an Händen als Füfsen nach und nach 



ganz yerlohri Ich konnte micti nicht schonen., 
ich mu£ste fort und meiiie Hülf(? bestand da- 
rin, dafs ich mir täglich 2 mal die Haut mit 
FlaaeQ, der mit Waohholdern durchräuchert 
war, reiben Ilefs und so blieb ich gesuad und 
phne alle üble Folgen, 

Bey den meisten Kranken, weil immec 
Rücksicht auF den nervösen Zustatnd zu neh- 
n^ea war, mufste ich gleich anfangs die f^ale^ 
rißna , oder Scrpen^ariti^ n^it Spirif. minderer*^ 
^in $nb, und etwas Tinciur. Thebaic, geibrau-» 
cheii, weil bey den mehrsten. meiner Patien- 
ten sich den a- bis 3« Tag etwas Durchfall 
einf$in4 upd sie dadurch äufsert: «ohwach 
wurden« 

P^s Calomel mit dem Sulphur^ antimon. 
murai.j Camphor. wnd etwas Zucker, wair ni^in 
bestes Mittel, den 6, oder 7, Tag angewandt. 
Zu Eiüde der Krankheit aber habe ich befAin-' 
^en^ dais täglich das lauwarme Baden und ge« 
lindes Heiben vor^üglicheu JNutzen gehabt 
haben, , , 

Mit einem, Worte, im allgemeiueu waren 
Breohmittel aus i/7ecac„^Senfpflaster, lauwarmes 
Se]|fb%d, Calomel und Campher die besten 
Mittel; obschon ich auch zu SpanischßiegeiH 
Pflaster, Blutigeln, Moschus (bey kleinen Kin- 
dern zu 3 bis 4 grO meine Zuflucht nahm. 

£be ich ^chliefae, mufs ich Qoch einige 



besondere Krankheitsgeschichteu kürzlich mit* 
theilen. 

In dem Dorfe C. wurden an einem Tage 
die 3l Kinder des Herrn Reichsgrafen v» fV, 
von dem Scharlachfieber ergriffen^ ohne dals 
in dem gai»zeü Orte ein einziges Kind Vor*- 
Jier krank war. Die Eltern waren verreiset, 
lind der Herr Prediger^ dessen Hausarzt ich 
bin» schickte in Abwesenheit der Eltern zu 
mir, um die Kleinen zu besorgeti. Ich reiste 
60gl^ich dahin^ Der junge Graf war nicht 
so sehr krank ^ auch die kleinste Gomtesse 
nicht, bey der ältesten aber war der rheuma- 
tisch nervöse Zustand nicht zu verkennen* 

Des Herrn Predigers jüngste fochtet 
spielte mit den Kindern und das Stubenmäd»- 
chen war auch zur Bedienung da. Ich ver-« 
schrieb für. jedes der Kinder die zWeckmäfsig- 
ste Medicin und reiste wieder ab» Am an* 
dem Tage kam ich wieder zum Besuch und 
fand die Eltern SLebst ihren soti'st gewobnli-* 
chen Hausarzt, den sie, weil sie einen reiten- 
den Boten erhielten;^ bey ihrer Kückreise so« 
gleich mitgebracht hatten* 

An diesem Tage schon legte sich dat 

Stubenmädchen und die jüngste Tochter des 

' Herrn Predigers. Beyde Wurden l^on mir 

behandelt ün^ die Eltern ersuchten mich, die 

Cuxvbey ihren Kindern zu vollenden > ohn^ 



l42 

erachtet der Hausarzt Tag und Nacht zuge- 
gen seyn mufste. Alles ging gut. De^ 5teii 
Tag legte sich die Kammer jungf et* iltld die 
Krankheit fing gleich tümultuaiisch an, der 
Status nervosus war gar nicht zu VerkennC^n. 
Sie wurde mit teitzenden Mitteln behandelt, 
und e& sohlen alles ziemlich gut zu seyn^ als 
ich am letzten Abende äbreisete. Des ändern 
Morgens, es war der 4^0 Tag der Krankheit« 
^Is ich ankam, fragte ich deii Hausarzt 1 wie 
es um die Kranke stände? Er iagte siö Vä*- 
te sehr unruhig und äufsetst eigefisiiülig* 
Ich ging sogleich in «Begleitung des Hausarz- 
tes zu ihr und fand sie in Zuckungen, etwas 
Irrereden und in einet halben Stunde fttarb 
sie apoplectisch. 

Die 3 Kinder des Üerrh ReichsgräfeA 
liebst dem Stubenmädchen und der Tochter 
des Herrn t^redigers kamen ^war glücklich 
durch, doch machte inir die älteste Comt^^e 
viel zu schaffen. Sie bekam mit dem '^teii 
Tage die vollkommenste Wassersucht, so 
dais das Kind nicht mehr zu kennen Wir. 
Ich nahm meine Zuflucht zum Calomel , , Und 
liefs ihr ein Pulver aus Rhahar,^ Calotiiel^ Squüläy 
Saccharutn mit etwas pul?. Cantharjd. nehmeö« 
Pulv. Cantharid. wollte der 'Hausarzt gar 
nicht angewendet wissen. Mit Vergnü- 
gen sab ich täglich drnch Stuhl und Urin 



— i43 — 

, hanfig Wasser abgehen. Sie bekam aufser 
ttner concentrirten Abkockung von Bacc. Ju- 
nipenj 2 mal des Tages vom Elixir aurant. 

^campos^ mit ungarischen Wein, und ich hatte 
das Vergnügen^ dafs mir die 3 Kinder einige 
Tfl^e zuvor, ehe ich nach dem Kailsbade 
reiste^ vorgestellt wurdeti« Sie blüheten wie 
die Rosen« 

• Die äufserst zärtlichen Eltern schrieben 
tnir einefL sehr verbindlichen Brief, mit einer 
äu&earst teellen Belohnung und der Bitte ^ in 
Zukunft ihr Arzt zu verbleiben. 

ih T. hätte ich ein sehr hübsches Mäd- 
theh von t8 Jahren^ die eben Braut war^ 
Um Sdiarlachiieber >zU besorgen. Sie war 
iufserst schlecht^ wurde aber von mir nach 
oben^ angezeigten Grundsätzen behandelt und 
Sie wurde gesund. Ich bat^ sie möchte nicht 
ius der- Stube gehen, ja sie sollte sich noch 
meistens in dem Bette aufhalten, Weil, wenn 
sie sich der Luft aussetzen würde ^ ganz ge- 
Wifs die Wassersucht folgen würde. Sie vef- 
sprach's und auch die Eltern. Den 6ten Tag 
darauf legte sich die Schwester von i6 Iah- 
ten« Ich wurde sogleich berufen und als ich 
hinkaot^ uü;k diesem guten Mädchen tu hel- 
fen, früg ich Zugleich nach der ältesten 
Schwester. Wie sehr erschrack ich^ als ich 
hörte ) diSs ^ie sich auf der andern Seite der 



Gebäude aufiiaJtöj weil gerode ^esohlachtejb 
wurde und $ie zur Wfrthschaft sehfn« mu£itek 
Jch versicherte den EJt m, dals dies gewils 
Häcbtheilige Folgen haben würde. Und et 
war richtig.. . Den andern Tag kam der Bräu* 
tigam t\i mit geritten^ ersuchte mich sogleich 
/ hinzureisen^ indem seine Braut^ seit geatern 
Ab6nd, anfing aufzuschwellen. 

Ich kam bin^ fand an ihrem Ktirpet 
'tAnasarca ond ein Pulveraüs Calomel.^ sqüittat^ 
rhabar.^ sulphur. antinioti, undpulv. Canthnridh 
nebbt einem Tranke von concetitritter Abko« 
4ihuüg von Bdcc. juniper,^ raob Junipef.^ spU 
rü* Janipcr. voUenrleten die Gun 

Die jüngste Schwester ^ durch das Beyspiel 
ihrer Schwester scheu gemacht^ blieb £war in 
der Stube; allein sie safs den ganzen Tag ansi 
Fenster^ und weil die Fenster nicht «o recht 
-einpafsten^ so war es niöht zu vermeiden^ 
da£s die Luft nicht auf sie wUrk'en soUto und 
«ie hatte das nemliche Schicksal ihrer Schwer- 
ster littd wurde auch auf die oben b'eßchrie« 
bene Art geheiltr 

Die Mutter von einigen 6a Jahren war 
die letzte^ aber auch die schwerste Patien«- 
tin^ indem vom Anfange bis zur Ende Status 
nervosus war, und ich alle Mühe anzuwenden 
hatte ^ die Frau durch . incitireude Mittel sU 
fetten« 

Meh« 



— i4S — 

' Mehf^td Krankengesbliich^xi änzufiihreiii 
Virürde überflüfsig seyti^ Weil die Krankbeiten 
sich ziemlich gl eicbj die Curetl aber aucb|^ mu» 
iaä$ mumndis^ ftich ziemlich gleich blieben« 

Ich wollte hiermit Weiter nicl^ts bezwe- 
cken, Sils mein Scbetflein hierdurch beyzu«« 
tragen und zu beweisen.^ dafs/ wenn man 
mit gehörige^ Eijlsiöht Uüd Gifcüinspection 
4(unrt| man auch glückliah curirt* 



Dr. Joseph Speun^ 

Um aten Jeriefaowisehen Kreiset 
Pkysicus im Hersogthum Magdcbur|j< 



XIX. B. fl. St. 



— i46 — 



Fernere Erfahrung 

über die 

Würkung der Mineralsauren 
bey Fiebern* 



Noch etwas über das Reichsche Fteberrnüiel 

JLIas Reichsche Mittel erweckte tor einiger 
2^It nicht bey Aerzten allein 9 sondern bey 
Nichtärzten sogar allgemeine AufiEHerksamkdit« 
Sie scheint aber ällmählig minder zu werden^ 
da die bekannt gewordenen Versuche*) nicht 
immer mit dem glücklichsten Erfolge beglei«* 
tet gewesen ^nd« Die wenigstens > die an- 
fänglich ein Universalmittel davon erwarte- 

*) Siehe auch Band II. Stück 3. dieios Jottrnali. 



— 147 ^7 

teil, sehen sich se)if getäuscht^ wie es denn 
auch, so lange Verschiedt-nheit der Krankhei«*- 
ten existirt, dergleichen nicht geben kanni 
Und doch will Hetr Prof. Reich alle Fiebeif, 
sowohl astlienischer als hxpersthenischer Art^ 
ungeachtet beyde Fiebergattungen gradeztt 
einander entgegengesetzet sind, beyde gan2 
verschiedene Ursachen zum Grunde haben^ 
durch sein Mittel heilen. Wie kann äbet 
ein tind dasselbe Mittel zwey ganz entgegen« 
gesetzte Würkungen hervorbringen? FreyJich 
soll Msngel an Sauerstoff die Ursache beyder 
Fiebergattungen siäyn: ist dies denn aber schon 
ausgeni^chte Wahiheit? Folgende beyde Er- 
fahrungen lassen sich wenigstens nicht damit 
Vereituen. Ein robuster, starker Mann über- 
nimmt sic||i bey heiterer Laune in einer fro- 
hen Gesellschaft im Essen iind Trinken i tind 
verfällt nachher in eine Krankheit > die uns 
die Andmnestic und Diagnostic als hypersthe- 
nische Kj:atikheit darstellt« Ein andrer schwa- 
cher Mensch hat Kummer, verliert den Appe- 
tit* enthält einige Tn^je. sich der Speisen, 
und verfällt in ein asthenisches Fieben Herr 
Professor Beich behandelt beyde Patienten 
mit mineralischen Säuren , weil beyde ein 
Fieber und Mangel an Sauerstoff haben* 

^m Vorbeygehen gesagt ^ scheint mir 
Browti ganz Recht zu haben^ Wenn er Pyrexie 

Kä 



- i48 - 

und Fieber fon einander unterscheidet« Beyde 
sind verschiedene Krankheitsgattungen; un- 
möglich kann ihnen also ein und eben der« 
selh^ Name zukommen. Einem hyperstheni- 
idien Fieber y oder vielmehr einer Pyreido 
liegt vermehrte, einem asthenischen Fieber 
verminderte Erregung zum Grunde; beydeste* 
hen also einander grade entgegen, können da- 
her nicht einen gemeinschaftlichen generellen 
Namen führen , sondern ersteres heifst nacb 
Brown besser Pyrexie, letzteres Fieber. — 
Doch ich kehre zu meinem Zwecke zurükj 

Wie kann jener an Pyrexie leidende Pa* 
tient Mangel an Sauerstoff, wenigstens im 
Anfänge der Krankheit haben, da er einen 
Ueberflufs an Sachen , die vielen SauetatoS 
enthielten, Wein, Bier, u. s. w. zu sich ge*- 
^ nommen hat? — Ferner, wäre Mangel tn 
Sauerstoff die Ursache dieser Krankheiten, so 
müTste auch einerley Ursache eineiley Effect 
hervorbringen: die Effecte, die Krankheits- 
aufserungen sind aber verschieden; bey der 
Pyrexie sehen wir vetinehrte und veratürfcte 
Erregung des Organismus, beym Fieber das 
Gegenrheil, alle Lebens Verrichtungen gehen 
hier nur unvollkommen, ohne Energie und 
Kraft von Statten. 

Wenn nun aber gar Anhäüger der Erre- 
gungstheorie in beyden Krankheiten^ Pyrexie 



und Fieber; nach Reich mineralische Säuren 
gebrauchen» dürfte damit noch mehr ge- 
fehlt werden. Ein Mittel kann, ihrer Mei« 
nung nach, ja nur auf eineriey Art wUrken, 
entweder Incitament vermehrend oder ver- 
mindernd« Die Mineralsäuren hielt Brown 
fiir Incitament vermindernd, und nach ihm 
thaten dies viele seiner Anhänger; allein, wie 
anir dünkt, mit Unrecht* Schon in der 
kurzen Zeit meiner Praxis habe ich manches 
asthenische Uebel, vorzüglich hysterische Be- 
schwerden und chronische Hautausschläge, 
durch diese Mittel geheilt und heilen sehen. 
Auch der jüngere Frank ^) empfiehlt das BUx. 
acid. HalL sehr, um in der Ghlorosis damit 
den Anfang der Cur zu machen. -^ Wie kön- 
nen also Mineralsauren, als in der That !^r- 
regung Vermehrende Mittel, bey Krankheiten 
angewluidt werden, bey welchen ohnehin schon 
ulira modum vermehrte Erregung Statt fin*> 
det? 

Bey asthenischen Krankheiten, beym Fie- 
ber, mag also das Reichsche Mittel immerhin 
krä:ftig und würksam seyn; indefs bey wah- 
ren Hypersthenien kann eis unmöglich zweck- 
mäfsig angewandt werden. 

Nach dieser kleinen Vorrede erlaube man 

^) RaiiQ instituti chnid TlciHMsis^ pag. o^?« 



— I./0 

mir, einen Fa!l m enablen, ia welchem ich 
yon dem Beichschen Mittel Gebrauch machte. 
Im rerp^'iogDeo M^üit^i^ herrschte in hie- 
«ii;er Ge'/fsnd *Än lyphut mit Petechien epide- 
misch. Cnmph^r, Valeriana, Kaphtfa», md 
zuleut China, fteUten die meisten der Ptti- 
enten , wievrohl nur aaCserst laoo;sam , wieder 
her. £in üd^an, 54 J^>* ^I^:, der schon seit 
mehreren Jahren an verschiedenen astheni- 
schen Beschwerden, Asthma, Podagra, hinfi- 
gen CSatarrhen litt, ward auch befallen« Schon 
am andern Tage zeigten sich Petechien,* ein 
Umstand, der mir sehr bedenklich schien, 
da bey den andern Kranken erst am yierten 
bis sechsten Tage die Flecken zum Vinachein 
kamen. Der Puls ging krampfhaft, ^ Sdilage 
in der Minute; die Hitze war unerträglich, 
viel Durst, kein Appetit, die Zuqge weifs be- 
legt, OeiFnung gehörig, kein Schlaf. Bejr son- 
atigen Krankheiten des Patienten wurden seine 
Lungen, als der am meisten schwache Theil/ 
sogleich und am stärksten afficirt; aonderbar 
war es, dafs diese die ganze Krankheit hin- 
durch, dies mal wenig oder gar nicht litteiif — 
£»ne Campheremulsiony in den ersten Tagen, 
that wenig. Am vierten Tage war alles 
schlimmer; xo5 Pulsschlüge in der Minute, 
der Kopf sehr eingenommen, Die Aug^n 
standen atarri 4a« Unke Auge kleiner, als das 



— i5i — 

* • f 

rechte; geringe Entzündang djr Augenlieddr, 
'die ZuQge braun und ganz trocken, der Urin 
dick und 'schwarzlich y die Kräfte nahmen 
mehr ab. Ich gab ein Chinadecoct mit Ser« 
pentaria und Naphtha, zwischendurch ein hal- 
bes Glas alten Wein; ein Vesicatorium ward 
äd rubedinem auf die Brust gelegt. Am ach- 
ten Tage wurde es noch schlimmer; es stell- 
ten sich deliria ein« die immer mehr zu- 
nahmen. Viele Blähungen gingen jetzt 
ab, der Leib war etwas gespannt» Am fol- 
genden Tage nahm das Phantasiren noch 
mehr zu. Auf den Rath von ^wey mit zuge- 
zogeneti geschickten und verdienstvollen 
Aerzten ward das linimentum volatile in den 
UntÜtoleib eingerieben^ und ein Senfpflaster in 
den' Nacken gelegt. Jetzt stellte sich, auch 
singülms eiiky der aber durch warme Bähun- 
gen von Wein über die Magengegeud jedes- 
mal gestillt wurde. Ein beständiges Zittern 
der untern Kinnlade, die Zunge tanzte im 
Muiide, war trocken, hatte Hiße und einen 
braunen U'eberzug; subsultüs teridinum^ Flo- 
ckerilesen» 

Patient lag jetzt äöhrecklich darnieder. 
Manchmal schien' sich eine geringe Bessentng 
einzustellen f indefs kauiUk eine halbe Stunde 
verflöfs , und allei war wieder beym Alten. 
UeberUaüpt das Chtfracteristische de^ typhus, 



VßTietasi syrnv^amatum^ traf hier völlig »ein. 
Pai ietzt der To4 vor Au^on war , so glaubta 
ich, einrngil d^s Reichsche Mittel versuchen: 
^u können. loh lief« alle «f Stunden 3o, und 
pachher 4q Tropfen Salzaäure, Anfangs mit 
Jiinlänglichem Wasser, in der Folge mit Hafet^ 
schleim, geben, dabey Morgens up4 Abends 
ein Ktystifr aus liafer^chleini und 4o Tro- 
pfen Sal2isäure, Um indessen nichts vx ver- 
säumen^ liefs ich noch zwischendurch^ etwtl 
alle 3 Stunden, a Efsiöfipel voll von deni de^ 
cocio Chinae c. SßrpenL ec JSaphth4^ nehmen^ 
fiuch init dem Wein continuiren. 

I^achdenx Pf^tient 2 mal die Säure ge* 
nommen hatte^ erhohlto er sich; da$ Phauta^ 
airen iiefs etwas nach, so auch das Zitiem 
^er untern Maxi'Ie, und 'd9LS Sehnenbüpfen. 
Indessen ich schreibe! dies nicht der Säure 
zu , sondern vermuthlich war dieae Periode 
ein dilucidum intervallum^ deren ich auch vor« 
her mitunter bemerkte, und dais sich wahr« 
scheinlich auch ohne den Gebrauqh^der Säure 
«Angestellt haben würde. Diese gute Periode 
war inzwischen ebenfalls nur von kurser 
Pauer; etwa eine Stunde blieb P4tient gut» 
dann stellten sich alle Zufalle wieder einv 
Der Puls war in diesen Tagen bis auf i3o 
Schläge in der Minute gestiegen. ?wey Tage 
continuirte ich auf diese Art; niit.dem Q^ 



brauche dei* Salisfiure, dann setzte ich sie 
^anz aus, da sie auch nicht die mindeste 
Besserung hervorbrachte; nur liefs ich noch^ 
des Abends ein Kljstier, mit 4^ Tropfen der 
Saure, versetzt y geben. Das Ghinadecoct mit 
der Serpentaria und Naphtha ward wieder 
wie vorhin gegeben. 

Am sechzehnten Tage der Krankheit 
entstand ein schrecklicher Meteorismus, gei- 
gen den ich kalte Umschläge, nur einige Au«» 
genbli«^ke aufgelegt, anwandte, und gleich 
nachher das linimencum volaiile einreibes 
liels, aber ohne £rfolg. Aus den deliriis 
(dandis wurden jetzt zuweilen deliria /uriosa, 
90 dafs Patient im Paroxysmus aufsprang, und 
sich Hemden und Brusttuch zerreÜsen wollte. 
Daby Lefs er alles unwilikührlich unter sich 
gehen. Auch bemerkte ipan in den letzten 
Tagen einen beschwerlichen Abgang des 
Urins, Her noch immer schwärzlich und dick 
war* Nur im Steheii und^ nach einem laOü- 
g^n Drängen flofs der Urin ab. Vielleichc 
war eine hernia inguinalüj die. Patient hatte, 
oder wahrscheinlicher Schwäche, Krampf der 
llrinwege Ursache hiervon« 

Am siebenzehnten Tage, des Morgens 
ward Patient immer ruhiger, er hörte auf xu 
phsnt^il'Qa, der Leib schwoll immer mehr 



^ i54 - 

auf, er konnte gar nicht mehr schlucken, 
welches ihm auch schon am Tage vorher be- 
schwerlich fiel^ das Bewufstsifyn war gänzlich 
verschwunden, er sah uöd hörte nicht mehr; 
und endlich > nachdem er so mehrere Stun- 
den zugebracht hatte, entschlief er sanft und 
ruhig. 

Die Fleöken verschwanden schon «m 
neunten Tage der Krankheit*^ Gleich nach 
dem Tode unterlief die ganze Haut, und noch 
an demselben Tage fing der Korper an^ ca* 
daverös zu riechen* 

Dies ist das kurze Journal, welches ich 
über die Krankheit halten konnte; andre 6e- 
cchäfte , Schmerz und Unruhe über die Krank- 
böit und das Leiden des Patienten, mit dem 
ich in der nächsten Verbindung stand, (es 
war mein guter Vater,) lielsen es nicht zu, 
einw^Mehreres aufzuzeichnen« 

Man dürfte nun freylich einwenden, da& 
mein« Beobacbl4iig über das Reichsche Mit« 
tel nicht rein'sey, indem ich es immer noch 
abwechselnd mit der China gab, auch dafs ich 
es nicht lange genug angewandt habe. Ich 
gestehe dies gern 9 indessen hoffe ich doch, 
einen kleinen Beytrag geliefert zu ha- 
ben. Vielleicht beut* sich künftig mir Gele- 
|enbeit dar, das Mittel einmal allein und 



länger anwenden 201 können. Alsdann werde 
ich meine Beobachtungen dem geehirten Pu- 
blicum mitzutheilen nicht verfehlen, 

Dr, C Schmidt^ 
ausübender Arzt 90^ Neustadt am 
Rubenberne. 



2. 



Einige Versuche mit dem Reiohschen MilieU 
Miigeiheih vom Dr^ Müller in Plauen^ 

Mit Sehnsucht sah ich der Bekannt- 
machung des Reiohschen Geheimnifses im 
Jahre iSoo entgegen^ ^ so zahlreiche 
Epidemien, die bey vielen Subjecten einen 
bösartigen Gbaracter annahmen , mir oft ein 
Mittel wunschenswerth machten, das auch 
dann ncoh helfen könnte, wenn alle ^eithe«^ 
rigen Mittel uxtwurksam blieben. 

Es herrschten hier «u gleicher Zeit Ruhr, 
Scharlachfieher,' Blattern, Masern und Ner- 
venfieber. Letzteres theilte oft den vorher- 
genannten Krankheiten seinen Gharacter mit. 
Die medicinischen Anilalen werden im kur- 



zen einige BeikierkuDgen über diese Epide^ 
xnien enthalteD, 

Das Beichschs Mittel wurde bekannt, 
lind ich hatte oft Gelegenheit dasselbe zu, be- 
nutzen. Folgendes $ind kurz die Resultate 
meiner Beobachtungen: 

In jenem schrecklichen Scharlachfieber^ 
welches mit ins blaue faüpndem, oft verschwin- 
dendem und wiederkehrendem Ausschlage, 
mit Delirien und ÄbdomiDalreitzen, entwe« 
der Colikschmerzen mit oder ohne La^ciren, 
oder Harnverhaltung , öder Unvermögen den 
Jäam zu halten, einher ging, wobey die Zunge 
]iart und braun, d^r Athem, wenn gleich der 
Ausschlag noch so sehr auf der ELaut war, 
beengt, und der Puls gewöhnlich weich« aber 
schnell und gereitzt war, wo die Augen ei- 
nen stieren Glanz hatten, wo inan eine ge* 
wifse Unstetigkeit in allen Bewegungen be- 
merkte, und welche in wenig Tagen, - oA 
schon in wenig Stunden tÖdteten, .wendete 
ieh das Reichsche Mittel, nachdem ioh zuvor 
/die zeither bekanntem Methoden ohne Nutzen 
versucht hatte, leider aber vergeblich an. 
Pas Fieber ging seinen gewöhnlichen^ Gang 
fort und tödtete eben so 2(uverlär$ig , als bey 
den sonstig^en Methoden. ^ 

Bey dem Anfange der Blattern brauchte 
ich es liiß, ^uch dc^nn nicht, wenn ein ner- 



- i57 - 

TÖser Charactei* Gefahr drohete. Campher, . , 
Opium, Moschus und Clj^ina, waren die Mit-« 
tel, die mich ^ nicht leicht verliefsen. Wenn 
ich aber in der letzten Periode det Blattern 
gerufen wurde, wo die nicht gefüllt gewese- 
nen. Pocken schwatz und brandig waren, wo 
man bisweilen grofse leere Blasen , von un- 
bestimmter Form (vielleicht Pemphigus?) aü 
verschiedenen Stellen des Körpers bemerktd^ 
wo der, bfy Blattern so ominösid schwere 
Athem gegenwärtig war, dann wendete ich 
Mineralsäuren, in so grofser Menge, als' es 
sejrn konnte, an; aberleider auch hier Vergebens* 
Ich wagte bey der Ruhr den GebraucK 
der Mineralsäuren nicht, weil ich ihren Reitz 
auf die äufserst empfindlichen Darmhäute 
fürchtete. Nur in einem eituigen hoffnutigs- 
los^n Falle wendete ich Salzsäure an, aber 
vergebens. Doch beweist dieser einzige Fall 
üichts. Nur ein Wunder hätte diesen Kran- 
l ken, der, als ich gerufen Wurde, fast schoa 
im Sterben lag, retten könnei!!. 

Auch in der Lungensucht hatte ich zeit- 
her oft Gelegenheit, Versuche mit Säuren 
anzustellen; sie leisteten aber hier, zu Ver- 
minderung des Fiebers, nichts; es ging unauf- 
haltsam seinen Gang fort. Einmal verursach« 
ten sie so heftige Beängstigungen, brachten 
eine sö heftige Empfindung, als wenn alles 



— i58 — 

im Unterleibe ^ Zusammen geschnürt würdoi 
hervor, daf* sie ausgesetzt werden mtifsten. 

So ungünstig diese Erfahrung der Reiche 
sehen Entdeckung sind, eine so günstige Er- 
fahrung machte ich doch im vorigen Jahre 
für dieselbe. Es thut mir leid^ dafs ich diese 
Krankengeschichte, die so sprechend die 
Würksamkeit der Säuren bestätiget, größten-, 
theiis nujp aus dem Gedächtnifs erzählen fnu& 
Die zu häufigen und ermüdenden Geschäfte 
in jener Periode, worein diese Krankheit falit» 
machten mir die sonst gewohnte gewissen- 
hafte Führung meines Tagebuchs unmöglich* 

Ein gesunder, ob wohl nicht Robuster 
Mann von 4^ Jahren, verheirathete sich ^mjh 
zweytenmale mit einer jungen Frau} er gab 
sich in jeder Art alle Mühe, seiner Frau den 
Unterschied der Jahre vergessen 2ü, mt- 
cben; auch verursachte ihm die neue HefiNlÜl. 
mit seinen. Kindern erster Ehe manchen Ver- , 
drufs, Bey einer besonders feyerlichen Ge- 
legenheit wurden einige Tage und bis spät in 
die Nächte geschwärmt. Die letzte dieser 
Nächte ärgerte sich unser Kranker ausseror- 
dentlich. Den Tag darauf fühlte er sich 
nicht wohl, und nahm auf eignen Antrieb 
ein Brechmittel Es würkte, verursachte aber 
solche Mattigkeit, dafs unser Kranker das Bett 
hüten mufste. Die Nacht k^am Seitönstecheit 



— iSg — 

dazu, und den zweyten Tag der Krankheit 
wurde meine Hülfe gesucht. Ich fand den 
Kranken mit sehr verfallenem Gesicht, mat- 
ten Augen, kleinem^ nicht hartem, aber 
schnellen und geritztem Puls, trockener, 
sprodeJt* Haut, .aufserst entkräftet und mit 
fürchterlichem Seitenstechen geplagt. Die 
genaue Kenntnifs aller vorhergegangenen Um- 
stände', zusammengehalten mit den letzten 
Veranlassungen zu dieser . Krankheit, und 
dem gegenwärtigen Zustande selbst ^ mach- 
ten, dals ich diese Krankheit sogleich fiir ein 
nervoseS; Seztenstechjieber ansah und mir vor- 
nalun^ sie nach, dieser Idee zu behatideln. 
Die Abwesenheit aller gastrischen Symptome 
und das,' erst nach genommenem YomitiTy 
erfolgte Seitenstechen,, schlofsen den Gedan- 
ken an gastrischen Chatactet dieses Fiebers 
aus« .Meine Verordnungen waren folgende:.. 
In die schmerzende Seite lieis ich linimenuim 
voU camphoratum einreiben. tnnei^lich. 
wurde ebenfalls zur Besänftigung des quälen- 
dem Sctimerzes, Opium gegeben; und tun 
den Fiebercharacter selbst zu begegnen) JBo?- 
citanüai welche ich aber namentlich in mei- 
nem Tagebuche nicht angegeben .finde* 

Der Erfolg meiner Cur war Verbinde- 
rung des Schmerzes ^ übrigens blieb alles 
beyxtt Alten. 



Den flritrdn Tag des Morgens Wtitde det* 
Schmerz wfeHer aufserordentlich heftig. Es 
wurde abermals Opium gegeben^ und ein Ve-* 
sicatorium gelegt. Hierdurch hörte zv^ar der 
Schmerz in der linken Seite, wo er zuvor ge- 
wüthet hatte, auf, fing aber in der rechten 
wieder an, doch mit yermin'deter Heftigkeit«' 
Die Kräfte tanken immer mehr^ alle Umstände, 
blieben übrigens' dieselben, es wurden ExcU 
ianna fortgegeben, auch Wein zu trinken 
verordnet. Von letzterem wurde jedbch^&W 
sehr wenig genommen. 

Den vierten Tag des Morgeni Wftr del* 
Schmerz sehr leidlich; aber die Kräfte wa^ 
ren noch mehr gesunken* Mein Kranker sank* 
noch sooft hinaufgerückt, immer Wieder zUclen 
Füfsen des Bettes herab. Der Kopf keimten' 
von den Kräften der Muskeln nicht mehr ge^ 
halten werden, folgte deswegen seiner natür-^ 
liehen Schwere und rühete hinten tief in den^ 
Küssen. Die Wärter klagtet! über Bley-» 
schwere des Kranken , dessen Au^en ttuh^ 
fast gebrochen Waren; überhaupt War ieia 
ganases Ausseihen hippocratisch. Man hörte 
einiges Rafseln in der Brust. Die Sp^acher 
war kaum hörbar imd die Worte wurden un« 
mer nach einigeiü Nachdenken erst gespro- 
chen. Von seinem liahen Tode sicher über- 
zeugt/ terweigerte Patieni: alles fiinnaiimen. 

Nur 



^ i6i — 

Nur durch; Yieles Zureden gelang es mir| ihn 
EU bewegntt, einen Saft nut Wasser zu neh« 
men, womit er seinen heftigen Durst lösohte. 
Ich rersdirieb 4 Quent Spiritus vürioli mit 
2 Unzen Hiitibeersaft*' Dies wurde mit hin- 
länglichem "VVasser rerdünnti binnen 3 Stun« 
den genommen* Es wurde keine besondert 
Wiirkung von der nach und nach genomme- 
nen Säure bemerkt , Der ganze Zustand war 
noch derselbe.^ Jetzt würden 8 Quent Spirit. 
mtrioli^ wieder mit hinlänglichem Sjrup^ yer^ 
schrieben y und der fleifsige G^rauch dieses 
Saftes im Wasser ^ den Wärtern dringend em« 
pfohlen. 

Am fünften Tage früh War die vojf>ban« 
dene Säure ganz genommen« Ich fand mei« 
nen Kranken viel kräftiger^ den Puls sehr ge« 
beisert> er war dem Puls meines Kranken in 
gesunden. Tagen fast gleich, nur etwas kleiner» 
Patient hatte gegen Morgen einige Stunden 
geschlafen. Das saure Getränk, das iPatienC 
im Anfangt ohne Widerwillen brauchte, das 
ihm nur säuerlich schmeckte, wurde zuletzt nur 
auf dringendes Zuredeh genommen , und de^T 
fernere Gebrauch verweigert, weil ies gar zu . 
brennend sauer wäre. Gewils ein Beweis für 
die anfängliche Unthätigkeit d^r Geschmacks« 
nefyen, die sich aber nun wiedet* im gewöhn« 
liehen Zustande befanden. Unmittelbare Wür- 

XIX. B. 8. St. L" 



kungy auf das jedesmalige. Trinken des sehr 
sauren Wassers, hatte weder der Kranke noch 
sein Wärter bemerkt. 

' Auf meine Bitte entschlofs sich der Kranke 
zu fernerem Gebrauche der Säuren, aber nnr 
in yermindeter Quantiät. Uebrigens wurde 
Rheinwein zu trinken verordnet* 

Von heute fing die Genesung an, sie 
ging ununterbrochen, ob wohl langsam, fort. 
Manche, während derselben, wegen eines 
fixen Schmerzes in der rechten Brustseite, 
verordnete Mittel gehören nicht hierher. . Ge- 
nug , ich schreibe blos der Vitriolsiure die 
schnelle Entfernung der Todesgefahr ta, und 
danke ihr die Rettung eines nützlichen Bür- 
gers, der vielleicht ohne sie gestorben wäre. 

So wenig . Werth auch meine hier mit* 
getheilten Beobachtungen haben mögen, so 
können sie doch vielleicht etwas zur endli- 
chen Würdigung der Beickschen Entdeckung 
dadurch bey tragen, dafs sie andere veranlas- 
sen, ihre bestätigenden, oder widerspreäien»- 
den Erfahrungen bekannt zu machen. Nlur 
tausendfache Erfahrung kann den Werth oder 
Unwerth neuer Mittel bestimmen. 

Von der humanen Denkart Reichs lafst 
es sich nicht ^warten, dafs er die Erzählung 
der Fälle, wo die von ihm empfohlnen Säu- 
ren nichts leisteten, eben so au&ehmen .sollte, 



— i63 — 

wie Hahnetnäntt die £i:2ähhiii0 d^r Fälle , Wo 
jftein als uatfüglich gerühmtes Scharlachiiebetw 
Mittel uüwürkftilm bliebe und dafs ^t die £r- 
2ähle|r eben üo unwürdig behandela soiltei 
Wie sie Hähnemann behandelte. Nur brü- 
dei^lich^r Verein der Aet^te^ nur leidenscbaft- 
lase und unpartheüsche Prüfung^ humane Zu^ 
jrechtweii^ung det Fehlende^; ül^d Offenheit 
Und Wahrheit köntien die Ät^eneygeleKtsam« 
keit ihrer Vollendung näher bringf Hi und da- 
durch der Menschheit unendlich nützen« Lei* 
denschaftliche Aufwallungen gegen anders 
denkend'e^ unterhalten zwar den Zuschauer^ 
schaden aber dem, der sie sich ixx Schulden 
kommen llist^ und der Sache« 



L 2 



— f64 — 

. g. 

Erfahrungen über die Wurkungen des neuen 
Reichschen Fiebermiuehj gemacht von N. 
Jacobsen^ erstem Arzte bejr dem iUlgemei" 
nen Hospitale in Kopenhagen^ 



Erste Krankheitsgeschichte» 

Christina Elisab. Fül^ads, SS Ja)ir alt, 
kam den i5. September 1800 wegen eines 
Beinbruchs ins, Hospital« 

Den 8. October befand sie sich nicht 
wohl, klagte über Kopfweh und Erbrechen; 
ihre Zunge war etwas belegt. Sie bekam, 
ein Bi*echinittel, Weinsteinrahm, und fleifsig 
2U trinken. 

Den g. Die erwähnten Symptom^ hal- 
ten noch an. Patientin hat keine LeibesöfF- 
nung gehabt. — Sie bekömmt DigestivrPul- 
Ter. Senfpflaster werden auf die Beine ge- 
legt. 

Den lo. Patientin hat noch keine Lei- 
besöffhung gehabt. Die übrigen Symptome 
halten an. Einiges Fieber. — Sie bekommt 
jiqu. laxativ.y alle 3 Stunden einen EfslöfEel 
voll 9 bis S^hlgang erfolgt. 

Den II. Sie hat gestern nach der jt^u. 



— i65 — 

laotativ. O^ffnnng gehabt Dies ausgenoni- 
, men s^nd die Symptome UBrerfindert. Sie 
erhält Deeoci, ^cort. peruv* c. rh^o, und Gha- 
milleDthee xum fleirsigea Trinken* 

Den 12. des Morgens noch immer die^ 
seihen Symptome. ' Sie erhielt: 

Spirit. Vitriol, acid^ Semiunciam. 
Meli, despumat uncias quamor. 
S* Alle Stunden einen Theelößel voll. 
Zum Getränke wird .fiafergrützsuppe gereicht. 

Den la. Abends. Patientin befindet sich 
schlechter. Dl^ Zunge ist trocken^ der l^ls 
kleiner und geschwinder. Sie liegt in Stu- 
por 9 hat zugleich Subsuli. iendinüm. Der 
Urin ist etwas röthkcher als der natiirKche. — 
Es "wird mit dem Gebrauche d^ Saftes fort« ' 
gefahren« Sie erhält zwey Theeldffel voll alle 
Stunden, bekömmt wieder Senfpflaster an 
die Beine. Die Extremitäten und das Gesicht 
werden mit Spirit^ Viür^ acid. und Wasser 
fomentirt. 

Den i3. Morgens. Patientin ist munterer. 
Seit gestern Abends hat sie drey Stuhlgänge 
gehabt; die Excremente waren etwas wäfse- 
rig. Die 21m3ge ist noch belegt, aber nicht 
trockeii; der Puls noch kleine 120. Schläge 
in einer Minute. Die Hitze zeigte auf 98^ 
Fahrenh. -^ Das Sehnenhiipfen ist beynabe 
noch eben- %o. Sie ei^ält: 



«- 1(56 — 

Spiri$n VUt^ acid^ Drachmas (juinque, 
Meli, despuma/. uncias quaiar^ 

S. Zwej Tbeelöffel voll alle Stundeq, , 
Nebenher D^cocu cartn peruv* unQ^ f 'üiei'» 
m4 de» Tage«, 

Den |3. Abends. Patientin ist sieb mebr 
bewufst und munterer, Der Harn ist klar 
und rother aU natUiüch, Sie bat wieder 
Qef&UQg gehabt I die E^cremente waren ein 
wenig diinzL und bräunlich. Der Puls wie 
4e$ Morgens ; des Sehnehhüpfen hält gleich- 
falls an. Die Zunge ist nicht so belegt. Es 
wird mit der Ar^^enej fortgefahren« $ie er» 
hält stündlich drejr Theelöffel voll,. 

Pen i4 Morgens. Wie gestern, aufser 
daß die Zuji^ge beynahe rein, und das Seh- 
nenhüpfen nicht so stark ist. Dieselbe ^Ar*« 
zeney, 

Den 14 Abends, Wie des Morgens, 

Den i5. Morgens, Patientin^ bat Oeff-r 
nung gehabt, Das Sehnenhiipfen ist beynahe 
ganzj fort. Der Puls ist noch g^chwind; 
124 Schläge in der Minute. Sie befindet 
sich besser. -^ Dieselbe Arzeney, 

Den |5, Abends, Patientiii . b«t wieder . 
Oeffnung gehabt; die Excremente sind wäs-^ 
serig^ und griin, Der Puls ist eben «o ge* 
schwind, aber voller j die {litze 100^ Fabrcnh.; 
die Zunge tein; das Seluieabüpfeii vnbedea- 



— 167 -* 

tend. Patientin ist munterer. — » Dieselbe 
Arzenejr« 

Den ' 16* Morgens. Die Patientin ist* 
munter; der Puls nicht so geschwinde und 
voller;, die Wärme 97^; das Sehnenhüpfen 
ganz fort; der Urin dick. Patientin hat. 
auch OefFnudg gehabt; die Excremente wa- 
ren dünn, aber von natürlicher Farbe. — - 
Sie erhält alle swey Stunden drey TheeIö£Fel 
voll yom Safte und nebenher Decoct. cdre. 
pert^v. 

Den 16. Abends. Wie des Morgens. 
Sie nimmt nur alle drey Stunden drey Thee- 
löffel voll vom Safte. 

'^Den 17. Besserung; die Anzahl, der Ajh 
terienschläge 96; die Zunge ist rein ;. Efslust^ 
Patientin hat Oeffnung gehabt, M^lohe bey- 
nahe natürlich wan Nur ist sie jetzt matt* — 
Der Gebrauch des Saftes wird unterlassen. 
Sie erhält eine halbe Unze China - Decoct 
viermal tfe^ Tages. 

Den 18* Der Puls ist voll; 72 Schläge 
in der Minute, Patientin hat munteres Ausr 
sehen. Im Urine ist eine Wolke; er ist rö- 
ther als der naturliche. Patientin hat einige- 
mal gegessen. — Es wird mit dem China- 
Pecoct fortgefahren« '' ■ 

Den 19. Die Arterien s^lagen. 84 mal 
in dei* Minute; Patientin hat keine Eislust; 



dies ausgenotnoieiiy befindet sie sich wohL^^ 
Dieselbe Arzeney, 

Den fio. war ein Bodensatz] im Urine, 

und Patientin war nun vollkommen wohl, 

^ aufser dafs sie noch matt war. Sie setzte 

den Gebrauch des China -tDeQOCts neben ei-^ 

ner nährenden Diät fort« 



JSweyee KrßnAeiisg^schichie. 

CHfisioph Diiman kam den i4« OiStober 
in« Hospital Er war schon 14 Tage lang 
Itrank gewesen, hatte Kopfschmerz, Ekel, 
f chlechten Geschmack, Driicken in der Heira- 
grübe gehabt; und an d^n ersten Tagen sich 
erbrochen« Das Ausgebrochene War bitter 
gewesen. Er glaubte es sich durch einen 
Diätf^hler zugezogen zu haben. 

Den 14« October Morgens , da er ins 
Hospital kani, hatte er noch Kopfschmerz, 
besonders gegen den Nacken zu, Hitze und 
Purst, bitterer Geschmak im Munde , die 
Zunge ist etwas belegt, Eckel, Drücken in 
der Herzgrube, Stupor, Sehnenhüpfen; er 
hat einen epileptischen Anfall; der Puls war 
etwas voll, schlug 92 mal in ier Minute; 



die yftame 96« Fafarenh.; Patient hat den 
Tag «uTor QefFnung gehabt. Er bekömmt} 
9t* Tartan emöi, gr. ii}. 

' ' jtqv, desiilh' une. iif, 
Naoh dem Erbreche^ bekömmt en 

Ifl^ Acidr sulphuric^ Drachme h 
A^v. deMÜ^ Drachm. IL 

S\ Alle Stunden 3o Tropfen ia einem 
TheelÖffel voll HafM^gruta-Suppe, 

' t>en i4* Abends« ' Patient hat sieh en« 
nige- mal erbrochen und angleich einige Stuhl- 
gänge gehaht. ^ Puls und Wärme wie des 
Morgens« Aber die . Congestlonen aum Kopfe 
und das Sehnenhilpfen sind stärker gewor« 
den« <^ VaV erhält kalte Fornenitationen um 
den Kopf, aus Vitriolsänre «nd Wassier« Ue-> 
biigahs dieselbe Araeney. ' I 

Den i5. Morgens, Patient befindet* fieh 
besser, ist ein wenig munter; der Puls ist 
etwas voller^ schlägt So mal, die Wärme ist 
87^; er hat vorige Nacht ein wenig geschla* 
fen und einige Stuhlgänge gehabt; die Ex> 
cremente waren grün und wässerig. Et hat 
Aufitofsen bekon^men und wieder zwey klei^ 
ne Anfälle von Epilepsie gehabt) aber das 
Sehnenhtipfen und der Kopfschmera waren 
fort. — ' Er bekömmt dieselbe Arzeney. 

Den i5^ Abends. Patient hat einige 
dünne grünliche Stuhlgänge gehabt; der 



. Pulf ist wie dß« .Morgens^ die Wärme loo*. 
Patieat scheint im Ganzen etwas besser zu 
aeyn« Wegen .(bedeutender Halsscbmerzen 
und des damit, verbundenen beschwerlichen 
Schlin^ens» auch weil Patient mehrere Sftuhl- 
gänge gehabt hat^ bekommt er keine Arse- 
ney, au&er fleifsig HafergrUtz^Suppe zu 
trinken^ 

Dep i6. Motgens^ Patient ist iroUkom- 
teen in Besserung.' .Der Puls ist Toller und 
achlagt 58 mal ; die Wärme 92^ ; Patient hat 
des Nachts oinige Stuhlgänge gehabt, und. die 
Excremente waren grüd und wässerig« Die 
iHalsscbmerzen haben sich vermindertT £r 
erhält; 

ßUx. ucid. HallerU 
Alle a Stunden ^5 TropKen in einer Thee- 
taste voll Hafergrüt^-Suppe. 

. Den 16. Abends, Wie • des Morgens. 
Patient hat vier Stuhlgänge gehabt« Das 
Elix^ acid^ HalU wird, daher ausgesetzt^, .und 
mir bHufiges Getränk gereic|it. 

Dan 17, Morgens. Patient i$t niwf voll- 
kommen in Besaerung, aufser dais der Puls 
etwas kleiner und geschwinder ist Die^Znnge 
ist etwas unrein« ;— Patient fängt wieder an 
vom Elix. acidn Hall, alle 3 Stunden a5 Tro- 
pfen in einer Theetasse voll Hafergrütz*Suppe 
zu nehmen« 



y 



^ »71 — 

De» |8, Morgens« Patient hat ybxige«^ 
Kacbt gut geschlafen, die Zunge i^t reio ge^ 
worden, er hat kuch Oeffnung gehabt; die 
Excremeote waren von natürlicher Beschau 
feoheit,. Mattigkeit, guter Appetite Patient 
hefcömmt; 

EliXf aeid Hallen 
ä5 Tropfen dreymal de« Tagest 

Den tg* Beconvalescenz. Keine Arse* 
ney. Nährende , stärkende Koste 



Dritte Krankheitsgeschifhte» 

Dorothea Svph^ Rotweile, 19 Jahr alt, 
. käioi.den i5. October ins Hospital, 6ie ist 
schoii 8 Tage krank gewesen 1 ohne '^Was 
gebraucht zu haben« 

Des Mitt9gs^ als sie ins Hospital kanij 
klagte sie pber Kopfweh i bittern 6e^chnyack> 
Siduner^en in regione epigastrica^ Mattigkeit 
^und Einpfiiidlichkeit ia allen Gliedern; %\x*> 
gleich war die Zunge belegt, die Anzahl der 
Arterienschläge in der Minute 108; der Puls 
war auch klein; die Wäi*nie 96*^. — Patien-* 
tin bekam ein Brechmittel und ^eifsig zu 
trinken« 



•^ 173 — 

^ Den iG* Octöber, Patientin hat sich 4 
bis 5 mal erbjochen und ein Paar Stuhlgänge 
gehabt ji worauf sie einige Erleichterung em-^ 
plknd. Ausserdem halten die gestrigen Sym* 
ptoma an^ denen sich noch einiges Fieber bey« 
gesellt hat« Sie ^rhält: 

Acid. sulphurüu Drachm. II« 
Aqv. des^llat^ Drachm^ IV« 
AU»' Stunden 3o Tropfen in einer Theetasse 
voll Hafergriitz Suppe, 

Den 17. Die erwähnten Symptbme dau- 
ren fort> aulser dais die Zunge et^vas reiner 
ist« Patieotin hat einige Stuhlgänge gelhabt, 
und klagt über Schmerzen im Unterieibe. 
Da sie beynaha die ganze Nacht hindurch 
geschlaf(ßn hat, so hat sie nur dreymal von 
f}er Säure ^ bekommen. *-^ Fortsetzung der 
Arzeney, 

Den 18« Noch immer starkes Kopfweh, 
die Zunge ist noch belegt , . der Geschmack 
bitter y Patientin hat sieh erbrochen, Dage« 
gen ist der Puls voller, die Schmerzen im 
Ünterleibe sind nidbt so stark, der Urin et** 
was voth, wolkig! ; Patientin hat dünneui 
soüst natürlichen Stuhlgang gehabt •**- Der 
Gebrauch der Säure wird fortgesetzt, auch 
.werden Senfpflaster unter, d^e FuTssohUn ge- 
legt. 

Den ig. befindet ' sich Pfttientin etwas 



— 173 r^ 

besser; die Schmerzen im Unterleibe sind 
beynahe- Kbrt; der Urin wie gestern; sie htt 
einige Stuhlgänge gehabt. — Der Gebrauch 
der Saure wird etwas stärker eingerichtet. 
I^atientin bekömmt« 

Acid» sulphuric. Drachm. IL 
Aifv. desullat. Drachm, IV; 
Alle Standen 40 Tropfen in einer Theetasse 
roll HafergrUta-Suppe. 

Den Ao. Patientin ist in Besserung. Im 
Urine ist ein kleiner Bodensatz. Der. Gebraudi 
der Saure wird fortgesetzt* 

Den 121« Bodensatz im Urine; das Kopf- 
weh hält noch an« Uebrigens Besserung. —« 
Dasselbe Mittel. 

Den 22« Patientin hat einige Stuhlgänge 
.gehabt; der Puls ist noch etwas geschwind^ 
sonst JPehlte ihr nicihts. Alle Arzeney wird 
ausge6e;tzt| und die Cur mit einer guten Diät 
beendigt« 



. Vierte KränhheUsgesthichte. 

Üxid Chrüienserij 5d Jahr alt> kam den 
17» October insHospitaL Wie lange er krank 
gewesen sej^ und ob er etwas in der Stadt 
gebr^uebt hätte ^ konnte man nicht bestim- 



— 174 — 

tneUf da Patiemt nicht Rede und Antwort ge- 
ben konnte. Er war sehr geschwächt, hatte 
einen siemlich kleinen und geschwinden Puls, 
Kopfweh, Durst/ und eine trockene aber rei* 
ne Zunge, und war bewulstlos« «— « Er bekam 
ein Brechmittel und nachher . Idq. nervin, 
und Ghamillenthee« 

Den i8. October« Patient hat eine grooei 
FIüTsigkeit ausgebrochen^ und zugleich OdffnuJig 
gehabt, aber die Vorhin en^hnten Symptome 
halten an« Er bekömmt nichts anders^ als;. 
Acid* sulphuric* Drachm, tl. 
jfifv^ desutat. Drachm. IV. 
Alle Stunden 3o Tropfen in einer TheetisM 
voll Hafergrütz-Suppe« 

Den ig« Der Puls ist npch geschwind« 
112 Schläge in der Minute. Er hat Schluch- 
zen bekommen und keine Oeffnung gebabt.:^^ 
■ Er bekömmt nebenher ein Kly stier von So 
Tropfen Acid. sulphur* in a Theetassen yoO 
HafergrUtz-Suppe. 

Den 20. Der Puls ist etwas voller, abef 
noch eben so geschwind. Das Schluck- 
zen, Welches gestern sehr stark war, hat auf- 
gehört. Der Urm ist klar, Wolken Schwe- 
ben darin. Patient scheint etwas muntet zu 
seyn. Er hat nach dem Klystier 3 diinne 
grünliche Stuhlgänge gehabt« -^ Der Gebrauch 
der, Säure wird fortgesetst»' 



— 175 ~ • 

-Den dl. Patient hat des Na€hts aufge- 
hört , die Schv^efelsäure zu nehmenr aber 
heute ist das Schluchzen wieder stark.^ der 
Urin wie gestern , die Anzahl der Arterien« 
schlage 84$ der Puls ist noch weich und et« 
was klein; die Zunge rein; er hat Öefi^ung 
gehabt. — • vJDer Gebranch >der Schwefelsäure 
wijd wieder angefangen. 

Den 22. Das Schluchzen hält noch'an^ 
und die Symptöine sind dieselben. Es wird 
mit der Saure gestiegen« Patient bekömmt: 
jicid* sulphuric* Drachm4 iL 
y^qv. desull^t^ Drachnn IV, 
Alle Stunden 40 Tropfen in einer Theetasse 
voll Hafergrütz-Suppe; und zugleich ein I^ly» 
stier von.So Tropfen acid. sulpkuric* in a 
Tkeetauen voll Ha fergrütz -Suppe« . 

Den 23« Nachdem Patient das Kly^er 
bekommen hat , hört das Schluchzen 4 Stun- 
den laJDg auf; und ei; schlief die ganze Nacht« 
Als dfis Schluchzen sich wieder einfand^" be« 
kam er wieder ein Klystier, und das Schluch- 
zen legte sich. Die Excremente^ welche 
nach dem Kly&tier fortgingen^ waren dünn 
und -grünlich;, Der Puls hat sich gehoben^ 
ist abier intermittirend. Es hat sich einiger 
Husten eingefunden. Patient bekömmt; 
Xiix. acid, ijtalleru 



— lyS — 

Alle Stuiidea So Tropfen in einer Theetasse 
ToU Hafergriiü-Suppe» 

^ Den 24* Das Schluchten hat $ich. wie* 
der eingesteflt; der Puls ist voll und inter« 
mittirend^ einige Schwftninichen auf der 
Zunge; Patient hat Oeffnung gehabt. -^ Der 
Gebi^auch der Säure wird ausgesetzt. Patient 
bekömmt: 

Lincu ad Aphthns^ 

Den 25. Die Zunge ist rein, ddr Puls 
voll^ weich, lang3am» das Schluchzen unbe* 
deutend* Patient, hat gut geschlafen^ befin* 
det sich munterer , und hat einigemal Oef& 
^nug gehabt« «— Er bekommt nichts, als den 
Lines* gegen die Schwämmchen. 

Den 2t6. Aufser den Schwämmchen und 
der Mattigkeit ist alles gut. Lina ad Aptums^ 
und eine gute Diät«.* 

Den »7. Wie gestern* 

Den !2& Die Schwämmchen sind fort 
Patient hat guten Appetit und schläft gut. *— 
Er braucht nur nährende Diät« 



Fünfte Krankheiisgeschichie. 

Johann Maaland^ So Jahr alt« kam den 
26. October ins Hospital Er war schon i4 

Tage 



— 177 — ^ 

Tage lang krank gewesen* Bey seiner An- 
kunft imÖospital klagte er überKopfsohnrerz, 
die Zunge war trocken, Hitze ^ Durst, klei- 
ner geschwiiider Puls, Patient war sehr matt, 
lag m einer Art ron Stupor* Er .bekam 
ein Breohnlittel> und nachdem er gebrochen 
hattp, 

Decoct. cört* petui>. e, rheof 
und Chamillenthee zum Getränke. -^ 

Dttti ^7» Oct« pBitient hat nach dem De-» 
eÖGt biebrmals Oeffhung gehabt, befand si^ 
aber Äufserdera> wie gestern* -^, Fortsetzung 
der Arceney* 

Deti a8* Allö Symptoine sind schlech-. 
ter. -*- Fortsetzung derselben Arzeney, und 
Senfpflaster an die Beine. 

Den ag* Noch viel schlechtet. Das 
Ghina-Detoct wird bey Seite gesetzt > und 
Patient bekomiht* •' ' \ 

Acidi Sutphuridii 
4o tl^ropfeiii und eben so viel 3 Stunden 
darauf; jedesmal in s^ Theetassen reinen 
,Wasser«4 

Den Zoi Patient beendet Äich inuiiter^ 
(der Puls ist voller und langsam^ die Zu ngd 
rein und feuchter. Er hat des Nachts eine» 
.dünne starke Öeffilüng gehabt; Das acidi 
stäphürio* wird iaüsgesetat, und Patient be-« 
kQmnjti. . , i 

XIX. Ji,2.Sii AI 



— 178 — 

I 

Elix. acid, Halleri, 
Alle 4 Stundien So Tropfen. 

Den X. November. Besserung, aber Pa- 
tient hat sich durcbgelegen, wodurch die Len- 
den brandig sind. Er wird mit 

Aleid, sülphuric, Drarhm. L 
Aqu. simpL Drachm. X. 
fomentirty und 'zum^ innerlichen Gebrauch 
wird Elix^ acid. Halhri fortgesetzt. 

DenvJ. Vollkommene Besserung, und 
der Brand fängt an sich abzulösen. — Die- 
selben Mittel. 

NB. Vom ,29. Octob. bis zum 2. Novemb. 
brauchte Patient kein China -Deeocti aber 
hernach brauchte er es wieder. 



Sechste Krankheüsgeschichte. 

Lars Larsen, 3? Jahr alt, kam den a6. 
Octobar Jns' Hospital. Er hatte schon vorhin 
einmal einer Brustkrankheit wegen im Hos- 
pital gelegen, und hatte die Gewohnheiti 
zienilich viel Braniitwein zu trinken. Bey 
seiner Ankunft war et schon 5 Tage knink 
gewesen und hatte nichts gebraucht. Er 
klagte über Kopfweh, sehr bittern Geschmack; 
Husten^ und abwechselnde Schmerzen in den 



— 179 -- 

Gliedern:: der PuJ^ war aiemlich voll und ge^ 
schwind. Er bekaih ein Brechmittel^ imd| 
nachdem er gebrocheti^ 

' Arcah. duplicae. " >■' 

c kerni' mineral, ; 
und Chatnil lenthee. 

Den HJ. Er hat sich gebrochen^' befin- 
det sich aber wie vorhin* -^ Dasselbe Ptii- 
ver üpd Chamillenthee* 

Den 28. Die Zunge ist trocken f dec 
i^uls kleiner lind gesbhwiiider; S'tiipor; Pa- 
tient hat nach dem Pulver keine Öeffnung 
gehabt. *Er bekömmt daher 

Saiis äriglican.'Semiunciani 
üebeh (ich vorigen Mitteln; 

Üen ag; Wie gestern* Doch kt' der 

Stupor stärker und die Excrefmeüte gihgeä 

üriwiilkükrlich ab; die Anzahl djer Arterien- 

/ithlägö i^o in der Miniite. -^ Ei: bekömmt: 

Äcid. iulphUric. 
20 Tropfen in 2 Tasseii i'einen Walsers; 
ä Stünden ddraüf Weder 4q Tropfeüi und 3 
Stünden darnach wieder 4^ Tropfeü in ebeji 
so viel Wassclr, 

Den 3o; t^aiieht ^^fihdet sich besser^ ist 
ötwä? inünter und hat die Nacht gut geschla- 
fen; die Ajl2ahl der Arterienschiäge, welche 
eieinliob kleiü wareri, ist r64; die Zunge i^t 
rein ü4d^föuoJblt; ör Üat ^ine starkä Oeffitung 

M a • • 



-p^ i8b Ä- / 

gehabt; die Excremente haben die natürliche 
Färbet -^ Er bekömnit jetzt: 

FAix. acid^ Halleri 
40 Tropfen alle 3 Stunden, und fleifsig zu 
trinken. 

Den Zi.' Besseriing, aufser dem anhal« 
tetiden Hustdn. Er bekömmt Elix. acid* 
Haller. und dabey etwas MeL despumui. 

Den I. November. In vollkommener. 
Besserung, aufser dem noch anhaltenden Hu- 
sten und , Mattigkeit. Er bekömmt: 
' Kerm. mineral. gr. L 
Sacchar. alb. Drachm. dimid. 

Meli, dtspumat^ 
und stärkende Diät. 

Aus dem Dänischen mitgetheilt von Herrn 
Dr. Mendel. 



Bestätigte Erfahrung über die PTürlisamlmt 
der Salzsäure^ 

Ein schwächliches verzärteltes Mädchen 
von 7 Jahren, bekam unter manoherley-vor- 



hergegangenen KrampFzuföllen im November 
. 1801 , die Blattern. Der Ausbruch geschähe 
selir langsam, sah bald roth bald blafs aus, 
es zeigte sich Frost in den äufs^rn Theilen, 
der Unterleib war aufgetrieben so wie der 
Magen«' KUrz alles liefs bejr der schon schwa^v 
chen Organisation des Kindes, keinen guten 
Ausgang erwarten. Durch ein etwas wärme« 
res Verhalten, wozu mir die warmen Bäder 
immer in ähnlichen Fällen am hülfreichsten 
waren, durch Fliederblumenthee und äufser» 
lieh roth machende Mittel^ erschien jew^f 
wieder mehr Wärme und einige giiijistige 
Veränderung, die aber nicht lange anhielt« 
Es entstanden von neuem wieder Krampfzn«» 
falle, /Kalte der äufsern Theile, mit eiugafaU 
len0m.<9esicht:e, spitzer Nase, der GUnz der * 
Augen war verloschen, der Puls schlug i3o 
mal in einer Minute, der Athem äufseriät 
schnell und röchelnd. Kampher, Moschus, 
Zinkblumen, Wein und mehrere würksame 
Mittel "^rden vergebens angewendet, alles 
schien verlohren. In dieser bänglichen Lage^ 
wandte ich 'die Salzsäure an: ^ 

y/L Acid. Sal. com. f fj 

Syrn rub^ ii* 

Aq. Ceras. ana Jj) 

«9. Alle halbe Stunden einen halben 
mslöffel v6U ^it Brunnenwi^sset« 



1 



Noch' nie sah ich schnellere und auffaU 
lendere Würkung yoii eipenx Mittel, die 
Bjesserong nahm zusehends zu ^ das Kin^ vrur« 
d0 dem Tode entrifsen^ 

Dr. Bernigauy 

£u Mulh^usen^ 



— . löä — .. 



XL 

Kürze Nachrichten 

und 

iiiedizinifche Neuigkeiten. 



Bemerkungen über eine länger als 2 Jahr 
im äußern Gehörgangß verborgen gewesene 
StecknßäeL 

üiia^ verheirathete , vollkommen gesunde . 
und wohlgewachsenov in, den besten Jahren 
sich befindende Dame, litt seit länger als a 
Jahren an Qinem heftigen Schmerz im rech- 
ten OUrOj welcher sich von da fast über den 
ganzen Kopf, verbreitete, und periodisch so 
i^unahm^ dafs die Dame bisweilen gezwupgen 
>Ka,r, Tage lang das Bette zu hüten. Alle 
Versuche .der Kunst^ um etwas in dem Ohre 



\ ^ ,84' — 

^ zu entdecken, waren vergeblich, !PIos diese 
Bemerkung J^onnte man machen: wenn der 
Schmerz am heftigsten getobt hatte,v so fand^ 
man 12 bis }6 Stunden nachher den untern 
Theil des Gehorganges ein wenig geschwoU 
len, und an der Stelle, wo das Ohrenschmals 
^ gewohnlicli ^b^^sondert Hegt, yva^v etwas Blut 

mit Eiter vornji>cht befindlich, 
, Au/'ser dieser sehr schmerzhaften Periode 

^ Wi^r die Oberfläche . des G^börg^nges bis' an 
*^ das Tyuipauum, glatt und eben anzufühlen, 
. $p wie auch die A)>sonderung des Ohren- 
schmalzes und dfts Hören vollkommen ge- 
sund, 

Um die Schmerzen und Spannungen zn 
mindernj wurden warme, erw eichen de^ krampf- 
und schm§r2;stillende Dämpfe oft io d^s Ohr 
gelassen, auch dergleichen Bähungen ange« 
Wendet, der Gehörgang für die aufsre Luft 
mit Baumwolle verwahrt > die mit ver« 
• ^ehiedenen passenden Mitteln und Oelen ge« 
,' ' tränkt wurde, von welchen das bittre Man« 
delöl mit Ca}eputÖl vermischt, und etwas Lau^ 
danum zugesetzt, die schnellste Ktilfe leisteta 
Am 5. Februar^ d' J« bekam des Morgeni 
früh diese Dame, nachdem sie wieder fi Ta- 
ge hindurch viel Schmerzen gelitten hatte, 
', . . auf einmal starkes Jucken und Brennen im 
Ohre, Um sich davon in be£reien , fuhr sie 



etwas nachdrücklich in den Gehörgang /und 
fühlte einen- fremden Köjcper^ man fand hey^ 
genauerer Untersuchui^ eine, SteknadeL 

Dafs diese Stecknadel würklioh einen so 
langen Aufenthalt im Ohr gehabt hatte ^ und 
nicht erst kürzlich hineingeüallen war, konnte 
aus ^ihrer ganz veränderten Beschaffenheit 
deutlich erkannt werden-; denn sie war Tom 
Kopfe bis zur Spitze wie ein Haar zulaufend 
aufgelöst, und . der Grünspan hktte sich um^ 
den Kopf und den noch übrigen Theil der 
Nadel als Rost angelegt. Die Dame befindet 
sich- seit dieser ^Zeit wohl und- ist von dem 
ehemkÜgen Schmerz im! Ohre ganz befreite 
Ueber die Art, wie diese Nadel ins Ohr ge- 
kommen seyn könnte, fand blos folgende 
Vermuthnng statt« Die Dame wurde einst, 
wegen einer ihr plötzlich zugestoisnen Un« 
pälslichkeit^ cöeffirt ins Bette gebracht. Bäy 
dieser Gelegenheit mochte die Nadel ins Ohr: 
gefallen, und durch einen Druck oder Stols 
Biit di»m Pinger in die Bedeckung bineinge« 
trieben*' worden s^eyn« Wenigstens erinnerte 
sich die Dame von dieser Zeit an den Sohmei^ 
empfunden zu haben. (Aus Dresden mxtge» 
ibßüt.) ^ ' ■ ■ 



^ 186 



Nuizeti der Conradischen SaWe hey Flecken 
der Hornhaut. 

Die Augensalbe von H. D. Conradi vßr^ 
dient doch sehr empfohlen zu werden. Ich 
heilte, damit einen oter/lacbigen, harten, 
glänzenden Fle<;ken, der wohl 7 bis 8 Jahre 
gestanden, fast die ganze Hörnhaut be- 
deckte, und nur zur Seite noch einigen Lichf- 
scfaiminer erlaubte. Der Kranke war zugleich 
- scröphulös, die Angenlieder - Ränder iroth, 
eine Psorophthalmie vorhanden. Ich verord- 
nete die Salbe auf^folgende Art: ]^. OL nuc. 
juglandj l]]. Pell. taur. 3p ©. C Q gr. jj. 
M. D, S. mit einem feinen Pinsel, zweimal 
d<Bs Tages auf den Fleck zu tragen* J>i^s er- 
regte bey der Anwendung einen augenblick- 
lichen heftigen Schmerz, wobey das Auge gany 
roth wardy und in Thranen zerflofs, nach einer 
Minute fiihlte der Kranke nichts mehr. Jch 
liels zugleich das Conradische Augenw^ser aus 
Sublimat 2 bis '3 mal des Tags eintröpfelii) 
in den Rand der Augenlieder die rof he /V»- 
cipilat Salbe einreiben /^ und gab innerlich 
die Plumersche Mischung 1^. Calom. Sulph. 
aurßt. antimon. ana gr, ] opii pur. gr. ß 
Sßch. alb. gr. XF M. F. S. Dispens, tales. 
jyo. XIL D. S.' Morgens und Abends ein 



-T 187 — r 

Pulver EU tiehmen. Durch diese Behandlung^ 
verlohr »ich der Fleck, in Zeit von. 6 .Wo-^- 
chen fatt ganz, und der Kranke kaxin nun,^ 
wieder Fälligen Gebrauch T9Q. seinem Gesichj(^ 
machen/); (Vom Dr. HorstfÄem Jüngern zu^ 
Aachen.) ... 



..i 



Harnstrenge ^ verattlajst durch eine in tU^f 

• ' Urinblase befindliehe ßougiei , ■ ..."S 

Schon über anderthalb Jahre hattQ ein., 
junger ;Mensch sich dem Einhaltenden Ge« ^ 
birauch 4^. Bougiejf unterzogen, um dadurch , 
«eine nach übel behandeltem Tripper in der ^ 
Harnröhre^ zurückgebliebene Garnnkelii und 
Geschwüre zur Heilung zu bringen, im^ e^- 
war ihm grölstentheils gelungen , ^em Urin , 
einen regelmälsigerny freyem und sc^i^erzlof^. 
Sern Abflufs zu vetSichaffen. Da er selbst nicht 
ohne Bildung und in unsern . yorziigticbern 
Schriften über die yeneriscl]Lei]^ Krankheiten 

*; Ich bedieae mic^ mit grorsem Nuteen bey Flecken 
der Hornhaut folgender Salbe: R, OL Kuc, jmglufifL 
Zjj. Mercür, Soluh, Haknem, gn jj\ M. ZX S, Tag- 
lieh 2 auch 3 mal auf den Flecken su atreichea.. 



^' 188 — 

belesen ynty so hatte er seit langer Zeit schon 
keinen Arzt mehr consultirt, und verfertigte 
' ticli' selbst die Bougies zu seinem Gebrauch 
ans alter mit Wachs überzogener Leinwand, 
Yöti versjchiedener Länge und Dicke, und 
überzeugt, dals sein Uebel nur durch Geduld 
und Zeit besiegt werden konnte , trug er sie 
last beständig in der H»»rnröbre. Eines Tags, 
es , war Anfangs Septembers i8o3, kam er 
tofl Schrecken und atbem!os zu mir gelaufen, 
und ertheilte mir die Nachricht, daf«» nach- 
deih ex heute frttb , seiner Gewohnheit nach 
eine Bougie in die Harnröhre gebracht, und 
sie nach Verlauf von einigen Stunden, um 
zu harnen, heraiishehmen wollte, so bitte ex: 
aiir das vordere Ende derselben, ein kleines 
StUckcfien bekommen, das andere weit gröfsore 
(wenigstens 8 Zoll lange und d Linien didce) 
Stück Wäre abgebrochen , und sogtefch in die 
Karnrohre* geschlilpflr. Einer ' Stelle aus 
Sdn^ediauer*s Abhandluug über die syphilitir 
tc&en lUankheiten, übersetzt von t^» Ho^ 
-ven (Eirstex Theil S. »17.) sich erin- 
nem4, wo gesagt wird: dafs eine in die 
Blase gekominene Kerze, daselbst Anlafs zur 
Erzeugung eines Steins g^ben» Oder wohl 
gar ^en .Tod des Kranken veranlafsen wiirde, 
erwartete er nicht» so sicher^ ab das Ende 
eem^ Xebea»! und beschwor mich in dec 



gröfsten Angst um Hülfe. Bej der Umersn-^ 
chung jder ZeuguDgstbeile ergabv sich, dafs die 
Bougia würklich in die Blase gekommen 
seyn mufste, die Harnröhre war. gaxkxleer» 
Für den ersten Augenblick glaubte ich indes- 
sen erst den Erfolg dieses ängstlichen Za« 
falk abwarten xu müssen ^ und. wenn ich be* 
dachte, dafs die ganze Kerze aus alter Lein« 
wand und weichem Wachs bestand, so dürft« 
ich wohl der lebenden Thätigkeit der Harn« 
blase,, ja den Bestandtheilen des Urins selbst 
das Vermögen zutrauen, dals sie den-freoi* 
den Körper in. der Urinblase auflösen und 
nach und nach fortschaffen könnten^ Im 
Noihfall hätte man auch diese rorausgesetzta 
AuftÖNungskraFt <lui ch innerliche « Arzneyea 
oder durch Einspritzungen von Qel in dim 
Blase uoterstQtsen können. Wenigstens schien 
mir für den gegebenen Fall die Operation 
des Bhisetischnitts gewagt und der Erfolg der- 
selben cweideutig. Ich theilte dextk Kranken 
diese Ideen mit^ und er war um yieles he» 
ruhigt. In den ersten auf dieses Unglück 
folgenden Tagen beklagte er sich vorzüglich 
über Hürnstrenge^ [iber einen <)ftern Dranj^ 
Eum urtniren ^ wobey nur immer w^iige 
Tropfen abgingen ^ und sidi^ deutlich das Ge- 
fühl eines sieh vor die Urethra vorschieben« 
den Körpers &u£ierte» Du HflümcA aber vwrdi 



— Mo — 

ieiditcr, wenn der Kranke dabey »ich auf 
den Rüeken legte, ödet durch einen Druck 
mit dem Finger auf. das Perinäum did Bongie, 
. welche sich in der Blase wahrscheinlich bald 
--SU einem runden Körper zusammengerollt 
.'hs^tte, zurückhielt. Dabey mul&te er über- 
haupt Fleischnahrung, viele yerdünneiide GTe* 
-träi;ike, namentlich gährende Stoffe als Aep- 
wfelwein u. dgl. geniefseiiy wodurch wahrschein- 
lich auch die Auflösung und Austreibung d<^r 
.'Bougie. befördert wurde. Bald darauf wurde 
der Urin trübe ^ leimicht, :seifenartig » und 
ging immejr mit fremden Theilen rermischt 
^ ,ab,/ worunter Wachskügelchen von der groTse 
~i^er Linse und Leinwandstäden deutlich zu 
t üxiteirscheiden War^. Frey lieh war das der 
'iioch immer ton ahefil kleinen Geschwüren 
besetzten Harnröhre sehr enlpfindUch^ und 
zur Erleichterung wurden deswdgeii .uüuiiter- 
*A|>i:ochen Bougies getragen. Durch den hier 
Erzählten Gang der Erscheinungen wurde i0h 
in meinem ersten Votsatz bestärkt, und über- 
. hefs die Sache ferjierhin der Natur. ' Nach 
ünd^näch würde das Drängen zum Harnen 
leichter und seltner^ und das Gefühl von ei- 

* iiein in der Harnblase vorhandenen fremden 
Körper^ Welches sich vorhin auch bey'm Ge- 
iieu äufserte^ wurde geringer; Der Kranke 

# äü imd trankt yemcbtete auch inünter seine 



— igi — 

Geschäfte, Einmal war der abgegangene 
Urin ganz hell und wijsserig, ein andermal 
wieder sehr oiolkigt und seifenhaft. Bald 
fandie'n sich gar keine Wachsfragmente in dem- 
selben, bald ihrer wieder sehr viele, und 
grofsere. Das letztere war immer mit mehr 
oder weniger Beschwerden bey'm Urinla^sen 
verknüpft; indessen geschah die Aussonde- 
rung der Wachhkügelchen immer in- Paroxys* 
men, welche nach ireyen Zwischenräumen 
einige Tage dauerten. Die Natur schien dem 
^darunter leidenden Korper gleichsam Zeit zur 
Erholung gönnen zu wollen* Ohngeachtet 
ich eigentlich die Bedingung, unter denen 
einPatoxysmus eintrat, nicht ef gründen konnte, 
so bleibt jenes doch immer bemetkenswerth^ 
Indem nun fernerhin' die Parojcysmen immer 
seltner tmd schwächer wurden; indem der 
Urin längere Zeit hindurch ohne Beschwer- 
den angehalten werdt^n konnte, und did 
xfremdartigen Bestandiheile in demselben selt- 
ner gefunden wurden, so vermehrte sich tu* 
gleich mit ^er allgeiiieineD Gesundheit auch 
die Thätigkeit der Geschlechtstheile iii den 
vorhandenen Erectionen. Jedoch hat.te ' dei* 
armä Kranke 8 volle Monate mit seinem Ue^^ 
bei zti thun, und nur erst nach dercSn Ver- 
lauf konnte ich ihn als vollkommen geheilt 
entiässen« 



— rga. — 

la. den -4c/; phys. med, Academiae Cae* 
sarede exhib* Ephemerid, err, Norimh, ijS^ 
P^öL If^ Obs* «4 -^7' Schnl. finde ich einige 
Beobachtungen f de frusculo candelae cereae^ 
vesicae antea immissae^ feliviter iterum ex» 
tracto^ welche ich als B^^yla^'e zu dem von 
mir erzählten Fall hier im Auszug mitthQile» 
»Wegen neteniion des Urins hatte ein Kran-» 
ker eigenmächtig eine lange Bougie^ in die 
Harnröhre ge'bracht« Der Uiin flofs darauf 
sogleich ab, allein es entstand eine Ohn* 
macht, in welcher die Kerze bis vor die Blase^ 
ad antruin vesicae , in die Harnröhre hinein-« 
schlüpfte. Der, der Gefahr unkundige und 
sorglose Mann liefs sie liegen. Der Urin 
war einen Monat hindurch ff py und ungehin- 
dert abgegangen, als auf einmal wiedet eine 
heftige Verhaltung desselben entstand* Ein 
jetzt h/erbeyeilender Chirurg findet die Bpii-» 

Sie noch in die Harnröhre , diese sogar gan2 
avon ausgefüllt, f'^acht erweichende .Cata- 
Jlasmen, tröpfelt Oel in dieUi-ethra, Jäfst den 
^atient auf den Urin drücken, manipulirt| 
und streicht sie unter gröfsen Schmerzen her- 
aus. » «»Einem^ andern Mann hatte ein un' 
wissender Quacksalber we^en UrihVerhaltuog 
den hintern Theil der Harnröhre und den 
Bläsengrund durch einen grofsen Schnitt ge-* 
öfnet^ und ein grofses Convohit von Sand^ 
Griefs und. Schleim herausgezogen. Det 
Kranke starb nach 3 Tagen. Bey nJUiÖfet 
Untersuchung des vormals ih der Blase be- 
findlichen (Tab. II Fig. 3 abgebildeteü) Kör- 
pers ^ fand man diesen aus mehreren zu&am^ 
mengewickelten mit Schleitti und Saüdkör« 
Jiern- üiBgebeneü Pädsn bestehend. Muth« 
mafslich veranlafste seine Erzeugung eine rdr 

länge'» 



— ig3 — ^ 

längerer Zeit la die BIa$e gesl:b1upfte Bou- 

Sie y deten sich der Kranke ionst wohl be* 
ient hatten» (Vom Herrn Dr. Klees j zu 
)?ranlLf(irt .am Mayiu) 



Üeber einen mel4iwürdigeh Rheumausmus 
fugax, 

. M. .;.^4Lf?: ^^^ ^(3uihaiismus ofc von einenl 
Theily den er überfallen hatte , auf einen an- 
dern ube]f;*geht und dem zuerst Überfallenen 
verl&l6t| ist eine bekannte Sachef^ alkin nicht 
illdtht^ ^ diese. Wanderung so oft auffallend 
Vorköinitien, als in dem gegenwärtigen Ft^lle. 
Eine Dam ^, linjgeinein reit^bar und über- 
haupt zu Nervenzußlleii geneigt, 'befand sich 
des Morgens^ afs ich sie besuchte, bis um g 
Übt so* Wohl, als sie noch den Äbönd zuvor 
gewesen '"War. Auf einmal wird sie auf dem 
rechteii Auige von dem sogenannten falschen 
Schwii^der {vertigo spurid) überfallen , der in 
Vreinig Minuten sich dem linken mit bedeu- 
tendem Kopfweh mittheilt und sie hindert^ 
ihren yot ihr sitzenden (hatten zu erkennen». 
tn wenig Minuten' daräiif ist ihre Unterlippe 
gegen jedod Druck , jeden Stich unempfind- 
lich und eben so schnell 'theilt sich diese Un- 
emptindrichk^it deii Fihgetn zuerst der eiüen, 
dann beider Hände mit. Eine ungemeine 
Mattigkeit überfallt den Körper. Jener Zu- 
fall weicht, dagegen erscheint ein äufserst 



'^ 194 --• 

heftiger, fedocH nicht mit den mindesten 
Schmerzen begleitetei* Durchfall, dem sich ein 
heftiges Brechen oder yielmehr Würgeii zu« 

J feseilt. Der Schwindel geht in die fürchterl- 
ichste, mit starken Phantasien verbundene 
Hemikranie über. (Is war keine andere Ver- 
anlassung zu finden, als der Aufenthalt in ei- 
nem kalten Zimmer, bey sehr unbekleidetem 
Körper, der den Abend vorher sp&t statt ge- 
fiindeii hatte. Eine Mischung vQa 



^« Spir. Minder, ^i. 
Tina, flfi. Dar. Jff; 



Laud^ liq. S. guu. XL^ 
Aq^ PL SembuCi, Jv. 
M^ Z>, «S*, Alle ä Stunden «inen 
EßilofFel voll, ward immer durchs Brechen 
wieder, selbst dann i^u^geworfeq, als der^ E/a- 
lölfel d^r stärkten l^rregbarkeit des Bfao;ens 
wegen, auf wepiger als ein^n halben ^ Stnn- 
defii herabgesetzt wurde. 

Erst Nachmittags minderte tich Sie Hef- 
tigkeit der Zufälle etwas, alii \i^. die leiden- 
de Schläfe der V'itrioläther mit Laudanum 
verbunden eingerieben wurde nnd einige 
Klystiere gegeben waren,' welchen ebenfalls 
tiaud^num zugesetzt wurde. Auf den Abend 
Ifekam sie ^Ue Stunden, zweimal So .^rgpfen 
ijiq. C C suQcin. fiel in einen sanflteil Sciliiaf, 
ohne Schweifs zu bekommen, und ^us ihm 
erwacht, befand sie sjch yQllko<nmen wohl, 
eine kleine Schwäche und Diisternheit abge- 
rechnet. Fi^b^r war. mit keinem dieser Zu- 
fälle verbunden gewe«ßn, (Ypm Herrn Dr. 



— ig5 ~ 



i^wiwii I— ■ 



lnha.lt. 



Seite 

1. Tea welchtn Urtacheii bangt der grofM Nu- 
tten det Brunneii - und Badccuren eigentlich 
ab? nebst einigen Worten über da» Mineral-. 
waaeer bei Verden, von Hm. C. C Mßuhät 
SU Verden. • , . " . , , . . 5 

H.^ Manie aus ^ifersucbt» von Hm, Dr. Mty»r 
jitramson, Arst au Hamburg. . i , .60 

ni. Eine merkwürdige Augenluwildbieit. Von 
E^endemselbeu* . • * . . ? €j) 

IV. ; Tödtlicbe Leibetv^rttopCung bei oner 
Sc^wangeni im achten Iltoni^ Von Eben« 
demfelben. . , , . • • . «70 

y. Mafkwi^dige Geschieh^ ei^ea eiqgekle»nKi 
t^n' Bruchei; Mitgetheilt von Hrn. }Vendd' 
afttJt/'Stadtphysikua au Weular. . - %% 

yi Veber die Krankheit^ einer Frau, bei w^.' 
eher durch die Leibesonnung eine Zerplatüiiig 
dar AortA: .ejAtdeckt wurde, \w^. Hm. JoK 
jiuguat Schmi4^\ krkl ik\i Neu-Wied. • « g6 

yil. Eine Beobachtung, welche beweiset» dafs 
das Quecksilber nicht immer da» Blut auflöse, 
▼on Hrn. Dr. Schmidtmann «u Melle. « , . xio 

yUk Verlauf- eines glücklich gehobenen verUrv^ 
ten chronischen peqela, von Hm^ Pro£Mf or, C. 
PP^olfun %VL Hanau. . ' . . . . i3ß 

IX. Ueber das Scharlachfiebev > vom Hm. Dr, * 
Joseph Speun, Stadtphysikus im Hwaogthum 
Magdeburg.' ;, ^'T ' , . 7 . i35 



IJQÖ — 



Seite 



X. Femer« Srfahningen über die WurkuDg der 
Mineralfäuren bey Fiebern. 

t. Noch etwü Mber das Reichscite Fiebermit- 
tel, ¥on Hrn. lis. C, Schmidt, ausübendem 
Arst zu Neustadt am Rübenberge. . - . jj^ß 

S. Einige Versuche mit dem Reichscfian Mittel. 
Mitgetheilt von Hrn> Dr. MuUtr in Plauen. i5i 

3« Erfahrungen über die Würkungen des neuen 
Reichschen Fiebermittels, eemacht von Hrn. 
Ni Jacobterit erstem -Arste bei dem allgemei- 
nen .Hospiul in Koppenhagen. . j5;^ 

4. Bestätigte Erfahrung über die Würkung der 
Salzsäure« von Hrn. "Dt, Btmigau «uMühU 
hausen» • « %• . • ' . • ; xSe 

XI. Kurse Nachrichten und tnedlzinisdie Neuig- 
keiten. 

I. Bemerkungen über eine langer als 3 Jfhr 
im äulsern Gehörgänge verborgen gewesene 
Stecknadel. . ' . ■ .' ■ i , l83 

9. Nutzen der Conradiichen Salbe bei Flecken 
'der Hbi;nhaiit» Ton Hrn. Dr. HorH dem 
jungem zu Aachen. . . *' . i 186 

3. Hamstrehger^ fefishlalit dnrch Mttd in der 
Urinblase befindliche Songie« V6n Hrii. 

' Dr. Klees, cu Frankfurt am Mayn. . .187 

4. Üeher :«inen merkwürdigen Rh^umaüamnt 
ftigBx» YoxiHni. Dr. 'Bm^^t in lJ6i)^fliig.- . 19a 

Mil^die/äm ft&cke des Joumats: pind ausfifgehent 
Bibliothek der pr^kfi/cken ffe^ikaj^gei Zfrißlßer 
Band. Zweites iS/äe^ . ' . 

Johann. Christian Reit^ rüeb^ :di& trkSftntnifs 
und Cur der Fieber/ ' Besondere - Aeißfri^rei • Fierur 
Bami. Fieberhafte NerV^nkranHU^en* 



J o u r iji a 1 

der 

practifchen 

Arzney künde 

und 

Wundarzneykunß 



herausgegeben 

▼ OD 

C. W. H u f e 1 a n d, , 

' Königl. Prenfji. Geheimen Katb, wirkl.Leibant, Direcior 

des CoUeg. med. chirurg« , erftem Arxt der Charit^« 

u. f. w. 



. Neunzehnter Band. pritte3 Stück. 



Berlin 1804. 
In tJngers |ouTnaIhandlung. 



.} 



V 



'■! . 



i0mi^»t^ ^ ■ I \^0mm0^^ 



I. 

Ueber den 

Wahnsinn, 

seine Erkenntnifs, Ursachen und 
Heilang. 

Vom 

H e r a u s g e b e r, ^ 



LJ nter den tftusendfacheii Leiden, denen der 
Mensch unterliegt, gehören diejenigen gewifs 
2u den traurigsten 9 die nicht blos das Kör- 
perliche« s<ftidern die höhere geistig« Natur 
desselben zerrütten und Äerstören» Wenn 
dem Menschen das einzige'« \jra& ihn 2uiti 
Menschen macht, dieser Funk'ö der Gottheit, 
gieraubt ist, Was giebt es wohl für ein bn- 
glücklicheres Geschöpf in der gati^en Natut? 
Er hat die Voraüge der Menschheit verloren, 
ohne die Vortheiie der thierischen Natat ^^ 
XIX B. 3' Bt . A. 



_ 6 — 

haben. Er ist nicht blos zum Thier» son- 
dern unter das Thier herabgesunken, — är- 
mer und hülfloser, aber auch verworfener, 
rachgieriger, grausamer als einTJiier. Und doch 
ist dies nicht das schrecklichste. Es giebt elaea 
Grad, der G«müthskrankheit, gegen den die 
gänzliche Vernunftlosigkeit noch ein Glück 
ist, der nämlich, wo dem Armen gerade 
ndch so viel Besonnenheit übrig" geblieben 
ist, um zu wissen ,Ncl als er unvernünftig ist. 
— Welcher gefühlvolle Mj^nsch kann in den 
Aufenthalt dieser Unglücklichen treten, ohno 
mit tiefem Jammer erfüllt zu werden, und sei- 
nen Stolz, wenn er dessen zu vie^ haben sollte, 
tief gebeugt zu fühlen , wenn er seinen Bru- 
der, das Meisterstück der Schöpfung, den 
Abglanz der Gottheit, so entstellt, so tief 
herabgesunken sieht 1 

Gewifs es verdient keine Menscfaenklasse 
so sehr unser Mitleid und linser Bestreben 
zur Hülfe, als. diese» Und dennoch was war 
und was ist zum Theil noch das Schic|:sal 
dieser^ Elehden! Ich komme hier auf ^inen 
Punkt y der das Uuglück derselben noch um 
ein Grofses erhöht. Wie lange Zeit gehörte 
da^u, ehe man. ihnen nur die Geirechtigkeit 
widerfahren liefs, sie für Kranke zu halten. 
Die Unwissenheit und der Aberglaube sahen 



in ihnen TOn Gott Yerworfene, yon Dämo- 
nen und Furien Geplagte , oder yom -Teufel- 
Besessene, ' und so überliels man sie ihrem 
Schicksale, ßoh fiir ihnen, ja man |keiüigte 
>nnd verbrannte sie wohl gar; denn die Tau- 
sende Ton Hexen und Behexte^, die das 
Mittelalter den Flammen op&?rte, was war^n 
sie anders ak arme uMlancholisehe Kranke, 
deren yerisrte Phantasie die Form des damals 
herrschenden Mönchs- und Pfa£Een*AbevgIau- 
beas. annahm? 

Endlich, ^ aber man kann sagen, erst tu 
Anfange des verflossenen. Jahrhunderts, kam 
es dahin (Dank sey es den Bemühungen der 
Aerzte und besonders des vortrefiichen muth« 
YoUen WieruSi der. auf die Gefahr selbst von 
der Kirphe £ür einen Besessenen erklärt und 
verbrannt zu werden, die Men^chezireefate 
dieser Unglücklichen gelteiid machte), dafs 
man sie als Kranke b.etrac^tete , aber wie 
wenig war dadurch das SphicksaL derselben 
gebessert! Man betrachtete sie als unheilbare 
Kranke, war zufrieden , sie vx>n der mensch« 
liehen Gesellschaft i^u entfernen, in der sie 
noch allenfjfilb ihre Gesundheit hätten wieder ~^ 
erlangen können, schlols sie in scheufskche^ 
kr- oder Tollhauser ein,, wo sie der WilU 
kübfr hartherziger Aufseher üJberksseo^ oft in 



den fürchterlichsten Löchem ihr Leben 
^u verschmachten gezwungen warem Wer 
Ton uns , hat nicht; noch solche Häuser 
getreten »-^ wo er sich mit Schauer uad Ent- 
setzen an- die Scen^n des Grauens erinnern 
Vird, die er da sah. Man glaubte die Behält- 
nisse der straf ba«sten Verbrecher zu basuchen, 
die man sinnreich quälen voWte, und ea^ 
waren arme schuldlose Kranke« . die auf nn* 
ser Mitleiden und unseren' Beistand den ge* 
rechtesten Anspruch machten« Genau be* 
trachtet I waren solche Anstalten nicht« an- 
ders als lebendige Gräber, sowohV in Absicht 
des Zwecks, als der Ausführung, fiegraben^ 
(d* h« aus dem Gesichtskreise und Umgange 
der Lebenden entfernt) sollten si^ werden, 
Tödten^ durfte man sie niqht, man begrub sie 
also lebendig; denn man nahm im bigentr 
liebsten Verstände eben so wenig Notiz- von 
ihnen, als wenn sie würkUch gestorben wä- 
ren, (den einzigen Umstand ausgenommen, 
dafs man ihnen aus Christenpflicht Brod 
reichte, um doch nicht den Namen zi^ haben, 
sie gemordet zu haben) und ich weifs Bey- 
spiele, wo solche Unglückliche ao — 3o Jahre 
in ihren Gräbern noch fortgelebt haben, ohne 
dafs irgend jemand, ja selbst ihre nächsten 
Verwandten nicht, aich um 3iQ bekümmerten« 



— 9 — 

Wäre es nicht Wohlthat für diese- armen , 
Menschen und zugleich den damaligen Zei- 
ten angemessen gewesen, sie lieber gleich 
abzuschlachten y^ und heilst das jemand beym 
Leb^n erhalten , wenn man durch erbärnili«. 
che Kost seinen Magen in nothdürftiger / 
Thätigkeit erhält? Um sich nur einigermaßen 
«inen Begriff von dem Geiste tu machen, der 
noch yor etwa 20 Jahren in solchen Häu- 
sern herrschte > will ich ^ die Antwort eines 
Aufsehers in einer der berühmtesten, und 
zwar in einer der grqlsten und aufgeklärte- 
sten Städte Teutschlands, anfUhren, die. er ei- 
nem menschenfreundlichen Arzte gab, der 
einige Verbesserungen in der Lage dieser 
Menschen machen wollte; «Mein Herr, ich 
sehe wobl, Sie kennen di^s Canaillenzeug 
noch nicht Ihre Mühe ist vergebens. Denn 
der eine Theil ist yom Teufel besessen, und 
den werden sie doch wohl nicht kuriren 
wollen« Bey den anderen i^t's bloise Bosheit, 
und da ist^Jas einzige Mittel der Stock.» 

Die Zeit ist endlich da, wo man dieser 
zahlreichen und unglücklichen Menschenklasse 
ihre lang verkannten Gerechtsame zuzugeste- 
hen und das wieder gut zu machen anfangt, 
was die Vorzeit an ihnen verschuldete. Man 
erkennt sie nun durchgängig als Kranke, und 
zwar als Kranke, die um so mehr Anspruch 



— 10 «• 

auf Mitleiden, Schutz und Unterstützung ha« 
ben, je mehr sie durch den Verlust der Ver« 
nunft in den hülflosesten Zustand gerathea 
sind 9 ' dessen «der Mensch fähig ist. Man ist 
überzeugt, dals diese Krankheit des Gemiiths 
heilbar, ja oft, wie eine blos körperliche, 
durch körperliche Mittel heilbar ist. Man 
sieht eiu, dafs es Pflicht des Staats ist, als 
Vormund für diese unmündig gewordenen . 
Mitglieder desselben/ einzutreten , um theils 
das gemeine Wesen für die Gefahren der 
Vemunftlosigkeit zu schlitzen, theils an Ret* 
tung der Unglücklichen zn arbeiten) dafs es 
dazu heilsam und nothwendig sey^ Verwah« 
rungshäuser einzurichten,' wo diese zwei 
Haupta^wecke auf's möglichst yollkommenste 
erreicht, und die Grundsätze der Menschlich- 
keit zur Richtschnuif des Verfahrens ^noQi- 
jnen werden. 

Schon giebt es hie und da Anstalten, die 
sich diesem Zwecke nähern^ und aiich hieriti 
gebührt den Engländern der Ruhm, mit gu- 
tem Beyspiele vorgegangen zu seyn, und 
diese mensdienfreund liehe Idee zuerst in 
Ausführung gebracht zu haben. Dem edlen, 
Mensx^henglück bezweckenden^ Sinne unseres 
erhabenen Königs war es vorbehalten,' auch 
bey uns das Loos dieser Unglücklichen za 



^ II ^ 

▼erbessern. Schon ist viel geschehen, und 
noch mehr ist zu hoffen. 

Mein Wunsch ist^ auch das meinige zu^ 
Beförderung dieses hohen Zwecks beyzutra« 
gen, . Schon lange beschäftigte mich dieser 
Gegenstand als Arzt nnd Mensch, bis' es mir 
meine gegenwärtige Lage selbst- zur' Pflicht 
gemacht, und mir die erwünschte Gelegen- 
heit yerschaflPt hat^ durch zahlreiche fie* 
obächtungen ihn voUständiger. und griindli« 
eher zu bearbeiten. 

'Mein Zweck ist, zuerst das^ was wir 
GemUthskrankheit nennen, richtig zu bestim- 
men, sodann ihre Ursachen aufzusuchen, und 
endlich die Grundsätze anzugeben, nach 
welchen die Heilung derselben unternommen, 
und die Mittel^ durchreiche sie ausgeführt 
werden kann. 



^ I. 

fFas is^ ff^ßhnsinn? 

Die Wste Frage ist: Was ist Wahnsinn, 
und woran erkennt man ihn,' Diese Frage 
interessirt nicht blos die wissenschaftUcha 
Untersncfanng des Gegenstandes, sondern 
«udb gar sehr das individuelle Glück und 
die Enudieidung des Sehicksds eiiuelner 



F' 



— la — 

Meniichen. Was kann schrecklicher seyp, als 
einen Meqschen für wahnsinnig erklären zti 
sehen, der es nicht ist? Sein ganzes Glück, 
seine ganze Existenz ist mit diesem Worte 
vernichtet, und was das schlimmste ist, es 
I§.ann dadut'ch der vermeinte Wahnsinn 
wirklich gemacht werden. Denn ich bin 
völlig davon überzeugt, dafs man jeden 
Mensphen um seine Vernunft bringen kania, 
wenn man ihn anhaltend wie einen Verrück« 
ten behandelt 4 und ihn» abgesondert von 
allem vernünftigen Umgange, Mos mit Wahn- 
sinnigen umgiebt. -^ Und dafs wUrklich sol- 
che ]Vlif»griiFe , theils aus Leichtsinn und 
MajDgel an Kenntpifs, theils aus entsetzlicher 
3osheit schon geschahen sind, d^von habe 
ich mich leider! durch Bey^piele überzeugt, 
und dadurch wird es ein höchst wichtiger 
Gegenstand für den Staat und die gericht- 
liche Medicin« 

Ich kann daher bey dieser Gelegenheit 
nicht genug warnen und aufmerksam machen, 
dals man doch ja die gröfste Vorsicht und 
die genaueste Untersuchung bej der Auf-«' 
nähme angeblicher Wahnsinnigen in die Ir* 
renhfiuser anwende, und besonders dieselbe, 
nach dem weisen Oesetze des Preu£a8che|i 
Staats^ nur nach dem gerichtlichen Zeugnisse 
i^weier Aeme veranstalte, es müiste .deno 



X— i3 — 

würkliche Baserei di^ augenblickliche Aul* 
nähme 9iir Sicherstellung des Publikums nö* 
thig machen, wo aber auch kein Zweifel 
übrig bleibt. 

, Es ist folglich ein Gegenstand von der < 
äuiser^en Wichtigkeit, die Merkmajie festzu* 
setzen;^ wodurch man die würklich Wahn- 
sinnigen, d, h* die an einer Krankheit der 
Seele Leidenden, erkennen kann« 

Aber hier stofsen wir auf den nicht 
ganz seltenen Fall, dafs wir bey genauer Bc'« 
Stimmung da die gröisten Schwierigkeiten fin- 
den, worüber wir im gemeinen Leben äulserst 
leicht aburtheilen« 

Wenn jemand nackend auf die Stralse 
lauft, oder öffentlich andere Unanständigkei- 
ten begeht, so «weifein wir keinen Augen- 
blick, dafs er den Verstand verloren habe, 
Weinn aber ein Schriftsteller seine moralische 
Nndität eben so unanstän<}ig Yor Augen 
stellt, fällt es uns nicht ein, jenen Schlufs 
zu , ziehen. Beide Handlungen beweisen 
nichts weiter, als ^inen grofsen Mangel des . 
Gefühls fur*s Schickliche, der eine Seelen« 
krankheit voraussetzt, und die Frage ist 
noch, ob nicht zum letzten ein höherer Grad 
von Seelenkrankheit gehcirt, als zum ersten« 

Es ist wohl kein Mensch, ^der nicht in\ 
seinem hsban vorübergehende ApfaU« von 



~ i4 ~ 

Wahnsinn gehabt faätt«, und es giebt keine 
Art yoik Seelenkrankheit » die nicht im ge- 
wöhnlichen Leben vorkäme, ohne dals es 
uns deswegen einfiele , oder wir dadurch he« 
rechtigt würden, einen aolchen Menschen 
wahnsinnig au -nennen. 

Man sehe den heftig au%ebcachten| 
ergrimmten Menschen an, er wüthet und 
tobt; weder Vernunft, noch Menschlich- 
keit, noch Schickhchkeit haben" den ge« 
ring5ten Einflufs auf ihn; er begeht die 
uhverniiaftigsten , verabscheuungswUrdigsten 
Handlungen, ermordet sich und andere, 
und es ist unmöglich einen solchen Men- 
schen von einem würklich rasenden m un- 
terscheiden. 

Man sehe einen im höchsten Grade Ver- 
liebten an, gleichviel ob der Gegenstand sei- 
ner Liebe würkHch oder idealisch '.ist. Er 
denkt und s^eht nichts anders als seine Ge- 
liebte i dieser Gedlanke verschlingt alle übri- 
gen; er begeht darüber die ungereimtesten 
Handlungen, und wir müssen ihn mit eben 
dem Rechte veirückt nennen, mit welchem 
.wir im Irrenhause go viele dafär ^halten. 

Eine Menge anderer Affecten, Furcht^ 
Sehrc^cken, Angst, wenn sie einen hohm 
Grad erreichen, bie^en^ uns die nändiche Er- 
scheinung dar. Und w«i die Analogie beider 



— i5 — 

Zustände noch deutlicher' beweist, ist> dafs 
der. Leidenschafts- Wahosinn in wahre Krank- 
heit des .Wahnsinns übergehen kann , oder 
welches eben das heilst , dal's der transitori* 
sehe Zustand der. Veirücktheit ein permanen* 
ter werden kann. Beyspiele genug exiütiren» 
dais der Affect des Zorns , der Liebe, des 
Ehrg'eitzeSi in lebenslänglichen Wahnsinn 
übergegangen ist, und alle leidenschaftliche 
Menschen sind diesem mehr unterworfen, als 
-aiiderer. 

yi^elche sonderbare Erscheinungen und 
Verwirn^ngeo der Seele kann nicht die 
Phjantasie, jene schöpferisdie unj^ alles bele* 
bende~ alles^ erweckende Kraft* der Seele» 
hervorbringen, wenn siß zu lef>haft wiirkt, 
nnd dio. Herr^schaft erhält. Die sonderbarsten 
Einbildungen und Handlungen entstanden 
daraus, und ich brauche nur an die tausend- 
^fältigeq Verirrungen der Schwärmerei zu erin- 
nern', tim zu beweisen, wie nahe der Excela 
der Phantasie an Wahnsinn gränzt. 

Aber nicht blos der exaltirte oder der 
phantastische Zustand der Seele, sondern auch 
der I^ichste Grad von Abstraction u^d Me- 
ditation kann uns das Bild des Wahnsinns 
darstellen. Man betrachte einen solchen Tief- 
denkier in dem Acte der Abstraction; Er 
sieht und hört nichts, was um ihn vorgeht, 



— j6 — 

er antwortet auf unsere Fragen entweder gar 
nicht, oder verkehrt, und er vergifst sich 
wohl, wie einst Newton^ mit dem Finger ei- 
ner Dame seine Pfeife 2u stopfeii. 

J^ iviv brauchen blos an das gewShUf- 
liehe Phänomen der Trunkenheit zu denken, 
um zu sehen, wie nahe im Menschen 'Ver- 
nunft an Wahnsinn gränzt Ein Paar Portio« 
nen Wein oder Brandwein zu viel , können 
das Licht der Vernunft auslöschen ^ tmd uns 
in einen Zustand verset26n, der. alle Grade 
und Formen des Wahnsinns, von der lächer« 
liebsten Faselei an, bis zur heftigsten Wuth, 
darstellt. Das nämliche kann jedes Fieber 
bewürken, sobald es das Blut heftig naeh 
dem Kopfe treibt » oder die Nerven angreift* 

Dies sey genüge t\x beweisen, wie nahe 
der Wahnsinn der Vernunft ist, und dafs die 
Anlagen dazu in jedem Menschen vorhanden 
sind ; ja ^ dafs die nämlichen Kräfte und Ge* 
setze des Denkens, die Uns 2u vernünfrig^ 
Wesen machen,, hur das Maafs oder das ge» 
genseitige Verhältnifs ihrer Thätigkeit zu 
überschreiten brauchen, um uns in den Zu« 
stand der Narrheit und Unvernunft za ver* 
setzen. Zugleich aber erhellt dar&us,^was ich 
eigentlich dadurch beweisen wollte, wie 
schwer es ist, den würklichen Wahnsinn von 

dem 



dem nur scheinbaren und yorüber^ehenden 
zu tintjerscheidfn* < ' 

Man weode nichc eia, dafs der Unter- 
schied eben ^ dadurch sehr leicht bestimmt 
Wf rden könne , dafs die eine Art vorüberge- 
hend, die andere anhaltend sey* Denn es 
giebt auch Arten des würklichen Wahnsinn«, 
die nur periodische Aeufserung^n habpu, 
und wo der Mensch ganze Monate, ja ganüe 
Jahre Inng, vollkommen vernünftig seyn kann. 
Es sind gegenwärtig zwei solche Kranke in 
der Charit^, wovon die eine den Sommer^ 
die andere den ^Winter hindurch völlig ver- 
nünftig ist. 

Eben so wenig kann man die Allgemein- 
heit der Verstandesverirrung als ein chara|t* 
teristisches Merkmal des Wahnsinns betrach- 
ten, da es Arten des Wahnsinns giebt, wo 
der Men&ch in allen übrigen Punkten ver- 
nünftig denkt und urtheilt, einen einzigen 
Gegenstand ausgenommen, der gleii;hsam der 
Herrschaft seii^ier Vernunft entzogen zu se^n 
scheint. 

Gewöhnlich errtscheidet man die Fra|[e 

kurz und gut so. Man sagt: Wahnsii;^n ist 

die Unvernunit, ^^^ Gf^gensatz des gesun- 

;' den, vernünftigen Denkens und Handelns; 

I oder nach der neufsten Terminologie, die 

V aber das nämliche sagt: Die Abweichung der 

f XTX. B. 3. St B 



— i8 — 

Denkfunction vom normalen Zustande. — 
Die Erkeiptnifs beruht also auf den aus die- 
ser anomalisthen Thatigkeit entstehenden und 
sie darstellenden Aeufserungen im Betr/^gen, 
in Worten Uh^ Werken; so wie 'wir die Er- 
kenntnifs der Vernunft eines Menschen auf 
seine vernünftigen Aeufserungen bauen. 

Aber hieraus würde zuerst folgen^ dals 
die Thiere gar nicht toll werden könnten, 
was doch durch die Erfahrung hinlänglich 
widerlegt* wird. — Und zweitens müfste man 
hierzu bestimmte Begri£Pe und Merkmale von 
dem haben ^ was wir P^ernunß nennen ^ die 
ich aber vergebens suche. Ich habe die 
Aussprüche der gröfsten Philosophen darüber 
nachgelesen^ finde aber die gröfsten Verschie» 
denhoiten und Widersprüche. .Diß meisten 
kommen noch darin übetein^ dafs Vernunft 
die Fähigkeit sey^ ideen consequent zu yer- 

« binden , und richtige Schlüsse daraus tu zie- . 

, hen. Das Merkmal der Unvernunft oder des 
Wahnsinns wäre also, wenn uns die Worte 
und Hitndlungen eines Menschen zeigten, 
dafs. seine Ideen und Schi lisse^im Widerspru- 
che mit sic^ selbst ständen. löh gebe zu, 

' dafs dies bey manchen Arten des vollkom* 
menen Wahnsinns der Fall ist, und sie hin- 

läffglich characterisirt. Aber es giebt andere 

Arteh, wo fclos der Vprdersatz falsch ist^ 



— 19 — 

übrigen» aber der Patient nach dieser Voif- 
au&setzung vollkomnipa conseqiieat urtheilt 
und handelt. Dies sind die Narren^ von 'de« 
nen Shakespear sehr richtig sagt: Es ist &Ie* 
thode, System* in ihrer Narrheit. Wir kön« 
~ nen ihnen durchdu$ rJiti Gesetze des vernünf- 
tigen Denkens in ihrer Narrheit nicht ab« 
sprechen, und doch sind es Narren. 

Ueberhanpt aber^ wie kann man sich 

noch auf die gesunde Vernunft berufen^ und 

sie 2ur Richtschnur brauchen Wollen, da 

"^ viele der neuesten Philosophen selbst nur 

mit Mitleid und Verachtung auf sie herab« 

blicken^ und einer derselben noch neulich^ 

te- erklärt hat, es estistire ni«;hts. abgeschmackte- 

- res als diese belobte gesunde* Vernunft. Und 

\ Wahr ist eS| die gemeine Menschen Vernunft 

begreift nichts *von den SpeCulationen und 

* Dediictionen jener transcenri entölen Vernunft* 

* Ja die neueste Philosophie spgt es klflr, eft 
■^ gehöre %\x ihrer Hervorbringung nicht' ein 
■^Lernen oder Wissen, soridern eine innerer 
^ Act der Seele selbst, wodurch sie in einen Zu* 
"* stand und auf einen Standpunkt gesetzt wer- 
**de, der für die gewöhnlichen doch auch ver« . 
■■•^niinftigen, Menschen gär nicht existire. Hier 
**liaben wir also da$ Denken in einer hohem 
'Sphäre odei" Potenz, wir sehen würküch iwei 
'^ernünfte | ' die getneine und die höhet 



— ao — 

potentiirte Vernunft, im oiFenbarcln Wider- 
spruche^ und ^um die> Herrschaft streiten. 
Welche von beiden ist nun die wahre ? Und 
k^nn man noch jemand des Wahnsinns be- 
schuldigen, weil er die gewöhnliche ge^undci 
Vernunft, d. h. die gewöhnliche Denkforpi 
und Ansicht der Dinge, nicht hat? 

Man würde mich sehr unrecht verstehen, 
wenn man hierin einen Spott auf die neuere 
Philosophie finden wollte. Vielmehr bewun<- 
dere ich den hohen Flug, den sie nimmf, 
und bin überzeugt, da£i es der Mensch noch 
nie zu einer solchen Höhe im Denken ge- 
bracht hat, ob ich. gleich eben so sehr über- 
zeugt bin 5 dafs es nur wenigen vergönnt ist, 
ihr in diese Regionen zu folgen. . — • Die 

,' Frage wünschte ich nur, als Arzt, von 
einem dieser Philosophen beantwortet: fVU 
verhält sich die iranscendentale f^emunß 
^ur gemeinen? fVie verhalten sich beide zum 
fVahnsinncy und welches sind die Gräntii' 

, nien und Merkmale der vernünftigen und 
der unvernünfägen U nbegreißichkeit? — J 
Auch lehrt uns fa die GeschicKte, dali 
. Philosophen und alle Männer von eminentem 
, Geiste^ die ihrem Zeitalter voran eilten, sehr 
häufig das Schicksal hatten, für wahnwituj 
gehalten zu werden. Wir wissen, wie es dei» 
Defnocritüs in Abdera gieng« Die iU)aeritel{ 






waren von der Verrücktheit dieses Philoso- 
phen vöHig überzeugt,/ weil seine Vernnnft 
zu hoch Stande nm von der ihrigen begriffen 
m werden; und dennoch waren beyde ver- 
nünftige Wesen ^ sie in einer niedrigen, er 
in einer höhern Potenz. Warum sollte es 
nun nicht noch jetzt Männer geben, die 
sich vermöge ihrer Geisteshöhe zu dem 
gröfsern Theil des Publikums , eben io ver- 
hielten, wie JDentocrit ^ zu deii ^bderiten? 
Würden da nicht ähnlicher Urtheile erfolgen, 
und z^igt uns das nicht , dafs die gewöhn- 
liche Beurtheilung der Vemünftigkeit gröfs- 
tentheils nur (Jurch das Gonventicnelle und 
Relative bestimmt wird? — 

( Die Foruetmng folgt. ) 




II- 

, lieber verschiedene 

pathologische Erscheinungjen^ 

w*-l'^h'< das gestörte Au>dünsttmg5^esch^fr xüt 
Folge hat, und welche auf die geheime Ver- 
bindung und WechselwürkuDg der Oberiläcfaa 
w und der inneren Theile unseres Ktfrpef« 
hindeuten. 

Vom 

Hofrath J Ordens. 



"iVicht, um citwas Neues zu sagen i sondern 
um das Andenken an ein überaus wichtiges, 
aber in unsern Tagen bald verkanntes , bald 
zu wenig gewürdigtes Krankheitsmoment va 
erneuern, wage ich es, mich über einen Ge- 
genstand SU verbreiten I der im Kampfa. der 



~ aS — ' 

Meinungen der Brownsehen und älteren 
Schule dem practischen Gesichtspnncte ange« 
hender Aerzte.sehr oft entruckt wird. Die. 
Ausdünstung) dieses grofse Reinigungsmitteil 
unsrer Säfte, verdient nicht nur in diätetischer^ 
sondern auch in therapeutischer Hinsicht das 
erste Augenmerk des Arztes zu seyn« Ihr 
Absonderungsorgan ist 'd'ie Haut, der Sitz des 
allgemeinen Gefühlsinns ^ der gröfsten "Ner« 
yen Verbreitung, durch welche alle Eingeweide 
unsers Körpers mit der Oberfläche in die ge-« 
naueste Verbindung gesetzt» übcrflüfsige ilttch- 
tige Stoffe und Gasarten ausgeführt werden, 
welche durch ihre Anhäufung die Verrichtun-. 
gen der inneren Theile stören oder in Un- 
ordnung bringen würden« , Ihre BeschalFen- 
heit verdient^ im gesunden und kranken Zu- 
stande die erste Untersuchung des Arztes, 
ihre Integrität oder verdorbene Organisation 
oft mehr Berücksichtigung als Zunge und 
Puls« und andere uns zu Schlulsfolgen berech- 
tigende Gegenstände der Semiotik. Ein0 
reine, nicht obliterirte Haut, wird immer bejr 
ihrer übrigens festern, oder feineren Beschaf- 
fenheit, die Würklichkeit oder MögÜchk^t 
der frejen Ausdünstung und der Entledigung 
schadhafter Theile zu erkent^en geben, und 
uns entweder auf andere Krankheitsursachen 



leiten I oder uns ron der Wahl der Mittel, 
welche f;egen die Haut wiiiken, bey übrigem 
gleichen Umbänden, Hülfe erwarten lassen. 
Eipe aus Mangel der Hautcultur verddi^bene, 
dufrlose Haur, wird uns auf die mannigfalti- 
gem Folgen des gestörten Ausdünstungsge" 
scfaäFts hinweisen, und uns manche Erschei- 
nung erklärbar machen, welche uns ausser- 
dem zum Nachtheilö des Kranken unerklär- 
bar geblieben wäre. Wie oft suchen wir 
nicht in organischen Fehlern der Eingeweide 
den Sitz einer Krankheit^ während er blos 
bey H.ndernissen, welche die allgemeine oder 
örtl'che Ausdunstung fand , durch innere 
Ritzungen voA der Oberfläche abgeleitet 
worrlpr^ ist, und durch diese Otts Veränderung 
un/^'ewf>h»>liche Zufälle hervorbringt. Der 
Kranke leidet z. B. an den heftigsten^ Kräm- 
pfen, welche mit einem fixen vSchmerz im Un- 
terleibe in Verbindung stehen^ und der Arzt 
lalst sich verleiten, seinen Heilplan gegen ei- 
nen Föhler der Eingeweide zu richten und 
den Kranken immer kränker zu machen^ da 
die Herstellung einer allgemeinen oder ört- 
lichen Ausdünstung und der örtliche Haut- 
reitz eines Qlasenpflasters in kurzem den 
Krankheitsstoff wieder gegen die Oberfläche 
geleitet und alle jene täuschenden Zufälle ge- 
hoben haben würde. Yorzüglicb verdient die 



Böschaftenheit der Haut in eiranthematischen 
Krankheiten, die erste Aufmerksamkeit des 
Arztes. Auf einer reinen^ frey ausdünstenden 
Oberfläche, behalten alle akute und chroni- 
?idie Ausschläge ihren yresentlichf»n Charac- 
ter. Eine durch Unreinigkeiten verstopfte^ 
nndurchflüf&ig gewordene Haut^ liefert hinge- 
gen dieselben Ausschläge in gab« ' anderer 
Gestalt. Die Pusteln bleiben tief in der Haut 
sitzen, bilden flache, wenig Eyter enthaltende 
und daher bald vertrocknende, mit einer mat- 
ten blaurothen Farbe umzogene öeschwüre, 
iväbrend sie sich bey einer frey ausdünsten«- 
den gesunden Haut lebhaft erheben, von 
Eyter strotzen und mit schönen rothen Hö- 
fen umzogen sind u. s. w. Sicher hängen 
die so häuiig vorkommende^ Anomalien der 
Ausschläge 9 welche die Nosologen als beson- 
dere Gattungen und Arten aufgeführt haben^ ' 
ausser der Energie der Lebenstbätigkeit und 
dem von Natur festern oder schlaffem Ge- 
webe der Haut, am^ meisten von der Cultur 
und der auf dieser beruhenden Durcbfläfsig- 
keit der^^elben ab, und in so ferne möchte 
auch fVillan*s neuere Eintheilurig und Ver- 
vielfältigung der Hautausschläge noch inan-^ 
che Berichtigung bedürfen, und bey genaue- 
rer Untersuchung und Vergleichung manche 



-r- ä6 — 

Ton ihm als neu aufgestellte Arten, blos als 
Abarten, erscheinen* » 

Die Ursachen der Hautverderbnifs sind 
theils solbhei welclie ihre Empfindlichkeit zu 
sehr erhöhen, theils solche, welche sie zu 
aehr herabstimmen, und liberhaupt die Haut 
. auf die EinwUrkung von aussen oder auf die 
nückwürkung voq innen zu einer ungleichen 
Thätigknit bestimmen Es ist wohl nicht zu 
leugnen, dal> Verzärtelung und ein zu war« 
in^s Verhalten in der Kindheit, oder erst 
•päter ang^'uommene Gewohnheiren eine/wi« 
dernätiirliche Empfindlichkeit der Haut her- 
vorbringen können, und' dafs die meisten 
Menschen in unsern Tagen aus dieser, ür^ 
aache für jedö Veränderung der Atmosphäre, 
für jeden Wechsel von Wärme und Kälte, 
für jede Zugluft weit empfindhcher ak unsre 
Vorfahren sind. Denn wer schon von dar 
Stunde der Geburt an im Kinderkorbe an den 
heifsen Ofen gestellt, noch ausserdem durch 
untergelegte Warmsteine und Wärmflaschen 
in .einer beständigen Brutwärme erhalten 
worden ist, und so auch in der Folge in der 
Wiege diesen von alten Mütterchen ihm an- 
gewiesenen Wohnplatz nicht verlassen durfte, 
der wird auch als Knabe, Jüngling und Mann 
eine Ubermäfsige Stubenwärme lieben, Som-m 
mer und Winter doppelte Hemden, doppelte 



•^ »7 -^ 

Westen, doppelte Strümpfe, dicke TJeber- 
röcke, Pel^ und Sods«n nicht entbehren kön- 
nen, $ich alle Nächte in schwere, zuvor ge» 
wärmte Betten vergraben müssen, hierdurch 
abet die Haut so erschlaffen , dafs derSchweifs 
bey der geringsten Bewegung aus allen 
Schweifslöcbern hervordringt. Alle Augen- 
blicke wird er an Krankheiten von Erkältung 
leiden y weil seine Haut beynabe nie trocken,, 
und mithin von jeder kühlen Lu£t alterirc 
wird, ja er wird sich allmählig allgemeine pe^ 
riodische oder örtliche Schweifbe zuzieheOi 
welche ihn äulserst empfindlich gegen Nässe 
und Kälte machen nud so wenig, als gewifse 
Ausschläge und flielsenda Geschwüre ohne 
Lebensgefahr zu vertilgen sind. Auf eine 
andere Art wird der WoHüstling und Schweb 
ger durch Verschwendung der edelsten Säfta 
seines Körpers, durch Ueberladung im £ss«n 
und Trinken^und vorzüglich durch den Äfifs- 
brauch erschlaffender wässerigter Getränke, 
sich mit der allmählig eintretenden allgemein 
nen Schwäche, auch eine widernatürliche Em- 
pfindiichk it und Kraftlosigkeit der Haut zu« . 
ziehen. Vielleicht sind selbst die Aerzte nicht , 
von dem Vorwurfe frey zu sprechen, vorzüg* 
lieh zu jener mit aus der Kindheit ins Alter 
übertragenen Hautschwäche,, durch ihre nun 
in ihre Grenzen zm:üqkgewiesene sch^yächende. 



— 3o — 

schlechte, sich in tinseretn äiif^erst veränder- 
lichen und meistens rauhen Klima, haib na* 
ckend zu kleiden, wodurch die Haut selbst 
für den Reiiz der Wärme unempfindlich, im- 
mer duftlos bleibt und den zu verdünstenden 
• schädlichen Stoffen den AusWeg verschliefst^ 
iSqgar giebt es unter dem männlichen Ge- 
schlechte Personen, die etwas besonderes 
darin suchen , eine stoische Unempfindlich- 
keit und Abhärtung gegen alle Kälte zu affec- 
tiren, sich im strengsten Winter nicht oder 
kaum merklich einheitzen zu lassen, nie Hand- 
schuhe und ipimer leinene Strümpfe etc. zu 
tragen , und die sich dennoch wundern, -wenp. 
sie bey dieser vorsätzlichen Zurückhaltung al* 
ler schädlichen^ zur Ausdünstung bestimmten . 
Stoffe, immer an Rheumatismen, Gicht u, 
s. w. leiden. ' Der Gelehrte, der sitzende 
Handwerker, die immer an der Toilette und 
am JSpieltischei zubringende feine Welt gro- 
fser Städte, entbehrt endlich ganz des wohl- 
thatigen £influlses der Bewegung auf die nö- 
thige Unterhaltung der Ausdün-tung* Es fin- 
det kein freyer Umtrieb der Säfte in ihrem 
Körper statt» Sie stocken in eleu feinsten 
Aderverästungen der Oberfläche, wie der 
^Eingeweide, und die llaut verliert ihr Leben 
und ihre Brauchbarkeit zur Verdampfung der 
schädlichen Gasarten. 



, . _ 5t — 

Nach dieser kurzen Voraussetzung von 
der krarikhaften 'Beschaffenheit des ausgebrei- 
teten Organs der Ausdünstung und den Ur- 
sachen seiner Verderbnifs, ist es nöthig noch 
einen Blick auf die Beschaffenheit und Mt-nge 
der Au&dünstungsmaterie selbst zu werfen^ 
um aus dieser Veibindung die Nachtheile der 
gestörten und unterdrückten Ausdünstung^ 
und die Wichtigkeit ihrer Unterhaltung und 
Wiederherstellung in so vielen Fällen zu ent- 
wickeln. Das Mischungsverhältnifs der ver- 
schi<^denen Stoffe, welche die Ausdünstungs- 
materie ausmachen, ist nach Klima, Indivi- 
dualität, Lebensart und Arzene.ygebraüch un« 
gemein verschieden. Daher kommt eS) dals 
der' Schweifs bry verschiedenen Nationen und 
verschiedenen ' MeHschen in einer und eben 
derselben Gegend einen verschiedenen, nach 
anhaltendem Genüfs saurer Speisen und Ge- 
tränke, einen sauren, bey bestandig[er Fleisch- 
kost, einen alkalescirenden Geruch verbrei- 
tet, dafs er bey manchen Personen Mos an 
der Srime wie Efsig, %ey andern unter den 
Achseln wie Katzenurin, und noch bey an- 
dere an den Pulsen wie fauler K^s^ oder Mo- 
der, ja sogar beym Gebrauche gewifser Ar- 
2eneyen, z. B. des Asands, des Antimontal- 
schwefellcalks etc. nach diek^n Mitlein riecht, 
welches 9 iia Yorbeyge^en^ zugleich ^um Be- 



.— 32 ^ 

weiso dl^nty daf» Arzeneyen würklichö Ver- 
änderungen in der Mischung der Säfte her- 
vorbringen, wenn wir uns gleich eben so we- 
nig . erklären können , warum nach ihren 
Bestandtheilen ganz verschiedene Mittel, ei- 
nerley Veränderung in den Säften zu bewür- 
ken im Stande sind, als wir daraus, dafs 
manche chronische Ausschläge eben sowohl 
durch den Reitz «des Antimoniums, als des 
Quecksilbers gehoben wurden, darthun kc\Q- 
nen, dafs keine qualitative Verschiedenheit 
in der Wiirkung incitirendcr Potenzen auf 
den lebenden Organismus statt finde. Uebri- 
gens verderben die ri^hbaren Stoffe der Maut- 
ausdünstung nath ihrer Verschiedenheit und 
Anhäufung, gleich den der Lungenäusdiin-> 
stung die Luft, und geoen schon dadurch' ihre 
Schädlichkeit^ sattsam zu erkennen, wenn 
auch die tägliche Erfahrung nicht dafür 
spräche, dafs Entfernung ihres Ueberfluises 
mit Wohlbefinden begleitet, und dafs eine 
freye Ausdünstung in unzähligen Fällen das 
v^ichtigste Präservrativ.^ey, welches eine Menge 
Krankheitsursachen nicht zur Würksamkeit 
kommen lälst. Offenbar gehören also die 
Gasarten der Ausdünstung zti den Krank- 
heits&toffen, deren Existen^s und Verschieden* 
heit man zu bestreiten sucht, indem man 
blofs eine durch vermiüdeite Lebensihätigkeic 

der 



— S3 «^ 

der Organe moglScfae Mi$chungsver3iideru|ig 
der Säfte annimmt ^ diß aber mit der bej 
freyer Ausdunstung hestehendeA Gesundheit 
und Stärke des Körpers unzähliger Me;ischen 
im * Widerspruche stehet. ^ 

Wenn die gewöhnliche, in Gasgestolt er* 
JRotgendey und daher unmerklich genannte, 
Ausdünstupg in dem Grade vermehrt wird, 
dafs zugleich wässerichte Feuchtigkeit in 
kaum sichtbaren oder deutlicliön 7'röpfehen 
aus den Hautporen hervordringt« .so wird sie 
Schweifs genannt. Die gewöhnliche Meinung 
ist, dafs aller Schweifs krankhaft sey und nur 
im Zustand^e^ geschwächter Lebensthätigiceic 
statt finden könne» ^Unpartheiisciie Beobach* 
tung lehrt Ibingegen, dafs Schweifs eben so 
wohl Folge eines sthenischeti, als asthenischen 
Zustandes seyn könne. Der SchwelgtT und 
Weintrinker, der sich der drücken d^ten^Son^ 
nenhitze aussetzende \Landma11n9 der Feueiv 
arbeiter, jeder sich dem Zorne und anderen 
heftigen Leidenschaften Ueberlassendb, feder 
durch ungewöhnliche Bewegung ^ich Ermii« 
dende> jeder mit reitzenden, auf die Haut 
würkenden Afzeneyen behandelte Kranke etc» 
schwitzet zwar auch; aber dieser Schweifs 
von Ueberreitzung und indireoter Schwäche 
erleichtert so wenig, als der aus Mangel an 
Keitzung und directer Schwäche erfolgende, 

XTX. B. S.St, . C 



. - ai - 

oft kritisch scheinendd Schweifs aller hof- 
nungslosen Kranken. Die Haut ist bey letz- 
teren oft immer feucht^ und dennoch erfolgt 
der Tod. Die Natur ist in diesem, nur aus 
der Verbindung der übrigen Zufälle zu be- 
iirtheilendem Zustande, nicht mehr fähig, die 
schädlichen Stoffe , welche die inneren Theile 
belästigen 9 durch die Haut auszuführen und 
der hervortretende Schweifs erkaltet auf der 
ohne Lebensthätigkeit erschlafften und warme« 
losen Haut. Nur derjenige Schweifs erleich- 
tert , der durch einen freyen Umtrieb der 
Safte bewürkt Wird^ und .wobey nicht blos 
wässerichte Theile > wie im Zustande der 
HautersCblaffung, Sondern auch Aüchtige 
schädliche Stoffe verdunstet werden; not 
dieser entfernt den Reit2 der die iüHeien 
Theile belästigenden vStoffe^ und stellt das 
Gleichgewicht zwischen den Eingeweiden und 
der Oberfläche wieder her. Dennoch ist 
auch dem Schweifse von indirecter Schwache 
nicht aller Nutzen abzusprechen ^ da er bey 
der gewöhnlichen Unterlassung der Hauttei- 
nigung oft noch das einzige Mittel iit, die 
vom Schmutz und Staub verstopften ^ mit 
Schiefer und dem Priesel gleichenden KnÖt« 
chen bedeckten Hautporen ftir die untnerk'- 
liehe Ausdünstung von innen noch aussen 



-^ 55 — 

gatigbar zu etht^lteti Und der Haut ihr kran- 
kes und eckeiliaftes Aussehen ^u benehmen. 

Di6 allgemeine Folge der Hautverderb« 
ftifs und von dieser abhängenden widerna- 
türlich vermehrten^ ungleichen und unter- 
drückten Äusdünstuxig/Ist die in Unordnung 
|[ebrachte odelr aufgehobene W^chselwürkung 
unserer Oberfläche mit der Atmosphäre tind 
den inneretil Theilen uüsres Rötpers» Die in 
Schmutz verg^rabeüeii odet" d:urch die oben 
angegebenen schadlieheü Einflüsse abge,&tatnp^ 
ten. und ihres f^ineriön Gefühls beräubteäL 
NeTvenöndeö, wet'den vom toagnetisöh^n und 
electrischen Fluidum oder' Von der feineren 
ätherischen, fcutn EtsatJs der NerVeüktäft 
bey tragenden Materie der utiis umgebenden 
Luft, tu Wenig, und die an einer wideruatür* 
hohen Empfindlichkeit vöU iudirectet* Sfchwäi» 
eh6 leid6Ud<3tt atu viel äffidrt^ hierdurch abei^ 
die fröye uud normale BelebüDg uuiseter NiBr^» 
Ven» das gleiche Ein- Und Ausströmen jenes 
Fiuidums gehindert, üiid det galvanische Pro-> 
ze£^ der GasbilduUg in Unordnung gebracht» 
Es öUtiteht hiferdureh bey Vielen Personell 
ein gewilses Mlfsb^hageU^ eine Febrilischd 
Unruhe, (eine dii^ firust beklümUuifide AeUgst'» 
lichk^it bey jedei: VeränderUUg iU det Atmos- 
phatej Vorzüglich böy feuchtet^ üeblichter uhd 
schwüler GeWittetlUft^ diä sie jonit Muttsinü 



.^ 



— 36 — 

und Verdruß erfüllt, sie zu allem unfähig 
macht, un4 sich sogar bey schwangeren Mut- 
ten^ der Frucht mittheilet. Würklich g'ebt 
es Kinder, die gleich ihren Müttern den Ba- 
rometerstand aufs genauste anmgen, und 
durch ihre üble Laune und Unwillen, durch 
ihren unruhigen Schlaf u. s. w. jede Verän- 
derung der Witterung, schon mehrere Tage 
Yprher verkündigen. Da ferner Auslmuchung 
und Einsaugung der zur Reinigung und Er- 
neuerung unserer Säfte bestimmten Hautge- 
Fäfse bej krampfhaft verschlofsenen oder un- 
durchilüliig gewordenen Hautporen wegfallt,, 
so bleiben die zur Verdunstung bestimmten 
scharfen salinischen Stoffe im Körper zurück^ 
und es entstehen hierdurch allerley widerna- 
türliche Nervenreitze, welche, ausser den be- 
sonderen, unten näher angegebnen Folgen, 
eine gewiise Unruhe und Unbehaglichkeit in 
nnierem. Körper, ja oft die heftigsten Schmer* 
zen und Krämpfe begleiten. Vorzüglich ist 
dieses der Fall bey Personen, die eine speci- 
fike Schärfe verdunsten und zugleich an ei- 
ner widernatürlichen Affection der Hautner« 
ven von kalter Luft leiden. Diese sind dann 
ganz eignen Empfindungen und Zufällen bey 
gestörter und unterdrückter Ausdünstung un» 
terworfen. Femer ist noch das aufgehobene 
Gleichgewicht zwischen der Oberfläche und 



- 'S? -- 

den iniiereii Theilen unsers Körpers iu be- 
rücksichtigen. Die selbst im gesunden Zu« 
Stande so beträchtliche Menge zu verdünsten- 
der Feuchtigkeiten drängt sich nemlich bey 
verschlpfsener Oberfläche nach den intieren 
Theilen hin , und häuft sich in den Einge- 
weiden an. Hieraus folgt nun vorzüglich bey 
der genauen Verbindung der Haut mit den 
Orgauen der Harnabsonderung undAussdhei- 
dung, bald eine ausserordentliche Empfind- 
lichkeit im Rücken uad der Gegend der 
Nieren, und ein äulserst unangenehmes Ge* 
filhl^ welches sich von da dujrcli den ganzen 
Körper verbreitet, bald ein Absatz wäfserich- 
ter und scharfer Feuchtigkeiten im Darmka- 
nal, bald eine Anhäufung und Stockung des 
Bluts in dei;i Eingeweiden, der Brust und de» 
Unterleibes, vorzüglich im Pfortadersysteme, 
welche Verstopfungen der Eingeweide und 
widernatürliche Blutflüfse zur Folge haben. 

Aus dieser kurzen Angabe der allgemei- 
nen folgen des gestörten und unterdrüciLten 
Ausdünstungsgeschäflts , läfst sich der beson- 
dere und so oft verkannte Einßuls desselben 
in den meisten acutem und chronischen Krank- 
heiten leicht beurtheilen. Fiebßr, sie gehö- 
ren unter die Klasse des Typhus oder dea 
Synochus, verdanken ihre Entstehung und 
ihre Rückiälle in den meisten Fällen der Kr- 



- 98 - 

kältung, und werden durch diese picht selten 
tödlich, Wie ausserordentlich eippßndlich 
ist nicht die Haut bey so vielen Personen, 
in allen hit:zigenexanthematischen Krankheiteui 
gegen jedeAbweichung von dem ihnen angemes» 
9enen Wärmegrade, gegen jede die 2ur Verdün«* 
$tung bestimmteu Säfte ^ach den inneren Thei- 
Jen hinziehende Reitzi^ng ? Wie augenblicklich 
erblassen sie nicht in dem Luftzüge, welcher 
bey gegeiiseitiger Oeffoung der Fenster und 
Thüren oder unmittelbar im DunstkreiKe def 
Krailken 9Q ^iper kalten und feuchten Wand, 
pdei: fJnrch eineju unvorsichtigen Wechsel von 
feuchter und Kalter Wäsche yeranlalst wird? 
Und welche pft plötzUch tödliche i,. dem 
Arzte zum gröfsten Vorwurfe gereichende Fol- 
gen, ziehen nicht alle die Mittel nach sich, ,wel* 
che die Ausdünstung ^u unterbrechen oder 
%U vermindern im Stande sind? 3elb3t auf 
die characteristischß Form der Ausschläge 
hat,^ ausser der eignen B^sghalfenheit der 
Jlaut^ wie schon oben bemerkt worden, das 
warme oder kühle Verhalten des Kranken^ 
^en wesentlichsten £influfs. Nie gelangen 
sie zu ihrer Vollkommenheit bey einem ihrer 
Natur nicht abgemessenen Wärmegrade. Hitze 
nnd Schweife vermehrt ih^^ (inUündung, be- 
schleunigt w 3ehr die Supuration» Abtrock- 
nung und Ab^^fhuppung mit Hinterlassung 



^ ^ ^ 

allgemeiner Schlehe oder tödlicher Er- 
schöpfung« Frösteln veranlassende Tempera^« 
tur des Krankenzimmers unterbricht auf eina 
oft schnell tödlich werdende Art ihre Erup- 
tion, veranlafst beständiges Erblassen und 
einen höchst unvollkommenen, vor einer 
zweyten Ansteckung nicht sichernden Ver- 
lauf der Krankheitf Denn sicher finden die 
mtöi.rm.iligen Pocken, Masern und Scharlach« 
ausschlage, selbst die verfehlte Impfung und 
die Entstehung falscher Schutzblattem, nicht 
gelten ihren Grund in einem zu kühlen Ver- 
halt' n und in einer an sich kranken^ duftlo« 
sen Haut. So wenig, als Früchte auf einem 
dürren, vertiockneten Boden, können auch 
sie unter solchen Umständen zu ihrer Voll- 
kommenheit gelangen« Sie erscheinen daher 
verkrüppelt und unter einer in Zweißel las« 
senden Gestalt« 

In Gallenficbem ist Erkältung gewöhn« 
lieh die nächste Ursache, welche in Ver- 
bindung mit der entfernten «-^ der Gallener» 
gielsung und Oallenanhäuf^ing -*^ das Weaen 
der Krankheit con^^tituiret« Es giebt Perso- 
nen, deren Verhältnifse und Verrichtungen 
es mit sich bringen, sich unablafsig zu ärgern, 
welche alle Merko^ale der Gallenahhäufung, 
bitteren Geschmack, gelb belegte Zunge, 
Brennen und Drücken in der Herzgrube, 



— 4o - 

Durst, frey williges Gallenbrechen u. s. w. hä- 
beA, und sich geraume Zeit damit hernm« 

^ schleppen, ohne dais sich ein Fieber dazu 
gesellt, blos well sie zuFälUg oder absichtlich 
sich keine anhaltende oder plätzliche Unterdrü- 
ckung dtr Ausdünstung zu Schulden kommen 
lassen. Hingegen bricht bey andern das Fie« 
ber bald nach dem Aerger aus, weil sie nn* 
mitrelbar darauf sich durchnäfsten oder sonst | 
erkälte! en« Wahrscheinlich bestimmt in sot« 
eben Fallen die innere Reitzung der ausge-* 
tretenen Galle , die zurücktretende Aus- 
dünotung^materie sich auf das geschwächte 
Gallensystem zu weifen und eine nach Men- ' 

^e und Beschaffenheit widernatürliche, die 
reine Mischung d^x Säfte selbst verbidernde i 
vnd Fieberreitz ins Arteriensystem bringende 
Absonderung der Galle zu bewürken# Je 
langer hierbey die auflösenden und auslee«* 
renden Mittel fortgesetzt werden, desto we- 
niger wird sich der Arie einen glücklichen 
Erfolg seines Verfahrens versprechen können. 
Hingegen wird er nach Entfernung der im 
Magen und Darmkanale angehäuften Galle 
durch ein würksames Brechmitiel und allen- 
falls noch durch ein gelindes Abführungsmtt^ 
tel, durch die Anwendung auf die Haut wür- 
kender ßeitzmittel und eines Blasenpfliastexs 



- 4» - 

I 

auf die Lebörgrgend bald seioe Absicht er- 
reichen. 

laßammätorische Krankheiten herrsfchen , 
gewöhnlich bey einer solchen Bescha£Fenheit 
der Luft, welche die Unterdrückung der 
Ausdünstung voi / Uglich begünstiget. Am mei- 
sten geschieht dieses durch den trocknenden 
und die Hautporen verschliefsenden Ostwind, 
in und nach -anhaltenden strengen Wibtem. 
Das von der Obetfläche abgehaltene Blut, 
drängt sich nach den inneien Theilen hin 
und wird daselbst durch Stockung in den 
feinen Verästungen der Blutgefäfse, die 
Ursache des örtlichen Leidens, gegen welches 
sich ein diaphoretisches Heitverfrtren und 
Vesicatorien, nach angestelltem Aderlasse, je- 
derzeit der Ursache entsprechend bem^ssn 
haben. 

Cararrhe und das sie begleitende Fie- 
ber, sind immer Folgen unterdrückter Aus- 
dünstung und daher vorzüglich solchen 'Ge- 
genden eigen, welche achneUen Veränderun- 
gen der Lufttemperatur unterworfen sind* 
Sie gelangt nicht immer nach einer Erkäl- 
tung zur Würksämkeit , sondern setzen nicht 
selten öftere Erkältung, vorzüglich des Hal- 
ses und der Brust voraus. Die reitzende 
Ausdünstungsmaterie belästiget besonders die 
Bronchien und vQranl^t eine vermehrte Ab- 



- 4* - 

sonderung des Schleims in ihren Driisenj 
w*^lche zugleich ?ur wohlthätigen . Abstum- 
pfung des Reitzes dient« so lange diesem 
selbst sein Verweilen gests^ttet wird, Noth- 
wendig muTste lediteres geschehen durch die 
kühlende Methode, durch die Anwendung 
des Salpeter, Weinsteinrahm und Salmiak in 
der widersinnigen Mischung von Moneia'$ 
Catarrhalpulv.er und die Beobachtung eines 
mehr kühlen ils warmen Verhaltens, wobey 
inan nicht daran dachte, dafs hierdurch un- 
möglich die unterdrückte allgemeine oder 
örtliche Ausdönstung wieder hergestellt wer- 
den könnte, Der zu Catarrhen Geneigte mids 
^war w keiner Jahress^eit die treye Luft scheuen, 
des schnellen und nachtheiligen Wechsels ^ 
wegen aber auch nie zu warme Stuben dnl^ 
den, sich dagegen stets warm kleiden« sdblt 
im Bette eine lockere Halsbinde md ein 
warmes Kamisol tragen^ nie in einer feuchten 
oder »ehr kalten Kammer schlafen, WQ vre- 
jiigstens beym Aufstehen Erkältung yorgehen 
kqunte, und nie der kühlen, feuchten Abend-* 
luft durch spätes Qeffnen oder Offenlassen 
der Fenster den ^Zugang in ^ein Schlafge«» 
jmach verstatten. Leidet er wUrklich iw 
Catarrhj io wird er ohne diese Vorsicht 
vad phwe die Anwendung der Jleita abstum^ 



- 43 - 

pFenden und auf die Haut würkenden Mit- 
tel, ihn ungewöhnlich tn die Länge ziehen« 

Rheumati^mea und Gicht^ die allgemein- 
sten Leiden unsrer Generation , sind uniäug- 
bar de Folgen unserer der Mode zu geGallen 
erzwungenen Abhärtung in einem rauben 
und kalten Klima und der yemachlafsigten 
Hautkultur, Der bey -diesen Krankheiten 
sonst besonders in Anspruch genommen» 
Mifsbrauch geistiger Getränke, bleibt so lange 
schuldlos , als durch starke Bewegung und 
warme Kleidung eine reichliche Ausdünstung 
unterhalten wird. Sobald dies^ wegfällt oder 
schnell unterdrückt wird^ erfolgen auch bey 
markigem GenuTse des Weins und Brandweins, 
bald leichtere, bald schwerere Anfälle der 
Gicht. Diese, sonst nur eiuJjeiden der äulse«^ 
ren Theile, irrt nun im ganzen Körper unter 
den mannigfaltigsten und täuschendsten Oe^ 
stalten umher, yeranlafst die peinlichsten 
Kopfschmerzen, Cardialgien, Kolicken und 
Dysurien, den erschütterndsteti Husten nnd 
kaum stillbarea Brechen, Vergebens wird 
sich der Arzt bemuhen, diese Zufalle ohne 
auDseren Gegenreitz durch Sinapismen und 
Blasenpilaster uod ohne sukvk auf die Haut 
wüikendß Mittel , in Verbindung mit Mohn*« 
saft, zu entfernen, 

Diarrhoen und Dysenterien, als di« §9^ 



'^ 44 - 

wohnlichsten Folgen der 'in Gasform zu ver^ 
dünatend^Q und bey verschlofsener Haut, ge- 
gen df*n Darmtcanal geleiteten Feuchtigkeiten, 
in tinseren Zeiten noch mit Rhabarber und 
anderen abfiihrenden Mitteln heilen zu wol- 
len, würde nichts anderes heifsen , als allen 
Erfahrungen der Neuern widersprechen und 
ein üebel durch Nahrung seiner Ursache un- 
heilbar machen. Wenn daher auch Gallen- 
und Schleimanhäufung eine Ausleerung nöthig 
machen sollten, so ist dieses durchaus nur 
ohne Nachtheil durch Ipecacuanha zu be« 
^wecken, sodann aber sogleich auf Abstum* 
pfung und Einwicklung des Reitzes im Darm- 
kanal durch den reichlichsten Genuls roa 
Schleimen aller AVt in Verbindung mit Opium 
und auf die hAnt würkendeu Mitteln za 
setzen, 

Ohnmächten, SchlagnUTse, rheumatische 
und giohtische Lähmungen , als Folgen un- 
terdrückter Ausdünstung, zeigen steh nicht 
selten auf Bällen, im Gedränge vieler Men- 
schen, |turz unter solchen Umständen, wo 
bey ganz schwitzender Haut,, yorzüglich durch 
Zugluft eine plötzliche Erkältung erfolgt. Die 
bald vorübergehenden Lähmungen der Sprach« 
Organe oder einzelner Theile hysterischer und 
schwächlicher Frauenzimmer, zur Gicht und 
Rheumatismen geneigter Personen, verdanken 



- 45 - • 

dieser Schädlichkeit gewöhnlich ihre Entste- 
hung. Bisweilen sind sie aber dennoch sehr 
harinäckig, und schon habe ich seit einem 
halben Jahre ein dreyjäbriges Kind in dor 
Behandlun;Sfi welches mit schwitzender Haut 
in die Zuj^Iufr getragen und sogleich am 
Kopfe und allen Extremitäten gelahmt Yvurde* 
JYun erst Fängt es an, auf den anhaltenden 
Gebrauch äufserer Reitimittel, wieder ver- 
nehmlich zu sprechen und wankend zu geh^n. 
Asthma, dieses quaal volle , ^llen Schla£ 
raubeno'e Uebel,>habe ich kürzlich erst nach 
unterdrücktem stinkendem Fufsschweif* erfol- 
gen sehen. Das Verweilen in einer nur et» 
was kalten Luft^ versetzte dem Kranken 
gleich den Athem. Beym besten Appetite 
mufsre er Hunger leiden, um sein Uebel 
nicht zu vermehren, bis ^ endlich auf den 
Gebrauch der Fuftbäder^ Vesica^torien und 
schweiTstreibender Mittel hergestellt wurde. 
Einem andern Kranken zog die^ sondeibara 
Gewohnheit, immer ohne Leibchen oder Ka- 
misol mit entblölster -Brust zu schlafen^ die-^ 
ses peinvolle Uebel zu. Er war nicht im 
Stande 20 Schritte zugehen^ ohne wenigstens 
einmal auszuruhen ^ / nach Luft zu schnappen 
und zugleich den heftigsten Husten, mit ei- 
terartigem Auswurf zu erregen. Der Genufs 
einiger Löffel Suppe, ^ erweckte schon diesen 



_ 46 - 

Anfeil und nie könnte ein sich satt essen, 
ohne einige Stunden auf die schrecklichste 
Art seu leiden. Beständige Blasenpflaster auf 
beiden Oberarmen, Fufsbäder und Schweife 
treibende Mittel st;ellten ihn in kurzer Zeit 

AülFallebid und oft tauschend ist ääi 
Eiüflufs der gestörten Und unterdrückten Aus* 
dünstung bey Personen von sehr empfindli- 
cher, leicht schwitzender Haut ä\x( die O» 
gane dör Verdauung. Es giebt Personen» 
welche saures Aufstofsen Und Sodbrennen be* 
kommeu» sobald die Luft feucht und Uebhcht 
wird* Bey anderti äufsert sich auf Erkäl- 
tungen ein besodderer, hne Vorhergegan^' 
ginnen (jenufs scharfer Speisen» aUf einmal 
eutstehender schärfer, pfeiferartiger Geschmak 
im Halse und Munde» ein widriger» fieberhaf- 
ter Geruch ^us demselben^ eine belegte^ 
schleimichte y gelbo Zunge* Erfolgt die Er- 
kältung bald nach Tisch» ^o kann sie auch 
nach dem mälsigsten Genufs von Speise und 
Trank die Zufälle der Ueberladung heryot* 
bringen* tTin nicht durch viele Beyspiele zu 
ermüden > begnüge ich miöh hier nur zwey 
Anzuführen. Ich afs an eiuem t&iemlich kultett 
Wintertage Mittags bey einem benachbarten G» 
vallier auf dem Lande uttd war im GaUseti 
sehr leicht gekleidet^ bis auf denübergetyori^ 



- 47. - 

nen Pelz. Nach Tische führte er mich in den 
ungeheitzten Saal seiner, kleinen Bildergalle- 
rie, wo ich wohl eine Stunde verweilte, mich 
sodann in den Wagen setzte und abreiste. ' 
Schon unterwegs bekam ich einen heft'gen 
FieberfrOst niit ^Aufstofsen det genofseneil 
jSpeisen/ Uebelkeit und Neigung tarn Bre- 
chen, und kaum War ich m Hausse, so er-^ 
folgte letzteres wUrklich. Alle tor 4 Stunden 
genofsenen Speisen und Getrahke wurdet|. 
völlig unverdaut weggebrochen, und das Bre* 
eben liefs nicht eher naehi als bis der Ma- 
gen ganz leer War, Und ita Warmen FuT&badd 
und nach genommenen scbweirttreibenden 
Mitteln, staike Ausdünstung erfolgte. Ich 
schlief hierauf wohl I und war den ändern 
Tag, me zuvor, gesuntl. Ein starker Mann 
öfs Mittags eine ziemliche Portion gesottener^ 
ober beynahe schon ganz kalter Krebse > sein 
Lieblingsgerichte^ ohne alle Beschwerden für 
denselben Tag. Folgettdeli Morgen mlachte 
er einen starken Ritt, wobey er das Hemde 
durchschwitzte^ hielt Sich dann, ohne dasselbe 
2U Wechseln j eine geraume Zeit, in einer 
kalten gewölbten Stube auf, bekatn bald dar^ 
auf Schwindel, Uebelkeit und Brechen» Ein 
Von dem Bader des Orts gegebenes Brech- 
mittel^ leerte nichts als Si^hleim aus» Er be» 
fand sich hierauf wieder Wohl^ ^konnte aber 



. ^ 48 - 

geraume Zeit keine Krebse melir geniefsen, 
zum Beweis, daii unterrlriickt^ Ausdünstung, 
UuFerdaulichkeit und sogar die ge wonnliche 
^ Folge der IJeberladung, nemlicfa Eckel vor 
der Speise^ durch welche sie erfolgt ist, nach 
$ich iiehf. Personen, welche eine besondere 
Schärfe verdunsten > fühlen, auch wenn sia 
nichts Blähenjdes genolsen haben, sogleich ei- 
ne gewifse Anhäufung von Luft im Magen, 
sobald sie bey duftender Haut, vorzüglich die 
Brust, den Rücken, oder die Füfse e^ner -Er- 
kältung aussetzen« Noch mehr geschieht die- 
ses bey schwachem Dauungsvermtigen und der 
hiervon abhängenden Geneigtheit zu Blähungen, 
nach dem Genufs blähender oder mancher-» 
ley Speisen ^ und Getränke durch einander. 
Es sey nun, dafs hierdurch die Ga^arten^ 
welche die I^aut aushauchen sollte , bestlnunC 
werden,' «ich im Magen anzuhäufen, oder 
dals durch jene Erkaltung die zur Zeit der 
Verdauung statt findende natürliche Conge- 
stion der Säfte gegen den Magen .. widerna- 
türlich vermehrt, die Erregung dieses Or- 
gans ungewöhnlich erhöhet und hierdurch 
schon im Magen die Lufttheilc aus den Spei- 
sen entbunden werden, welche sich erst tie* 
(er im Darmkanal entwickeln sollten , so er- 
folgt hierauf eine mit dem Namen Magen* 
kramp/ oder Cardialgia belegte, höchst 

Scbmerz- 



^ 49 - 

schmerzhafte 'AnsdehauDg des häutigen Mt» 
gensacks« Diese hat xor unmittelbaren Folge 
eine Krampfhafte 9 der entbundenen Luft kei- 
nen Ausgang gewährende Verschlielsung dea 
obern und untern Magenmundes und eine 
hiervon abhängende höchst ufaangenehme span» 
' nende und drückende Empfindung zwischesi 
den Schulterblättern, welche sich oft beyden 
Schlafen und dem Scheitel mittheilt und bey 
ängstlichen Personen die Vermuthung erweckt^ 
als ob sie vom Schiagflufse bedroht würden« 
Dergleichen zu diesem örtUchen Leiden Ge^ 
neigte müssen sich vorzüglich hüteo^ sich 
mit dem Rücken ans Fenster oder eine nais« 
kalte Wand zu stellen 9 weil die unserem 
gröberen Gefühle oft kaum bemerkbare Luff 
bewegung , welche bey dem Zusammeiistofsen 
unseres wärmeren Dunstkreises und der 
äufseru nafskaltea Luft nothwei^djg statt Cn* 
det, die feinere Ausdünstungsmaterie von der 
Oberfläche zurückhält , und oft augen|>lick« 
lieh einen schmerzhaften Zufall hervorbringt! 
der, zum Beweise seines Ursprungs^ nach 
hergestellter allgemeiner oder örtliche/. Aus^ 
dünstung 9 bald und ohne alle Carminative^ 
mit dem die schnellste Erleichterung bringen« 
den Abgang der Luf^ nach oben und unten 
vergeht* - 

Das allgemeine tlebelbefinden und. h&ü* 

XIX. B. S.^t; ' . D ' 



- 5b i-. 

fige sErbrecheniy welches. 4|e Seekrankheit 
oharacteiiftiret, ist nach meiner' Beobachtung 
Tornemlich Fblge unterdrückter Ausdünstung 
durch feuchte^ kalte, umbuchte Seeluft. Das 
Schwanken des Schiffes und der oft unange» 
nehme Geruch auf demselben^ begünstigen 
zwar das BrecheUi sind aber keinesweges als 
Ursachen eines consensuellen Leidens anzu- 
tebeu, sondern es findet hier würklich Lo* 
eafaffection durch die zu verdunstenden Gas* 
arten statt« Sobiild Personeni die nicht ge« 
rade su örtlidien oder allgemeinen Schweiisen 
geneigt sind y der kühleren und feuchter«i 
Seeluft gewohnt werden , oder sobald sich 
jene zum Schweifs Geneigte warm kl^den, 
und durch warme Getränke oder andere die 
Ausdünstung befördernde Mittel in Schweift 
SU setzen suchen, verschwindet iauch die 
Seekrankheit. . 

Ein anderer Zufall, der gewöhnlich in« 
neren Ursachen z« B. Anhäufung von Win- 
den, von Unyerdaulichkeit zugeschrieben wird| 
ist das Austreten der Bruche. Dieses ereig« 
net sich yorzUglich auf Erkältung nnd Er- 
näTsung der Fülse. Der Bauchring ^eht sich 
krampfhaft zusammen und die Reposition wiid 
unter solchen Umständen durch LaxanzMi 
durch reitzende, die Säfte von der Oberfläche 
noch m6hr nach dem Darmkanäi leitende 



^ Si ~ 

Klystiere, ftufserst erschwert und blos durch 
schweifstreibende Mittel, warme Bäder uad 
Einreibungen von Oel, vom flüchtigen Li*» 
niment, von Opiatsalbe an der leidoi^deil 
S teile er leichtert. * 

Wer weifs nichts dals die schmerzhafte« 
sten Dysurien und $traDgurien sehr oft rfaett* 
iQatischer Natur sind und einzig von unter* 
drückter Ausdunstung herrühren? Idi habe 
sie i)los von Erkältung der Schaamgegend 
durch zu kurze Beinkleider» und zu kurze^ 
oder sich bey einem dicken Bauch in did 
Höhe ziehende Westen entstehen sehen ^ lUnd 
sie glücklich gehoben durch Erwärmung der 
Blasengegend und schWeifstreibende Mittel. 

Hypochondrie und Hysterie finden, wa 
nicht ihre Entstehung« doch wenigstens ihre 
Unterhaltung, in der gestörten oder unter* 
drückten Function der Haut, deren krampf* 
hafte Ver^chliefsung mit Fieberfrost bey al« 
len hypochondrischen und . hysterischen An* 
fallen unverkennbar ist. So wie diese wiedet 
feucht wird und der Schweifs ausbricht, err 
folgt auch augenblicklich Erleichterung. 

Noch auffallender ist der Antheil, den die 
Haut an' allen BlutÜüfsen nimmt Eine mit 
Fieberfrost eintretende allgemeine Trocken« 
heit und Kälte derselben verkündiget jeder« 
zeit den beginnenden Andrang dea Bluta you 

Da 



der Oberfläche nach den inneren Thpilen.- 
Dieser ist desto gröfser und anhaltender, Je 
uncultivirter und undurchflüfsiger die Haut 
is( 9 und je länger Erkältung auf sie gewürkt 
hat. Die Anwendung aller so genannten 
Blutstillenden adstringirenden und kühlei^den 
Mittel ist fruchtlos, wenn man nicht im Stan- 
de ist, den Hautkrampf durch Opium, schweifs- 
treibendje ^Mittel , warme Bäder und warmes 
Verhalten zu heben und eine freye Ausdün^ 
stung herzustellen» Bey der Melaena und 
dem f^omims cruentus verdient dieses Ver* 
fahren VQrzüglich alle Berücksichtigung, die 
abführende und Klystiermethode, wodurch 
man das coagulirte, faule Blut fortzuschaBvsn 
gedenkt, hingegen die 'möglichste Einschrän- 
kung. 

Die in unseren Tagen immer allgemeiner 
werdenden, Unrichtigkeiten der monatlichen 
Reinigung und die grofse Geneigtheit zu Mut- 
terblutflüfsen^ selbst bey noch jungen ünyer* 
ehelichten Frauenzimmern, baten ihren vor-<^ 
züglichen Grund in einem zu kühlen, die 
Blutcongestion nach deni Uterus begünstigen* 
den Verhalten. Eine an sich festere und unr 
nadfagiebigere iSubstanz des Uterus , kann 
durch die auf diese Art beständig unterhalb 
tene ortliche Voliblütigkeit *ogar die Ursa- 



— C5y ^ « . 

cbe der Unfruchtbarkeit, des oftern Aborti- 
lens^, des Scirrhus und Carcinonis werden. 

'Bey Hämorrhoidalbeschwerden sind, au- 
fser der erblichen Anlage , vorzüglich -der 
Mifsbrauch des KaEFees, Weins und'andenrer 
geistiger Gelränke, des PfeflFers und anderer 
Gewürze in ' Anspruch genommen worden, 
und würklich verdienen sie dieses als Lokal« 
reize, welche bey übrigens kühlem Verhal- 
ten eine Blutcongestion gegen den Darmka- 
nal veranlassen können. Hingegen schaden 
sie bey freyer Aus«]ünstung gar ifichts. Zur 
Bestätigung dieses dient die ungleich gßfin- 
gere Anzahl srolcb er Kranken in wärmeren 
Ländern, wo gleichwohl Gewürze und geistige - 
Getränke in weit reichlicherem Maafse, als 
bey uns'genofsen werden, und die Bemer- 
kung, dafs jede Erkältung der Oberfläche, vor- 
züglich aber der Füfse, bey Personen, die 
an diesem U^bel leiden y' den Andrang des 
Bluts nach dem Mastdarm, das mit Jucken 
und Brennen verbundene Anlaufen der Ha- 
morrhoidalknoten und den Abgang de« Ha- 
rn orrhoirlalschleims oder HämoTfhöidalblutes 
begünstiget. Solche Kranke miissen haupt« 
sächlich auf Verwahrung der Füfse durch di- 
cke schaafwoUene Strümpfe, auf Vermei-, 
düng jeder Diirchnäfsung der Schuhe und 
Stiefeln, und überhaupt au jeder Jahreszeit 



auf^^arme' Kleidung s^hen, Aufserdem aber 
verdient bey ihnen eine sie täglich in reichli* 
ehe Ausdünstung setzende Bewegung den 
Vorzug vor allen scbweifstreibenden Mitteln« 
Jch kenne Personen ^ die zu HömorrKoiden 
geneigt siod, und bey gegebener Veranlassung 
würklich daran leiden, welche von ihrea 
oft höchst ermüdend scheinenden Spaziergan- 
gen und andern Bewegungeiv, z. B. dem Au^ 
schlichten ganzer Holzstörse, oder Stunden« 
lang fortgesetzten Holzsägen , mit einem aliei 
Hämorrhoidalleiden verscheuchendan , sich 
über ihren ganzen Körper verbreitenden Ge« 
fühl der Leichtigkeit und des Wohlbejfindens 
auf ihre Stube zurückkehren, und, nachdem 
sie ihr vom Schweifs nasses Hemde mit ei- 
nem trbckenen gewechselt haben, mit gröls» 
tem Vergnügen an ihre Geistesarbeit gehen 
und den gesundesten Appetit zu Speise iind 
Trank zurückbringen. Bisweilen erfolgt je« 
doch jene Erleichterung nicht so geschwind, 
un^ dieses, ist besonders dann der Fall» wenn 
"Wochen und Monate lang anhaltende £i^ 
kältungen vorhergegangen sind. Ein junger 
Mensch suchte sich von seiner Anlage za 
Hämorrhoiden durch den Oebrauch kal* 
ter Fufsbäder zu befreyen. Fr brauchte 
diese täglich, und noch zu Ende des Octo« 
bers und Anf^mg des NoTembers« Schon die 



— 55 — 

gröfste Ueberwindoogt Welches es ibm jedesmal 
kostete, die Eiskruste am Ufei^ des Flusses . 
zu durchbrechen und sich in das ihm gänzli* 
che Erstarrung drohende Wasser zu stürzen, 
hätte ih^ warnen sollen , der Natur zu trot« 
zen; aber^ der Gedanke, sich von seinem Ue« 
bei zu befreyen und sich zugleich auf engK^^ 
sehe Art zu stärken , machte ihn muthyolL 
Er bekam hierauf endlich die allerschmers» 
haftesten Härmorrhoidalanfälle, wobey er 
weder liegen, noch sitzen, noch stehen konnte 
und zu allen Arbeiten unfähig wurile. Auf 
mein Anrathen mu(ste er täglich, so warm 
wie möglich gekleidet, einen so starken Spa- 
ziergang vornehmen, dals et jedesmal durch« 
aus schwitzte und das fiemde zu wechseln, 
genüthigt war, und so wurde ohne ^ allen Ar« 
zeneygebrauch , nach iQ bis i4 Tagen daa 
durch eine so lange unterhaltene^ Congestion 
aufgehobene Gleichgewicht zwischen den 
Pfortader- und Hämorrhoidalgefalseii und der 
Oberfläche des Körpers, mit allmählicher Ver- 
achwindung der sehr starken und ganz ent« 
zündeten Hämorrhoidalknoten, hergestellt. 

Eben so wie Ausdiinst^g und Hämoiw 

rhoidalandraog im wechselseitigen Verhaltnifsa 

durch Lokalschwäche und Örtßche vermehrte 

, oder verminderte Eiregung stehen, sind auch 

Fersonen, die ap Schwache 4^ lamgen lei- 



— 56 -r 

dehy Blutspeien und Bluthusten' mit unter« 
drückter Aus'iün^tung gepaaret. Vorzüglich 
ist dieses der Fall bey Frauenzimmern, die 
^urrh üble Bildung der Brust, erbliche Dis- 
position öder durch beständige Gatarrhe eto. an 

. Schwäche der Lungen leiden uuci durch leichte 
Kleidung und Erkältung der Füfse die monatli- 

' che Periode Tinterdrücken , oder in Unordnung 
bringen. ' Sie bekommen nach vorhergegan- 
genem trocknen Husten oft beträchtliches 
Blutspeien, quälen sich mit dem Gedanken 
d^r Lungensucht und Auszehrung , weil sie 
dabey ungemein abmagern, genesen aber in 
kurzer Zeit beym Gebräuche der Fufsbäder, 
warmer- Kleidung und die Ausdünstung her* 
stellender Mittel. 

Harte, sich weij: ins Früh/ahr hinein zie- 
hende Winter, welche das wohlthätige Aus-/ 
dünstubgsgeschäfte oft über ein halbes Jahr, 
vorzüglich in den kalten, feuchten und nie 
gelüfteten Stuben der ärmeren Vdlksklassef 
bey gänzlichem Mangel der Bewegung unter- 
brechen, haben Beulen, Krätze, die Crusia 
laceea selbst bey Erwachsenen, und andere 
oft unter keinä der bekannten Gattungen der 
chronischen Hautübel zu brigendo Ausschlags«* 
arten zur Folge: Sie werden unbeswinglich 
bey fortgesetatem kalten Verhalten und 

-Mangel der Bewegung. E$ entstehen debey 



unerträgliches Jucke;i -und ödertiätöse Ha'utge- 
schwülste, vwoil die stockieiiden Säfte keinen 
Ausweg findeo. Vorzüglich werden* die 
Flechten ein duFch alle So genanpte blutrei- 
riigf'nde Jdittel unüberwindliches Uebel, so 
lange; die Haut nicht durch warme Bäder er- 
öflFhet wird. Am würksamsten zeigt sich un« 
ter letzteren die Abkochung des Antimonial- 
scbwefelkalks. Oelichte Einreibungeft hin- 
gegen würken blos palliativ/ Sie verstopfen 
die Haut, hindern hiedurch den Absatz der 
8chä<Uichen Feuchtigkeit auf derselben und 
führen nie zum Ziele» • 

Wie viele Hindernisse und Gefahren in' 
der antiveneriscben Cur ein zu kübles, die 
Säfte 'vpn der Oberfläche abhaltendes Verhal- 
ten habe, ist selbst dem gastrischen Arzte 
nicht unbekannt. Nun yerschheist et sichy 
aeiner. Methode unbedingt huldigend, die 
Sinne, dals er bey aller Empfehlung eines 
warmen Regimen», gleichwohl die mit dem- 
selben im Widerapruehe stehenden Putgirmit- 
tel anwendet^ und da^ Symptom der Saliva- 
tion über alles fürchtend, das Quecksilber 
oft gar nioht zur Aufnahme der Saugadern 
gelangen lälst, sondern sogleich wieder durch 
den Darmkanal abführet. Zeigt sich auch un- 
ter solchen Umstanden oft eine günstige Ver- 
änderung, so ist diese doch von keineir Dauer 



^ — 58 '— 

und Torschwäidet wieder, soybald die Säfte 
durch abführende Mittel von der Oberfläche 
abgeleitet worden sind. Die yenerischen Ge- 
achwUre werden dann wieder «peckicht, mifs« 
larb'g und schwielicht in ihren Rändern, oder 
ergiefsen von neuem eine um sich fressende 
Jauche« Es entstehen von neuem aller)ey 
luiruriirende Auswüchse, Tophiy Knochen« 
schmerzen u. s. w... Der ausserordentlichen 
Kausticität des Gifts wird es nun zugelschrie» 
ben,' dafs die Hartnäckigkeit des Uebels an 
die Unheilbarkeit grenzt; da doch im Grunde ^ 
die Schuld an nichts anderm liegt, als. daf^ 
man das Quecksilber nicht zur Würksamkeit 
kommen läfst .und seiner unangenehmen 
Wtirkung au^ die Speicheldrüsen auf kein« 
andere Art ^u begegnen w.eifs. 

Rachitis' und Atrophie finden ihre Ent«* 
stehung vorzüglich in Unterlassung der Rei<p 
nigung und Stärkung der Haut durch Aeilsi* 
ges Waschen und Baden, In jener' Krank- 
heit ist die Haut schlaff, in dieser trockeni 
zusammengeschrumpft und duftlos. In beiden 
zeigen sich, der Ursache analog, Bader und 
auf die Haut würkende Mittel' von ausg#- 
seichnetem Nutzen. ^ ^ 

Die Verhärtungen, Entzündungen nnd 
Vereiterungen der weiblichen Brüste rühren 
sehr häufig von Erkaltung durph daa Blo£i- 



- S9 - . 

tragen der Brust, welches* die Mode beEehli;^ 
oder durch nächtliche Eotblofsung her, und 
sind unbesvfihglich ohne EiVärmung und Ber 
Förderung einer freyen Ausdünstung dieser 
Theile. Das Ueb elbefinden der Säuglinge^ 
ihre Koliken, ihre widernatürlichen, scfalei«' 
michten , grünen , gehackten Ausleerungeui 
ihre convulsivischen Zufälle u. s, w. , sind 
sehr oft Folgen von dem aufjgehobenen Mi- 
schungsverhältnifse und der Zflirsetzung 
der Milch in den Brüsten, durch die 
in Gas - oder Schweifsform ihren Aus* 
weg suchenden, aber durch obiges Verhalten 
zurückgehaltenen reitzenden Stoffe, 

Endlich hat wohl die die Gesundheits« 
Constitution unseres Zeitalters soauffallendcha- 
racterisirende Geneigtheit zu Krämpfen, ih* 
ren gewöhnlichsten und wichtigsten Grund 
in der vernachlälsigten Ausdünstung, Die 
Gonvulsionen der Kinder sind in 4en mei« 
sten Fällen dieses Ursprungs, noch mehr aber 
die immer mehr überhand nehmenden Jirampf- 
haften und epileptischen Anfälle unserer mo- 
dernen Diamen, . welche statt der, bey allen 
Nachtheilen, den Oberleib wenigstens ror 
Erkältung sichernden SchnUr brüste, statt der 
doppelten und dreifachen Unterröcke, auf 
einmal niqhts als ein dünnes baumwollenes, 
oder seidenes Spinnenwebegewand auf dem 



— 6o — 

« . 

Hemde tragen , und durch ein~ eben so leich- 
tes, ihre gantze Gestalt verstellendes und un- 
förmlich machendes Halstuch, die Stelle 
des Mantels oder gar des Pelzes ersetzen. 
Der allgemeine HautkrampF, mit welchem ihre 
Gonvulsivischen Anfälle gewöhnlich eintreten, 
beweist sattsam den muthwilHg verkannten 
Grund seiner Entsehung von Jahr aus Jahr 
ein unterdrückter Ausdünstung und Absetzung 
der reitzenden Stoffe derselben auf ihr an 
sich äufserst bewegliches Nervensystem. 

Ohngeachtet die Frage : . ff^ie ist d^n 
Volgen der gestörten und unterdrückten Aus^ 
dünstung vorzubeugen und abzuhelfen? vol 
dem bisher Gesagten schon gröfstentheils bä- 
antwortet worden ist; so glaube ich hier den- 
noch eins und das andere die Präservatiön 
und Cüi^ betreffende noch besonders beyfti- 
gen zu müssren. Es war sicher ein zu gewag- 
tes Unternehmen der neuen Erziehungs- 
methode, die Nachkommenschaft einer höchst 
Verzärtelten Generation auf einmal nach Art 
der alten Deutschen abhärte^ und gegen alle 
Veränderungen der Atmosphäre ünempfind- 
' Jich machen zu wollen. Die durch Kleidungs- ' 
stücke, welche bey den alten Deutschen 
gröfstentheils wegfielen , ohnehin schon ver- 
wöhnte/Haut und durch den Luxus unseres 
Zeitalters schon ^rblioK gewordene KräoUicb« 



~ 6i — - 

keit derselben, konnte eine so gewaltsame 
Umstunmung nicht ohne andere > Nach^heile 
für die Gesundheit aushalten. Das kalte Ba- 
den ganz zarter Kinder , das Entblöfsen des 
Halses und der Brust selbst in der strengsten 
Kälte, das verstattete Barfufslaufen im Schnee '^ 
u. s. w. mnisten Anginen, den. Group, die 
unter den sonderbarsten Gestalten verlarvten 
rheumatischen, und gichtischen Beschwer« 
deti etc. in dem sonst fast ganz daron be-^ 
freyt gewesenen Alter der Kindheit herbej- 
führen... Dabey trugen die meisten auf diese 
Art erzogenen Kinder, wie matf doch nach ^ 
einer solchen Abhärtung hätte erwarten sollen^ 
nichts weniger als äufsere Merkmale .wahrer 
Festigkeit, Muskelkraft und blühender Ge*- 
sundheit an sich, man hätte denn das in der 
Sonnenhitze gelb gewordene und mit Som- 
mersprofsen übersäete Gesicht^ und -die blau« - 
rothe Farbe der halb erfrornen Hände und 
Füfse etc. dafür ansehen müssen. Nie lie£i 
sich die Natur ^ nach den Erfahrungen aller 
Zeiten, gewaltsame Fesseln anlegen und im<* 
mer war derjenige ihr glücklichster Nachah« 
mer, der sichs zum Gesetz machte, jedes Ex- 
trem zu fliehen. Zu warm und m.kaU mufii 
gleich nachtheilig auf die Gesundheit ^ de« 
Kindes , wie des Erwachsenen würken ) Kur 
Schwäche aus Mangel an Reitz und durch lieber» 



, « 6fl- — 

reitsung führen. Hing^en werden lleirsiges 
Waschen der an die freje Luft zu gewöhnen^ 
den Theile^ des Gesichts und der Händoi 
' mit kaltem » , der übrigen bedeckten Theile 
mit lauem Wasser ^ lauwarme Bäder/ eine 
dem l^ma/ der Jahreszeit und Wittterung 
/angemessene luid jeden Eindruck einer 
schnell auf den Körper würkenden Verände« 
rang der Luft abstumpfende und unwUrksam 
machende Kleidung, Vermeidung jeder über- 
triebenen Bett- und Stubenwärme , x warmer 
wässerichter Getränke^ ohne bittere , aroma- 
tische Kraft, und die Benutzung einer dtf 
besondern Constitution und der gröfsern odiar 
geringem Neigung zum Schweifs angemei- 
Kenen Bewegung in iPreyer Luft, dazu beitrat 
. gen, unsere Haut von Kindheit an gesund, 
gegen die schädlichen Einwürkungen dar 
ättlsem Luft WMiiger empfindlich mid in 
wechselseitiger Harmonie mit den inneren 
llieilen des Körpers zu erhalten. Wo aber 
die Haut schon mehr oder weniger yefdor- 
ben ist, und an ihrer gesunden Spannung 
und Festigkeit gelitten hat, da ist noch fol« 
gendes Verfahren zu beobachten , um sieh 
?or den n^aih^herley Beschwerden zu sichern, 
die von der krankhaften Beschaffenheit der 
Haut und dem dadurch aufgehobenen Gleidu 
gewicht zwischen der Oberfläche und den üh 
nem Tbeilen herrühren» Ist die Hant mit 



^ 63 ^ 

Sdiiefer tutd birsönföripigeu Unebenheitea 
oder Knötchen bedeckt und sind in den 
Hautporen schwarze Punkte sichtbar; so ist 
^s nöthig, den Körper mittelst eines FlaneHs 
mit lauvlrarmen Seifenwasser thßilveise zu 
waschen oder yielmehr zu reiben. Sobald 
hierdurch, die Haut völlig rein und gangbar 
geworden ist, bedient man sich des mälsig 
kalten oder überschlagenen Wassers , um ditT 
Haut zu stärken und ihr eine gleichere Span- 
nung zu, verschaffen. Nur mufs man sich 
dann hüten, ^dazwischen wiedei: wami zu wa-» 
schen^ weil hiedureh die Haut bald erschkfft^ 
bald angespannt, die Ausdunstung bald zu 
.sehr befördert, bald zu sehr vermindert^ und 
die Haut nie an eine gleiche Wiirksamkeit ^ 
un4 Thätigkeit gewöhnt wird. Nächst dem 
Waschen verdien^ hier aber vorzüglich der 
Gebtauch der Bäder empfohlen zu werden^ 
deren Temperatur jedodi kühler, "als der im 
Alter der Kindheit anzuwenden $tyiL, und 
der eines von der Sonne beschienenen FlulsHa 
gleich kommen muls; Durdi sie wird so 
viel bewUrkty dafs wenn beym Waschen nur 
in einzelnen Stellen der Haut die Spannung^ 
derselben verändert,« die Thätigkeit der Ge*. 
fäfse und Nerven angeregt wird, dieses nun 
gleichzeitig in der ganzen Oberfläche ^e& 
KörpM>s geschieht) indem nun mit . einem 
Mahle die Säfte von den. £Miein HautgefSise 



- 64 - 

gegen ibce Stämme und das Herz, und mit einem 
Mahle von dem darch den Andrang des 
Bluts zur stärksten Zu^ammenziehutig gereitz« 
ten Herzen wieder in die Verästungen der 
zartesten HautgefäTse zurückgetrieben werden* 
Ein so schnell bewürkter Trieb der Säfte von 
aulsen nach innen ^ und von innen nach 
aufsen, mufs aber nothwendig die Stockua- 
gen in den feinsten Adergeüecht^n hebeo, 
die Wechelswürkung der Oberfläche iCnd Jter 
inneren Theile ins Gleichgewicht bringeoi 
hierdurch X eine Leichtigkeit und das Gpfühi 
der allgemeinen Restauration zuriioklassen. 
Mit dieser - Hautreiuigung mufs ferner eine 
' ihr angemessene Reinlichkeit der Wasche 
und Kleidungsstücke verbunden sejm» wenn 
sie ihrer heilsamen Absicht ganz entsprechen 
und nioht eben^so wenig nutzen soU^ als .der 
Schweifs des Landmanns^ und seine Miiskcl* 
kraft änsti^ngendeKn Profession is ten ,, welche 
durcK ihre Arbeit die Haut zwar von i^nen 
nach aussen durchllülsig machen ^ aber da- 
durch, dafs sie das Hemde immer wieder auf 
der Haut trocken 'werden lassen ^ und" nie an 
4ie Reinigung ihrer KleidungsstiicTLe^denkeay 
jederzeit wieder das Verstopfen der Hautporen 
durch Scfamurzuod Staub verstatten. Denn Hern« 
den^ S trumpf e> Nachtmützen oder alle unsere 
Haut unmittelbar bedeckende Kieidun^sstückey 

neh- 



- 65 - 

nehmen die in' 'Gasform der Luft: Preis zn 
gebenden schädlichen Stoffe auf^ und werden 
dadurch mehr, oder weniger feuchr. Dt*r sich 
den ganzen Tag auf uqs in reichlicher Menge 
absetzende^ nur iih Sonnenschein in der Luft 
zu bemerkende Staub , bleibt nun in der 
feucht gewordenen Wäsche kleben und diese 
wird im kurzen völlig, unbrauchbar, mehr 
Ausdünstungsmaterie aufzunehmen. Letztere 
jnufs sich mithin auf die Haut zurückwerfen« 
von dieser wieder resorbirt werden und h\x£ 
der keiner weiteren Entledigung stockender 
Feuchtigkeiten verstattenden Oberfläche, mufs 
nun der gewöhnlich unter^lrückte Hang zu 
der Erleichterung und Erquickung sich äufsern) 
die eine fri&che, trockene Wäsche liber den 
ganzen Körper zu verbreiten pflegt* Eben 
dieses gilt auch von ded Bettüberzügen und > 
Betttüchern, vorzüglich bey Personen» die zu 
nächtlichen Schweilsen geneigt sind« Diese 
können nach Heifsiger Erneuerung derselben 
auf einen weit erquickenderen Schlaf rechnen^ 
als ausserdem in einem von Schweifs, gesättig, 
ten> alle Ausdünstung auf sie zurückwerfenden 
Bette statt finden würde. Endlich ist noch das 
tägliche Ausklopfen uiid Auskehren der übri« 
gen Kleidungsstücke und die Bescha£Penheit 
derselben in Rücksicht ihrer Schwere und 
Leichtigkeit^ kein gleichgültiger Gegenstand 

X}X. B, 3. St..' .. E 



- 06 - • 

der Hautreinigung und Unterhaltung einer 
frejen Ausdünstung. Der Staub, welcher 
zuerst auf die^lben abgesetzt wird, dringt 
durch die Kleider auf das Hemde ein und 
verstopft, vom Thau, Regen öder Schnee be- 
feuchtet, alle die feinen OeiFnungen ihres Ge- 
' wehes, welche selbst durch das dickste wollene 
Tuch den zu verdünstenden Gasarten den 
Ausgang, so wie den unserer Oberfläche UDr 
entbehrlichen belebenden Lufitheil den Zih 
tritt verstatten. Die Beschaffenheit derselben 
aber ist gewöhnlich unserem äufserst veränder- 
lichen Klima nicht angemessen und steht 
nicht im iVerhältnifs mit der gewöhnlichen 
Stubenwärme. Dsus weibliche Geschlecht geht 
im Ganzen, das männliche im Sommer zu 
leicht, im Winter zu schwer gekleidet. In 
Leibpelzeh und dicken Kalmuckröcken, wel- 
che nicht abgelegt werden können, schwitzt 
man im geheitzten Zimmer und setzt sich 
dann beym Austritt aus denselben auf einmal 
der Erkältung aus. Am angemessensten blei- 
ben daher, hier Ueberkleider, Mantins^ Män- 
tel, Pelze, die man beym Eintritt in das 
Zimmer ablegen kann, und die, wenn man 
im Schweifs ist, beym Aust;ritt aus demsel- 
ben jede schnelle Unterdrückung der Aus- 
dünstung verhüten. 

Hat Jemand, dem eine immer gleicht 



^ ■ - 67: •- 

Ausdünstung^ eine immer gleich duftende 
Haut, als Folgen ihrer Kultur, ^er Energie 
des HerzeBs, der Stärke des Verdauungsver- 
mögeos und überhaupt eines gesunden und^ 
^ dauerhafte!^ Körpers, eigen sind, seine Ge<* 
müthsruhe durch unangenehme Leidenschaf« ^ 
ten gestört 9 oder die Säfte durch ausleeren4e 
Mittel von der Oberfläche abgeleitet I oder 
sich einer kalten^ trocknen Luft ausgesetzt^ 
oder die Unvorsichtigkeit begangen, lang© in 
der Kälte gelegene, nun auf der warmen 
Haut zu schwitzen anfangende und die Obet!'* 
fläche durch kalte Nässe alterirende Wäsche 
oder Kleidungsstucke anzuziehen, oder mit 
leichter Kleidung lange in der Kälte zu ver« 
weilen etc; : so wird ihm eine völlige Tro- 
ckenheit und krrampfbafte Verschliefsung der 
Haut bald auf das bevorstehende Uebelbefin- 
den aufmerksam machen, dem er, bhne ein 
die Ausdünstung wieder herstellendes Ver- 
halten unterworfen seyn wird. Aufheit<;rungy 
ein warmes Bad, und nach demselben^Reiben 
des ganzen Körpers mit einem. Flanell^ wär^ 
mere Kleidung, starke Bewegung, ein warmes 
aromatisches oder geistiges ^ auf die Haut 
würkendes Getränke, werden hier die sicher« 
sten Präservative «seyn« * 

. Ungleich mehr Aufmerksamkeit^ als die 
natürliche I , sogenannte unmerkUeh^ Ausdiit^ 



— 68 — 

stungj. Yerlangt die Unterhaltung solcher 
Schweifse,. die entweder durch Ver^artelang 
und üble Gewohnheit uns von früher Jugend 
eigen geworrlen sind , oder welqjie die Natur . 
als Wohlthätige Entledigungen ' besonderer 
schädlicher StofFe bey vielen Personen in 
Gang gebracht hat. Diese Schweifse sind 
entweder allgemeine^ oder örtliche. Jene 
haben ^ aufser ihrem widrigen Geruch, 
das Chairactei istische) dafs die Natur ihren 
Ausbruch immer mit besonderen Bewegungen 
und vorzüglich durch eine gewifse Unruhe im 
Arteriensysteme Veranstaltet, dafs ferner die- 
ser Ausbruch immer 2U einer bestimmtMi 
Zeit 2. B. nach Mitternacht , in einer Hem- 
den und Betten durchnässenden Meng^ er^ 
folgt) und von dem Gefühle der Leichtigkeit, 
Munterkeit und Stärke begleitet ist. Welches 
bey schädlichen Schweifsen, die vielmehr 
Mattigkeit und Uebelbefinden 2ur Folge ha» 
ben^ ganz Wegfällt. Noch mehr, als die all- 
gemeinen Schweifse, zeichnen sich die örtli- 
chen durch ihren specifischen , widriges 
Geruch aus« Wie manches schöne Frauen- 
:dmmer Wird nicht durch den hälslicli riechen- 
den, Öfters dem Katzenurin vollkommen 
gleichenden und bisweilen noch äbertre£Fende& 
Schweifs unter den Achseln unausstehlich. 
Die Earbe der KUidungistücke wird an die- 



~ Cg - ., 

sen Stellen oft mehr, als von dem scljiärfsten 
Urin verändert, und sie werden daselbst im 
kurzen so mürbe und durchlöchert , als ob 
sie von mineralischen Säuren angegriffen 
wären. Eben so hat der Fufsschweifs man« 
eher Personen einen völlig faulen, cariösen 
Geruch, und die Natur scheint hey ihnexi 
die Füise zu Abieitern eines ganz eigenen 
schadhaften Stoffs aus dem Körper gemacht 
zu haben. Die Strümpfe faulen ihnen bej- 
nahe von den Füfsen und $ie sind genothiget* 
um dieses zu verhüten , und nicht im Um-* 
gange höchst lästig zu werden, sie täglich 
mehrmals zu wechseln oder immer Stiefeln zu 
tragen. Die gewöhnlich schwielichte Haut 
der Fufssohlen , nimmt von der beständigen 
IsTässe und Schärfe dieses Schw^ifses eine so 
widernatürliche Weichlichkeit und Empfind* 
lichkeit an, dals ihnen oft schon das Auftre« 
ten auf scbleohtem Steinpflaster empfindlich 
fällt und^ie gewifs erkranken^ vvenn,j$ie durch 
Umstände genothiget werden i nur einige 
Stunden in seid^ien Strümpfen und in Schu- 
hen zu erscheinen* Jede kohle Luft, die ihre 
Füise bestreicht, jeder kalter mit £stricb oder 
Steinplatten belegte Fufsboden^. die noch 
feuchten Dielen eines gcf^ratchenen Zimmers u. 
s. w. sind bey ihnen sq im Stande, die un«- 
angenehpisten Gefiilile. durch, den ganzen 



— 70 — 

Körper m verbreiten, Kopfschmerzen, Beklem« 
mung der Brust, • Magenkrampf, Uebelkeit, 
Brechen, theumatische Schmerzen u. s. yt. 
Bu veranlassen« So lästig daherauch dergleichen 
ortliche und allgemeine Schweifse seyn mö- 
gen, so erfordern sie doch die sorgfältigste 
Schonung und Abwartung, die fleifsigste Bei* 
nigung der Haut durch laues Waschen und 
warme 'Bäder , schnelles Abtrocknen nach 
dieser Reinigung mit warmen TücherB, 
den öfteren Wechsel der mit den schäd- 
lichen Stoffen der Ausdünstung gesättig- 
ten, mit reiner und vorzüglich im Winter zu- 
vor durchwärroter Wäsche. Ueberhaupt aber 
müssen sich solche Personen wärmer , als an- 
dere' kleiden und hauptsächlich von den ge- 
strickten oder gewirkten schaaf wollenes 
Hemden, Kamisölern, Strümpfen etc. Ge- 
brauch machen^ welche durch eine zufallig 
wohlthätig gewordene kaufmännische Speeu- 
lation neuerlich unter die /Modeartikel auf- 
genommen worden sind und um so mehr 
Empfehlung verdienen, da sie vermöge ihrer 
Nachgiebigkeit und- Dehnbarkeit, den Nach* 
theil anderer enge anliegender Kleidungsstücke 
nicht haben , welche die freye Thätigkeit iif 
zu* und zurückführenden Gefafse hinderO) 
und hierdurch, wenn sie auch noch- zu dick 
sind,, die Ausdünstung stören und hemmeo, 



daher e^ denn kommt ^ dafs z. B. mit den 
'^ dicksten^ Strümpfen in engen Stiefeln die 
Füfse erkalten u. s. w. Wind, Zug und jede 
scharfe und . strenge Luft müssen sie mehr 
als andere Personen fliehen , und wenn ihre 
Füfse im Regen, Thau, Koth oder Schnee 
durchnäfst worden sind, sie bald wieder ab- 
zutrocknen ;. durch Fulsbäder zu . erwärmen 
und durch gewärmte schaafwollne Strümpfe zu 
jeder Jahreszeit, im Sommer aber durch ge- 
wichste, im , Winter durch Fik- oder Pelz- 
stiefeln noch besond^s warm px erhalten 
suchen. 

In Rücksicht der Präscfrvation durch in- 
nerliche Mittel und der Heilart solcher Krank- 
heiten, welche von unterdrückter Ausdün- 
stung entstehen ' oder ihre Krisen durch' die. 
Haut maphen, verdienen hier die zum Theil 
schon berührten Nachtheile der ehemaligen 
gastrischen und antiphlogistischen Methode 
noch einer besondern Erwähnung.. Beinahe 
glaubte man sich gegen alle IQrank.heiten 
durch ahfuhiende Mittel sichern oder ihren 
Verlauf wenigstens dadurch abkürzeJd und ge- 
fahrlos' machen zu können, und achon schmei- 
chelte man sich euch in den bedejaJüichsten 
Krankheiten halb gewonnenes Spiel zu haben, 
wenn die sinkenden Kräfte nur noch so 
viel Zeit übrig lielsen, die ersten Wege zu 



~ 7« — 

reinigen. Alle Krankheiten der «Oberfläche 
suchte man durch den Darmkanal ahzuleiten, 
jeHem unbedeutenden Ausschlag des Kop£i 
und d'^r (laut, jVder von Schwäche herrüh- 
renden Enr7Ündung und Schwärung der Au- 
gen zarter Kmder, federn bevor^-teh enden An- 
fall ron Gicht, Jeder sich io der Näho äulsem- 
den Epidemie etc. mit Ahfiihningsmitteln in 
begegnen. Allein man bewürkte dadurch in 
den meisfen Fällen gerade das Gegentheily 
momentane Verschwindung mit harrnfickige- 
rer Rückkehr des Uebels, Ausbrüche der 
Gicht, satt Verhütung derselben, langsamere, 
trägere, unvollkommenere Eruption der ver- 
schiedenen Exantheme und einen weit be- 
schwerlicheren VerlHuf etc. zum Beweis, dafs 
nur der Otganismus der Haut, nicht aber der 
des Darmlcands, zur Ausführung flüchtiger 
KrankheitsstolTe geeignet ist, und dafs warme 
Bäder ein ungleich sichereres und nützlicheres 
Vorbfluungs* und Vorbereitungsmittel, als 
Laxanzen gewesen wären, Bey der Behand- 
lung hitziger Krankheiten selbst , hfitte die 
Beobachtung, dafs sich diese in den allermei- 
sten Fällen durch Schweifs entscheiden , die 
Aerzte schon allein auf die Würkung nach 
der Haut aufmerksam machen und sie bewe«' 
gen sollen, den antiphlogistischen Apparat 
nur auf die selteneren Fälle wahrer Sthenie 



- 73 - 

einzuschränken, ron Abfühmngsmitteln aber 
in hitzigen exan thematischen Krankheiten g&r ^ 
keinen Oebrauch zu ihachen. Denn die hitzi* 
gen Exantheme mögen nun als Afterorganisatio« 
nen, oder als Ablagerungen eines schädlichen 
Stoffs auf die Oberfläche unseres Körpers an- 
gesehen werden: so wird ihrer Ausbildung 
und ihrem Verlauf durch Ableitung der Säfte 
nach dem Darmkanal offenbar entgegengewiirkt* 
Der Natur dieser Krankheiten ungleich an« 
gemessener war daher die Schwitzmethode 
der Vorfahren, ohhgeachtet auch sie durch 
Uebertreibungen ausartete, Ihre 'obsolet ge-, 
wordene Mixtura nmplex camphorata ver«. 
dient inzwischen nach meiner Erfahrung un- 
ter allen die Ausdünstung befördernden Mit« 
teln den Vorzug, und entspricht in Verbin- 
dung mit Laud. liq* S, oder der Tinct^ theK 
io den allemi eisten Fallen vollkommen dei^ 
Absicht, In Diarrhöen, Rheumatismen * Ca» 
tarrhen, Verblassung der Hautausschiäge u. 
s. w. hat sie mir Überaus oft die schnellste 
Hülfe geleistet, und da noch -auf die Hantle« 
würkt, wo kein anderes Mittel etwas leisten 
wollte. Als äulserlicbes Mittel habe ich fainr* 
gesien von dem Gebrauche warmer Bäder ni^ 
die Würkung gesehenV welche sie nuph a prioi* 
Tischen Gründen verschaffen sollten. Wahiy 
sobeinlich l«g 'die Ursache ixv dem Ibey m«i« 



- 76 - . 

der Erkaltung beym Aufstehen und Heraus- 
heben ans dem Bette, ein Schlafrock oder 
Weibermantel und ein Paar Strümpfe vor- 
handen seyn. Ueberhaüpt aber ist beym 
Umbetten und Aufschütteln der zusammen- 
gedrückten Federn oder Rofshaare, welches 
. dem Kranken das lästige Bettliegen so sehr 
erleichtert/ immer die gewöhnlich yernach- 
läfsigte. Vorsicht einzuschärfen, dafs es nicht 
bejr schwitzender Haut geschieht und das 
Bette jedesmial durchwärmt wird. 

Aehnliche Vorsicht in Rücksicht der Un- 
terhaltung einer freyen AusHünstung findet 
öoch im Zeiträume der Reconvalescen« statt» 
wo die Aufmerk*Jamkeit des Arztes nach 
überwundener Gefahr, sich im Gedränge an- 
derer Verrichtungen, isehr oft der Sorglosig- 
keit überläfst und dafür in üt>erau$ vielen 
fällen auf die empfindlichste Art durch rer* 
nachJäfsigte Wartung gestraft wird. Erkältung 
ist hier die gewöhnlichste Ursache gefährli- 
cher Rückfälle und Nachkrankheiten, selbst 
wenn der Krr^nke das Bette schon verlassen 
kann. Das Verweilen von einigen Stunden 
äulser demselben , wirft ihn oft eben so viele 
Tage in dasselbe zurück. Durch den langen 
Aufenthalt im warmen Zimmer der freyen 
Luft entwöhnt, fröstelt ihn, «wenn er nur 
die Thüre öfi^net und jeder Luftzug fällt sei- 



— 77 — 

ner während der Krankheit iilbiner feuqht ge- 
wesenen und ihrer gesunden Spannung noch 
beraubten Haut, überaus empfindlich. Daher 
vorerst auf verminderte Stubenwärnie und 
wärmere Kleidung ausserhalb dem Bette ge« 
sehen, sodann aber der erste Ausgang uicht 
eher, als bey schon völlig gesammelten Kräf- 
ten, bey heiterer, trockner, warmer und stil- 
ler Luft, und in ungleich wärmerer, als der 
sonst gewohnten Kleidung verstattet wei'den 
muls. 



. - 78 - 



m. 

Geschichte 

einer epidemischen Br ä u n e, 

welche vom Monat Septemf^er iSor bis 
zum Monate März 1802 zu Marien Wer- 
der* und in der umliegenden Gegend ^ 
yornemlich unter Kindern, hei:rschend 
war. 

Von 
Dr. J. S. M a e r c k e r, 

Kreis -Physicus «1 IVtarienwerder in WestprtuCien. 



xNach einem mäfsig warmen, ziei^Kch be- 
standigen und im Ganzen genommen sohönen 
Sommer^ fand sich Anfangs September 1801 
auf einmal eine Art von Bräune unter den 
Kindern hier ein, welche sowohl dadurcbj 
dafs 3ie sioh schnell verbreitete^ als auch da* 
Ji Vch , dals iu kuTLex' Zftit mdbrere l^der 



> 



~ 79 -r ■ • ■ • 

durch sie weggerajBFt wurden, Au&ehen er« 
regte, viele Eltern in Schrecken setzte, und 
die Aerzte ' vorzüglich beschäftigte. Man 
hörte auch bald, dafs diese Krankheit in der 
rJachbarschaft auf dem Lande, und in meh- 
reren entferntf^n, vornemlich nach Norden 
gelegenen Städten, sich zeige und aligemein 
herrschend wprde. Es traf diese Krankheit 
Anfangs nur Kinder zwischen dem Alter von 
einem bn zum Sechsten Jahre, und zwar'bey 
weitem mehr Mädchen als Knaben. Nie 
hörte man, nach dem, was mir davon be« 
kannt wurde, dafs ein Kind unter oder über 
jenem Alter von der Krankheit befallen wor- 
den sey. Nur ein Knabe von 6 Monaten 
machte gleich Anfangs eine Ausnahme hier- 
von« Er war der erste Kranke der Art^ den 
ich sahe^ behandf^Ite, leider* aber au'ch nach 
fünf Tagen xlaran verlor. Wer hätte es ah- 
nen sollen, dais diesem tragischen Falle viele 
seines Gleichen folgen würden, und er zu 
einer so bedeutenden Epidemie die Scene 
eröffnen sollte!. 

Die Krankheit befiel Kinder aus allen 
Ständen und von ganz verschiedener physi* 
scher Beschaffenheit und Erziehung, verzäjt- 
telte und abgehärtete, kränkelnde und gt» 
sundc^. Manche überfiel sie ganz plÖtzlich| 
ohne trUg0ij|Mche Vorlänfer; manche, kräck^ 



— 8o — 

I 

kelten mehrere Tage vor ihrem Ausbruche 
an unbedeutenden catarrhalischen und Schnu- 
pfen- Zufällen , an etwas gestörtem Schlafe in 
der Nacht, behielten aber dabey ihre ge- 
wöhnliche Munterkeit und Efslust. Vermehrte 
sich nach wenigen Tagen diese catarrhaliscfae 
Unpäfslichkeit, dann konnte man siebter dar- 
auf rechnen/ dafs die Bräune im Anzüge sey. 

Man kann denken/ in wie vielen Fällen 
Anfangs diese präcursorische , aus b9ekaiuiteD 
und allgemein für unbedeutend gehaltenen 
Zufällen zusammen gesetzte Krankheitsform 
durch diese Maske von Gejindheit getäuscht, 
und manche Eltern abgehalten hatte, die 
Kinder in das nöthige Regimen zu setseO) 
und bey Zeiten des Arztes Hülfe zu suchen. 

Im Anfange der Epidemie hatte dieser 
catarrhalische Zustand 9 (ich möchte ihn das 
erste Stadium der Krankheit nennen) hänfi* 
ger Statt, als späterhin, da bey weitem der 
gröfsie Theil der Kinder, welche die Krank* 
heit traf, ganz plötzlich und meistens in der 
I*iacht davon befallen Wurden* Die Kinder 
legten sich am Abende, ohne alle 3pur von 
Krankheit, mit ihrer gewöhnlichen Munterkeit 
nieder, und am Morgen fand man sie schon 
in einem hohen Grade krank » und nicht 
selten in Gefahr. 

Höchst wahrscheinlich war .diiese Krank- 
heit 



- Bi - 

heit ansteckend, obwohl nicht in dem Grade, " 
als es jene bekannte Ausschlagskrankheitea 
sind. Denn in verschiedenen Häusern^ in 
denen sieb mehrere Kinder befanden» blieb 
keines verschont) wenn eines erkrankt war» 
und in einigen gieng die Krankheit auch 
wohl auf die Erwachsenen Über , jedoch mit 
der unten bemerkten l&lodification. Man be- 
merkte «ferner^ dafs die Krankheit vornem* 
lieh diejenigen Familien traf, die in einem 
nahen und häufigen Umgang mit einander 
lebten« Uebrigens traf es sich auch sehr häiK 
fig) dais nur ein JCind von mehreren Oe* 
schwistern von der Krankheit be£iilen wurde^ 
und die^, übrigen verschont blieben; oder sie 
erkrankten erst mehrere Wochen nach dem 
erstem I so^ dafs man di0 Krankheit der An* 
steckung von jenem nicht fuglich mehr su* 
schreiben konnte. 

Bey weitem bejr dem gröfsten Theila 
der von der Krankheit Befallenen, hatte kein 
Verdacht der Ansteckung statt. Auch ward 
fliese, so problematisch diese Eigenschaft der 
Krankheit auch war, von vielen Eltern sorg^ 
faltig vermieden; indem man» wie dies 2tt 
. geh^n pflegt 9 aligemein dafür hielt, dafs jede 
epidemische, oder aucH nur ungewöhnlich 
häufig vorkominende Krap^heit ansteckend 

seyn miiäse« ^ ., ; 

XIX. B. g/ai.^ *' F V . 



— 8s — 

Es war wohl sieht zu bezweifeln, daüs 
diese allgemeia herrschende Krankheit das 
Product einer allgemeinen Ursache , die ia 
der Beschaffenheit der Atmosphäre ihren 
Grund hatte, war« Worin indessen diese 
besondere Luftbeschaffenheit eigentlich be- 
standen habe, läfst sich eben so wenig be- 
stimmen, als ich mir »u behaupten getraue, 
dafs vielleicht die im vorigen Sommer und 
Herbste so häufigen äufserst heftigen und 
orcanmäfsigen Süd- und Westwinde zur Ent- 
stehung der Krankheit beygetragen haben« 
Denn in yiekn andern Gegenden, wo je&e 
Winde auch Statt hatten, hat man nichts 
von dieser Krankheit gehört. Äufserdem 
zeichnete sich die Witterung durch nichts 
Ungewöhnliches, aus« Auch wich der Baro« 
metOT nicht sonderlich von seinem gewöhnli- 
chen Stande ab. Es gab übrigens während 
dieser Bräune-Epidemie hier im Orfe wenige 
andere- Krankheiten y rheumatische ausgenom- 
men »^ die indessen zu allen Jahreszeiten hau*- 
fig vorkommen, und endemisch sind. 

Es hatte diese epidemisch herrschende 
Bräune unstreitig manches Eigenthiimliche; 
dieserwegen ich sie auch der Aufzeichnung 
werth hielt. — Die Mannigfaltigkeit dersel- 
ben in Betreff ihrer Heftigkeit, Dauer, ihres 
Sitzes, Verlaufs und Ausgangs, ihrer C2ora- 



• — 83 — \ 

pliciatioti tttit dem Fieber, uÄd ihrer Verhält- 
nissf« gegen die ihr entgegen gesetzten Heil- 
Biitiel) vornehmlich aber die Verschiedenheit 
und'Äbartung ihrer ganzen Gestalt nach der 
Zeit der Epidemie, und nach dem Alter der 
davon Befallenen, macht es schwer, eiti sol* 
ches Normalbild von ihr t\i entwerfen, wel- 
ches als ein fe*iter Punkt für die mannigfal- 
tigon Abweichungen und Modificatidnen, nn« 
ter denen die Krankheit Vorkam, dienen 
könnte« Ich werde indessen diejenige Form 
der Krankheit da2u Wahlen, die sich durch 
dii nniste E genthünilichkelt und Gefahr 
auszeidinete. — Unter dieser Gestalt ge- 
nonunert, gehörte diese Krankheit^ wie die 
Geschichte derselben beweisen wird ^ sowohl 
in. Betreff des damit verbundenen Fiebere, 
als auch der Localaffection im Halse^ 2ur 
Gattung des Typhus , und zi^ät zu derfenU 
gen Varietät von Bräune, in welcher die af* 
ficirten Theilö eine hervorstehende Neigung 
haben, Blutfaser auszuschwitzen. Die Eigen« 
thüniiichkeit dieser Krankheitsform lag dariüli 
dafs dabey die Mandeln, der Zapfen nnd die 
Gauniendecke zuerst entzündet wurden^ dann 
diese Entzündung langsam aber unaufhaltsam 
tiefer in den Rachen bis zum Luftröhrenkopfa 
und selbst in die Luftröhre herabstiegt und 
dann, wie bey'm Croup ^ durch Erstickung 

Fa 



tödtete. Dieser Iet2tere Umstand begrün deti 
einzig >and allein die groAe Gefahr und Töd- 
licbkeit, uiid ich habe^ die übrigi^ii Zufälle 
mochten übrigens noch so bedeutend si^yii, 
keinen Todesfall gesehen od^r daivon gebörti 
der nicht auf diese Art durch Afi^ction der 
Luftröhre erfolgt wäre. Auch gidhört noch 
zur £igenthümlichkeit dieser KrankheitsforiDi 
dafs^ so viel mir bekannt geworden ist, kein 
Kind übet dem sechsten Jahre auf diese Art 
an der Kratikh^^it gestorben ist. tJeberfaaupt 
richtete sich die Gefahr nach dem Alter, 
und sie war um so gröfser^ je junger das 
Kind war* 

Aus diesen UnUständen erhellet, dafs die 
Art der Krankheit Anfangs in jängina ion^ 
siUaris und uvulürisy späterhin aber in jin* 
ginä laryngea und in seltenen Fällen in /iäh- 
T^y^g^^ bestand, folglich in Hinsicht jener 
besondem Geneigtheit der afGcrrteü Tbeife 
zur« Ausschwitzimg der JBlutfaser^ des schnel- 
len Verlaufs , der Gefahr und 4es Ausgangs 
in vielen Stücken mit dem Croup überein* 
karn^ obwohl^ meines Eracbtens^ durch den 
Umstand noch von ihm unterschieden blidb» 
dafs die A£Fection der eigentlichen Luftwege 
nicht so plötzlich oder blos nach unbedeu- 
tenden Zufallen i wie beym Croup , eintrat» 
sondern eine eigene und mehrere T^g» 



— 85 — 

dauernde Krankheitsform vorhergieng. SpX* 
terhin und gegeh das End^ 4er Epidemie^ 
im Monat Januar und Februar dieses Jahres, 
wurden mehrere Kinder ganz plötzlich von 
dem eigentlichen Croup befallen, und nun 
war der Unterschied sehr in die Augen fal- 
lend, welcher zwischen den beiden Krankhei* 
ten Statt h^tte. JDer ächte Cro^ kam wäh- 
rend der Epidemie gleichsam 'als eine mor^ 
hus iniercurrens vor. Aufserdem sah man 
neben den so eben beschriebenen Krankheits* 
formen alle übrige Arten von Bräune, wel- 
che von den Schriftstellern mit besondem 
Namen belegt worden sind; bey" Kindern 
häufig die sogenannte Angina parotidea und 
bey E wachsenen, nächst biufigen Tonsillar« 
Bräunen» vornehmlich Entzfindungen des Ra<» 
chens und des Schlundes, r-^ 

Zu mehrerer Deutlichkeit der Dai^stel« 
lung jener Krankbeit^form lassen sich tügiich 
drei Stadien derselbeti unüehmen. ^ Das erstb 
Stadium konnte man, wi9 ich bereits erwähnt 
habe,, das catarrbalische nennen; das zweite 
war der/epige Zeitraum der Krankheit, in 
weldhepi die afSdrten Tbeile in der Miind^ 
höhle, die Mandeln und der Zapfen, mit 
Blutfaseiti bedeckt wurden, und das Fieber 
ganz den Cbaräcter des Typhus annahm. Das 
dritte eitdliQh bepeift denjenigen Zoutaad^ 



•- 86 — 

wo die Luftröhre selbst afficirt Wurde, und 
der ganxe Zustaiid dem des Croujp's gleich 
kam. ^ 

Erstes Stadium* 

Die Kinder wurden schnupfig , bekamen 
einen unbedeutenden Husten, etw^s Heiser- 
keit^, Abends einige Fieberbewegungen, mit 
mehr oder wenig -r gestörtem Schlafe in der 
Nachr.i Am Morgen waB< n sie wieder mun- 
ter, «uchten ihre gewohuten Spiele, und 
alsen und tranken wie in gesunden Tagen. 
Pen folgenden Tag gesellten sich zu jenen 
catarr haiischen Zufallen noch eine geringe 
Geschwulst und Röthe der Mandeln und des 
Zäpfchens; auch Hefen, welches jedoch ge* 
meiniglich einen Tag später geschah, ^die 
Submaxillar- und Sublingual-* Drüsen ein .we- 
nig an. Nie sah man dies an den Parotiden, 
ausgenommen bey dem oben erwähnten Kin« 
de, welches das erste Opfer der Krankheit 
ward. Bey diesem waren, besonders gegen 
das Ende, die Parotiden zu einer ungeheuem 
Gröfse angeschwollen. Der lästigste Zufall 
in diesem Stadio war die Verstopfung in der 
Nase, welches wegen des ungewohnten und 
beschwerlicht^n Athemholens blos durch den 
JUiio(J, dia Kiud^c sehr V9i:drü£ilich machte. 



- 37 - 

ihren Schlaf stSfte und zur Vermehrung der 
Entzündung der Theile hn Halse sehr vieles 
beytrug. Manche Kinder waren um die Nase 
und um die Augen herum s^hr atifgeschwol- 
len, und sahen mit einem Worte sehr schnu« 
pfig aus. Am dritten oder vierten Tage ward 
das Fieber immer merklicher. Die Kinder 
sahen bald bFafs batd roth aus^ Mrurden im« 
mer verdrlirslicher, die Efslust verlor sich, 
sie hatten mehr Durst, klagten bald übet 
dies, bald über |enes, und warfen sich sehr 
viel im Schlafe herum. Zwischen durch kamen 
jedoch, zur häufigen Täuschung für die Um- 
stehenden, Augenblicke, wo sie wieder mun- 
ter, waren, und nach ihren Spielereien grif-^ 
fen. Die afficirteh Theile im Munde schwollen 
nntetdefs immer mehr an, die Geschwulst 
der Drüsen unter der Zunge ward Sufserlich 
sehr sichtbar, die Sprache ward undeutKch, 
und . es Uef unaufhörlich eine Menge zäher 
Schleim aus dem Munde. Merkwür£g war 
es , dafs das Schlucken noch immer so ziem- 
lich leicht blieb, und ohne Sehmerzen ge- 
schah. • 

I ■ ■ 

Z w e i i s Stadium. 

Avß dritten, vierten, auish wohl erst am 
fünften Tage, ward dias P ieUSfr stiU^ker^ di% 



- ^ 88 — 

Remissionen blieben ausr, oder waren sehr 
unmerklich. Die kleinen Kranken 'wurden 
ioimer matter, warea höchst yerdriilslich, 
konnten den Kopf nicht mehr halten, und 
verlangten beständig su liegen. ' Bald waren 
sie gleichsam stumpf und auf eine gewisse 
Art betäubt, bald wieder äuiserst empfind- 
lich« Grölstentheils lagen sie indessen in ein^ 
Art von betäubendem Schlummer, aus dem 
sie jedoch leicht zu erwecken waren ^ dann 
aber gemeiniglich etwas verworren sprachen» 
oder ängstlich weinten. Ihr Gesicht war 
blafs und aufgedunsen , die Augen etwas ver- 
scb wollen, gemeiniglich nur halb geöffnet^ 
matt, auch Wi)hl thränend. Die ganse Phy- 
sionomie des Kindes war verändert, und 
drückte Stumpfheit und Leiden aus. Zu al- 
len diesen Zufällen und auf der Höhe dieses 
Stadii, gesellete sich nun noch eine geirisse 
Beschaffenheit des Muskelfleisches, Dies 
ward nämlich, selbst bey den wohlgenährte- 
sten Kiddern, so besonders schlaff und welk, 
und fafste sich so teigigt an, als wenn es 
alle Elasticität verloren hätte, Dabey hatte 
die Haut eine besondere bleiche und schwach 
marmorirte Farbe, wie man «uweilen bey 
Sterbenden zu seheh gewohnt ist. Auch 
schien sie gar .nicht nussudüften, und wenn 
sie ja feuicht .ward, .so hatt|> der Schw^ 



•" 89 - 

etwa^ klebrichtes, ^welches an den fühlenden 
Fingern siUen blieb. Bej diesen Zufalle^ 
ward die Stimme heiserer und unverständli- 
cher, das Schlucken beschwerlicher, die ^ 
Drüsen im Munde und am Hahe liefen mehr 
an, und auf den augescbwollenen Mandeln 
und an der Uvula zeigten sich eine Mengß 
weif^gelblicher Pünktchen 9 die sich oft in 
wenigen Stunden^ ein andermal aqch in lan* 
gerer Zeit» so verbreiteten» dafs sie in eln«:- 
ander flössen, und di^ genannten Tbeile, wie 
ein Messerrücken dick t bedeckten. Gemei- 
niglich stieg dieser Uebera^ug auch nach dem 
Gaumen herauf , ohne dafs man an diesen 
Theilen zuvor eine besondere Röthe bemerkt 
hatte. Bey einem Kinde hatte es beynahe 
das ganze Gaumengewölbe bis vorn an die' 
Zähne überzogen. Es war unglaublich 1 wie 
fest diese Masse sais , und es gelang selten, 
eher etwas davon los %n bekommen , als auf 
der Höhe^ der Krankheit, wenn schon Er« 
schlaiFung und Lähmung dei^ nahen Tod 
ankündigten. Der bis zu diesem Stadio 
trocken oder nur mit einem dünnen und 
wässerigten Auswurfe verbunden gewesene 
Husten, ward nunmehr feucht, und gleich« 
sam voll. Indessen war der^Husten:.bey den 
mehresten Patienten unbedeutend , so wie 
überhaupt die Brust an der Krankbett :^eni^ 



- 9» T 

Theil zu nehmen schien; denn auch der 
Athem war «elten rerändert, und selbst in 
den Fieber -i E:acerbationen wenig beschleu« 
nigt. £ine nicht geringe .Last für die 
armen kleinen Kranken war der immerwäh- 
rende Ausflurs eines höchst zähen Schleims 
aus Mund und Nase, der die Lippen, die^ 
Nasenlöcher und den ganzen Umfang dersel- 
ben wund, das immerwährend nölhige Abwi- 
schen dieser Theile schmerzhaft machte, und' 
so die Leiden ungemein vermehrte. 

Das Fieber war höchst veränderlich, und 
vrechselte oft in einer Stunde mehrmals ab. 
Hiernach richteten sich auch die Wärme 'und 
der Puls. Erster e übertraf jedoch selten viel 
die Bettwärme, und war- nie bedeutend, und 
letzterer war, wie das Fieber, sowohl in sei- 
ner Stärke, als auch Frequenz veränderlich; 
jedoch blieb er, nach der Regel, klein und 
behielt bey aller seiner übrigen Veränderung 
etwas hartes und saitenartiges. ^ Merkwürdig 
war es, dafs bey dieser so bedeutend mor- 
bösen und Typhus- artigen Beschaffenheit der 
Kräfte in diesem Stadio und selbst auf der Höhe 
desselben, der Athem sich gleich und naturlich 
blieb, und an allen diesen Veränderungen, 
an welchen die Lebenskräfte litten , keinen 
Theil nahm. Nur im dritten Stadio der 
Krainkheit, wenn die Luftröhre selbst afEcirt 



~ 9^ ^ 

war, wätd er mit ins Spiel gezogen, und 
gekörte dktxn 2U den Merkmalen eines nahen 
Todes. — ' Die Hattt war bald feucht, bald 
trocken ; letzteres vornehmlich dann , wenn 
sie das oben erwähnte marmorirte Aüsehen 
Jbatte. " Am meisten schwitzten Kop^* und 
Hals, und der Schweifs h^tte, wie bereits er- 
wähnt, nach der Regel , etwas klebrichtes ; 
daher auch die Kinder bey aller beobachte« 
ten Kleinlichkeit, immer schmutzig aussahen» 
Bey zweien Kindern sah ich mit diesem 
Schwei&e eine Menge kleiner Fries^lbläschen 
am Halse ausbrechen. Bey manchen Kindern 
war d^e Urinabsonderun^ sehr gering, und es 
ward in ^4 Stunden kaum eine halbe Ober- 
tasse voll gelassen. Nach der Regel "War er 
ganz blal's, höchstens strohgelb, find bald 
klar, bald trilbe, wie Molken. Zuweilen 
setzte er ohne alle Bedeutung einen kleien-» 
artigen Bodensatz ab. Auch dieses Stadium 
band sich an keine Zeit. Gemeiniglich dau- 
erte es zwei bis drei Tagej nie länger, 

D r i i i e s S t a d i u m^ 

Die fortdauernde Abnahme der Reitzbar- 
keit und des WürkungsyermÖgens in allen 
Organen^ in x Verbindung ts^it dem auf den 
afücirten Tbeilen im Halse sich immer weiter 



- 9,a - 

verbreiteaden häutigea Ueberzug, kündigten 
jedesmal die Nähe dieses StadÜ, und mit 
ihm den unvermeidlichen Tod an. — Der 
bis jetzt unbedeutend und selten gewesene 
Husten, Ward nun heftiger und frequentfr, 
und nahm dabey jenen bekannten speoifiken 
bohlen Ton an^ den mau bey dem %2roup 
zu hören |[ewohnt ist« Auch äufserten die 
Kinder, welches bisher nicht der Fall gewe- 
sen war, bey'm Husten durch Mienen und 
Weinen Schmer« im Halse, und klagten, 
wenn man die Gebend der Luftröhre be« 
tiihrte« Auch zeigte sich äufserlich eine ge- 
ringe Gescbwubt, Es war entschieden, dals 
nunmehr die Entzündung tiefer herabgeistie- 
gen wart und die Luftröhre selbst ergriffen 
hattcr. Das Athmen, welches bis jetzt leicht 
und sanft geschehen war, ward nun, wegen, 
des verengten Weges, keuchend und hörbar. 
Aus eben dem Grunde wurden die l^einen 
Geschöpfe unruhiger, warfen sich ängstUch 
herum, und buchten aller Orten freier zu 
athm«n» Dieser empörende Zustand ward da- 
durch noch ärger gemacht, dafs Mund und 
Nase beständig voll eines dicken, zähen 
Schleims waren« Ward ja durch Erbrechen 
oder Husten ein Theil davon ausgeworfen, 
und zugleich deV Athem etwas freier gemacht, 
so dauerte diesfe Erleichterung nur eine kurze 



- 93 - 

Zeit. Nun war es leicht» von der im Halte 
sitzenden Haut ganze Stücken los zu bekom* 
men; oft giecgen sie bey^m Husten und Er- 
brechen seihst ab ^ und lietsen dann tie£a 
Gruben zurück* Bey eiilem 4iährigen Mid« 
eben war der ganze bewegliche Gaumen tind 
das Zäpfchen verloren gegangen» Zum Be« 
weis, dals. die Zerstörung durch die ganze 
Substanz der aCäcirten Theile gedrungen War« 
Die Geschwulst der SabtingnaU und Snbma- 
xillardriisen nahm unter diesen Umständen 
bald ZU, bald ab; am öftersten hatte lezterea 
Statt. Merkwürdig und characl;eristisch war 
esy dafs in mehreren Fällen eine kleine 
Drüse dicht hinter«*^ und unterhalb des Kinns 
zur Gröfse einer Wallnnls aufschwoll ^ und 
hart und empfindlich ward..*^ ' 

An ditiser Localveranderung des Uebcia 
dahmen nunmehr auch alle übrige Systeme 
des Organismus Anth^l. Beides, Reirzbarkeit 
und Würkungs^ermögen, Schwanden in allem 
Organen schnell und unaufhaltsam dahin^ 
und Spuren voü Lähmung vmrden aller Or- 
ten sichtbar« Der Puls ward klein, ui^d ttn<> 
gleich, und verschwand unter dem fühlenden 
' Finger* Die Wärm« an den Ettremitaten 
verlor sich. Die Haut waird schlaff und blätt- 
lich, und verlor alle Elasticität« Das Gesicht 
bekam, das bekannte bläuliche Ansehen^ und 



- 96 - 

und mit einem hohen Grade von Gefahr 
verbunden, kam diese Krankheit im AnAiDgi 
der Epidemie häufiger vor, als späterhlti, ge- 
gen das Ende des Octobers und im Noyem- 
ben Zu dieser Zeit waren die Bräunen zwv 
allgemeiner, aber dafür auch weit mindei 
tödlich* Die Gefahr srand in gewisser Art 
mit der Frequenz der Krankheit in umge- 
kehrtem Verhältnisse. Nun sah man aber 
auch seltDer, als zuvor, das zweite Stadium 
der Krankheit, mit den so viel bedeutendes 
Veränderungen im Halse, und es schien^ eis 
hatte dieses Stadium allein die Gefahr b^ 
gründet« Hiezu kam nun noch die besondere 
Modificatioh im Ganzen der Epidemie, in* 
dem nunmehr < bej weitem mehr ältere Kin- 
der von 8, 12 bis 14 Jahren, ja selbst fiele 
Erwachsene, von der Krankheit befallen wur^ 
den y als Kinder unter jenem Alter« In die- 
sem Umstände schien ein vorzüglicher Grund 
der geringeren Tödlichkeit des Uebek za 
liegen* Merkwürdig war es, dals in Arne* 
hung dieser altern Kinder bey weitem mehr 
Knaben als Madchen erkrankten« Die Krank- 
heit kam nunmehr in dieser spätem Periode 
der Epidemie, vornehmlich unter zweierlei 
Gestalten vor, nämlich entweder als ein sim* 
pler Catarrh, mit geringem Fieber und einer 
unbedeutenden Geschwulst und Röthe der 

Ton- 



— 97 — 

Tonsillen und des Zäpfchens, welche Zufälle 
nach wenigen Tagen bey der fieobachtung 
eines diaphor<^tischen Regimens, yomehmlich 
nach der Anvtrendang eines oder des andern 
Brechmittels, allmühlig wieder verschwandea 
(ganz das erste Stadium der oben beschrie- 
benen Krankheitsform), oder die Krankheit 
erschien auf folgeude merkwürdige Art: Sie 
befiel ungewöhnlich plötzlich, und zwar, wie 
dies bereits erwähnt worden, Kinder zwischen 
dem Sten und i4ten Jahre« Gemeiniglich ge« 
schah dies in der Nacht, und in den mehre- 
sten Fällen gegen Morgen. Kinder; die sich 
am Abende ohne alle Merkmale von Krank- 
heit niedergelegt hatten, wurden in der 
Nacht ganz plötzlich von einem Husten ge^ 
weckt, der gleich so heftig ward, dafs er 
«ie nicht wieder einschlafen liels. Bald ge« 
seilte sich hierzu ein ganz eigener und zu- 
sammenschnürender Schmerz in der Luftröh- 
re, der das Athmen erschwerte und keuchend 
machte. Bey manchen hatte der Husten 
gleich vom ersten Augenblicke an jenen be- 
sondern und hohlen V Ton, als ein Zeichen, 
dafs die Luftröhre selbst litt; bey manchen 
fand sich dies erst nach einigen Stunden. 
Auch klagten die Kinder über Schmerz in 
der Gegend der Luftröhre, der besonders 
bey'm Husten vermehrt wurde ^ und sie 

XIX. B. 3. Sr. 6 



— lOO — 

ser Krankheitszustand auch war, und so viel 
analoge^ er mit dem Group hatte, so ist mir 
doch kein Fall bekannt, der bey einer zeiti- 
gen und zweckm䣻igen Behandlung tödlich 
abgelaufen wäre; ein Beweis, dals diese 
Krankheit noch etwas Specifikes hatte, wo- 
durch sie vom Croup unterschieden blieb; 
und meines Erachtens lag der Unterschied 
darin, dafs bej unserer Krankheit eine ge- 
ringere Neigung zur Ausschwitzung der Blut- 
faser, an den afHcirten Th eilen Statt hatte^ 

vftls bey'm Group, und die Entzündung ohne 
anderweitige Folgen* sich früher mit den ge» 
wohnlichen kritischen Veränderungen absol- 
rirte. Bey einer zweckmäfsigen Behandlung, 

' vornehmlich nach der Anwendung eines oder 
des andern Brechmittels, welches auch in die- 
sem, so wie in dem übrigen Krankheitszo- 
stande, immer ein Hauptmittel blieb, Uels 
gemeiniglich nach Verlauf der ersten 24 Stun- 
den das Fieber und mit ihm ein Theü der 
Beschwerden in der Luftröhre nach. Das 
Athmen geschah wieder freier und leichter, 
der Husten ward seltner und verlor den für 
jedes Ohr so empfindlichen hohlen und schar- 
fen Ton; auch ward er feuchter, dem ge- 
wöhnlichen catarr balischen ähnlicher, und 
mit dem Auswurfe eines zähen gelblichen Schlei- 
mes verbunden. Zu gleicher Zeit nahm nun 



— lOI ^^ 

auch die Unruhe det Patienten ab» ^ Sie be« 
kaaien Schlaf, aus dem sie . ndch einigen 
Stunden 9 mit einem allgemeinen sanften 
Snhweilse bedeckt, erquickt erwachten. Auch 
Aofs der bisher sparsam gewesene Urin häufi- 
ger, und setzte einen dicken kleienartigen 
Bodensatz ab. Bej den mehrsten Kranken, 
die ich sah, erfolgte diese glückliche und 
entscheidende Veränderurg gegen das Ende 
der zweiten 24 Stunden der Krankheit. Bey 
einem Knaben von g Jahren geschab dies 
erst am 3ten Tage , und bey einem andern 
gleiches Alters erst am 5ten Tage der Krank- 
heit. Dieser war einer der kränksten von 
allen, die ich sah, und mehrmals so nahe 
am Ersticken, daCs d^s Gesicht aufgetrieben 
und blau, der Puls kaum fühlbar» und Hän- 
de und Füfse kalt waren. Er ward dennoch 
mit Hülfe der Brechmittel und Blasenpflaster 
gerettet. Einen Fall dieser Art mufs ich sei- 
ner Merkwürdigkeit Wegen, und zum Be- 
weise ^ untef wie mancherlei Spielarten eine 
und dieselbe epidemische Krankheit vorkom- 
men kann, etwas umständlicher hier anfüh- 
ren« Ich sah am Ende des Novembers hier 
in der Nachbarschaft auf dem Lande, einen 
übrigens gesunden und wohlgencihrten . Kna- 
ben von 4 Jahren , am sechsten Tage seiner 
Krankheit, und zwar Vormittags^ zum er$ien- 



— loa — 

male. Er hatte vom ersten Augpnblirke an 
mit jenem hohlen Tone stark gehustejt, da- 
hey über den Hals geklagt, und bald mehr 

/bald weniger pfeiffend und keuchend Athem 
geholt. Eben so abwechselnd halte er Bald 
mehr, bald weniger Hiue gehabt, und war 
nach Maf^gabe dessen bald im bald aufser 
Bette gewesen. Am unruhigsten war er, nach 
Aussage der Eltern, immer in der Nacht ge- 
wesen, war zum öfteren aus dem Bette ge- 
sprungen, und angstvoll und keuchend in 

^ der Stube auf und nieder gelaufen. Zuweilen 
hatte er etwas Efslust geäuCrert; nach der 
Regel aber immer viel getrunken. Oeffnnng 
hatte er täglich gehabt. Jene Zufälle hatten 
von Tag zu Tag immer mehr zugenommen, 
und den Knaben endlich in folgenden ver- 
zweifelten Zustand versetzt. Sein Gesicht 
war stark aufgedunsen, von weiisblauh'cher 
Farbe und mit einem zähen nnd kalten 
Schweifse bedeckt; die Augen waren im 

. Weifsen röthlich und von überaus- mattem 
Ansehen; die Sublingual- und Submaxillar- 
iDrüscn waren auf beiden leiten bedeutend 
angeschwollen ; das Athemholen war so schwer 
und iveuchend, dafs sich das Kind mit Hän- 
den und Füfsen anstemmen mufste , um «iti- 
mal tief Athem zu holen, und dadurch seine 
entsetdiche Angst auf wenige Augenblicke 



» — io3 — 

2U liodera. .Bey Jedem Atbemzuge stiisg der 
Kehlkopf auf nnd nieder^ war ge^en alle B^ 
rUhruDg sehr empfindKch^ jedoch äufberliefa 
unbedetttaid geschwollen. Der, Husten haltte 
ganz den Ton, den man auF der Hohe des 
Croup« ztt hören gewohnt ist* HSnde und 
Fiifse waren kalt, nnd der Puls ungleich, 
k?ein, zuweilen kaum fühlbar. Das Zäpfchen 
und die Tonsillen waren an ^nzelnen Stet- 
l«rn mit ausgeschwitzter Faser bedeckt. — 
Und dieses Bild des Todes wänktei gleichsam 
halb entseelt «u meinem nicht geringen Er- 
staunen in der Stube auf und nieder, lind 
stemmte sieh bey jedesmaHgem Husten an 
den ersten besten Gegenstafkd* an, bis ^ ein 
wenig zähen und lederartigen Schleim heraus- 
gebracht hatfe^ und wieder zu Atheni ge- 
kommen war. Jn diesem verzweifelten Zn- 
stande hatte isich indessen der Knabe erst 
seit etwa 24 Stunden befunden. — Ein 
Brechmittel, welches sechsmaUges starkes Er- 
brechen bewürkt, und wenigstens drei Ober- 
tassen voll eines gelblichen, und in lauter 
kleinen und runden Stucken abgesonderten 
Schleims herausgebracht hatte, machte das 
Äthmen auf einige Stunden freier, den Hu- 
sten, seltner, und schaffte, obwohl nur einen 
kurzen , doch etwas erquickenden Schlaf. Es 
ward darauf alle halbe Stunden von einer 



'^ _ io6 — 

dem so nahen Grabe entronnenen Knabens! 
•— Bey dt^m nunmehr weichen und erhabe- 
nen Pulse , ward ohne viele Anstrengung 
eine Menge zähen Schleims ausgehustet. Der 
Urin war trübe und bekam Bod^nsatZ) 
und nach einigen Tagen war, bis auf eine 
gewisse Heiserkeit der Stimme, welche der 
Knabe sonst nie -gehabt hatte, und ein ge-. 
ringes Schnarchen im Schlafe, alle Krankheit 
Torüber. Man sieht aus diesem Fallo, bis 
zu welchem Grade .diöse gefahrvolle Krank- 
heit steigen konnte^ und dennoch noch Ret-, 
tung möglich bleibt. '^^ 

So' war der Verlauf der Krankheit bey 
altern Kindern. — Nur wenige Erwachsene 
befiel die Krankheit in der so eben beschrie- 
benen Art. ' Weit häufiger erschiefa eie hin- 
gegen unter der Gestalt einer Tonsillarbrio« 
sie, die mit mehr oder weniger Fieber ü, 3 
bis 4 Tage, auch wohl länger, anhielt, und 
bey allen ohne Gefahr, theils mit, theils oh« 
ne Zuthun der Kunst wieder verschwand. 
Nur bey zwei Erwachsenen, bey einem Man- 
ne von etlichen 3o , und einer Frau von ^9 
Jahren, die beide von sehr hagerer Consti- 
tution waren, sah ich eine Ausnahme hier« 
von y indem bey ihnen der obere Tbeil dei 
Schlundes, der Pharynx und höchst wahr- 
acheinlich ein Theil des Schlundes selbst 



— 107 '""" 

von der KrÄnkheit befallen wai^en» — *. Beide 
waren ohne allen Hunten und ohne alle 
fremde Empfindung bejr'm Äthmen; allein 
das Schlucken war 3 — : 4 Tage hindurch so- 
wohl für solide, als auch für flüssige Sachen 
unmöglich, und wenn es ja mit nicht ge« 
ringer Anstrengung einmal gelang, etwas 
liinuntep zu bringen, so geschah es mit Ver- 
zerrung aller Gesichts muskeln, und mit einer 
Art von convulsivischer Erschütterung daa 
ganzen Körper^s , wobey dentioch der grö&te 
Theil des Flüssigen durch die Nase zurück- 
kam.' — Dabey war der Hals ganz steif, und 
die mindeste Bewegung des Körpers erregte 
Schmerz. AeiiFserlich war nicht die mindeste 
Geschwulst wahrzunehihen ; ja im Gegentheile' 
hatte es das Ansehen, als wenn der ganze 
Hals zusammen gezogen und in seinem Um- 
fange gemindert wäre. ^ Auch an dea Ton- 
sillen und an der Uvula sah man nichü wi- 
dernatürliches. Bey beiden war das Fieber 
unbedeutend, und bey weitem nicht' so ^tark, 
als bey jenen Erwachsenen, wo die letztge- 
nannten Theile afficirt wai'en. - Desto aufFal- 
- lender war dagegen die Entkräftung bey die- 
sen Patienten. Sie waren schon am zweiten 
Tage' der Krankheit, nnd nach einem kurzen 
Fasten, so entkräftet, dafs sie nicht. allein 
gehen konnten ^ . Hnd bey der geringsten 



— io8 — 

Anstrengung einer Ohnmacht nahe warea 
Am auffdllendsten war mir diese Erscheinuiig 
bey dep Manne ^ der, als Landmann^ von 
abgehärtet« ;r und keinesweges sonst zu. der- 
gleichen Zui'äilen geneigter Constitution war. 
Bey abnehmender Krankheit ward eine Menge 
dicken, zähen Schleimes ausgeräuspert, wäh- 
rend das Schlucken sich allmahli^ wieder- 
fand. Bey bf^iden blieb länger als 14 ^^8^ 
nach der Krankheit einet besondere Empfind- 
Kchkeit und ein gewisses Gefühl von Wund- 
seyn im Schlünde zurück , wodurch der Ge- 
nuls aller nur einigermafsen scharfen oder 
.Spirituosen Sachen höchst beschwerlich ge- 
chacht, und eben da<!urch zugleich die Wie- 
derherstellung der Kräfte verspätet wurde. 
— Bey manchen schiänkte sich die Krank- 
heit bloa auf die äufseren Theiie des Halses 
und des Genick^ ein^ und alle inneren Theiie 
bliebün verschont« Unter dieser Gestalt war 
jedoch das Uebel nicht minier lästig% indem 
fast jede Bewegung des Körpers den empßnd- 
lichstctn Schmerz erregte, und den Patienten 
zwang, in ein und derselben Lage im Bette 
zuzubringen. Ein mäfsiges Fieber, welches 
sich mit jener Localaffection am 3 ^-— 4^ea 
Tage durch Schweifs und Bodeasät« im Ha^ 
nft ent»«hied, begleite diesen Zufall. — 
Als Ausnahme von der Regel sßh ich bejr 



-^ 109 — 

einem Kiiiaben von drei Jahren die Krlinkheit 
unter dieser letzt erwähnten Gestalt. Da»" 
Kind hatte bey einem ziemlich bedeutenden, 
und besonders am Abende exacerbirenden 
Fieber 9 einen so steifen, Anfangs nach hin* 
tea, späterhin nach der linken Seite g»-.Z(>ge« 
nen Hals, dafs das Ohr die Schulter berüfirtet 
und die mindeste Bewegung des Körpers 
nicht ohne die empfindüchsten Schmerzen 
geschah. Bey der sorgfältigsten Behandlung 
dauerte dennoch dieses Uebel 6-^7. Tage, 
Aeufserlich am Halse >yar eine , sc hr unbe« 
deutende Geschwulst ^ und das Ueoel schien 
blos seinen Sitz in den sehnigten und apo* 
neuratischen Theilen zu haben. 

Was die. Progoosis bey dieser Krankheit 
betrifft, so liegen die Materialien dazu be*- 
reits in der Geschichte derselben zerstreut. 
— Auf das f"ie^er konnte man, wider die 
gewöhnliche Erfahrung, wenig rechnen. Eiti- 
mal, weil es in einigen Fallen bey der unbe- 
deutenden Localaffection des Hal^es sehr hef- 
tige und in andern Fällen gering war, und 
das Uebel im Halse dennoch Gefahr drohte; 
und dann, weil es so sehr veränderlich und 
abwechselnd, und bald stärker^ bald schwä- 
cher war. In vielen Fallen stand daher das 
Fieber mit der Gröfse der Gefahr in keinem 
Verhältnisse. •— Von Ubier Bedeutung war 



' — HO — 

es nach der Regel, wenn am Morgen gar 
keine oder nur eine sehr geringe Remission 
Statt hatte. Gewöhnlich erfolgte der Abfall 
um so früher, fe stärker das Fieber war. — 
Bej den älteren Kindern zwisohea 6 — 12 
Jahren, und in der spätem Periode der Epi- 
demie, zeigten sich bey einem heftigen Fie- 
ber^ mit einem vollen und lebhaften Pulse, 
überhaupt bey einem der Synocha analogen 
Fieberzustande, nach Verlauf der ersten 24 
Stunden Merkmale eines baldigen und glück- 
lichen Abfalls. — Die Haut ward bey mehre- 
rer Ruhe des Patienten weich, und der Urin 
trübe, — Die Hauptmomente der Prognosis 
gründeten sich immer auf die BeschafiPenheit 
des Halses. Eine gänzliche Abwesenheit der 
häutigen Substanz an den Thfiilen im Muni 
de, war bey aller Geschwulst, und Röthe 
des Zäpfchens und der Tonsillen ein gutes 
Zeichen. Dasselbe galt, wenn der TJeberzug 
sich nicht yon einzelnen Punkten aus bildete, 
sondern gleichsam auf einmal die afficirten 
Theile bedeckte. Auch war jener alsdann 
lockerer, und das damit verbundene Fieber . 
war geringer und entschied sich früher* — 
Je schneller sich jener häutige Ueberzug im 
Munde ; -auf obän bemerkte Art von einzel- 
nen Punkten aus verbreitete, um so früher 
trat das 3te Stadium der Krankheit ein> und 



— III — 

mit diesem die grolste Gefahr. — In den 
oben beschriebenen Fällen der altem. Kinder^ 
wo entv^eder nur unbedeutende oder gar 
keine catan haiische Zufalle der plötzlichen 
Aff<'Ction* des Kehlkopfs und der Luftröhre 
yorhergiengen, begründete das Seltaepwerden 
des Hustens und die Veränderung seines 
hohlen Tods in einen heisem, mit dem 
Nachlasse des Fiebers die gewisse Hoffnung 
eines nahen Abfalls. — Ganz gleiobgültig war 
die Geschwulst der äufseren Theile des Hal- 
ses. Man sah bey steigender Gefahr diese 
Theile schwellen und entschwellen, und sich 
getäuscht, wenn man erstere für Ableitung 
von den inneren Theilen, und fiir heilsame 
Metastase hielt. — Ich habe bereits oben er- 
wähnt, dafs eine am Ende des ziyeiten Stadii 
unter dem Kinn sich zeigende Geschwulst, 
in Verbindung mit dem Crouphusten, den 
gewissen und nahen , Tod ankündigte. — » 
Diese Geschwulst, die ich an vier Kindern 
besonders bemerkte, war iart, fast kugel- 
rund, und bey weitem empfindlicher als die 
übrigen geschwolleneti Drüsen ani Halse. — . 
Eben so war die oben erwähnte besonders 
schlaffe, trockne und marmorirte Beschaffen* 
heit der Haut und des Muskelfleisches eid 
böses Zeichc^n, und zeigte im zweiten Stadio 



112 

den unausbleiblichen Uebergang desselben in 
das dritte an. 

In vielen Fällen hinterliefs die Krank- 
heit , wenn sie einigermarsen heftig gewesen 
war, mehrere Wochen hindurch mancherlei 
hartnäckige Beschwerden. — Manche Kinder 
hatten die Nase beständig voll eines dünnen, 
scharfen Schleims , der die Sprache undeut- 
lich machte, den Schlaf störte und die Na- 
senlöcher und die Oberlippe wund frafn« Nie 
bekamen die Kinder, so lange dieser höchst 
lästige Zufall dauerte, ihre gewohnte Alunter- 
keit und ihr gesundes Ansehen wieder« — 
Andere hatten statt dessen einen um sich 
fressenden Ausschlag am Munde, gemeinig- 
lich ian der Oberlippe. Nach der Regel bU^ 
ben die Tonsillen, die Submaxillar- und Sub« 
lingual - Drüsen , mehrere Wochen nach der 
Krankheit angeschwollen» Ein Mädchen von 
4 Jahren empfand bey jeder kleinen Luftrer« 
änderung in den noch angeschwollenen Ton- 
sillen, zur jedesmaligen nicht geringen Be* 
sorgnifs der Eltern, von neuem Schmers; 
auch wurden diese Theile zugleich etwas rö- 
ther« — Am häufigsten blieb eine gewisse 
Trockenheit im Halse und in der Nase zu-' 
rück| die den Kindern im Schlafe besonder! 
lästig zu seyn schien, und machte, dafs sie 
während dem nicht anders als schnarcheacl 

Athen) 



- ii3 - 

Athem holen konnte. • — Bey einem einjährU« 
gen, sehr blassen utid fetten Knabeij , deri, 
als Ausnahme voh det Reg^l^ die Kraiikheit 
gleich Anf^ng^ mit den Zufäileti des driften 
Stadii tl'af^ «iid deii ich in dejr That sdhon 
als ein Opfet* des Croups ansah, hieb meh- 
rere "Wochen läng ein so^heftiget Speichel- * 
flufs zurück, dafs die'Liipeii uiid die ganze 
Mundhöhle excoHirt und der KHabe so elend 
ward, dafs ich fürchte il ihüfstö, er Werde iti 
Abzehrung fallen. Höchst SVahrsch ein lieh 
hatte aber auch dieser Speichelflufs^ der Sich 
bereits am iswöitön Tage der Krankheit eiri» 
Stellte, Antheil aii dt^in glüc/Llichen Aüsgätig 
dieses SOiist geföhrlichen Uebels^ ziitnal wie 
hi&T der Fall war> bey eineixl zugleich stärk 
zahüenden Kinde« 

Was die Heilmethode üüd diö Mittel be- 
trifft ^ welchö dieser Krankheit entgegeü ge- 
setzt Wurdet! i so Wird es der Küriö imd 
Deutlichkeit Wegeii rathsatiä fteyii> * letztere 
einteilt anzuführen^ 

Bey dem ersten Stadiö (dem dätarrhäli- 
^chenj Wurdeü Anfangs^ den gewöhnlichen 
Indicationen gemäfs^ nach Maäisgäbe des Fie« 
bers kühlende, niehr öder weniger teitzende^ 
und vornemlich auf die * Äusdüiistung wür- 
kende Mittel angewandt* Thee von Flieder- 
bluttien und Aitheewurzel> Schleimiges G^-^ 
XDC. B. 5. st tt 



- "4 - 

tränke, Mindererischer Geist, Spiesglanzwein, 
kleine Dosen Brechweinstein ^ Goldschwefel, 
Meerzwiebelsaft, nach irmsländen in Verbin- 
dung mit Bilsenkrautextract. Zugleich ward 
ein dem Zustande angemessenes Reginieo, 
welches vornemlioh auf Vermeidung all er Er- 
kaltung und £rbiuung' abzweckte , angewen- 
det. Blieb es bey dem catarrhalischen Sta- 
dio, so that diese Behandlung die erwünschte 
WUrkung. Auch sah. man, dafs ohne sie 
und bey Vermeidung grober Diätfehler, in 
vielen Fällen alles glücklich ablief. 

Als aber in mehreren Fällen das zweite 
Stadium der Krankheit sich zeigte^ und seine 
/Tücke und Bösartigkeit durch den schnellen 
und unglücklichen Ausgang v^rHeth; da ward 
zu andern und kräftigern Mitteln gegriffen. 
Die Wahl derselben beruhte Anfangs anf d^ 
Idee, die man sich von der Gattung der 
Krankheit gemacht hatte, dafs es gleich An« 
fangvS darauf ankomme, den Grad der Ent- 
. Zündung in den afßcirten Theilen zu min- 
dern oder gänzlich zu heben, damit keine 
Blutfaser aus.^chwitzen, und so wie beym 
Croup tödten könne. Das Uebel hatte nun- 
mehr auch, wie oben gezeigt worden, viel 
Analoges' mit dem Croup; das stärkere Fie- 
ber, der lebhaftere Puls, die gröfsere Un- 
ruhe der Kinder ) und ao and^ Znfiülla 



— ii5 — 

mehr, schienen obiges Urtheil 2u bestätigen, 
, und Jenes Heilverfahren 2u rechtfeTtigen. -*» 
Es wurde daiier die sogenannte antiphlogisti- 
sche Methode in ihrem' ganzf^n Umfange, 
und zwar in Verf)indung mit Mitteln ange-« 
wandt, welche wo möglich die Biltlung jener 
Haut verhüten, oder wenn die^ nirht, wenig- 
stens den einmal abgesetzten Sto£F dazu im 
ersten Augenblicke locker erhalten, und der 
festeren Gerinnung desselben zuvorkommen 
sollten« Zu diesen Mitteln gehörten nun: 

Blungel^ davon mehrere, nach Umstän- 
den 4—8 Stück, vorn auf den Hals, auf 
und neben den Kehlkopf, applicirt wurden« 
•^-^ Wenn nach mehrere Stunden hindurch 
sorgfältig unterhaltenem Nachbluten, Fieber 
und Wärme sich minderten^ und fpiglich der 
Effect davon auf dias, ganze System in die 
Aug^n fallend war , so sah man doch nichc 
die mindeste heilsame Würkung davon für 
den Hals** Die Geschwulst der, afß^cirten 
Theile nahm sichtbar &u, und mit ihr die 
' Ausschwitzung der Bltttfäse]", als wäre gar 
keine Ausleeru^ der benachbarten Gefäfse 
geschehen. Ja icH sah sogar ' bey einem 
fünfjährigen Mädchen, unmittelbar nach dem 
Blutverluste die Geschwulst im. Halse zuneh-* 
jnen, den häutigen Ueberzug sich weiter ver- 
breiten, die Stimme heiser und den Husten 



— ii6 — 

hohl werden. Die ganze Krankheirsform , die 
zuvor in der That ganz Sj.iiocha zu seyn 
schien , ward hun Typhus - artig, und Er- 
ftchlaffiing trat an die Stelle der vorherigen 
lebhaften Reaction. Verg^^blich ward zu Se- 
nega, zu Arnica, zu 'Can>pl)er, zu Blasenpfta- 
ster und zu andern Reirzmittelii mehr f;egrif- 
fen. Die Erregbarkeit schwand unaufh ihsam 
dahin 9 und Lähmung verbreitete sich über 
alle Systeme. So ohne allen heilsamen Effect 
waren auch die Blutigel, wenn sie gleic^b im 
Anfange im catari haiischen Stadio , und bey 
den ersten Spuren des zweiten Stadii ^»pli- 
cirt wurden. Sie vermothten nicht dem Ein- 
tritte des letztern zuvorzukommen, oder es 
in seinem Gange aufzuhalten. Die Blutaas* 
leeriing schien daher ganz und gar nicht für 
die Gattung des Uebels zu passen, so sehr 
sie auch Anfangs Tür die Art derselHen, in 
Hinsicht der Localaftection des HaUes, xu 
. passen und indicirt zu seyn schien, 

Gurgelwasser und hirm*riizungen* Sie 
wurden nach den Vorhandenen Umständen 
balfl erweichend, bald reitzend angewandt 
Bey Kindern, zumal bey Jüngern, sind erstere 
indessen gar nicht, anwendbar, und bey gros- 
sem hat es grofse Schwierigkeiten damit 
Man konnte daher auf ihre Würkung sehr 
wenig rechnen ) so sehif die Anwendung der- 



T i'7 - - 

selben auch angezeigt zu seyn schien, und 
gewifs, 'wi« man dies bey Erwachsenen sah^ 
von entschiedenem Nutzen gewesen seyn 
würde. Glückte die Anwendung desselben 
bey altern Kindern, so ward jedesmal dabey 
eine Menge höchst zähen Schleimes ausge- 
spien. Denselben Effect hatten die Einspriz- 
zungen, die auch bey kleinem Kindern mit 
zur Hand genommen wurden. Durch sie 
wurden öfters ganze Sücken der häutigen 
Substanz von dorn Gaumen und von den 
Tonsillen losgemacht und mit ausgespien, 
ohne dafs dadurch die mindeste Erleichte- 
lung verschafft wurde. Diese zu bewürken, 
konnte nur durch die erschütternste , Kraft 
des Erbrechens geschehen. 

Vesicatoria. Vorn auf und um den 
Hals und ins Genick applicirt* Sie mochten 
vor oder nach der Blutausleerung, in schwä- 
clierm oder stärkerm Grade, in dieser oder 
in jener Periode der Krankheit angewandt 
werden, so sah man davon nicht den min« 
desten Nutzen. Die veränderte und morböse 
Vitalität in den afficirren Thcilen im Halse 
griff, wenn es einmal ihre Natur mit sich 
brachte, trotz aller Reitz- und Zugmittel von 
aiifsen immer weiter um sich, und ich glaube 
mich nicht getäuscht zu, haben, wenn ich 
bemerkte 9 dals in einigea Fällen,, während 



' ' ^ ii8 ~ 

und ünmitteibar nach der Würkung jener 
Mittel , ' diö Geschwulst im Halse zunahm, 
der häutige Ueo.erzug sich weiter verbr^tete, 
und schneller zur Luftröhre herabstieg» Mir 
drang Sict^ daher mehrmals der Gedanke auf, 
ob uicht durch den Reitz der Zugmittel die 
specißke Exaltation der Lebenskraft in den 
afficiiten Tlieilen des Halses verstärkt, eo 
ipso die Auss'chwitzung der Blutfaser befor« 
dert, und die Bildung und Weiterverbreitnog 
Jen' r häutigen Substanz beschleunigt werden 
könnte? — , Aus diesem Grunde setzte ick 
fernerhin den Gebrauch jener auf den lei- 
. denflen Theil applicirten Zugmittel aus, und 
kann nicht sagen, dafs mir die Kichtanwen-» 
düng derselben, nach der fernem Beobach« 
tung, sehr fühlbar gevrorden wäre. Im Ge- 
gen theil e harte dabey der gewisse Vortheü 
Statt, dafs die Kinder durch die Vesicaioria 
nirht scheu gemacht wurden, und sich auf 
andf^rweitige Art besser behandeln lieCien. 

Pflaster ^ Salben und Umschläge ^ bald 
erweichender, bald reitzender Art, auf und 
um den Hals gelegt, je nachdem sie indicirt , 
zu seyn schienen, Melilocen'^icüta^'PRhSXet 
mit und ohne Gampher, das Linimentun 
ammoniatum -^ Lin^ Saponato cäjnphoraium^ 
theiils im ümPange des Halses - eingerieben! 
theils auf Flanell gestrichen und um den 



- "9 - • 

Hals gelegt* Das Unguent. hydrarg. einer. 
allein , und in Verbindung mit jenen Aüchti-» 
gen Dingen. — Erweichende Umschläge 
von Flieder, Malyenblumen, Clcuta^ Hyos^ 
ciamus - Kraut, Weilsbrod in Milch ge- 
kocht, und andere ähnliche meiir, wenn die 
Spannung und der höhere Grad von- Ent- 
zündung ihre Anwendung zu indiciren schiep. 
Eben so wurden, nach vorhandenen Umstän- 
den, Umschläge reitzender Art, z. B. mit 
Essig, mit Senf - u. a. m. angewandt. Mit 
derselben Rücksicht .auf die qbwalrenflen 
Umstände, wurden, so viel es bey Kindern 
thunlich war, Dämpfe mancheilei Art, reiz-« 
zend und erweichend, in die Mundhöhle ge- 
lassen, und eingeatbmet.. Alle.n der Mutzen 
aller dieser äufserlichea Mittel blieb zweifel-» 
haft, so sehr ^lan auch darauf bedacht war, 
sie nach der scheinbaren Besch Jf^ nheit uiid 
nach dtm Grade de& Uebels zu wählen, zu«» 
sammenzHsetzfn und anzuwenden. E« schien, 
als wären sie von gar keinem Nutzen, und 
man sah bey denjenigen Subjeot^n/ wo die 
Anwendung jener Mittel unterblieb, weder 
mehr Beschwerden, noch mehr Gefahr, 

Ich habe dieser, bey tlie>er I^iankbeit in 
Gebrauch gezogenen äurseflicban. Mittel aus 
dem Grunde zuerst gedacht, weil man An- 
fangs, in der Meinung^^ da(s aut die Local- 



120 —7 

behandlung sehr viel ankomme , gleich dar* 
nach griff, und sie mit Nachdruck anwandte. 
Die Hartnäckigkeit und Schnelligkeit, mit 
4er das Ueb«^*l im |ial$e um sich grifip, und 
wobey nici^t &^ten niir eio gerip^fügiges 
Fieber Siart hatte, verleiteten um so mehr zur 
nachdiückJich( n Anwendung jener Mittel. 

Was die be.y dieser I^rankheit aai mei- 
sten in Gebrauch gezogenen inneren Mittel 
betiifft, so habe ich die im catarrbalischen 
Studio vor(ieui:ich angewandten oben bereits 
geniiMnf« Aufser diesen fiiiure icH nvuß, noch 
folgende an. 

Zufciiderst die BreQhmitteU Sie rerdie- 
nen den ersten PUtz, und waren in. der That 
die einzigeii Miite} , die im Stande waren, 
in manchen Fällen der Gewalt der Krankheit 
Einlialc zu thuh, und öfters, zumal wenn sie 
bey Zeiteii, und mit ^iachdrück gegeben wur-»^ 
den, das Uebel im Entstehen zu ersticken. 
So yoi^beugend zeichaeteii sie sich» auch vor- 
nemlich in ihrer W lirkung aus. Hatte die 
Krankheit: bereit» einen gewissen Grad er? 
reicht, war, zumal bey füngerec^ Kioder9 
unter 6 Jfahren, das zweite S^diunl bis zu 
einem gewissen Grade eingetreten , hatte 
sich jener häujtige Ueberzug auf der Uvula 
und auf den Tonsillen gebildet, war die 
Luftröhre so afhcirt, d4s d^r Athem pfeif- 



— 121 — 

fend und der Husten croupartig war; ilann 
war auch da^ erschütterndste Erbi*<*chen ohne 
Nutzen, und es vermochte höchstens nur den 
sonst schnellen Fortgang des Uebels aufzu- 
h«hen, und die herannahende Erstickung um 
eine kurze Zeit hinauszusetzen. Jener oben 
angeführte Fall, wo pibrrchen trotz, aller 
dieser vorhandenen Umstände half, bleibt 
daher immer eine Ausnahme von der Regel. 
. — Wurden dagegen die * Brechmittel gleich 
Anfangs, im cararrhalistshen Stadio der Krank- 
heit, mit Nachdruck angewandt, so waren 
sie selten ohne Nutzen. . Sie machten den 
Husten seltner, ^änderten den verdächtigen, 
und imnier rauher und hohler werdenden 
Ton desselben in den gewöhnlichen catarrfaa- 
lisjchen um , minderten das Fieber, uild be- 
würkten Ruhe und Schlaf. Gemeiniglich 
mußte das Brechmittel binnen 24 Stunden 
wiederholt werden. Bey manchen Kindern 
ward dadurch eine Menge zähen Schleimes, 
in welchem sich nicht selten runde zähe 
Stücken befanden, ausgeworfen; bey man« 
chen dagegen wieder nichts, als das Ge;nos-» 
sene , und dennoch war der Effect derselbe, 
-ein Beweis, dafs jene heilsame Wiirkung des 
Erbrecbpns vornemlich auf der damit veibun- 
denen^ Erschürterung und Alteration beruhte. 
— Bey den altern Kindern , bey denen, wie 



— laa — 

oben bemerkt wordep, die Krankhfeit plötz- 
lich mit allen Merkmalen des dritten Stadii 

^eintrat, war der Effect des Erbrech ensi, zu- 
mal wenn es eioigermalken heftig war, noch 
auffallender. Wie abgeschnitten war darnach 
in manchen Fällen der hohle Ton des Hu- 
stens , die zusammenschniiret)c}e EmpBndung 
im Halse, der keuchende und hörbare Atbenii 
^die Aogst und alle übrige daaüt verbundene 
Zufälle. Eben so wohlthätig war der Effect 
Tierseiben auf das Fieber. In diesen letztge- 
nannten Fällen bewiefs es sich noch mehr, 

' wie weoig die durch das Brechmittel bewürkte 
Ausleerung, Antheil an dem guten Effect 
hatte; denn es ward selten etwas mehr, als 
das Genossene ausgcfworfen. Die unmittel- 
bare^ nach dem Erbrechen eintretende Ver- 
indetung des Hustens^ wobej sein hohler 
Ton gleichsam voller und catarrhälischer 
ward, liefs mit Recht schliefsen, dals. durch 
das Erbrechen die gehemmte Absonderung 
des Schleimes in den secernirend^ Organen 
wieder hergestellt ward. — Der Qrecl^wein- 
stein schien in dieser Krankheit^ so wie in 
vielen anderen Kinderkrankheiten, den Vor* 
zug vor der Ipecacuanha zu verdienen, und 
er ward daher durchgangig in . Gebtauch ge- 
zogen, — Merkwürdig war es, dals in den 
allermehrsten Fällen starke und ungewohnt 



^ ia3 -^ 

liehe Dosen von diesem Mittel Erfordert 
wurden, um hinreichendes Erbrechen zn be- 
würken. Nicht selten wiirden 2 — 3 Gran 
Bregh weinst ein, von dessen Gute man über- 
zeugt war, einem 2 — 4jährlgen Kinde in 
Zeit von einer halben bis 3 viertel Stunden, 
ohne allen Effect gegeben* Selbst die ge- 
wöhnlichen adjuvantia des Brechweinsteins, 
die Ipecacuanha, das Oxym* squillincum,, der 
Salmiak ü. a. m. vermochten nicht die Wür- 
kung desselben z}x befördern« Diese geringe 
Empfänglichkeit des Magens für die Brech- 
mittel war ein böses Zeichen, und ich habe 
kein Kind genesen sehen , bey welcheoi ai^ 
in hohem Grade Statt hatte« Gemeiniglich 
war d^mit besonders jene oben geschüdertei 
und gleichsam halb gelähmte Beschaffenheit 
der Haut uild des Muskelfleisches, und eine 
Art von Schlummersucht und Betäubung ver« 
bunden. — Unstreitig -enthalten diese Um- 
stände die vorzüglichsten Materialien zur Be- ■ 
griindühg der. eigentlichen Aetiologle dieser 
Krankheit/ und zeigen deutlich, dafs in der 
Alienation der Knifte, und in der krankhaf- 
ten Stimmung der reitzbgren und empfindli^v 
chen Fasern, und zwar vornemlich der Theile 
am Halse, die nächste Ursache des IJebels 
zu suchen sey. ' 

Höchst merkwürdig ist es, dais ganz im 



Anfange d<^r Epirlpmie die Brechmittel von 
keinem Nutzen zu seyn schienen. Ja ich sah 
ein Kind , welphes sich nach einer etwas zu ' 
starken Dosis Goldschwefel mefirmals heftig 
gebrochen, und eine Menge S< hieim ausge« 
worfen harte, auf der St^^lle kränker werden, 
und den Crouphusten bek^maien. Bey an- 
dern war der Effect des vorsätzlich erregten 
Erbrechens gai<z gleichgültig. Man gieng da- 
her Ärifangs von dem Gebrauche der Brech- 
mittel zum Theil ab , und setzte keinen 
Werth darauf. Man glaubte, das Uebel mehr 
als Entzündung behandeln zu müssen. — 
Späterhin, und aU die Epidemie allgemeiner 
ward^ wiren, wie ich bereits erwähnt habe, 
die Brech^iittel die Hauptuiitrel, und es ward 
fastvkein Kind ohne sie behandelt. *— Wor- 
an mochte wohl die Verschiedenheit des Ef- 
fects dieses Mittels liegen ? — War jener 
üble oder gleichgülfge Erfolg Anfangs blos 
zufällig gewesen? — Kam das Erbrechen 
nicht zum gümtigen Zeitpunkte.^ War es 
nicht stark und erschütternd geni>g, da auf 
dieser Würkung, wie obei^ gezeigt worden, 
der vorzüglichste Nutzen zu beruhen schien? 
— Oder lag der Grund davon in> anfäjugli^ 
chen, uiid vom nachmaligen verschiedenen 
Geniu3 der Epidemie? -- Auf alle diese Fra- 
gen getraue ich mir nicht mit Bestimmtheit 



zu antworten, sondern erlaube hiir dagegen 
die Bemerkung y die, sich mir bey (jeleg**n« 
heit dieser Epidernie mebimaJs aufdrang: 
dafs es zw^r ^ur ßeg?ündnng d«?r Dia^nös'S 
einer atigemein heiTschenden Kias kheit sehr 
oft nöihig ist, auf jui^antia und nortntia 
Rücksicht zu nehmeo, und da» Heilverfahren 
nothigen Falls darnach abzuäudf^rn; dafs es 
aber auch eben »o nöth g ist^ die mögliche 
Äbartung einer Epideuiie, die von J^hiei)2eit| 
von meteorologischer BeschafFenheit der At* 
mosphäre, und von mancherlei anderen Ne^ 
benumständen abhanden kann, immer vor 
Augen zu haben, und aut d:e Ver chieden^ 
heit der Würkung eines und desselben Mit- 
tels, zu den verschiedenen Zeiten der £pi« 
demie, geFaf^t zu seyn^ und nicht hartnäckig 
auf der Anw^endung eines M rtels zu beste*« 
hen, in Betreff dessen uns die Bedingungen, 
unter denen es di^ sei;i oder jenen Eift et lei« 
stQt^ nicht genugsam bokunnr sind. — 

Aufser der Absicht, Eibrechen zii erre- 
gen, ward auch der Brechweinsteiu mit vie- 
lem Nutzen in so kleinen Dosen • gegeben, 
dafs darnach gerade kein Erbrechen -entstand« 
So beförderte' er die Absonderung des Schlei- 
mes, hielt die au'^schwitzende Faser locker^ 
und war das erwünschteste Vorbereitungi.mit- 
tel zum Erbrechen. Zu diesem Behufe i^ard 



— 128 — 

selbigen umzuändern, und zur Heilung dieser 
eben so sonderbarea als hartnäckigen Krank- 
heit etwas beyz«tr«gen. 

Nebst diesen beiden Hauptmirteln, dem 
Brechweinsteine und dem Quecksilbf^r, von 
denen sich f edooh , wie gezf igt worden , dai 
erstere nur in Ansehen erhielt, wurden auch 
andere würksame Mittel nicht aufser Ge- 
bi^aüch gelassen. 2ü diesen gehört Vorneni- 
lich die Senega. Sic wiirkt ifl gehöriger 
Dosis gegeben, als ein gelinde reitzendes 
Mittel 9 belebt auf die wohlthätigste Art das 
Spiel des Drüsen- und Lymphvystemsj be^ 
fördert die durch Asthenie träge und alienirtd 
Absonderung schleimichter und höröser Feuch- 
tigkeiten^ so wie s|e*auch im Gegenrheile im 
Stande ist^ durch ihre belebende Kraft jene 
Aus Atonie entstehende übermäfsige iipd pro- 
fuse Secretionen zu mindern. Sie bewies »ich 
auch in des That bey dieser Kränkiteit von 
augenscheinlichem Nutzen, und erfüllte die 
Hoffnung^ zu welcher jene Eigenschaften be- 
töchtigten, um so eher, wenn zwischen ih- 
tetn Gebrauchs die Anwendung del' Brech- 
mittel nicht versäumt wurden 

Nächst d€r Senega, mit Hinsicht auf die 
oben angeführten ümstäiidö, ward auch der 
Meerzwiebelhonig gegeben. Zuweilen machte 
er Erbt'echen ^ und Verttiät dalm zugleich die 

Stelle 



, — 129 — ^ 

teile des Brechweinsteins* Die* war in ' je« 
en Fällen erwUascht, wo Neigung sum 
durchfalle Statt hatte , und der Brechwein« 
:ein sie vermehrte. 

In Fällen, wo ein höherer Grad von Trig» 
eit und Atonie stärkere Reitzmittel erfor* 
erte — und dies waren leider alle diejenigen 
älfe, wo die Krankheit jene drei oben ge« 
shilderten Stadien durchlief -^ wurden auclv 
tarkere Reitsmittel in Gebrauch gesogen. 
>ie Arnicä, das ^mmoniak, der Campher^ 
ach Umständen Mindererischer Geist, der 
lineral Kermes, in Verbindung mit den be^ 
eits obe^ genannten äufr^erlichen Rtsitcmit* 
ein, mit Vesicatorien, Sinapinmen, reitEen« 
ien , durch Senf und Salz gmchärften Halb^ 
md Fursbädem,. ähnlichen aromatischen und 
»elebenden Umschlägen um den Hills u» a^ 
Q. — Dafs lallen diesem gemäfs auch das dia« 
ptische Verhalten eingerichtet ward^ und 
.u gleich nahrhafte und belebende -Speisen 
md Getränke 9 so wie es die Nattu* <ler Kin» 
ier und die Umstände erforderten^ gegeben 
mrden, verstehet sich» Hatt^ indessen aber» 
vie dies bereits bemerkt worden, die.Krank« 
leit den Grad erreicht, war die Natur 'bis 
lu solcher Unthätigkeit. herabgesunken, dafs 
lie nsichdrücklichste Anwendung jener Reitz« 
nittel erforderlich wurde » dann wat gainei« 

XIX B. 3 • 8t. l ' 

l 



— i3o — 

niglich alle Hoffnuxig dahin , und alle Bemii« 
hungen vergebens« Nichts vermochte dann 
die schnell dahin schwindende Erregbarkeit 
wieder anzufachen und von neuem zu beleben- 
AUe Empfänglichkeit der empfindenden und 
teitabaren Faser für Arzneimittel war ve^ 
seh wunden» und auch die stärkste Dosii 
Brech Weinstein blieb in den mehisten FäUäi 
unwürksam. 

Es möchte auffallend scheinen, nicbti 
von der China zu sagen, da sie, zumal in 
der jetzigen Zeit, mit dem Opium die be- 
standige Parole des Tages geworden ist. Aach 
sie ward in einigen Fällen, jedoch nie an- 
ders, als in Verbindung mit Reitzmitteln, mit 
Arnica, mit Zimmt u. a. m. in Gebranch ge- 
zogen, aber auch ohne Nutzen, so nadi- 
drücklich sie auch da gegeben wurde» wo 
sie indicirt zu seyn schien. 

Dieses ist die Skizze jener epidemisdien 
Bräune. Selbige würde unstreitig sehr an 
Vollständigkeit gewonnen haben, wenn ihr 
das Resultat mehrerer LeichenöflFnungen hätte 
bejgefügt werden können. Allein diesml 
siegte das Vorurtheil, weichet auch, selbst 
bey der ärmeren Classe von Menschen, durch 
Geld nicht zu gewinnen war, über alle Be- 
mühungen, und vereitelte alle Wünsche die* 
ser Art. 



k 



— i3i — 

> Man siebt indessen doch aus obiger 

I Schilderung der Krankheit, der, ^meines His- 

t sens ). It9.ip wesentlicher Zug fehlt, ynd die' 

( ganz nach der Natur gemacht worden | dafs 

I diese Bräune nianches . Merkwürdige und Ei* 

^nthüinliche hatte, weswegen sie auch ohae 

Leichenöffnung der Aufzeichnung und der 

Publidtät werth gehalten werden kann. 

lieber die Natur der Art und der Lpcal* 
Affection dieser Krankheit , ist oben bereits 
das nötbige angefühlt worden. Was die Gat» 
tung des damit verbund^ntn Fiebers betrifft, 
$o ersiefaet in an aus obiger Geschichte | dtJs 
der Character desselben . im ' ersten und ca« 
tarrhalischen Stadio noch nicht yÖlUg ent- 
schieden war, sondern zwischen beiden, zwi« 
sehen Synocha nnd Typhusi in der Mitte, zu 
schweben schien; dals sich dagegen im.2te4 
Stadio der Charactier desselben deutlich ent- 
wickelte, und sich unveik^nnbar als Tjphus, 
nnd zwar in derjenigen Varietät^ zeigte, bey 
welcher mit dem geschwächten Würkungs« 
vermögen der fiebernden Organe, zugleich 
yermiuderte Reitabarkttt , mli; grofser Neigung 
zur Lähmung, als dem höchsten Grade von 
geschwächter und alienirter Erregbarkeit, 
Statt hatte; ein Zustand, den mein vereh- 
rungswärdiger Lehrer, Hr. Oberbergrath und 
Professor jReä, in seinem Buche Über die 

la 



_ i3a — 

Erkenntnifs und Kur der Fieber^ i. Theil §. 
a8g*9 und P. Frank in seiner Bpiiome de 
cur. hom^ morbis L. x. §. 88. » so scEon und 
vollkommen geschildert haben. 

Schlielslich bemerke ich noch , dafs kh 
in allem etwa 3o Kinder, vom Anfange bis 
zu Ende, an dieser Krankheit behandelt habe, 
TOA welchen 7, und zwar eijti Mädchen tob 
5> eins von 4» eins von 3 und eins von i 
Jahre ^ ferner ein Knabe von 3, «iner von i 
Jahre y und einet von 7 Monaten , gestorbeo 
sind» Hiernajch kann zugleich der Fond be- 
ü^heilt werden, aus welchem obige Beobadh 
tungeh geschöpft und nach welchem sie ib« 
strahirt worden sind« Mehrere Kinder sah , 
ich nur erst im dritten Stadio del* Krankheit, 
und bereits in einem Zustande^ für welchen 
die Kunst kein Mittel mehr hatten Diese 
kann ich nicht in jene Rubrik stell^. In 
allem sollen ^ nach dem KirchenrögUter, hier 
im Orte, inclusive der Vorstidte, binnen 8 
Monaten^ nämlich vom Monate August 1801 
bis zum Monate März 1^02 1' £7 Kind« aa 
der Bräune gestorben seyn *)♦ 

*) Ich freue mich, diese »lusterhAftd Sdlildening dar 
Epidemie dem Publicum übergeben n' können« dii 
eben so sehr üas Talent der B!9#baditiuig «Ig dar 
Darstellung des Hrn. Verf. benng;t> und aacb 
mehreren seiner Miuheiliingen begierig macht. 



'— 133 — 



*r-rT»r-*^ 



IV. 

Einige glückliche Erfolge 

Bukowiner Bades, 

vom Sommer i8o3. 

Vom 
D- n £1 a u s c h, 

KrcifpKysiois su MiUtacb ia Schletien, 



JLIer Herf Herausgeber dieser •' Blatte 
hat die Scfalesischea Aer&te aufgefordeH^ 
an' diesem Orte jährlich einige Erfalirungeii 
über den Erfolg der^Bäd^i: Schlesiens mitzu- 
theilen. Hier sind einige glückliche Fälle aus 
dem BuAowiner Badcj röm Sommer l8o3. 
Sie sfaid sämmtlich, im O^drünge der Arbeir 
ten des vorigen. Sommer«, awar nur mit 
den Haupteontouren gezeichnet: allein ich 



— i34 — 

hoffe daram döcK, dafs sie diie Würksamkeit 
dieser neu entdeckte* n Heilquelle, deren 
Kräfte ich im Allgemeinen in meinen Schrif- 
ten hierüber, i) gegen Nerven- und Faserih 
Schwäche , mithin auch gegen hysterische 
und hypochondrische Leiden, a) gegen rhen- 
matische und podagrische Leiden, also auch 
Lähmung und Contractur mit. Schmerz, 3) 
gegen Fehler der Hautfunction , bestimmt 
habe« in hohem Grade zu beurkunden im 
Stande s^yn sollen. 

Für Leser, welche meine Schrift: Du 
Heilquellen zu Buhowine u. s* w. von Kausdi* 
Breslau und Leipzig^ bey fV. GouL Kam, 
lSo2o nicht bekannt ist, erinnere ich nur 
vorläufig, dafs der Gehalt der B.ukowiner . 
Quellen vorzüglich auf Alaun und Eisenn- 
triol beruht; sie enthalten wenig kohlensau- 
res Qas, und sind daher zwar nach^erfolgter 
künstlichier Wärmung zu warmen Bädern mit 
dem besten Erfolge anwendbar; zuij^ Trinken 
aber nur in seltneren Fällen brauchbar. 

Eruier F a l L 

Ein Fraulein litt seit 7 Jahren an (M 
beständiger, bis aufs Gesicht sich erstrek« 
kender Nesselsucht. Ihre Fiilse waren blals, 
kalt, gleichsam abgestorben; doch £and dieses 



— i35 — 

nicht beständig Statt; sie war überdem 
schwach^ und wankte^ daher sehr in ihrem 
Gange. . Ehedem war sie schon in dieser 
Hinsicht unfähig zum Gehen gewesen. Ihre 
Arme litten ebenfalls in «eben dieser Art» 
aber doch minder .als ihre Fiifse; das Gesicht 
war von Kopföpngestiooen roth. Das Bad 
that ihr, neb&t den SelUichen sogenannten 
resolvirenden- Pillen, in Besiehung auf ihre 
Gliedmalsen .sa YortrefUche Dienste» düfs sie 
fast für geheilt in -dieiser Hinsicht anzusehen 
war; der Aussebl^ hatte ^aich sehr vtennin;» 
diert, he/s sich aber imo^r noch etwas jeban. 
Nach einiger Zßit war diese Besserung schon 
wieder ..durch die epidemisch eingetretene 
Ruhr verschlimmert worden. ' . 

Es ist zu bedauern, dals wegen des 
Mitgebrauchsi jener Pillen,; dieser Fall nicht 
ganz rein ist; denn an sicli war derselbe bey 
der siebenjährigen DaueJP und bey (der allen 
Practikecn bekannten Schwi«r^;k.eiti eine so 
sehr yerdofbene^Hautfunction wii^er herzu- 
stellen^ Yon großer Wichtigkeit« Am peren^ 
nirenden Nesselfieber hat sich so maAcher 
berühmte Mann vergebens versucht 

Z w e i i e r F a IL 

Ein wohlgebildetea Mädchen von etwa 
so Jahren I g^>oren von einem podagtischen 



^ i36 ~ 

Vater, gieng seit 4 JPahreil ziemlich r.nsiober 
und lahm; sie hatte Schmers, Knoten; ge« 
scbwollena Knöchel y war sonst gesund, nur 
dafs der ^'hmerz sie in der Nacht nicht 
schlafen liefst die Gesichtsfarbe war rein 
nnd iinveidächtig. Vor ihi^c Abreise aus 
Bu1(.Qwine kannte sie ohne Mühe alle Anhü^ 
hen besteigen; si^' «Aiulste abrerisen , sonit 
würde sie^ durch eine längere <Fortsetzuog 
des Bades, g^^wif^ Völlkl>]kimen* hergestellt 
Bukowine verlassen haben. Die Schmelzung 
der Knoten, welche sieh gleich nach den er« 
säen Bädern zeigte, gieng so scknell vor sieb, 
dafs man wegen Zunahme des ficbmeraes an- 
fänglich mit den Bädern etwas «inzuhahen 
genöthiget war, 

Driißer PalX"' 

■■■,'■■ J:' . . 

Zwanzig Bider hoben, b}is auF-^bu ge« 
ringe Ueberbleibset, ein Rheuma dM Armes 
be; der Frau eines Geistlichen^. Wegen Blut* 
ergieisungen nmiste sie mdir kalt ala warm 
baden« ^ , . . 



Vierjtr und fünf U^ F^IL 

' Zwei Forstmänner, deren einer starker 
Podagrist war, kamen wegeh ^beumatiacher 



— -137 — ' • 

und podagris eher Schmerlen, welche die Be* 
wegüng mehreren Gliedmafften hemmtea, hie* 
heT\ und gingen hergestelk- nach kunera 
Aufe&thaite nach Hmse; * * 

' Sechster Fall ' 

Ein SädpreufM^clterrKr^is ^ Physient bs^ 
surfate iie!f^nicb#adfa'<nnd iiii< ein^m Grade 
rvoit* «chmershatfter Läfamung ides einen Armes, 
.^dieset' «Badf 'uüd >yeriiers.*'es nicht nujr ge» 
stärkt in seiner ganzen Gonstitudon, sondern 
auch ^ mit bergestelUem Gebrafuohe ^seinei 
.Armes; :. •: r •• : \ :• -* : 



S i ß b^e n f e r F a^l h-^ 

.... 

• ' Lendenschmerz • bey einem betagten 0& 
fielet iKurde .durch anhaltendes Baden gUick«» 
lieh geh«ilt. Zu jöftefea Baden vermehrte auch 
hier zu Anfang^- äea^ S^misifz; jeine su fälK* 
:linge:fichmelzung war in viekm FäUeli,. auch 
•bey Knoten^ ^llachcheilig^^ Der Humoralpa-> 
thöioge' begreift diea leicht ; der. strenge Sp»- 
. Iid[i8t ; muis allerdings . "eine ; weit he^gellofa» 
Erklärung zu Büthe aieheh. v. 

A ch f ß r F a l l. 

Ein i5]äbriges^ aber sehr kleines, im Ge« 

•sichte aufgedunsenes Mädchen, kann seit 1.4 

Jahren gar nicht mehr ;^ehen; ja sier kata 



die geschwolten«n Kniegelenke nicxht .mdir 
ausstrecken, . indem, 'die strammen tSehnen 
Achan Iseäff. yerKSost sind. Diese Strammi^ 
keit ist sehr arg; oherwärts ist die,:Kniege-^ 
schwulst heftjg, das Ful'sgelenk ist auf- beiden 
Seiten bewegUch*; auch sind die Püfse nicht 
abgemagert« So steht alies auf beiden Seiten 
gleich* .'Die Hände und^Ärine -sind* äuisertf 
adiwacb^ /die Einger/ abgezehrt f und, sehen 
*aus (wie dies in-* solcKen Fällen sehr ofir^^Scatt 
Jtat),' als waren sieinvihrar Lage .Terscho- 
bem. Das Mädchen konnte also, nicht einiasl 
mit den Fiogern etwas zum Munde hriogiMi» 
ohne dafs eine Hand der andern half. Auch 
am Rückgrate war eine Hervoiragung un- 
ter den Schulterbiättem vorhaiiden, 'deren 
Daseyn ich erst spätei!:voli andern, an ein« 
Zeit erftthr^^ wo: dieses« Jkladchen .schon abge- 
-gaiigen war. Die '^ze Figuir gilinate an's 
rMonstrSse« i Der. Rückgrat* war.'i'nair.^^die 
-Lendenwirbel herum viel an sehr aklg^o- 
{ein, jedoch . bemetkte man hier ;weder Ver* 
'dfaBbun^ nodi Ausrenkung der Wirbel; alltfin 
das Rückenmark konnte allerdings aehi* ge- 
prefst seyn, und die Linie des Schwerpunkts 
des Körpers wurile gewiTs« dadurch so sehr 
'aufser dem GrayitatidTiswiiifkel durch den 
yorragenden Bauch gerückt ^ dala auch ge- , 
simde Beine diesen Körper acfawer irOfdan 



— i39 — 

ertragen haben. Kenner werden daher, oIuhq 
BerUcksäcbtignng einer Pressung des Rilcken* 
markest oder, euch eines andern unheilbaren 
Grundes dieses Uebekt tam Rückgrate ^w oh« 
nehin nicht erwarten,' dafs dieses Kind geheilt 
worden ist ; allein sie werden, sich hoflPentlich 
schoh wundern^ wenn sie von 4nir;.yemehf- 
men, dafs dieses Mädchen bey'm -Abgehen 
aus dem Bade schon ordentÜch essen und 
ziemlich spinnen konnte« . . ..«.:.;:. 

In den Füisen fühlte die Kleine vor JJi^ 
rem Abgehen viel mehr Kraft; ^ sagtet die 
Fülse wollten fortschreiten, aber sie.. habe 
nicht Kraft genug im Kreuti^e , um einher sbü 
gehen f und den Oberleib zu tragen« Di26 
Strammigkeit und die* Verkürzung 4er Seh« 
nen hatte -'sich sehr vermindert; die Gesichts- 
farbe war besser. Es würde vermuthlich 4er 
Fortschritt <ier Besserung auf Seiten der Fiiiae 
noch betrachtlichcir gewesen sejn, wenn man 
die , Nebenmittel, die ieh nfdbst den Bädern 
verordnete, und ohne wekhe die Badekut 
bejr der Abnormität der Gelenke lind ^efa^ 
nen nichts ausrichten .konnte , Beifsiger an- 
gewandt hätte. Di^ durch die Strammigkeit 
und Verkürzung der Sehnen im K|iie zurüek'r 
gezogenen Füise, verlangten schlechterdingt 
fette Salben und Dampfbäder, das Kr-euts 
bedurfte ^er flüchtigen Salbei, und bey. ein* 



^ 140 — 

tretender Besserung waren täglich Versuche 
zum -Gehen y mit Hülfe voii Mensdhten und 
yon Kiücken, nöthig, damit ääs Gelenke 
nihst r?en Muskeln nach und nach in, seine 
«wige Integntät -ftbergehen konnte ; von al- 
len' .dem geschah teideF ! nur ^hr wenig« 
X>ep Erfolg' d^t Bader in Hinsicht auf die 
Hände warr um deno auffallender, je despe« 
rater der Fall war. Der verdiente Hn Hof- 
rath Meyer aus Kaiisch und so viele andere 
Aerärte'y haben dle^n und die meisten oben 
enählten Fälle gesehen und bewundert. Aa>* 
ser vielen minder bedeutenden Fällen, könnte 
idi noch einen Fäll anführen, wo es dieses 
Bad andern bertihmteh Bädern an guter 
Würkung suvorgethan ■ hat j allein ich vriB, 
da <las Ueb^l noch nicht ganz bekämpft ist^ 
lieber abwarten, wie weit wir künftiges Jahr 
in' dieser Beziehung l^ommen werden« Uebri« 
gens weifs ich Wohl , dafs dieses Zuvorthon 
nicht so viel sagen will, als man gemeiniiiA 
glaubt ;^ denn /ede Badeanstalt hat, wie jedes 
Mit^l*, ihr eigenes Terrain, wo sie Lorbee- 
ren bricht und nicht bricht. 

Diese auffallenden Fälle , liebst jenen 
vom vorigen Jahre, femer die guten Wür^ 
knngen dieser Bäder bey Sqhwäche, hjsteri« 
schen und hypochondrischen Krämpfen , bey 
der Bleichsucht , den Anomalien des Mutter- 



blatfinsses/ bey^ H8niorrhoida3zii£EilIen; ilie"teh 
unmöglich hier im Einzelnen aufFühren kann» 
yermehrten die Badegesellschäft in, der Art, 
dafs mehrere keinen Platz zum Unterkom- 
men fanden. Daher denn schon dieses Jahr 
eine bedeutende Anzahl neuer Wobnungen 
erbaut werden mufste. Dies ist immer der 
entscheidendste Beweis vom Steigen einer 
solchen Anstalt. Da sich ein grofcer Theil 
dieses Steigens darauf gründet > dafii viele 
Aerzte, 7u. Folge .mcjiaer . oben gedachten 
Schrift , in dieses neue Bad ihren Kranken 
zu gehen riethe% so wird man mir es um so 
weniger verargen , wenn ich mich wUrklich 
recht herzUch. freue/ dajs dieser Jahrgang das 
Zutrauen, welches mehrere meiner Herren 
GoUegen auf diese neue Heilquelle ku setzen 
beliebten, so sehr gerechtferriget hat. Zum 
Beschlüsse dieses kleinen Aufsatzes bemerke 
ich nur nooh^ dafs die Summe der sämmtli- 
xihen Badefamilien und einzelnen Badegäste 
vorigen Sommer schon auf einige siebenzig 
gestiegen ist« 

Militsch d«n 20. *Novomb. i8o3. 



~ i4a - 



• "V. 

Heilung einer mit 

Atrophia testiculonim verbimdeneu 

Tabes d o r s a 1 i s. 

Von 

Dr. A. F- Fischer, 

practiclrendera Arste au Dresden. 



Irlerr JV. , ein junger lebhafter Mann von 
27 Jahren , aus der nördlichen Gegend Eu- 
ropdns , der sich aber schon seit mehreren 
Jahren in südlichen Gegenden * auf Beisen 
befand, ward bey seinem hiesigen Aufent- 
halte im Monat Juny 18029 einer beträchtK« 
eben UnpäPslichkeit halber genöthigt, yon 
seinen weitem Reisen abzustehen. Er litt 
dämlich an einer Gonoirrhoe, zu der sich ' 
ein heftiges Fieber gesellte, welches vielieicht 



«faer.'Fol|;e des heftigen Ecbauffements der 
Reise und der während , derselben genossenm 
gewürzbafteti Spei ^en • nod 'geistjceichen Oe« 
tränke^ ak natürliche Anlage zu dieser 'Art 
stheoischer Fieber waii« Bekannt nan zwar 
mit der schon oft erlittenen Modekrankheit, 
aber plötzlich überrascht durch den Eintritt 
des so heftigen Fiebers^ fand er sich bewo- 
gen, den Rath SachveriBtandiger ^nzoziehen> 
den er auch brauchte > indem. er /' dem 'Wil* 
len seines damaligen > Arztes gemäfs, zu meh« 
Tßren nnilen starke Quantitäten Blut liefs» 
und auch bey dem Gebrauche streng antiphlo- 
gistischer Mittel eine dieser Knrart genau 
aopassende Diät beobachtete. Hierdurch ward 
er nun in kurzer Zeit von .den so ' heftigen 
Fieberbewegungen sowohl y als auch von den 
die' Gonorrhoe begleitenden Zufällen, als: 
Xihorde und Priapismus^ gänzlich befreit, so, 
dafs er sich hxs ■ auf,, einen stechenden 
Schmerz im Inneren des Beckens > und emet, 
noch fortdauernden Ausflufs irön Schleim 
aus der Harnröhre i ' hergestellt tithlte. £r* 
sterer Zufall ward als Folge der durch den 
Tripper geschwächten Theile angesehen, ge« 
gen letztere hingegen die gewohnlichen ge* 
lind adstringirenden Einspritzungen verord- 
net. Hiermit beschlofs er die vorg^chriebene 
Kur, und war schon im Biegriffe, abzureisen; 



— i44 - 

als ihn mehrere Verhältnisse von .seinem 
ichon entworfenen Beiseplane abzustehen nö« 
thigten* Er glaubte nunmehr die Zeit seines' 
hiesigen gescbä£tslosen Aufenthaltes nicht* bes* 
aer benutzen zu können , als wenn er eise 
Nachkur gebrauchte, die meinen geschwädn 
ten Körper wieder aufzuhelfen fähig wäre. 
Allein aufmerksam gemacht durch das vor- 
her erlittene acute Fieber 9 ging er auch nm: 
aulserst behutsam zu Werke, und verbesserte 
pur in sofern seine Diät , dala, er Statt vor- 
her genossener Wassersuppen und .häufig xa 
'^sich genommener sogenannter blutrein^ender 
Ptisanen, einen Uebergang zu dünnen Fleisch- 
brühen und schleimigten ' Suppen macfate. 
Doch noch ehe er vierzehn Tag 3 diese diäte« 
tische Veränderung benutzt hatte, fühlte er 
sich durch ein schnelles Dahinschwinden sei- 
ner Kräfte, verbunden mit mehreren andern 
Zufällen, als Mangel an Schlaf, pldtzliche 
Abmagerung, besonders längs dem Rübkgtate, 
Kälte der Extremitäten etc. getaöthigt, den 
Gebrauch mehrerer Mittel herbey eu rufen, 
wo ich jedoch nur der lauwarmen Bäder und 
der gebrauchten Emulsionen Erwähnung thue 
(letzterei bestanden aus Gum. Ambico^ .OL 
AmygdaLy Syr. Auraru. und Aqua Naphae\ 
weil nur diese als einigermalsen zweckmäfirig 
betrachtet werden konnten. • Doch wie leicht 

zu 



— i45 — 

zu erseheni ward auch durch diese Heilmittel 
der erwünschte Endzweck nicht nur nicht 
erreicht, sondern der Schwächezustand des 
Körpers ward von Tage zu Tage bedenkli- 
cher, indem sich nun noch mehrere auffal- 
lende Symptome hinzugesellten, als: Aus- 
fallen der Haare, Kniewanken und Fieberan- 
fälle während der Digestionszeit, eine äus^ 

^erst schmerzhafte Emplindung in beiden Ho- 
den, wobey der schon vorher erwähnte 
Schmerz im Inneren des Beckens nun noch 
heutiger wurde, li^ dieser höchst bedenklichen 

• Las^e ersuchte er mich ^ ihn auFs baldigste ' 
zu , besuchen und meinen Rath mitzutheilen. 
— Ich sah ihn daher am ig. July des Mor* 
gens, wo ich ihn beträchtlich abgemagert und 
entkräftet im Bette liegend antraf» Ihn vor- 
her gekannt zu haben , konnte ich jetzt nur 
aus der Sprache und den bekannten Zügen 
des übrigens entstellten Gesichtes meines 
Kranken schlief^en; denn sein äufseres Anse* 
hen verrieth den ehemals von der Natur 
mit eigener Vorliebe ausgeschmückten jungen 
Mann keineswegs mehr. £r erzählte mir nun 
die Entstehung seiner Leiden , und ihre (schon 
bisher angeführte) FoJgenreihe der nun bis zu 
einem Jiohen Grade gestiegenen Abzehrung, 
\^elche dem vorsichtig prognosticirenden Arzt 
XIX. B. 5. St- K 



— i46 — 

bey der fc^nern Behandlung wenige Früchte 
zu ärndten versprach. 

Ich gieng sogleich zu einer genauen Un- 
tersuchung seines Krankheitszustandes über, 
von dßm ich bisher nur oberflächlich unter* 
richtet war. ' — Seine Geisteskräfte schienen 
noch nicht merklich gelitten zu haben ; er 
glaubte, wie alle, die sich mit ihm eines so- 
genannten sanguinischen Temperaments er- 
freuen ^ nur überall Hoffnung zu sehen ^^ oad 
war, trotz der heftigen Schmerzen, und so 
vieler schlaflos zugebrachten* Nächte, noch 
nicht mifsmuthig geworden. Ich lasse es da- 
hin gestellt seyn, ob nicht auch diese geistige 
' Anlage auf seine folgende, nicht zu erwar- 
tende Besserung, einen yiel vermögenden 
Eihflufs hatte ; berühre e^ blos, in so fem es 
mich, als seinen mit so viel Zuversicht und 
Vertrauen gewählten Arzt, interessiren konn- 
te. — Er klagte besonders über hänfij[e 
nächtliche Saamenergiefsungen/ die, obschon 
er alles zu vermeiden suchte, vras selbige 
hervorlocken könnte, doch fast jede Nacht 
wiederkehrten-, und ihn äulserst erschöpften, 
darauf empfände er jedesmal heftiges Kopf- 
weh am Occiputy und eine eigene kriebelnde 
Empfindung längs dem Rückgrate. •«< Sein 
Pnls war schwach und klein, dabey aber 
merklich beschleunigt ; seine Respiration gin| 



— i47 — 

{ibiigen^ gehörig Voii statten; er hätte liber^ 
haupt tiie an Züfälleii der Lupgd gelitten $ 
das Gesicht war bleich, die Au^eii eingefal- 
len, und diä Haut de^, gänsen KÖrpets schlaff 
anzufühlen» Nack jedesmaliger. Mafal^it be- 
fand er sich Viel übler ^ besonders ^egeä 
Abend ^ wo er jedcisöiäl ciü Fröstelii b^imerk^ 
te j X dein ^ine fliegende Hitze folgte, Welche 
bald k<im, bald Verschwand ^ abet fast ni^ 
mit Schweifs endigte^ Wahrend der Remis- 
sion wareii seine Hände und Fülse meistens' 
kalt anzufühlen. Er afs liicht sehr Viel$ aber 
äufslfrst gäschwilid^ und litt meistens |in Ob- 
structionenj der jedesniatigd Abg9ng Von £x- 
cretnetiten ettegte ihm ini Mastdärme hefrigö 
Beschwetdeü; Die^. letztere^ wie auch dex" 
heftige ziehende Schmerz der Hoden 9 bewQg 
ihn^ mich zu bitten, ihn Vo^ allen Üihgisü 
von diesen beiden tleb<9ln tu befreieil^ iodeiii 
er mich versicherte ^ dafs er ioüst keine Kiir' 
auszühalten Fähig seyn wiii'de. ^-^ IJa ich 
nun von seinem Zustände im Allgemeinei^ 
hinlänglich Unterrichtet war^ ^6 beschlpfs ich^ 
ihn sogleich geniluer zu untersuchen^ üni 
dem Localleideii der Hoden sä yiel als m(>g« 
lieh auf die Sput* 2ü komtnen^ denh deü 
Schmerz im Inneren des Beckelis hielt ich 
gleich Änfaügs für da^f was ih der Pol^ä did 
Untersudiung liiich lehrte. loh fand leiü 



— l48 -r 

Scrotum sehr erschlafft, es zog sich selbst 
bey der Berührung von Kälte nicht znsam- 
men; die Hoden waren beide von ziemlicher 
Gröfse gewesen, wovon jedoch der eine^ und 
zwar der rechte« um eia beträchtliches kiei- 
ner und runder gefunden ward, als der lin- 
ke; Patient versicherte mich, dals er dies 
erst seit der Zeit bemerke, wo si<^ der hef- 
tige und ziehende Schmerz derselben einge- 
funden habe. Er habe nie an einem Znialie 
der Hoden gelitten, an denen ich auck 
^schlechterdings nichts Widernatürliches wahr^ 
, nehn^en koqiite» Beide funiculi gpermutid 
waren gans gesund anzufühlen, die annuU 
abdominales gehörig weit, die InguinaldräseB 
nicht angeschwollen. Dafs ich mir nun die- 
sen eigenen, meinen Kranken höchst guälen* 
den Hodenschmerz auf keine andere Weise, 
ab aus der Mitleidenschaft des äufsent ge- 
schwächten Nervensystems zu erklären fähig 
war, wird hoffentlich jedefr glauben y der bey 
der treuen Relation meiner Untersuchung, 
sich mit mir von der Nichtexistenz irgend 
eines widernatürlichen Zustandes dieser Theild 
überzeugt hat. — Die darauf angestellte Un-" 
tersuchung durch Einbringung des Fingers 
in den Mastdarm , zeigte mir deutlich » dais 
ich mich in der Diagnosis nicht geirrt hatte, 
indem ich gleicVi AixEangs verniuthete^ dafs 



l 



der im Inneren des Beckens empfundene 
Schmerz eine angeschwollene 'Prostatam zum 
' Grunde haben würde. Sie war niebt nur be* 
träohtlich angeschwollen, sondern erregte auch 
bej der fieriihrong einen mehr driickendeü 
ah Stechenden Sfhm'erz. Merkwürdig schien 
es mir jedoch, dafs blos dieser, nändich der 
schmälere Theil dieser Drüse/ aatL dieser chro- 
nischen Entzündung und anfangenden Yer^ 
härtung litt^ denn hätte dieses auch hey dem 
vorderen und breiteren Theile, der den Bhh- 
senhals umgiebt. Statt gefunden, so mäTste 
eine V^haltung oder wenigstens eine Verzö- 
gerung des Urinabgangs die natürliche, Folge 
davon gewesen seyn, welches; jedoch nicht 
befunden wurde; Ja ich konnte sogar ^ea 
Gatheter mit leichter Mühe in die Blase brin- 
gen, den ich, wo letzteres Snitt feind, immer 
nur mit grofser Mühe einbrachte, indem ich 
ihn um seine Axe zu drehen genotkigt war. 
Uebrigens fand .ich im Intestina recto keine 
Anschwellung von Hämorrhoidalgefälsen, so, 
dafs auch der beschwerliche Abgang des 
Kotbs einzig und . allein der Anschwellung 
der Prostata zuzuschreiben war« 

Jetzt von dem vorkergegsmgenen sowohl, 
als von dem gegenwärtigen Krankheitszu^rtande 
meines Kranken sattsam unterrichtet, erklärte 
ich mir den Gang dersdben folgendermafsen: 



AU er sieb auF der Heise befand , }itt er 
^boQ am Tripper; die^s^ete Bt^wegung^^der 
GenuIS^ reiti^eiider 3peisen upd Getrwke^ err 
regte eift sthenisches Fieber, >^elche9 durcb 
die beschleuiiigte Anwendung der antiphlqgistl<s 
sieben Heilflietbode i« ibrem ganzen Umfarigt 
^war gebpbeu ward) allein der Kranke war4 
ßucb ^^1cl\ 4»^ i^nhedipgte Anwendung der- 
$^Iben \n ei^e directe Antbepie gestUrzt^ de- 
ren Folgep jederzeit ^br bedenklich «ind« 
Pas liocalleiden der fiodei) war yo.o dieser 
allgemeinen Sohwäcbe ^bbängig, wie leb nur 
es aucb Anfangs, nur mit finderp Worten, 
aii^ deni Qoiisen^ der JN^erven zu er^kläreQ 
gesQnpen war. Wa« eipdliqb die ^hronispbe 
{inUiindupg der PrQStc^ta anbelangt , so glaube 
icb nicht; 9 da|V dieselbe aU FplgQ der letzt 
gebabtei^ QQnorrbpe fl^nzHsebea se^, ^oi|deri\ 
yielmehr «Sil!» Ueberbleibsel eiper mit dem 
I^ng<t YQrber erlittene^ Tripper yerhufideji 
gewesenen aptive^ Ent?^ündu^g z\\ betiaghten 
sey. Qenn nur spät HPd buchst labgss^iA 
pflegt diese Diiise in Sciribun^ tiberiiugeben. 
Diesem sey pun w^e ihip wollet de^^ aua der 
Relatiqn meines ICrapli^ep konpte icb über 
die den Tripper jedesmal begieitet h^beiidei^ 
Symptome ^^^ wepig Lipbt erbaUe«, 
.. Bey so bewtindtejp^ ymständep sfi\^ ich 
mich genptbig^ zur Verordnung solcher Mit- 



— i5i ^ V 

tel zu schreiten , welche d^m Schwächezustande 
völlig angemessen waren, in der Ueberzeu- 
gungy dafs durch die Anwendung einer ratio- 
nellen Heifmethode/die mit der Hauptkrank- 
lieit verbundenen Localaffectionen zugleich 
gehoben wiirdeiii Daher ich am iStea . July 
folgende Mittel verordnete: 
^, CortlCf PeruVn selecit^j%y coq. ex Aquae 
fontan^. ^xvj\ ad remanent. ^vij\y CoL 
adde^ Syrupi cort. Aurantior^ ^\, T/zic- 
iur(ie CinnarhoiHi $iij\^ Liquor, anodmi 
H. Zij\ M. D. S. Alle zwei Stunden 
zwei Efslöffel voll zu nehmen. 
Dabey verordnete ich des Morgens und 
und Abends einige Tassen eines concentrir- 
ten Aufgusses vom Lieben Islandic. — In 
diätetischer Hinsicht erlaubte iqh alle 3' Stun- 
den 7wei Tassen einer kräftigen Rindfleisch- 
brühe, niit Eydottei vermischt^ zu genieisen, 
so wie ich überhaupt nur leicht verdauliche 
und nährende Speisen anempfohl. Obscbon 
ich n]^ich fe^t iiberzeiigt hielt, dafs durch die 
genaue Anwendi^ng dieser vorgeschriebenen 
Heilmethode ^mein Zweck: den asthenischen 
!^ustand des ganzen Körpers zu heben, er- 
reicht werden könnte | sosk^h ich "mich doch 
genötbigt, den Bitten meiiiea Kmnkem in so 
fern nachzugeben, dafii ich gegen die ver- 
schiedenen dringenden Sytpptomenoch einige 



— l52 — 

Mittel verordnen mufste. Daher ich ihm fol- 
gende Pälver verordnete: 
1^. Opii crudi gr, j, , Elaeosach. Menth, pip. 

37'' Mise, et disp* iaL dos. viij. 
Hiervon rieth ich des Abends kurz vor Schla- 
fengehen eine Dosis zu nahmen, und jeden 
folgenden Abend einen viertel Theil dieser 
Gabe zuzusetzen. Auch fand ich für gut, 
täglich ein erweichendes anodynisches Klystier 
zu verordnen^ um dadurch den Abgang des 
Köthes zu erleichtern 9 und zugleich die 
schmerzhafte Empfindung der Prostata vjl 
besänftigen. 

So verflossen^ während des Gebrauches 
dieser Mittel acht Tage, ohne dafs ich ge- 
nöthigt war, während der Zeit eine besondere 
' Abänderung der Arzneimittel zu untemeh- 
nfien. Ich veränderte nun die Gaben dersel- 
ben, nach Befinden des Schwächezus^mdes, 
wobey sich der Kranke ziemlich erträglich 
befand. 

Heute^ am T&sten flieses^ machte er mich 
bej der Untersuchung seiner Hoden , deren 
Schmerzen auch während der Nacht ^ trotz 
des Opiats, noch immer fortwährten» auf die 
fernere Abnahme derselben aufmerKsam. Iph 
fand dies zwar an -dem rechten Hoden , den 
ich gleich Anfangs' runder und dabey. kleiner 
bemerkte, da hingegen an der linken eine auf- 



/ 



, — i53 . — ■ 

fallende Abnahme nicht zu bemerken war« 
Doch fand ich es für nothwendig, knnftig 
ein besonderes Augenmerk auf sie zu haben. 
— Die Fieberanfätle waren bey dem fortge- 
setzten Gebrauche der Medicamente utid der 
damit rerbundenen diätetischen Mittel um 
vieles gelinder geworden; auch hatte das hef- 
tige Kopfweh und das Kriebeln längs dem 
Hückgrate beträchtlich nachgelassen. Da er 
auch Verminderung der übrigen krampfhaften 
Beschwerden verspürte, so rieth ich, mit der 
Mixtur, der ich nur noch einen Scrupel der 
Tinct, thebaicae Ph, Edimb. zusetzte, fort- 
zufahren; dabey empfahl ich jVdoch, des Vor- 
mittags eine Tasse Ghocolade zu geniefsen, 
und mit folgendem " Liniment viermal des 
Tags das Rückgrat einzureiben:. 
j^i. Olei amjrgclalarum dulc. |/., Spiritus s, 

ammon. caustici Ziij. , Olei aetherei Cafe'- 

putj Olei aetherei Menthae crispae ana 3^. 

M, X>« Ad vitrum exacie clausuni. 

Eine dazwischen gekommene Geschäfts^ 
reise von zwei Tagen verhinderte mich , . ihn 
eher als den s^^tert dieses zu sehen. loh fand 
ihn , wie schon sein äuüseres Anseheft ver-^ 
rieth j um vieles besser, welches er mir auch 
gleich «be/m Eintritte sehr freudig gestand, 
indem er hinzusetzte: dais er, da er nun 
ziemlich leidlich geschlafen habe, auch etwas* 



« j54 -^ 

Zuoahmer der Kräfte bemerke, • Von Pollutio- 
nen sey ei* einige Tage lang befreit geblie- 
ben. Auc)i habe 4ei^ Schmerz im Inneren 
der jHoden zw^r um etwas nachgelassen, 
doch werde ihni das Schwinden dei'selben^ 
dessen ich mich nun wohl überzeugen würde, 
höchst bedenklich. Uebrigens versicherte er 
niich, däfs er sich in den Abendstunden um 
vielem besser fühle, indem er nur noch um 
diese Zeit etwas fliegende Hitze bemerke. 
Sein PuU war ia der That etwas JuraftvoUer 
nnd 9uch nioht mehr so beschleunigt. Sein 
Appetit war gehörig, er befand sich zur 
^eit der Verdauung viel wohler als ehedem* 
Sein Urin war ziemlich tingirt; nach dem 
fClystiere erhielt er auch täglich Oeffnung, 
ohne heftige Btischwerden der PrasUü^^ 

Bey dem Befühlen der Hoden ward auch 
ich yon der wahren Atrophie derselben Über- 
zeugt, indem der zweite Hode, der mir $oDst 
ganz gesund schien, nun aiJich an leiner 
Gröfse abnahm. Für was konnte iqh diese 
partielle Atrophie anders halten 9 als fiir eine 
Folge des äufserst gesch^v ächten Nerven - S7* 
Qtems? Vielleicht trugen die häufig vorher^ 
gegangenen ^xcessus in venerey so wie die 
fernerhin eingetretenen nächtUchen Saaoien« 
ergielsungen vie} dazu hejr, *-- . Allein wid 
XsLWL es, . daXs. erst jeü^ die Abnahme dersel- 



■TT. '|55 rrr. 

he^ so schnell vor sich gieng, d4 doch ^ev 
Krani(.e sich aUmäblig zu bessem anfing, d% 
doch dies l^ocalleid^A ^i^^g und allein von 
der Hftiiptkranl&heit; abhäogen inuiste? Ich 
heschlois, mit dem Gebraucht der sämmtli« 
cheii Mittel meinen Kranl^en fortfahren zu 
leisen 4 und suchte nur poch besonders ge« 
gen die Localalfection solche äuffere Mittel 
zu verordnen, welche fuit der Würkpng dei: 
innerlichen IVIittel übereinkamen. Ich lieis 
daher täglich viermal einen Kaffeelöffel voll' 
von folgender 3albe anf da^ Scfotum ein«' 
reiben ; 

^x Linimer^ti volatilis i^ondinensis ^/«i ßalr 
Si^nf^i vUße H^ compleii ^ ^ Tingturae then 
lnafcae Ph^ Edimb^ ana 3tfj\ M» D^ 
Dabey des Morgens wnd Abends das Scro-u 
tu^ in ein lauwarmes 9ad hängen ^^ sq aus 
einem concentrirten Chi<^ - Absud bestand, 
dem no<:h aromatische Kränter nad Stahlku-f 
geln beygeseut vvurden- r— Läng^ d^m Mit-» 
telfleische ward eine 3albe, die aus einer 
Un?e Unff, Nervin, nnd ?wei 3crupeln O/, 
volat^ Ci C. bestand, eingerieben* 

Vier Tage hatt^ er nun abermals von 
diesen Hülfsmitt^ln ^ in Verbindung nui; der 
Hauptkur, folgsamen Crebraucb gemacht 4 al« 
ich ihn am Zfen AuguuA'^^ Vormittags be^ 
suchte. £r war jetzt den Tag über aulser 



— i56 — 

dem Bette, und konnte sogar ohne grofse 
Anstrengung im Zimmer auF und ab gehen. 
Von Fieberanfällen könbe er nichts mehr 
bemerken; der Schlaf fände sieh allmählig 
ein > so ) dafs er sich , obschon ihn die 
Schmerzen der Hoden noch mancher Stunde 
Schlafs beraubten, des Morgens gestärkt 
fühle. Sein Puls gieng heute regolmälsiger 
und voller, hls vorher. Hände und FiiTsa 
Waren warm anzufühlen; überhaupt verloren 
sich die krampfhaften Zufälle sehr bald nadi 
dem Gebrauche des Coriex, in der so heilsa* 
men Verbindung mit dem Opium. Von Tage 
zu Tage ward sein Befinden besser, und 
doch nahmen beide Hoden noch immer ab, 
die Schmerzen währten fort, ja der Kranke 
versicherte mich sogar, dafs er eine gewisse 
Leichtigkeit hey'm Aufheben des Scrotums 
bemeike, welches er freilich nur allein rich- 
tig zu beobachten und genau zu taxiren fähig 
war. 

Bey diesem heutigen Besuche ' erdAaete 
er mir auch seinen Wunsch, einige Wochen 
hindurch die Landluft geniefsen zu können, 
dagegen ich allerdings nichts hatte ^ indem es 
mich sogar erfreute, da auch hierdurch eine 
baldige Besserung bezweckt wurden Ich bat 
ihn jedoch, während des Aufenthaltes auf 
dem Lande alle Morgen sich eines lauwarmen 



— i57 — '■ 

Bades zu l>edienen, das aus einem Decoct 
des Corticis Salicis bestehen sollte, dem TAj<^- 
mus^ SerpylLp Herb. Majoran,^ Mentha crispa^ 
Flor. vend. und Flores ChamomilL roman. 
zugesetzt werden sollten. Ferner verordnete 
ich ihm folgende Mischung; 
^* Cort. Peruv. seleci. ^jf. , coqj e» j4qüae 

fönt* ^xVf ad remanentiam ^vij.^ Colat. 

adde Syrupi cort. Aurantior* 5/., Liquor. 

anod. martiaU ^jj. M* D. S. Alle a 

Stunden 2 Efsiöffel davon zu nehmen,, 
Mil^ den Localbädem rieth ich ebenfalls fort- 
zufahren, so wie ich auch für gut befand, die 
am 29. praet^rlti verordneten Einreibungen« 
noch eine Zeit lang fortzusetzen , uin zu se- 
hen, ob nicht, durch den anhaltende^ Ge- 
brauch dieser sonst so viel vermögenden 
Mittel, dieser so unerklärbaren Abzehrung 
Einhalt gethan werden könnte. '— Die Opiate^ 
welche er bisher bey'm Schlafengehen genom- 
men hatte, wurden nun ausgesetzt, indem 
der Kranke, aus Furöht, dals sie ihm zur 
Gewohnheit werden möchten, sich dem fer- 
neren Gebrauche derselben nicht gern unter- 
ziehen wollte. 

Wegen seiner etwas weiten, Entfernung 
von der Stadt bat ich ihn, mich künftighin 
von dem ferneren Verlaufe seiner Krankheit 
schriftkoh zu unterrichten, wo ich ^daiAXL 



/ 

betnUlit aeyti würde, die Wahl ^chicklidiet 
Mittel ron hier aus zii treffen^ — Allein käuin 
War er 'j Tage äbwe^ench^ als ich auch schon 
driligend ersucht Ward« mich zu ihm zu W 
gebea^ i:adeih er inöinet persönlichen Gegen- 
wart tnehi* als jemals beüöthigt wäre. JDie 
Ursache blieb mir jedoch Probletii ^ ind^ih er 
keiüe Nachricht seines Befindens^ deiol Schie- 
ben beygerdgt hattöi 

Am vtten dieies begab ich mich ^vl ihni} 
wo ich meiiien Krahken ganz gegen Erwarteü 
eine viertel Stunde tor dem Orte seines Auf- 
enthaltes antraf; er versicherte inich, tehoH 
mehrere Tage hindurch einen Spaziergang 
ton glei^h^r Entfernung, ohne grolse Änstreti- 
güiig unternommen zu haben^ der ihm jedes- 
mal iehr gut bekommen wäre. Er versicherte 
mich ferner > däls er seiner Haüptkränkheit 
wegen meines Besuchs nicht "meht b^urfe^ 
sondern einzig und allein durch die stete 
Abnahme seiner Hoden dazu bewogen wor- 
den sej^ damit ich' mich nun no(ghm^ von 
d^r augenscheinlichen Gefahr überzeugen, 
und neue Würksamere Mittel in Vorschlag 
bringen sollte* 

Unerwartet konnte mir diese Nachriclit 
'^war nicht kommen^ aber unvorbereitet würde 
sie mich (ich gestehe ^s gern) fcidetzeit ge- 
trofTeJik haben« "Wie konnte ich äudli jetzt 



-- 159 -* 

noch von der Anwendung irgetid-isiiies Lo^ 
calmittels etwas hoffen^ da hier nur von eitieijir 
Heilmethode im Aligemeineii etwas zu erwar- 
ten war! £)a selbst nach deü aageitandten 
Mitteln die Hauptkränkheit geWicheti "Wtkt^ 
und der . Vorher so abgewehrte Kranke liuii 
wiedei" an Fleisch tiiid Kraft Wutiahm^ ohne 
dafs die Atrophie dat* Hoden im tnindesteH 
stille stand. Die Untersuchung des Sctoü 
zeigte mir deutlich die Verziere Ahüahme bei- 
der Hoden, wovon jetzt der linke mit dem 
rechten gleiche Gröfse hatte $ sie äteigteü dies« 
mal mehr Empfindlichkeit l>ey der BerUh-^ 
rung, ohschon Solist nichts Widern ätüriicb es 
\yahrzunehmen war. Noch immer führte der 
Kranke über den 'eigenen ziehendeü Schmers 
derselben (der jedoch periodisch VFar) die* 
selben Beschwerden« Dervoü der Anschwel- 
lung der Prostata herrührende Schmerz habe 
jedoch allmähiig abgenommezi, sey nur üoch 
bey'm Abgänge harter Excremente sehr be- 
merkbar. Auch fand ioh bey der Untersu- 
chung durch den Mästdarm deH. Umfang die- 
ser Drüse etwas vermindert; — Die Anwen<« 
düng sämmtlicher Vorgeschriebener Mittel, 
war ununterbrochen fortgesetzt worden, ui^ 
hatte allerdings erspriefsliche Dienste gelei« 
stet, indem sein Körper wieder zunahm und 
keines der vorigen üblen Symptom« ^axivmei- 



-^ 160 — 

nem Kranken mehr bemerkbar ward. Sein 
Puls war jetzt regelmäf&ig, der Schlaf ward 
imm^r erquickender; er afs mit Appetit und 
emprawl keine Beschwerden bey' der Ver- 
dauung. Die ihn Anfangs so erschöpfenden 
Pollutionen waren seit geraumer Zeit ausge- 
blieben. Sogar der Haarwuchs seines Anfangs 
fast /entblösten Kopfes gab mir deutliche Zei- 
chen seiner Wiedergenesung. Auch versi- 
cherte er mich, dals sein Puls zu keiner Zeit 
Fieberbewegungen anzeigte. 

Ich richtete demnach meine gacze Auf- 
merksamkeit auf die drohende Gefahr der 
Hoden, zu deren Erhaltung ich bis jetzt' eine 
Menge von inneren und äufseren Mitteln 
■vergebens angewendet hatte; ferner mit des- 
selben in gleichem Grade fortzufahren , wäre 
thörigt gewesen, da in diesem verzweifelten 
Falle .nur von der -baldigsten Anwendung ei- 
nes schnell würkenden Mittels etwas zu hof- 
fen war. Demnach verordnete ich: über das 
ganze Scrotum einen Sinapismum zu legen, 
und selbigen bis zum Rothmachen liegen zo 
lassen, in der Folge aber täglich zweimal das 
Scrotum in ein mit Senf bereitetes i)ad zu 
hängen , und sodann in Flaneli einzuwickekii 
der mit der Londoner flüchtigen Salbe be- 
strichen war* Dabey sollten . die am 3ten 
August d J. anempfohlenen Bäder, so wie 

die 



die Einreibungen des Mittelfleisches foltgei" 
setzt werden. Um aber auch, der noch Stau 
findenden Schwäch^ jdürch innere MiUel zu • 
begegnen^ iand ich für gut, folgei^e Mischung 
zu verordnen: » ' ' ' 

9^. ExU. cort, Pery^v^ opL 3/#/., Ferri saliti 
3/. 9 solve in Aquue Cinnarnomi vin^ 
^v. et aiide Syr. cort. Aarane. ^\ , Liq* 
anodm m. . Hoffm. Zij* M. D. S. Alle 
zwei . Stunden zwei Efslöffel davon zU 
nehmen. 
So wählte ich allmählich den Uebergang Von 
flüchtigen Reifzmitteln zu permanenten, mit 
denen ich jedoch erstere in geringer Menge 
verband, theils um ihre Würkung zu erhöhen^ 
theils auch um dadurch den noch schwachen 
Verdauungsorgaiien zu Hülfe zu • kommen, 
damit sie die etwas schwerer zu verarbeiten* 
den Arzneimittel leichter vertriigen. Dabey 
empfahl ich auch eine seinen ILräften anger 
messene fiewegung. 

Am i^cen Augui$ erhielt ich wieder 
Nachricht, wo er mir meldete: dais «r sich 
seit dem Gebrauche des Sinapismi jtind. der 
reitzenden BSder von den Schmerzen der 
Hoden gänzlu^h befreit fühle , welches zu sei«- 
ner Aufheiterung unendlidi viel beygetragen 
habe. Er könne nun ungestört die Nacht 
hindurch schlafen ^ und habe Hoffnung gefäfst, 
XDL B. 5. sr. L 



— i6a — 

dafs vielleicht diese edlen Theile erhalteo 
Werden kö'iinteii. Dessen ohnerachtet %ey et 
|edoch bishior nii1> der Benutzung der Bäder 
fortgefahren I und yerlange bestimmte Nudi- 
richt, ob mir der Gebrauch derselben noch 
fernerhin liöthig scheine. Sein übriges Be^ 
finden wSre gans nach Wunsch , indem er 
beträchtlich an Kräften zunähme. Er bemerktt 
auch noch| dafs das Scrotum ziemlich stark 
ausdünste« so, dafs bej Abnahme de» Fla- 
nells eine Menge Schweirstropfen sich sam- 
melten. 

Die letzt^erordnete Misdiung aus China« 
Extract und salzsaurem Eisen liefs ich am 
fortsetzen y mit Beobachtung der h^y er&tere^ 
Verordnung d^selben angegebenen Gautelen; 
da ich hingegen die so treflich gewurke ha- 
benden Senfbäder aussetzen , tind nur npch 
die Einwickelung in den mit Liniment be- 
strichenen Flanell fortsetzen liefs. In diäteti- 
scher Hinsicht erlaubte ich ihm nunmehr 
zum Gebrauche soliderer Speisen überzuge- 
hen^ wobey ich Jedoch die nöthige AuswaU 
anempfahl. 

Da die. Schmerzen in den Hoden nul^ 

nachgelassen hatten, uiid der Kranke die so 

. sehnlichst gewünschte Ruhe erhielt^ die^l- 

lerdings zu seiner gänzlichen Genesung höchst 

erforderlich war, so blieb mir anch für ihn 



-- x65 '— 

nichts mdu zu filrchten übrig« Um. mich 
jedoch recht bald von der überwundenen 
Atrophie überseugen zu können, ersuchte 
ich ihn, mich recht bald zu besuchen* Die$ 
geschah am dg. August, wo ich ihn ^u mei- 
ner nicht geringen Freude iulserat heiter 
und £rbh bey mir ein|reten sah. / Zwar ^och 
mager, aber doch kraftvoll, sah ich den vor 
6 Wochen dem Tode nahen Kranken« der 
sein Daseyn von neuem zu fühlen • begann« 
— Beide Hoden hatten in der That seit der 
Anwendung- der letzt verordneten rocbma« 
cfaenden Mittel am Umfange' nicht mehr ab- 
genommen. Das Scrotum selbst zeigte mehr 
Kraft, indem es sich sogleich bey der Berüh- 
rung zusammenzogt was seit vielen Wochen 
nicht der Fäll WHr. Ich verordnete nun nur 
noch Aufschläge von aromatischen Kräutern^ .so 
mit Wein infundirt waren, um nun auch zur 
ferneren Wiederherstellung alles gethan zu 
haben. 

Da jedoch die noch immer etwas ^mge- 
schwoUene und hart anzufühlende Proiiata 
ein noch zu entfernendes Uebel meinea 
Kranken war, so entschlofs ich mich, ihm 
folgende Pillen zu verordnen • 
Yjl. Gummi Asae foeUdae Siy«, Sulphur^ an* 
iimonü cur, Zj.y Extracd Aconiü.Na^ 
pelli 5i/. Mise, exacie ec/. La. pil.. 4ut 
La 



pondm gr. üj. S, Des Morgens und 

Abends jedesmal 12 Stück zu nehmen. 
Dabej sollten die gleich Anfangs verordne* 
Un Einrclibungen in*s Mittelfleiseh fleilsig 
fortgesetzt Yrerdem Ein saturirtes Chinade» 
coct sollte n^benbey den Tag hindurch in 
g^theilten Gaben verbraucht werden; 

Sdion hatte er diese Pillen mit äugen- 
ScheinKchem Nutzen, zugleich. mit steter An« 
Wendung der übrigen Mittel 9 zum zweiten- 
male verbraucht^ als eit .am i4* Sept. d. J. 
hier eintraf, wo er mich sogleich besuchte, 
um mi^ seine Abreise, wozu ihn dringende 
Geschäfte nöthigten, anzuzeigen. £c über* 
zeugte mich, dafs seine Hoden nicht nur im 
Zunehmen begriffen wären, sondern auch 
nicht die ^ringsten Schmerzen mehr erreg- 
ten. Ich faod sie in der That nicht. nur um 
ein beträchtliches gröfser, sondern auch bei- 
de eina&der gleich und mehr oval als ehe- 
dem. — Noch war die Verhärtung der Pro- 
staia nicht völlig gehoben, doch $0, dafs sie 
lim ein merkliches abgenommen hatte , und 
•ihn beym Abgange des Kothes nicht mehr 
belästigte». 

Ich empfahl ihm daher ein regelmäfsiges 
Verhalten, um die noch zum Tfaeil fehlenden 
Kräfte zu ersetzen, und ersuchte ihn sugleich, 
den Gebrauch der ietst .veffordnetea Iklitte 



- i65 - 

noch eine Zeit lang fortznaetien, wenn er tu 
Ort und Stelle angelangt seyn würde. 

Jetzt, nach Verüufs eines Jahres/ mel- 
dete er mir aus seiner Heimath, dais ei« nun 
von dem Localleideo der Vorsteherdrüse 
ganzlich befreit sey, und einer vollkomme- 
nen Gesundheit geniefse. Wahrlich ein Bey* 
trag zii dem Triumphe der Heilkunst! 



— t66 — , 



;VI. 

K u r « e N a € h r i c h t e n 

und 

medizinifche Neuigkeiten- 



Ausßlhrlicher Befiehl über den in Frankreich 
beobachteten Knaben y der ein Kind im 
. Leibe getragen haben soll. 

(Gasen« de S«nt<^ No. i« i Thermid. an Xu.) 

So eben erhalten wir von Verneuil durch 
einen Freund, der einer ungetheilten Achtung 
geniefstf einen bedeutenden Posten bekleidet 
und zugleich als ein verdienstvoller Gelehrter 
rühmlichst bekannt ist, folgendes hier wöit« 
lieh mitgetheilte Visufn rep^rtum über den 
Leichnam eines Kindes, angeblich aus Reuen 
gebürtig, dessen wunderbare Frudid>arkeit 
gegenwärtig die Aufmerksaml^eit sowoU der 
Gelehrten als Layen, auf sich gezogen hat. — 



i wrr- llBj r- 

V 

Wir glauben unseren Leftern einen Üieost 
zu leinen y wenn' wir ihnen dieses P^isum /»• 
per tum Wort für Wort mittlieilen^ und be» 
merken nur noch , dafs der Bi^ief, welcher 
dasselbe begleitet, hinzufügt, dals, das, männ- 
liche 'Geichlecht des Kinde«, sowohl in seiner 
äulser^n als inneren Bildung^ aufs neu^ durch 
die von dem Präfecten angeordnete Äusgra« 
bung aufser allen Zweifel gesetzt sey, und 
dafs ähnliche Erscheinungen in der Medicin 
nicht unerhört sind. 

«^Äm i4ten Juny iSo^ biegahen wir uns 
auf Verlangen des Hrn. Büsieu, des 6ohnS| 
in die Wohnung seines Vaters Kn Vemeuil, 
im Eure«» Departement, um dif^Section se^> 
nes jüngeren Sohns von 14 Jahren au unter«^ 
nehmen, Welcher Tags zuvor gestorben war.'^ 

y,Wir fanden in -der linken Seite, unter 
der Milz, in einem sehr grofsen, häutigen, 
dicken Sacke ,., welcher an einem der grofsen 
Gedärme,' angeblich dem Colon, b^ostigt war, 
zwei zuNammenhängende, aber doch bestimmt 
von einander «u ui^terscheidendet, in die, 
Queer gelegene Massep, von denen die un- 
tere aus einem starken Wulst von Haaren 
bestand, und 'die obere^ fast von derselben 
Grölse, hart, knochenartig, mit HaUt und 
einer Art von Haaren bedeckt, und mit sechs 
oder sieben gegen einander stehenden Zäl^nen 



' — i68 — 

rerseben war — -* also-eioe Art Tön unförmlichen , 
Kopf, eine Art ron Arm oder Bein mit drei 
Anhängseln, an der Stelle der Finger, auf • 
deren einem man ganz bestimmt eine Art 
ron Nagd, wie beym Menschen, erkennt« 
Auch bemerkt man einige Spuren des Auges 
-7- öd^ vielmehr der Orbita auf der «inen, 
nnd vom Ohre auf der anderen Seite, andt 
eine Art von Nase. Dieser unförmliche Kopf 
ist an einer 'khochigten un4 fleischigten Masse 
befestigt, welche die Stelle, der Brust und 
des Unterleibes vertritt, die hier nicht von 
einander xu* imteracheiden und fast gans 
forih-i und* bildlos sind« Die Milz war wie 
gewöhnlich an die P^asa brevia befestigti die 
fcnochenartige 'Masse aber an den untferen 
Theil der MiU, an .die J[Uppen und 4lie 66- 
lumnai^enebralis durch ein^ Art von star* 
keiii; flmscfaigtem und «ehr hartem Ligament» 
lind ist noch an dem eingesandten Präparate 
an dier Mik befestigt. Wir haben diese 
Masaoj die das Ansehen einer unförmlichen 
thierischen Frucht hat, nicht genauer unter- 
Büchty und haben sie in Weingeiat aufbe- 
wahrt, damit Sachverständige sie sehen, ge- 
nauer untersuchen und aufbewahren könntejB. 
Die Naturforscher aber haben Gelegenheiti 
ihren Scharfsinn an dieser wnnderwiirdig«n 
Erscheinung zu iiben^ die allen Oasetsen ^ar 



,- 169 ^ 

Natur zn widerspfechi^ü scheiht; dena, das 
erwähnte Subjekt war schlechterdings k(»ft 
Hermaphrodit. Sowohl innerlich als äufser* 
lieh fand sidi' keine Spur der Vagina, oder 
einer anderen Oeffnüng, kurz^ kein Zeichen 
des weiblichen Gecchlechts« Beide erwähnte 
Massen waren von einer dicken gelblichen 
Jauche bedeckt. Hr. Bissieu nahm sie mit 
nach Reuen ^ um sie den dortigen Aeraten 
Lamauve und BbiS" Dävaij wie auch dem 
Hospice*Chinirgus Masson und Hrn. Blanche^ 
gleichfalls Chirurgus su Rouen, zu zeigen. 
Letzterer hatte den erwähnten jungen Men- 
schen j der schon seit langer Zeit zu- Rouen 
gekränkelt hatte, behandelt und beobachtet, 
nnd bey der Abreise des Patienten^ Ton die- 
ser Stadt den Bruder desselben .ausdrücklich 
um die Section gdbeten, Falls der Tod er- 
folgen sollte.^' 

,,Wir haben diese Herren zu Rouen ge- 
beten, dieses merkwär'dige Präparat der me- 
dicinischen Facultat zuzusenden, und uns. zo- 
gleich ihre Bemerkungen und Meinungen 
über diese merkwürdige Monstrosität mitzu- 
theilen; und wir- wiederholen diese Bitte 
auch an die medioinische Facultat zu Paris. 
Zu Vemeuil haben auch der Maire, zwei 
Geistliche und über, ein Dutzend andere Per» 
sonen diese Merkwürdigkeit besichtigt. ^< 



„Der erwShnte }unge Mensch hatte ei- 
nige Woehen vor seinem Tode durch den 
Stuhlgang einen Knaiil Haare von sich gege- 
ben, der nach Rouen geschickt wurde;* und 
ef< fanden sich zwei diesem ähnliche runde 
Knüule, nach dem Tode, an dem beschriebie- 
nen Wulst von Haaren. «Jener abgegangene 
Haarkoaul konnte aber . doch nicht anders, aU 
durch den Darmkänal, zum Orificio ani ge- 
langen; welches beweist, dafs der DarmkanAl 
an der Stelle> wo er mit der knochigten 
.oder haarigten Masse verbunden war, durch 
Eiterung oder auf andere Weise eine OefiF- 
nung erhaken hatte. Die Section ward etwas 
eilig gemacht« Nach den Gesetzen ua4 ver^- 
möge eines von dem Maire erhaltenen Be- 
fehls , konnten wir erst beinahe 24 Stunden 
nach dem Tode, als die Beerdigung schon 
vor sich gehen sollte, die Section unterneh- 
men« Allein das von uns übersandte Präpa- 
rat reicht hin / um diesen merkwürdigan Fall 
gehörig beurtheilen zu können. << - 

t,Bey der Ankunft des jungen Menschen 
zu Verneuil, entdeckten wir eine betrichtlidbe 
Harte in der linken Seite« Wir waren «bar 
so wenig, wie die Chirurgen nnd Aerste an 
Rouen, im Stande, über die ^Natur dieai^r 
Verhärtung zu urtheäen. Der Kranke vtr 
aufserordentlich abgailnag«rt^ «nd hatte unanf- 



hörlichen PuTchfall/ Zu diesem ga^elltQ. sich 
einige Zeit nachher ein hartnäckiger und fa«t 
unaufhörlicher Husten, mit üblen purulentem 
Auswurfe» Auch fanden wir in den Lungen 
Tfon weifslichßm Ansehen swar kein Eitergff* 
schwUr, wohl aber eine Jauohe in diesem 
ganzen Viscus Tefbreitet« Die beträchtlicha 
Leber war gesund und stark unter das rechte 
Hypochondrium sAriickg^drangt. Alle übri- 
gen Eingeweide schienen uns gesund zu seyn« 
Der Durchfatl wurde am Ende so heftig, dals 
der Körper eioem Sis^lette gbchi. und daft 
wir bey Durchschneidung der Integumente 
kaum eine Spur yon lAui&li^elAy und an man« 
chen Stellen keine Spur von denselben fanden/^ 

mSo geschehen zu Verneuä| nnter pbi* 
gern Dato und Jahre. 

Unterz.: Öuerrin^ Dr. Med. 
— Bertin - Desmard^ites\ Chirurg. 

P. $. Was die Constitution des erwähn* 
ten jungen Menschen betrifft, so habe ^ich 
ihn wenig, oder zu sehen, oder doch mit 
zu wenig Aufmerksamkeit gesehen, um über 
sein Temperament urtheilen zu können« Aber 
aus den eingezogenen Nachrichten erhellet, 
dals er als Knabe einen sehr starken Bauch 
gehabt habe* Man schnürte ihn deshalb bis 
an die He^io pu^is ein.\ Dabey war er 



•ächwücUich^ TOn gelbUch - erdfarbenem An- 
sehen» Als ^r heranwuchs, zeigte er eine 
^ Ungewöhnliche Lebhaftigkeit und Gewaifdt« 

hielt. Ich erinnere mieh >or zwei oder drei 
fahren immer gehört zit- haben , dais er eins 
der lebhaftesten, thStignen Kinder war; Pfer- 
de ritt und jagte im btofseii Kopfe. Er hatte 
fcndi einst den Arm gebrochen; war aber m> 
gut geheilt geworden ; daß er ihn voUkona- 
men und ohne alle Beschwerde gebrauchen 
konnte. -Er war darauf nach Rou^ in eine 
. Pension geschickt worden/ achtzehli Monate 
daselbst geblieben, nnd der Angabe nach dä^ 
selbst seit 'fiinf Monaten erkrankt. Bey sei- 
her anhakenden Kränklichkeit aber kehrte 
w''nach. Verneuil 2« seinen Eltern zuräck^ 
l!md endete nach ohngefahr zwei Monaten 
sein kurzes Leben. Sein Geist war lebhaft 
- und dtfrchdringehd nnd seinem Altei^ um 
ein bedeutendes zuror» 

Unterz. ; Guerrin^ Hr. Med. ** 



F. 



r 

Anhang des Herausgebers. 

Obiges Factum, dafs eine Mannsperson 
einen Fötus ipn Unterleibe getragen habei 
Wurde, als es in den Zeitungen erschien,- all- 
gemein für ein Mehrdien gehalten. Jetzt, 



— 173 — 

da uns Sadikundige Mäaaer eis 2 umstinkB^ 
che$ Visum repert^m mittheilen ^ kann man 
freilich die Sache nicht mehr als erdichtet^ 
ansehen ; > aber doch fehlt der Nachricht so 
yiel an Pricision und anatomiscber Genauig- 
keit , dafs sie unmöglich zur Grundlage eines 
entscheidenden Urtheils benutst werden kann. 
•^ Wir wissen weiter nichtSy' ab dafs im Un* 
terleibe sich ein Gewächs yörgefunden, wel- 
ches Haare, Knochen und Zähne enthalten 
habe, die dem Auge de^ Untersuchers Aehn^ 
lichkeit mit dem Ueberreste eines. Kindes eii 
haben schienen*. 

Nun ist es aber bekannt, da^ schon öEr^ 
ters in steatomatösen Gewächsen Haare, Knor 
eben, ja selbst (wenigsten^ in- desorganisir* 
ten Ovarifs) Zähne gefunden wurden , ohne 
Spuren eines Fötus-, sondern blos als Producte 
der degenerirten Naturplastik. — «- Könnte dies 
nicht auch hier der Fall gewesen seyn? 

Gesetzt aber, es würde durch fernere 
Untersuchungen^ die sehr zu wünschen wären, 
unleugbar entschieden, dals es würklich ein 
Fötus gewesen sey, so urtheile ich darüber 
folgendes: 

Es ht schlechterdings unmöglich, dals 
ein Fötus sich in dem männlichen Körper, 
also ohne das dazu bestimmte Organ, erzeu- 
gen kann. , Ist dies möglich, so sind, die 



— «74 — 

enteh Gnindgesets» äer Natur aufgelöset,' und 
es ist eben so 0ut möglich, dafs die Erde aus 
ihrer Bahn weichen^ und das Universum zu- 
aammenstiirzen kann. 

Es ist also nur folgende. Erklämngsart 
denkbar: Der junge Mensch war ein Zwil- 
lingskind, Der andere Zwilling war ioi Mat- 
terleibe dergestalt mit ihm yerwachsen, , dafs 
er in seiner Entwickelung gehindert wurde, 

• abstarb, und van den Bauchintegumenten 
des ersten umschlossen wurde, wo er nun 
als ein abgestorbener Fötus eben so wohl 
viele Jahre mit herum getragen werden 
konnte, als es schon von vielen Weibern 

.' bey CQncipuoniius exirauierinü geschehen ist. 



. ..♦ I ■ . . t > . -. i 



-^ 175 



I n h ä 1 t. 



1. Uebcfden Walinsinn, stiBC ErkenntDifs , Ur- 
saclien und Ueilun^^. Vom Jfferausgebir . 5 

n. lieber Terschieaene pathologiscbe Ertchei- 
nungen » welche das geatörte Ausdünstungage« 
achäCt cur Folge^hat, und welche auf^di^ g»> 
heime Verbindung, und Wechsehwur,kung der 
Oberfläche und der ionel-en Theile unaerea 
Körpers hindeuten. Vom Hrn. Hofr. /öräeni 
tu Hof , • 32 

III. Geschichte einer epidemischen Brä^ne, wel- 
che vom Monate September i8oi« bis cum 
Mobato Mär2 j8o2 sif Marien werder und in 
der umliegenden uegend, vornemKch unter ' 
Kindern, herrschend war. Vom Hm. Doct. 
und Kreis physicus Märcker sn Marienwerder 78 

IV. Einige glückliche Erfolge des Bukowiner 
Bades, vom Sommer i8o3. Vom Hm. Uoct. 

und Kreisphysicua Kansch su Miliuch . .135 

V. Heilung einer mit Atrophia testiculorum ver^ 
bundenen Tabes dorsalis Vom Hd« Dr. Fischer, 
praoticirendem Arxte xu Dresdaur . • • 148 



— 176 — ' 

Seitt 

VL Kwrsc Nadiriditcii und medidnische Neuig- 

keiMD. 

Aiiftfuhrlicher Beridit über den in Frankreick 
beobaditeten Knaben, der ein Kind- im 
Leibe getragto haben soll • , . • 166' 

Anhang des Herausgebers 17a 

MU 4ie/em Stucke dot Jownals f¥lrd atisgeQebeni 

Biblioth^ iier prokn/chen Heilkunde. Zwol/ler 
Band. Driues StiicL ^ 

Inhalt, 

Jökmnn CkrUti/in Rtil, Uebtr dfa EHketuu- 
nifs und Cur def Fieber. Betondere FteberUkre^ f^erter 
Band, Fieb^afte Nerpänkrankheiien. (Beichiufo^ 

J, L, F, Metzger, Praes. jiutenrieth Disser* 
tatio inauguratis medtca de haetenui praeterifitm ner^ 
vomm liiSträiione in sectionibui hjdröphoborum etc. 



J o u r n a 1 

der 

' practifchen 

Arzneykunde 

und 

Wundarznevkimft 



herausgegeben 



3. W. H u f e 1 a n d, 

König]. Preulf . Geheimen Ratb, rrukl, Leihktzt, Directör 

des Golleg. med. chirufg.» erftem Arst dertlharit^. 

u. f. w. 



Neunzehnter Band. Viertes Stück. 



Berlin 1804. 
In Unger« Journalhandlang. 



I 



. / 



L 

Kritische Bemerkungen 

über 

Hrn. Professot Horn's Meinung vom 

Kindbetterinnen - Fieber. 
Nebst einigen Krankengeschichten. 

Vom 

Dr., Ai i c h a e 1 i 8. 

(S. Hrn. Horn't Archiv. B. I. u. ll.) 



Jrir. Prof. Hörn hat durch die Hera\i8gah^ 
seines Archivs < den Aerzten Teutschlands 
reine ErfahrucTgen , die von allen Einflüssen 
gleichzeitiger Syst,eme frei sind^ tfaeils aus 
alteren und schon bekannten Schriften, theils 
aus seiner eigenen und anderer Praxis mit- 
th^ilen wollen,, um so zu einer Zeit, wo eicL 
Theil derselben mit TheoretiMteii sV^^V^^dixÄ- 
XIX, B. 4. sl A. 



— « — 

tlgt, den anderen wem dem Grande oder Un- 
grunde der Theorien durch Erfahrungen su 
belehren. Es sey um so nöthiger, meint er, 
sich der Erfahrungen zu bedienen, da bey 
der unbegrSnzten Menge individueller Fälle 
die Theorien nicht zureichten* 

Ob es dem Hm. Verf. im Allgemeinen 
geglückt ist y die Erfahrungen ganz rein* von 
allem Einflufse gleichzeitiger Theorien darzu^ 
Stellen, dies kann hier nicht der Zweck, nvek- 
ner Untersuchungen- seyn. Aber schwer wird 
es immer seyn, reine Erfahrungen darzustel- 
len und rein zu beobachten^ besonders wenn 
man sich schon bestimmt fiir eine Theorie 
erklärt, ohne dals diese nicht allenthalben, 
und oft wo siel es am Wenigsten dürfte, 
zum Vorscheine kommt und alles modelt 
und bestimmt« Und ist dies nicht in gewis- 
ser Rücksicht Jmmer der Fäll, dann ist ja 
doch alles blos Empirie.* Dafs die Sek- 
tey die bemühet ist, die Heilkunde schon 
jetzt in das'Kleid einer Wissenschaft zu zw'^* 
gen, so übel es ihr auch ip. manchen Thei-» 
len sitzen mag , und so oft jene auch genö- 
thigt wird, ganze Haupttheile umzuänderui 
die Erfahrung wenig zu Ratbe zog, odar 
vielmehr nur das fitir reine Erfahrung ausgab; 
Was in das System pafste, alles andere dreist 
für falsche Beobachtungen erklärte^ dies ist 



.— '7 — 

'eine Behaitptiitig , die nur die Sekte,-, und 
• unter dieser mehrere Individuen nur von sich 
nicht zugeben werden^ die aber jedem An« 
dersge^nnten deutlich eittleuehteU -*- Aber 
es Scheint) daü Hr. Prof. H. selbst in diesen 
Fehler, und n^tmentlich.bey der Abhandlung 
über, das Kjindbetterinnen-Fieher, verfallt. 

Was übrigens die Behauptung belrüBFc, 
dafs Erfahningen zur Heilung der zahllosi^n 
individuelle^ Fälle nöthiger sind^ wie Theorie, 
davon sehe ich keiaen Grund. Denn sind 
individuelle Falle, von denen keinjer, wie 
der Verf. sagt, dem anderen ganz gleich ist, 
so häufig, so kann, doch die ErfiihruDg we« 
nig ZQx Heilongsdes einzelnen Falles heytra« 
gen> indem em voik einem individuellen 
Falle abstrahirte Erfahrung dcfehiJb nie clurch- 
aus auf einen anderen angewend^ werdenN 
dar£ Und überhaupt ist das zu viele Indivi- 
dualisiren zu aicibts nutze, leitet zujt erbärm- 
lichsten .Empirie^ und widerspricht dem Sy- 
steme, welchem der, Yer£i apihjin|^^ -doch 
auch durchaus« 

Diese Einwürfe y.^iiie sich mir schon bey 
der Ankündigung dj^s Airchivs aufdrangen, 
erhielten durch' di^' Abhandlung Über das 
Kindbetterinnen-tFiebev noch mehr Gewifsheit« 
Sie zeigt deutlich, dafii es :dem Vei^' nicht 
an Gelegenheit Bfiangeke, diiese Krankheit 

A'd 



— 8 — 

zn beobachten; denii der Beschreibung der 
Zufälle kana man im Ganzea wenig hinzu- 
setzen; aber sie scheint mir auch zu bewei- 
sen, dafs es sehr schwer sey, rein zu beob- 
achten, und dafs Hr. Hörn schon mit der 
Idee an die Beschreibung der Krankheit gteng, 
sie sey nichts wie ein Typhus, und das Lei- 
den einzelner Th eile, blols ein höherer Grad 
der Krankheit in diesen einzelnen Theilen; 
dafs er schon vorher gegen die M^nung 
von einer dabey statt findenden Milchverset- 
zung eingenommen war, ohne die Sadhe mit 
einem, von keiner Theorie modificirten Blicke 
zu untersuchen^ dafs er entschlossen war, 
die Beobachtungen anderer geringer «i haU 
ten, wie seine eigenen, oder sie §ans tu 
läugnen , und den chemischen Untersuchun- 
gen, ohne eigene Oegen versuche anzustellen, 
keinen Glauben zu schenken. 

Schon die Behauptung: dafs die Zeichen 
eben so verschieden j wie die Ursachen, von 
den Aerzten Eingegeben sind, und daJs sie 
nur in den aufserwesentlichsten Punkten fiber- 
einstimimten, , hätte den Verf, aufmerksam 
nuichen miissen,. dafs vi^Ueicbt gerade diese^ 
von ihm für aufserwesentlich gehaltenen Punk- 
te, nicht so aufserwesentlich sejn mochten. 
Und warum werden diese Punkte vom Verf. 
Ri\r aufserwesentlich gehalten? Doch wohl aus 



keiner anderen Ursache^ als weil Hr. Hörn 
mit. einer Yorgefafsten Meinung nach einer 
yon^ ihm für allgemeia geltend gehaltenen 
Theorie, an die Erklärung dieser Krankheit 
gietig. £s wird hierdurch die Wahrheit einer 
Behauptung in einem vorhergehenden Auf- 
satze: Ueber die Erfahrung, sehr praktisch 
bewiesen y in wAbhem die' Schwierigkeit rei- 
ner Beobachtungen bey vorher angenomme- 
nen Theorien behauptet wird. Keine Krank- 
heit hat sich mehr nach den eben herrschen- 
den Systemen richten müssen, wie eben 
diese» und sie hat bald' entzündlich, bald ga-, 
strisch, bald faulig, bald nervös, bald asthe- 
nisch seyn müssen. Man bat sie nach allen 
diesen Methoden, und noch obendrein mit 
geheimen Mitteln, behandelt, und zw^ir mit 
gleichem Erfolge, nämlich es starben bey je- 
der Behandlung die meisten , und wenige 
kamen durch. Jeder lobte seine Methode, 
erklärte ihre WUrkungsart nach seinen vorge- 
fafsten Meinungen, wenn ihm nicht die Ge- 
heimhaltung . seiner Mittel dies unmöglich 
machte. Auch von seiner Methode rühmt 
der Verf., dafs sie die Kranken rette'^ wenn 
sie noch nicht eu sehr durch eine vorberge- 
tiende Behandlung; geschwächt und verschlim- 
mert wären; eine Behauptung, der ich um 
so mehr Glauben beymesse^ weil auch ich 



— 10 — 



bej einer ähnlichen^ , schon seit mehreren 
Jahren angewendeten Behandlung, die «ich 
von der des^ Verf, nur durch eine häußgere 
Ai^wendung der Zugpflaster, der Bähungen 
der Biikte, durch Vermf.idung warmer Bä« 
hungen des Unterleibes, und überhaupt durch 
die Rücksicht auf. die Milchversetzungen un« 
terscheidet, nur selten eine*Kindbetterin ster» 
ben sah; ^ Aber eben die gröfsere RUcksidit 
auf die Örtliche Krankheit^ nämlicli die 
Milchversetzung, die Hr« Hom^ weil er sie 
nicht apnimmt, meistens vemachlälsigt, halte 
ich Tür sehr wichtig und zur glüicklichen Be» 
endigung der Krankheit nöthig. Sie ist, mei« 
nen Beobachtungen zu Folge ^ wichtiger, ^6 
die Behandlung des damit verbundenen Fie« 
bers, da die gerährlichstea Zufälle immei» 
schnell durch die örtliche Behandlung gehe» 
ben werden, und sioh bey dem Gebrauche 
reitzender Mittel weder so schnell, und o£t 
gar nicht verloren. Aber es ist ein Fehler 
der Anhänger der £rregungsi;beori6<^ der si« 
cherlich nicht in ihr gegründet ist, durchaus 
alle T^rankheiten als innere zu beirachteHj 
und alles Leiden eines Theils bjofs für einen 
höheren' Grad des nämlichen üebels in einem 
einzelnen Theile antusehen. Aber warum 
sollten mit einer inneren Krankheit nicht 
orilichB Krankli|8\teB. \Qt\>\uDA«ii %«^tL l^önnen, 



und warum sollte eben diese Verbindaiig ei^ 
ner örtlichen Krankjieit mit einer allgemeinen 
nicht das Characteristische einer Krankheit 
bestimmen können? Die örtliche Krankheit 
kann sehr wohl Folge, der allgemeinen Krank« 
heit seyn, aber sicher wird,, wenn die Krank« 
heit örriich geworden ist, die Heilung der 
allgemeinen Krankheit nicht die Heilung der • 
örtlichen^ die dann aniser dem Würkungs« 
kreise der allgemeinen Reitzmittel ist» nach 
sich ziehen. . Man wird den Tjphus, der 
meistentheils die Kindbetterinnen** Fieber. be- 
gleitet, heben können, aber darum bleiben 
alle die örtlichen Erscheinungen yon * der 
Milchversetznng und alle die unordentlichen 
Fieberbewegiingen, die eine Folge des Reiz- 
zes der in ungewohnte Theile aufgenomme- 
nen MÜDh sind, unverändert. Um diese zu 
heben, ist eine örtliche Behandlung nöthig. 
Wird aber die allgemeine Behandlung ganz 
vernachläisigt» oder sollte sie gar die Fieber- 
gattung, welche die Ursache der Versetzung 
war , V vermehren , ' dann kann es nicht fehlen, 
dafs nicht neue Ergielsungen entstehen, die 
eine wiederholte örtliche Behandlung, er- 
fordern. ^ , 

Es scheint mir ein Hauptmangel bey der 
Theorie des Verf» von dieser Krankheit zu^ 
seyn, dafs. er ohne irge^ Y^Vsoltcsl^^tv^ 



-^ la — 

Gründe annimmt, daf« er alle, diese Krank- 
heit yon anderen Typhusarten so auffallend 
auszeichnenden Erscheinungen, durdiaus al- 
lein für ein höheres Leiden der einzelnen 
Theile ausgiebt, da jlich doch offenbar bey 
anderen Krankiieiten nichts ähnliches zeigt, 
und dafs er die Erfahrungen und die Gründe, 
welche für die Miichversetzungen sprechen, 
ohne hinlängliche Widerlegung und Erwägung 
der Thatsachen verwirft. 

Die Abhandlung des Hm. Pro£ Horti 
'i5t bestimmt y um die Fragen zu entstlieiden: 
Isi da% Kindbeuerinnen • Fieber von eJlen 
anderen Fiebern wesentlich unierstMeden? 
Ist es ein eigenthümliches selbststündiges Pie* 
ber? Worauf beruhet die wahre Natur diese» 
Fiebers? Finden reelle Unterschiede bey dem^ 
selben statte und worauf beruhen dieselben ? 
Welches ist die sicherste Behandlungsars die^ 
s^ Fiebers?. 

Diese Fragen scheinen nicht gnt abge* 
fafst zu seyn, am wenigsten in einem Archive, 
welches fUr reine Erfahrungen bestunmt ist, 
.denn sie setzen schon voraus, dafs das mit 
der Krunkheit der Kindbetterinnen yetbun« 
dene Fieber das Wesentliche der Krankheit 
sey, da doch erst durcl^ ErfahrungeiL^ die, 
wenn sie rein sind, leicht etwas anderes aas- 
sagen möchten, bestimoit werden mufs^ was 



— i3 — 

das W«sen der Kranilieit sey. So worden 
diese nämlichen Fragen bey der eiternden 
Lnngensnchr, bey der ungefabr die namlicbem 
Momente Yorkommen, doch sieber , wie es 
jedem einlencbten wird, sehr falsch seyn. • 
Wer würde hier Mos auf das Fieber seb«i 
und die Heilung derselben nur dnrcb die 
Heilung des mit ihr Yerbnndenen Fiebers an 
erreichen suchen. Dais aber der Fall der 
nimlicbe ist, habe ich schon durch meinen 
AnCiaU in diesem Journale sa seigen gesuchl, 
und werde es hier noch bestimmter su be- 
weisen suchen. Was soll auch das heilsen> 
ein eigenthamliches sdbststandiges Fieber? 
Soll es heilsen: Ist es Product eigenthümli* 
eher Schädlichkeiten? so wurde es sehr un^ 
bestimmt ausgedruckt seyn. Soll es aber 
heilsen : Ist es ein Fieber, das weder stheni- 
scher noch asthenischer Natur ist? so würde 
das doch dem Sy&tüme su sehr widersprechen, 
SU dem sich Hr. Hörn bekennt, als dals man 
es annehmen dürfte. Uebwhaupt möchten 
die vielen sich widersprechenden Theorien, 
die über diese Krankheit ezistiren, wohl Folge 
davon seyn , dab man das Fid>er, welches 
grölstentheils nur Symptom der Krankheit 
ist, oder als coenstirende Wurkung der Ur- 
sache der örtlichen Krankheit sehr veisdue- 
dener Natur seyn kann» fiir din Kmnkheit 



- i4 - 

selbst hielt, und keine Rücksicht auf die ört- 
liche Krankheit nahm. Man unterschied auch 
das Fieber nicht, welches theil« nur coexisti- 
^ rende '>^ürkung der Ursache der eigentlichen 
Krankheit war, theils aber selbst Ursache der 
Krankheit werden konnte, von dem, welches 
Folge der Krankheit war, und gerieth so in 
immer gröfsere Verwirrung.. Die nämlichen 
Irrthümer und Widersprüche kommen hey 
/dev Behandlung der , eiternden Lungensncht 
vor, da einige das Fieber mit schwächenden, 
andere mit stärkenden "Mitteln - behandehi 
wollen, und noch andere mit speeifiken Mif<r 
tehi, weil man das, meistens sthenisobe, Fie* 
ber, welches zur Entstehung der Ettenuag 
die Veranlassung gab , von dem. nicht unter« 
iehied, welches Folge deraalben war. 

Hr. Hörn behauptet, man treffe djese 

Krankheit, wenn man nur das abrechiie, was 

die Störung der Milch- und Loehien-^bson- 

dernng Eigenthümliches ^hervorbringe, sowohl 

bey unverheiratheten Mädchen, ak anch bey 

Mannspersonen an. Ob auch diese Behaap« 

tung zu den Sätzen gehört, die aus reinen 

Beobachtungen entspringen.? --^ Ss hat swat 

der Verf. in gewisser RUcksieht tekr Rechtf 

aber nur nicht in dem Sinne , wie er will 

Nimmt man EreiUcK alles das. vonder Krank- 

hekf wa# ihr die ge&XätD^'UStf^* -^oitAX^n^aKOL« 



V 



— i5 -. 

Absonderung Eigen thOmliöh es gewählt, bW^ 
dann nichts übrig, als ein gewöhnlicher Ty« 
phus oder eine Synoch^,' dann kann dieses 
Fieber 'iey federn Geschlechte unter allen ^ 
Umständen entstehen. Aber fragt nrnn, was 
isi denn das Eigenthiimliche des KiocUsette^ 
rinnen- Fiebers I und was sind- denn die Ei- 
genthümlichkeiten der Störung der -Milch* 
und Lochien- Absonderung? und findet man, 
dafs beide einerlei sind, dann mufs man der 
Behauptung freilich durchaus widersprecheo* 
Doch mit dem blo&en Widerspruch wurde ich^ 
wenigstens bey Hrn. H.^ nicht anskommeo. 
Um hier etwas zu entscheiden, muis Forziig- 
lieh bestimmt werden, was denn das Charmh^ 
.lerü tische des Kindbetierinnen^ Fiebers isim 

Alle die über diese Krankheit schriebeai 
nahmen als ein, die Krankheit &estimmendeS| 
Zeichen die Anschwellung des Unterl« ibes, 
und die beträchtlichen Schmerzen in denuel« 
ben an, die bald brennend, bald schneidend 
sind, und bemerkten, dafs die Zunahme die- 
ser Symptome immer die Zunahme der gan« 
zen Krankheit -zur Folge hatte, und hiennit 
auch die Gefahr stieg* Hiermit war^ wenn 
nicht völliges Verschwinden der MiT^^h, doch 
verminderte Absond^nng in den Brüsten 
verbunden. — Selbst der Verf. ksiiai TiSyi^t. 
Jäuj'nen^ dals Säst bey j^dem^üäiidibcttxwB^ 



— i6 — 

nenfieber, wenn auch die übrige Form nodi 
.so yerschieden.war, sich die&e Localaffection 
des Unterleibes in grölserem oder geringe- 
rem Grade gezeigt habe. Er sagt ferner: «die 
«Symptome, welche von dieser Localaffection 
«dependiren, sind bey diesem Fieber so we- 
«sentlich, dals man Recht hätte, jedem Fie- 
«ber, das bey einer Wöchnerin vorkömmt, 
«und diese Zufälle nicht bemerken läist, den 
«Namen eines Kindbetterinnenfiebf-rs zu ver- 
ttsagen. Meistens nimmt der Schmerz und 
«die Anschwellung mit allen übrigen Sympto* 
(cmen der Krankheit zu und ab.» — Diesem 
möchte ich noch hinzusetzen^ dafs mit diesen 
Localaffectionen des Unterleibes eine gro&e 
Angst yerbunden ist» die mit der Zunahme 
dieses Symptoms immer steigt, und Als, im 
Falle diese Localaffection des Unterleibes 
mangelt, man sicher an anderen Theilen ibn* 
liehe Affectionen findet, die entweder blofs 
mit Schmerz , oder auch , wenn es die Orga<^ 
nisatiön der Theile gestattet, m^t fri^^tbsrer 
Geschwulst verbunden sind, mit dßff je nach- 
dem sie Theile einnimmt, die. zum Athem- 
holen oder anderen Verrichtungen bestinunt 
sind, grofse Angst oder andere Erscheinun- 
gen yerbunden sind. -— Die Sectionen lehr- 
ten, dals sich in dem Unterleibe» oder in 
den anderen local afficirten Theilen, Ergies- 

sungcn 



_. 17 — 

sungen einer Materie fanden, die von ver« 
sch^edener. Gonsistenz, bald flüssig, bald ge- 
ronnen, yon grünlicher, Eiter- ähnlicher Fai^ 
be, und oft yoa saurem oder käsigem Ge- 
rüche war. Oehlige Materie ward oft mit 
dem Husten oder mit dem Stuhlgange aus- 
geleert« 

So gewj/ft dies letzte ist, so sehr man es 
durch Sr Aen bestätigt findet, und so we- 
nig man^^hnliche Erscheinungen sonst im 
Typhus gefunden hat, so geht doch Hr. H, 
über diesen Punkt mit einer Leichtigkeit 
weg, die auffallend ist;, und es scheint, dais 
er seiner Theorie zu Liebe die i^faemischen Ver- 
suche verschweigt, die Hemib^iäd$ mit di^er 
Materie ani^ teilte, und die ihre Aelmlicbkeit 
mit Milch unlängbar beweisen , und fuhrt nur 
Versuche von Pearson an, «die bitweisen sol- 
len, dafs diese Feuchtigkeit Jkeine Aehnlich- 
keit mit Milch habe. 

.Es gehört zu den wesf»ntlichen Zeichen 
dieser Krankheit, dals die Milchabsonderung 
immer gestört ist, und man findet zwischen 
dieser Störung und den Localzufällen im 
Bauche, in der Brust, im Halse, in deü 
Schenkeln u. s« f* immer eine auffallende Ue- 
bereinstimmungv Zwar sagt Hr. H.: «Ge- 
«wöhnUch wird die schon angefangene Milclu, 
«Secretion bey dem Eintritte des Fiebers ge- 
XIX. B. 4. sl . B 



— i8 — 

«stört 9 und die BrU|te erschlaffen», und 
scheint mit dem, was ich behaupte ^ überein- 
zustimmen, aber bald darauf sag}: er: — «.Ob- 
«igleich diese Erscheinungen von vielen Aen- 
«tten für wesentlich gehalten sin^» und die 
«Natur der Krankheit, vorzUgUch vpn den 
«Französischen Aerzten, in eine Versetzung 
«der Milch gesetzt ist, so hält es doch nicht 
«schwer , zu zeigen , dafs man bey dieser 
«Ansicht die successive Entwickelung der w^ 
«sentlichste^ Symptome, das Aufeinanderfc^ 
ccgen und ihre Verbindung zu einem Ganzen 
«nicht mit ruhigem und ungeblendetem Blicke 
«betrachtete, und, worauf hier alles ankömmt^ 
«einige sehr merkwürdige Wahrnehmungen 
«übersah. Schon die blofse Erinnerung an 
«diese Wahrnehmungen dürfte hinreichend 
«seyn, die Rechtmälsigkeit dieser Art, du 
«Kindb^terinnen - Fieber, zu erklären , und 
«seine Behandlung festzusetzen^ sehr Terdich- 
«tig zu machen. Diese GrBnde und Wahmeh- 
«mungen sind 'folgende: i) In einigen Fällen 
«hat sich die Krankheit mit allen ihren Zei* 
«chen schon eingestellt, und dann füngt erst 
«die Milch an aus den Brüsten zu venchwin- 
»den, und diese werden erst am dritten oder 
«yierten Tage welk und schlafF, und erst 
«nach mehreren Tagen hört die AbsonderuDg 
«yöllig auf. Oft tritt das Fidber bey sehr 



l 



— 19 — 

«vollen Brüsten ein , und da» Kind bekommt 
«mehr Nahrung, wie es bedarf/ und erst bej 
«der gröfsteit Höhe der Krankheit yerschwin- 
«det die Milch. Hier ist also yor Störung 
«der Milchabsondemng schon lieber zugegen* 
« — a) Im zweiten Falle erreicht die Krank- 
«heit den höchsten Grad, ja der Tod tritt 
«ein, -und die Brüste strotzen voll Milch. — 
«3) Sehr oft tritt die Milch plötzlich aus den 
«Brüsten, und erst nachher bemeikt man die 
«ersteig Zeichen des Uebelbefindens. — . 4) 
«Die Entbindung kommt zu Stande, und es 
«treten schon ror und während derselben 
«die bekannten Symptome des fieberhaften 
«Zustandes ein» Sie . nehmen plptzlich zu, 
«und nun bemerkt man das complete Kind* 
«betterinnenfieber zu einer Zeit, wo die 
«Milchsecretipn in den Brüsten noch gar 
«nicht angefangen hatte. Es ist dies derselbe 
«Fall, von dem SelU sagte: es erfolgten die 
«Schmerzen im Unterl-Jibe während des 
«Milchfiebers, so, dafs die Krise des Milch- 
«fiebers, die Absetzung der Milch in die 
«Brüste , nicht zu Stande käme. Aber Stils 
«habe gar nicht bewiesen, dafs die Absetzung 
«der Mildb in die Brüste Krise des Miich- 
«fiebelra sey.» 

Aber unter allen diesen von Hm« Hörn 
angegebenen Fällen^ ist auob nicht efaier, 

B a 



— ao 



aufser der zweite , der nnr irgend im Stande 
wäre, den wesentliolien Einfluls der.gestörien 
Milchabsondemog %u£ die Krankheit flsa wi« 
derlegen, und aocfa dieaer nicht einmal, yrenn 
er auoh in dem Maaüie Statt fände, me Hr. 
H. sagt. 

Was den enien Füll betrifft ^ ao mii&te 
erst streng durch nmstandKch mitgetheilte 
und aufimerksam beobachtete Falle bcw t e ae a 
werden, dals wnrklick Looalaffectionen dtf 
bekannten Art vor gestörter Milchabsondeniflg 
in den Brüsten sich geceigt haben. Hat die 
Wöchnerin bey der Geburt ?iel gelitten, Jut 
diese lange gedauert, oder sind gar qael* 
sehende Operationen yorgenomraen worden, iA 
als Folge derselben ein entaündlicher Znatand 
der Gebährmutter und anderer Theile das 
Beckens eingetreten, so sind auch hier Locat- 
affectionen, die um so heftiger aeyn werden, 
je heftiger die Verletuing war. Ist mgleteh 
eine Unterdrückung der Loehien- damit Ter- 
. bunden, nimmt die Entzündung im Umfange 
zu, so können' der gewöhnlichen AfiFectioa 
bey Kindbetterinnen ähnliche Erscheinungen 
entstehen» Aber man mu(s sie wohl von 
denen des wahren Kindbetterinnenfiebert uft« 
terscheiden; denn sie sind gans yerschiede- 
ner Art. So beobachtete ich vor 5 Jahren 
einen Fall, wo bey einer fenachlälsigten 



^ 21 — . 

Gebiin; ^6» frühscdtigen^Kindefty entweder ' 
durch die rohe Manipulation der Hebamme, 
oder dusch den Aufenthalt de» faulen Kindea 
m dev GebährmutteB, doch wahrscheinlich 
wegen erster Ursache ^ eine Zerteibüng der 
Scheide entstanden war. Es traten b^ftige 
LocalafFectionen des Ufiterleibes ,^ lieilige 
Schmerzen desselben , Ai^schwellung u« a. f. 
ein, aber doch sammelte sich, be^ der Vor» 
sorge, dafs öfters an den Urlisten gesogw, 
und dafs diese mit warmen Bähungen bedeckt 
wurden, lifilch in den Bcüsten. Aber wer 
würde audb hier die Affectionen des Unter- 
leibes mit denen bey einem Kindbetterinnen- 
Fieber haben verwechseln können? AUes yer- 
sprach fünf Tage nach der Niederkunft den 
glficklichsten Ausgang* Die Schmersen des 
Leibes, dia Anspannung desselben lielsen all- ^ 
mählig, bey «Her allgemeinen Erwärmung 
des ait den Extiiamitkten bis dahin kalt giH 
wesenen K&ifp^^ nach. Aber kaam. hatte 
diese Freude einen Ta^ gedauert, als die 
Brüste plötzlich schlaff wurden, der Leib yon 
neuem anschwoll» und sehr schmerahaft ward, 
und sich ein ^it Milchilookea Termisohter 
Durchfall einsteUte. Alle angewendeten Mit- 
tel waren vergebens ,^ und die Kranke starb 
8 l*age nach der Entbindung. 

Aber wenn auch nicht |nn ahnlichnr Fall 



22 



dem Hrn. H. lüm Grunde seiner Behauptun- 
gen diente, so kann bey einer Frau» -die ge* 
wöholich sehr viel Milch hat, die Abtonde- 
rang der Milch in den Brüsten snni Tbed 
fortdauern , und selbst in dem Maafse , nm 
das' im Anfange noch wenig Nahrung bedGr- 
fende, oft nicht einmal recht saugende Kindi 
hinlänglich zu sättigen. Dies wird noch da- 
durch bewiesen^ dafs sich die meisten Frauen 
die Milch in den ersten Tagen aussaugen 
lassen müssen ^ weil das Kind sie nicht alle 
Terzehren kann. Aber darum kann doch ein 
ansehnlicher Thcil der MUch auf andere 
rTheile abgelagert werden. 

Dafs Fieberbewegungen der Verminde- 
rung der Milch, selbst längere Zeitf voraus- 
gehen können, wer will dies iäugnen? Aber 
wer kann dies ab einen Beweis anfuhreni 
dafs die Milchversetzung niclit Ursache der 
■duiracteristisöhett Zeichen des Kindbetterin* 
nenfiebers ist? Dds vorhergehende Fieber ist 
oft Würkung der nämlichen Ursache, welche 
die Milchversetzung erzeugt. So geht nicht 
selten, theils schon ror der Niederkunft, thdb 
nach derselben, den 2jeichen der Milch ve^ 
Setzung ein Fieber mit catarrhalisohen, rheu- 
matischen und anderen Beschwerden roraus, 
welches aber doch von dem Fieber abweicht, 
das Product der Milchversetzunfen ist, und 



— a3 — 

welches sich yoniiglicb durch den uii6i>dent- 
liehen Gang cler Paroxysmen, durch die zwi- 
schen kommenden heftigen Frostschauder, 
durch die öfteren Recidiye und profusen 
Schweifse auszeichnet. Nur erst mit der 
Erscheinung der bekannten Localzufälle und 
der Verschwindung der Mikh treten dieso 
heftigen Fieberschauder, diese uoi^gelmä&igen 
beängstigenden Paroxysmen ein« 

Gegen die Beweiskraft des zweiten Fal« 
les kann man zum Theil das nämliche segen, 
was man gegen den ersten mit so vielem 
Rechte ieinweilden kann. Aber es entsteht 
die Frage , . ob dieser Fall auch würklicb in 
dem Maafse vorkommt 9 -wie ihn der Verfas- 
ser angiebt« Ich mufs gestehen, ich beobach- 
tete ihn noch nie, und zweifle an der richti- 
gen Beobachtung. Es können sehr wohl Fie- 
ber, z, B. ein Typhus eine Wöchnerin be- 
fallen, ohne dafs eine Milchversetzung und 
die characteristischen Zeichen des Kindbet- 
teriimeniiebers damit verbunden sind. Ja es 
können selbst eine Anschwellung des Leibes 
und Schmerzen desselben, aber als Folge ei- 
ner Entzündung, damit verbunden seyn. — 
Aber auch zugegeben, dafs die ^uste bey 
einem wahren Kindbetterinnenfieber, bey öf- 
terem Aussaugen derselben, doch bis an den 
.Tod von Milch strotzten, so w^s man*, wie 



- »4 - 

ansehnlich hej manchen Frauen 9 wie geriag 
bey anderen, auch im gesunden Zustande, 
der Ziiflufs yon Milch ist, und wie selbst 
ToUe Brüste, im Verhäl misse zu anderea, 
doch leer genannt werden müssen , wenn 
man sie mit dem yergjeichty was sonst der 
Fall bey den nämlichen ' Frauen war. ' Und 
Uberdem beweist die Erfahrung , dafs Milcli« 
Versetzungen würklioh auch dann statt fin* 
den können^ wenn die Brüste noch ToU 
genug sind, um ein Kind hinlänglich zu näb» 
ren. Die Von mir in. diesem Journale B. i3. 
St, 2. S. 4^. erzählte Krankengeschichte be^ 
weist dies. Denn ohnerachtet immer neue 
Milchversetzungen nach den Lungen und dem 
Schlünde erfolgten , und sauer riechende 
Milch ausgeworfen ward, nahm doch die 
Milchabsonderung in den Brüsten su« Denn 
hier Milohversetzung blols um einer einmal 
angenommenen Theorie willen läugnon zn 
wollen 9 wird doch wohl keiner than, dem es 
mehr um Erweiterung der Wissenschatt) als 
um Vertheidigung seiner Meinung zn thun 
ist. Wenn dies nun bey einer Frau der FsQ 
war, die nie eine sehr reichliche Milohabson« 
denuig in den Brüsten bekam , so wird ei 
nodi auffallender bey einer anderen sßjn 
können, die sehr reichliche Milch hat. — 
Aulserdem zeigt die Erfahrung, da(s 10 dentfi 



^ i5 -^ 

Fällen, wo das Kindbetterinnenfi^btir^ und 
Milcl^versetzuiigen erst mehrere Tage <L<der 
Wochen nach der völlig gebildeten Milchab-» 
soRderang iii den Briisten eintritty gewöhn^ 
lieh mehr Milch in den Brüsten bleibt, als 
wenn diese Zufälle vor der Etablirung der 
Milchabsonderung, oder gar kur«~ vor der 
Niederkunft eintreten , w:o man 'gewöhnlich 
auch ni^ht einen Tropfen Milch in den Brii- 
sten antrifft. Dies letztere beobachtete ich 
bey jungen Erstgebährenden, bey denen man 
alle Ursache hatte, Cfine reichliche MiloMab^ 
sonderung zu eifwarten. 

Der dritte Fall beweist doch eher gegen, 
als für die Meinung des Hrn. H. Wollte 
man schon hieraus allein den Schluls ziehen^ dafs 
die Störung der Milchabsonderung und eine 
Milchversetzung . Ursadie der Beschwerden 
sey, so würde dies freilich xu voreilig ge- 
schlossen seyn» Wenn man aber bey allen 
Wöchnerinnen« die an dieser Krankheit Star» 
ben, an irgend einem Theile eine Masse an- 
gehäuft findet, die in Ansehung des Geruchßs^ 
des Geschmackes und der Bestandtheile, nach 
chemischer Prüfung durch Hermbsiädt , mit 
einer in saure Verderbnifs übergegangenen 
Milch übereinstimmt, wenn man bedenkt, 
wie sehr eine solche Materiß, in fremde ihr 
ungewohnte Theile ergossen, daxu geschickt 



— 36 — 

ist, krankhaft« Bewegungen henrorznbringen, 
ifo ist es doch wohl mehr wie eine bloise 
Hypothese, und nicht zu voreilig geschlossen, 
wenn man annimmt, dais die MilchatÖmng, 
diese Ergiefsungen einer der Milch ähnlichen 
Materie, und die localen und allgemeinen 
krankhaften Veränderungen im Cansalnezus 
stehen. 

Was den vierten Fall betrifft, dafs sich 
die Krankheit zuweilen noch vor ider Etabli- 
rung der Milchabsonderung in den Brüsten 
zeigt, so könnte es nur einem Gedächtnifs* 
fehler des Hrn. Hörn zugeschrieben werdev, 
dafs er dies als einen Grund gegen diese 
Ursache der Erscheinungen anführt. Denn 
es mufste ihm ja nicht allein bekannt seyn, 
dafs die Natur schon vor der Niederkunft 
oft Milch in den Brüsten absondert, und dafs 
dieser Zuflufs mit Annäherung der Schwan« 
gerschaft oft so zunimmt, dafs die Frauen 
beständig ntfs von der auslaufenden Feuch- 
tigkeit sind, sondern ddfs die meisten Frauen 
schon gleich nach der Niederkunft das Kind 
anlegen und sättigen können. Wer möchte 
aber außerdem wohl läugnen, dafs,- nachdem 
die Ernährung (ie> Kindes in der Gebährmut* 
%er aufhörte, ein Ueberflufs von Nahrangs- 
stoff vorhanden ist, den die Natur/ nachdem 
er durch feine Gegenwart in derüflasae der 



— a7 — 

cirkulirenden Säfte ein Reitzfieber errtgte, 
in dem gewöhnlichen Falle in den Drüsen 
der Brüste völlig zu Milch gebildet iirird. 
Viele bekannte, hier nur einer Hüchtigen Er- 
wähnung bedürfende Erscheinungen, scheinen 
zu beweisen» dals dieser Nahmngsstoff, selbst 
noch ehe er durch die Milchdrüsen gebt, 
schon viele Aehnlichkeit mit der Milch hat, 
und oft in anderjen Theilen oder in dem 
Blute, als eine der Milch sehr ähnliche Flüs- 
sigkeit, abgesondert ist« Und warum sollte 
nun nicht schon dieser Stoff, noch ehe er in 
den Brüsten als Milch abgesondert war, auch 
auf fremde, dazu nicht organisirte, Tkeile 
abgelagert werden können? 

Ich hoffe, dafs diese Bemerkungen. über 
die von Hrn. H* angeführten Fälle, welche 
die Nichtexistenz der Milchversetzungen, als 
ein wesentliches- Erfordemiis zum Kindbette- 
rionenfieber, beweisen sollen, hinreichen, um 
zu zeigen, wie wenig diese Falle das bewei- 
sen, was sie beweisen sollen. Nur eine Vor- 
liebe für eine einmal gefalste Meinung konnte 
ihnen ein grofses Gewicht geben» 

Alle übrigen, bey dieser Krankheit vor- 
kommenden Erscheinungen, die nicht von 
der gestörten Milchabsonderung abhäogeUf 
sind eigentlich unwesentlich, und können zu- 
gegen seyn oder nicht. Man erlaube mir sie 



nACh der ron Hn. H. angegebenen Folge 
xn l^lenchten. 

Die- Veränderung des Selbstgefühls^ wri« 
cke.Hri, ff. angUbt, §lebt durchaus kein we- 
aeotÜGhes Zeichen der Krankheit ab. la 
Anfange, sagt der Verf., klagen die Kranken 
über gro&e Mattigkeit, dann über Schmer« 
zeo, aber bey der gro&ten Höhe der Kranke 
heit wissen sie nichts bestimin^s anzugeben, 
sa seli|r auch das Gesicht das Leiden ihfes 
Kövpera rerrätb. -^ Dies sind ErsGheintfD|;en, 
djhe diese Krankheit mit jeder anderen ge-! 
mein hat. Denn klagen die Kranken nicht 
mfibat über Schmerzen und Ang^t, ao wird 
man hiermit entweder alle Zeichen des BraA^ 
dea yeihunden finden, und die Schmerzen 
liaben wüikUch aufgehört, oder sie deUrir^ 
und können keine deutliche Vorstellung ifater 
Leiden haben. -^ Ferner sagt Hr., H.i «Die 
«Grade der Abweichung vom natiirKcIien 
«Benehmen stehen mit der Veränderung des 
«Selbstgefühls im genauen Veihältniase, und 
«eine sorgfältige BerUcksicktigung dieses Be- 
«nehmena wird viel zur Prognosis der Krank- 
«heit beytragen können«» Aber dies ist doch 
nur der alte Satz, der für jede Krankheit 
pafst, dais sich der Kranke so betragen muiä, 
Vie. es nach der Krankheit zu erwarten ist, 
und. dais das Gegentheil ein achUmmes Zei- 



_ ag — 

eben sey, nut mit andieren Worten ausgo- 
drückt. — «In Ansehung der Tempentttr 
«findet eine gro&e Verschiedenheit statt. Der 
«Frost ist es in Ansehung der Dauer ^ der 
«Heftigkdit, der Wiederholung, des Verfaäk- 
«nisses zur Hitze^ und diese ist ^ben so yer- 
«schieden.» Hieraus sieht man schon, dafii 
der Frost und die Hitze kein wesentlidies 
Zeichen abgeben können^ wenn es nicht 
eben die Unregelmäfsigkeit ist, die ein Zei* 
chen giebt. «Der Durst, der Pub, die Fie*- 
«bergattung , die meisten^ i^achlassend ist, 
«sind auch nicht bey allen Kranken, und 
«bey denselben nicht zu allen Zeiten gleich«» 
— Aber die Verschiedenheit ist von Hm« H. 
nicht bemerkt, dais die Exacerbationen oft zn 
sehr unbestimmten Zweiten ^ und ni(äit, wie 
gewöhnlich bey anderen nachlassenden Fie« 
bem, am Abende erfolgea, auch durchaus 
unter sich in keinem regeknälsigen Verbält- 
liisse stehen. 

Hieraus sieht man, dafs durdbaus kein 
bestandiges allgemeines Symptom sich zeigt, 
welches als wesentlich bey dem Kindbetterin- 
nenfieber angenommen werden könnte, und 
diese Krankheit Ton anderen fieberhaften 
Krankheiten auszeichnete. Das damit verbun« 
dene Fieber kann sowohl athenischer als 
asthenischer Natur aeyn, oder es kann euch 



~ 3o — 

nur ein Fieber damit verbunden seyn, wel- 
ches Folge des durch die Milchr yerursacfatea 
Reitzes ist, und welches, wenn man diese 
Ursache nicht entFemen kann^ weder blols 
schwächenden, noch blofs stärkenden Mitteln 
weichen virird. ^ Dieses Fieber hat denn frei* 
«lieh in seinem Verlaufe einiges Eigene, wo« 
durch es sich von anderen auszeichnet. Dies 
sind vorzüglich die oft wiederkehrenden Fie- 
berschauder, ohne einen bestimmten Fieber^ 
typus, die unordentlichen Exacerbarionen 
und Remissionen, die aber am Ende der 
Krankheit undeutlicher werden, und die er^ 
stauhliche Angst und Beklemmung, mit den 
häufigen ermattenden Schweilsen. Aber nicht 
immer sind diese Zeichen gleich deutlich 
und auflPallend. Sie erhalten bald einen mehr 
sthenisdhen, aber gewöhnlich einen astheni« 
sehen Character, weil die Ursacheii, die v^or- 
hergehen, gewöhnlich schwächend sind« 

Aber die örtlichen Beschwerden , welche 
man bej dieser Krankheit wahrnimmt, bieten 
ein characteristischeres nie mangelndes Zeichen 
dar. Die yotzüglichsten sind folgende, nach 
Hrn. H. Angabe: «(Fast bey jedem Kindbet- 
«eterinnenfieber ist der Leib geschwollen, sehr 
«schmerzhaft, der Schmei'z ist brennend, 
«schneidend, und öfters erreicht er eine sol« 
»cha Hohe, dafs die Kjranken auch den leäsestan 



— 3i — 

«Druck nicht ertragen können. Meistens ist 
«er anhaltend I oft aber auch nachlassend, 
«und ^ zwar zu einer Zeit^ wo die anderen 
«Zeichen ein beträchtliches Steigen der Fie- 
«berhöhe anzeigen.» — Hierbey mufs ich isber 
erinnern, dafs, wenn auch die Schmerzen 
bey erhöhetem Fieber nachlassen, man doch 
bald eine Vermehrung der Schmerzen im 
Leibe, oder in einem anderen Theile, %. B. 
der Brust, bemerken wird, oder es ist ein 
Durchfall entstanden, der die Schmerzen und 
die Aufitreibung des Leibes, und die dadurch 
bewürkte Angst auf einige Zeit mindert, 
oder es kann auch das mit dieser Krankheit 
verbundene, aber nicht von den Locakufal- 
ien abhängende Fieber zunehmen. — \Der 
«Sitz des Schmerzes ist sehr verschieden, bald 
«in der oberen Bauchgegetid , bald in der 
«Nabel- oder Inguinal- Gegend.*» — Ich be* 
merkte, dafs die Unterbauchgegend am häu- 
figsten litt, und im Anfange eines Kindbette» 
rinnenfiebers wird man meistens die 'Gebähr- 
mutter als den zuerst leidenden Theil unter- 
scheiden köfinen. "^^ Die Schmerzen sind aber 
oft dann so geringe, dafs die Wöchnerin nur 
beym Drucke des Leibes darüber klagt, wenn 
auch schon mehrere Zeichen der Krankheit 
eingetreten sind« Aber diese gelinden' Schmer- 
zen mttssea den Arzt nie eine gelinde Krank- 



— 32 — . 

heit erwartexi lassen. — «Die Schmerzen sind 
«meistens von anderen Schmeh&en in der 
'«Brust 9 in depi Rücken 9 und in den Seiten 
«begleitet 9 die mit einander abwechseln, »> — 
Ich bemerkte auch Schmerzen im Halse^ und 
oft schmerzen auch die Beine. — ^ «Der Ldb, 
bemerkt Hr. Hom ferner, «»schwillt meistens 
«sehr an, zuweilen aber nur im geringeren 
«Grade. . Nicht immer ist Zunahme .der 
«Schmerzen damit verbunden. Von einigen 
«Aerzten wird dies Zeichen , nebst dem 
«Welkwerden der Brüne, zu den wesentli- 
«chen gerechnet^ aber es kommen Falle toty 
«wo der Leib ganz schlaff bleibt» — - Audi 
ich bemerkte mehrere, Fälle, wo der Leib 
weder aufgetrieben war, noch sonst litt Zu- 
weilen ist er es nur periodisch, und fallt mit 
dem Eintritte eines Durchfalles , der /edpch 
nicht immer diesen Erfolg hat r^ Leidet 
aber der Leib gar nicht, so schmerzt' entwe- 
der ein anderer Theil heftig, oder er ist ge- 
schwollen. Meistens ist dies die fimst, oder 
es sind die Beine,, oder der Hals, und zu* 
weilen der Kopf. Trift man gar kein lokales 
Symptom an, so entsteht es entweder noch 
in der Folge, oder die Kranke stirbt vorher, 
wenn sich der Milchstoff auf das Gehirn ab- 
Si^tzt — «Die sogenannten gastrischen Zei- 
«chen finden sich fast beständig bey der 

«Krank- 



— 35 — 

ccKrankheit Doch giebt es auch hier Verschie« 
«denheiten, in Hinsicht des Grades und der 
«Menge der Zeichen.» — Darf man xu die«' 
ser Glasse Ton Zeichen, zu der man so* man* 
ches rechnete^ niFas nicht dahin gehörte, auch 
den Athem und Geschmack des Kranken 
rechnen I so bemeikte ich sehr häufig einen 
sauern Geruch aus dem Munde, und die 
Kranken klagten auch dann, wenn die Lun- 
gen litten, über einen sauern Geschmack. 
Auch der Austmrf roch alsdann sauer, und 
zwar gerade wie saure Milch. Ueberhaupt 
traf ich nie eine ia hohem Grade an dieser 
Krankheit leidende Wöchnerin an, bey der 
nicht der Athem oder der Schweifs diesen 
eigenen Geruch hatte. — . «Das Erbrechen 
4t der Kranken j wodurch zuweilen saure, schar- 
«fe, bittere, schleimige, galüchte, wei&lichte 
aMaterien ausgeleert werden, ist oft mit ei- 
aner scheinbaren Erleichterung rerbunden, 
«so wie auch der Durchfall, der He nämli« 
ccohen Bescha£Fenhi^iten zeigt,' aber auch öf- 
«ters fehlt* Unreditmafsigerweise habe man 
«den weilsen Stuhlgang und die mit dem 
«(Brechen ausgeleerte Materie mächigt ge- 
«nannt.>' — Ohne weitere Beweise zu be^^ 
haupten, diese weiTse, sauetr riechende, flok- 
kige Materie sey nicht das Produkt einer 
MilcherjgiflAung in den Darmkanal, zeigt eine 
XIX. B. 4. St. G 



- 34 - 

grol'se Partheilichkeit für die etniaa} ange- 
nommene Meinung, und nie sollte ein Amt 
$ie fick zu. Schulden kommen lassen. Wenn 
es keine Milch ist, so erkläre doch Hr» H,y 
warum man diese . Materie in dieser Krank* 
heit so häufig antrifft , so erkläre er doch^ 
warum sie 'diesen sauero» nur der Milch eige- 
nen, Geruch annimmt^ und warum diese Ei- 
scheinungen nichf auch bejr anderen Krank- 
heiten vorkommen? Blofs durch ein Wort> 
ohne Beweis 9 richtet doch der Arzt nichts 
aus. — Was aber die hUlfreiche Kraft dei 
Brechens und des Durchfalles betrifft, so 
kann man freilich nicht behaupten, dab diesa 
Ausleerungen die Krankheit zu heben im 
Stande sind; aber sie durchaus ohne Rück- 
sicht unterdrucken, zeigt, dal's man nicht 
die Erfahrung,), sondern nur eine Theorie zu 
Käthe zog, die Folge eines Systems ist, wel- 
ches wegen seiner unendlichen Lücken noch 
nie auf de|i Nemen eines Systems Anspruch 
machen durfte* Ist die Milch in den Darm- 
kfliyil ergossen, und. man unterdrückt den 
Dtircbfall gänzlich-, so vi^l es sich thun läf^t, 
so ist die tmbeschreiblichste Angst Folge da- 
von« Aber selten wird man ihn wohl gtni 
unterdrücken können. Endlich erfolgt er 
doch, uiid. verschafft der Kranken durch 
Entleerung d^i: ej^x^ja ausgedehnten Därme 



— 35 — 

eine Erleiohteniiyg^ die freilich nur so lange 
daueitt &1a sich keine neue Milch in sie er- 
gossen hat« Die gelindesten Mittel , beson- 
ders Oele, reichen hin^ um den DurchFall 
zu beford^na, wenn er angezeigt ist, und 
heitiger reitzend^ Mittel würden durch die 
Hypercatharsis , die sie ek^regen, nur den' 
Körper enorm schwächen und den Zuflufs 
nach diesen so geschwäcliten Därmen yei^« 
.mbhren. Oft ist aber schon die HinwegUs* 
sung des Mohnsattes hinreichend, um so viel 
OelFnung zu verschaffen, da& die Kranke ös 
aushalten kann. Immer ist es alsdann nöthig, 
dafs der Arzt alle Mittel anwendet , * um- eine' 
neue Ergiefsung zu yerhindem» — «Der Lo- 
«•chialßüfs ist nicht immer gestört» Zuweilen 
«bleibt er erst aus, nachdem Has Fieber mit 
«allen Zeichen eingetreten ist» Zuweilen bleibt 
«er allmählig aus, und erst dann zeigen slclr 
<«die allgemeinen Fiebersymptome. Zuweilen 
«entsteht gleich nach der Niederkunft ein 
«heftiges Fieber, mit LocalaflFection'des Bhvl^ 
«ches, ohne dafs der Flufs gestört wird* Zu- 
«weilen wird er, wie alle Excretionen^ ver« 
«mehrt, und ist daiin blutig, zuweilen schärf^ 
«zuweilen milde.»* '—« Auch nach meinen Be- 
obachtungen ist der Lochfalfkifs in keinef 
Gäusalverb.'ndüng mit denr Erscheinungen» Er 
kommt; verschwindet und erscheint nicht 

Ca 



f 



— 36 — 

wieder, ohne dafs dadurch die Kranklieit 
yerschlimmeit oder erleichtert wird. Aber er 
scheint zuweilen als Folge der Heftigkeit der 
Krankheit auszubleiben* In anderen Fällen, 
— - und diese scheinen zu den natürlichsten 
bey Wöchnerinnen, die nicht selbst «tillen, 
zu gehören, — fangt er nach einigen Fiaber- 
bewegangen, nachdem er schon angefaigtn 
hatte naphzulassen , aufs neue an zu flief^eiii 
wird yöUig weila tuid erhält einen säuern 
Geifuch, wie ich noch oben bey einer Wödi- 
aerin bemerkte. Es ist dies ein natürlicher^ 
unschädlidier, den Ausleerungen «ngemesse- 
ner Weg, den alsdann die Mdch nimmt. — 
Was dio Erscheinungen an den Brüsten be- 
trifft, so ist dies Zeichen, als ein wesentli^ 
ohes, schon yorher beleuchtet woriden. •— 
«Das mit der Krankheit verbundene Irrei^eden 
«ist meistens sanft, und hält mit dem Fieber 
«gleibhen; Schritt. Zuweilen ist es aber sehr 
«heftig, und man könnte es für Phre'nitis 
«halten.» —- Vielleicht mit eben dem Rechte, 
wie viele die Beschwerden des Unterleibes 
für Enteritis hiel^pn; und doch ist es woU 
ilur eine Ursache, die hier Schmerzen und 
Auftreibung, dort Raserei erregt Und wenn 
auch das Irrereden mit dem Fieber zu - und 
abnimmt, braucht es darum Folge desselben 
lu seyn? — r<Ner¥eDiZurälie verschiedener 



- ;37 - 

«Art, sowohl GoDyulsioiieii, als ituch ErhÖ- 
•httsgen oder Abstuaipfuiigen der Sinne, be- 
«merkt man «eben so abwechselnd und häufig, 
«wie bej dem Nwvenfieber.i» -^ Dies ist 
sehr richtig und leicht begreiflich , weil oft 
an 'Nervenfieber^ mit der Krankheit Terbun* 
den ist i xuweilen aber anch diese Erschei- 
nungen Folgen der Mächbeschwerden sind. 
— «Sopor ^nd Halbschlaf finden sich 'zuwei- 
«rten. Oft mrd die Reitzfähigkeit eines Glie» 
«des so vermindert, dafs Lähmung enuteht. 
kSo findet vUian beschwerliches Schlingen^ 
«iLähmung der Beine u. s. fi» •*- Aber wie 
oft haben diese Erscheinungen nicht örtliche 
Fehler, nämlich MLlchTersetsungen, sum 
Grunde ! -^ «Häufig findet' ihan Gollifuatio« 
«nen, besondess einen heftigen Durchfall und 
«profusen Schweif« Doch ist die Haut au- 
«weilen so trocken wie Fiergamei^i» ^^ Aber 
dies letzte ist sieher sehr selten der Fall. 
Nie bemerkte ich es* Dei' SchweÜs ist, wie 
sdion bemerkt wurde, von saurem Gerüche.' 
—- «Die Gesichtszüge sind aufEallend verSn« 
«dert. Oft ist der Blick wUd^ ^das Gesicht 
«rotk. Aber dsea dauert nicht lange.- Bald 
«wird es schlaff, es fällt «in, die Augen ver- 
«lieren ihr Fetter, die Lippen werden sehwars* 
«braut», überhaupt die Veränderungen) wie 
«bey'm Faidfieber«» ««i Aber sehr J4>flE bemeikt 



^ 58 — 

man bey dem höchsten Grade der Krankheit 
keine braune Lippen, keinen braunen Schleim 
der Zähne , aondern alles ist feucht* Nm 
das blasse eingefallene Gesicht^ die starren 
Augen sind autfallend, -^ 

«Zuweilen gesellen sich Exantheme vx 
«dem Fieber 9 so z. B. Petechien, die mitiei« 
«cnem colliquatiren Zustande der Haut fsr* 
«bunden sind* ZuwaUen zeigen sich Risse 
«und Bläschen, welche eine scharfe Feuchtie- 
nkieit enthalten, zuweilen rosenartige Entstin« 
vduDgen, am häufig.sten aber Frieselausachlage, 
«Zuweilen zeigt sich ein Milchgrind.» •— Was 
die Petechien betrifft, so sind sie der Krank- 
heit eben so unwesentlich, als wenn s« B« 
Masern oder Pocken hinzukämen«^ -Auch sagt 
Hr* Hom selbst, dals dies nur in groisen 
Uospitalernr der Fall zu seyn pflege, wo denn 
fip^tlich eine Ansteckung um so leichter Statt 
findet ^ . und die Erscheinung 'einer meistens 
so schweren Kraiükheit in den ersten Tagen 
nath der Niedei:kunft, auch leicht Anlafs zu 
Störungen der Milchabsonderung "geben kann« 
Was hingegen . die Frieselausschläga und die 
anderen, yom' Verfisss^r jenes Aufsatzes be^ 
merkten Erscheinungen - betrifft, 30 scheinen 
sie in näherer Verbindung mit der Kindbet« 
terinnenkrankheit zu stehen, indem man sie 
bey. andecfln^Kfankheiien nicht;. bo x>ft und 



- 39 -- 

icht in soIduBA Mdafse antrifft. Doch ge- 
oren diese £rsclieinnngen^ wetin man den 
riesel ausnimmt, su den seltneren Zufällen) 
nd selbst auch letzterer ist meistens' eine 
olge eines zu heissen Verhaltens und oiner 
ayernUnftigen BeForderung des Schweifses. 
- Die Ubrigeh Erscheinungeot. bej diesem 
rankheit hat, \vie Hr. //. richtig bemerkti 
ese Krankheit mit den'Neryte- und Gal- 
nfiebern gertieiuy oxier, was wöhl noch be- 
immter seyn ibSchte,' sie sind Folge einer 
3mplication deä Kindbettevinnebfiebers mit 
aem Typhus oder Syndcbus. -^ Aber sehr 
el wesentlicher sind Einige andere Erscfiei- 
ingen^ die rKan 'bey einelr^AWrt dieser 
*aükheit antrifft, und die dei Verf.* jene« 
ifsatzes mit 'dem tie&teo StillsiSiwel^en 
•ergieng. Dies i^t nümlidi das Schwellen 
ir Unterschenkel y ohne rasi»nartige Entzün'* 
ng^ die Bildung hSufiger Atiscesie, ron 
Den einige eine fette, käsige Materie etit- 
Iten^ die oft ganz mit den Bestandtheilöh 
r Milch übereinkommt ; ErschcSniingen, die 
allgemein bekannt srAd; als^dafsf^^ie V6n 
r einer Biestätigung bedürften. --- Die Art 
s mit diesen Zufällen riei^ulidteen'Fiebers, 
» damit verbundene 'V<^rmiiiderub|[ und 
llige Verschwindung der Milch, das Unge- 
Ihnliche dieser Erscfaeixmngefa 'hey änderet 



- 40 - 

Fiebern, die TödtUchkeit dieser Zufalle , zei- 
gen , dafs diese Zufälle nur eine Abart des 
gewöhnlichen Kindbetterinaen - Fieber» sind, 
von der sich diese Krankheit nur durch den 
Sitz der Mil^hver^euung unterscheidet. 

Aus dieser Uebersü^ht der wesentUdien 
' und zufälligen Zeichen bey der Krankheit 
der Ki^bet^erinnen , sieht man hinreichend, 
wjie sehr es fVon .einem gewöhnlichen gastri- 
achen, Nerven- oder Faulfiebcr abweicht, ja 
wie unnöthig eine oder die andere Form 
dieser Fieber zur Bestimmung dieser Krank- 
heit ist, da sie auch eben so wohl mit einem 
I^ieber yei^bimden seyn kann, welches auf 
Sthenie beruhet. In den bey. weitem häufig- 
sten Faillf3n gehen ^er Krankheit zwar solche 
yrsachen voraus 9. die eine Asthenie begrün- 
den, Aber immer ist dies doch nicht der 
Fallit wie selbst die vieleja Kranken beweisen, 
die bey einqr entgegen gesetzten Behandlung 
genasen. — -Aber Hr. H. nimmt an, «dafs das 
^Kindbetterinneußeber ein Fieber iron Schwa- 
«che, verbunden mit einer Lpcalaffection einer 
fioder mehrerer Orgfn^ des Unterleibes, sey« 
«Ungereimt sey es,,;iu behaupten, daß die spe- 
«cifike Form, die .die Störung der Milcbse- 
«cretion deiß Bil4e dieses Fiebers, zuweilen 
«gab, eine Eigenthiimlichkeit seines Charak« 
«ters beweise. Die Locakffeclion des Bauches, 



- 4i - 

«rdie zur Natur des PuerpurolfiebefSy nach . 
«der gewöhnliche Ansicht der Aerzte^ we* 
«sentlich gehört 9 kann iein oder mehreari» 
<« Organe einnehme«. Bald leidet dieser Theil 
«mehr, bald ein anderer. In haußgen Fällen 
«ist es nur ein k^nkhafter (Vielfeieht ein 
• Druckfehler,, statt- krampfhafter), schmerzt 
«hafter Zustand. Die Schmerzen sind in die« 
<csem Falle zwsr sehr heftig, aber yeränder- 
«lieh. Dies ist der gewöhnliche und leichtere 
«Fall. — In anderen Fidlen beruht die Local«> 
«cafiFection auf einem wahrhaft '^ntzündiichea* 
«Zustande. Dieser Fall. . ist seltener , aber 
«kommt allerdings vor. Dieser entsUmHicliA 
«Zustand ist asthenischer Natur. Die« Schmeiv 
«zen sind dann Etx und sehr heSügj - und auf 
<«einer Stelle des 'Unterbauches conceatcirt. 
« — , Sphwäche der Organe des Unterleibes 
«ist. der nächste Grund der Localaffectiont. 
«und nach den verschiedenen Graden der 
«Schwäche, bemerken, wir eine Verschieden- 
«heit der Phänomene. — Der Ausgang der 
«tLocalaJBFection .ist entweder Zertheäung der 
«Entzündung, oder m weniger, glucklichen 
«Fällen Eiterung, Verwachsung, Scirrhositä* 
«ten oder gfir Brand» Ea ei^tsteht nach der 
«Verschiedenheit dieses Ausganges bald ein 
«plötzlicher Tod, bald chronische und dnroh 
«Folge« l>edenUiphe NAchkxanUieit^n«» ... 



- 4a - 

Dies« Behauptungen tragen wahrlich 
Btclit das Gepräge r einet Erfahniogen, aus 
ümen leuchtet nicht der. Arzt hervor , dem 
et allein . um Vervollkommnung der Arxnei- 
knnde, «— mehr als um die Vertheidigttog 
aemer individuellen Meinung, <-^ su tban ist, 
der nur strebt Wahrheiten zu erforschen. 
Denn welcher bescheidene Arzt, der seine 
Meinung -nicht höher hält ^ wie die Beobach- 
tungen und Meinungen anderer rühmlichst 
bekannter Aerzte^ unter denen der Verfasser 
aeibst Seilet Puzosj JLsvpfje^ und mehrere an- 
fithrt, wird sagend däü die Meinungen dieser 
^erate^ als habe die Störung der Milohsecre- 
tion einen wesentlichen EinAufs auf den Che- 
racter der- Ktankheit, ungiereimt sdy. 4ch 
ersncbe Hrn. ff. zu beweisen, worin denn 
das ung6>eimte davon. -liegt/ eine Verbindung 
eine« LoMlkränkheic mit einer aUgemeinany 
als' da» Characteristischa einer gewissen Krink« 
heitsform anzunehmen. Wie unendlich grofs 
würde <dB^n die Anzahl ungereiint^ angenom- 
mener* Krankbeitsforraen seyn!^* Warum be- 
pennt denn der Veiff. selbst die asthenische 
Fid»ertbrm, d{e mit einem ^Looatleiden der 
laing^ti rerbund^i istj Pneumonii^- Zefcfanen 
sich nicht die meisten Krankheit^fbriAeir da- 
durclf- von anderen >aus^ dafs ein-tkler das 
andere'* LoeaD^ldeta" mit einer/ Ulgeiiieinen 



Krankheit Yerbunden ist. Und dafs dies Lo« , 
calleiden nur ein höheres Leiden des ein^*» 
nen Organeis an einer Form sey, die aUe 
übrige Orjgane nur weniger heftig aDgreifit, 
wer möchte diea behaupten? Denn eine Ent* 
zundung der Lungen bey einem allgemeinen 
astheoischen Zustande, aetat doch wohl nicht 
eine geringere Entzündung der ganzen übri^ 
gen Organismus voraus ? Alsa ist hier ein« 
ganz verschiedene Krankheitsform in einem 
einzelnen Organe ^ wie in allen Übrigen. 

Wenn also eine sdche Annahme, nadl 
des Hm. H. eigenem Beyspiele-, nicht uiigfl« 
reimt ist, was macht denn das Ungereimte 
dieser Annahme? Etwa, die Annahmte einer 
Verseuung' der Milch? Gieht Hr, Harny der 
selbst ßeyspiele von Metastasen in sein Ar* 
chiv aufnahm, keine Metastasen , wenigstens 
keine der Milch zu? Dies scbeiilt doch kaum 
bey einem Arzte der Fall seyn m können, 
der sici^ bemühet, durch reine Beol^achtung 
der Natur die willkührlicben Systeme anderer 
Aerzte zu prüfen. Auch giebt er ja zu, dafs 
die Störung der Milchsccretion zuweilen die«* 
ser Krankheit eine specifike Form gebe. 
Worin besteht diese, wenn ös nicht Milch* 
Versetzungen und die dadurch verursachteii 
Localzufälle und allgemeine Reitwmgen des 
Orgäfti&mus S0yn^>ialledt * : .; <: i:: . j . 



- 44 - 

' Da ich nun glaube gezeigt zu haben, dals 
et nicht ungereimt sey, aus der VerbiDdung 
einer Localkrankheit , sie mag nun nur ab 
Jl|61ieres Leiden des einzelnen Orgades an 
derselben' Form» vroran der ganze Organismus 
leidet, oder als eine ganz andere Form sich 
"Seigen, oder in einer von dem allgemeinea 
L^den gar nicht abhängenden Localknuik- 
keit «bestehen, mit einer allgemeinen ein 
oharacteristisches Zeichen fiir diese Form, 
' die auf dieser Verbindung beruhet, herzn- 
nehmen, und da es nicht wahrscheinlich ist, 
da£i Hr.. M jede Milch«* und andere Verset- 
sang ungereimt nennt, so ersuche leb Hrn. 
H'. doch zu entwickeln, ""worin daa Unge- 
reimte besteht, oder diesen Aasdruck snrück- 
«mehmen. 

Was die Annahme betrifft, ditfs die Lo- 
calleiden im gelinderen Falle nur in einem 
krampfhaften 9 schmerzhaften Leiden einzel- 
ner Organe bestehen, so wUrde die Abwech- 
selung der Stelle nodb nichts fUr die krampf- 
hafte Natur dieser Zufalle beweisen^ und was 
die Schmerzen betrifft, so würde noch inouner 
die Frage entstehen, wodurch, diese hervor- 
gebracht würden, ob sie Folge dar krampf- 
haften Zusammeniiehungen waren, oder ob 
herumziehende Schmeißen nicht .noch andere 
Ursachen halben V.önnXfta>i i!\& tjKMia KrampL 



-- 45 - 

Dafs die henimziehenden Schmerien auch' 
dann noch erscheinen, wenn der Zustand im 
höchsten Grade eingetreten ist, den der Ver^ 
niit dem Namen des entzündiichen belegt, 
davon, hatte ich zu yiele Beyspiele, und es ' 
werden sich auch sicher Hrn. H. bej einer 
aufmerksamen Beobachtung mehrere Erfahr 
rung^n davon, darbieten , als dafs man da« 
durch allein berechtigt wäre, sie für blois 
krampfhaft zu halten. Sie werden y wie mir 
es scheint, nur durch ein geringeres Leiden 
der Organe an der näöilichen Krankheit be* 
würkt, die im höheren Grade den Hrn. H. 
zur Annahme eines entzündlichen Zustandes 
verleitete. Ihre Abwechselung in Ansehung 
des Sitzes rührt aber daher, weil bald dies, 
.bald ein anderes Organ, mehr oder weniger 
zur Versetzung der Milch dient. Die hefti- 
gere. Empfindung hebe immer die Qiinder 
heftige und ältere. Auffallend beweist dies 
die Krankengeschichte, die ich im i3. Bande 
dieses Journals angeführt habe, und noch 
eine andere, die den Besdiluls dieser Ab- 
handlung machen wird. So wie sich dar 
Schmerz vom Leibe s. B. nach der Bfust 
oder dem Halse begab, oder besser, hier 
empfindlicher gefühlt ward, so zeigten sich 
bald darauf neue Symptome einer Milchviär- 
setzung nach diesen TheiieA| und der R adbg3ft> 



- 46 - 

ir«r entweder mit einer weiCien Muerriechen* 
den Materie bedeckt^ oder der mit dem Ha- 
sten heraufgebrachte Auswurf war Aufs neue 
saueiriechend und weils fon Farbe» ^-^ (S» 
Jouro. d^ prak>. Heilk. B. XIIL St. ä. S» 48. 
u* •• f.) Was beweist nun, dafs diese tri>- 
Jcalaffectionen krampfhaft sind? Wenigstens 
muls der Beweis noch geführt werden» Dais 
sich diese Schmerzen Anfangs^ besonders 
durch die Anwendung örtlicher Reitamittel, 
noch ziemlich leicht Wieder heben lassen, 
bevor nicht würkliche Milchergiefsungen» wie 
man aus dem Mangel des Meteorismus u» s* 
fv zu schliefsen berechtigt wird, entstanden 
sind, kann doch wohl nichts beweisen, oder 
wenigstens nichts mehr für die krampfhafte 
Piatur, als für den Anfang einer Milchirer-* 
Setzung, die durch die höhere Erregung die-»' 
ses Organes gehobeti ist* Dafs nicht durch 
die grölsere Anhäufung des Milchstofl^s in 
einem oder -dem anderen Organe Krampf er* 
regt werden kann, wer will das läugnen? 

'Wenn aber Hr. H. sagt, dafs bey Ü^* 
xijihme der Krankheit die Lbkalleiden auf 
einem wahrhaft asthenisch - entzündliehen 
Zustande beruhen, so scheint mir es würk<* 
l^h hier am meisten ^^r Fall zu seyn , wo 
ifer'Verf. nicht eüier reinen Erfahrung, son* 
disrii^'ftiner voi^ieY enXNn^xl^xL^VL-llhscirie der 



- 47 -' 

Kranklieit folgte. , Denn abgerechnet die tfa* 
Wahrscheinlichkeit der Meinung, die freiliöh 
viele Aerzte annehmen y daTs eine Entzün« 
düng wüfklich gleich von Anfange an astbe« 
niscby und auch diese nämliche Form emer 
Krankheit auf Sthenije gegründet aejn köna^, 
eine Meinung, die mir immer so viel M/ider« 
^sprechendes zu halben scheint ^ und die xiur 
durch eine sehr bUodige Unter&uchungi wor* 
auf eigentlich die Entzündung beruhe , ent* 
schieden wenden kann, so sind doch wahr*» 
haftig diejenigen Erscheinungen ^ die man 
nach dem Tode an den leidenden Theilen- 
antrift, sehr von* denen verschiede«, die man 
sonst an allgemein fitr entaiindet gehaltenen 
Organen wahrnimmt. ^ Grolsere ' Anfullung.. de? 
Adern mit Blut, Vermehrung des Volum^ais, 
und Verhärtung des Parenchymas sind die 
Zeichen, die» zuweilen Verbunden, mit einer 
ausgeschwitzten Lymphe in den Höhlen, vror» 
in sich das entzündet^ Organ befindet, ein 
Organ nach dem Tode ah entzündet gewesen 
auszeichnen* Bey den Därmen findet man 
freilich die Verhärtungen und die Vefgrobe* 
rang des Volumens nicht immer so. aaffal«^ 
iend, doch fehlt sie nie gans, und ist vor» 
zügiich bey Personen, die an Ruhr litten^ 
sehr aniFttllend. Etwas ähnUches würde man 
doch sicher bey einer Entziindwof^ i^ 1^\^«^^ 



l 



- 48 - 

berechtigt sejm, die der überall in der Bauch- 
höhle ausgeschwitzten Materie nach,' die der 
congulabelen Lyniphe nahe kommt, so allge-' 
mein gewesen . seyn müfste« Denn oft findet 
man auch nicht eine Stelle in der ganten 
' Oberfläche der Bauchhöhle , die nicht mit 
dieser Materie bedeckt wäre, an der sie nicht 
fest' anklebte. •— Aber Wie verschieden ist 
das Ansehen der. unter dieser Decke liegen- 
den Därme, und anderer Eingeweide • fon 
diesen Theilen^ wenn man sie bey anderen 
Krankheiten entzündet findet. Diese ausge- 
, achmtzte Afasse, nachdem man sieyon den 
darunter liegenden Eingeweiden gelöst hit, 
welches meistens leicht und vollkommen 
thunlich ist> lafst nur sehr blasse, oft v^eisser/ 
wie im regelmäfsigeu Zustande, geßrbte 
Därme sehen, auf denen die sehr abstehen- 
den einzelnen gröfseren Blutgefäfse hinlaufen. 
Die Häute der Därme sind sicher nicht ver- 
dickt,* und erscheinen, da die Därme meir 
stens sehr von Luft und dünnen Feuchtig- 
keiten angefüllt sind, eher dünner als ge- 
wöhnlich. Nur hin und wieder findet mad 
dne Stelle, an der die Blutgefäfse in greise- 
rer Menge und auch die kleineren sich zei- 
gen. Aber selbst diese Stellen, wie verschie- 
den ist ihr Ansehen noch von dem, in an- 
deren ' &canVE]ck)^ti«x «axisau^^x angetroffener 



- -49 -. - 

Därme! Statt dals solche entzündete Därme 
braunroth von Farbe erscheinen , dafs man: 
keinen Fleck sieht> an dem nicht vorher un- 
sichtbare Gefälse erscheinen , soy dafs ;e hö<» 
her die Entzündung gestiegen war, desto 
undeutlicher die einzelnen Gefäüse werden; . 
und desto gleichmäfsiger die braunrothe Farbe 
il^ird, und statt dals man an solchen Theilen 
•die innere Haut wie mit der feinsten Misfsse 
ausgespritzt, und die Haute sämmtlksh etwas 
rerdickt, wenngleich öfters mUrbo antrift, 
so sieht man selbst an diesen Stellen nur 
noch einzelne Gefälse 9 die sich ausnehmend 
schön auf. dem weissen Grunde hinziehen, 
^4Jind statt der dunkelrothen Farbe eine schöne 
1 Rosenröthe die durchaus nicht Terdibkten 
Därme färbt. Alle anderen Eingeweide, z. 
B. die Leber, die Milz, die' GebährmutteF^ 
bieten nach ihrer yerschiedeneil Organisation 
eine gleich grofse Verschiedenheit von dem 
eigentlich entzündlichen Ansehen dar. Nur 
das Netz macht zuweilen eine Ausnahme, . 
da. es oft, verdickt bis zu unförmlichen Mas- 
sen, aber nicht im Verhältnisse dieser Des* 
Organisation, sehk* roth ist, wie es sonst bej 
Entzündungen desselben , z. B. bey einge- 
klemmt geweseneii Brüchen, erscheint« Nur 
in einzelnen seltenen Fällen, aber wahrhaftig 
nicht bey allen Leichen, findet man die «.vol^^ 

KVL B. 4* 8t ^ "D 



— 5o — 

oder die andeire Stelle , meistens an der Ge- 
bahrmutter, an den Fallopischen Rohren^ 
oder audi an den Därmen, die mehr ein 
entzündetes und beinahe brandiges Ansehen 
bat. Aber durchaus findet man an diesen 
Stellen keine gröfsere Anhäufung der ausge- 
schwitzten Materie; ja ich sah diese Stellen 
oft ganz • rein von dieser Materie, welches 
doch nicht der Fall seyn könnte, wenn dies 
blofs ausgeschwitzte Lymphe und ein Prodnct 
der Entzündung wäre. Und ia welchem klei- 
nen Verhältnisse stehen diese Stellen zu der 
ganzen übrigen, mit dieser Materie überkleb-* 
ten Oberfläche! — Und was endlich diese 
Materie betrifft» über welche der Verf. mit 
so leichtem Fulse hinwegschlüpft, wie V^r* 
schieden ist nicht ihr Geruch, ihr Geschmack 
in vielen Fällen ron der sonst bey Entztin- 
duögen, z. B. in der Brusthöhle, gefundenen 
coagulabelen Lymphe, obgleich oft die Farbe 
mit jener übereinstimmt. Aber wie ungemein 
sind sie nicht in Ansehung der Menge ver- 
schiedenp Was für ungeheure Qnantitätan 
findet man oft in den Leichen der am Kind« 
betterhinen - Fieber Verstoibenen. Mehrte 
Quartiere äufiEufangen, ist gewöhnlich leicfht 
Auch findet n^an diese Materie gewöhnlich 
jedesipal in einem flüssigen -Zustande» wie 
Bim die CoagaVtb^X^ ^u^^^^hwittte Lymphe 



— 5i — 

nach Ent2unduDgea aatrift, welche letttere 
mehr Neigung hat sich zu verdicken und 
neue Orgauifiationen zu tiilden. Nimmt man 
hierzu noch die chemischen Untersuchungen 
von Hermbsiädtf die eine so grofse Aehlilich*> 
keit mit der Milch beweisen, und welche ich 
gerne durch die Untersuchung, einier solchen 
J^aterie, um die ich Hrn. Dr. Schmei/ser zu 
Aliona ersuchte 9 vermehrt hätte, der aber 
daran durch den wüiklich unerträglichen Ott« 
stank derselben gehindert ward, so bleibt 
wilrklich wohl schwerlich eine Aehnlichkeit 
oder Gleichheit dieses Zustandes -mit 4inems 
wUrklich entzündlichen übrig. — * Dafs aber 
diese Darstellungen der in 'den Leichen-aob 
getroffenen Erscheinungen, das treüeste auf« 
richtigste Gemälde derlfatur sind, dafür Mfe 
ich dreist feden Arzt als. 2Leugen auf,- der 
vorurtheilsfrei solche Leichenö£Fnungen io/k 
Aufmerksamkeit unternahm* Ich habe nichts 
verschwiegen, nicht die einzelnen , würkiich 
für entzündet ^a hallenden Stellen, nicht das 
angeschwollene verdickte Netz, obgleich diese 
Erscheinungen gegen mich zu sprechen schei- 
nen könnten. — Aber wenn man bedenkt, 
•dals man bej ein^m so gereitzten Zustande, 
ja bey so häufig di^er Krankheit vorausge- 
gangenen schweren Instrumentaloperationen 
Wohl zuletzt Entsiikdung erwarten darf v v^e^^ 

Da 



_ & ^ 

man ferner bedenkt, dals das Netz, sonst 
so geschickt Fettankiufungen zwischen seine 
Duplicaturen aufHinehmen, sicher auch ge- 
schickter wie andere, in der Bauchhöhle ent- 
halten«^ Theile ist, um diese Milchversetzun- 
gen aufzunehmen , dann werden weder diese 
Anschwellungen, noch jene so einzelnen ent- 
zündeten Stellen, £arner ein Beweis für den' 
allgemein entzündlichen Zustand der leiden- 
den Organe seyn können* 

Schwäche der Organe des Unterleibes 
soll, nach dem Verf., die nächste Ursache 
der LooalaiFection, und nach den rerschiede- 
nen Graden der Schwäche auch die Phäno- 
mene verschieden seyn. — Es scheint mir 
aber» däls dies viel zu allgemein ausgedrückt 
.uind dabey nieht auf die Erscheinungen Rtiok- 
aicht genommen ist, welche uns die Krank- 
Jkeit darbietet »— Denn : ist immer der Un- 
terleib allein der leidende Theil? finden wir 
nicht oft, däü die Brust , der Rachen ^ die 
Beine und andere Theile an ähnlidben Be- 
tchwerden leiden, wie der Leib, selbst wenn 
diese^ oft gar lücht. afEcirt ist? Es mds 
wahrhaftig nur eine geringe Zahl von Beobach- 
tungen seyn, die einer angestellt hat» wenn 
er dies nicht aus eigener Erfahrung wissen 
sollte. Und ohne in diesem Augenblicke be- 

t ftinimen zu woWen^ ob dies Leiden dies^ 

r 



— 53 — 

Theile tob Milchyersitzung heirüliity so kann 
doch woM nicht geläugnet werden, dals es 
wenigstens mit dem des Bauches von gleicher 
BescI^affenheit ist. — Was verursachte nun in 
diesen Theilen die gro&e Sehwache? — Und / 
ferner y wie will Hr. H. es beweisen, dafs 
die Erscheinungen nach dem Grade der 
Schwäche yerschieden wären? — Er nimmt,, 
wie wir im vorhergebenden auf's deutlichste 
gesehen haben, an, dafs ein höherer Grad 
des LocaUeidens, also auch der Schwäche, in 
Entzündudg bestehe. Darf man aber anneh- 
men, dafs die verschiedenen Formen des 
Uebelbefindens von dem verschiedenen Grädle 
der Schwäche begründjBt werden« Hat dies 
nicht zu den lächerlichsten Inconsecpienzen 
Anlaß gegeben , warum auch Röschlaub bis 
Jetzt lieber gestand, er wisse das Ursächliche 
der Form nicht zu erklären? Und in diesem 
Falle soll Entzündung .auf einem hSheten 
Grade der Schwäche beruhen/ als Krampf. 
Wenn dies einmal bey dieser Form der Fall 
ist, so muls ^ es inmier sejn, üpd was wür- 
den da fiir Resultate herauskommen? Aber 
noch mehr : Sehen wir denn in anderen Fie- 
berkrankheiten von Asthenie solche Erschei- 
nungen? Der Verf. behauptet es zwar; aber 
ich fordere ihn auf, solche Geschichten ge- 
nau bekannt zu i^achen. Es-'kiAxai -^cJdWi^ 



- 54 - 

Entzüodungen des Unterleibes, yorzUglich, wie 
ich dies selbst an einer Kranken sah, bey der 
ich den Bauchschnitt wegen eines Leberge- 
schwiires machte , aber die Leber an der 
Stelle nicht angewachsen fand, nach solchen 
Entzündungen y die auf Operationen erfolgen, 
Lymphe an <lf*n entzündeten Theilen aus- 
schwitzen: aber wie verschieden ist das Aa- 
chen der ausgeschwitzten Lyqpphe von denen 
Erscheinungen^ die man bey Kindbetterinnen 
antrifty wie gering die Menge, gegen die 
Flüssigkeit, die man im Bauche dieser findet? 
— Wenn auch ein Müteorismus, mit aatbe- 
nischer Entzündung verbunden, bey einem 
Typhus entsteht, wer sah da jemals solche 
Ergiefsungen ? Ist es nicht eine zu bekannte 
Sache, an die ich kaum zu erinnern nothig 
habe, dafs solche lymphatische Ausschwitzun- 
,gen. nur das Product wenigstens. Anfangs 
.sthenisch gewesener Entztlndungen sind, und 
i^t es nicht eine Thatsache, die sich durch 
kein Raisonnemeat verdrängen läfst, dafs das 
Blut nur bey stheuischen Entzündungen, so- 
wohl noch im Körper, als auch aufser dem- 
selbefb, eine Neigung hat, den' lymphatischen 
Theil abzusondern und zu coaguliren. Und 
nun sollen auf einmal, blols weil es für eine 
angenommene Theorie spricht, auch im höch- 
sten Grade eVuet tem ^%'Cck.^tkUchen, mit einem 



— 55 — 

Typhus verbundenen Entzündung, der alle 
Zeichen einer Entziinducg fehlen, solche 
Ausschwitzungen von plastischer Lymphe, sol- 
che Neigungen. zu neuen Organisationen enti- 
stehen? Diese Bemerkungen bitte ich Hrn. 
ff. und jeden, der die Krankheit der Kind- 
betterinnen für ein gewöhniiches,^ auf Schwa- 
che beruhendes Fieber hält, wohl zu erwägen; 
ich bitte jeden, dem es mehr um die Erfor- 
schung der Wahrheit, als um diß Vertheidi- 
^ung seiner individuellen Meinung zu thun 
ist, die Natur genau zu beobachten, und 
dann nach diesen lauteren Beobachtungen, 
die nicht gefäibt voq dem Einflüsse von 
.Theoremen seyn düifen , su prtbeilen. 

Was Hr. Hörn von der Ursache dieser 
Krankheit sagt, dafs sie nämlich schwächend 
würkt, und dafs 4ie meisten, die Schwanger- 
schaft und die Niederkunft begleitenden 
Umstände schwächend würken , darin stimme 
ich mit dem Verf. als einjem reinen Erfah- 
rungssatze auf's vollkommenste überein. Auch 
ich bemerkte • diese Krankheit gewöhnlich 
nach schweren Geburten, nach lostrumental- 
operatioAen >. wobey die Mutter sebr gelitten 
hatte, nach Erkältungen, nach heftigen ,Ge- 
müthsbewegungen, und vorzüglich nach enor- 
men Blutflüssen. Wenn diese letzteren vor- 
ausgegangen waren, so sah idi xuweilen den 



~ 56 — 

Tod erfolgen, und solche unüberwiodliche, 
durch nichts zu ersetzende Schwächungen 
können auch bey der zweckmäfsigsten Hülfe, 
wie jeder sieht, ofi: nicht überwunden wer- 
den. Doch gelang es mir noch in den letx« 
ten Wocheiii eine Dame zu rotten, die wih- 
rend der Niederkunft an einem Blutstune 
litt, der ihr anderthalb Stunden ihre Besia« 
nung raubte. Aber es war auch die sorgfal- 
tigste Anwendung reitzender und restauriren^ 
der Mittel^ verbunden mit früh angewende- 
ten Vesicatorien, nöthig, um die grofse <jc- 
fahr zu entfernen, und Milch trat selbst naclk 
der Besserung nur in sehr geringer Menge 
wieder in' die Brüste. — Aber nächst diesen 
genannten Ursachen schien doch diejem'ge 
Constitution immer die Krankheit am öfter- 
sten zu begünstigen, die auch hey anderen 
PersiDuen catarrlialische und rheumatische Be- 
schwerden erregt, ohne dafs man irgend eine 
deutliche Erkältung, weder bcj den Schwan- ' 
gern^ noch bey den anderen an solchen Be- 
schwerden Leidenden zu' entdecken vermochte. 
Zu solchen Zeiten werden auch die anderen 
schwächenden Ursachen für die Wöchnerinnen 
gefährlicher^ wie sie zu and^reA Zeiten zu 
seyn scheinen. Denn oft sah ich schwere 
Geburten j GemUthsbewegungen , Diätfehler, 
ohne dafs diese Krankheit entstand,', in hohem 



- 57 -' 

-Grade auf die Wöchnerinnen '^wfirken. Es 
rergiengen Jahre, dafs ich die Krankheit 
nicht zu sehen bekam. Zu anderen Zeiten, 
und dies ist gerade in diesem Augenblicke 
der Fall, wo Bräunen, Schnupfen und rheu- 
matische Schmerzen so allgemein^ sind, ent« 
gehen wenige WSchnerinnen , auf die eine 
öder dfie andere schwächende Ursache, auch 
im geringen' Grade wiirkte, dteset Krankheit. 
I—- Leider! müssen wir jxhi bey dem' fort« 
dauernden Mangel d^r Keiintnils, was eigent- 
lich für eine Luftbesdiaffenheit diese Krank« 
heit Teraulalst, und ob die Ursache davon 
blofs in dem Mischungsverhältnisse der Luft 
oder in uns noch v511ig unbekannten Sto£Fen 
liegt , blofs mit der reinen Erfahrung begnü- 
gen , dafs den^ so sey. Nur so viel scheint 
aus der gröfseren Gefahr zu erhellen, welcher 
die Wöchneriniien bey vorhergegangenen 
schwächenden Ursachen zu" solchen Zeiten 
ausgesetzt sind^ 'dafs diese Einflüsse gleich- 
falls schwächend Wttrken. •— ' Aber wer möchte 
geradezu behaupten, dals nicht auch solche 
epidemische Constitutionen, die erregend auf 
den Organismus würken, eine Störung im 
AbsonderuDgsgeschäft der Milch bey Wöch- 
nerinnen erregen köniciten? Doch müfs ich 
gestehen, noch nie solche auf Sthenie be- 
gründete Kindbetterinnenfieber, weder einzeln 



- 5ö - 

noch epidemisch zu solchen -Zeiten herrschen 
gesehen zu haben. 

Was die Behandlung der Krankheit be- 
trifft^ so führt die verschiedene Ansicht^ die 
wir beide von der Krankheit haben , doch 
zu einer sehr ähnlichen Behandlung. leb 
bin weit davon entfernt, dije Behandlungsar- 
ten , besonders die aiitiga&trische Methode, 
vertheidigen zu wollen , gegqn welche Hr. ff. 
gegründete Einwürfe macht. Ich war selbst 
i^eugej wie nacht^^ilig die ausleerenden Mit- 
tel wüikten, wie sehj: sie dazu ,beytrugeii| 
die Krankheit hervorzubringen ^ um sie zn 
empfehlen; aber ich habe mich auch durch 
die im vorhergehenden angeführten Gründe 
zu sehr überzeugt, dafs diese Krankheit kein 
blofser Typhus ist, sondern dafs die mit 
demselben veibundene Störung der Milchab- 
aonderuDg nach den Brüsten, und deren Abr 
lagerung auf andere. Theile, der Krankheit 
das Gharacteristische ertheilt, und dals dieser 
Zufall die gröfste Aufmerksamkeit verdient. 
Ja die Erfahrung bewiefs Hrn. H. auch selbst, 
dafs £u einer glückUchen Behandlung der 
Krankheit, «ein schneller und , zweckmäs- 
««iger Gebrauch der topisehen Reitzoiittei 
«erforderlich sey.» Zwar glaubt der Ver- 
fasser, dafs sie nur darum so sehr nöthig 
sind| weil der Grad der Localaffection ge- 



I 



— Sq — 

wohnlich zu heftig sey^ um sich allein auf 
allgemeine Reitzmittel verlassen zu können; 
aber ich habe, glaube ich, gezeigt, dafs man 
sehr fälschlich dieses Localleiden für eine 
gewöhnliche asthenische Entzündung hält, mit 
der keins der Zeichen übereinstimmt« 

Hr. H. theilt die Krankheit in verschie- 
dene Grade ein. Wie mir es scheint, sagt 
er sehr richtige dafs der gelinde Grad, bey 
dem nur wenige oder gar keine Localleiden 
angetroffen werden, sehr häufig sey, aber 
auch den gelinden Reitzröitteln , und oft, als 
örtlichem Mittel^ schon einer flüchtigen Salbe 
weiche. Sehr richtig sagt der Verf., dafs 
schwächende Mittel, besonders, nach meiner 
Erfahrung, Abführungen, .sehr leicht diesen 
geringeren Grad in einen heftigeren verwan- 
deln können., Aber man hüte sich, auch 
diesen geringen Grad, ob.er.gleich oft schnell 
nach schicklichen Mittebi gehoben wird, im- 
mer für sQ sehr leicht zu halten. Git ist ein 
versäumtes örtlich rekzendos Mittel unerseta» 
lieh. Man bediene sieh des örtlichen Mittels, 
und namentlich des Fliegenpflasters , lieber 
zu früh , als zu spät. Denn oft wird man 
Ursache haben, die Yernachjäfsigung dessel- 
ben nur zu sehr zu bereuen. ^- Aber un- 
möglich kann Hph mit d«m Verf. übereinstim- 
men, wenn er das Saugen der Brüste, die 



— 6o — . 

Bähungen derselben, so ganz äberfliifsig hält, 
und wohl ein wenig zu voreilig, wenigsten» 
ohne irgend einen Beweis, diesen Rath un- 
richtig und schwankend nennt^ weil der ver- 
meintliche Rückiritt der Lochien und der 
Milch vom Zustande des Allgemeinleidens 
äbhinge, und mit der Entfernung desselben 
die Störungen in den Secretionen gehoben 
würden. 

Der Grund, den Hr. H. hier anfuhrt, ist 
um so auffiillender, da er kurz zuvor die 
örtKchen Reitzmittel , als ein* so nöthiges Er- 
fordemifs zu einer glücklichen Kur, so drin- 
gend empfafah Sollten denn nicht auch diese 
X«6ealzufälle , die ja nach des Verf. Dafür- 
haken gleichfalls nur das Produkt der allge- 
meinen Ursache dind, nicht auch der Hebung 
dieser ürsadhe weichte? Der einzige Grund, 
den der Verf. anführt, ist die zu grofseHohe 
des Ldcalleidem. Aber- wenn die ö'Jrtlichen 
Reitze doch selbst etwas zur schnelleren He- 
bung des Localleidehs beytrageuy warum soll 
denn das gerade bey den Biüsfen uad den 
Genitalien der Fall nicht se^n? Der Verfasser 
gieht doch so halb und halb zu, dals die 
Störung der Milchabsonderung und des Lo- 
chiaJBusses der Krankheit etwas Eigenthilmli- 
ches mittheile. (S. oben.) UnB-wenn dies der 



— 6£ — 

II ist, warum soll denn der ArEt nicht auch 
) örtlichen Mittel anwenden^ die in seiner 
icht stehen y um diese örtlichen Fehler zu 
!>en , die doch nie ohne grofse Störung 
» ganzen Geschäftes des Wochenbettes 
i oiine Nachthcfil für die Gesundheit des 
lammten Organismus, so gegen alle Ge- 
ze der Natur in Unordnung gebraicht wer- 
1 können. Q der glaubt Hr. ZT., dafs es 
iter keinen Einfluls auf den Körper habe, 
3h abgesehen von Milchversetzungen, ob 
r Lochialilufs und die Absonderung der 
Ich in Ordnung sey, oder nicht? Dies 
an doch unmöglich ein Arzt behaupten. 
Und wenn dies, nuA der Fall nicht ist, 
s bleibt dem Verf. übrig > als die Würk« 
akeit dieser örtlichen Mittel zur Beförde- 
3g des Lochialflusses und der Milchabson- 
rung zu lä^gnen. Aber wie sehr wider- 
äche Hn H» alsdann nicht einer so öfteren 
yviderlegbaren Erfishrung und seiner^eige- 
a Erklärung von der Würkungsart reitzen- 
r warmer Bähungen. Denn . was erstlich 
i öftere Säugen der Briiste, besonders 
rch stark säugende Kinder oder "^ junge 
mde betrifft, so hkx ja schon das öftere 
]rspiel, dafs alte abgelebte Frauen und 
lon trocken gewordene Ammen dadurch 
eder .Milch bekamen, und dals die Milch 



— 6a — 

bey vielen Frauen, wefnn nur das Säugen 
unterbleibt, ohne weitere Beschwerden yer^ 
schwindet, die Würksamkeit dieses Mittels 
snr Anlockung der Milch nach den Briistea 
XU unwiderleglich bestätigt, um durch die 
blofse Behauptung eines in die Augen fallen- 
den unrichtigen, schwankenden Rathes über 
den Haufen geworfen werden zu können! -— 
Dafs aber warme Bähungen der Brüste, war- 
me Einspritzungen in die Scheide und Ge- 
bährmutter, so wie auch warme Fuisbäder^ 
ob diese letztere gleich nie von mir ange- 
wendet Wurden, reitzend würken^ dies bat 
ja Hr. Hörn an zu vielen Stellen dieser und 
anderer Abhandlungen behauptet, um nnn 
diesen Mitteln theils zur Beförderung der 
allgemeinen Erregung, als auch beiondrn 
der örtlichen des leidenden Theiles, allen 
Einflufs absprechen zu können. Und wenn 
sie die Erregung dieser in ihren Functionen, 
wegen Terminderter Erregung, gestörten 
Theile zu vermehren fähig sind, so müssen 
sie auch naturlich die Herstellung der regel« 
mäfbigen Functionen dieser Theile beschlen- 
tkigen. 

Es mag also die Störung der Milchsecr'> 
tion in den Br ästen eine wesentliche Etschei- 
nnng, eine diese Form bestimmende Krank- 
heit | oder blofs zufällig seju,- so kann -sie 



— 63 ~ 

docb nie gleichgültig übergangen , und die 
Mittel 9 die su ihrer Hebung beitragen kön- 
nen j| vernachläfsjgt werden, wie Hr. H, so 
bestimmt räth. Man wird zwar nie läugnen 
können^ dafs nicht auch ohne diese örtlichen 
Mittel die Milcharecretion wieder in Gang ge« 
kommen ist, so wenig wie man laugnen 
kann, dafs bety einer ganz von dieser ver-^ 
schiedenen oder gar keiner ärztlichen Hülfe, 
ähnliche Kranke genasen; aber man wird 
dies nie als einen Grund anführen dürfen, 
dafs diese Mittel in allen Fällen überflüfsig 
wären. 

Bej dem zweiten Grade des Kindbette- 
rinnenfiebers bemerkt der Verf., dafs die 
Remissionen des Fiebers undeutlicher werden. 
Dies ist aber sicher nicht immer der Fall, 
wie ,ich oft beobachtete. Die Behanditing 
dieses Grades , der sich durch ein höheres 
fixeres Örtliches Leid^n vorzüglich auszeich- 
liety besteht^ nach dem Verf., allein in einer 
reichlicheren Anwendung der allgemeinen 
Reitzmittel, und in der Anwendung reitzen- 
der Sälben und warmer Bähungen des Untef'- 
leibes. Jede andere Rücksicht, behaujptiet 
der Verf/y sowohl auf einen gastrischen Zu- 
stand, auf einen Milchdepot ^ auf Entzün- 
dung^ oder auf die lymphatischen Gefäfse, 
iist b^ diesem Grade, so Wie bey dem 



- 64 - 

höchsten Uberflälsig, und leitet von der ein- 
zig wahren Indiqation ab* Die Behandlung 
des höchsten Grades erfordert die Reitzmk« 
tel in ungewöhnlich starker Gabe, und dio 
Anwendung der Senfpflaster, mit Cantharidea 
verstärkt, neben den warmen Bähungen und 
Einreibungen reitzend^ Salben. 

So. sehr, wie ich auch immer gesagt ha- 
be ^ ich mit dem Verf. in der Hauptsache 
übereinstimme^ dais man im Allgeoieinen ei- 
ne . reitzende Behjandlung anwenden . müsse, 
so kann ich doch in vielen Stücken nicht 
mit dem Verf. übereinstinfmen. DenQ ent- 
lich lehrt zwar die Erregungsiheorie, dsis alle 
Reitzmittel gleichmäfsig und nur dem Grade 
nach yisrscliieden würkten. Aber die Ertab" 
mngy ^e sich nicht immer nach den Vor« 
Schriften dieses Systems schmiegen will, zeigt 
doch zu häufig und brachte auch die eihig- 
sten Anhänger von J^ron^n schon yoa. diesen 
Behauptungen zurück, dals eine Gasse von 
Reitzmitteln diesen Formen der Asthenien, 
eine andere jenen mahr angemessen ist« — 
So würde man sicher sehr UDgliicklich fah- 
ren, wenn man ohne Rücksicht der Form, 
z» B. bejr Krämpfen^^i/i pro quo jede« Reitz- 
mittel gebrauchen wollte» Ja die Erfahrung 
lehrt sogar, dals nicht einmal jeder Kraoks 
bey einer ähnlichen Form des Uebcdbefindeus 

duich 



-^ 65 — 

' durch das nämliche Mittel geheilt wird» Ich 
behandele eine Kranke» die an Magenkr^m« 
pfen leider, die bald mit diesen, bald mit je- 
nen Beschwerden abwechseln, und welche 
durchaus kein anderes Mittel, als Exir. Hyos* 
cyami vertragen kann, ob ich mit baJU^en 
Tropfen, von Tina. Thebaica oder Tim iura 
Opii Eckardi^ in kleineren oder, größeren 
Zwischenräumen, und mit vielen anderen 
Mitteln den Versuch machte. — Da also si- 
cher bey anderen Formen des. Uebelbefindens 
es nicht gleichgültig ist, welcher Reitzmittd 
man sich bedient^ warum sollte es bey die- 
ser Krankheit, die so viel Eigenthümliches 
zeigt, einerlei seyn? Auch lehrt die Erfah- 
rung^ dafs es sicher nicht gleichgültig . ist. 
Denn so sah ich ^. B« vom Campher eine 
grolse Hülfe, und die zweite Beobachtung 
des Verf. scheint dies zu bestätigen. Hinge* 
gen waren alle die Mittel, welche zu der 
Glasse der* KrampFstillenden geboren., ohni^ 
den Blutumlauf zu sehr zu beschleunigen, 
besonders Valeriana und Opium immer von 
grolsem Nutzen, Aber auch bey diesen Mit- 

' teln muffte man sich in Acht nehmen, sie 
nicht in zu grofsen Gaben zu g^ben, da die 
Erregbarkeit der Kranken, besonders einigejp, 

; so ganz enorm ist. Ich kann es deshalb nickt 

» begreifen, so , wenig es sich mit d^n. Gesetzen 

XEX. B. 4i St. E 



— 66 ~ 

der Erregungstheorie reimen lilst, wie der 
Verf» rathen kann, je heftiger die Krankheit 
ist, je grofser also die directe Asthenie uni 
die Erregbarkeit sind, desto gröfsere Gaben 
der Reitzmittel zu geben, und die gewöhali- 
t^hen Gaben so sehr zu überschreiten. 

Was die Berücksichtigung des gastrischea 
Zustandas betrifft, so bin ich weit davon ent- 
fernt , im -Falle nicht offenbare Indigestioneo 
oder Kothanhäufungen vorhanden sind, Aus- 
leerungen zu verordnen. Aber in dem FaBe, 
dff&'die Auftreibung des Leibes tu nngeheuer 
wird, und dals die Stühle verrathen habf«, 
dafs besonders die Därme es sind, in welche, 
sich der Milchstoff ergbssen hat, in diesen 
Fallen gab ich doch mit grolser l^rleiehterang 
dar Kranken und Minderung der unaussteh- 
lichen Angst, eine ölige Abführung oder eine 
geringe Gabe des Wiener Trankes , oder ich 
liels nur auf halbe Tage den Gebrauch des 
Mohnsaftes., nach , um den Leib doch nicht 
bis zur anhaltenden Diarrhoe offen su erhal- 
ten. Ueberhaupt mälsigten die ÖUgen Büttel 
die Schmerzen sehr. Und warum sollte msa 
diese Mittel nicht mit anwenden, da man 
doch nicht behaupten kann, dals sie schwä- 
chen, am wenigsteoL'^t ^iner so reichlichen 
Anwendung reitzender Mittel. 

Was a» ^«i>ick&ichtigung tinies entsünd- 



, . - 07 - 

liehen Zustandes betrifiFc ^ in so fern'^'derselba 
^urch* Instrumeiital^perationen veranlar&t ist, 
so wird der Verf. **'ielbst diese'nicht aus- 
schliefsea. Was aber di6 'asthenische , vom 
Verf. angenommene Entzündung betrifft, so 
, berücksichtigt er solche 'ja hinlänglich durch 
die Anwendung der örtlicHen Mittel. Wenn 
aber der Verf. eine sth^hlsche. EntzSndung 
meint, so möchte freilich nur selten, der Fall 
eintreten, dafs Aderlä se erfordert würden. 

Was die Miichveisetzungeri betrifft, so 
habe ich mich hierüber schon hinlänglich er- 
klärt. Aber dafs nicht in dieser Hinsicht, 
besonders um die Folgen der Krankheit zu 
heben, eine Rücksicht auf die vermehrte Er- 
regung des einsaugenden Systcmes von gros- 
ser Wichtigkeit seyn würde , wird der Verf. 
auch dann schwerlich längnen köj&lien, wenn 
er auch die Ergiefs^ungen als nicht durch 
Milchversetzungen entstanden ansieht; ; er 
müf&te denn läugnen , dafs es Mittel ' gäbe, 
die vorzüglich die Erregung dieser Gefüfse zii 
vermehren im Stande wären. Ob man nun 
solche Mittel, wenn man sonst keine übelen 
Folgen davon zu befürchten hätte , besonders 
wenn sie nicht durch Vermehrung anderer 
Ausleerungen zu sehr schwächten^ nicht zu- 
gleich , noch ehe die eigentliche Krankheit 
gehoben wäre^ mit den reitzenden Mv\xäicl 



. — 68 — 

anwenden dürfte, ist eine Frage, die durch 
die. einzelnen, doch unvorsichtigen Anwen- 
duogen des Quecksilbe;4 in dieser Krankheit 
noch nicht entschieden werden kann. Ich 
bediente mich in dieser Rücksicht vorzüglich 
der Sättigung des vegetabilischen Laugeosal- 
zes mit Essig, und hatte wenigstens nie Ur- 
sache es zu bereuen, ob ich gleich in den 
letzten Zeiten auch dies Mittel gänzlich ver- 
nachlälsigt habe,> ohne unglücklicher zu sejo. 
Was die Bähungen des Unterleibes be- 
trifft, so mufs ich gestehen, dafs ich nie an- 
haltenden Nutzen davon sah , ob ich sie 
gleich ehemals viel gebrauchte. Es ist wahr, 
in den meisten Fällen, aber sicher nicht in 
allen, entsteht eine Verminderung der Schmer- 
zen darnach. Aber sie ist nur von kurzer 
Dauer. Dies ist auch leicht zu erklären. 
Denn wenn man es auch vielleicht läugnen 
wollte, dalk durch die Erschlaffung, die end- 
lich nach dem fortwährenden Gebrauche des- 
selben Keitzes entstehen mufs, der Zufluß 
der Säfte nach dem Unterleibe und die £r- 
giefsung des Milchstoffes vermehrt würde, 
so kann man es doch nie läu^^nen, dals ein 
so anhaltend fortgesetzter Reitz, der ohne 
Zerstörung des Organismus nicht erhöht wer- 
den kann, endlich seine Würkung verliereo 
mufs. Auch bestätigte mir dies die Erfahrung, 



- 69 - 

lan^e vor^der Zeit^ als diese BShungen, be- 
sonders vom Hrh, Verf., auch bey anderen 
asthenischen Localaffectionen so sehr empfoh- 
len wurden. Hingfgen fand ich in dem so 
oft wie, es die Imstande erforderten leicht 
zu erneuernden Reitz der Ganthariden ein 
Mittel, welches zu oft half, als dals ich mich 
so leicht würde entschliefsen können, es mit 
einem anderen zu vertauschen. Gewifs wird 
man wohl nur in . einzelnen sehr seltenen 
Fällen, wo man es früh genug und wieder- 
holt anwendet, einen unglücklichen Ausgang 
beobachten, es müfsten denn, wie bej der 
folgenden Kranken, so ansehnliche örtliche 
Fehler schon vor der Krankheit zugegen ge- 
wesen , oder die Krankheit in Hospitälern 
mit Fleck- oder Hospitalfiebiern, durch An- 
steckung enseugt, verbunden sejn. 



Hiermit schlie&e ich diese schon vor 
mehreren Jahren angefangene, tmd nur durch 
zu 'viele andere Geschäfte zurückgehaltene 
Kiitlk^ zu dei^ ich nur durch die Wichtigkeit 
des Gegenstandes, und durch die Liebe, un- 
sere Kenntnisse der Wahrheit itnmer näher 
zu bringen, bewogen wurde. Ich wünschte, 
dafs Hr. H. und alle, die einer ähnlichen 
Meinung sind, nur mit dem Zwecke, die 



— 70 — 



fVahrheit zu erforschen, meine Gründe be« 
urtkeilen und prüfen mächten. Kann ich ei« 
nes anderen als, Wahrheit überführt werden, 
•o werde ich der erste seyn, der die irrigen 
Sätze isurUcluiimmt* 



Krankengeschichten^ 

Mademe S. . ., Frau eines Bataillons Chi- 
rurgus^ eine Erstg<^bährende yon 3o Jahroii 
kam den iiten November iSoS, zu einer 
Zeit, wo viele catarrhalische und rheumati- 
sche Beschwerden herrschten, ziemlich leiclity 
jedoch nicht ohne alle Verletzung des Dam- 
mes nieder, und befand sich in den ersten 
Tagen nach der Entbindung sehr wohl. Die 
Milch trat unter den gewöhnlichen Erscbei« 
nuDgen reichlich in die Brüste. Da aber das 
Kind ia der Nacht vom dritten auf den vier- 
ten Tag nach der Entbindung Krämpfe be- 
kam, als es die Mutter, die schon aulser 
Bettle war, gerade auf dem Schoofse hatte^ 
und es in der Stube nicht hinlänglich wana 
war, so bekam die Wöchnerin sogleich Froit 
und andere allgemeine' Zufälle eines Uebd? 
befindens. ^ Der Mann verordnete eine Mi- 
schung aus Ex^r. rad. Fialen mit Tarianis' 
' lartaris^^ .welches einige Stühle bewUrkte, und 



— -71 — 

t 

verlangtem den Stell Tag nach der Niederkunft 
aieine Hülfe« • 

Dd ich nun die Kranke rSlHg im An- 
fange des Kindbetterinnenßebers^ mit den 
gewöhnlichen Beschwerden dea Unterleibet, 
besonders der linken Unterbaucbgegend, an- 
traff da sich die Milch sehr vermindert hatte» 
und hier die yorhergehenden Ursachen nur 
zu sehr schwächend gewürkt hatten , so ver» 
ordnete ich aulser einem. Aufgusses des Bal- 
drians , mit dem Ex$raeia rad. Faler. Sylv. 
frigid, pan und dem Liq.^ a» m. H. versetst 
ein FKegenpflaster auf die am meisten lei« 
dende Stelle, Ton beträchtlieher Gröfse. Hier- 
üuT schienen sich zwar die Schmerzen zu 
n^indern, der allgemeine Zustand des.Uebel- 
befindens schien' sich zwar abwechselnd zu 
bessern 9 aber die örtlichen Beschwerden ka- 
men doch bald heftiger wieder, Vnd wurden 
in Verhältnifs mit dem allgemeinen Befinden 
sehr hervorstechend, und bewogen mich zu 
wiederholten Fliegenpflastern auf den^ immer 
mehr gespannten schmerzenden Leib, die 
aber doch nie den erwünschten schnellen 
Erfolg hatten» '"den ich in . ähnlichen Fällen 
zu beobachten gewohnt war. Die Bfilch ver« 
lor sich ohngeachtiü; des öfteren Saugen^ imi- 
mer mehr aus den ganz schlaffen Briisten^ 
und kaum war noch eine Spur m bemctrkeo. 



— 7» — 

Die zugleich yerordneten, warmen BähuDgen 
der Brüste mochten wohl nicht mit gehöri- 
ger Aufmerksamkeit angewendet worden seyn. 
Auch die inneren, in 'Verstärkten Gaben Ter- 
ordneten Reitzmittel, mit denen oft gewech- 
selt wurde 9 so wie besonders der Mohnsaft, 
richteten eben so wenig aus. Die Kracke 
war immer bey völligem Bewu&tseyn, gab 
alle Beschwerden genau an« und klagte An- 
fangs, besonders abei' bey zunehmender Krank- 
heit > über einen heftigen Schmerz in der 
linken Hüfte, wo jedoch weder eine ödema- 
töse Geschwulst, noch eine andere Härte 
das Daseyn oder die Bildung einer Eiter- 
sammlung yerrif'th, obgleich die Kranke 
meinte, die Hiifte scheine ihr etwas dicker, 
wie die rechte, welches in geringem Grade 
auch wohl der Fall war. Auch zeigte sich 
in den letzten Tagen der Krankheit eine auf- 
faltend Umschriebene Geschwulst in der lin- 
ken Seite des Unterleibes, die sich ganz, wie 
eine im sechsten Monate schwangere Ge- 
bährmutter , in Ansehung der Form und 
Gröfse verhielt, nur wohl etwas gespannter 
war. Es schien in dieser Geschwulst , die 
ich in den. ersten Tagen, obgleich ich den 
Leib öfters untersucht hatte, ■ nicht so dent- 
hck fühlte, eine Flüssigkeit enthalten sa 
seyn, tiäd taa€in wufde diese Geschwulst unter 



_ ^3 ^ , 

anderen Umstanden für eine schwangere Ge* 
bährmutter haben halten müssen. Aber eine 
Untersuchung durch die Scheide,' bey der 
ich bis in das schon wieder sehr zusammen-* 
gezogene Orificium Uteri drang, welche« mit 
schleimigem Abgange von der gewöhnlichen 
Beschaffenheit angefüllt t^ar, zeigte, dafs die 
Gebährmutter diese GeschwuUt liicht' bilden 
konnte , so wie auch der freie Abgang ^neÄ 
zuweilen mit einem weifsen fleckigen Sedi- 
ment versehenen Urins, die Blase anfser 
Zweifel setzte. Diese Geschwulst schmerzte 
bey'm Drucke sehr, aber auch die^ anderen 
Stellen des Unterleibes, besonders die Wei- 
chere Magengegendf schmerzten ohne Unter- 
lafs. — Ich war entschlossen , im Falle sich 
noch 'mehr Anzeigen einer' vorhandenen Flüs- 
sigkeit in dieser Geschwulst zeigen sollten, 
und im Falle sich das jet^t schlimmer wer- 
dende allgemeine Befinden besseren sollte, 
den Troikart einzustolsen, und sagte dies 
au^h dem Mainne der KranKen. 

Es zeigten sich ;nün noch Aphthae auf 
der Zunge und im Schlünde. Die OefFnung 
war meistens natürlich, zuweilen dünn, artete 
aber nie in einen formliehen Durchfall aus. 

Den 4ten December, Morgens früh, jn^ 
Tage nach der Niederkunft, starb die Kran- 
ke, nachdem sieh di^ Angst und örtlichen 



- 74 -. 

Schmerzen, den Tag zuvor sehr vermehrt 
hatten, und einige Stunden^ vor dem Tod« 
sanftes Delirium und alle Zeichen des Brtn« 
des eingetreten waren. 

Die Section ward den 6. Dec, 48 Stun« 
den nach dem Tode, yorgenommen, als der 
Leichnam schon sehr roch und anfangende 
Verwesung zeigte. Folgende Veräx^derungea 
zeigten sich. 

Kaum war der Unterleib etwas geöSn^ 
als eine grünliche^ flockige, stinkende Feucb* 
tigkeic in grofser Menget denn sie betrog 
zwischen zwei und drei Quartier, berausUsf. 
Allenthalben waren die Eingeweide des Un- 
terleibes theils an das Baudifell, theils unter 
sich verwachsen, und es war keins in der 
Höhle des Unterleibes davon ausgenommen* 
Das Netz war beträchtlich angeschwoUen. 
Auffallend war ein aus dem Becken hervor- 
ragender, eine Flüssigkeit enthaltender Kor- 
per, den man von aufsen für die Gebähr- 
mutter halten mufste. Bey einem gelinden 
Drucke platzte er an der rechten Seite, und 
ergöfs eine dickere grünliche^ dem Eiter ahn* 
lichere Feuchtigkeit , als die in der Bauch- 
höhle enthaltene. Es mufsten erst die Darma 
völlig von ihrer Yerklebung mit diesem Kär^ 
per getrennt, und die Gebährmutter au%e- 
sucht Yrexden^ b^^oc man bestimmt aaf an 



- 75 - 

konnte, die Gebährmutter sdy es nicht, so 
Tiel Aehnlichkeij: herrschte zwischen beiden, 
in Ansehung der äulseren Kennzeichen. Die 
Gebälirmutter zeigte sich aber am unteren 
und rechten Theile dieser Geschwulst, und 
erschien, bevor sie aufgeschnitten wtur, blols 
als eine grofsere Verhärtung dieses Theiles. 
Sie war weder auf der Oberfläche, noch in 
ihret Höhle entzündet, und enthielt etwas 
schwarzbraunes schleimiges, Blut^ -— Nachdem 
der Sack ganz aufgeschnitten war, . zeigte es 
sich, dafs er in der Inguinal- und Becken- 
gegend der linken Seite, fest mit dem Bauch- 
felle verwachsen war. Seine innere Fläche 
trug alle Spuren eines alten AbscesseSj und 
stufisar dem dünnen Theile der Flüssigkeit, 
war eine dickere Masse darin enthalten« di^ 
man für den dickeren Theil des Eiters hal- 
ten mufste« Die ^ Häute dieses Sackes hatten 
die Dicke eines kleinen Fingers bis die eines 
Daumens, nnd waren durchaus nicht von der 
Substanz der Gebährmutter, mit der sie am 
unteren Theile auf das genaueste zusammen« 
flössen, zu unterscheiden. Die nämlichen 
häufigen Oe£Fnungen der Blutadern, die näm* 
liehen Schlängelungen der Venen auf der 
Oberfläche , wie auf eineit^ ausgedehnten Ge- 
bäbrmutter, zeigten sich in den Häuten des 
Sackes , und es schien der ganze .Sack mir 



- 76 - 

•ine tiDgebeure Ausdehnung eines Theiles 
der Gebahrmutcer zu seyn. — ^ An mehreren 
'Stellen war der Sack brandig, wie seine 
M&rbigkeit und Farbe bewiefs. Der linke 
Eierstock und die FalloppiscHen Gänge die- 
ser Seite fehlten ganz, oder waren -wenig- 
stens nicht zu ericennen. Die Übrigen Darme 
uDd Eingeweide waren mehr von blasser 
Farbe, und nur an einigen Stellen erschienen 
die Blutgefäfse deutlicher, jedoch ohne ent- 
zündet zu seyn. — Da die Kranke weder 
über die Brust, noch über den Kopf geklagt 
hatte, deshalb hier keine örtliche Fehler ver- 
muthet werden konnten, so wurdeti beide 
Theite nicht geöffnet. 

Was ich für Aufklärung über die Ent- 
stehung dieser Eitersamtplung erhielt, die 
sicher vor dem Anfange des Kindbetterinnen- 
Hebers schon vorhanden war, aber nun sehr 
zugenommen hatte, war das wenige, dafs die 
Verstorbene in der ersten Hälfte des ersten 
Jahres ihres Lebens an einem Nabefgeschwiire 
'gelitten, und auch noch während ihrer Ver- 
heirathung und währe'nd der Schwangeypscbaft 
über Beschwerden in dicSser Gegend und im- 
mer über einen sehr gespannten Leib geklagt 
hatte. Doch hätte der/ Mann xtie eine um- 
schriebene Geschwülst im Unterleibe wahr- 
genommeti) d\e> \9.«iixv s\% vorhanden gewesen 



. . — 77 — 

wäre, doch einem Wundärzte , als Gatten, 
schwerlich unbemerklich hätte gehlieben seyn 
können. — Dals übrigens in diesem, Falle» 
wo ein locales, schon vorher bestandenes 
Leiden da war, welches aber durch die hin« 
zukommende Krankheit zur tö^ltlichen. Höhe 
stieg, keine Hülfe von dieser Behandlung er- 
wartet werden konnte , j^edarf kaum einer 
Erwähnung» 



Hülfreicher zeigte sich diese Methode 
bey einer anderen Dame, die ich kurz yor 
dieser im Monate October behandelte*. Es 
V war eine Frau von einigen 3o Jahren, di^ 
seit 8 Jahren beynahe jährlich ein Kind, und 
einmal in dieser Zeit eine Mola geboren 
hatte. Sie versuchte das erstemal, als sie 
Mutter durch meine Hülfe wurde y das Kind 
gelber zu stillen; aber ein Wundwerden der 
Warzen und eine unbezwingbare/ Empfind- 
lichkeit der Haut, so, dafs allenthalben, wo ihre 
eigene Milch hinlief, ein Ausschlag en{:stand, 
und die Haut wund ward, machten es unmöglich^ 
weiter fort zu säugen^ und jederVersuchbeyden 
folgenden Niederkünften war eben so verge- 
bens»« Doch liels ich gewöhnlich das Kind einige 
Wochen an der Mutter, saugen, oder die 



-»-78 — 

Blilchy die sich immer sehr reichh'ch zeigte, 
undVch erst nach Monaten ganz yerloFi 
durch eine Frau aussaugen. Das erstemal 
hatte ich die Dame durch die Zange entbim- 
den, und auch bey einem der folgenden Kin- 
der hülfreiche Hand geleistet, da die Kinder 
th'eils gesträngt waren , theils ^ nicht immer 
eine gute Lage hatten, und jedesmal seb 
anhaltende heftige Wehen dazu gehörten) 
um den Kopf in das kleine Becken zu trei* 
beuy da der Eingang desselben etwas enj 
war. War aber der Kopf erst in das Becken 
getreten, welches gewöhnlich mit einem 
merkbaren Ruck und auf einmal geschah, so 
ward auch die Geburt schuell be» ndigt. Als 
eine Folge der starken Anstrengung«^]! bekam 
die Dame in den letzten Wochenbetten einen 
heftigen schmerzhaften Krampf im linken 
Schenkel, besonders im Untersch<-nkel, gegen 
den yergebens innere und äufsere Mittel, 
Opium in Salben^ Bähungen und inneilich 
gebraucht wurden, der aber auf das Einwik« 
kein des Beines verschwand. — Auch in die- 
aedi letzten Wochenbette zeigte sich dieser 
Krampf, ward aber bald durch ^dies Mittel 
gehoben. Die Dame befand sich Anfangs 
ganz -wohl, aber die Milch trat nur wenig 
in die Brüste, und das Kind ward diesmal 
gar nicht angiXe|^x.« \^\fik BtUste ^ die sonst 



— 79 -*- s - 

stroUteiii^ waren: nun schlaff und wölk y und 
es floDi keine, Milch aus, welches sonst immer 
geschah. . Eine andere Ursache, als das U^i-^ 
terkssen des öfteren Säugens,; war davon 
Xiicbt zu entdecken; Auch folgten k^ine all«. 
gemeinen Beschwerden. Aber in der zweitem 
Woche stellte sich ein sehr hätifigel: Abgang 
aus den Genitalien ein, der, wie mir die 
Dame ungefragt versicherte, von sehr weis- 
ser Farbe sey, und einen ordentlich sau ern 
Geruch habe. Das Belindexi war noch im- 
mer wohl, als in der dritten Woche nach 
der Niederkunft die Dame eine sehr heftige 
Gemüthsbewegung erlitt, worauf sogleich ein 
starker Schmerz im Magen und.grofse Zer- 
schlagenheit folgten/ Aber kaum waren von 
einer Mischung aus Pfeffermünzwasser, Li^. 
a. OT. H. und Extr. Kaier. frig. par. einige 
LöiFel voll genommen, als sich diese Be- 
schwerden, bis auf einen geringen Druck im 
Magen, gaben. Aber der saure Locnialfluls 
hatte eufgehört zu jEüelsen, und eine neue 
schwachende Ursache, die auf die Kranke 
schon den folgenden Tag wiirkte-, brachte 
. einen heftigen Frost ^ erneuerter^ Druck in 
' der Magengegefid und Hitze hervor. Es 
Zeigten sich nun alle Zufalle eines Kindbet- 
terinnenfiebers , mit Localleiden des Leibes 
und des Aachens. Der erstore schwoll «sl^ 



~ 5o — 

ward sehr schmerzhaft, und es wurden raeh« 
rere Vesicatorien gelegt Im Rachen zeigte 
sich eine weifse, den Schwämmchen ähnliche 
Kruste^ mit saurem GeSchmackei und saurem 
weifsem Auswurfe verbunden* Es wurden 
deshalb reitzende und stärkende Gurgelwasw 
gebraucht) und innerlich ein Au%urs der 
Valeriana mit Aeiher FitrioUy dann Serpea« 
taria mit Aeiher und Opium gegeben. Zu- 
gleich wurden die Brüste gebähet, und yo|i 
jungen Hunden gesogen^ Unter abwechseln- 
der Besserung, der wieder Verschlimmerun- 
gen folgten, dauerte, die Krankheit beynahe 
l4 Tage, bevor anhaltende Besserung erfolg" 
te. Nun mehrte sich zugleich die Milch so 
sehr, dals sie wieder von freien Siücken aus- 
lief; es kamen Zuschüsse, Erscheinungen, 
die selbst vor der Krankheit nicht zugegen 
gewesen waren. Aber die Kräfte der Kran- 
ken hatten sehr abgenommen, und es war 
eine ungewöhnliche Empfindlichkeit entstan* 
den« so d^& sich die Kranke nun übet die 
geringste Kleinigkeit ärgerte. Sie klagte mir 
diese ihr sonst fremde Erregbarkeit öfters. 
Nur der anhaltende Gebrauch stärkender 
Mittel war erst nach mehreren Wochen fähig, 
die Kräfte so viel herzustellen , , dais die 
Kranke ohne Ermattung aufbleiben und her- 
umgehein konuxe , abev die Neigung zu. Krit- 

x^Uien 



— 81. — 

teleien blieb noch mehrere Monate auriicki 
so wie auch eine unangenehme Empfindung 
im Leibe. Die Milch verlor sich nun erst, 
wie bey den anderen Wochen, spüt und all- 
mäUig. 

Die Krankengeschichte ist wegien des 
Ganges derselben, wegen der gleich Ahfangs 
gehinderten , aber durch andere • yicarürende 
Organe ersetzten Milchabsonderung in den 
Brüsten, su der nun erst eine heftig"^ schwä- 
chende, auf den ganzen Körper wUrkende, 
und diese stellvertretende Absonderung stöh- 
rende Ursache kommen mulste, uii;i andere 
schädlichere y regelwidrigere Absonderungen 
ju anderen Orgauen hervorzubringen, sehr 
interessant. Hier gieng deutlich Störung der 
Milchabsonderung dem. Kindbett^rJnnenfieber 
voraus, und diese Störung würde ^ da sie 
sch^n auf die unschädlichste "Weise ersetzt 
war, wahrscheinlich ohne die heftige Ge- 
müthsbewegung nie allein haben das Kind- 
betterinnenfieber hervorbringen können. Es 
würde eine Unregelinälsigkeit geblieben seyn, 
dije man wohl kaum mit dem Namen einer 
Krankheit würde haben belegen können, und 
der ich auch deshalb ungehindert ihren Gang 
liefs. Nur. die hinzukopimende schwächende 
Ursache bildete diese .wahre Opportunität zur ' 
völligen Krankheit aus, und mit der Versetzung 
XIX. B. 4. St F " 



■t 



— 82 — 

der Milch nach dem Unterleibe und nach 
dem Racheni entstanden alle die Zufalle , die 
sonst diese Krankheit xu begleiten pAegen. 
Aber so wie die Milch wieder reichlicher in 
den Brüsten erschien, verschwanden diese 
Zufalle dauernd, und nur eine Schwäche des 
ganzen Organismus, afs Folge dieser Stömn« 
gen und der schwächen4en Ursachen, blieb 
suriick« — Ein schon bekannter treflicher 
Arzt, Hr. Dr. Holst in Hamburg, der Bruder 
der Kranken, wird diese Krankengeschichte 
bestätigen können« *} 

*) Meine Bemerkuagen über diesen Gegentund im» 
de ich im nächsten Stücke mittheilen, < 



'ic-^ 



— 85 — 



»awi^^w— ^<<>w 



n. 



Geschichte 

einet 

LungeDgeschwürs und seiner Heilung. 

Vom* 

Dr. G u t f e 1 d t, 

aiitübend#iii Arste ia Altolia. 



jfVtn 4* März i8o^ wurde ich Abends spat zu 
einem dreiCsigjihrigen OfHcier gerufen« 

Seit seinem zwölften Jahre , in welchem 
er von dem Keichhusten befallen wurde, hatte 
er alljährig mehreremal an CatarrhalzufSlldH 
und Husten 'gelitten^ Bei einer ziemlich lo- 
keren Lebensart auf der Universität waren 
diese Zufälle häufiger geworden. Einen Mo- 
lia4hTorher ehe ick geru&n wurde, hatte er 



- 84 - 

eine Lungenehtsündung bekooimen , welche 
VoiT einem Bataillons- Chirurgen nach dem 
Schlendrian behandelt wurde. 'Nach dieser 
blieben mancherlei Beschwerden , Husten, 
beengte Respiration und Brustschmerzen lu- 
riick, Abends hatte er gewöhnlich etwas Fie- 
ber. Doch er achtete diese Zufalla wenig, 
wachte halbe Nächte beym Spiel und der 
Bouteille durch« Endlich wuchsen jene Zu- 
Talle zu, dem Grade an, dafs er, um seiner 
gewöhnlichen Unterhaltung na^zugehn, sich 
mühselig an der Seite der Häuser fortschlep- 
pen und alle zehn Schritte, um einmal fineier 
zu athmen, stille stehen mufste* 

Er hatte sich diesem Tag noch nicht lange 
zu einer THömbrepartie niedergesetzt (in ei- 
nem Zimmer welches durch den Dampf yon 
ein paar Dutzend Tobackspfeifen angefüllt 
wurde) 9 als er plötzlich einen empfindlichea 
Kitsel in der Brust spürte i worauf augen- 
blicklich ein6 grolse Menge bräunlich -gelber^ 
bitterschmeckender y -ziemlichi ' consistenter 
FeuOhtigkeit, unter immerwährendem Hnstefl 
aus. dem Munde herausstürzte. Von diesem 
Augenblicke an dauerte ein kürzer Husten 
und die Ausleerung der eben besphriebnen 
Materie ohne Aufhören fort. Als iph während 
dieses Zustandes erschien, drang mir 4«r in- 
Cierst wldetVvoW ^«rviäk \^n«t ausgeleerten 



— 85. — 

Materie sckoa auf der Treppe unter seinem 
Zifumer entgegen; der Kranke war nicht im 
Stande vor dem unabJassend^i Husten zusam* 
menhängend zu reden ; übrigens giog er in 
der Bestürzung mit ziemlich festen Schritten 
im Zimmer umher. Iclt verordnete unter die- 
sen Umstanden 

^ § gumm. arab %f. 
ßiatk c Aq Meliß. ^u 
emuhiom add: 
TR Thehaic..scrMp*.i 
Syrup. emüls. ^/ 
M. Z>« & Alle h^lb^ Sltunden tin 
Ef&IdfFet Toll an nehmen. 

* Dabei lieis ich UebecsoUige Ton Flanell, 
mit folgendem Idniment fayastrlche% über die 
Bmst legen. . * : 

Jjt Spirii. saK amman», caust. 

OL camphor. ana 3ff 

Vng de Alih^ $// 

M. D. 

Zum Getränk erlaubte ich' etwas stärke* 

ren Thee mit wenigen^ alten Franzwein. 

Am 5« Morgens £tuh* Der Kranke re- 
dete mich als einen Wundertbater an. Schon 
gestern Abends ii\llhr hatte der Husten und 
der übelriechende Auswurf . (nachdem beide 
unausgesetzt 4 Stuxiden gedauert hatten) fast 
ganz aufgehört, so dals -der Kranket mehrere 



— 86 ' — 

Stunden mhig schlief« Aach jetzt hustete er 
nur in seltnen Zwischenräumen, und warf 
dabei die vorher beschriebne Flüfsigkeit aus« 
fieine Betscbwerdea waren im Vergleich mit 
gestern so gering, dafs ich Mühe hatte iba 
im Bette asu erhalten. Er hatte Appetit ; ich ge- 
stattete ihm Fleischbrühe. Die. gestrige Aisa» 
nej liefs ich au anderthalb Efiilöffel voll aUe 
Stunden nehmen, auch die Uaberschläge fort« 
setzen. 

Abends. Heute Machmittag um halb 4 
Uhr kehrte der Paroxysmus, wie der voaa 
gestrigen Abend, nur etwas schwächer, 2h« 
rück. £f hustete mehrere Stunden lang, ohne 
redit «nun Atfamen au kommen, fort, und 
leerte dabei wieder eine betrachiliche Menge 
von jener höchst übelriechenden Flüfsigkeit aus« 
Da die vorige Araeney verbraudit war, so 
verordnete \ ich 

^ rad. serpent. virg. Zvf 

in f. Cm Aq. fervid. ^vjj 

Siec in digest. väsc. operi* 
p ^ hör. 
C addx 

'^ Thebaic 3f| 

MuciL g. amb. 

Syr» cort. aurant. ana |{/. 
Af. £>• S. Alle halbe Stnn^en einen 
Efsiöffel voll itt nehmen. 






- 87 - ' 

Am & Morgens. Der Paroxysmus dau- 
erte gestern Abend, bei dem Gebrauch der 
letxten Awxnejj noch 4 Stunden fort, nach sei- 
nem Verschwinden stellte sidi ein ruhiger 
mehrstündiger Schlaf ein. Heute hat sich 
eine beträchtlichß Heiserkeit eingestellt , di« 
Respiration ist ziemlidi frei^ der Patient hu« 
stet selten, beym Husten wirft er fortdauernd 
yon derselben Fltibigkeit aus. Er fühlt eine 
unbehitfglicfae Empfindung Im LuftröhrenkopE 
U^brigens ist er heiter/ hat Efslust» und verw 
daüet leicht. Dieses bewegt ünich, ihm fok 
gende Mediein zu ^^ehen : 

9^ TR Thebaic. 3/ 

T5 rbi. R. fThyu. Zj/1 

M. D. S^ Aue Stunden ao t*ropfen 
'zu nehmen* 

Abends. Heute Mittags um x Uhr kam 
der PaM^fsmusy wie gestern und ehegestem, 
doch viel gelinder, wieder. Der unausgesetzte 
Husten ist dabey leicht und nicht sohnverzer«^ 
regend, aber die Quandtat der periodisdi aus* 
geleerten gelblichen, bitterschmeckenden und 
Obelriechenden Fliilsigkeit sehr beträchtlich. 
Ich liefs nun die Mediein von heute Morgen 
bis aufs weitere aussetzeflf^ und dagegen alle 
halbe Stunden 9 TtopSeti^ über in steigendet 
Gabe 9 Von dem folgenden nehmen: 

9t T{ Thebaie. 3/ ^ 

^ NapJu. vitrioU 5jj. M% ü. ^ 



~ 88 — 

Bei diesen horte der Päroxysmus, nach 
sechsstündiger Dauer, wieder auf, aber er be« 
kam gegen die Nacht einige Hitze, schnellei- 
ren- Puls, wobei indessen die Respirati.BS- 
beischwefden nicht zunahmen« Nachts schliaf 
er einige Stunden , aber unruhig. 

Am 7. Morgens fühlte der Kranke sieh mat- 
ter » der Puls ist ziemlich klein ^ aber nicht 
achnell; der Kopf übrigens nicht eingenom- 
men, der Husten, wie gewiShnlich aüfser dem 
Paroxysm, selten,, und die jetzt ausgewor&e 
Jtfaterie weniger übelriechend und weislichter. 
Heute ist es der dritte Tag da(s Patient k^ioe 
Darmausleerung hatte; doch spürt er difon 
keine Beschwerden, so dals ich genöthigt ge- 
wesen wäre zum erweichenden Klystier zu 
greifen. Der Appetit ist fortdauernd gut, die 
Zunge rein. Er behält ^ie .Fleischdiät bey, 
und nimmt öiters ein paar Efilöffel voU Ma- 
deirawein. 

92 Opii. pur. Gr. J.' 
Camphor. Gr. i 
Sacchar. alb. ^crup. j|« 
m. yi pulv. dispens* taU dos Uro \% 
Sn Alle Stunden ein Pulyer zu nehmen» 

Abends. Heute Mittag kani der JParozjs- 
mus von Husten und Auswurf fast auf dtie- 
selbe Stunde wieder,' und dauerte bis tief in 
die. Nacht hinein; der Kranke wurde dadurch 



' - «9 - 

mehr vn^ bisher aiig^gii£Fen; wenig Hitze 
und Durst 

Am 8. Patient schlief |[egen Morgen ein 
paar Stunden, fing aber gleich darauf stark 
zu schwitzeif^ an^ besonders^ an den behaarten 
Theilen des Kopfs. Die Zunge ist sehr roth, 
der Puls weich und klein. Die Respirations- 
bescbwerden sind nicht vermehrt, die Heiser« 
keit fängt .an zu weichen, der Schmerz im 
Luftrohrenkopf hat aufgehört. Hasten und 
Auswurf wie gewöhnlich bis zum* Mittag hin, 
unbedeutend. K«in Kojpfweh, derselbe gute 
Appetit und Verdauung. 

Ich verstärke die Kamphorpulver um - 
§ Gran p^ D. und lasse die Quantität des 
Madeiraweios vermehren. 

Abends. Heute hat sidi der bisher um 
Mittag gewöhnliche Paroxysmiu von Husten 
und Auswurf noch nicht wieder gezeigt* 

Am, g* Morgens. Auch hiBute erschien 
derselbe 'Uicbt. Patient hatte gestern Abend 
kein merkliches Fieber, achlief in der Nacht 
3 — 4 Stunden rubig-, ohne dafs Schweilse 
nachfolgten. Ich finde nur eine feuchte Haut, 
den ' Puls etwas schneller und weich, doch 
.nicht mehr klein. Der Husten erscheint 
'überhaupt etwas häufiger, aber die a:usge« 
worfene Materie hat sich ganz vertndert, ist 
nidit mehr übehieohend, sondern weisUcbt» 



— 90 — 

dicker und eiteiAImlick«r. Die Zunge hat 
dieselbe heUrdtfae Farbe und ist in der Mitte 
mit einer dünnen bräunlichen Kruste belegt 
Der Appetit ist fortdauernd gut, auch Über 
all keine gastrische Zeichen. iJie Mattigkeit 
ist noch nicht vermindert. ' 

Statt der bisher genommenen Fleiaohbrfi. 
•hen, lasse ich auch etwas gebratnes Fleisch ge- 
ben» und dabei den Madeirawein in kleinsD 
öfteren Portionen fortsetzen. 

l$t Cort^ Peruv. öpi. Zvf 
inf.e. Aq. fersf* %vf 
Stef in 'digesi. -p. horam 
vasc0 operio., 
C. add: 
Efsenu cott. aurane. Sff 
' Syr. cori^ aurant. ^ 
M* D* S. : Alle Stünden einen reichli- 
chen ECslÖffel voll zu nehmen. 

Nachmittags bekam der Kranke von selbst 
eine reichliche Darmausleerung von gebund- 
nen fkeoibus, nachdem der Leib fast 5 Tage 
verseMo&en gewesen war. A^bends befand tf 
sieh sehr wohl, bis auf den Husten. 

Am 1 o. Morgens. Er schlief die Nackt 
hindurch wenig, hustete viel und aohwittfe 
gegen Morgen staik, besonders an den Scbeih 
kein; daher heute grölsere Mattigkeit« Der 
AuswuzE |(kdielLt' einem mit Schleim gemaag- 



- 9X - 

ten Eiter. Wtlirscheialicli rührt diese Ver« 
schlimmerung von dem . plötzlichen Aussetzen 
des Opiums her. Ich setze dem Chinäinfu« 
sum meder eine halbe Drachme von der^ 
Thebaischen Tinctur zu. 

Abends kein Fieber, aber der Husten be- 
unruhigt den Patienten nocfh sehr. 

Am li. Gegen die Nacht wurde der 
.Husten seltner, und darnach stellte sieh eiü 
erquickisnder Schlaf von mehreren Stunden 
ein. Beym Erwachen lag er nicht im Schweifte. 
Auch ist heute der Husten mäfsiger. Guter 
Appetit. Ich lasse die Medicin r^etiren, 
und verordne Abends spät eins von den 
folgenden Pulvern zu nehmen: 
9e Opii pur. 

rad. Ipecae. ana Orf. 
ioeehafm alt, scrup. f, 
M. f. pullf. dispens. iaL dos Ifro. 4* 

A 

Am la. Merkliche Besserung« Ik der 
Nacht guter Schlaff Morgens keine S^hweifse^ 
befseres Ansehn, gehobner Puls. Heute hatte 
^ wieder von selbst eine Darmausleerung. 
Der Husten hat sich sehr vermiadert, der^ 
Auswurf wird immer dicker und mehr kugel- 
licht. Er speist mit vielem Appetit auch 
Fleisch in Substanz, gebraten' oder als Ragdut; 
dabei trinkt er den Tag Sibkt beinahe eine 



— 9? — 

I 

halbe Bouteille Madeirawein. In demselben Gra- 
de, in welchem er sich besser fühlt, verliert er 
seine bisherige Neigung zu Arzeneien. Ich 
lasse ihm seltner, alle 2 Stunden 2r Ef&lö£Fel 
Yoll, von dem Ghioaüifasum mit der Tbebai- 
schen Tinctur, und Abends noch ein Dover« 
sches Pulv^er nehmen. 

Am i3. Er geht in der angebngenen 
Besserung fort. Omnia eadem^ 

Am i4« Paiient schläft fast die ganze 
Nacht durch, der Husten ist schmerzlos^ der 
Auswurf seltner. Schon gestern brachte er 
/ einen Theil des Tages aulser dem Bette so* 
Ich verstärke die Quantität der China m dem 
Aufgufs bis zu einer Unze, die Thebaische 
Tinctur bis^ zu zwei Skrupeln, Dio Doverschen 
Pulyer werden ausgesetzt. 

In den nächsten acht Tagen, vom i5. bis 
2um.^ten, schritt der Patient immer weiter 
in der Wiedergenesung fqrt, die BrustschmeP 
xen waren ganz verschwunden^ er konnte auf 
beiden Seiten liegen^ die Respiration war bei 
nicht gar zu tiefen' Einathmen frei, er hustete 
selten und ohne Anstrengung^ Warf weoig 
mehr aus als ein Qesunder imd blofsen Schleim. 
Ich hatte in dieser. Zeit demAuFgufa der Chi- 
. na eine successiv verstärkte Abkochung der« 
selben mit derv*^ GiiinamoBi folgen lassei^ 
und zwischendurch immer einigemal von. der 



■_ - 95 - 

Thebäischen Tinctur gegeben. Diese Arz- 
neien, und die auserlesenen Nahrungsmitteli 
'welche die guten Vermögensumstände des 
Patienten erlaubjten, stellten das Wohlgefühl 
desselben so schnell und so sehr wieder h^, 
dafs er vom !24* ^^ (dem aiten Tage dieser 
Krankheit ) anfangs phne mein Wissen, 
seiner Unterhaltung aulser Hause wieder nach- 
ging. Indessen hatte diese Krankheit wenig- 
stens so viel gewirkt, dafs er gegen m&ine 
Vorschriften nicht mehr taub war, und meh- 
rere Vorsorge für seinen Körper trug. 

Es mogten wohl anderthalb Monate dar- 
über verflofien seyn, dafs ich ihn meiner Be- 
handlung, entlassen hatte, als ich ihn auf der 
Gasse traf und zu seinem guten Ansehn und 
Embonpoint Glück wünschte. Er erzahlte 
mir hieraiff, dafs er in der Zwischenzeit die» 
selbe Krankheit im kleinen noch zweimal ge^ - 
habt| nehmlieh , dafs er nach einem vorauf- 
gegangnen Mifsbehagen und Kitzel in der 
Brust, bei einem plötzlichen Anfall von Hu- 
sten, eine Quantität derselben bräunlichten, 
bitterschmeckenden, übelriechenden Flüfsig- 
keit ausgeleert hitte. Da dieser aber bald 
•Vorübergehend, und von' keinen sonstigen 
üblen Zufällen begleitet gewesen, so habe er 
es nicht der Mühe werth gehalten, mich. ru- 
fen zu lassen, und ve^n der guten Wick.\nx^ 



-' 94 - 

der brauB^B Tropfea (der Tiiict. Thebaica) 
überzei]g[t, bei fortgesetztem Geraüch derseU 
beB, blols einige Tage das Zimmer gehütet; 
dieses sey ihm auch glücklich von statten 
gegangeB. Jetzt versicherte er vergiBgen 
mehrere Tage, olme dafs er einen Reitz zum 
Husten habe; dieser sey leicht^ ohne Aus- 
wurf,^ er spüre nichts von Schm^ers oder 
EngbrGstigkeit. . 

Diese Aussage bekräftigte auf meint 
Nach/rage seine Hauswirthin; 

So wenig ich bei alleB dem geneigt im 
diesen Worten buchstäblich m glauben, so 
wurde^ mein Mifstrauen desnoch ganz geköi- 
ben , als ich ihn 4 Wochen nach dieser Un- 
terredung (also kaum 3 Monate nachdem ich 

. ihn verlassen,) mit seiner Compagnie ezercl- 
ren sah* Das Exercitium der leichten Infant 
terie besteht wie bekannt in eiper seht ange- 
strengten körperlichen Bewegung, im schnel- 
len Hin- und Herlaufen u. dgl. m. 

Indem ich dieses schreibe (anderthalb 
Jahr nach seiner Genesung) ist mein eheffis* 
hger Kranker völlig gesund und stark , und 
wider meine Erwartung, nicht einmal bei der 
jetzigen rauhen Herbstwitterung*, der Heiser- 
keit und dem Husten unterworfen^ weldie 

. ihm sonst zu dieser Zieit ganz eigen wareia« 
Dim WahtYi^t diiMtet ^msen Gdiduchtt 



- 95' - . 

kann ich mit meiner Ebre, und mehrere Au- 
genzeugen können sie mit ihrem Zeugnibe 
Tei^tii|[en» 

Einige Bemerkungen über die vorsiehende 
Krankengeschichte^ 

lim ^m Urtbeile der sachkundigen La- 
ser über eine Krankheitsgeschichte, die in 
Betreff ihrer richtigen Diagnose manche Schwie- 
rigkeiten darbietet, nicht vorzugreifen, habe 
ich bisher nur eine, einfache Erzählung ihrer 
allmähligen Entstehung und der beobachte'» 
ten Erscheinungen, ohne eingemischtes Rai*» 
soanement, gegeben. 

\ Der Gattungscharacter dieser Krankheit 
liegt wohl klar genug am Tage, wenn man 
die Natur, die Intensität und die Andauer 
der dieselbe herbeiführenden Schädlichkeiten, 
und den kurz yorausgegangenen Krankheits- 
2ustand eirwSgt. Um desto getheilter mögten 
vielleicht die Meinungen übcir den specifi- 
sehen Gharacter (die Form) dieses Kranke 
heitszustandes seyki* . 

Die vorhergegangne Lungenentzündung, 
die nachgebliebnen bedeutenden Beschwerden 
dex: Respiration , nebst ' dem gleichzeitigen 
abendlichen Fieber, die momentane plötzliche 
Ausleerung, einer sehr betTfichtUcheii Quanti* 



- 96 - 

tat Ton Flül6igk.eit aus der Lunge, bei eiaem 
eben so plötzlich entstandcen ununterbroch- 
nen Hastenanfall , der hektische Zustand, 
welcher nach wenig Tagen sehr sichtbar wu^ 
de 9 machen es mir höchst wahrscheinlich, 
dafs ich es hier mit einer aufgebrochnen Vo- 
mica^ also mit einer wahren Phihisis exulc^aUL 
Bu -thun hatte. Dals der Kranke bei diesem 
Zustande nicht sogleich ganz von Kräften wari 
und sich so schnell wiedererholtö, ist wohl der 
Starke und Vorzäglichkeit seiner Assimih' 
tionsorgane, (besonders derer, welche der er^ 
aten Stuffe dieser Function vorstehen) zuxu* 
schreiben , welche ich auch durch eine s(i> 
kende nahrhafte Diät zu unterhalten niisb« 
läfsig bemüht war« Wo jene fehlt, ist bei 
einem ähnlichen Zustande^ wohl kamn et« 
was zu hoffen, um so mehr da da^on nicht 
einmal kräftige restaurirende Mittel vertragen 
werden. Ich habe kein eiterartiges Sediment 
inoL Urine beobachtet, aber es ist gar oft der 
Fall, dals von den Symptomen, welche bei ei« 
ner bestimmten Krankheitsform gewöhnlicher 
in Verbindung zugegen zu seyn pflegen , i& 
Individuen eins oder das andere fehlt« 

Von der Trtiglichkeit auch der besseren 
Eiterproben überzeugt,^ habe ich keine dtf- 
selben zur Untersuchung der ausgeworfenen 
Materie angewandt« Möge die letztere ent- 
weder 



^ 97. - 

weder dem Eiter oder dem Schleime naher an'* 
gehört haben 9 so entfernte sie sich, während 
der Höhe der Krankheit , der sinnlich wahr« 
nehmbaren Qualität nach gleich weit von der 
gewöhnlichen Qualität der . beiden ersteren# 
Bei der ersten Abnahme, der Krankheit schie- 
nen die Sputa ein Gemenge von gutem Eiter 
und Schleim, doch «rsteres in überwiegender 
Quantität 9 mit dem Fortsehreiten der Recon* 
yalescenz schien das umgekehrte Verhältnils 
einzutreten^ und zuletzt bestand der wenige 
Auswurf aus blolsem Schleime. 

Für eine Phchisis tracheatis mögte die 
hier beschriebne Krankheitlform yon .guten 
Diagnostikern wohl schwerlich gehalten wer- 
den; der plötzlichen Ausleerung einer sogrov 
Isen Quantität' von Flüfsigkeit, welche eben 
weil sie so plötzlich geschah, allmählig ange- 
häuft seyn mufste, würden, wenn die Anhäu- 
fung in üinem Theile d^ Luftröhre statt ge-^ 
habt hatte, ohnfeUbar die heftigsten Erstik- 
kungszuElIle vorausge'gangen seyn; auqh hatte 
der-, Patient nie vor oder bei der ersten Er«« 
scheinung des hier bescfariebnen Krankheits«^ 
sustandes, schdierzhafte Em|ifindungen an ir- 
gend einer Stellender Luftröhre gehabt, erst 
nach mehreren Tagen gesellte sich eine solche 
im l^uftröhrenkopfe hinzu ^ und bereits nach 
XIX.4. 8tB. ' G 



— 98. — 

ftweien Tagen war dieselbe wieder ver- 
schwunden. 

Das merkwUrdigstePhaenomen war wohl die 
tägliche periodische Wiederkehr leines Anfalls 
von ununterbrochenem Husten und eben so 
anhaltendem copiösen . Auswurf ^ welcher an 
den aufeinander folgenden Tagen fast dieselbe 
(und mehreremal genau dieselbe) Stunde hielt; 
und meistens 4 *~ ^ Stunden lang anhielt* 
Es ist wohl gewifs , dafs^ ich am ersten Tage^ 
dem plötzlich erschienenen Anfalle von Hus- 
ten durch meine- Arzney eine bestimmte 
Gränze setzte. Jeder Arzt welcher die erstau- 
iiende Wirksamkeit des zweckmafsig äuge- 
wahdten Opiums in Brustkrankheiten ans Er« 
fahrung kennt» wird durch den in die Augen 
fallenden Brfolg^ nicht in VerwunderuDg ge- 
setzt werden. Es konnte meine Absicht nicht 
seyn, die Ausleerung und ddn Husten auf 
einmal ganz unterdrYicken zu wollen; wäre 
dieses geschehen, so würden sich bald die 
gröfste Beängstigung und Erstiokungszufälld 
eingefunden haben; ich bin aber auch über- 
zeugt, dafs ich nie dem Auswurfe pfötziich ein 
Ziel würde hab^n setzen können^ wenn ich 
es selbst gewollt hätte; dieses bewies auch 
der Erfolg; der Paroxysmus kehrte, nachdem 
eir zwölf bis i8 Stunden aufgehört hatte, bei 
dem fortgesetzten Gebrauche derselben Arz- 



— 99 — 

ney wieder » welclie nur erst dann ü^re volle 
Wirksamkeit äufsoro konnte, nachdem der 
' grölste . Theil der die Lunge belästigenden. 
Flii&igkeit ausgeworfen war. Darvn aber ^tand 
es in V meiner Gewalt ( wie die Gescliichte 
zeigt,) dem wiedergekehrten Paroxy6mus durch 
verstärkte.. Gaben des Opiums so lange ein 
Ziel zu setzen, bis durch die abnorjpa Lun- 
gensekretion von neuem eine' beträchtliche 
. Quaatität von Fliifsigkeit angehäufc war, wel- 
che die Ausleerung verlangte. Dafs nichts 
' desto weniger öftere und verstärkte Gaben 
des Opiums an ihrem Orte waren, wird Je- 
dem einleuchten, der da bedenkt, dafs bey 
V SU langer Andauer des Paroxysmus die Lun- 
ge durchi den unausgesetzten Husten zu sehr 
angegriffen, in der. abnormen Sekretion be- 
stärkt, der Patient zu sehr entkräftet worden 
. wäre, und wahrscheinlich selbst BlutstUrzun- 
gen nachgefolgt seyn würden. 

Indem ich den therapeutischen Theil mei- 
ner Krankheitsgeschichte überblicke, glaube 
ich mir zweierlei vorwerfen zu müssen: 

i) JDie sichtbare Verschlimmerung des Ue- 
bels vom 6. bis zum gten schreibe ich, auf 
diese und spätere Erfarhriingen gestiitzt, den 
folgenden beiden Umständen zu: 

ä) Der Kranke bekam vom 6. bis zum ' 
yten Morgens, alle halbe Stunden 3 Tro- 
G a 



— lOO — 

pfen von der Tinci. thebaic. tfdt 6 Tro- 
pfen vom Aether. Die in \6 ^ i8 Stun- 
den verbrauchte Drachme von der erste- 
ren^ ist an der Verschlimmerung gewils 
unschuldig gewesen, da der Kranke schon 
ein paar Tage hindurch thebaische Tino* 
tUT in langsam steigender .Gabe bekom« 
men hattö; er bekam aber in derselben 
Zeit auch zwei Drachmen von der Vitri- 
olnaptha. Mehrere Aerzte haben mit mir 
beobachtet^ dals bei der Pneumonie^ 
Pleuritis, bei Schwindssucfaten, upd chro- 
nischen Bmstübeln überhaupt > wo das 
Opium in den meisten Fallen ( von Ast- 
henie) das hülflreichste aller Bfittel ist, 
nicht allein die Naptha y der. Hojfmann* 
sehe Liquor» sondern auch die Zimmt- 
tinctur; die übjigett versülsten Sauren, 
und alle Arzneien mit vorherrschendem 
Wasserstoff in ihrer Mischung, ökers 
das Uebel ärger machen, Husten und 
Fieber vermehren; dieses läfst sich nach 
den Ansichten der Naturwissenschaft, de- 
ren Auseinaiiders^tzung übrigens nicht 
hierher gehöit, leicht erklären. 

b) Größer scheint mir aber der Mifs- 
griff, dafs ich am yten, statt mit der 
Gabe des Opiums zu steigen, dieselb« 
verminderte. Der Kranke bekam am 6. 



I 

fede Stunde .6 Tropfen yon der thebäi- 
schen Tinctur (ungefähr f Gr, Opium) 
am yten nur eiii ^ Gran Opium in Sub- 
stanz. Der zugesetzte einzige Gran vom 
(Jamphor konnte dieses nidht wieder gut 
machen, wenn er gleich gröfseren Nach« 
. theil verhinderte« > Einige haken diese 
VerbioduBg des Opiums mit dem Cam- 
phor für zweckwidrig» Dieses bezieht 
sich doch wohl nur auf solche Fälle, bei 
welchen es auf die narkotische Eigen- 
schaft des Opiums allein abgesehen ist* 
!Wo dieses nicht der Fall war^ fand ich 
jene Verbindung, die man 4och nicht 
bei unbedeutenden Zufallen (wo also 
nicht lange experimentirt Werden dtrFy) 
anzuwenden pflegt, höchst wii^ksam» 
^zy Das plötzliche Aussetzten des Opi- 
ums am gten , blieb < nicht ohne nach« 
theilige Folgen; der Husten nahm straks wie- 
der bedeutend zu. Es erfolgte nun freilich 
sogleich eine fr<!iwiUige DarmausleeruHgi die 
aufserdem wohl no^h einen Tag länger an- 
gestanden hätten aber dieser Vortheil steht 
in keinem Vergleich zu jenem NachtheiL 
Ein erweichendes Klistier würde die Darm- 
ausleerung, w'enn dieselbe lirgirt hätte» 
(was nicht der Fall war,) leidit herbeige« 
führt haben. Uebrigens pflegen die Kran« 



— xoai — 

ken, wenn sie eift inehrere:>Tage nach ein- 
ander Opium genommen haben, bei dem 
weiter fortgesetzten Gebrauche desselben, 
^ regelmäfsig' um den zweiten, höchstens den 
dritten Tag, von selbst LoibesöfFnung zu 
bekommen. -^ So wie ich, bald meinen 
Fehler einsehend, dem Aufgufs der China 
wieder thebaische Tinctur in zweckmäfsi- 
ger Gabe zusetzte , ging alles mit schoiellen 
Schritten wieder zur Besserung fort« 

Ich kann hier die sich darbietende Ga- 
legenheit, den Streit über die Möglichkeit 
der Heilung einer Phthisis exulctrata zu be« 
rühren, nicht ohne einige Bemerkungen Yor^ 
beilassen« Wenn die Behauptung der Unmog- 
lichkeit ihrer Heilung auch völlig motivirt 
wäre> so hat sie doch das nachtheilige, dab 
sie den Arzt leichtlieh veranlafst in seiner 
Thätigkeit zur Unzeit nachzulassen , und ei« 
nen Patienten dorn das.! Leben, mit ^nem er- 
'Itäglichen Befinden, allenfalls noch zu fristen 
wäre, aufzugeben. Ich erinnere nrfch. immer 
sehr lebhaft der treffenden Bemerkung mei- 
nes verehrten Lehrers, des Herrn tieraas^ 
gebers dieses Journals, in seinen Voilesun gen: 
dafs Wohl noch manche Schwindsuchten ge- 
heilt werden mögten, wenn die Aerzte selbst 
diese nur nicht für absolut anheilbar. biel- 
ten* — 



— ?o5 r— 

Die wichtigtteo und bedeutendsten Grün- 
de gegeh dia Möglichkeit der Heilung eines 
Lungengeschwürs, nimmt man^ von der un- 
aufhörlichen Bewegung d^r Lun|[eh, und dem 
unabhaltbaren Zutritt der atmosphärischen 
Luft a^u demselben her. 

Was den ersten .Punkt anlangt, so ist 
es wahrscheinlich, dafs die unaufhörliche Be- 
wegung der Lungen die Heilung und Ver- 
narbung eines Geschwürs denselben erschwe- 
ren kann, in so fem sie dem Erstarrun^spro- 
zefs der'thieri^chen Flüfsigkeiten in seinem 
regelmäfsigen Fortgange einiges Hindernii$ in 
i^en Weg legt. Aber darum scheint es mir 
noch lange nicht ausgemacht, ja selbst bisher 
unerwiesen y dafs jene Bewegung der Lungen 
den Erstarrungsprozels der in denselben zur 
Reproduction und Ernährung secerpirten 
Flüfsigkeiten ganz unmöglich mache. ' - 

Man pflegt sich wohl auf die ypn einer 
Salzaußösung hergenommene Analogie zu be- 
rufen , indem jene, nach der Behauptung, 
sich -nur im vollkommen ruhenden Zustande 
4^stallisiren soll* Diese Analogie kann ich 
nicht gelten lassen. Denn 

i) ist es überhaupt unwahr, dals die Cry?- 
s^allisation nicht in einer bewegten Flüfsigkeit 
statt finden könne; sie erfolgt allerdings, 
aber unregelnäilsig. (Es ^ebt bekunntlioh 



•6lb$t*Fille, in welchen die Fluisigkeit 8icI^ 
wenn sie bewegt wird, leichter ciystallisirt.) 
a) Aach eine bewegte Flüfsigkeit crystalli- 
•irt »ich schnell, wenn man einen Kern hin« 
einwirft, an welchen sich die zu präcipitiren« 
den Th^e ansetzen können; um so mehr, 
wenn der Kern homogener Art mit dem auf- 
gelösten Salze ist. Bei dem thierischen Er» 
atamingsprozefs in den Lungen , findet die 
cryiiallisirbare Plüfsigkeit (die zur Reprodao- 
tion bestimmte abgesonderte Materie) wirk' 
Uch einen homogenen Kern für ihren Ait" 
satz schon vorhanden, (nemlich die benach« 
harten starren Theile,) und dieses crleiditert 
die Crystalüsation dieser, obgleich bewegten, 
Flüfsigkeit sehr; nicht einmal zu gedenken, 
dals diese thierische FlUfsigkeit, aus welcher 
der Subs^tanz Verlust reproducirt werden soll, 
(das Eiter,) viel zäher ist als eine SalsauRö« 
sung y und eben , daher auch wenn sie bei der 
Aotign der Lungen unaufhörlich im Zustande 
ein^r geringeil Bewegung xsf, leichter crjstal« 
lisirbar ist als jene. Die natürliche Bewegung 
der Lungenzellchen ist auf keinen »Fall so 
stark, dafs durch sie die zwischen den lets« 
te^en in den Erstarrungszustand übergebende, 
noch etw^s weiche^ reproducirte Materie, wie* 
der aulser Continuität gebracht, oder mecba« 
lU3ch zerrieben Mrerden soUtOr 



Wenn die natürliche Bewegung d^ Lnä- 
genzellen ein unüberwindliches Hindemils - fär 
die Erstarrung* der thierisohen FlüCsigkeit, aus 
welcher die Lüngensubstanz reproducirt wer- 
den soll^ wäre, wie wäre da die wirklich er- 
folgende stete Reproduction. der letateren-im 
normalen Zustande möglich? denn hier er- 
starrt ^ trotz der unaufhörlichen Lungenbewe« 
gung, die in den Zellen abgesonderte Flülsig- 
keit^ unaufhörlich. Warum , sollte di^sselbet^ 
was im gesunden Zustande unaufliörlicfar im 
kleinen geschieht, nicht im abnormen Zustan- 
de, bei günstigeren äniseren und inneren Um- 
ständen, (das heilst: wenn die ganze Lunge 
nicht stärker angegriffen ist, wem der Pati- 
ait überhaupt eine stärkere Constitution hat- 
te, wenn besonders die Assimilationsorgane 
im geringeren Grade leiden, endlich bei ra- 
tioneller ärztlicher Behandlung;) im Grofsea 
erfplgen können? Die Substanz der Lungen 
ist parenchymatös, um desto leichter ist die 
Reproduction eines verlohrengegangenenTheils 
derselben. 

Aus allem eben gesagten zusammenge- 
nommen, glaube ich mit Recht den Schluls 
ziehea zu dürfen, daß die natürliche Bewe- 
guüg der Lungen keineswegs ein imübersteig- 
bares Hindernifs für den tlrstarrutigsprozefs 
der zum- Behuf der JReproduction abgesonder'- 



— i,o6 — 

teil Flufsigkeit bei einem Lungeogeschwüre, 
und damit fiir die Reproduction der Lungen- 
snbstani sey. 

Ein bedeutenderes Hindernifs der Hei- 
lung eines offnen Lungengeschwürs scheint 
mir der begleitende Husten zu seyn» welcher 
die Lutige, und die Theile des Geschwiirsi 
in eine heftige Bewegung und Erschütterung 
versetzt. Durch diesen kann allerdings die 
Jkaum reproducirte, norh haibweiche Materie 
Wieder zerstöhrt, und zur Einsaugung geschickt 
gemacht werden. Aber Gottlob T hier kann 
die ärztliohe Kunst, öfters und nachdrüeklicli 
helfen. Durch einen folgerichtigen Gebraoch 
der Opiate kann man, wie dieses unsere Aente 
recht gut wissen , den, Husten , reibst bei ei- 
nem ausgemacht Schwindsüchtigen, mehrere 
Stunden, ja halbe und ganze Tage hindurch, 
zum Schweigen bringen. Bei dem Kranken, 
dessen ich vorher erwähnte, gelang es mir, 
den Husten selbst kurz nach dem Aufbruche 
der Vomica auf 8 — ^ la Stunden ganz zu 
unterdrücken. 

Der Zutritt der atmosphärischen Luft 
wirkt als unterhaltende Schädlichkeit fiir je- 
des Geschwür; und wahrscheinlich, ist er ein 
mächtigeres Hindernifs der Heilung und Yer- 
narbung eines Lungengeschwürs, als die na« 
tUrliche Bewegung des ' leidenden Organs- 



— 107—,. 

Bei dieser schädlichen Wirkung der atmos- 
phärischen .Luft auf die Geschwüre, kömmt 
hauptsächlich, wie Versuche lehrten, der Ein-* 
ilufs ihres Sauerstoffs in Berracht. Aber^ so 
wie es ja in unserer Gewalt steht ^ den Grad ih- 
rer Temperatur und Reinigkeit in dem Zim- 
mer des Kranken nach Eifordernifs zu be- 
stimmen, so können wir auch die -nachthei- 
lige Einwirkung des atmosphärischen Sauer- 
stoffs sehr vermindern , #enn wir die Zim- 
merluft mit den verflüchtigten Theilen des- 
oxydirender Substan^^n anschwängern , und 
den Sauerstoff derselben dadurch entweder 
umhüllen, (wie dieses durch Kohlensäure be<* 
,kanntlich geschehen kann); oder durch Stoffe 
von entgegengesetzter Thätigkeit in seiner 
freien Wirksamkeit zum Theil fesseln« und 
unkräftiger machen. Hierauf gründet sich 
der gerühmte Nutzen der Luft in Viehställen^ 
der frisch aufgepflügten Erde^ der Räuche- 
rung mit haradgten Substanzen, der Einath^ 
mung künstlicher desoxydirender Gasarten. 
Ich mache' diese Digression hier nur deswe- 
gen, um zu zeigen, dafs auch iif^er hier ge- 
nommenen Rücksicht, die Heilung eines Lun<r 
geiigeschwürs nicht als «ine . Unmöglichkeit 
betrachtet werden könne. , n 

Bei meinem Kranken nahm ich nicht zur 
Umhüllung und Bindung des Sauerstoffs der 



. — ro8 — 

Stabenlüft meine Zuflucht, weil die schnell 
erfolgende Genesung dieses entbehrlich machte. 

Ich bin eben so wenig im Stande , posi- 
tive Beweise für die Heilbarkeit eines' liun- 
geDgeschvsrürs/ bei dem freien Zutritt des at- 
mosphärischen Sauerstoffs, zu geben^ als mei- 
ne Gegner im Stande sind, positive Beweise 
für die entgegengesetzte^ Bel^auptung vorzu- 
bringen. Die Krankengeschichten, auf welche 
' ich mich berufen dürfte, werden diese nicht 
für wirkliche Lungenvereiterungen gelten las- 
sen wollen. 

Dem sey nun wie ihm wolle, &o spricht 
doch die Analogie für meinen Satz: es ist 
ausgemacht, dafs manche, nicht blofs klei- 
nere / sondern selbst grofse Geschwüre, von 
welchen der Zutritt der atmosphärischen Luft 
nicht wohl abgehalten werden kann, so z. B. 
das Nasengeschwür, Geschwüre im antra" High- 
tnari^ grofse Chancres, und selbst bisweilen 
die Halsgeschwür^ bei d<er fauh'gten Braune, 
auch bei dem imnäerwahrenden Zutritte der 
Luft, nichts desto weniger geheile werden. 
Doch genug für den engen Baum eines Jour- 
nals; ich begnüge mich hier kurz gezeigt «u 
' haben , daf s die natürliche inuner währende 
Bewegung der Lungen überhaupt kein Hin- 
dernifs der Heilung eines Lungengeschwürs 



•ey; dars der das letitere begleitende Hu- 
sten, und d^r Z^uMtt der atmospäruchen Luft^ 
die Heilung freUich sehr erschweren können, 
aber nicht als unüberwindliches Hiodernils 
anzusehen sind. 



^ 



— HO =- 



DI.- 

Beschreibung und Resultate 

einiger 

mit Arsenik angestellten Versuche und 

Beobachtungen über seine Kraft, 
die Fäulnifs zu verhindern» 



Diese interefsante Versuche, beziehen sich auf die 
von^niir in diesem Journal XVI. B. i.St. mitgeth eilte Be- 
merkung des Hrn. Ober Medizinalraths und Stadtpbysicus 
IVelper alUiier, und auf Hrn. Geh. Kaths Metzger, ge- 
richfl. medizinische Abhandlung. 1\. Band, und besCÜtigcn 
die dort geäufserte Vermuthung auffallend. Sie verdie- 
nen gewifs die gröfste Aufmerksamkeit und fernere Fort- 
setzung, th^ils in Beziehung auf die gerichtliche Arzney- 
künde, theils auf die Chemie des organischen Körpers, 
uüd auf Conservation der Lejchname und ihrer Theile. 

d. H. 



• iL^xi 



diesen Versuchen Wurde eine ziemlich 
Starke lAuflösung des Ari^eniks in Wasser ge- 
. nominen« 



Mit derselben wurden den 12« Januar 
i8o4- sowo|il Muskeln^ als auch Gedärme ei- 
nes Erhängten besprengt ^ und diese in einer 
Flechte von Bast aufbewahrt* 

Zu^ gleicher Zeit wurden noch andere 
Muskeln uod Gedärme von demselben^Leich* 
name, ohne Arsenik^ in eine andere Flechte 
von Bast gelegt ^ um die etwanigen gegen* 
seitigen Veränderungen die&er Theile vA-glei- 
chen zu können. 

Während des Winters waren die Theile 
gefroren und liefsen keine entgegengesetzte 
Veränderungen wahrnehmen. Mit dem Ein- 
tritt der Frühlings wärme aber fingen die mit 
der Arseniksolution zugerichteten Muskeln 
und Gedärme allmählig an zusammenxu- 
schrttmpfen, und nach Verlauf einiger Wo- 
chen waren' sie in einen Klump zusammen- 
getrocknet, und hingen wie angeleimt an dem 
Boden der Flechte an. Sie wären übrigens 
ganz geruchlos und von keinem Wurme an- 
gegangen. 

Die arseniklosen Theile hingegen, über- 
zogen sich bald, als sie ' ^ufgethaut waren^ 

mit einem Schleime, verbreiteten einen cada- 
s 

verÖsen Geruch, und lockten die Musen, 
carnaria herbey, deren .Maden in beträchtli» 
cher Menge in diesen faulenden Theilen ^in« 
ergiebige Nahrungsquelle fanden. 



x 



— i- 112 • — 

Beyde Flechten wurden wiederuiii wegge- 
setzt und den i. Aug. 1804 geöffnet. 

Die Muskeln und Gedärme mit Arsenik 
waren unverändert, jene liefseri sich durch 
ihre Röthe, und diese durch ihre «häutige Be- 
schaßeuheit und schwärzliche Farbe erken« 
nen. Sie waren biegsam, geruchlos und hie 
und da mit dem Mucor sepäcu»^ bedeckt. 

Es wurden Stückchen von ihnen ver- 
brannt, wobey sie nur einen brennlichen Ge- 
ruQh verbreiteten. Andere . wurden in «ine 
Küpfersalmiak Solution gelegt ^ und ^diese be-» 
deckten sich bald mit einem grüngelben Pri- 
cipitat^. 

Die andern Muskeln und Gedärme wa- 
ren von den Maden der Aasfliege auf ibter' 
Oberfläche verzehrt, und enthielten die Pup- 
pen derselben. Der ganze Klump ^ welchen 
sie bildeten sah ein^m Löcherschwamiti ähn- 
lichi, verbreitete einen starken Modergeruch^ 
war hart, zerbrechlich un4 an dem Boden 
der Paudel fest angetrocknet. Die Muskeln» 
welche tiefer lagen waren noch röthliciu 

Den ai. Februar desselben Jahres wur- 
den ^ie Eingeweide eines durch Arsenik um* 
^ekommnen Menschen. in einer bastenen Pau- 
del a^ einer trocknen Stelle im Theacro ana* 
toirUcOj weil die Erde des Begräbnifsplatzes 
hinter demselben stairk gefroren war^ einen 

hal- 



luilbeti Fuis tief beerdigt) und den i. August 
dk 3k ausgegraben. 

Die Gegenwart des Arseniks in diesem 
Körper habe ich in dem abgegebenen Ob- 
ductionsberichte durch genaue Versuche aüfsel* 
Zweifel gesetzt, und die folgenden können 
dieselbe noch bekräftigen. 

Zuvor mufs ich aber noch erinnern, daft 
der Leichnam vor der Obduction beynahe 
drey Wochen lang gefroren gewesen war, 
bieratif f^st acht Tage lang an einem warmen 
Ofen geleg£n hatte ^ um aufgethaut m wer-* 
den. * In den Bauchdecken, wo di6 angegän^ 
^ene Fäulnifs zu allererst sichtbar Wird, Wa* 
>. tetty so yielich mich besinnen kann, und wor» 
^er auch der von mir ausgefertigte Obduc« 
tionsbericht Auskunft geben wird, keine 
grüne Flecken» 

Üies^ Eingeweide hatten über ßinf Mo* 
nate in der Erde gelegen. Die Flechte, wel« 
che, sie enthielt, war zusammengefallen, ver-» 
mddert/ und so mit Feuchtigkeiten durchdrun« 
gen/ dals sie bey einem gelinden Drucke aus« 
flofsen. Er lieib sich daher nicht ganz her-« 
ausheben, noch war es zu vermeiden^ dafs 
die ausgeworfene Erde nicht auf die Einge- 
weide suriickfiel und ihre Oberfläche verun« 
-reinigte. Uebrigens War sie auch nicht so 
XIX. Bi 4. St H 



- ii4 ~ 

fest verichlolsen, dafs nic^t Feuchtigkeiteil, 
Wilrmer u. dgl. Zugang za dea Eingeweide 
gehabt haben köonten. 

Die herausgenommenen Eingeweide er- 
füllten das anatomische Theatei: mit einem 
höchst widerlichen Gerüche, der aber nicht 
mit dem aashaften Gestanke faulender Einge*- 
Weide zu vergleichen war. 

Aufser diesem Geruch hatte aber dia 
Fäulnifs, die doch binnen fünf Monaten ein- 
getreten seyn könnte, auf diese Eingeweide 
noch nicht gewirkt. Sie waren noch so 
frisch , wie sie aus dem Leichnam waren, ge- 
nommen worden und hätten zu instnictiven 
Präparaten' gebraucht werden können. Sie wa- 
ren ferner weder mit einem Schleime über- 
wogen, noch hatten sie sich in ihrer Farbe 
meiklich verändert, . noch waren sie vonWü^ 
mern heimgesucht worden. 

Ich erlaube mir den 2^ustand der einzel« 
nen Eingeweide n^r mit wenigen Worten za 
beschreiben. 

Die Lungen hatten dieselbe Farbe, die 
sie bei der Obduction zeigten, waren etwas 
härter, enthielten noch rothes schaumiges 
Blut, und litfsen beym' Einschneiden ein Zi- 
schen hören. 

Das aufgescHnittene Herz war blafs und 
dunner geworden^ aber noch so fest in seiner 



Substanz^ dafs man e^ b«i seineil Klapp^n^ 
ohne $ie 2U 2errefifsen, aufheben konfite. Seine 
inwendige Flächd war noch mit der glatten 
Haut überwogen», 

Der Zwerchmuskel hatte noch seine Far- 
be und Festigkeit' und den Glanz an seinen 
sehnigten Stellen; ^ 

Die Substanz der Leber war blafsgelberi 
compacter und trockner geworden, als man 
sie in der Fäulni fs findet. 

Die Gallenblase war w^ifs^ ganz zusamt» 
mengeschrumpft und enthielt auf ihrer in- 
wendigen ^Fläche eine blafsgelbe schibierigt 
Galle. 

Der Magen liels sich nicht leicht zer* 
reifdeai und seine Häute waren dicker ge«» 
worden* Alich waren die entäindeten Stel« 
len' desselben noch nicht verschwunden. 

Das Netz war fast trocken und lieb sich 
ohne zu zerreifsen ausdehnen* 

Die -Milz war wegen der dicker geworde- 
nen Haut nicht leicht zu zerreifsen, lind ihre 
innere Substanz hatte auch noch nicht die 
Weichheit) welche man bei einer so lange 
aufbewahrten Milz gewifs gefunden hätte. 

Das Pancreas war härter und in seiner 
Farbe unverändert« 

Die Gedärme 9 sowohl die dicken als die 
Ha 



-- 1x6 — / 

♦ ■ , ■ f 

dünnen , hatten weder etwas von ihre Farbe 
noch von ihrem Glänze, noch yon ihrer Fes*- 
tigkeit verloren. Die dünnen zeigten an ei- 
nigen Stellen noch die Entsiindungsflecken 
mit unveränderter Röthe. 

Dieselbe Bescha£Fenheic hatte auch das 
Gekröse. 

Die Nieren waren beynahe noch ganz 
frisch f hatten noch ihre blalsröthliche Farbe, 
als sie von ifare^ zelligen Kapsel entblöist 
:waren. 

Das Fett, welches an einigen Stellen an* 
getroffen wurde, war weifs, Eesl und brök- 
kelte. 

Diesen Versuchen, hatte Herr Professor [ 
Istnflamm aus Dorpat die Gefälligkeit ^ bey- 
zuwohnen. Sie zeigen im Ganzen, dafs der 
Arsenik die Fäulnifs der menschlichen Theil« 
iiufgehalten hatte, und -ihm daher antisepti- 
« 8ch& Kräfte zukommen. 

Um seine Wirkungen, welche er auf le- 
bende Theile ^eäufsert hatte, mit denen, wel- 
che er auf todte Theile hervorbringt, zu ya> 
gleichen, wurdea Stücke von jedem Einge- 
* weide ' abgeschnitten und mit dem Arsenik- 
wasser benetzt. Diese, ^o wie die unter- 
suchten. Eingeweide, wurden noch an dem* 
selben Tage in besondere Flechten an einer 
- trockenen Stelle auf dem Begräbnifsplatze 



hinter dem anatomischen Theater vergra- 
ben. Sie sollen, nach einigen Monaten 
noch vor Anfang des Wintjers untersucht 
werden. 

FF. G. Ketek. Dr. 



Königsberg, 
den 3. AugUst 1804. 



xi8 — 



■•^l^^n^^fci^"*«"^i^^*i^ 



I 



Heilungsgeschichte 
eitler Brust-Braune, 

die beym 
Gehen des Patienten auf das heftigste 
erregt wurde. , 



JCLiin Geistlicher, sechzig Jahr alt, einer ru- 
higen vielleicht zu Ätillea Lebensart gewohnt, 
seit vielen J ihren VVittwer , im Efsen und 
Trinken mäfsig, und auf eine pünktliche 
Efsenszeit um ix und 6 Uhr bestehend, ein» 
doch nicht übertriebener, Liebhaber des Ta- 
baks, hatte von Jugprd auf, an inehrereQ 
Orten, wo er Prediger giwesen, sich einef 
festen Gesundheit zu erfreuen gehaj)!, mo4 
von seinem Wohnort in einem tiefen Thale, 
noch von/ vielem Jüerg an <p und abstei^^Ui das 



mit der Änsübung seines Amtes verbunden 
war, nicht das geringste erlitten; sondern sich 
in eiper eben "'gelegenen Gegend eben so 
wohl befunden , als in jedem eingeschlofse« 
nen und durch Nebel gedrückten Orte. 

Wein trank, er wöchentlich einmal gewifs/ 
Hufserdem nur gelegentlich. So war er ge- 
sund, bis er sein neun und fünfzigstes Jahr 
zur Hälfto zurüclc gelegt hatte ^ eine kleine 
Ünpäfslichkeit vor einigen Jahren ausgenom- 
men , welche er nur in so weit achtete, dafs 
er ihrentwegen eine etwas genaue Diät hielt» 
Es fühlte nemlich der Patient eine Spannung 
im Unterleibe und zuweilen eine Vollheit, 
als wenn er übermä sig gegessen oder getrun- 
ken hätte, dabey eine Unbiegsamkeit, die ihn 
.hinderte lange zu sitzen, am allerwenigsten 
sitzend und lange ^u schreiben. Dieses Ue- 
bel hängt dem Patienten bisweilen noch an, 
stört aber seine Heiterkeit nicht, hindert ihn 
nicht sein Amtsgescbäft abzuwarten, auch hat 
er dabei an Fleisch und Dicke zugenx>mmen. 

Der erste Krankheitdbericht vom syten 
Juny 1801 enthielt folgendes. — Vor unge- 
fähr 1^ Jahr wurde ich ganz unvermuthet 
yon ^ioem brennenden Schmerze auf der Brust 
«befallen, und dann fast täglich noch wie jetzt, 
davon geplagt. Die Krankheit stellt sich nun 
gewöhnlich nach körperUcher, zuweilen ganz' 



geringer Be?wegung ein -^ zwiinzig Schritte 
^ncl der Schmerz hebt ap, ich steige eine 
Treppe von 6 — : 8 Stufen, und habe das Ue»? 
hei erregt. Oft aber ist die zum Aus- und 
Ankleidtrp erforderliche Bemühung, das Ein- 
steigen in das Bette, oder herumwenden in 
deni<^elben scho|i hinlänghch, heftige An^an- 
delungen hervorzubringen,, welche bald kürzer, 
hald anhiiltender sind, und nur durch stilh 
Buhe wieder besänftigt werden, auch stellen 
sich zeithero besonders die Ueherfälle bald 
nach dem Schlafepgehn ein, und es scheint 
als vreni^ ich stehend eher Linderung em-? 
pfände, als sitzend oder li^gend^ Dabfi ver- 
trage ich Reiten und F^ihren, kann ohne Be- 
schwerden predigen und athmep so leicht als 
tx^j, vnd yermuthlich mit ganz gesunder 
Liünge, Der Schmerz fängt nach meinem Ge- 
iUhl.mi<^ einer Wärme in der Herzgrube an, 
die also bald in Schmerz übergeht, verbrei-* 
tet sich schnell ijber die ganze ßrust und als- 
d^mn bricbt der Schveii's aus^ • Pfichts ah 
Vermeidung iller Bei/iregMng stillt ihn. So 
muls ich mitten auf dem Wege stille stehen, 
auf meinem etliche |oo Schritte betragenden 
Kirchweges 5-^4 wal, nach dem Berichte ei- 
nes AugenzeHgen, aüjf einem Wege von ao 
Schritten einmaU Forciries Fortgehen bringt 
dßn ^cbm^r? ^u einem un^mistehliphen Qrade, 



-tr 121 -V<r 

den der härteste Stoicker nicht amhalten wiir«^ 
de« Ich nenne ihn einen brennei^den Schmersi, 
der gleich wie Zahnweh eine ganze Barken-« 
Seite einnimmt, jedoch ohne jenes krampfhafte 
Zusammenziehen, welches man sonst hiebe! 
empfinden soll. Wenn sich das Uebel auf 
der Brust reget, $o habe ich auch in beiden 
flachen ^Händen eine unangenehme En)pfin-* 
düng, als wenn man durch Aror^t und 8chla[-» 
ge^, die Hände erprellt hat, Uebvigens ist 
die ganze Periode der Krankheit hipdurch, 
der Magen, Efslust und Verdauung unge«- 
stört geblieben , anfänglich mich der Schlaf; 
jetzt aber ist er vor Mitternacht selten, kur;5 
und unruhig, nach Mitternacht ruhiger^ so wie 
das Uebel Nachmittags öfterer, schneller und 
empHndlicher eintritt» 

Die Aerzte, fährt, der Patient fort, ur-« 
theilten verschieden von der Ursache dieser 
Krankheit. Man nahm eine daselbst sitzende, 
catarrhalische . und rheumatische Schärfe an, 
und suchte durch Blasen^üge auf der firust zu 
helfen, Mw Tneiute die efsto Ursache ia 
dem Unterleibe zu finden, weil daselbst oft 
Spannung veyspiirt wurde , , WQ'durch p^r ne-t 
xum Blutstockungen auf der Brust entsteheii 
mufsten^ Aber alle dahio s^ielepdejp Mittel wa- 
ren ohne Wirkungen, als j4sa foetida xxn^ 
Krajp[ipf;|tille?ide P^l.v?», Wpb^ poqh. aip tfe-» 



r- 15K8 — 

sten bekamen , das Uebel aber nicht ganz 
lioben ~ Uebriqens veirsichert der Patient 
alle ärztliche Vorschriftenr , so wie eine ge- 
naue Di^t pünktlich g'^halten zu haben. 

- Ich erkundigte mich auf. das genaueste, 
zu welchen Krankheiten er bisher geneigt ge- 
wesen, ob er Gicht, Rheumatismen , güldene 
Ader, Ausschläge, Rothlauf gehabt, ob eine 
merkliche Voinnderung in dem Gebrauche der 
picht natürlichen Dinge vorgegangen seyn 
möchte; allein der Patient behauptete, da& 
er. die oben erwähnte Spannung im Unterleibe 
ausgenommen, nie einen Zufall gehabt, er 
habe alle V^rändrrungen der Witrerung und 
Lebensart ertragen k«>nnen, Aerger habe ihia 
nie geschadet, bis er ungefähr f in Vierteljahr 
vor dem ersten Anialle um die Mitte des Jan. 
1800 sich geärgert, wobei er jedoch diesen 
heftigen Aerger unterdiücken müssen. Seit 
dieser Zeit bemerkte der Patient, dafs nur 
wenige Worte noch nicht in vollem Zorn, 
sondern* gleichsam nur im* ersten Grade einer 
anwandelnden Hitze gesprochen, auch sogleich 
die Anwandelungen einer ungewöhnlichen 
und in Schmer:^ übergehenden Wärme auf der 
Brust fühlen lassen. 

Herr Patient schreibt, dafs weder der 
Atat, noch er selbst auf diesen Aerger Rück* 
sieht genommen hätten, und sey aufser jenen 



/ — 123 ' — 

krampfstillenden Mitteln, iwchts als ein Ader* 
lafs zu 24 Loih ang^wendiCt, auch solche bald 
SU wiederbohlen angerathen worden. ^ 

Nachdem ich diesen Bericht empfangen, 
fiel mir die so merkwürdige Unpäfslichkeic 
des Dr, KrünUz ?u Berlin ein, welche mit 
dieser Krankheitsge^chichta viel ähnlichefs hat. 
Sic ist im. yill* und folgenden Bänden des 
neuen Baldingers^hen Magazins beschrieben, 
und der jetzt gemeldeten darinnen so ähnlich, 
dafs auch KrünUz ohne die gröfste Anstren- 
jgung kaum aus einem Zimmer in das andere 
gehen konnte, und besonders bei dem Nie- 
dersteigen die heftigsten Schmerzen empfand, 
so dafs er bei einem Gange von aoSchriiten 
siqb unter den grofsten Schmerzen gleichsam 
hinwinden, mufste. Sonst war und blieb Dn 
Kräniu völh'g gesund und woh], konnte gut 
essen, verdauen und schlafen, auch fahren, 
nicht weniger sein ungeheures Werk, die' 
Encyklopüdie; schreiben, und einen ausgebrei- 
teten Briefwechsel führen., Diese Krunkheit 
bekam er in seinem vierzigsten Jahre und be- 
hielt sie ungemindert bis an seinen Tod, also 
völlig dreilsig Jahre, ungeachtet er un4^die 
geschicktesten Aerzte, sich vergebens bemüht 
hatten, sie zu heben« 

Nun stelle man sich die Furcht vor, iü 
welcher ich mich befand, dafs ich diese Krank- 



— . 126 — 

II Uhr bald kalt, bald warm, auch nicht aus 
^ofscn Humpf^. sondern aus kleicven Tassen, 
getrunken werden. Denn viel hinter einan* 
der und aus grolsen Tassen, schadet bei 
schyiracher Brust und Neigung xu KrämpPen 
auf derselben, besonders mufs spät Kauch^i 
und Bieirtrioken ganz vermieden^ und Abends 
nicht mehr als eine> höchstens zwei Pfeifen 
V geraucht werden* 

Nächst diesem rieth ich ssu i^inem Fon- 
taneli und zwar auf den Arm, der dem gröfs* 
ten Schmers am nächsten ist; ehe aber sol- 
ches in Zug kommen dürfte, auf der schmerz- 
haften Stelle Tincfur* Cancharidum einturai^ 
ben. Sollte solches Wasciien nicht zureichend ' 
seyn^ so mögten Senfpflaster ' und zwar alle 
a Tage ein neues ah verschiedenen Stellen zu 
gebrauchen seyn. Auf die Frage ob Fulsbä* 
der dienlich seyn dürften , gab ich ' al)- 
scblägliche Antwort, weil, so gewifsder Schmers 
auch davon gelindert werden mögte, sie doch 
gewi£> Anlafs zu einer ödematösen Geschwulst 
geben könateu. Bei allen Kennzeichen der 
Vollblütigkeit, die aber nur eigentlich ein ge« 
genwärtiger Arzt beurtbeilen kann^ darf nie 
Ader gelassen werden, so lange der Urin 
blals abgeht* 

Auf den Gebrauch dieser Arznejen, i>e* 
sonders der Pulver, hatten die nächtlichen 



— 127 — 

ARpälle nachgelassen« Auch schien es bis v 
sum i6. Jul. mit der Bewegung , besooäerjs 
dem Gehen, besser zu werden und kein Schmez 
jdarauf zu folgen. Zuweilen zeigte #ich an 
dem Knöchel eine Geschwulst; jedoch blieb 
das Athmen frei, Appetit und Leibesöffnuijig 
sind da, doch ist wahrscheinlich der Magen 
mit im Spiel, weil die Paroxysmen Nachmit* 
tags und Abends heftiger als früh sind. 

. In meiner Antwort vom 3o. July suchte 
ich ihn wegen der Geschwulst zu beruhigen. 
Zugleich vej;schrieb ich ihm E. und F,^ de«> 
ren Gebrauch den 5« August bekam, undrieth 
ihm nochmals ernstlich zu einem Fontanell ; auch 
rieth ich ihm G. zu in Einreiben. 

Den i3. August war noch alles in dem« 
selben Zustande, obwohl mit Erleichterung; 
besonders^ war die Nachtruhe gut, aber ein 
Augenzeuge, der mit ihm selbst gegangen war, 
versicherte, dais er nach gemachttin 20 Schrit- 
ten einkehren müfse« Der Patient schrieb, 
mir: Die Geschwulst zeigt sich noch friih 
nach Bettaufstehn, vermindert sich und vergeht 
zuweilen den Tag über gänzlich (eine acht 
Ödemtöse nimmt bekanntlich Morgens ab, 
und am Tage zu); das Fontanell, so den 4ten 
August am linken Arme gesetzt wurde ^ war 
am i3. im Flufs. Dabei aber war neben der 
Achsel ein Wehethun^ dals Herr Patient bis« 



«•- 126 — - 

weilen den Arm nicht vom Löibe bringen^ 
oder ein Kleid anzieheh konnte* Das Brust- 
übel sitzt (also nach 5 Wochen der angefan« 
genen Cur) noch maUerfest Es wird indes« 
Ben kein Abnehmen der Kräfte gespüret, das 
Fleisch bleibet und der Patient kann, ohne 
schweres Athmen oder andere Beschwerde^ 
drei viertel Stunden lang predigen , doch mit 
.der Vorsicht 9 nicht in Affect zu geratheOi 
Boiist wird die Brust warm, und auf die War-* 
me folgt schnell der Schmer^. Niemand hält 
mich füi" kranke schreibt der Patient) unge^ 
achtet ich die Stube strenger als ein betdä- 
geriger htften mufs. Endlich .empfange ich 
am 3« Sept., ako nach zwei monatlichem un- 
ausgesetztem Gebrauch der Arznejen^ die an-« 
genehme Nachricht^ daJs die Arznej nicht 
ohne gute Wirkung gewesen ^ dafs Patient 
wieder in die Kirche gehen und kurze Spa^. 
ziergänge machen könne. Die GeschwuLt in, 
.den Knöcheln stellt sich doch noch bisweilen 
Morgens früh ein. 

Den i5* Sept. bekam icli die letzte Nach* 
licht Ton d^r Fortdauer der, Besserung. 
j4. 9^. Pulv. Cor^ CascariU. Jf, 
' in fand. Aqv. fontan^ fervid.^xiv* 
ÜigeraU loco calido per koras aaxiv. vas, 
. prob, clausa, filtreu calid* S. t Stunde vor 
'«nd nach dem Essen i LöfFelyolL 

N # Ich 



Ich habe eine g^wifse Vorbebe für 
die Gftscarillk in Brust3cfa wache und Kräm- 
pfen^ wenn sie mit Magenbeschwerden, 
Aufsteigen und Blähungen verbunden ist. Ich 
glaube nicht nur, dafs ein gewifses Principium 
vola^ile in ihr .verborgen liege , sondern dafs 
die Cascarilla als ein roborirendes Mittel, an- 
aern fa selbst der Fieberrinde in diesem Falle 
TOnuziefaen a^y. 

B. 5j. Gi. Galban. % ' 

— Guajac* §ß. 
mf. c. Mucilagn. Tragäcanth. 
PiluL pond. gnj. consp* Pulv. liquirü. S. 
Abends vor Schlafengehen 5 — lo Stück za 
/•^ .nehmen;. 

Diese Pillen sind reiterirt worden, weil"' 
sie besser zu bekommen schienen als £. 

C. ^. Pulv^ As^e. foetid. §/• 

Sftl. Tßttar. 5f|» 

Aqv. fonu ^xv;\ 
coifu. leni igney nß ebulliat. et vas iranscen^ 
dat. Strvetur in loco frigidö. S. Im Pa- 
roxy^mus ^lle Stunden einen Löffel voll zit 
nehmen und Chamillenthee.^doch nicht zu 
heifsy nachzutrinken, , 

Diese Tinctur ist nicht gemadit worden, 
indem der Patient einen Abscheu vor dieser , 

Arzoey, die er ohne Nutzfen in grofter Menge i 

genommen hatte, zu haben vorgab» 

XDC, ß. 4. St 1 - 



— i3o ~ 

Hingegen bediente er sich im Paroxysme. 
27. J^. TincL Opii Simpllc. (t. e. ex. Opio* 
ec SfdriL fri^menu parac) 
Spirie. Nur. dulc. aha Jß. 
Af* D. S. Im Paroxysmus alle Stun- 
den 3o Tropfen zu nehmen. 
Besser noch bekam ihm 
Ijt. Tinct. Ipecacuanh. 

— Hyoscyam. and ex. Exiract» 
Hyosc^ ppt. 
S» Mit lo Tropfen anzufangen und so lange 
zu steigen, als kein Breche^ erfolgt* 
E. ^. GU Qalban y. ' 
Guajac. %% 

Sulphur. aurat. Antim. gr.XLviij* \ 
mß c. Syr. Con. j^urnnt. PiL pond. grij. 
consp. Sem. Lycopod, S, wie ß. zu gebrau- 
chen, doch nur lo Stück zu nehmen. Diese 
Pillen schienen nicht so gut zu bekommen, 
als die Sub. B,, weswegen der Patient, als sie 
noch nieht verbraucht. B. nochmals machen 
litis. 

' F. a. 1^. Rad Bardan. 

Süpii. Di^lcamar. ana ^iv 
C. M. D. S. Einen Löffel voll mit 3 
Nösel Wassen eine halbe Stunde lang za 
kochen. 

JFV b. ^. Rad. LiquiruT^^iv. ^ 
Rasur. Lign. Sassäft. |[g«. 



- i3t - 

ni. i). S^ Wenfl fi. €u eiii0 halbe 
Stuiide gekocht^ dlsdann einen Löffel voll 
von F^ & ^dariimeii etlidbiemal aufwalleii 2ü 
lasset!* 

Ifötdi Mit diesem Tranke sind Hock die 
Pillen Bk und £/ gebraucht V^orden, nächdeol 
A. nicht tnähr gebraucht wütdc) indem ich 
von der Casc^tilla fürchtete^ sie mögte mehf 
stärken/ als nÖthig Ware. 

C* 9f* § Opii cruäi(^j\ \ 
Turtät* etnet^ 30. 
mf. P. iubtiU S^ von diesem Pulver taglich 
3mäl so viel als i2 Erbsen grols mit Speichel 
ein Sälbchen zu machen und es an der am 
meisten schmeriienden Stelle der Brust ein« 
zureiben t oAfit da wo beym Gehen oder Auf* 
wärtssteigen die meiste Em{>findlichkeit ist« 

Diese Einreibung^ #elehe den iS. Au« 
gust änfiug^ scheint sehz" tieleü tut firleiob« 
terung des UebeÜ beigetragen ^ hab^n« 

Der Patient schreibt davon fblgendeä« *-^ 
Das äufseMiehe Mittel ä&um Einreiben auf der 
Stelle^ wo ich Localsehmert empfand ^ trieb 
ich auf def rechten Seite der Bru^t ein^ wäll 
es mir doch .ä^uw^ilen schien i als Wenn ich 
hier und i^Waf aufseid den Momenten dös eU 
gentlicfaen Paröj^smui^ etwas ungewöhnliches . 
(äpänüung, odef beym Schnellen Umdrehen 
ein Stiohelchen empfölide) Und hattö Uach 

' 1 a 



— i3a — '- 

3mal wiederholten Einreiben die Wirlcung, 
auf der St<^e ein Jucken zu spüren und dann 
einen gröfsern al$ fri eselartigen Ausschlag 
wahrzunehmen, welcher etliche Tage fast wie 
schwärende Blätterch^i mit, einem rothen 
I Ho^e aussähe. Es dauerte wobt g Tage bis 
dieser Ausschlag dürr wurd«. Ich probierte 
es, und rieb auch auf der linken Brustseite 
ein/ aber die nemliche Wirkung erfolgte nicht; 
nun fing ich wieder auf der rechten Seite an, 
und mehrere der vorigen Fleckchen, wo auch 
manches noch, als ein schwarzes dürres Pünkt- 
chen safs, erhoben sich wieder und nur we- 
nig neue Ausschlagsileckcben entstandeo. 
14^un befinde ich mich in der Besserung. 

. Von den Doverischen Pulvern wurden 
in vollen a \Monaten 72 Doses verbraucht. 
Die Pillen und Pulver wurden nicht nach ei- 
nerlei Quantität gebraucht. Bisweilen yrur- 
den mehr Pulver, bisweilen mehr Pillen ge- 
nommen. -^ 

In. den letzten Tagen des Decembers ist 
der Patient noch völlig gesun(j% 



— i33 — 



, V. 

# 

^ . Apathie der Seele 

mit ^bi«r , 

grofsen Empfindlichkeit; des Körpers, 

^ durch ein sehr einfache« Mittel 

geheilt. ^ ^ 



JLliTne sehr hraye und rechtschaffene Hausr 
mutter ericältete sich vor 17 Jähren in ihrem 
Sfisten Lebensjahre in d^r Flachsröste sehr^, 
empfing, ali sie nach Hause kam, eine trau« 
rige Nachricht von ihrer abwesenden Tochier; 
fuhr Morgens darauf bei einer kalten und 
nebligten Herbstwitterung auf einem Kairen 
fünf gute fitunden lang, und erkälteta sich 
abermals sehr, w^eil sie von einem heftigen 
Regen durchnäfst wurde. Eine kleine aber 
nicht bedenkliche Unpillslichkeit folgte hier- 



«r |34 '^ . 

Httf, Wichtiger aber wurde die Sache^ ^s ne 
öftere Anfälle von 3cbnupfea empfand ^ vn4 
dqch piemi^s ein Schnupfen m Stande kam^ 
Sie wurde von dieser Zeit fia nach und nach 
$o j^ranklich, da{s sie ohne Unterlafs Aerzte 
XU suchen, sich verpflichtet hielt. Sie suchte 
. einen ihr gerühmten Ar^st, und wenn er noch 
so weit von ihrem Wohnorte wohnte, piit dem 
grölsten Eifer, verliefs'ihn aber auch ebenso 
bald, so wie sie von seiner Arzney den er- 
wünschten Nutzen nicht sogleich spifrte^ Ihre 
Krankheit bestand in nichts als in einem Man- 
gel an Schnupfen und Niesen, einer Unbe- 
haglichkeit im Magen, wobei jedoch der Ap- 
petit wenig« litt, und in einem, wie sie sich 
ausdrückte, unaufhörlichen Beissen der Ifaut, 
besonders am Halse und dem Kopfe, Ihre 
Z^eit war, bis auf den gewöhnlichen Termin des 
Ausbleibens, ordentlich und regulär, obgleich 
nicht in genügsamer Menge, Was sie aber 
mehr üls alles l&ranl^ mischte, wf^: eine völlige , 
Gleichgültigteit gegen alle sie umgebende 
Gegenstände und f^reignif&e, sie motten 4eo 
Sinnen f^ngenehm oder unangenehm seyni so 
dala sie sich weder über etwi^s erfreuen noch 
betrüben konnte, Kei^e von alle^ nnzähU- 
gen Aefzten Ihr verordnetejü» Ar&neyen, hatte, 
weil sie solche gleich nach dem ersten oder 
zweiten Einnehmen nurUck^etzte, ibr helfen 



I V 

können. Auf eine einzige Anney, die ihr 
ein englischer Doctof verschrieb, hielt sie, 
Weil ihr dieselbe noch unter allen, einige 
Hülfe yerschafc hatte. Dieses Pulrer war. 
1^. Pulv. Con, Chinae y 

— Terrae Catechu^ Jf 
SaL amoniac* ^if 
M. S. ^mnl täglich' einen kleinen Theelöf- 
fel volL 

In dieser Lage der Sachen kam die Pa- 
tientin zu mir. Ihre Zunge war rein» cfer 
Puls klein, schwach und krampfhaft susam* 
muengezpgen* Der Urin war weniger lals ge- 
wöhnlich blafs xnit einem Wölkchen, Der Ap- 
petit, Verdauung und Schlaf gut^ aber ein be* 
ständiges BeiS5ren in der Haut, eine Unruhe 
^d Aengstliphkeit , auch betäubender Kopf« 
schmerz 9 waren bei ihr Tagesordnung, aber 
noch mehr als dieses die Gleichgültigkeit gei- 
gen alle Freuden und Leideii des Lebens/ 
Ihr Au<rsehen stellte das Bild einer immer- 
währenden Traurigkeit vor. 

Wa« sollte ich thun? sollte ich ihr mit 
einer Menge Arzneyen entgegen kommeif. 
Dies sohlen bei einer Frau, die bei dem drit- 
ten •<- und yiertenmal Einnehmen, sich vom 
Ueberdruf^e hinretfsen liefs, allzu gewagt zu 
' sejn. Ich gab ihr also eine E/s^ Cascarill, 
aquas. ۥ Sal^ Tariar. parat, zur Vrohe^ weil 



ich den Nutzen dieser Tinktur in Krirnpfeni 
und Schwache von jelier heilsam fand und 
zwar tägliqh nur einmal alle Abende ?or Schla- 
fengehen einen Kleinen EfsIöfiPel voll. Sie 
war zu gewohnt Über die Arzney zu klagen, 
als . «lafs diese Gewohnheit sie sp bald hätte 
verlassen sollen« Der unbedeutendste Zufall 
wurde der Arzney Schuld -gegeben, nnd bei» 
nahe hatte die Frau ihr, wie es schien , gi'o«» 
fses Vertrauen gegen mich fahren lassen. Ich 
schlug ihr deswegen vor, ^iöh ^einige Tage 
hieher zu begehen, und von mir täglich ei-r 
neu oder zwei Besuche anzunehmen^ damit 
ich: ihre Krankheit desto genauer heobachten 
k{innte,t Diese Sorgfalt schien ih' an ge-^ 
fallen* DuiQh täglichen Umgangs wobei sie 
meiqe, Sorge für ihr Wohl erkennen lernte, 
wurde sie. mir geneigt, und äufserte 90 viel 
Vertraueoji dals ich hoffen konnte,^ sie würda 
wenigstens ein paar Wochen Arzneyen un*» 
unterbrochen nehmen« Aber ni^n durfte ich 
auch dieses Vertrauen nicht mifsbrauchen, 
und da sie gegen alles, besonders abejr die 
Ärtney, äufserst reitzbar war, so durfte ich ^ 
nicht w$gen, |hr eine starke übelschmek" 
k^nde oder übelriechende Arzney zu geben, 
Nach genauer Srwägung der Umstände for- 
mirte ich drei Indicationen« / 

I.) Die gallichte Schäifef die sie in prif 



mis vüs trots der nicht belegten Zunge hatte, 
gelinde a^zufUhreiiV und den Körper zu ei* 
nem regelmäfsi^n,. Stuhlgang zu gewöhnen. 
Liet;;tere$ hätte durch Klystiere . geschehen 
können, allein ich befürchtete der Patientin 
mit diesem ihr fremden Mittel zu. miGifal- 
l^n^ und yersparte es ßlso auf den äulsersten 
Nöth£aII* Dagegen rieth ich ihr täglich so 
viel als sie nur wollte, von der Solution des 
auflöf^^lichen Weinstein^i^ 3;u äer ich etwas 
von den Florib. Papav; rhoeadn l^ochen üels, 
zu triiiken. pieser Trank wurde^ um ^ ihn, 
angenehmer zu machen, mit etwas Zucker 
vermischt« Da ihr dieser Trauk sehr wohl 

^bekam> sie kühltQ un4 abführte, sq verlangte 
sie denselben ununterbrochen von mir. 

.- ^) Eine eben .und vielleicht noch wich- 
tigere Angelegenheit >war die Herstellung det* 
Transpiration« deren Unterdrückung die erste 
Uuache der Krankheit gewesen war und nach 
allen Anzeigen noch nicht im Gange war, in- 
dem die Haut beständi|; dürr und trocken 
sich befand« Hier koni^te nun wohl kein bess^-« 
res Mittel gewählt werden, als das warme Bad, 
eipen Tag um den andern ; beygemihchte 
Kleye eröffnete die H^uty gewürajhufre beyge-* 
misehte Kiäuter gaben dem ganzen Körper 
Kraft und Stärke, und die Kranke befand 

^ sich| iil sofern nur die Temperatur der Wätme 



— i58 — 

richtig 'ipetYofTen war, welches bisweilen ver- 
fehlt wurdö, vortrefflich nach jedesinaligcm 
G^brau he« Diese Bäder wurden a Mbnate 
n^ch einander wechseUweise den andern Tag 
mit dem augenscheinlichsten Nutzen fortge- 
setzt; auch habe ich ihr gerttheq, wegen die- 
sof bemerkten so guten Wirkung» jeden Mo- 
nat so lange sie lebt, sich eines solchen Ba- 
des zn bedienen. 

3,) Ndn l^hlte noch nach der Patieritin Wun- 
sche und meiner eigenen Ueberzeugung) einner- 
venstarkendes Mittel. Die Wahl desselben war 
. aber nicht leicht. Schmeritstillender Ho/f- 
mannscher Liquor und Aether, war sehr 
oft und ohne Nblzen von ihr gebraucht 
worden. Eben so waren bei der grof^ien 
Menge von Arzneyen, die sie von so vielen 
Aerzten bekorhrnien, gewifs alle existirende 
«stärkende und Ner^enmirtel versucht worden, 
*— keiDs hatte ihnn Beifall erhalten und 
folglich' keins helfen können. 

Man mufste also^auf ein 90 angenehmes 
als wirksames, eben so neues, als leicht zu 
nehmendes Mittel denken , und dieses fand 
ich in der bisher oft verkannteu Hallischen 
Golihin'ktur öder Ffs. dulcu 

Ich hatte zumul in meinen jBngern Le- 
bensjahren bei zärtlichen, schwachen und 
eckein Frauenzimmern ^^ die man mit Biber- 



— |39 ,^ 

gei^ Moschust Asaot aufgeopfert haben wfir* 
de, grolsen Nutzen voa dieser feinen, äthe* 
riscben, krampf stillenden Arzney, die sich in 
wenig Tropfen, sp lieblich nehnien läfst, g^<* 
sdieQ. Auch nahm sie meine Patientin ab« 
wechselnd mit der Auflösung vom Tartar. So- 
lubile m 30 Tropfen I imit eben so vieleoi^ 
Vergnüge^ aU* Nutzen^ indem sich die Kram* 
pfe verlobrent der Andrang des Blutes ge« 
gen: den; .^opf minderte, und eine erwünschte 
Heiterkeit des Gemüths sich einjitellte, Ihre 
Diät war nicht sclavisch, Wein traut sie nach 
Ueliebent Was sie aber am liebsten erwaUte 
und ihr am besten bekam, wiiren mancherlei 
Zubereitungen von schwarzen Beeren, Kir«^ 
schen^ Himbeeren^ besonders von den ersten, 
Nachdem sie etwa vierzehn Tage lang 
Badr Tropfen und Trank regelmäfsig ge- 
braucht halte, und sich von Tage w Tage 
beise^ befand ; waii^d mir eines Morgens das 
grolse Vergnügen, sie bei einem Besuche in 
Thränen schwimmend zu. finden. Es wurde 
in der nahen Kirche ein Lied nach einey 
schönen Melodie gesungen. Gott Jjob und 
Dank nun bin ich wieder ein Mensch, In 
siebm riertel Jahren habe ich mich über 
nichts freuen oder betrüben können. Jetzt 
fühle ich mit der grölsten Freude, dafs etwas 
wieder da ist, woran mein^Hera sich kbenkann. 



So ging die Besserung vom Tag ?u Tag 
fort, seltene Fälle ausgeÄommen, wo entwe- 
der das Bad zu heiTs war, welches ihr Kopi- 
so^'menen verursachte, oder die Luft su rauh 
und SU kalt, in welcher sie Anwandelungen 
Tom Schnupfen und Niesen, den aie nun wie- 
der hatte, bekam. 

So ist die Kranke, von allen Zufallen, die 
sie seit 17 Jahren erlitten, wiekler befreiet, 
die natürlicherweise binnen so langer Zeit 
zugenomqaene Alter- Schwäche abgerechnet« 

Manchem mögte es scheinen , ab wenn 
bei einem Zufalle dieser Art und einer so 
Simpeln Behandlung piit Arsneyen es sich 
gar nicht der Mühe verlohne, etwas daron zu 
sagen , geschweige einen schriftlichen Aufkata 
su machen. 

Ich habe aber geglaubt, aus dreifachen 
Gründen diese Geschichte geben su müssen. 

1 ) Um denjenigen Aerzten, die alles mit 
heftigen und starken Arsneyen zwingen wol- 
len, einen Beweis zu geben, daf^ man mit 
einer gelinden und dem Kranken angeneh« 
men Methode, oft weiter komme, als mit 
übereiliger Anwendung heftiger Mittel, die 
den Patienten durch ihre Stärke soglieich ge- 
gen sich einnehmen* 

s) Wie nöthig es sei, sich das Vertrauen 
zumal eines so langwierigen Patienten, durch 



erlaubte -Proben zu erwerben, ehe man 
den Anfang mit einer wirklichen Cur machen 
ganz wider die Art mancher Aerzte, die 
um ihre schneUe Fafsungs- und Urtheils* 
.kraft dem Kranken in die Augen Zuschieben, 
mit ihrem Rezept eher fertig sind, als der 
Kranke mit seiner Erzählung« 

3) Endlich den Aerzten, die nichts ^Is 
nova et inaudita medicamema brauchen wol- 
len; zu Geihüthe ^ü fuhren, dafs es alte ver^ 
gessehe Arzneymittel geben könne, die durch 
kein neues ersetzt und UberHüfsig gemacht 
worden sind, wie^ dieses mit der ganz 
yergefsnen Efs* dulci der Fall ist. ^) 



4 



Kriegdsiein^ 



*) Ea ist bekaiixit, dafs diese Bssens als ein Gebeim- 
nils unter die Hallisckea Mittel gehört» . und für 
eine Goldtinktur gebalten wird» Eine genaue Ua* 
tersucbung unsera würdigen Hrn., Assesors FlU- 
ner aber bat gezeigt» da(s nicbt die mindeste Spiti* 
von üold^ darin zu entdecken , sondern das ganz« 
eine sehr einfacbd Spiritusse Cömpdsition Ist. 



— x4a — 



• . VI. 

Einige Bemerkungen 

üb e r 

den Krank heitsgenitts 

iü und uöi Hof von i8o:|. 

Vom StackpliysikuA 

Dr. P. G. J ö r d e n s<» 



L>nter den ältesten Mensohen, Wenigstens 
in hiesiger Gegend, Wird es geWifs wenige 
geben ^ die sich eines solchen DeCembefs Wie 
der von iSoS^ und eiües ^solchen Jenn^n 
Wie der top i8o4 2U erinnern t^sseil. Es 
wich, dafs ich so sage 5 Alles von dem^ dem 
Laufe der Natur son^ angemessenen GaUgo 
ab. Waren die letzteren Wochen des No« 
yembers schon so variirend^ daCi Auf ivrei« 



- 145 - 

und dreitägigen Winter plötzlich wieder Thdi|- 
w^uer eintrat; so war es det Ddcember und 
Januar doppelt* So wie man heute bei dem 
strengsten Nordostwind mit einer grofsen 
Kälte bedroht wurde, so brachte oft schon 
der folgende^ oder gewifs der, diesem nächst 
kommende Tag mit dem Wehen des Abend- 
windes Thauwetter* War oft der Morgen im 
Gefolge eines Frostnebels eingetreteil, so reg« 
nete es gewöhnlich schon wieder, ehe der 
Abend, zurückkehrte ^ und. hielt bisweilen 5 
auch 6 Tage mit abwechselnder Si^tike an. 
Ausgeateichnet war in dieser Uinsichc die^^er 
gan2e Januar, w.o wir iS Ta^e Ri'gen^ und 
nur an dreien etwas Schnee hatten« Ein 
solcher aufser den Gränzen des Gewöhnli- 
chen sich befindender Verlauf^ liels nichts 
anders als schlimme Folgen für die Gesund- 
heitv der Menschen ahnden ^ die auch leider 
nur SU bald eintraten. Ein Heer von rheumä- 
. tischen Beschwerden Zog schnell einher und 
befiel nicht nur Personen, die eine verjährte 
'Disposition zur Arthritis und Kheumatismus 
hatten 9 sondern auch anders jeden Alters^ 
Geschlechts und Constitution. ' Angeuent- 
xUndungen^ Rothläuf&beschWerden^ Drüsenent- 
aündungen und Verhärtungen, Anginen, und 
ganz eigenthümiich, Rheumatismen der Ex- 
'Uemitäten, machten den ersten Au£&ug, wor« 



- i44 ~ 

Mf oft plötzlich, theils obige Krankheiten in 
-catharrhaliiche Beschwerden umgewandelt wur- 
den, theils als neue Erscheinungen an Tor- 
her Gesunden y hervortraten* Meistentheik 
Erwachsene, insbesondere fene, die sich jeder 
'Witterung, gewohnlich am meisten aussetzen 
müssen, Ge:>chäftsleute männlichen Geschlechts, 
wurden nicht nur zuerst und sehr heftig, son« 
dem auch wiederholt damit befallen. Nach 
und nach pflanzte sich dieser epidemische 
Verlauf auch auf Kinder fort, und es waren 
darunter nicht wenige , die gefahrToIl an je- 
nen Uabeln, oft einzeln oft coniplicirr, dar- 
nieder lagen, und insbesondere bei Catarrhen 
die Vermuthung eincfs Uetxrgangs in vollkom- ' 
menen Keichhusten rechtfertigen ; weil die 
Heftigkeit der Anfalle mit der periodischen 
Rückkehr, nicht sehen schon im Auffinge glei- 
chen Schritt hielten. So sehr auch durch 
das Streben der Transpiratiansbeförderung) 
den Krankheitsursachen und seinem ganzen 
Genius entgegpngewürkt^ Und durch dazwi« 
sehen gereichte antispa^modira et ionica das 
Uebel oft bald und gründlich beseitiget wur- 
de; so' wenig konnten doch bei verwahrloster 
Schonung durch längere Zeit, nach über« 
standener Krankheit ^ Rückfalle veiliütet wer- 
den. Daher kam es, dals diese drei -^ 
auch "viermahl Statt fanden ^ und- sich immer 

hart- 



— 145 — 

hartnäckiger seigeti tntafsten^ )> öFtei^ dti» 

eintraten^ weil rückbleibendcf Stiiw%ehe> und 

die foitdäuemden EinSüCie >der atfamöapäri«* 

adien Schädlichkeiten hjperastheDiSch'Mitirkeil 

mufsten* Wer nicht im Stondo war^ lasgerei 

Zeit die Luft und Näfse- zu meiden ,• imfl 

während dessen die Transpiratioa yeriÄehat 

£U unterhalten ) muTste sich luit allen jenen 

Beschwerden, hauptsächlich der*le^terwähntenf 

, Wochenlang plagen^ und wurde am Ende ii( 

eine so tiefe Atonie versetzt» als es ..nur je 

^der F^U bei jener vor einigen Jahren hert-; 

' sehenden Influenza gewesen war« .. v ;; ' ; 

Hatte man auch endlich mit Opiatell| 

f China uUd künstlichem Mosehus» bei geböri«« 

:'' gern Verhalten, den Reica und atonischen 

HusteA bekämpft 9 so blieb doch bei mehre« 

ren ein lästiges Schleimdepot ztxtaok^ Welchem 

das Athmen und die YerdauuBg gleich stark 

I hinderte^ und für Manchen nicht ohne Grund 

. ' die Besorgnifs einer Phihlisis pituüosae er« 

I weckte« Bei allen jenen verschiedenen Krank« 

L heilen zeigte sich der Typus eii^Q% Quotidian 

Fiebers einfacher Art, und zwar. so, dals bei 

Manchen nur abendliche, bei andern nur mor« 

. gendliche Exacerbationen bemerkt werden 

konnten« So schlimmen Einfluls diese ca- 

tarrhalische Epidemie auf alle davon befalle« 

ne Subjecte äufsertCi so übertraf doch keiner , 

XIX, B. 4> st K 



— i46 — 

dfln Grad, welchen ich bei einer sieben und 
«chiigfährigen Dame bemerkte. Zwar hatte 
sie schon einige Monate vorhero au wieder- 
holten Malen mit rheumatischen Gatharran« 
f&Ueo au Jkämpfen, da. sie aber in Kursem 
durch schwe iistreibende Mittel beseitiget 
worden 9 so konnten sie keine schädlich rück- 
bleibende Wirkung yerursachen; welches suck 
die ganz freien Zwischenperioden bewiesen. 
Im Beginnen fener Epidemie wurde auch ihre 
.bei sich habende Verwandte damit befallen. 
Nach einer kaum 5täg'gen Dauer ^ wurde sie 
selbst damit heimgesucht, und zwar so> daü 
alle oben erwähnte Symptome, verbunden mit 
der auffallendsten Atonie, und mancherlei ner* 
Tösen Zufällen, urpldtslich eintraten, und meh- 
rere Wochen anhielten. So sehr dieis auf 
der einen Seite ihre Jahre zu begriindeo 
scheinen, so stark Spricht doch ihre sonstige 
sehr robuste Constitution, und ihre geriogt 
Receptivität für andere Krankheiten, geg» 
die Vergröferung des Uebels — blo^ der 
Jahre wegen y — und für den Satz — einer 
besondern -^ dafs ich mich des Ausdrucke be- 
diene -— Maiignttät der Krankheit, die aadi 
um desto unleugbarer wird, weil so viele juo* 
ge Snbjecte mit gleich heftigen Anfällen heim' 
gesucht wurden. So schnell überhaupt die 
Consumtion der Kräfte durch diese Epidemie 






bibwirlLt 'wwde; ' so geschwind faad)»n ticli 
ff|L^ ' ;iliöta8tatisoh ver^chiedeiie Driisenge^ 
acbniHite, und plötzliche Verhärtungen der«» 
selben ^, die zunächst ihren Ursprung in 
«IflJForsichtig unterdrückten Catarrhalsufallen 
JhftttieD. Uoteür mehrerea solchen Erscheinun« 
gen führe ich nur die, an einem jungen Manne 
beobachtete ) an. Bei einem sonst festen 
XUirper, achtete er den Cararrh gering, und 
tt idhien , als wenn er ihn auf kurse Zeit 
durch wiederholte Unterdi Uckung des Schweis« 
ses entfernt h)tlte: Aljiein wenige Tage her* 
naeh verspürte er schon eine Spannu][ig an der 
gansen linken 3eite des Halses und Beschwerden 
im Niederschlingen. Als Profesftionist ging 
er inia\er noch emsig seinen übrigen Geschäf* 
ten nacht ^od so verscheuchte er durch ei« 
nen starken Schweifs auch dielsmal das Ue- 
\^\y das jedoch nur einige Zeit im Hinter« 
lialte versteckt bliebe um bald ;mit doppelter 
fit'ärke lofszubrechen. Denn kaum waren 
S Tage vorüber, als alle jene erstgenannte 
SrscheinuDgen am Halse zurückkehrten » bald 
^ie^ beiden Submaxillar- so wie die Schild* 
^rüfse. heftig anschwollen^ sich ^ehr verhärte« 
ten, und so das Schlingen — ich will nicht 
- iagen , gänzlich unterbrachen -«- doch höchst 
erschwerten. Nur die kräftig erweichen dstei^ 
und^dabei innerlich auflösenden- undschweifs- 

Ka 



— i48 — 

treibenden Mittel konnten milhsam durch dj^ 
endliche allgemeine Eiterung, langsame Ab- 
hiilfe gewähren. Sowohl in diesem vorliegen- 
den Falle, als in mehreren andern, leisteten 
der künstliche Moschus, der mineralische 
Kermes, Minderers Geist, mit Kampher und 
ein concentrirter Aufgnfs von Gardoubenedic- 
ten- Kraut, Althaewursel und Stemanifs, die 
meisten Dienste; die nur bei jenen Subjecten 
mit angemessenen Portionen yon vegetabili- 
scher Säure in Baldrian und Fiiederthee ver- 
tauscht werden mufsten, bei welchen stärkere 
abendliche Fieberexaoerbationen, mit Röcheln, 
Zuckungen der obern Extremitäten , auch 
Phantasien sich zeigten. Die gewöhnlich ge- 
gen den andern Morgen dadurch bewirkte 
kritische Schleimausleerung veranlafste bald 
Nachlafs fener Symptome. Je mehr sich den 
Beschwerden etwas periodisches beigesellte, 
um so mehr mufste man mit reichlichen Ga* 
ben von China, bald in Verbipdung mit je- 
nen Arzneymitteln , bald allein , su Hiilfa ei- 
len; welches Verfahren auch dann angezeigt 
war, wenn der anhaltende Catanh in Keich- 
hupten überzugehen drohte, oder schon übe^ 
gegangen war. Dabei durfte man sich aber 
durchaas nicht abhalten lassen, wenn TJeber- 
fiillung des Schleims aus den vorhandenen 
Rafseln, oder Brustkrämpfe sich aeigten, wie-j 



•^ 149 — 

clerholte Brechmittef zn reichen, Tn>bei die 

' Brechwurzel mir^ Meerzwiebelsaft auch deswe- 
gen den Voreug vor dem Brechweiostein ver- 
diente, weil sie mehr antispasmodisch, und 
i|iEeniger auf den StuMgang würkte» welches 

. letztere immer die Kräfte im' hohen Grade 
erschäpftey und alle Grisen störte. Ganz vor- 
atiglichen Nutzen gewährten die mit Salmiak« 
Spiritus befeuchtetem Flanell EinWickelungen 
»nit den ganz^en Oberleib , die grofsen Heita« 
pfiaster voit Pech, 'vom Nacken, iangs der 
S^ina dörsi .herab und die Laugen« und Senf«* 
frictionen der untern Extremitäten. Dafs di« 
'sorgsamste Pflege in der Naohcuv, die Ver« 
meiduDg aller Erkältungsemeuerudg, die Ent« 
femung aller Diätsfehler, die nahrhafteste^ 
.nicht ilberreitsende Diät, und alle eigentliche 
fixe Stärkungsmittel y noch lange nach Besie- 

j gnng der HauptsufaUe erforderlich waren; 
diefs machte ^theik die rückbleibende hohe 
iktonie, theib die bei so variabler und unge^ 

I wohnlicher Witterung so leicht und so oft 
erneuerte Bedingung zu Riickfällen höchst 

. BÖthig« . Aller angewandten Sorgfalt ohoge« 
achtet, zogen sich jedoch die gehäuften 
Anfälle dieser Epidemie bis zum Eintritt 

r kälterer Witterung im Februar fort; so 
dafs" dann weit weniger neue Patienten vor- 



kamen und die altern schleuniger genasen. 






r ^' -«•.■ 



In li a 1 t. 



Seit« 

.' U Kciti.#<?hfl 5fii1irk«pgeA über lifn- PrpfeM<« 

HoritU l^einupg; vojn I^iu4l)etterin - FTeber» 

. , N^st eixvgen ^«pkeo^eicbicfateji, Vqqi Herra 

** ' Dr, ^/<|Äfl«/Äf »H HärWg. , , , S 

lf..Gftcbiclit9 .'einef I^ungeageachwiir« und BeU 

Her* Heilang. ' Vdm 'Urö. Pr. Gutf^ldt^ aus« 

'^' ' ihefläem Arfl«*ia Altonii. ^ , , « « S3 

HI. Beftchreibung und Resulut« einiger nait Ar« 
aenik angestellten Vertucbe und jSeabachtua'» 
gen über seine Krari, die FäulniCi »u verhin- 
dern. Vom Hrn. Pf W^ G. Kelch Pro^ector 
«u Königsberg. , , , , * , !!• 

)V. Heilungagetcbicbte einer Bruat -Braune, ,^e 
beym Gehen des Patienten auf das heftigste 
erregt wur^e. Vom Hrn. Pr« KUig^isiem^ 
Siadtpbysicus au Ohrdorff. , ^ « III 

V« Apathie der Seele tnit einer grofsen Eoipfind-i 
lichkeit de$ Kprpera. durch ein sehr einfacbea 
lSiu«l gebeUt^ Voa Seb^ndemselben« « , |33 



~ i55 ~ 

VI. Einige Bemerkungen über den Krankbeits- 
genius in und um Hof von i8o3-7 4« Vom 
Stadtpbysiku« Hrn. Dr. P. G. Jördens ju Hof. \^2 
Regi^tej, , , l58 

MU dls/§m StMk0 dti J^mndk #lni iüisgegtÜnf 

Bibliothek der prakufcheg, Heilkunde. TxwQjftet 
Band, Fiextes Stück* 

irih ä n: ^ • 

7. G. ^. Kose ete. Betrage !fw ^fflnitUhkni^ioM 

I J^'Aräamann jdnnakn d$§ medicinistk mchithir£$> 

sehen ciinischen Jnsthuu z¥ Gouin^en. Erstes Sticke 

.■ . .- ''■*,*■ 
,, O. S* Ballhora über Deeiamoikm, . ..i\.'1 ., 



— 154 -r- 



Inhalt des oennsehnten Bandes. 



E r • t e f Stück. 

iIa cU» PttUikom, vom Herau^^her. 

L Bemerkungen über die seit den iatstm- Tier Jahm 

«tt NorilbauseB herrschende $cb«rUchfieb^e|itdentib ' 
•.. TOm Hrn. Dr. »«m« j?nwt jFV/rer» Stadtpbjfticut <« 

WorcUiau»en. v 

Q, Schuuepockenimpfung. 

I, Nachricht von den jEußerKn mit demScoflPe der Mauke 

oder Grease angestellten Impfangsveraucfaeo , fom 

• Hrn. Hofrath Bremer in Berlin. 

S. Nachtrag su der Geschichte der Schutzpockenim- 

pfimg in Berlin, vom Hrn. Geh. Ratb H§im da- 

' •el»>st. 

3« Vorschlag einer Poliseimaarsregel jsur Verbreitung 
der Schutspockentmpfung, vom Ha. Dr. Renggem 
Lausanne. 

4. Nachricht von der Amsterdamer Getellacbaft cur Be- 

förderung der Schutspockenin&pfiing für Unb^ 
raittelte. 

5. Miscellen die Schutzblattern- und BlAttemJnpfuiig 

betreffend, vom Hrn. Dr. Kedk, 
6« Bemerkun|;en Tiber Schutspocken, deren Yerlauf mit 

den naturlichen Pocken und Matern, vom Hrf. 

Stadt- und Amtsphysicus Ptrrepom mn PfalUii|cn* 
y. Etwas über die ScbuUpocken, vom Dr. JT, If, C 

Fehler zu Hessen im Braunsdiw. 

lU. Geschichte eines sehr merkwürdigen Asthma. Mit 
«ner ganslicben Dislocation det Uerjena. Nebst der 



ZtnxMenhfb^xmg nird Abbildung. Vom Km, Geb. 
"^ Rath Miy ^u Heidolberg, 
IV. BescbreibuTig des neu angelegtfri Zucbt- und Zwangs- 
arbeitahautea au Zerb^t, in meclidtiiscb-poliaeiiicbet 
Hinaicht/ vom «Hrn. Hofratb jy«/i»iii^ 2u Zerbat» 

W. Eine Yergifrunj; durch den Saamen des Stecbapfelt 
(« Daiurä -Stcammonium L^J, vom Urii. Dr. P/ermig 
SU Soriu in dei Niederlausiu. 

VI. KoTxe Nachrtcjuen und mediciniadie JNinitgk«itAn« . • 

!• Anflmge einet bey Nervenkrankheiten aebr irrürkaa- 

< . - « Bieh MtCtela > vom Jierausgeifer, 

dl Kfur daf .venertachen Krankheit durdi Braunatein> voa 

Dr. Kapp'MU Bayreuth. 

. d. Glückliche UtfUuag der AngiiWr polypoaa- bey: ei* 

nem .Kinde. 
'4* Auaang •«§ einem 6diniiben dea Hrn. Dr» IT» Lieh» 
lexfstein an den Hn. Prof. fVt Hemer su Helm« 
j,i: :.'. . ttädt, vom Cap» / 

5. Unter6che<dung der ächten und unächten Anau« 
•uiraHnde, und die «chädlichen Wuskungeöi dar 
letateo. 



' . ' g Z,w e i t e • S t ü c k. ! , ' ' 

L Von welchen Ursachen hängt der gpoGM Nnttien der 
Brunnen- und Badekuren eigentlich ab? ne&st eini- 
gen - Worten über das ' Mineralwasser bei Vttien, 
. vom Hrn. C, C, Maiihiü zu Verden. 

II. Manie aus Eifersucht, vom Hrn. Dr. Mejßr Mratkion, 
Arzt zu Hamburg. 

lil. £|ine merkwürdige Augenkrankheit. Von Ebendem- 
aeiben. ^' . 

rV. Tödtliche Leibesverstopfung bei diher Schwtngtm Im- 

achten Monat. Von Ebendemselben. /'_ •'; 

".*■ " 

,V. Merkwürdige Geschichte eines eingeklemmten < Bru» 
c]bes. Mitgetheiit vom Hr4. i^efideiscadt^ iiuldtphj? 
aikua Jfcu Wetzlar. 

VI. Ubber die Krankheit einer Frau, bei welcher 4urch 
die LeichenüfTnling eine Zerplatzung der Aotta- ent« 
deckt wurde, vom Hrn. /b/4» j^ugtist Sokmiät, Arat 
»u Neu-Wied, 



^ i56 — 

.Vlir Eme'B^tobachtu^g, welcbe bewebet, ditfa datQatck- 
silber xiicbt immer das Blut aufloae, irom Hin'. Di. 
. ■• ■ . Sckinidtmann au -Melle« . ■ 

¥111. Verlauf eines glücklicli gebobenen ▼•rlarvten cbro- 
nsschen UebeJa, Yom Hm, ProfiBtaor. C. If^olfärt vol 
Han«if. ' 

IX. Ueb«i' das Scbarlacbfieber , ▼•m Hm. IH-'- Joseph 
SpeuH, Stadtpbysikus im Herjogtbum Magdeburg. 

X. fefsera 'Erfabrungen über die Wirkung der Miaeial- 

säurea bey Fiebern^ 

|. Nocb e^was liber das Reickst^e- Fiebermittel, ▼om 
Hrn. Dr. C. Sckmidt,, ausübenden(i' Ant sir Neu- 
stadt am Ritbenberge. 

9^ Bintge Versuche mit dem fiekhsihen Mittel. Mitge* 
tbeilt vom Hrn. Dr. Miiller in Plau^eo. .. 

3. Effablrungen über die S^Vurkungeh de« neuett -'ArtcA« 
äcJiru Fiebermittels ^gema« bt vom Hrn. N, Jacobe 
s^ft, erstem Arate bei d^m aUgemeinca Hoapital iu 
. Kopenbag n, . 

4* Bestätigte £jr(ahruj>g überdre Würkiib|f det Salaaaur^ 
vom Hrn. Dr. Uerni^au «u M-'ibihaus«m. 

XI. Kurze Nachricbren und mediciniscbe Neuigkeiten. 

I« Bemeikun^M ü^er- ein$ (änger als 3 Jabr im iof- 

sein Geliörgangf v et borgen gewesene Stecknadel. 

fi^ Nutzen der lonraJischf^n Salbe bei Flecken der 

^ornbavt^ Yom Hrn. Vir / Ho est dem jungem su 

' Ai^cben, 

3t 'Harnstrenge ^ veranlafs^ duFcb eine in dejr Urinblsse 

befindliclie Bougit^, vom Hm. Dr^ Klees, lu 

Frankfurt am Maj-n. ' 

^. Ueb,er einen meikwurdigen Rbeumatiamtia Ibgai^ 
. VQO^ llrn. l>t, Uciker iti Leipsig. 

Dritte« Stück. 

It üeber den Wahnsinn, seine Erkenntniia, Ursacbem 
und Heilung. Vom ^Herausgrher. 

Ht lieber verscbiedene pat^i ©logische Erscheinungen, wd- 
che das gestörte Aus'IünstungsgescbäKt aur Folge bat, 
und 'Welche auf die geheime Verbindung und Wedi- 

_l aelwürkung der Oberfläche und der inneren Theila 
vnaeres Köxpera hindeuten. Vom Hrn. Hofr. Jör- 
(Aens itu Hof, 



— ifi7 — 

Monate Seprember iSui. bis xuva Monate Mära i8o<2 
SVL Marienwerder und in der umliegenden Gegend, 
vorneinlich unter Kindern, herrschend war. ,V om 
Hm Doct. undKrei'.phy8icu8A:/«rcA-<r/BuMarienwcrder, 
XV. Binige glückliche Erfolge des Bukowiner Bades, 
vom Sommer iBo3 Vom Hm. Doct. und Kreisphy- 
•icus Kaiuch'BU Milltsch. 
y. Heiliing eijper mit Atrophia te^ticulofum irerb^ta denen 
Tabes dorsalis Vom Hn. i)r» Fischer, prActicirendem 
Arsta JEU Dresden. ^ 

VI. Kurse Nachrichten und 'inedicinische Neuigkeiten. 

Ansrihrlicher Bericht über den in Frankreich beobach* 
tecen Knaben, der ein Kind im Leibe getragen 
haben soll. . , 

Anhang des Herausgebers* . 

*Viert6# Stück. 

I. Kritische Bemerkungen über Hrn. ProFesloir tforrCs 
'Meinung Vom Rindbetteiin - Fieber. Nebst einigen 
Krankengeschichten. Vom Hrn. Dr. Mibhdetls» 

II. Geschichte eines Lungengeschwürs und seiner Hei- 
lung. Vom Hrn. Di. Gucfeldt, ausübendem Arste 
in Ältona. 

in. Beschreibung und Resultate einiger mit Arsenik an'> 

f enteilten Versuche und Beobachtungen über seine 
Lraft, die Fäulnifs sU verhindern. Vom Hra^Dr, 
IV, G. Kelch «u Königsberg. 

IV. Heilungsge^chichte einer Brust -BrauHe. die beym 
Gehen des Patienteü auf das heftigste erregt rrurd«. 
Vom Hrn. Krlegelsteln» 

V. Apathie der Seele, mit einer groCien £mpfindlichk«lt 
des Körpers » durch ein sehr einfachet Mittel geheilt. 
Vom Hrn. KriegeUtein. 

VL Einige Bemerkungett über den Krankhtfitsgenius itt 
und um- Hof ton t8o3 — 4. Vom SUKitnhysiku» 
Dr. P. G, JM4ns. 

Register. 



— -reo - 



c h r e g i 5 t e ti 



'^Angina» S. Hahentzündung, Braune* 

jingina pectoris, S. Bnistbrännö, 

Anfjlna pol^posa. Olückliche Heilung derselben bey ^* 
einem Kinde. I, 177 — 178. 

'Anginosö Zurälle» Gefäbrliche unter den Sclaven auf 
oeni Cap, I, 179» 

Anti gastrische Behandlung, Natbtbeile derselben beym 
iünilbetterlnnenfieber, IV, 58. 

Antivenerische Cur, Besonderer und oh Verkannter Ein- 
Hai« des Ausdunstungsgescbäftes auf dieselbe UL 
^7 — f.8. 

'Aorta, Zerplatzung derselben bey der Leicbenöffnlmf 
einer 6K» jährigen Frau nach einer langwierigen Krank- 
heit entdecket, II. io5 ••— 107. Hlrnverhahung ist 
ein pathognomoniscbes K«uueichen von ZerreKsungen 
derselben, io5 — log. 

Apathie der Seele mit einer ^oijeil Empfindlichkeit des 
Körpers, durch Erkältung entstanden und geheilt durch 
die Essentia dulcis oder die Haili&che Goldtinctur, 1V> 
i33 — 14t. 

Arsenik, Beschreibung und Resultate einiger mit dem* 
selben aogestelicen Versuche und Beobapotunffeu über 
seine Krafr, die Fäulnifs «u Verhindern, tV, 1 10— 117. 
Muskeln und Gedärme eines Erhenkten,, mit der wals- 
rigen Auflösung desselben besprenet^ vnderstandai Jab* 
reiang vollkommeu der Fäulnilii, Ibld« 



— i6i — 

\ 

Arzt, Die Verädderung desselben ist ein Hauptvortheil 
der Bade- und Brunoen-Curen, 11/44 ~* 49- 

'Association, Ges«t2 der, in der thienscben Natur« 11, 
3a — 33. Wichtigkeit der Kucksicht auf seine Störun- 
gen für die Erkenntnifs und Cur der Krankheiten, 
33 — 38. Die Brunnen-Cur als eiii voraugiicfa geeig- 
netes Mittel dergleichen Störungen derselben £u he- 
ben, 33 — 4i. 

Asthenische Fieber, Reichs Fiebermittel ist nur bei ihnen 
anwendbar, IJ, 147 — i49> Würksamkeit dieses Mit- 
tels bei denselben, 164 -^ 180, 

Asthma, Geschichte eines sehr merkwürdigen, mit einer 

f anglichen Dislocation des Herzens, 1, 112 — 140. 
Entstehung und Verlauf dieser seltenen Krankheit, ii5 
— 123. Unheil des Dr. May über dieselbe vor dem 
Tode des Patienten, i33 — 129. Leichenöffnung nach 
demselben, 129 •— i33. Merkwürdige Lage des Mer- 
zens in der rechten Brusthöhle dabei, i5i — i32. Er- 
klärung der Symptome dieser Krankheit durch die Lei- 
chenöffnung, i33 — 134* Vermuthungen über die näch- 
ste Ursache dieser Krankheit, i34 — i37. Allgemeine 
praktische Resultate aus der Geschichte derselben, i37 
' — 139. Erklärung der hiezu gehörigen Kupfertafel, 
139 — 140. Besonderer und ort verkannter Einfluls 
des Ausdünstungsgeschäfts auf dasselbe,^ III, 45 — 4^* 
Atmosphäre, Die Veränderung derselben ist ein Haupt- 
vortheil der Brunnen- und Badecuren, 11,49 — ^'' -"^ 
v\rürkt airein Heilung convuisivischer Zufalle bei einem 
'Knaben, 5o — 5i. 
Atrovhia testiculorum ihit tahes dorsalis glücklich geheilt» 
in, 142 — i65. Vorzügliche Würksamkeit d^r Senfpflas- 
ter und Senfbäder bei derselben, 160 — i63. 
Augenkrankheit, Geschichte einer merkwürdigen, bei ei- 

ndn kleinen Kinde, I, 69-— 76. 
Augenlied. Oedem des oberen durch Einreibungen des 

Unguent, ncrvini gehoben, II, 72. 
Ausdiinsttmgsgeschäß, Ueber verschiedene pathologische 
Erscheinungen, welche Folge seiner Störungen »ind, 
III, SJ — 77. Wichtigkeit desselben, seines Orgäns- 
der Haut, und des gesunden Zustandes beyder, 23 — 2?. 
Ursachen der Störungen dieses letzteren, 26— 3o. Nach- 
theile seiner Störung und Unterdrückung in Beziehung 
auf die Beschaffenheit und Menge der Ausdünstungs- 
materie, 3i — 35. Allgemeine Folgen seiner Störung 
und Unterdrückung, 35 — 37. Besonderer und oft ver- 

XIX. B. 4. ^t' ^ 



_ i6a — 

kannter Einflufs desselben auf die meisten acuten und 
ptironiscben Krankheiten, 3/ -^60 ; r) auf Fieber über- 
haupt, 37 — 39; 2) auf Gallenfieber» 39 — 4'» 3) auf 
inflammatorische Krankheiten, 4'» 4) ^"^ Catarrrhe 
und das sie begleitende Fieber, 41 "^4^'* ^) auf Rheu- 
matismen und Gicht, 4^ » 6) '^ Diarrhöen und Dy- 
senterien, 4^ — 44 « 7) ^uF Ohnmächten, SchlagflüDie, 
rheumatische und gichtische Lähmungep, 44 ^~ 4^9 8) 
auf Asthma, 4^ — 4^» 9) *^^ ^^® Organe der Verdau- 
ung, 46 — 5o; 10) auf das Austreten der Brüche, 5o^ 
5i; II) auf Dysurien und Strangurien, 5i ; is) auf 
Hypochondrie und Hysterie, 5l ; i3) auf Blutflüfiie, 61 
— 53 ; l4) <iur Hämorrhoidalbeschwerden , 55-^55; 
i5) auf Schwäche der Lungen^ 55' — 56» 16) auf exan- 
thematische Krankheiten, 56 — 57; 17) auf die antiye- 
nerische Cur, 57 — 58; 18) auf Rachitis und Atrophie, 
58; 19) auf Krankheiten der weiblichen Brüste, 58 - 
59; 20) auf die Erzeugung von Krämpfen, 5q — 60. Wie 
ist den Folgen djer Störung und Unterdlrückung dessel- 
ben vorzubeugen? i) durch Unterhaltung nnd Herstel- 
lung der unmerklichen Ausdünstung, 60 — 67. ^) durch 
Unterhaltung habitueller oder critischer Scliweifse, G7 
-—71. Ueber die ehemalige gastrische und antiphlogi- 
stische Heilart der Krankheiten von Störung und Un 
terdrückung desselben, 71 — 74. Nothwendige Rücksicht 
auf dasselbe bei Wartung der Patienten und Recon- 
vftlescenten, 74 — 77. 

B. 

BatUcuren, S. ßrunnencuren. 

^ Bader. Beleuchtung uud Widerlegung der Behauptung, 
dafs die natürlichen mineralischen einen grolsen Vor- 
zug haben vor denen von einlachen Wasser und vor den 
künstlichen mineralischen, II. 23 — 27. Einwurf hie- 
gegeuy 59. Die von Arzeneyen hab^ nicht die den 
Arzeneyen zukommenden Würkungen, s3. Groüsnr Nu- ' 
tzen der warmen bei einer reiisen^en Gicht, 25 a6. 

Bähungen des Unterleibes sind von keinem sonderlichen 
Nutzen beym Kiudbetterinnenfieber, IV, 68 69. 

Bericht, Auifühdither , über den in Frankreich beobach- 
teten Knaben, der ein Kind im Leibe 90II getragen 
haben, S. Foetus, 

BiUetikraia^Extract. S. Extrnctum hYoscjyami^ 

Hlutßüfse, Besonderer und oft verkannter Einflula des 
Ausaünatungsgeschäfts auf dieselben^ UI^ 53— -55. 



— t63 



I 



ßongie. Harnfttrepge durch eine in der ]^Itie befindlicbe, 
veranlalst/ II, 1^7 — ipS. 

Braunstein ist ein vorzüglichei Mittel' gegen die yeiieri- , 
sehe JKjrankheit, 1, 176 — 177. 

Brechmittel, Ueber die Anwendung derselben beym Schar- ' 
lachfieber, I, 28 — ag. Waren die Hanptmittel bei ei- 
ner epidemischen Bräune in Westpreussen , III, 100. 
^120 — 1 25. Grofse Unempfindlichkeic fujr dieselben bei 
dieser Epidemie. ia2 — 125. 

Brechwrinstein . Verdien te als Emeticum den Vorzug vot der 
Ipecacuanha bei einer epidemischen Braune in Westpreus- 
sen, III, ra^. 'War auch in nicht .Brechen erregender 
Dosis sehr nützlich bei derselben. ia5 — Id5. 

Bräune , Geschichte einer epidemischen; welche im Jahre 
1801 und 1802 in Westpreussen vorsüglich unter |Cin- 
dern l^errscbte, lll, 78 — 132. Erster Ausbruch dersel- 

. ben, nebst deren allgemeiner Ursache, 78 — 82. Be- 
stimmying des Characters und Weseus derselbeiji, 82 — - 
65. Erstes catarrhaüsches Stadium derselben, 85—87. 
Zweites Stadium, in welcbem die afHcirten Theile der 
Mundhöhle, die Mandeln und der Zapfen mit Blutfa- 
sern bedeckt wurden, ucid das Fieber ganz den. Cba- 
Tacter des Typhus annahm, 87 — 91. Drittes Stadium, 
in welchem die Luitröhre selbst atncirt wurde und der 
ganze Zustand dem des Croup*s gleichkam, 91 -— 90. 
Verlauf — Varietäten ^dieser Krankheit bei älteren Kin- 
dern, nebst fiiiig*^n dazu geliörig<en Beobachtungen, 96 — 
106. Verßleichung derselben mit dem Croup, gg — 100, 
Bas Brechmittel war ein Hauptmittel dabey, 100. Ver- 
lauf derselben bei einigen Erwachsenen, 106 — io8* 
Prognosis bei derselben, ^09 — ]i3* Das Fieber ent- 
schied nichts über dieselbe, 109 — rio; wohl aber die 
Beschaffenheit des Halses^ iio — iii; femer der Haut, 
lli — lf2. Nach k ran kheifen nach derselben, 112 — 
Ii3. Heftiger critischer Speichelflufs nach derselben^ 
Ii3. Aufzählung und Prüfung der Hauptmittel für daa 
erste Stadi|ira derselben, Ii3 — Ii4'> Ferner fftr das 
zweite und dritte Stadium; 114 — 132. ia) die äufser* 
licheh: i) Blutigel; ii5 — 116; 2) Gurgelwasser und Ein- 
spritzungen, n6— -117. 3) Vesicatorien waren unwürk- 
sam bei derselben, X17 — 118; 4) Pflaster, Salben und 
Umschläge, iheils reitzender, theils erweichender Art, 
118 — t2Q; b>} die inneren Mittel: i; Brechmittel» wa- 
ren gleich, zu Anfang der Krankheit angewendet, von gro- 
Csem Nutzen, i%(y.rf^ I25 , nicht aber im Anfange der 
Epidemie, 134. Merkwürdige Unempfiadiichkeit für j 

La ^ 



— x64 — 

Brechmittel bei dertelben, iss — 135. Der Brechw 
ttein Terdiente den Vorzug vor -der Ipecacuanha 
deneiben, I25. Auch in gerioger, kein Brechen e 

Sender Gabe war der Brechweiostein sehr nützlich 
erselben, I25 — 126. Die Mercuriatia, insbesonder 
'Mercuritts solubilU Hahnernanni von keinem auüalleni 
Nutaen bei derselben, 136I-*- 128. Die Senega bev 
•ich vorsüglich heilsam bei derselben, 128* Fer 
auch das Oxymel squUiUicuni, 128 — 129. Im letz 
Sudio derselben waren die stärksten. Reitzmittel 
würksam, 129 — i3o. 

Bruch, S, Hemia, 

Brunneit' nnd BadecKren, Von welchen Ursachen ha 
der groCie Nuteen derselben eigentlich ab? II, ö— . 
I) von den Bestandtheilen der mineralisrchen Wasi 
II — 17. 3) Vom innerlichen Gebrauche des einfacl 
Wassers, ^7 — 22. Zj Vom Baden, 22 — 27. 4) V 
der Reise, 28 — 3o. 5; Von der Entfernung von 
wohnten Geschäften, 3o — 32. 6) Von der Veräm 
rung in dem bisherigen Zirkel der organischen Tl 
tigkeit, 33 — 43. Regel, welche sich hieraus für i 
Wahl des Ortes zu Brunnen- und Badecuren ergie 
Äi— 43. .7) Von der Zerstreuung, Unterhaltung c 
Geistes^ Leidenschaften und Gemüthsbewegungen mi 
cherlei Art, 43—44. 8) Von der Veränderung < 
bisherigen Arates, 44— 4g. g) Von der Verändern 
der Atmosphäre, 49 — 5i. 

Brmt' Bräune, Heilungsgeschichte einer, die beym Geb 
des Patienten auf das heftigste erregt wurde. iV, ii8 
l32. Einreibungen in die Brust aus Opium cruäi 
und Tartarus emeUcus waren vorzüglid^ wohltbä 
bei derselben, i3i. 

Brüste, Besonderer und oft verkannter Einflufs des Ai 
dünstuugsgeschäfts auf Krankheiten der weiblichen, 1 
58 — 59. Können bei einer Milchversetzung sehr wc 

. voll von Milch seyn, IV, 33 — 24. Ueber die nöthi 

• Rucksicht auf den Zustand derselben bei Behandln 

- des Kindbettcrinnenfiebers, 5c) — 63. 

Bukowiner Bad, Einige glückliche Erfolge desselben,! 
l35 — i4l. Allgemeine Kräfte, desselben, 134. Vc 
ziigliche Würksamkeit desselben, i) Bei einer all/ 
meinen Nesselsucht, i34 — r35. a) Bei einer gich 

sehen Lähmung der unteren Extremitäten, i35 13 

3) Bei einem Hbeuma des Arms, i36. 4) Bei rheua 

• tischen und podagriscben Schmerzen, i3S 23^^ 

Bei tinei ü^ei^^ii^^^'n^^« n\ic Lähmung dea Arms» i3 



— i65 — 

6) Bei einem Lumbago, 137. 7) Bei einer atrophi. 
sehen Läh.nung der unteru Extremitäten mit weifser 
KniegescWulst, T3y — 140. Ferner Jiiei verschiedenen 
•anderen ücbeln, 1^0 — 141^ 



Campker, Bedenkliche Wurkung desselben bei einem 
epidemischen SchariachHeber, I, 3i — 32. War von 
keinem grof&en Nutzen beym Kindbetterinnenfiebcr, 
^ IV, 65. , , 

Capt Einrichtung des Militairhospitals auf demselben, I, 
178 — s 179. Mortalität in tlic-sem und auf dem Gap 
überhaupt, 179. Gefäbrliclie anginöse Zufälle unter 
den Sclaven daselbst, 179. Rheumatische und arthri- 
tische- Zufalle ' von ungewöhnlicher Heftigkeit sind 
vorziiglich häuEg unter den Europäern Ndaselbst, 179^— 
180. Gefährliche Diarrhoea ■ tnucosa unter den Solda- 
ten daselbst und grofse Würksamkeit der Rad. Columbo 
dagegen, .180. Der Mesemfnquer-Schor£ , eine neue 
Krankheit unter den Sclaven daselbst, i8o^ Nutsen, dec 
Salzsäure dagegen, 181. 
Catarrhalische Epidemie in und um Hof kn Jahre l8o3 
und i8o4> deren Verlauf- und Behandltmg, IV, i^i — 
i5i. 
Catarrhe, Besonderer und oft verkannter Einfluls des 

Ausdünstungsgeschäfts auf dieselben» III, 41 — 4^* 
Chronische Krankkeit, Lan]ge verkannte, durch eine Mola " 

vort Hydatidcn veranlafst, 11, ia2 — i3i. 
Conradi's y^ugensalhe. Bestätigt» Würksamkeit derselben 

bei Fiecken der Hornhaut, If, 186 — 187* 
Consnltationau mehrerer Aerzte sind zu verwerfen und 

durch eine Brunnencur zu verhüten, II, 48 — 49' 
Convtthionen bei einem Knaben allein durch Verände^ 

rung disr Atmosphäre gehoben, U, ^o — 51.. 
Cor, S. Herz, 
Cornea. S. Maculae corneae: 

Cenex anguHurae. Unterscheidung Abb ächten und un- 
ächten, nebst den schädlichen Wirkungen dei letzteren, 
1, 181 — 188. Chemische Untersuchung des ächten und 
einiger unächten Sorten,. 182 — 186. Resultate dieser 
Untersuchung, 186 — 187. Mandat des Hamborger Ma- 
gistrats über den Verkauf defsvlben, 188. 
Cortex cascarillae wird empfohlen in Brustschwäche und 
Krämpfen» wenn si6 mit Magen beseh werden, Blähun- 
gen u. s. w, verbunden ist,- IV, 199. 



— i66 

Coriei peruvianns in Verbindung mit dem Opium vor- 
ffQgiich h'iUa'm. Il£, i66. 

Croup, der achte» ersrliien als mo'r/*tit inlercnrrens hr'i ei- 
ner epidemischen lirduiip, ill, 84'— 05. VerglcichuDg 
swiachen diesen^ beiden Kraiikbeiten^ 99 — loo. 



D. 

Darmcanal. Ueber die Affectionen desselben beym Kind- 
berterinnenfieber als unwesentliche ^schcinungen dei- 
lelben, IV, 32 — 3:'). Heilsamfr Effect der Aiisleemn- 
gftii desselben, wenn Milch in denselben ergossen, 34 — 

Datum Sirothmcnii/jn, S Sfrchapfel, 

Diarrhoea rnitcosa, Gelährliche, ^welche unter den Solda- 
ten auf dem Cap herr«.cht, I, 180. Die Rad, Columho 
vorxü^lich würksnm dagegen. Ibicl, 

Diarrhnrn, Besonderer und oft Verkannter Einflufs des 
Ausdünstungsgetchäfts auf dieselben. HI, 43 — 44* 

Drüsen. Metastatische Geschwülste und Verhärtungen 
derselben bei einer catan haiischen Epidemie, IV, i47 

— 148. 

E. 

Eaux aitx jambes, $, Mauke der Pferde» 
Eifersucht, Geschichte einer durch dieselbe erregten und 
durch Extractum hjosrjami geheilten Manie» Q> 60 

— 68. . 
Emeiica, S. Brechmittel. 
Entzündungskrankheiten. Ueber die Anwendung des Mercurs 

bei denselben, insbesondere nach der Hainiltonsehen 
Methode, U, 119 — 121. Besonderer und oft verkann- 
ter Einflufs des Ausdünstung^ geschäfts auf dieselben, 
HI, 41. 

Epidemie. Bemerkungea über die seit den letjsten vier 
Jahren jsu Nordhausen herrschende, deaScbarlachfiebers« 
I, I — 43. Ferner 8. Scharlachfieher» 

Epidemische Braune» S. Bräune, 

Erfahrun&en, Sind, 2ur Heilung der «ahlloaen individuel- 
len Fälle nöthiger, wie Theorie? IV, 7. 

Essentia duicis oder die Hallische Goldtinktur, heilt eine 
durch Erkältung entstandene und mit aro£fter' Empfind- 
lichkeic des Körpers verbundene Apathie der Seelflb iV» 
1 33 — i4o* Enthält aber kein Gold, i4i. 



--'167.-- 

Exantkemata. Besonderer und oft verkannter Eiaftuft 
des Ausdünstuneageschäfts auf dieselben, III, 56 — : 57. 

Extractnm helladonnae als PräservativmitCel gegen das 
Scharlarhfieber bestätigt gefunden, II, i35 — iS?« 

Extroctum hyöscyamU Geschichte einer durch Eifersucht 
erregten und durch dasselbe geheilten Manie« II, 6o — 68* 



Fäulnifs, Beschreibung und Resultats jsiniger nSit der 
^ätsrigten Solution des Arseniks angestellten Versuche 
und Beobachtungen, dieselbe an tbierischen Theilen cu 
verhindern, iV, iio — 117. 

Febris bilosa. S, Gallenßeber, 

Febris fuerperarüm* S. KindbeUerinnenfieber, 

Fieber, Unterscheidung djsseiben von Pyrexie nach Brown, 
n, 147 — 148. 

Fieber, Besonderer und oft Verkannter Einflufs At% Aus- 
*dünstungsf;eschäft8 auf dieselben überhaupt. III, 37. — 39. 

Foetus, Ausführlicher Bericht liber den bei der Leichen- 
öffnung eines Knaben in Frankreich entdeckten. Hl, 
166 — 172. Anhang des Herausgebers hiecu, 172 — 174. 

Frucht, S. Foetus, 



Gallen fteber, .Besonderer und oft verkannter Einflu&.dei 
Ausdüostungsgeschäfts auf dasselbe, III, 39 •— ^z. 

Gelwr^ang. S. Meatus auditorius extentus, 

Gcmülhskranhheit, S, Wahnsinn, 

Giardoni, S, Mauke der Pferde, 

Gicht, Gro&er Nutzen der wärmen Bäder bei einer reiüien- 
den, II, 25 — 26. 

Grease, S> Mauke, der Pferde, 

H. 

HaUische GoldtinUur, S, Essentt% dulcii, 

Halsentzündung, Behandlung derselben bei einem epide- 
mischen Scharlachfieber, I, 29 — 3«. 

HamiltoHsche Methode. Empfehlung derselben bei Lun- 
een- Darm- und anderen Entzündungen, II, ][2o—- I2r. 

Humor r ha gien^ S. Blutflüfse, 

Uämorrhoidaibeschwerden, ' Besondei^er und oft verkannter 
EinQufs des Autdünstungsgeschäftes auf dieselben, Ilf, 
53—55. V 



— i68 — 

Harnstr«nge veranlagt durch eine m der Urinblase be- 
findliche ,Bougle und glücklich Bibers landen, .II, 187 — 

i:j3. ' ^ ■ ■ . 

Harnverhaltung ist ein pachognomonisches Kennzeichen 
von Zerreifsungen der Aorta, II. 100 ^- 109.- 

Haut. Wichtigkeit des gesunden Zustandes derselben 
und ihrer Verrichtung, UI, a3 -^ c6. Ursachen der Ver- 
• derbnifs derselben und der Störung ihres Gesckähs 
26 -- :io. 

Hernia mediastinnlis, I, ii3. 

Hernia, Merkwürdige Geschichte einer . eingeklemmten, 
II, 83 — 95. Indicationen bei derselben, 84 — 85. Um- 
schläge Ton Schnee und Eis unwürksam bei dersiälben, 

90. vVohlthätige Würknng des Opium bei desrelben, 

91. Glückliche Taxis derselben in der fünften Woche 
der Einklemmung, 93. 

Herz, Merkwürdige Dislocation desselben ^m$ der lin- 
ken Brusthöhte in die-rechte, I, l3i — i32. 

Herzbeutel, Verlängerung desselben bei einer Dislocation 
des Herzens, I, )3i. Ferner S. Asthma, 

Hof, £inige Bemerkungen über 'den Krankheitsgenius in 

• dieser Stadt und um dieselbe von -l8o3 bis 1804, lY, 
143 — i5i. 

Hornhaut, S. Maculae corneae, 

Hydaiiden-Mola war die Ursache eines glücklich geho- 
benen verlarvten chronischen Ü&bels, II, 12a — l3l. 

Hydrops, S. Wassersucht, 

Ifypocltondrie und Hjsterir, Besonderer und oft ver- 
kannter Einflufa des Ausdünstungsgeschäfts auf die&el< 
ben, III, 5i. 

I. 

Irrende, Bemerkungen über die * bisherige Behandlung 

derselben, III, 5 — ii/ 
■Ischaria, fi, Harnstrengc. 



Kälte, äufserlich angewendet, unwür^sant beym einge- 
klemmten Bruche, 11^ 90. 

Kindbetterinnenßeber, Kritische Bemerkungen xxbtr Hotns 
Meinung von demselben, nebst einigen Krankengeschich- 
ten. IV, 5 — 82._ Kritik von Hörn 9 Ansicht desselben 
und dessen Meinung, dafs alle wesentliche Erscheinun- 
gen desselben. Hur höheres Leiden der einzelnen Theile 



— i69 — 

vrären, 8 — is. Untersuchung' über dasjenige, was das 
, CbaracUristiscbe desselben ausmadit, ob das Fieber 
oder die gehörte Milcbabsonderung? la — 27. Nö- 
tbige Rücksicht auf HcnrnfädCs. cbemiscbo Versuche 
mit der bei deir sogenannten ^iich Versetzungen 
vorkommenden Materie , bei Entscheidung dieser 
Frage, 17. Prüfung der von Hörn aufgestellten Erfah- 
rungen, welche beweisen sollen, dafs die gestörte Milch- 
absonderung keinen Einflufs auf dasselbe habe, nebst 
Vernichtung der Beweiskraft der meisten dieser Erfah- 
rungen, 17 — a!^. Bei vollen Brüsten kann dennoch 
eine Milchversetzung bei demselben vorhanden seyn, 23 
•— 34* ^^^ übrigen nicht von der gestörten Milchab* 
sonderung hcrrübrende Erscheinungen, sind eigentlich 
unwesentlich, 27. Beleuchtung dieser unwesentlichen 
Erscheinungen desselben mit Rücksicht auf Horns Auf* 
Zählung derselben, 28 — 40. a) Die Veränderung des 
Selbisgcfühls, 28 — 29, b^ Das Fieber, 2g — 3o. c) 
Die örtlichen Beschwerden, 3o — 38. des Unterleibes, 
30 — 32. der ersten Wege insbesondere, 3? — 35. 
Ueber die milchigte Natur der durch letztere bei dem-, 
selben ausgeleerten Materie, 33 — 34« Heilsamet Effect 
der Darmausleerungen bei demselben, wenn Milch in 
den Darmcanal ergossen, 34 — 35. Ueber die Slörun- 
gen des Lochialflu^setf bei demselben, 35 — 36. tf\ Die 
Kervcnzufälle bei demselben. 36 — 38. O Exantheme, 
58 ^ 39. Horns Meinung dafs das Localleiden bei dem- 
selben i) nur ein höheres Leiden des einzelnen Or- 
gans an einer Form sey, nebst dpron Prüfung und Wi- 
derlegung, 40 — 46. 2) bei Zunahm« der Krankheit 
auf einem wahrhaft asthenisch entzündlichen Zustande 
beruhe, nebst Prüfung und Berichtigung dieser Behaup- 
tung, 46 — ' 52. Horns Meinung libir die nächste Ur- 
sache der Lopaiaiifection bei demselben, 53-^.'^5; ferner 
über die Ursache dieser Krankheit, nebst Prüfung die- 
ser Meinung. 55 — 53. Ueber die Be^iandlung fiesseU 
ben, 68 — 69. iS achtheile der antigastrischen Behand- 
lung desselben, 58. Behandlung des gelinderen Grades. 
69 — 63. Empfelilung der frühzeitigen Anwendung der 
Vesicatorien bei demselben, 59 Vertheidigimg des 
Saugens und der Bähungen der Brüste und der Beför- 
• derung des Lochialflusses, 59 — ^^ Behandlung des 
zweiten und des höchsten Grades desselben, 6.1-^69* 
Ueber die reitzende Behandlung desselben, 64 — 66. 
Der Campher war von keipem grofsen Nutzen bei dem« 
telbco, wohl aber die FalerUma und das Opium, 65. 



— lyo _ 

Uebcr die Berücksichtigung fies gaBtrttcben Zustandet 
bei demselben, 66. Die Oleosa waren von grofsem 
Nutzen zuj Linderung der Schmerzen bei demselben, ^ 
66. lieber die Berücl^icbtigung eines entzündlichen 
Zustandes, 66 — 6j* Ferner der ..Mi Ich Versetzungen, 
67 — 68. Die liähungfjn des Unterleibes sind von kei- 
nem eonderiicVten Nutzen bei demselben, wohl aber 
der Reitz' der CanthaiidtMi, ^i8 — 6;-f. Krank engescbicb» 
ten liiezu^ 70 — Sa. i ) eine» tödtlich abgelaufenen 
Falles, nebst dem Scctlonsberichte, 70 — 7J7. a) eines 
glücklich abgelaufenen Falles, mit Versetzung der Milch 
auf die Genitalien und die /iaucrs, 77 — 83. 

Krämpfe, Besonderer und oft verkannter EinfluCi des 
Ausoüustungsgeschäftt zur £rzeuguilg derselben, III, 
Ö9 — 60. • ^ 

K ranken geschUhie einer 68jährigeli Frau^ bei welcher durch 
die Section eine Zerplatzung der Aorta entdeckt wurde« 
96—169. 

Krankheiueenitu, Einige Bemerkungen über den, in und 
um Hof von i8o3 u. 1804, IV, 142 — 151. 

Kuhpocken y S. Schiuzpocken, ^ 



LaJimung-, Vorzugliche WÜrksamkeit des Bukowiner- Ba- 
des bei "einer gichtischeh, der unteren Extremitäten, IH, 
i35 — 136. Ferner des Arms mit Nervenschwäche, 137. 
f'erner der unteren Extremcitätea mit weiDser Kniege- 
schwul&t, 137 — 14<>- 

Leibesversiopfiutg, Geschichte einer tödilichen, bei einer 
Schwansern im achten Monat, II, 7G-'8i» 

L>endenweh» S, Lumbago. 

Lochia Ißufs, Ueber die Störungen desselben bei dem 
Kindbetterinnenfieber, IV, 35 — 36. Vertbeidigung der 
Beförderung desselben bei letzterem, 69 — 63. • 

Lues venerea. Der Braunstein, ist ein Vorzüglidhea Mittel 
gegen dieselbe, I, 176 — 177. 

Lues venerea. Schnelle WÜrksamkeit des Mercunus so* 
lubilis HaUeniantii bei derselben, II, Ii3--«ii4« 

Z.i£/// ^0^0. Vorzügliche WÜrksamkeit des Bukowinerbades 
bei e nem solchen, III, 137. 

Lungen, Besonderer und oft verkannter Einflufs des Aus- 
^ünsiungsgeschäf(s auf Schwächen derselben, III, 55 
— 56. . 

Lungenentzündung, Heftige athenische, nacb. viermo- 
naüichem Gebrauche des Mercurs entataäden, li, Ii5 



— 171 — 

— Il8. EmpFeblung der Jlamiftknachen Methode bei 
derselben, 120 — 121, 

Lungengeschwur, . Geschichte eines solchen und seiner 
vollkommenen Heilung, IV, 83 — J)5. Benifrkungen 
über diesejbe, 96 — loy, Grunde warum «lasselb« für 
eine Pkihisis exttlcerata %u halten war, g5 — 97» und 
• nicht für eine J'hi/Usis trachealis, 97 — 98. Merkwürdi- 
ger periotiischer HustenanFall bei demselben, 9S. Cri- 
tik der Behandlung desselben, gq — 102. Ueber die 
Möglichkeit der Heilung eines solchen und Widerle- 
gung der Gründe gegen dieselbe^ 102 — 109. Die Be- 
wegung der Lungen macht den zur Heilung eines solchen 
erforderlichen R^productions- i^nd Ernahrungs-Procefs 
in den Lungen nicht ganz unmöglich, jo3 — 10^. lie- 
ber den Husten als Hindernifs aer Heilung eines sol- 
clien, T06. Ferner über den Zutritt der atmosphäri- , 
^chen Luft als Hindernifs der Heilung eines solchen, 
106 — 107. 

jMst^euche, S. Lues vener ca» ■ 



M. ■ ^ 

'Maculae corneae» Nutzen der Conradischen Salbe bei 
dentirlben, II, 186— 187. Ferner eines Unguents aus 
Mcrcurins solubilis^ Hahn, u. Ol, nuc. juglortd, 187. 

Magnesium, .*J. Braunstein, 

Mammae, S, Brüste, 

Manie durch Eifersucht erregt und .geheilt durch Extrac- 
tum hjoscjomh H, 6o-r^6ö. Ferner S. l'f ahnsinn, 

Mauke der Pferde. , Die Lymphe derselben bfachte ii^ 
Wien ächte Schutzblattern hervor, I, 44 — 45*. Gleich- 
falls auch in Berlin, Prenalau und Wettin, 45 — 4"* 
Brachte bei einem zweiten Versuche in Berlin keine 
Schutzpocken hervor, 47 — 49* Resultat der Impfungs- 
versuche mic derselben in Mailand, Wien, Breslau und 
Berlin, 49 — ^o* Tanners Versuche mit dersielhen an 
Kühen in Berlin, 5b. Lapton's Beobachtungen über 
dieselbe, 5n. WoodvUle^t und Colemahns Versuche 
mit derselben an Kühen und Menschen, 5i. Pearsons JBe- 
obachtungen, welche beweisen, dafs die Schutzpocken 
unabhängig von derselben entstehen, 5i. Bestätigung 
dieser Beobachtungen durch Parr, Simnions,' Pitzer, 
Touret, Tessier, Honsard und Wihorg, 5l — ^3. Ver- 
^schiedenheit der Maiike von den Schutzpocken nebst 
einer Schilderung jener Pferdekrankbeit. 53 -^ 54* .^ö- 



— : lya — 

thige Vorsiclit bei den Impflings versuchen mit dersel- 
ben, 54 — 55. 
Meatus aiifUicrius externus. Bemerkungen über eine län- 
, ger als awei Jahr in demselben verborgen gevresene 

Mecknadei, 11. iSi— i85. 
Mediastinum. S. MiilrlfeiL 

Mßtfizin. lieber das Verbal tnifs der speciilaiiven tbeoreii- 
scben und praciiscben g^gen einander, I, XVI — XVHL 
Melancholie. S. PJ'^ahnsinn. 

Mcrcnrialia waren von keinem besonderen Nutzen bei 
einer cpidemiscbeu Bräune in Westpreussen, 111, 126. 
— 12S. 
Afercurius. Beobacbtnug, welcbe beweist, dafs derselbe 
nicht immer das Blut auflöse» II, rio-^- 131. Heftige 
stbeniscbe Lungenentzündung nach viermonatlichem 
Gebrauche .desselben entstanden, ii5 — j r8. Die nach- 
theilige Würkung desselben beim Scorbut beweist 
nicht, dafs er das Blut zenetze, 119. Ueber die An- 
wendung desselben bei Fntzündungisjcranklieiten und 
nach der Hamiltonschf.n Methode, i\q — I2t. 
Mercurius soliil/ilis Hahnemanni, Schnelle Würksamkeit 
desselben bei einer vollkoramcneu Lustseuche, U, ii3 
^- Il4« In^ Unguent mit Oleum nncittn juglandum vot- 
zuglich würksam gegen Flecken der Hornhaut, II, iS?« 
War von keinem besonderen Nutzen bei einervpide- 
mischen Bräune in Westpreussen, ill, 127. 
Mercurius s 11 l>/i malus corrosivtts, Vorzügli.he Würksam- 
keit desselben gegen eine Exostose und Warzen von 
venciischer Natnr, 11, 114. 
Milch Srcretion, Das Characteristische ddä Kindbetterin- 

nenHebers bestteht in Störung derselben, IV, 12—28. 
MiUhifersetzung durch Hermbstädts chemische Untersu- 
rhung der abgesetzten Materie als möglich dargethan, 
IV, 17. Kann bei vollen BruSteu vorhanden aeyn, a3 
— 24, Ucber die Berücksichtigung derselben bei der 
Behandlung ^cs Kindbetterinnenfieberg,, ^j — 63. . 
Mincrahäuren. Fernere Erfahrung über die Würkung 
derselben in riebern. S. Reichs FieOermiUel^ Salz- 
säure. Vitriolsaure. 
Mincralwassor, l^arallele «wischen- der naturlichen und 
künstlichen, II, Ö — §• Die Würksamkeit derselbca 
läfst sich nicht n::ch ihren Bestandtheilen bestimmen, 
1 1 — 1 7.. Können ohne Nachtheil täglich in grofsen Quanti- 
täten getrunken werden, 20 — 21. Einwurf hiegegen, 5g. 
Miuelf'eil, Verlängerung desselben bei einer Disiocation 
des Uerzens, \, i^t. 



- 173 — 

Mittelsaize, Üeb^r die Anwendung derselben beimScbar- 
, lachfieber, I, 28. 

Mola von Hydatiden war die Uraacbe tiine% glucklich ge- 
hobenen verlarvten chronischen Uebels^ II, 1-32 — i3r. 

Mosembique-Schorf eine neue Krankheit, welche unter den 
'Sclaven auF dem Cap herrscht, l, 180. Nuiaen der 
SaUsäure dagegen, i8l* 

. N. 

Natlikrahkheiten nach einem epidemischen Scharlachiie- 

ber nebst deren Behandluno^, I, 35 — 38. 
Nachrichten, Kurze, und medizinische Neuigkeiten, I, 173 

— 188. II, i83 — iq4. m, 16G— 174. 
JNeevenkrankheitan, Anzeige eines bei denselben sehr 

würksaraen Mittels, I, 173 — 175. 
Ncrvenzujdüe, Ueber die, beim Kindbetterinnen Beber, als 

aul's er wesentliche Symptome desselben^ IV, 36 — 38. 
Nessehucht, Vorzüglichje Würksarakeit des Bukowiaer- 

Bades bei einer solchen. lil, i34— ^i35. 
Nordhausen, Bemerkungen über die seit den letzten vier 

Jal^ren daselbst herrschende Scharlachfieber - Epidemie 

I, I— 43* Ferner S, ScharlacLfieben 

O. 

Obsiiuctio alvi S. Leibesverstopfung, 

Oedemd palpebrae superioris durch Einreibungen des Un- 

guenti nervini mit Campher gehoben. II, 72. 
Oßiren schmerz durch eine Stecknadel verursacht, die sich 

zwei Jahre lang im äufseren Gehörgange aufgehalten, 

II, 183 — i85. 

Oleosa vorzüglich heilsam zur Linderung der Schmerzen 
beim Kindbetterinnenfieber, iV, 66. 

Opium. Wohlthätige Würkung desscilben beim einge- 
klemmten Bruche, 11, 91. War von gro&em Nutzen 
beim Kindbetterinnenfieber, IV, 65. 

Oxvmell squilliticum bewies sich heilsam bei einer fpi- 
demischen Bräube in Westpreussen, III, 128 — 129. 



Paralysis, ,• S, Uihmung* 

Parotiden, Behandlung ihrer Anschwellung und Eite- 
rung nach einem epidemischen Scharlachfieber ^ J, 
35 — 36. 



. / - 174 - 

Poikohgisehe Ertchtinungen ^ Ueber Terschiedene, welche 
das gestörte AusdünstungsgeschäFt sur Folge hat, and 
welche auf die gehehne Verbindung and Wechselwut- 
kung der Oberfläche und der inneren Theile unseres 
Körpers hindeuten. III, sa — 77. 

Pericordium, S. Herzbeutel. 

Perspiratio insentibilis. S. j^iudünsttmgsgii^chafu 

PhinUis exulceraia. 5. Lungen geschwur. 

Pleuritis nervosa, GroÜse VVürksamkeit der Vitriolsaare 
bei einer solchen II, i5S — 163. 

Pneumoniae S, Lungenentzündung. 

Pubertät, Besondere Bösartigkeit des Scharlachs während 
derselben, I, 17 — 18. 

Pulmones» S. Lungen, 

Pjrexie, Unterscheidung derselben vom Fieber nach 
Brown, II, 146 — l55. 



Quecksilber. S, Mercurius, 



Radix Columbo Torzoglich wurksam gegen eine gefährliche 
Diarrhoea mucosa unter den Soldaten auf dem Gap. 
I, 180. 

Radix Srnrgae beiwit-s sich vorzüglich heilsam bei einer 
epidemiscneu Bräune in Westpreussen, 111, 128. 

Rßdix f alerianae. Vorauglich wohlthälige^Yirkung der- 
selben bei einem epidemischen Scharlachfieber, I. 33. 
Vbn grofsem Nutzen beim Kindbetterii^enfieber, IV,6d. 

Recnnvalescen^z, «Noth wendige Rücksicht auf das Aus- 
dünstungsgeschäFt während derselben, III, 76 — 77. 

Reichs Fiebermitlei, Noch etwas Tiber dasselbe, 11, tifi 
— i55. Dasselbe ist nicht bei Fiebern und Pyrexien, 
nicht bei •nt;gegengesetzten Zuständen» sondern nur 
beim Fieber, bei asthenischen Krankheiten anwendbar, 
147 — i49* Fruchtlose Anwendung desselben -bei ei- 
nem Typhus, i5o — 154« Einige Versuche mit demsel- 
ben, t55 — .163. Fruchtlose Anwendung desselben beim 
putriden Scbarlacb, 166; ferner im letzten Stadio böi- 
artiger Blattern, 167; ferner im letzten Stadio derAuhr, 
167; Fernere Uawurksamkeit und Nachtlieile desselbeo 
in der Langensucht, 167 — l58* Grofse Würksamkeit 
desselben bei einem nervösen Seitenstech fieber, i5^— 
l6t. Jatobitn^ Va Ywo^vb^ia^V^ EirfahruDgen über die 



— 175 — * / • '. 

Würkungen desselben, II, iGd — i8o. Würksamkelt 

desselben bei einem asiheniscnen Fieber, i64 — i6S. 

Ferner bei einem anderen mit epileptischen Anfällen, 

l68— 171. Ferner bei vier anderen asthenischen Fie- 

berH von verschiedenem -Grade, 171 — 180. 
Reientio urinac. S. Harnverhaftung. 
Rheuma, Vorzügliche WHrksamkeit des Bukowiner Bades 

bei einem solchen am Arme, IH, i56. 
Rheumatische und arihridsche Zufälle von. ungewöhnlicher 

Heftigkeit unter den Europäern auf dem Cap, I, 179 

— 180. 
Rheumatismus nnd Gicht. Besonderer und oft verkannter 

Einflufs des Ausdünstungsgeschäft» auf dieselben, III, 4^. 
Rheumat'ismus fugax, Geschichte einei merkwürdigen, II, 

195-194- 



Salia media, S. Mittelsalze. 

Salzsäure. Fruchtlose Anv^endung derselben bei einem 
Typhus,) II, i5o — i54* Wurksa^nkeit derselben bei 
bösartigen Blattern, 160 — lÖQ. 

Scarlatina., S. Scharlachfieber. 

Scharlachfieber. Bemerkungen über die seit den letzten 
vier Jahren /2u Nordhauseu herrschende Epidemie des-^ 
selben, I, i — 43« Erster Ausbruch — Cnaracter des- 
s'elbon, 3 — 5. Ansteckung • Fortpflanzung desselben, 6 

— S. Befiel daselbst vorzüglich Kinder und junge Leu- 
te, 8 — 10. Verlauf desselben, 10 — 14. Dasselbe ohne 
Ausschlag, 14-7 15.* Verlauf der Desquamation bei dem-- 
selben, 16 — 16. Besondere Bösartigkeit desselben bei 
reitzbaren Subjeccen und zur Zeit der Pubertät, 17 — 
18 ; ferner bei grofser Aengstlichkeit der Patiencen, i8 

— 20. Prognostik bei demselbeii, 20 — 23. Häuftees 
Uriniren war dabei vorzüglich voii bedenklicher Vorbe- 
deutung, 32. Schnelle Tödtlichkeit desselben . nebst 
Untersuchung der Ursache von dieser, 24 — d6. ' Be- 
handlung dessel)»en .und seiner einzelnen Erscheinungen, 
a6 — 35. jfUaber die Anwendung det - Mittelsalze und 
der Brechrmttel bei demselben, 2S — 29. Behandlung 
der Halsentzündung bei demselben, ag — 3o, Femer 
jder Diarrhöe, 3o— 3r, Der Unruhe der Patienten bei 
demselben, fc\. Ferner Ae% Zurücktretens des Ausschla- 

§es. 3i — 33. Bedenkliche Würkung des Camphers bei 
emselben , 3i — 32. Vorzüglich wohlthätige Wur«\ 
kung der Valeriana bei dems^ban, 33. Behandlung 



. • - 176 - 

dfls bauGgen brangs zum Uriniren bei demselben » der 
xuweilen vom Spiritus Minderen berrübrce, 53 — 34« 
Ferner der Verstopfung des Stuhlgangs. 34 — 35* ^^' 
ner der Nacbkrankbeiten nach demselben ,35 — 3Si 
1) Der Anschwellung und ^ Vereiterung der Parotidei 
und der Submaxilliar-Drüsen, 35—36. Q) Der W.aj» 
sersucbt, 36. Geschichte zweier somierbarea ZufiiUs 
nach demselben, 36 — 38. Verschiedenheit dieser Epi- 
demie von anderen Scharlach- Epidemien, 39 — 4^* ^^ 
riebt über das Verhalten derselben in dem Jericbow- 
achen Kneise in den Jahren 1800 — i8o3, U, i32— 14^. 
Das Exiractum beUadonnae daselbst als Präser?advmit- 
tei gegen dasselbe bestätigt, i35 — i37. Die reisend 
diapheretische Methode wurde als die hülfreichsts da- 
bei befunden, 13/. Krankengeschichten hiesu, 137 — 
145. 

Schielen, Merkwürdige Beobachtung desselben bei einem 
kleinen Knaben, II, 69 — 76. 

Schutzpocken enutefa>n und sind unabhängig von der 
Mauke der Pferde, I, 5l — 64. Ferner S. Mauk» ia. 
Pferde. A£fection des lymphatischen Systems ist ein 
noih wendiges Erfordernils der ächten, nebst Belegen 
biefür, 81 — 84« Hit diö Impfungsroeihode einen £in- 
fluls auf dieselben? 84. Hypothese über den Grund ih- 
rer Milde, 84 — ^ 85. Die Verschiedenheit ihres Aus- 
schlags von dem der Menschenpocken beweist nichti 
gegen ihre schützende Eigenschaft, 85 — 66. Eioige 
Sedenklichkeic bei denselben, 86 — 87. Bemerkungen 
über dieselben, ihren Verlauf mit den naürlicheD Po- 
cken und Masern, 88 — loo.' Neue wichtige Regel füf 
die Impfungsmethode derselben, 88 — 91* Bestätigter 
gehöriger und gelinder Verlauf derselben mit den Men* 
schenpocken, 9 (-^99. Merkwürdige Erscheinungen as 
den alten Impfstellen derselben bei einer Maserepidemie. 
99 — 100. -Etwas über dieselben, 100 — iii. Berichti- 
gung eines gegen dieselben gerichteten falschen Ge- 
rüchts, 104—109. ; . . . 

Schutzpockenimpfung, Nachricht von den in Berlia mit 
dem Stoffe der Mauke oder Grease a>iffcstellten Ver- 
suchen derselben, 1, 44 — 54. S. Mnuke xler Pferde» 
Nachtrag zur Geschichte derselben in Berlin, 55—53- 
Vorschlag einer Polizeimaasregel zur Verbreitung dec- 
selben, 59 — 70. Prüfung dessen, was die Regierungen 

, in dieser Rücksicht bisher gethan und was ihnen SH 
ibun obliegt,' 60 — 63. Nachricht von der Amsterdio- 
mer Ges«iUdiafc zur Beförderung derselben iür Unbe- 

mitttltei 



— 177 — . 

mittelte, 71 — 78» Einrichtung und Orcanisaiion die- 

•er Gesellschaft, 74 — 78. Miacelien dieselbe betref- 
- " fead, 76 — 87* Acltere Spur derselben von Jenner^ 78 

— 80. Nothwendigkeit, dieselbe nicht Layen anzuver- 
trauen» rog — III. 
Schwangerschaft, Tödtliche Leibesverstopfüne im achten 
* Monate derselben, 76 — 81. Ferner glückliche künst* 

liehe Entbindung zu derselben Zeit, 7g. 
Schwefelbäder erregen Ructus und Flatus, die nach Schwe- 
. fei riechen, I, 69. 
Schweifs, Bemerkungen über denselben als das Materiale 

der Ausdünstung, III, 33 — 3S. 
Seelci Apathie der. u. s. w. ' S. y^pathie, 
ßMstgefühL Beleuchtung d^r Veränderung desselben beim 

Kindhetterinnenfieber» als. einer aufeerwesemlichen £r* 
' acheinung desselben. IV, 28 — 3o. 
Senfhäder und Senfpflaster, Voraügliche VVürksamkeit der, 

bei einer ^irophia tcsticulorum, III, i6o — 163» 
Sinapisimi, S, Senfbäder, SenpfpJlasLer, 
Späsmii S« Krämpfe. 
S/tccies, Vorzüglich würksame» in Nervenkrankheiten I, 

173— -175. 
Spiritus Mlndereri würkte in einigen Fällen bfnlfuteild 

diuretisch bei einem epidemischen Scharlachfieber> I, 

Spiritus satis, S. Salzsäure, 

Spiritus vitrioli. S. P^itrioisäure» 

Stechapfel. Vergiftung zweier erwachsenen Subjecte durch . 

tien Samen desselben) I, 168-^162. Rettung derselben 

' durch eine antisthenische Behandlung, 162 — 165, Son- 

r derbare Fufsgeschwüre nach dieser Vergiftung nebst 

Bemerkungen über dieselben, i65 — 167. Würki.ng 

äesselben, 167 — 168* Verwechselung desselben mit 
em Schwarzkümmel, 168 — 169 Ueber die incitirende 
und specifische Würkung desselben, 169. Cur der 
Vergiftung durch denselben, i6g -^ 170. Die Pflan» 
sensäuren würken antistheiiisch dagegen. Ibid. Ver- 
'^ l^iftung zweier Kinder durch denselben^ die aber ga^ 
'. rettet wurden, 171 — I72. 
Utra&ismjiS oceli, S. Schielen^ ..i 

SjphUis, S. Lues ventrea^ 

•Tabts dorsalist Heilung einer mit Mropfua testicuhrutn 

ferbundenen, III, 14a — i65» 
^: XIX C. 4* St. M